1. Korinther 12, 26 – 28

1. Korinther 12, 26 – 28:

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26 και ειτε πασχει εν μελος συμπασχει παντα τα μελη ειτε δοξαζεται εν μελος συγχαιρει παντα τα μελη

27 υμεις δε εστε σωμα χριστου και μελη εκ μερους

28 και ους μεν εθετο ο θεος εν τη εκκλησια πρωτον αποστολους δευτερον προφητας τριτον διδασκαλους επειτα δυναμεις ειτα χαρισματα ιαματων αντιληψεις κυβερνησεις γενη γλωσσων

Und wenn nun ein Glied leidet, so leidet der ganze Leib mit, und wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder.

Ihr aber seid ein Leib Christi und Glieder, (jeder) nach seinem Teil.

Und so hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer, weiter (Gaben der) Kräfte, Gaben der Heilungen, der Hilfeleistungen, der Verwaltungen und Arten von Sprachen.

Auslegung:

So wie es im Abschnitt davor am Ende darum ging, dass der Grund für die Unterschiedlichkeit der einzelnen Glieder darin besteht, dass die Glieder gemeinsam füreinander sorgen können und sollen, geht es nun in derselben Argumentation weiter. Jedes Glied hat seine persönliche Gabenkonstellation, seine Auf-Gaben, seine Verantwortungen, aber auch seine Grenzen. Das ist von Gott so gewollt und geplant. Gott ist nicht von Grund auf auf uns Menschen angewiesen, er könnte alles auch ohne uns tun. Aber er hat sich entschieden, durch uns Menschen handeln zu wollen. Das ist ein Zeichen seiner großen, für uns nicht verständlichen Liebe. Nun geht Paulus noch einen Schritt weiter in seinem Vergleich mit unserem Körper: Wenn ein Körperteil leidet, so haben alle Körperteile einen Nachteil davon: Schmerzen in einem Teil des Körpers können andere Teile lahmlegen, bzw. zumindest in ihren Funktionen einschränken.

An anderer Stelle, nämlich im Epheserbrief 5, 27 schreibt Paulus, dass Christus seine Gemeinde (seine Braut) heiligt, damit er sie sich selbst darstelle als eine Gemeinde, die herrlich sei, so daß sie weder Flecken noch Runzeln noch etwas ähnliches habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei.Hier schreibt er von Flecken und Runzeln und ähnlichem. Und wenn die Gemeinde der Leib Christi ist, der aus vielen verschiedenen Körperteilen besteht, so kann man auch festhalten, dass die Haut das größte körperliche Organ des Menschen ist. Sie besteht aus drei Schichten übereinander und enthält zahlreiche Rezeptoren, deren Funktionen man gewöhnlich in die drei Klassen Mechano-, Thermo- und Schmerzrezeptoren einteilt. Diese drei Sorten von Rezeptoren sind über die gesamte Hautfläche verteilt, an manchen Stellen befinden sich jedoch auch Ballungszentren. Mechanorezeptoren nehmen den Druck, Berührung und Vibration wahr, die auf die jeweilige Stelle des Körpers ausgeübt wird. Thermorezeptoren halten die Wärme (oder Kälte) fest und regulieren über einfache Befehle via Nervenstränge die Körpertemperatur, damit er vor Unterkühlung oder Überhitzung geschützt wird. Schmerzrezeptoren geben die empfangenen Reize an das Zentrale Nervensystem weiter, wo sie zu Reflexhandlungen des Körpers führen: Zum Beispiel man setzt sich in einen Kaktus, das führt zum automatischen Wiederaufspringen, wobei auch da Befehle an die jeweiligen Muskeln innerhalb von Sekundenbruchteilen weitergeleitet werden.

Das Ziel, welches Christus mit seiner Gemeinde hat, ist, dass der gesamte Leib Christi vorbereitet und zum Hochzeitsmahl mit Christus, dem Bräutigam, zubereitet wird. Eine Frau wird in den Tagen vor ihrer Hochzeit ganz besonders auch auf ihr Aussehen achten. Sie wird auf ihre Ernährung achten, auf ihren Lebensstil, wird ihren Körper immer wieder vor dem Spiegel überprüfen und sich Gedanken machen, was sie tun kann, um noch schöner auszusehen. Bei der Braut Christi sollte das genau gleich sein: Sie sollte sich auch immer wieder überprüfen und sich ihre Gedanken machen, wie sie ihrem zukünftigen Ehemann noch besser gefallen kann. Das Aussehen und die Hautalterung insbesondere hängen zwar bei uns Menschen auch ein wenig von der genetischen Disposition ab, der Verlauf und vor allem wie schnell dieser Prozess abläuft, hängt sehr sehr stark vom Lebensstil und der gesunden Ernährung ab. Man hat Untersuchungen mit Mäusen gemacht, bei welchen die genetische Disposition „ausgeschaltet“ wurde. Diese Mäuse hatten bis zu ihrem Tod keine wirkliche Hautalterung aufzuweisen als eben diese, die von der Ernährung abhängt. Und da die Braut Christi schon seit Entstehung der Welt existiert (die gläubigen Patriarchen und Israel sind nicht eine andere Braut als die Gemeinde des NTs), gibt es in diesem Falle auch keine genetische Degeneration. Somit hängt bei der Braut Christi wirklich alles vom Lebensstil und der Ernährung ab. Wenn sie schlecht ernährt und schlecht behandelt wird, so zeigen sich darauf sehr schnell die Runzeln und Falten.

Wenn man die Funktionen der Haut betrachtet, kann man sie ungefähr wie folgt zusammenfassen: Schutz für die inneren Organe, Warnung bei Schmerzen und falscher Behandlung des Körpers. Es gibt immer wieder Gemeindeglieder, welche von Gott genau mit diesen Funktionen ausgestattet wurden. Menschen, welche die Zeichen der Zeit zu verstehen wissen. Menschen, welche auf den Mauern der Gemeinde stehen und momentane Einflüsse auch für die kommenden Jahre zu sehen vermögen. Menschen, welche die Gemeinde warnen, wenn sie sich falschen Einflüssen und Lehren aussetzt. Aber auch Menschen, die sehr schnell mit Alterungs- und Ermüdungserscheinungen reagieren, wenn sie falsch behandelt werden. Und genau das ist leider zumeist der Fall. Sie sind ungeliebte Zeitgenossen. Die Haut tut ihren Dienst still und gut, und zwar so lange, wie keine Schmerzen aufkommen. Sonst beginnt sie schrill aufzuschreien und versucht, alle Muskeln in Bewegung zu setzen, um den Körper von den Schmerzen zu befreien. Wenn die Organe unseres Körpers reden könnten, würden sie sich vielleicht auch über die Haut aufregen: Sie ist so still und sagt nichts, solange alles gut läuft. Sie reagiert nur dann, wenn ihr etwas nicht passt. Und doch könnte keines von diesen inneren Organen überleben, wenn nicht die Haut da wäre, die Schutzmauer und der Wächter auf dem Turm.

Wir sind alle der Leib Christi. Jeder Gläubige hat da seinen Platz, seinen Ort, seine Gaben, Aufgaben und seine Verantwortung. Jeder wird gebraucht, damit die Braut Christi richtig funktionieren kann. Jeder hat seinen Teil der Verantwortung. Jedem aber wird dies alles von Gott zugeteilt. Manche Leute wissen nicht, wo ihr Platz und ihre Zuteilung ist. Und da ist es die Verantwortung der gesamten Gemeinde, dies herauszufinden. Ein Körperteil, der nicht weiß, was seine Aufgabe ist, ist erstens nutzlos und zweitens den anderen im Weg. Es gibt verschiedene Posten in der Gemeinde, verschiedene Ämter. Da ist das Amt des Apostels. Ein Apostel hat eine Aufgabe, die üblicherweise außerhalb der Gemeinde ist, die ihn aussendet. Er kann einen übergemeindlichen Lehrdienst haben oder neue Gemeinden gründen. Beides hatte Paulus, der uns das Hauptbeispiel eines Apostels sein soll. Der Dienst eines Apostels wird oft (wenn auch nicht immer und schon gar nicht zwingend) von größeren Zeichen und Wundern begleitet. Ein Prophet hat eine besondere Einsicht in verborgene Dinge, die Gott ihm offenbart. Das können versteckte Dinge im Leben anderer Menschen sein oder auch ein Blick in die Zukunft. Der Dienst unterscheidet sich deutlich von demjenigen des Lehrers, auch wenn beide zusammen durchaus auch vorkommen können. Der Lehrer hat vor allem die Fähigkeit, den Zustand von bestimmten Lehren (und oft auch Prophetien) an Hand der Bibel zu überprüfen und entweder als korrekt oder als Irrlehre zu unterscheiden. Hiermit ist die unvollständige Liste der Ämter abgeschlossen. Es folgen noch verschiedene Gaben, welche bereits weiter oben besprochen wurden.

Die Zersetzung überwinden

Die Zersetzung überwinden

Ein Fünf-Punkte-Plan, mit welchem sich die in der Analyse festgestellte Zersetzung des christlichen Glaubens überwinden lässt.


1. Die biblische Auslegungspredigt erneut aufleben lassen

Am Anfang dieser Überwindung muss die erneute Entdeckung der biblischen Predigt stehen. Solche Predigt ist immer Auslegungspredigt. Hier werden nicht die Gedanken des Predigers im Text drin gesucht und dann dort hineingelegt, sondern der jeweilige Bibeltext gibt die Gedankenfolge vor. In dieser biblischen Predigt ist das Evangelium, welches das göttliche Dynamit ist, das Zentrum. Auslegungspredigt ist deshalb immer auf den Herrn Jesus und Sein Erlösungswerk ausgerichtet, weil alle Schrift es ist, die von Ihm zeugt. Das Alte und das Neue Testament gleichermaßen. Diese Art von Predigt ist es auch, die uns hilft, unser tägliches Leben ganz praktisch nach Gottes Willen auszurichten. Sie hilft uns, zu verstehen, wer wir in Christus sind und wie wir mit Hilfe des Christus leben können. Diese Art der Predigt benötigt ein gutes Fundament im Wort Gottes, insbesondere von dem, was das Wort über die einzelnen Begriffe, über die man predigt, lehrt. Dies gibt den Hörern auch neu die Gewissheit, dass Gottes Wort absolut vertrauenswürdig ist.


2. Gründung christlicher Bekenntnisschulen und Universitäten

Weiter braucht es christliche Bekenntnisschulen in allen Altersstufen und Levels. Es ist notwendig, dass wir unsere Kinder von Menschen lehren und miterziehen lassen, die nicht schon von ihrer Ausbildung her den biblischen Erziehungszielen diametral gegenüberstehen. Den Kindern muss die biblische Schöpfungslehre als mindestens gleichermaßen vertrauenswürdige Lehre wie der ganze Evolutionismus nahegebracht werden. Doch sollen alle Stufen und Altersgruppen diese Möglichkeit haben. Auch eine Universität nach christlichem Bekenntnis wäre dringend notwendig. Und um genügend gläubige Lehrer auch mit dem ganzen pädagogischen Handwerkzeug auszustatten, braucht es natürlich auch christliche Lehrerseminare bzw. eine Universität, an welcher man das Lehramtsstudium auf christlicher Basis absolvieren kann.


3. Gemeinsame Evangelisationsveranstaltungen

Da viele Gemeinden zu klein sind, um den großen Missionsauftrag in ihrer Stadt zu erfüllen, andererseits aber mit anderen Gemeinden im Streit um die rechte Lehre stehen, geht sehr viel Potential für das Gewinnen neuer Seelen verloren. So können die heutigen Gemeinden nicht mehr sagen, dass ihre Hände frei sind vom Blut der Verlorenen. Vielmehr ist es notwendig, dass Gemeinden sich (auch ohne Evangelische Allianz und ähnliche Ökumene-Vereinigungen) zusammenschließen, um gemeinsam zu Veranstaltungen (am besten an einem neutralen Ort) einzuladen. So wird das Potential vieler kleinerer Gemeinden gebündelt und zugleich findet ein fruchtbarer Austausch zwischen den Gliedern verschiedener Gemeinden statt.


4. Das Bekenntnis zum Herrn Jesus als dem einzigen Weg zu Gott statt falsche Toleranz

Dennoch darf bei aller Zusammenarbeit die eine Mitte nicht vergessen werden: Wo das Bekenntnis zum Herrn Jesus als dem einzigen Weg zu Gott durch irgend etwas anderes ersetzt wird, kann keinerlei solche Gemeinschaft stattfinden. So darf es auch nicht zum „gleichwertigen“ Dialog der verschiedenen Religionen kommen, zumindest haben christliche Gemeinden und Kirchen da nichts zu schaffen. Wo die Exklusivität des christlichen Glaubens geleugnet wird, dort ist auch unser Herr, der selbst sagte: „ICH bin Der Weg und Die Wahrheit und Das Leben, niemand kommt zum Vater denn (einzig und allein) durch Mich“ nicht mehr anwesend. Dort wird Er nach draußen getreten, und wenn man Glück hat, dann geschieht es, dass Er mal wieder an die Türe klopft… (siehe Offenbarung 3,20)


5. Mutiges politisches Engagement für christliche Werte

Nicht zuletzt ist es auch notwendig, dass wir uns über das politische Geschehen unserer Zeit informieren, uns aufgrund von Gottes unfehlbarem, irrtumslosem und ewig gültigem Wort eine Meinung bilden und diese auch entsprechend vertreten. Es braucht Politiker, die bereit sind, den Finger auf wunde Punkte der heutigen Politik zu legen und Lösungsansätze von der Bibel her suchen und einzubringen suchen. In einer Zeit ethischer Verwahrlosung unserer Politik ist unser Schweigen auch eine Antwort: Wer schweigt, unterstützt diejenigen, die anderer Meinung sind. Und in einem Staat, der sich demokratisch nennt, ist jeder im Volk (griechisch „demos“) ein Politiker. Liebe Leserinnen und Leser, lasst uns die Verantwortung, die Gott uns übertragen hat, annehmen und nicht länger schweigende und gleichgültige Ja-Sager spielen!

Zersetzung des christlichen Glaubens

Schrittweise Zersetzung des christlichen Glaubens

Ich möchte an dieser Stelle fünf Schritte aufzeigen, wie heutzutage der christliche Glaube unterwandert und zersetzt wird:

1. Gottes Wort wird in Frage gestellt

Am Anfang steht immer der Zweifel an Gottes Wort. Lange Zeit hinweg haben wir Evangelikalen immer treu daran festgehalten, dass die Bibel ganz und gar Gottes Wort ist. Leider hat auch die Einführung der Textkritik an evangelikalen Hoch- und Bibelschulen ihren Teil dazu beigetragen, dass ein großer Teil der Menschen plötzlich unsicher wurde: Was stimmt jetzt? Ist auf die Schrift überhaupt noch Verlass? Hat Gott etwa doch nicht geschafft, Sein Versprechen zu halten, dass Er Selbst Sein Wort bewahren will? Hinzu kommt die traurige Tatsache, dass die Bibelkritik mit ihrer verderblichen historisch-kritischen Methode auch in einige ursprünglich evangelikale Gemeinden gefunden hat. Das beginnt meist im kleinen Rahmen, indem man versucht, den biblischen Bericht über die Schöpfung mit den Neo-Darwinschen Theorien in Einklang zu bringen. Wohlbemerkt: es handelt sich hierbei um zig verschiedene Theorien, die sich hinsichtlich der Forschungsergebnisse je nach Fachbereich deutlich widersprechen. Leider ist die Faulheit mancher moderner Pastoren zu groß, als dass sie sich mit der Verteidigung der einzigen biblisch korrekten Wahrheit befassen wollen oder können. Die jeweilige Position zum Schöpfungswerk ist aber keinesfalls eine belanglose Sache: Es handelt sich hierbei um den Dreh- und Angelpunkt zur Verteidigung der Echtheit aller anderer biblischer Bücher auch. Wer also annimmt, dass der Schöpfungsbericht nur symbolisch für das Werk von Milliarden von Jahren steht, wird im nächsten Schritt auch zugeben müssen, dass die fünf Bücher Mosis vielleicht gar nicht von ihm geschrieben wurden, sondern vielleicht auch von Redaktoren vor und nach dem babylonischen Exil überarbeitet und neu zusammengestellt wurden.

2. Die Lehre von der Gnade wird abgeschafft

Als nächsten Schritt verwirft man die Lehre von der Gnade. Diese beinhaltet die Erwählung der Gläubigen vor Grundlegung der Welt, die Unmöglichkeit des Menschen, sich selbst für Gott zu entscheiden (Frage nach dem freien Willen), sowie die Tatsache, dass ein wahrer Gläubiger (und damit vor Grundlegung der Welt Erwählter) niemals wieder verloren gehen kann. Hierzu werden entweder die biblischen Aussagen dazu als „Lehre von Paulus aber nicht von Gott“ (in Verbindung mit dem ersten Schritt) degradiert, oder man biegt sich die jeweiligen Bibelstellen so zurecht, dass sie in das Konzept passen, das man erreichen möchte. Stattdessen nimmt man lieber die humanistische Aussage an, dass der Mensch so weit gut sei, dass er sich aus sich selbst für Gott entscheiden kann. Dies geht dann so nach dem Prinzip, dass der Glaube zum neuen Gebot gemacht wird (eine Form des Neonominianismus). Der Glaube wird nun plötzlich zu dem Werk erhoben, das retten kann, und vor allem: zu dem Werk, das jeder, der es will, tun kann. Damit geht jede biblische Basis zum Begriff „Glauben“ verloren. Es ist dann weder nötig, den Begriff „Glauben“ von der Schrift her zu definieren, noch muss man ihn irgend jemandem erklären. Jeder kann sich darunter etwas vorstellen, und damit kann auch jeder „nach seiner Fasson“ „gerettet“ werden.

3. Man beginnt zu diskutieren

Der nächste Schritt ist ebenso verheerend: Da nun plötzlich jeder nach seiner Fasson glauben und gerettet werden kann, ist somit die Diskussion eröffnet. In zahlreichen Diskussionsforen werden die Perlen der Schrift vor diskussionsfreudige Säue geworfen. Anstatt dass die Bibel als richtungsweisendes Wort und als oberste Autorität eines jeden Gläubigen hochgehalten wird, indem man sie predigt, sie lehrt und sie vorlebt, gibt es Gespräche. An manchen Orten ist auch die Predigt zu einer Art Podiumsdiskussion geworden, an der sich jeder beteiligen kann, ohne dass die Aussagen groß beurteilt werden. Diese Art von „Freundlichkeit“ gegenüber „Suchenden“ erweist sich mehr und mehr als Unfreundlichkeit, da ihnen ein falsches Bild von der Heiligen Schrift vermittelt wird: Man vermittelt gewissermaßen, dass die Bibel eine Blumenwiese ist, von der sich jede und jeder das pflücken darf, was ihm oder ihr gefällt und mit dem Gepflückten dann selig wird. Und genau das ist es, was jede öffentliche Diskussion über die Bibel vermittelt. Manches Mal kommt es in solchen Diskussionen auch zu regelrechten Streitereien, die den „Suchenden“ deutlich zeigen: All jene Streitenden haben wohl weder den Wert der Schrift noch deren Zentrum in der Nächstenliebe wirklich erkannt. Und mit diesem Schritt in diese ganze Diskutiererei ist auch schon der Weg vorgegeben in den nächsten Schritt:

4. Der Individualismus hält Einzug

Die Frage ist jetzt plötzlich nicht mehr: Was kann ich für Gott tun? Sondern: Was kann Gott für mich tun? Und damit einher geht auch die ständige Frage in allem Leid: Wo war Gott, als ich? Dieser Egoismus wird leider auch durch zahlreiche Gemeinden und Predigten richtiggehend kultiviert. In zahlreichen Predigten geht es nur noch um die sieben Schritte zum Reichtum, die zehn Schritte zum beruflichen Erfolg oder die fünf Schritte zur perfekten Mama. Die Konsum-Mentalität nimmt auch in den Gemeinden zu. Auf der einen Seite beklagt man sich darüber, dass es Ein-Pastoren-Gemeinden gibt, in denen die Mitglieder nicht viel zu sagen haben, auf der anderen Seite fehlt oft die Motivation, selbst auch mit anzupacken. Auch hier dreht sich alles um die Frage: Was kann die Gemeinde MIR geben? Was habe ICH für Vorteile, wenn ich diese Gemeinde besuche? Und wenn die Vorteile plötzlich nicht mehr so stark überwiegen oder man eine andere Meinung hat als das Gros der Gemeinde, dann kann man sie ja immer noch verlassen, stattdessen nur noch einen Hauskreis besuchen und sich Predigten im Fernsehen anhören.

5. Ethische und politische Gleichgültigkeit

Hieraus resultiert denn nun auch ein fünfter Schritt: Man wird ethisch und politisch gleichgültig. Themen wie dass zum Beispiel homosexuelle Partnerschaften auch in die „Ehe“ führen dürfen oder gar dass solche Paare auch leitende Funktionen in manchen Kirchen und Gemeinden übernehmen dürfen, die Legalisierung der Abtreibung, die zunehmende Legalisierung der Beihilfe zur Selbsttötung, die ganze Euthanasiedebatte, die Frühsexualisierung der Kinder in der Schule und vieles mehr wird einfach gleichgültig ignoriert. Zum Teil noch mit der Ausrede: Ich kann ja eh nichts erreichen, mit fatalistischem Schulterzucken oder mit einer falschen lehrmäßigen Voraussetzung (wir sollen ja nur Gottes Reich bauen, was die da draußen machen, soll uns egal sein) wird all dies als zu wenig wichtig abgetan. Doch je mehr wir uns von dieser Haltung treiben lassen, umso kraftloser wird das Salz, als welches wir in diese Welt hinein gestellt wurden. Ich möchte jedem, der das liest, zurufen: Wache auf, nimm dein Leben in die Hand und lass dich nicht vom Feind und dessen Gehilfen leben!

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Bücher zur Predigtlehre

Meine Top 5 der Predigtlehrbücher:

An dieser Stelle möchte ich ein paar Bücher vorstellen, die sich damit befassen, wie man eine Predigt vorbereitet und hält. Ich habe hier die fünf besten, die ich bisher gelesen habe, herausgesucht und stelle sie kurz vor.

Ross, Michael F., Predigen wirkt Wunder. 3L-Verlag, 2009, ISBN-978-3-935188-70-8

Dieses ziemlich neue Buch hat es in sich. Ross hat erkannt und erlebt, dass eine Gemeinde vor allem dann gesund wachsen kann, wenn wir, statt ständig neuen Lehren hinterherzueilen, erneut anfangen, die fundamentalen Wahrheiten der Schrift zu predigen, und zwar in der Ausgewogenheit, wie dies schon bei unseren Vorvätern, den Puritanern, der Fall war. Von ihnen lernt und lehrt er predigen. Eine ausgewogene Predigt muss vor allem auch eine Auslegungspredigt sein. Mit vielen Beispielen und kraftvollen Worten ruft der Autor die Prediger auf, die Predigt zum absoluten Zentrum aller pastoraler Handlungen zu machen.

Lloyd-Jones, D. Martyn, Die Predigt und der Prediger, 3L-Verlag, 2005, ISBN 3-935188-47-1

Bei diesem Buch handelt es sich – wie man sich das bei Lloyd-Jones natürlich gewohnt ist – um eine Serie von Vorträgen, die er am Westminster Theological Seminary für die dortigen Studenten zu halten gebeten worden war. Für ihn ist der Fall eindeutig – die wahre Predigt, so drückt er es aus, sei das dringendste und wichtigste Bedürfnis für die Kirche der heutigen Tage – und damit auch für die Welt. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz kann er über all die wichtigen Themen aber auch über Hindernisse und Fehler der Predigtvorbereitung und -durchführung sprechen. Ein Meister seines Fachs!

Mauerhofer, Armin, JESUS Mitte jeder Predigt, jota-Publikationen, 2005, ISBN 3-935707-35-5

Dieses Buch ist aus den langjährigen Vorlesungen meines Dozenten an der STH Basel, Armin Mauerhofers, entstanden. Es ist ein ausgezeichnetes Buch, das dem Prediger vermittelt, dass der Herr Jesus in jeder Predigt das Zentrum sein muss. Alles, was uns die Bibel verheißt, ist das direkte Ergebnis der Erlösungstat des Herrn, und jeder Forderung, die die Schrift dadurch stellt, kann nur mit Hilfe des innewohnenden Christus entsprochen werden. Auf diese Art und Weise wird jede Predigt lebendig und bleibt keine Theorie, sondern will und kann im täglichen Leben des Hörers auch angewandt werden.

Azurdia, Arturo, In der Kraft des Geistes, 3L-Verlag, 2003, ISBN 3-935188-27-7

In diesem Buch findet man in erster Linie Tipps, wie man mehr Vollmacht in der Verkündigung bekommen kann. Es geht weniger um den Prediger und das Halten von Predigten, sondern um eine Grundhaltung, in der man predigen soll, damit der Heilige Geist das Werk des Predigers in den Hörern bestätigt. Azurdia ist selbst Pastor, der auch von seinen eigenen Fehlern und zahlreichen Überraschungen auf der Kanzel berichtet.

Robinson, Haddon, Predige das Wort, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 2001, ISBN 3-89436-299-5

Dieses Buch habe ich mit großem Gewinn für meine ersten Gehversuche in der Predigtvorbereitung und -durchführung benutzt. Es werden zehn Schritte mit Beispielen und Illustrationen erläutert und viel wertvolles Arbeitswerkzeug vorgestellt. Es lohnt sich speziell für (noch) nicht ausgebildete Prediger und Theologen.

1. Korinther 12, 22 – 25

1. Korinther 12, 22 – 25:

Griechisch:

Deutsch:

22 αλλα πολλω μαλλον τα δοκουντα μελη του σωματος ασθενεστερα υπαρχειν αναγκαια εστιν

23 και α δοκουμεν ατιμοτερα ειναι του σωματος τουτοις τιμην περισσοτεραν περιτιθεμεν και τα ασχημονα ημων ευσχημοσυνην περισσοτεραν εχει

24 τα δε ευσχημονα ημων ου χρειαν εχει αλλ ο θεος συνεκερασεν το σωμα τω υστερουντι περισσοτεραν δους τιμην

25 ινα μη η σχισμα εν τω σωματι αλλα το αυτο υπερ αλληλων μεριμνωσιν τα μελη

Sondern es sind vielmehr gerade die Glieder des Leibes notwendig, die uns schwächer zu sein scheinen.

Und diejenigen, die uns weniger ehrwürdig zu sein scheinen, diese umhüllen wir mit umso größerer Ehre und unsere unansehnlichen haben dafür umso mehr Wohlansehnlichkeit,

aber unsere wohlansehnlichen brauchen das auch nicht. Gott hat den Leib zusammengemischt, auf dass er dem dürftigeren umso mehr Ehre gab,

damit im Leib keine Spaltung sei, sondern dass die Glieder umso besser füreinander sorgten.

Auslegung:

Wiederum zunächst eine Ausrichtung, worauf Paulus mit unseren vorliegenden Versen hinauswill, damit der Spekulationen über die einzelnen Worte kein Raum gegeben sei: Es geht immer noch um den von Paulus getadelten Umstand, dass die Korinther manchen Charismata einen falschen Stellenwert gegeben hatten. Hier im Text will er uns mit seiner typischen Logik aufzeigen, dass diejenigen, die mit großen Gaben und Visionen angeben konnten, gar keinen Grund haben, so viel von sich selbst zu halten. Wie wir im Detail noch sehen werden, tut er dies mit einem ziemlich schweren, gar etwas frechen Seitenhieb.

Vers 22 ist die Überleitung von den vorigen Versen, in welchen Paulus aufzeigte, dass niemand einen Grund hat, von anderen Gliedern schlecht zu reden oder zu denken, zugleich könnte man den Vers aber auch als Überschrift für die Verse 23 – 25 sehen, so als eine Art Einleitung, in welcher er ihnen noch auf die andere Art und Weise das zuvor Gesagte beweisen will. Genau genommen hat er ja zuerst in den Versen 19 – 21 erklärt, was nicht sein darf, nun aber beweist er das selbe noch auf negative Negation, nämlich so, wie es sein soll. Das ist so eine typische Argumentationsweise von Paulus.

Er gebraucht hier einen Vergleich vom menschlichen Körper. Wenn er nun im Vers 23 davon spricht, dass wir diejenigen Körperteile mit umso mehr Ehre umgeben, die uns weniger ansehnlich (oder ehrwürdig) erscheinen, so spricht Paulus zweifellos von unserem menschlichen Körper. Die Ehre meint hier die Bekleidung. Es ist anzunehmen, dass Paulus hier von den menschlichen Geschlechtsteilen spricht, da er das Verb „umhüllen“ gebraucht, welches für die Bekleidung dieser Körperteile steht. Dieser Vers also nimmt die Bekleidung, die „Ehrung“ des menschlichen Körpers auf und setzt sie mit dem Leib Christi in Verbindung. Übrigens sagt Paulus hier mit keinem Wort, dass diese Körperteile schlecht sein sollten, sondern nur, dass es zu seiner Zeit üblich war, sie als minderwertig zu betrachten und deshalb zu verhüllen.

Paulus fährt dann fort, indem er sagt, dass diejenigen Teile unseres Körpers, die wir für ansehnlich halten, dass wir diese eben auch nicht bedecken würden, und das ja auch nicht nötig sei. Nun kehrt er aber zurück zur Gemeinde als Leib des Herrn Jesus und macht den Korinthern klar: Gott hat es halt gleich gemacht, wie die Menschen es auch machen: Der Leib ist so durchmischt und auf diese Weise zusammengestellt, dass diejenigen Glieder des Leibes, die sich gerade am lautesten ihrer Besonderheit durch Ausstattung mit besonders „hohen“, „geistlichen“ Gaben und Visionen rühmten und angeben mussten, in Wirklichkeit nur deshalb von Gott so ausgestattet wurden, weil sie sonst zu wenig ansehnlich wären. Das kann man nun echt einen „Tiefschlag“ nennen…

Gleich darauf wird er aber wieder ernst und beteuert, dass Gott die Vielfalt der Gaben und Ämter gerade deshalb gegeben hat, damit die einzelnen Glieder der Gemeinde umso besser füreinander sorgen können. Das ist auch heutzutage sehr wichtig zu betonen. Jeder Gläubige ist mit einer für ihn bestimmten einmaligen Gabenkonstellation ausgestattet. Nun muss jeder seinen Platz finden und an diesem Platz gehören seine Gaben der ganzen Gemeinde. Es geht weniger um das Verhältnis zwischen Einzelnen, sondern um die Funktion des Leibes als Ganzes. Und wenn für jeden Gläubigen dieses Funktionieren des gesamten Leibes im Mittelpunkt steht, dann ist jedem Einzelnen geholfen, für jeden ist gesorgt und die Gefahr der Spaltungen ist damit ausgeschlossen. Spaltung gibt es erst dann, wenn man aufhört, sich selbst mit seiner Gabenkonstellation ganz seiner Ortsgemeinde zu verschenken. Aber so, wie der Herr Jesus sich selbst an uns verschenkt und hingegeben hat, so sollen auch wir uns unserer Gemeinde, dem Leib Christi, hingeben. Unser Leben in Christus ist immer das Leben in der Gemeinde, und ist nie davon abgesondert und getrennt, sonst entstehen diese Spaltungen, vor denen Paulus hier ausdrücklich warnt.

1. Korinther 12, 19 – 21

1. Korinther 12, 19 – 21:

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Deutsch

19 ει δε ην τα παντα εν μελος που το σωμα

20 νυν δε πολλα μεν μελη εν δε σωμα

21 ου δυναται δε οφθαλμος ειπειν τη χειρι χρειαν σου ουκ εχω η παλιν η κεφαλη τοις ποσιν χρειαν υμων ουκ εχω

Wenn aber alles ein Körperteil wäre, wo wäre dann der Leib?

Nun aber gibt es zwar viele Körperteile, aber (nur) ein Leib.

Das Auge kann aber nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht! Oder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht!

Auslegung:

Hier haben wir eine sehr schöne Aussage des Paulus. Auch hier geht es wiederum um die Tatsache, dass es in der Gemeinde verschiedene Menschen mit verschiedenen Gaben, Auf-Gaben und Ämtern gibt. Er fängt mit einer rhetorischen Frage an: Wenn jeder einzelne Körperteil gleich wäre, so kann daraus gar kein ganzer Leib entstehen. Spötter könnten hier einwerfen, was denn mit den Einzellern wäre. Aber darum geht es hier gar nicht. Das Bild, welches Paulus hier benützt, ist dasjenige vom menschlichen Körper, und der Mensch ist – bewiesenermaßen – kein Einzeller. Leider ist es ein bekanntes Phänomen, dass in vielen Gemeinden (beinahe bin ich versucht zu sagen: in so gut wie allen) Menschen sind, die entweder denken, sie seien unverzichtbar und nichts könne ohne ihre Hilfe richtig gemacht werden oder andere, die ihre eigene Position innerhalb der Gemeinde für so wichtig halten, dass alle so sein sollten wie sie es sind. Der erstere Typ ist vermutlich derjenige, welcher seinen eigenen Platz noch nicht gefunden hat. Er sucht in allen Bereichen sich einzubringen und mitzubestimmen, und dies vor allem deshalb, weil er nicht genau weiß, was seine Auf-Gabe innerhalb dieses Leibes ist. Diesen Leuten und auch der Gemeinde ist mit einem klärenden Gespräch sehr geholfen, vielleicht auch mit einem Gaben-Seminar, in dem er seinen Platz finden kann. Der zweitere Typ ist schwieriger zu bändigen. Er muss zuerst einmal erleben, dass andere auch ihren Platz haben und brauchen. Und das sieht von Fall zu Fall unterschiedlich aus. Ihm muss klar werden: Der Leib hat viele Körperteile, und jedes von ihnen allen ist ebenso wichtig für den ganzen Leib wie er selbst.

So gibt es kein Körperglied, das die Berechtigung hat, irgend einem anderen zu sagen oder von ihm auch nur zu denken, dass es überflüssig sei. Leider gibt es genügend „Pastorengemeinden“, in welcher eine aktive Gemeindeleitung dem Rest der Gemeinde (meist ohne es so auszudrücken oder es überhaupt sagen zu wollen) mit zahlreichen Taten über die Jahre hinweg klar macht: Wir brauchen euch nicht wirklich (außer für eure Spenden, den Putzdienst und den KiGo oder so ähnlich). Diese meist wortlose Erklärung erstickt viel von dem Potential an Leben, das in der Gemeinde steckt. Die Gemeindeglieder werden entweder enttäuscht und ernüchter, gehen oft sogar weg, oder sie werden faul und träge und ruhen sich aus. Das Auge, also diejenigen, welche den Durchblick haben in der Gemeinde, vielleicht der Pastor und ein Kreis von Ältesten, sollten der Hand, nehmen wir mal an, da gibt es Menschen, die gut selbst handwerken können, so der „Do-it-yourself“-Typ, nicht sagen, sie sei unbrauchbar. Vielmehr ist es nötig, dass die Gemeindeleitung, vielleicht auch ein Hauskreisleiter, der für eine bestimmte Anzahl Gemeinde-glieder verantwortlich ist, den richtigen Platz für jeden einzelnen findet. Gott hat es nämlich versprochen in seinem Wort, dass dies so sein soll. Jede und jeder hat seinen und ihren Platz, Auf-Gabe und eine von Gott geschenkte Verantwortung innerhalb der Gemeinde. Diese gilt es, zu entdecken und die Menschen strategisch so einzusetzen, dass die Gemeinde geistlich und auch zahlenmäßig wachsen kann.

Das Gebet für die Gemeinde

Das Gebet für die Gemeinde

Darum lasse auch ich, nachdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von der Liebe zu allen Heiligen gehört habe, nicht ab, für euch zu danken und in meinen Gebeten euer zu gedenken, daß der Gott unsres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und Offenbarung gebe in der Erkenntnis seiner selbst (Epheser 1, 15 – 17)

Nachdem Paulus in den vorigen Versen den ganzen Ratschluss Gottes, den göttlichen Heilsplan, erklärt hat, fährt er nun fort mit der Erklärung, dass er für die Gemeinde betet. Er ist also in Rom gefangen und hat dort genug Zeit. Manche Leute würden anfangen, Trübsal zu blasen und über das ungerechte Leben zu schimpfen. Er hat doch so viel Gutes für Gott getan, und nun wird er sich selbst überlassen? Aber nichts von alledem sehen wir da in den Worten von Paulus. Er ist nicht unzufrieden mit seiner Lage. Klar, die könnte viel besser sein, denn allzu viel Gutes bekam er nicht in seiner Gefangenschaft. Er war außerdem ziemlich streng bewacht und musste über zwei Jahre lang drin bleiben ohne jemals zur Tür hinausgehen zu dürfen. Doch es gab etwas, was ihn davon abhielt, zu schimpfen. Er hatte nun nämlich endlich einmal genug Zeit, um für all die Gemeinden zu beten, die er gegründet hatte.

Wenn er an die Gemeinde in Ephesus denkt, fallen ihm genügend Gründe zum Danken ein: Er hatte von ihrem starken Glauben an den Herrn Jesus gehört von ihrer Liebe zu allen Heiligen. Dass er davon gehört hatte, ist darauf zurückzuführen, dass dies weit herum im ganzen römischen Reich bekannt ist. Zwischen den Gemeinden herrschte damals ein reger Austausch und so hatte jede Gemeinde ihre Bekanntheit durch ein paar Dinge, die einfach bekannt waren. Bei den Ephesern war dies der starke Glaube an den Herrn Jesus und die große Liebe zu den Heiligen. Ephesus war die Stadt, in welcher der Göttin Artemis (die Römer nannten sie Diana) als Schutzgöttin verehrt wurde. Der Artemistempel zählte zu den Weltwundern und wurde von riesigen Touristenscharen besucht. Viele Handwerker lebten von diesem Götzendienst, da sie kleine Statuen von dieser Göttin herstellten. Diese sahen natürlich in der ephesinischen Gemeinde eine riesige Konkurrenz, die es auszurotten galt. So lebte die Gemeinde in ständiger Verfolgung und brauchte deshalb auch einen starken Glauben. Aber über diesen Glauben hinaus lebten sie auch in beständiger Gastfreundschaft mit Leuten aus anderen Gemeinden. Vermutlich kamen viele christliche Händler in die Metropole Ephesus, um dort ihre Waren anzubieten und deshalb wurde auch die große Liebe zu allen Heiligen bekannt.

Interessant ist, dass Paulus an der Gemeindepraxis nichts zu kritisieren hatte. Der Brief ist ein reiner Lehr-brief. So wie der Römerbrief auch. In allen anderen Briefen hatte Paulus eine ganze Menge an dem zu kritisieren, was in den Gemeinden falsch lief. Nur in diesen beiden Lehrbriefen nicht. Der Römerbrief ist eine sehr systematische Abhandlung, in welcher alle wichtigen Themen des christlichen Glaubens drin stehen: Wer ist der Mensch? Was ist die Sünde? Wie wird man erlöst? Was tut der Heilige Geist? Wie hat Gott uns erwählt? Was ist die Gemeinde? Wie sollen wir in der Welt leben? Diese Fragen werden alle im Römerbrief ziemlich ausführlich unter die Lupe genommen und beantwortet. Der Epheserbrief nimmt nun einen Abschnitt aus diesem ganzen Lehrgebäude heraus, die Lehre von der Gemeinde. Hier beantwortet Paulus die Fragen: Was ist die Gemeinde? Wer gehört zur Gemeinde? Wie entsteht die Einheit innerhalb der Gemeinde? Und schließlich auch: Wie sollen wir in der Gemeinde miteinander leben und umgehen? In diesen ganzen Lehren sagt Paulus, dass er für die Gemeinde dankt, und zwar gerade weil die Gemeinde von Ephesus ganz besonders das ernst nimmt, was die Mitte des christlichen Glaubens ist: Der Glaube an den Herrn Jesus und die Liebe zu den Heiligen.

Und dann geht er von diesem Dank aus weiter zu einer Bitte. Er macht der Gemeinde keinen Vorwurf, und zwar deshalb, weil es sich beim Inhalt dieser Bitte um etwas handelt, das ein Leben lang zunehmen sollte: Dass wir Gott immer besser erkennen können. Paulus bittet Gott darum, dass die Gemeinde immer mehr an der Gotteserkenntnis zunehmen möge. Zwei Gedanken hierzu: Es ist ein Gebet um diese Erkenntnis. Niemand kann sie anders bekommen als durch stetige Bitte darum. Gott erkennen kann kein Mensch aus sich selbst, das geht nur, wenn Gott sich uns offenbart. Wenn Paulus vom „Geist“ der Offen-barung spricht, so meint er damit die Gnadengabe, das Charisma, der Offenbarung. Wir brauchen die Leitung des Heiligen Geistes auf der Reise zur Gotteserkenntnis. Und da wir oft anders denken und wollen (auf einem anderen, irdischen, menschlichen Level), ist diese Reise oft beschwerlich. Denn nicht selten führt sie uns von dem weg, was wir uns wünschen. Mehr noch: Manchmal führt diese Reise auch durch sehr schwere Momente hindurch. Besonders dann, wenn wir lernen sollen, dass Gottes Pläne für unser Leben so viel besser sind als wir uns das vorstellen können. Dann nämlich passiert es nicht selten, dass wir über den Schatten unseres Stolzes, unseres Selbstvertrauens und auch unserereigenen Möglich-keiten hinwegspringen müssen. Das Streben nach der Offenbarung Gottes ist ein stetiger Weg der Demut und oft auch der Demütigung. Denn Gott offenbart sich unter dem Gesichtspunkt des Gegenteils: Wir werden in Christus lebendig gemacht, indem wir der Sünde und uns selbst sterben. Wir bekommen neue Kraft, indem wir zuerst der eigenen Kraft verlustig gehen und am Boden der Schwachheit sind. Christus macht uns gerecht, nachdem wir unsere Ungerechtigkeit festgestellt haben, und so weiter. Wenn ich (in mir selbst) schwach bin, so bin ich stark (in Christus). So führt der Weg nach oben immer nach unten, in die Beugung unter das Kreuz. Wo wir dies ganz praktisch in unserem Leben verstehen lernen, dort kann sie wachsen, diese Offenbarung.

Ein zweiter Gedanke dazu: Der Anfang aller wahren Erkenntnis ist die Furcht Jahwes. Nur dort, wo die Ehrfurcht vor Gott herrscht, ist er bereit, uns den Geist der Weisheit zu schenken. Gott ist die absolute All-Weisheit und All-Wissenheit. Dort, wo wir bereit sind, uns seinem Willen zu beugen und unseren eigenen Willen zu verleugnen, dort schenkt Gott die Weisheit. Gott ist der Vater der Herrlichkeit, der absolut herrliche und einzig-wahre Gott. Gott loben und preisen ist oft ein Schlüssel zu dieser Weisheit. Echte Gottesfurcht besteht in der Bereitschaft zum Gehorsam, egal was andere sagen oder denken mögen, egal was ich selbst denke, egal was es mich kostet. Aus dieser Bereitschaft heraus wächst die Erkenntnis Jahwes, und wo diese Bereitschaft vorhanden ist, da offenbart der Herr sich gerne.

Bist du bereit dazu? Möchtest du Gott immer besser kennenlernen? Abram ist uns da ein Vorbild. Er war ein echter Freund von Gott und hat Gott auch sehr nahe und gut kennenlernen dürfen. Aber seine Bereitschaft zum Gehorsam war (trotz seiner Fehler, die er machte) immer da und deshalb offenbarte der Herr sich ihm auch immer wieder neu und immer wieder in noch weiteren Stadien der Gotteserkenntnis.

Einschub zum Korintherbrief

Von gewissen Charismata und der Geistestaufe

Da mich kürzlich die Anfrage erreichte, wie ich zu bestimmten Auslegungen komme, möchte ich diese Gelegenheit beim Schopfe packen und in einem Zwischen-Posting auf diese Frage sowie diejenige nach dem Begriff der Geistestaufe zu sprechen kommen. Oben genannte Anfrage betrifft die beiden Gaben des Glaubens und der Zungenrede, die wir in der Auslegung zu den Versen 8 – 11 behandelten. In der Aufzählung gewisser Gaben werden diese beiden mit „heteros“ und nicht (wie sonst bei allen übrigen üblich) mit „allos“ eingeleitet. Dieser Tatsachenbestand muss einem jeden Leser, des Koine-Griechisch beherrscht, auffallen. Weiter kann man festhalten, dass a. durch diese Formulierung diese beiden Gaben von den übrigen abgehoben werden und b. diese beiden Gaben in einer bestimmten Art und Weise zusammengefügt werden. Es wird dadurch deutlich, dass den beiden mit „heteros“ eingeleiteten Gaben etwas anhaftet, das bei den übrigen nicht der Fall ist. Was nun diesen Unterschied ausmacht, das ist eine Frage, auf welche der Ausleger, von der restlichen Gesamtheit der Schrift ausgehend, eine Antwort finden muss.

Zunächst wollen wir den ersten Begriff etwas näher betrachten. Im griechischen Text steht da „pistis“. Pistis bedeutet sowohl Glaube als auch Treue. In unserer Kultur sehen wir leider nicht mehr wirklich den Zusammenhang dieser beiden deutschen Worte. Da dürfen wir von der biblischen Kultur dazulernen: Glaube im biblischen Sinne ist nur dann echter Glaube, wenn er mit der Treue einhergeht, das bedeutet, wenn er so beschaffen ist, dass er entgegen allen Hindernissen und entgegen aller Zeit und Unsichtbarkeit daran festhält. Deshalb können auch nur diejenigen wirklich gläubig sein, die im Glauben (also in der Treue) dranbleiben, und zwar komme was immer wolle. Glaube bleibt treu, egal wie viel Widerstand kommt und egal, wie viel Geduld nötig ist dazu. Dieser Glaube ist die absolut erste Notwendigkeit zur Erlösung. Reines Fürwahrhalten ohne Treue kann niemanden retten. In dem Falle würde der Glaube dann wirklich zum Opium für das Volk. Deshalb ist die Pistis auch einzig und allein Gottes Werk, eine Gabe des Heiligen Geistes. Und im Leben eines Gläubigen wächst diese Gabe des Glaubens beständig dadurch, dass sich das Geglaubte immer wieder als wahr erweist (also sichtbar wird). Aber grundsätzlich bleibt der Glaube auch ohne sichtbare Entsprechung im Leben beständig, wo er einmal Fuß gefasst hat. Deshalb sagte der Herr Jesus auch das Gleichnis, in welchem er den Glauben mit einem Senfkorn vergleicht. Wo er einmal anfängt zu wachsen, da wächst er und ist kaum noch zu stoppen. Und das sagt der Herr von dem Glauben, der errettet. Diesem Glauben ist es möglich, das Wunder des Berge-Versetzens zu tun. Somit ist die Grundlage für diesen Glauben auch jedem wahren Gläubigen gegeben.

Das scheint nun, wenn man die Apostelgeschichte liest, eine Parallele in der zweiten mit heteros eingeführten Gabe zu sein. Bei zahlreichen Bekehrungen und evangelistischen Predigten in diesem Buch der Bibel lesen wir davon, dass die Menschen anfingen, in neuen Sprachen zu reden, Gott zu loben und preisen und zu beten. Das ist das Phänomen, das in der heutighen Szene der Gemeinde den Namen Sprachenrede oder Zungenrede bekommen hat. Dieses Phänomen steht nicht immer wörtlich in der Apostelgeschichte. Bei der Bekehrung des Saulus zu Paulus zum Beispiel wird es mit keinem Wort erwähnt. Dennoch kann er später an die Gemeinde in Korinth schreiben, dass er Gott dankbar ist, dass er noch mehr in Zungen rede als die Korinther. So können wir davon ausgehen, dass diese Gabe zumindest sehr häufig die Geistestaufe begleitet hat. Es ist aber ebenso klar, dass dies nicht zwangsläufig immer der Fall sein muss. Deshalb ist diese Gabe auch weder ein Zeichen für besondere Gnade von Gott noch für eine besondere geistliche Reife. Es ist eine Gabe von Gott, ein Werkzeug in unseren Händen. Inwiefern es ein Werkzeug ist und wozu dieses gebraucht wird, möchte ich an dieser Stelle jedoch noch nicht vorwegnehmen.

In dem Zusammenhang möchte ich jedoch noch auf eine andere Frage eingehen. Sie wurde bisher zwar noch nicht explizit gestellt, doch möge eine Antwort darauf eine Hilfestellung für viele Leserinnen und Leser werden. Es geht um die Frage, was denn die Geistestaufe ist, was sie bewirkt, wann sie stattfindet und wie sie sichtbar wird. Zunächst wieder der Befund im Neuen Testament. Wenn in der Bibel der Begriff Geistestaufe vorkommt, so steht im Griechischen der Begriff: „baptizein eis to Pneuma“, in den Geist hinein taufen. Es handelt sich dabei aber weder um die Wassertaufe noch um die Feuertaufe noch um die Blutstaufe noch um die Taufe in die Gemeinde hinein. Diese alle Begriffe kennt das Neue Testament in Bezug auf Taufen, und jede davon hat eine eigene, spezielle Bedeutung. Weiter bezeichnet die Geistestaufe weder die Bekehrung noch die Wiedergeburt noch das regelmäßige Empfangen von Heiligem Geist (das zum Beispiel in Eph. 5, 18 erwähnt wird). Wie jede Taufe findet auch diese exakt ein einziges Mal im Leben eines Gläubigen statt. Und wie jede andere Taufe ist auch diese ein zeichenhaftes Geschehen für etwas, das bereits stattgefunden hat.

Soviel einmal zu dem, was die Geistestaufe nicht ist und was sie doch mit den anderen Taufen verbindet. Nun zu dem, was die Geistestaufe ist:

-Sie ist ein zeichenhaftes Geschehen dafür, dass der Heilige Geist mit seinem Werk begonnen hat

-Sie ist die erste Kraftausrüstung mit übernatürlichen Charismen

-Sie kann zugleich mit der Bekehrung und Wiedergeburt oder gesondert von ihr nach dieser stattfinden

-Sie kann von der Gabe der Zungenrede begleitet sein.

Die Vielfalt der Lehren in den verschiedenen Denominationen sind ein Beweis dafür, dass unser Erkennen Stückwerk ist und bleibt bis wir als heilige Braut dem Herrn entgegen entrückt werden. Wer dies leugnet und meint, das Stückwerk sei nun vollkommen geworden, möge aufpassen und über seine Zunge wachen. Denn diese Aussage unterstellt allen, die nicht in jedem Detail der Lehre mit ihm eins sind, ungläubig zu sein.

1. Korinther 12, 15 – 18:

1. Korinther 12, 15 – 18:

Griechisch

Deutsch

15 εαν ειπη ο πους οτι ουκ ειμι χειρ ουκ ειμι εκ του σωματος ου παρα τουτο ουκ εστιν εκ του σωματος

16 και εαν ειπη το ους οτι ουκ ειμι οφθαλμος ουκ ειμι εκ του σωματος ου παρα τουτο ουκ εστιν εκ του σωματος

17 ει ολον το σωμα οφθαλμος που η ακοη ει ολον ακοη που η οσφρησις

18 νυνι δε ο θεος εθετο τα μελη εν εκαστον αυτων εν τω σωματι καθως ηθελησεν

Wenn der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, ich bin nicht vom Leib, so wäre er nicht weniger ein Teil des Leibes

und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, ich bin nicht vom Leib, so wäre es nicht weniger ein Teil des Leibes.

Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre dann das Gehör? Wenn der ganze Leib Gehör wäre, wo wäre dann der Geruchssinn? (das „Genas“)

Nun aber hat Gott die Körperteile, jedes einzelne von ihnen, in den Leib gesetzt, wie er wollte.

Auslegung:

Bisher ging es um die Einheit aller Körperteile in dem einen Leib. Dieser Teil ist mit Vers 14 beendet. Nun beginnt hier mit Vers 15 ein neuer Abschnitt des Textes, nämlich die Verschiedenheit der unter-schiedlichen Glieder in der Einheit des einen Leibes. Paulus streicht hier hervor, wie wichtig es ist, dass der Leib diese unterschiedlichen Glieder hat, und dass jedes von ihnen seinen Platz und seine Aufgabe bekommen hat. An dieser Stelle noch zwei Anmerkungen zum bisherigen Abschnitt. Manche Menschen benutzen den Abschnitt, um von den Unterschieden der weltweiten und der örtlichen Gemeinde zu unterscheiden, und nicht wenige von ihnen missbrauchen diese ihre Aussage, um die weltweite Gemeinde der örtlichen Gemeinde vorzuordnen. In der damaligen Zeit, als Paulus umhergereist war und all diese Gemeinden gegründet hatte, war das durchaus der Fall. Die Lehre der Apostel war, da sie noch nicht in ihrer Gesamtheit niedergeschrieben war, übergemeindlich gültig und verbindlich für alle Gemeinden. Dies ist auch heute nach wie vor der Fall. An der Apostellehre, die wir im gesamten Neuen Testament (und nicht etwa nur in den Briefen!) finden, muss all unsere Praxis beurteilt und unter Umständen auch angepasst werden. Aber in der heutigen Zeit der vielen verschiedenen Denominationen ist es wichtig, dass jede Gemeinde in erster Linie autonom diese Überprüfung vornehmen und Entscheidungen dazu treffen kann. Wo eine Über-Organisation (ein Gemeindebund oder eine ganze Denomination) diese Funktion übernimmt, ist kein gesundes Gemeindeleben mehr möglich.

Damit kommen wir auch zu einem zweiten Gedanken: zur Frage der Einheit. Da die Bildung von ökumenischen Verbänden immer in sich die Tendenz hat, einen solchen Missbrauch zu treiben, dass den verschiedenen örtlichen Gemeinden eine solche Über-Organisation ihre Meinung aufoktroyieren will, ist die Bildung von überregionalen Verbänden dieser Art immer eine ungesunde Entwicklung. Dabei spielt es keine Rolle, wie ein solcher sich nennt, sei es ÖRK (ökumenischer Rat der Kirchen), ACK (Arbeitskreis christlicher Kirchen) oder Deutsche (Weltweite) evangelische Allianz. Es kann nicht sein, dass die Gemeinden, weil sie in einem bestimmten Bund sind, dazu gezwungen werden, mit bestimmten Gemeinden zusammenzuarbeiten. Auf keinen Fall möchte ich damit gegen die Zusammenarbeit von Gemeinden verschiedener Denominationen in einem Ort oder einer Region Stellung beziehen, im Gegenteil, eine solche Zusammenarbeit ist sehr gut und fruchtbar. Aber sie muss auf freiwilliger Basis geschehen, damit sie eine solche fruchtbare Beziehung entstehen lassen kann.

Nun zu unserem obigen Text. In der Gemeinde, und zwar in der jeweiligen Ortsgemeinde, braucht es notwendig einen ganzen Leib bestehend aus all den Gliedern, die dort zur Gemeinde gehen. Wer nicht bereit ist, sich einer solchen Ortsgemeinde ein- und unterzuordnen, kann auch nicht damit rechnen, ein Glied an der weltweiten Gemeinde zu sein. Wer seine Gaben in der weltweiten Gemeinde gebrauchen will, ohne zugleich sich einer Ortsgemeinde anzuschließen, kann nicht damit rechnen, in seinen Gaben von Gott gebraucht und gefördert zu werden. Es gibt klar Menschen, die über ihre Ortsgemeinde hinaus tätig sind und gebraucht werden, aber sie alle haben sich verbindlich einer einzelnen Ortsgemeinde anzuschließen und sind dieser auch jederzeit Rechenschaft schuldig. Die Gaben, Aufgaben und Funktionen, die wir von Gott bekommen, gehören (und zwar vollumfänglich) derjenigen Gemeinde, zu der wir uns verbindlich bekennen. Sie kann uns aussenden, aber auch wieder zurückfordern. Sie ist für uns verantwortlich und wir sind ihr jede Rechenschaft schuldig, die sie von uns fordert. Gerade weil wir Glied einer lokalen Gemeinde sind, gehören wir nicht mehr uns selbst, sondern diesem örtlichen Leib Christi. Und dem gesamten Leib Christi gehören wir nur insofern an, als wir eben Glieder einer ganz bestimmten lokalen Gemeinde sind.

Jeder von uns hat seine ganz bestimmte, nur ihm persönlich eigene, Gabenkonstellation. Mit dem Bild von Paulus gesprochen: jeder ist ein bestimmter Körperteil am ganzen Leib. In dieser Funktion als der eine Körperteil ist damit jeder von uns unentbehrlich. Das dürften manche Gemeinden ruhig etwas ernster nehmen und ihre Glieder auch entsprechend honorieren. Der Leib Christi ist unvollständig mit jedem Glied, das fehlt oder krank wird. Ein Glied der Gemeinde, das anfängt, in Sünde zu leben und darin zu verharren, ist eindeutig ein krankes Glied. Sünde ist eine schlimme Krankheit, da sie das Gewissen gleichgültig macht, den Sündigenden erblinden lässt, die gesamte Gemeinde unterwandert und verseucht sowie die Gemeinde in der Welt schlechtmacht. Diese Überlegungen haben deutliche Auswirkungen auf unser Verständnis von der Gemeindezucht. Ja, nun ist ein ganz unbeliebtes Wort gefallen. Gemeindezucht ist, richtig angewandt, der Heilungsprozess für eine kranke Gemeinde. Leider hat der missbräuchliche Gebrauch dieses Arzneimittels dieses in ein äußerst schlechtes Licht gebracht. Gemeindezucht darf immer nur dem Ziel dienen, ein gefallenes Gemeindeglied zum Umstimmen zu bringen. Das Ziel darf niemals der Ausschluss sein, sonst handelt es sich um genau so einen Missbrauch. Da jedoch Gott es ist, der jedem einzelnen Glied seinen Platz in der Gemeinde zuweist, dürfen wir uns darüber kein Urteil anmaßen, ob jemand durch sein Sündigen bewiesen hat, dass er nicht neugeboren wurde. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, diese Person in aller Liebe und damit auch Deutlichkeit und Strenge zurückgewinnen zu versuchen.

Nicht jeder von Gott Berufene und Erlöste muss so sein, wie wir es sind. Viele Traditionen, an denen wir vielleicht seit Generationen festhalten, sind überholt und neuen Gliedern ein Ärgernis und Hindernis. So dies der Fall sein sollte, dann nichts wie weg mit diesen überkommenen Traditionen. Sie haben ihren Wert dadurch bekommen, dass sie manchen Menschen eine Stütze im Leben sein konnten. Aber spätestens wenn eines der Glieder der Gemeinde daran Anstoß nimmt, ist der Moment gekommen, diese allesamt zu hinterfragen und falls irgend möglich durch etwas Neueres zu ersetzen. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass alles Leben in der Gemeinde zu totem Ritualismus wird. Auch eine gewisse Lebendigkeit kann zu solch einem Ritualismus werden. Dann nämlich, wenn wir beginnen, ihn um seiner selbst willen zu leben und nicht um der Menschen willen, die dadurch errettet werden sollen.

Ein Körper, in welchem alle Gliedmaßen gleich sein wollen, ist kein Körper mehr, sondern ein Monstrum. Wenn jeder die Aufgabe und Verantwortung eines Ältesten oder Pastors übernehmen wollte, der nicht in diese Funktion gehört, so kann das Ganze nicht gut kommen. Es ist Gottes Aufgabe, einen jeden in seinen Verantwortungsbereich hineinzusetzen und ihn entsprechend auszurüsten. Andererseits können wir in der heutigen Zeit sehr oft feststellen, dass auch in der Gemeinde die natürlichen Fähigkeiten weitaus höher eingeschätzt werden als die Charismen. Es kann sein, dass Menschen in ihrem Berufsleben sehr gute Manager oder Redner (Rhetoriker) sind, aber in der Gemeinde von Gott andere Auf-Gaben zugeteilt bekommen als diejenigen, die man ihren natürlichen Fähigkeiten (ich kann hier aus Gewissensgründen nicht von natürlichen Gaben sprechen) zuordnen würde. Wenn nun jemand aber fälschlicherweise in eine andere Verantwortung eingeteilt wird als diejenige, die ihm von Gott her zustünde, so geht erstens sehr viel Potential verloren und zweitens ist die menschlich-seelische Folge davon entweder Überheblichkeit, Arroganz, Hochmut oder Deprimiertheit. Und beide Arten der Auswirkungen haben schon öfters zu großen Fehlentwicklungen ganzer Gemeinden und auch Gemeindebewegungen geführt. Oft sind es dann die „guten Redner“, denen man viel Vertrauen schenkt. Und plötzlich stellt sich dann heraus, dass jemand zu sehr im Rampenlicht gestanden ist und dadurch auch nicht selten dessen Ehe und Familie stark darunter gelitten hat, oft auch gepaart mit Ehebruch – der Flucht in eine scheinbar heile Welt, in der man Verständnis bekommt. Auch das kann nicht Gottes Wille sein – doch allzu oft leider verkaufen wir den unseren als Seinen…

1. Korinther 12, 12 – 14:

1. Korinther 12, 12 – 14:

Griechisch

Deutsch

12 καθαπερ γαρ το σωμα εν εστιν και μελη εχει πολλα παντα δε τα μελη του σωματος του ενος πολλα οντα εν εστιν σωμα ουτως και ο χριστος

13 και γαρ εν ενι πνευματι ημεις παντες εις εν σωμα εβαπτισθημεν ειτε ιουδαιοι ειτε ελληνες ειτε δουλοι ειτε ελευθεροι και παντες εις εν πνευμα εποτισθημεν

14 και γαρ το σωμα ουκ εστιν εν μελος αλλα πολλα

Denn genau so, wie der Leib einer ist und viele Körperteile hat, alle Körperteile des Körpers aber von dem einen Leib sind, auch wenn es viele von ihnen sind, so auch der Christus.

Denn auch in einem Geist sind wir alle in den Leib eingetaucht worden, seien es Juden oder Griechen, seien es Sklaven oder Freie, auch sind alle in dem einen Geist hineingetränkt worden,

denn auch der Leib besteht nicht aus einem Körperteil, sondern aus vielen.

Auslegung:

Einführend möchte ich auch hier wiederum erwähnen, dass es zum Textverständnis ganz wichtig ist, sich zu erinnern, worum es Paulus hier geht, was er mit dem Text erreichen möchte und was nicht. Es geht hier zunächst einmal nicht um die Geistestaufe. Das ist gerade deshalb so wichtig zu sehen, weil viel zu viele Ausleger hier eine Aussage über die Geistestaufe sehen wollen. Wenn man den Text jedoch exakt analysiert, so sieht man bereits beim Wortgebrauch, dass es sich eben nicht um die Taufe in den Heiligen Geist geht, sondern um die Taufe in den Leib Christi, in die Gemeinde hinein. Diese Taufe in den Leib Christi geschieht durch den Heiligen Geist. Worum es Paulus aber in erster Linie geht, ist die Einheit der Gemeinde, die nämlich darin besteht, dass alle in der Gemeinde zu einem einzigen Leib gemacht worden sind. Wir erinnern uns, dass Paulus schon im zweiten Teil des elften Kapitel von Spaltungen, Parteiungen und anderen Häresien sprach. Der ganze Abschnitt ab jenem Teil bis hier hin dient einzig dazu, die Korinther zu überzeugen, dass der Heilige Geist eine Einheit schaffen will, und zwar eine Einheit aller Gläubigen, die in der Gemeinde sind. Es gibt keine Aufteilung in bessere oder weniger gute Teile am Leib Christi. Es gibt keinen Unterschied zwischen den „geistlicheren“ und den übrigen. Alle, die wirklich ein Teil des Leibes sind, sind zu einer neuen Einheit gemacht worden durch den Heiligen Geist. Und diese sollten sie bitte auch ausleben.

Bereits bei zahlreichen vorneutestamentlichen griechischen Autoren und Philosophen wurde das Bild vom Körper für das Gebilde eines Staates verwendet. Dieses Bild, das somit den Korinthern bestimmt schon geläufig war, bezieht Paulus nun auf die Gemeinde. Er sagt, dass es viele verschiedene Körperteile sind, die einen einzigen Körper ausmachen. Dieser eine Körper ist ein wunderschönes Bild für die Gemeinde. Deshalb schreibt Paulus: So wie viele Körperteile einen Körper ausmacht, so auch der Christus. Lasst uns ein wenig auf das Bild eingehen. Christus ist das Haupt, der Kopf, der Gemeinde, und die einzelnen Leute in der Gemeinde sind seine Körperteile. Das Bild ist wunderschön, und je mehr die heutige Wissenschaft über den menschlichen Körper herausfindet, desto mehr Parallelen kann man auch in diesem Bild sehen. Der Kopf (also sein Hauptorgan, sprich das Hirn) hat drei wesentliche Hauptfunktionen, die er für den restlichen Körper übernimmt:

Erstens nimmt er über Nervenbahnen die Reize auf, die von außen an den Körper herankommen, also alles, was die Augen sehen und die Ohren hören, etc. sind eigentlich nur Reize, die als elektrische Impulse weitergeleitet und erst im Kopf zu dem „Bild“ umgeformt werden, das wir dann von unserer Umwelt haben. Genau so brauchen wir auch Christus im Wort Gottes, um von dem, was auf uns eindringt, ein richtiges Bild zu bekommen. Wenn wir uns auf das verlassen, was wir selbst denken und von alledem halten, was wir sehen, hören, fühlen, etc. bekommen wir nur ein sehr ungenaues Bild davon.

Zweitens hat er die Aufgabe, diese umgewandelten Reize zu verarbeiten, mit bereits früher gespeicherten Reizen zu vergleichen und dann abzuspeichern. Genau so hilft uns auch Christus, in seinem Wort und in der bisherigen Kirchengeschichte Ähnlichkeiten zu finden und diese entsprechend auch zu verarbeiten und im heutigen Kontext neu zu formulieren.

Drittens bestimmt er die Art und Richtung, in welcher der Körper gehen und handeln soll und gibt entsprechende Befehle an den Körper weiter. Genau so ist es auch Christus, welcher unsere Art und Richtung als Gemeinde vorgibt und uns durch das Lesen der Bibel, Predigt, Lehre und Prophetie die Befehle weitergibt, welche wir in der Welt umzusetzen haben.

Es gäbe noch viel mehr darüber zu schreiben oder zu sagen. Man könnte schon Bücher füllen allein mit diesem einen Bild von der Gemeinde, genauso wie auch von all den übrigen (Gemeinde als Tempel, als Armee, als Braut Christi).

Im nächsten Vers schreibt Paulus davon, wie die Einheit innerhalb der Gemeinde zustande kommt. Diese geschieht durch das Werk des Heiligen Geistes. So, wie die Körperteile durch Nerven mit dem Haupt aber auch miteinander (über das Rückenmark und über Eiweißverbindungen auch direkt) kommunizieren können, so können auch wir miteinander und mit dem Herrn Jesus als unserem Haupt kommunizieren. Die Einheit ist ein Werk des Heiligen Geistes, der uns alle miteinander und mit dem Herrn verbindet. Wir werden mit unserer Bekehrung durch den Heiligen Geist in die Gemeinde hineingetauft und bekommen damit auch schon unseren Platz innerhalb dieser Gemeinde. Der Heilige Geist ist das Band, das uns alle zusammenhält und mit dessen Hilfe wir auch diese Einheit bekommen und erhalten sollen. Manche Ausleger setzen in diesem Vers die Taufe durch den Heiligen Geist mit der Taufe in den Heiligen Geist oder gar mit der Wassertaufe gleich. Wer auf die zweite Art argumentiert, kann auf jeden Fall schon gar nicht die Praxis der Kindertaufe befürworten, denn erst durch den aktiven von Gott gewirkten Glauben kann jemand überhaupt selbst ein Teil der Gemeinde werden. Gegen diese Auslegungen müssen wir an der Genauigkeit der biblischen Ausdrücke festhalten. Wenn die Bibel von der Geistestaufe spricht, so lesen wir da immer (wörtlich übersetzt) Taufe in den Heiligen Geist hinein. Es kommt also darauf an, dass wir den Text so lesen, wie er da steht. Wo im Griechischen „en Pneuma“ (im Geist) und nicht „eis Pneuma“ (in den Geist hinein) steht, da ist es die Wirkung des Heiligen Geistes auf den Menschen.

Das Hauptthema, das Paulus also hier behandelt, ist keinesfalls die Taufe in den Heiligen Geist, sondern die Taufe durch den Heiligen Geist in die Gemeinde, den Leib Christi, hinein. Diese Taufe in den Leib hinein bewirkt die geistgewirkte Einheit des gesamten Leibes. Der Körper braucht etwas, das ihn als Ganzes zusammenhält und dafür sorgt, dass jeder das bekommt, was er braucht. Und genau das ist die Aufgabe des Heiligen Geistes. Im Moment der Bekehrung und Wiedergeburt bekommt der Mensch den Heiligen Geist, der ihn zu einem vollwertigen Mitglied der Gemeinde macht, ihm einen für ihn geschaffenen und vorbereiteten Platz zuweist und ihm zu einem Leben in der Heiligung verhilft. Wer den hiesigen Text dazu missbrauchen will, indem er den Vers für eine Aussage über die Geistestaufe heranzieht, tut dem Text und vor allem dem Thema Gewalt an. Die Einheit, welche der Heilige Geist bewirkt, indem er alle Gläubigen in die Gemeinde hineintauft, ist vor allem so beschaffen, dass es keine Unterschiede mehr zwischen den einzelnen Gliedern der Gemeinde gibt. Es werden dadurch keine Ämter abgeschafft, aber alle Glieder mit ihren Ämtern und Gaben stehen vor Gott als gleichwertige Glieder da. Ein Pastor oder Ältester ist durch sein Amt nicht ein besserer Gläubiger oder gar ein besserer Christ, er hat einfach ein bestimmtes Amt, und gemäß diesem Amt wird er am Ende auch von Gott beurteilt und belohnt werden. Je mehr ein Christ weiß (und das hat auch mit seiner Funktion innerhalb der Gemeinde zu tun), desto mehr Verantwortung trägt er. Somit zählt vor Gott nicht, ob einer ein Fabrikarbeiter, Bankangestellter, Millionär oder Gemeindepastor ist. Das Einzige, was zählt, ist, ob er in seiner Position als Christ in der Gemeinde und als Mensch in der Gesellschaft in seinen von Gott gegebenen Aufgaben treu war oder nicht.

So wie der Körper verschiedene Körperteile hat, besteht auch die Gemeinde aus verschiedenen Gliedern, von denen jedes mit Gaben ausgerüstet ist. Jede Gabe ist in sich zugleich eine Auf-Gabe, eine Verantwortung. Diese Aufgabe zu finden, in ihr zu leben und vor allem auch in ihr Gottes Liebe weiter zu geben, das ist, was zählt. Wenn wir das tun, wird der Herr eines Tages sprechen: Du guter und treuer Knecht! Über Weniges warst du treu, nun will ich dich über Vieles setzen! Gehe hinein in die Freude deines Herrn!