Der Wächterruf

Menschensohn, rede zu den Kindern deines Volkes und sage ihnen: Wenn ich das Schwert über ein Land bringe, so nimmt das Volk des Landes einen Mann aus seiner Mitte und bestimmt ihn zu seinem Wächter. Wenn nun dieser das Schwert über sein Land kommen sieht, so stößt er ins Schopharhorn und warnt das Volk. Wenn dann jemand den Schall des Schopharhornes hört und sich nicht warnen lassen will, und das Schwert kommt und rafft ihn weg, so kommt sein Blut auf seinen Kopf; denn da er den Schall des Schopharhornes hörte, sich aber nicht warnen ließ, so sei sein Blut auf ihm! Hätte er sich warnen lassen, so hätte er seine Seele gerettet. Wenn aber der Wächter das Schwert kommen sieht und nicht ins Schopharhorn stößt und das Volk nicht gewarnt wird und das Schwert kommt und einen von ihnen wegrafft, so wird derjenige zwar um seiner Sünde willen weggerafft, aber sein Blut werde ich von der Hand des Wächters fordern. (Hesekiel 33, 2 – 6)

Diese Verse gehen mir seit vielen Jahren nach. Gott setzt Wächter ein. Hesekiel war so einer für das Volk Israel. Im Grunde ist jede und jeder von uns solch ein Wächter oder eine Wächterin für unsere Mitmenschen. Wie oft sehen wir, wie unsere geliebten Mitmenschen, Angehörige, Verwandte, Bekannte, gute Freunde, Nachbarn, Kollegen und so weiter, in ihr Verderben rennen. Sei es, dass sie ihre Ehe ruinieren, sei es, dass sie sich in falsche Abhängigkeiten, Süchte, Egoismus verstricken lassen, dass sie von Gott weglaufen und nichts mit IHM, dem Herrn der Herrn, zu tun haben wollen. Wir müssen nicht auf eine besondere Berufung warten, denn die Berufung besteht darin, dass wir das Schwert sehen über ihren Köpfen. Dadurch, dass wir das Unheil sehen, in das unsere Mitmenschen geradewegs hineinlaufen, sind wir von Gott bereits zum Wächterdienst berufen.
Ein Wächterdienst besteht aus zwei Teilen. Der eine Teil ist es, “in den Riss zu treten”. Das bedeutet: Fürbitte zu tun für diese Menschen. Für sie zu beten, dass sie die Wahrheit erkennen und dem Schwert, das drohend über ihnen hängt, entfliehen können. Der zweite Teil ist der Wächterruf. Er besteht darin, dass wir diesen Menschen in Liebe aber mit klaren, deutlichen Worten erklären, welch ein Damoklesschwert über ihren Köpfen hängt, gar nur noch an einem seidenen Faden befestigt, der jederzeit reißen kann. Es ist unser Auftrag, ihnen dies klar zu machen, denn Gott hat uns zum Wächterdienst berufen. Man kann es aber auch Kain nachmachen, der fragte: “Bin ich denn meines Bruders Hüter?” Ja, du bist es. Ich bin es. Wir alle sind vor Gott füreinander verantwortlich. Wir dürfen es nicht auf die leichte Schulter nehmen, dass Gott uns mitteilen lässt: Wenn wir nicht ins Horn stoßen und deutlich machen, dass ein Unheil droht, so sind wir an diesem Unheil mitschuldig geworden. Sei mutig und geh voran als Wächter im Namen des HERRN!

Praktische Konsequenzen ziehen

Aus dem gestern rezensierten Buch Wer bin ich, wenn ich online bin… …und was macht mein Gehirn so lange? von Nicholas Carr habe ich versucht, ein paar Konsequenzen für mein tägliches Leben und den Umgang mit dem Computer und Internet zu ziehen. Da ich hochgradig schwerhörig bin, kann ich auf die digitale Kommunikation nicht einfach verzichten. Vielleicht sind die folgenden Punkte auch für jemand anders eine praktische Hilfestellung:

  1. Ich möchte meine Kräfte und meine Ressourcen möglichst sinnvoll und konzentriert nutzen.
  2. Ich habe meine kurzen Pausenzeiten, in welchen ich in den Foren, Social Medias und per eMail erreichbar bin, ansonsten sind diese Anwendungen geschlossen und können mich nicht erreichen.
  3. Ich lese so viel wie irgend nur möglich ist in Papierform, um mein Gehirn nicht an einen externen “Speicherplatz” zu gewöhnen, sondern möchte möglichst viel von dem Gelesenen auch aktiv bereithalten können. Dazu kann es auch sinnvoll sein, ein eBook mal auszudrucken, zum Beispiel mit der Funktion, die es einem erlaubt, zwei Seiten auf eine A4-Seite auszudrucken. Lesen kann man das meist nach wie vor und spart dadurch 50% an Papier und nochmal fast so viel an Tinte. Diese Vorgehensweise erlaubt es mir auch, die bedruckten Blätter mit Textmarkern einzufärben und meine Notizen handschriftlich dazu anzubringen.
  4. Ich denke über das nach, was ich gelesen habe und nach Möglichkeit suche ich andere Menschen, die sich auch mit dem Thema auskennen. Ich scheue dabei nicht, meine Sicht immer wieder erneut zu hinterfragen und bin bereit, sie bei besseren Argumenten auch zu revidieren.

Ich denke auf diese Weise kann man durchaus auch noch ein Stück weit selbst mitbestimmen, wie weit unser Gehirn vom Internet umfunktioniert wird. Wer noch mehr Tipps hat, immer nur her damit!

Wer bin ich, wenn ich online bin?

Das Internet verändert nicht nur unser Verhalten, sondern unser gesamtes Dasein als Menschen. Diese Feststellung macht Nicholas Carr in seinem Buch Wer bin ich, wenn ich online bin… …und was macht mein Gehirn solange? Er beginnt im Prolog mit einer kurzen Zusammenfassung des Buches “Die magischen Kanäle” von Marshall McLuhan. Dieses Buch sei “eine Prophezeiung, in der die Auflösung des linearen Denkens vorhergesagt wurde.” (S. 15) Auf anschauliche und auch erstaunlich selbstkritische und reflektierte Art und Weise durchleuchtet Carr in den folgenden Kapiteln, wie das Internet unser Denken beeinflusst und unser Gehirn verändert.

Spannend ist die Feststellung, dass jedes neue Werkzeug unser Gehirn verändert. Wenn wir zum Beispiel lernen, mit einer Zange umzugehen, so wird die Zange für das Gehirn zu einem Körperteil, bzw. das Gehirn “denkt” sich die Zange als Verlängerung des Arms. Anschaulich führt der Autor danach die Geschichte der wichtigsten menschlichen Werkzeuge aus: Schrift, Karte, Uhr, Buchdruck, Phonograph, Radio, Computer, Internet. Jedes neue Werkzeug beinhaltet auch ein eigenes Ethos. (Der Autor nennt es “die geistige Ethik”). Da zuerst Bücher laut gelesen wurden, weil die Schrift noch keine Lücken zwischen den Worten kannte und das Lesen deshalb anstrengend war, veränderte sich die “geistige Ethik” des Buches mit der Einführung von Satzzeichen und Lücken zwischen den Worten: “Die Entwicklung des Wissens wurde zunehmend zu einem privaten Akt, bei dem jeder Leser in seinem eigenen Geist eine persönliche Synthese der Gedanken und Informationen schuf, die ihn durch die Schriften anderer Denker erreichten. Der Gedanke des Individualismus wurde dadurch immer stärker.” (S. 113)

Das Internet und auch seine Texte bestehen zu einem Großteil aus Hyperlinks. Diese sind Verweise, die mitten im Text stehen. Sie führen uns direkt dorthin, worauf sie verweisen. Dies führt verschiedenen Studien zufolge zu einer starken Belastung unserer Ressourcen im Gehirn. Das Auswerten von Verweisen während des Lesens ist eine sehr anstrengende Sache. Carr schreibt dazu: “Wann immer wir – als Leser – auf einen Hyperlink stoßen, müssen wir wenigstens für einen Sekundenbruchteil innehalten, damit unser präfrontaler Kortex entscheiden kann, ob wir ihn anklicken sollen oder nicht. […] In dem Augenblick, in dem sich die exekutiven Funktionen des präfrontalen Kortex zusätzlich einschalten, wird unser Gehirn nicht nur trainiert, sondern überfordert. […] Bei der Online-Lektüre opfern wir die Ressourcen, die ein vertieftes Lesen erst ermöglichen, sagt Maryanne Wolf. […] Unsere Fähigkeit, jene reichen geistigen Verbindungen zu bilden, die beim ungestörten und konzentrierten Lesen entstehen, bleibt dabei weitgehend ungenutzt” (S. 194)

Da unser Gehirn jedes Werkzeug als ein neuer Teil des Körpers betrachtet, sieht er nun auch den Computer und das Internet als einen externen Speicher an. Anders gesagt: Das Gehirn verlässt sich auf den Speicher namens Internet und benutzt sich selbst vornehmlich als “Wissen, wie man zum Wissen kommt”. Es wird mehr nur noch der “Datenpfad”, die “Datenstruktur” zur gewünschten bzw. gelesenen Information gespeichert, der eigentliche Inhalt geht nur noch über äußerst viel Lernen in den Kopf rein. Das eigentliche Verstehen, das persönliche Verständnis des Gelesenen bleibt dabei außen vor. Ein weiterer Faktor ist auch die Tatsache, dass das Internet mit seiner vernetzten Datenstruktur eine relativ ähnliche Struktur aufweist wie das Gehirn mit seiner Vernetzung via Synapsen. Die beiden Netze sind “grundsätzlich kompatibel und leicht zu verbinden”. (S. 329)

Nicht zuletzt sollte man laut Nicholas Carr auch bedenken, dass das Internet und auch der Computer ganz allgemein uns immer mehr Möglichkeiten geben, unsere Entscheidungen, die eigentlich nicht nur Wissen, sondern Weisheit benötigen, an eine Rechenmaschine abzuschieben. Die immer leichter und intuitiver zu bedienenden Programme, Oberflächen und Browser führen uns doch allzu gerne in Versuchung, nicht mehr selbst entscheiden zu müsse, sondern sich einen “Tipp” anzeigen zu lassen, der uns die Entscheidung (und damit vermeintlich auch die Verantwortung für unser Handeln) abnimmt. Carr hat damit ein sehr empfehlens- und überdenkenswertes Buch geschrieben.

Man muss nicht in allem seiner Meinung sein, um dennoch erkennen zu können, dass das Internet weit größere Folgen für die Menschheit und unsere Zukunft hat, als wir gerne zugeben. Hier kann das Buch bestellt werden.

Gottes Führung vertrauen

Es gibt viele Christen, die ein halbes Leben lang mit Warten zubringen. Warten auf einen speziell für sie gemachtes Zeichen, auf ein Wunder, auf eine Erscheinung des Herrn, um sich in eine bestimmte Aufgabe senden zu lassen. Nicht selten ist dieses Warten ein Ausdruck der Angst vor dem Ungewissen, was folgen wird. Eine Angst vor dem, was kommt, wenn man ganz auf Gott vertraut. Wie anders haben doch unsere Vorfahren im Glauben gehandelt. Paulus und Timotheus waren auf einer Missionsreise unterwegs:

Als sie aber Phrygien und das Gebiet Galatiens durchzogen, wurde ihnen vom Heiligen Geist gewehrt, das Wort in [der Provinz] Asia zu verkündigen. Als sie nach Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; und der Geist ließ es ihnen nicht zu. Da reisten sie an Mysien vorbei und kamen hinab nach Troas. Und in der Nacht erschien dem Paulus ein Gesicht: Ein mazedonischer Mann stand vor ihm, bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber dieses Gesicht gesehen hatte, waren wir sogleich bestrebt, nach Mazedonien zu ziehen, indem wir daraus schlossen, daß uns der Herr berufen hatte, ihnen das Evangelium zu verkündigen. (Apostelgeschichte 16, 6 – 10)

Sie warteten nicht und beteten, ob sie irgend eine Weisung von Gott bekämen. Sie zogen los, weil sie wussten, dass die Verkündigung des Evangeliums ihre Aufgabe war. Das ist die Aufgabe von jedem und jeder von uns, solange wir leben. Sie machten sich Pläne und zogen los. Erst in diese Pläne hinein sprach Gott und zeigte ihnen, wo ER sie haben wollte.

Auch wir dürfen unseren Verstand benützen und uns Gedanken und Pläne machen, uns überlegen, was wir für die Gemeinde Jesu tun können. Unser Glaube zeigt sich nicht im Warten und Beten, sondern im Vorwärtsgehen. Das Vorwärtsgehen ist der Ort, an welchem Gott Sich uns offenbaren möchte. Auch Mose musste zuerst vorwärts gehen, auf den brennenden Dornbusch zu, bevor Gott Sich ihm offenbaren wollte.

Deshalb: Sei tapfer und mutig und bereit, voran zu gehen. Gott ruft uns in jedem Vers Seines Wortes die Botschaft zu: Dass Er Sich uns offenbaren und uns Seine Pläne zeigen möchte. Die Bereitschaft, Ihm zuzuhören, zeigen wir durch unser mutiges Vorwärtsgehen. Verzagtheit und Warten (auch wenn es durch Fasten und Beten getarnt wird) ist ein Ausdruck unseres Unglaubens.

Vertraue auf den Herrn und geh voran, Er hat dir versprochen, dich zu führen und zu leiten!

Ein wahrlich weises Wort

Angesichts all der modernen Bibelkritik, die von allen Seiten auf die Bibel und auf uns “Fundamentalisten” einstürmt, kann es nur gut tun, sich immer mal wieder bewusst zu werden, dass wir nicht die ersten sind, welche mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen haben. Manchmal kommt es uns so vor, als ob dies erst durch die moderne liberale Theologie und die Wissenschaftsgläubigkeit so gekommen sei. Doch bereits vor rund 450 Jahren hatte Johannes Calvin, der Genfer Reformator, mit genau den selben Problemen Ungläubiger zu kämpfen. Man lese selbst (Institutio 1, Kapitel 7, die Abschnitte 1 und 2):

Bevor wir weitergehen, muss zunächst noch einiges über die Autorität der Heiligen Schrift eingefügt werden. Diese Feststellungen sollen der Ehrfurcht vor der Schrift dienen und auch jeden Zweifel beseitigen. Ist es einmal anerkannt, dass es sich um Gottes eigenes Wort handelt, so wird keiner so vermessen sein, ja geradezu des Menschenverstandes und gar alles menschlichen Sinnes beraubt sein, dass er dem, der da redet, den Glauben weigern möchte. Nun ergehen aber nicht alle Tage Offenbarungsworte vom Himmel und es hat Gott gefallen, allein in der Schrift seine Wahrheit zu stetem Gedächtnis zu erhalten. Deshalb kann die Bibel nur dann den Gläubigen gegenüber die volle Autorität erlangen, wenn sie gewiss wissen, dass sie vom Himmel herab zu ihnen kommt, als ob Gottes eigene Stimme hier lebendig vernommen würde. Die Sache ist wahrlich wert, ausführlicher behandelt und genauer erwogen zu werden. Trotzdem müssen die Leser entschuldigen, wenn ich mehr auf den Umfang der Behandlung achte, den die Aufgabe des vorliegenden Werks erträgt, als auf den, der durch die Bedeutung der Sache erforderlich wäre.

Indessen hat sich bei vielen der verderbliche Irrtum eingeschlichen, die Schrift habe nur so viel Gewicht, als ihr das Gutdünken der Kirche zugestehe. Als ob Gottes ewige und unverletzliche Wahrheit auf menschliche Meinung gegründet wäre! Man spottet dabei des Heiligen Geistes und fragt: „Wer verbürgt uns, dass diese Schriften von Gott stammen? Und wer versichert uns, dass sie heil und unversehrt bis in unsere Zeit übergekommen sind? Wer soll uns überzeugen, dass das eine Buch in Ehrfurcht anzunehmen, das andere auszuschließen sei? Wer – wenn nicht die Kirche für alle diese Dinge eine klare Regel vorschriebe?“ – „Also“, so sagt man weiter, „hängt es von der kirchlichen Bestimmung ab, welche Verehrung der Schrift zukommt und welche Bücher ihr überhaupt zuzurechnen sind!“ So machen sich diese Menschen, die Gott die Ehre rauben, bei ihrem Versuch, unter dem Vorwand der Kirche, zügellose Tyrannei einzuführen, gar keine Sorge darüber, in was für Widersinnigkeit sie sich und andere verwickeln – wenn sie nur einfältigen Leuten die Meinung aufdringen, die Kirche hätte Vollmacht zu allem. […]

Aber solche Spitzfindigkeiten widerlegt ein einziges Wort des Apostels. Er bezeugt, dass die Kirche erbaut ist auf dem Fundament der Propheten und Apostel (Eph. 2,20). Wenn nun die Lehre der Propheten und Apostel das Fundament der Kirche ist, so muss sie schon eher Autorität haben, als die Kirche überhaupt da ist.

Nichtig ist auch der törichte Einwand, es sei, obwohl die Kirche ihren Ausgang von dieser Lehre genommen habe, doch immer noch ungewiss, welche Schriften denn nun den Propheten und Aposteln zuzuschreiben wären, wenn nicht hier das Urteil der Kirche eintrete. Denn wenn die christliche Kirche im Anfang auf die Schriften der Propheten und die Botschaft der Apostel gegründet wurde, so ging die Anerkennung dieser Lehre, ohne welche die Kirche nie entstanden wäre, doch sicherlich dem Dasein der Kirche voraus. Deshalb ist es leere Menschensatzung, wenn man sagt, die Vollmacht zur Beurteilung der Schrift liege bei der Kirche, so dass von ihrer Zustimmung die Gewissheit der Schrift abhinge. Denn wenn es zu solcher Anerkennung kommt, so bedeutet das nicht, dass die Kirche die Schrift, als wäre sie zuvor zweifelhaft und strittig, erst glaubwürdig mache. Es geschieht doch im Gegenteil, weil die Kirche hier die Wahrheit ihres Gottes erkennt und ihr deshalb, wie es Pflicht der Frömmigkeit ist, unbedenklich Verehrung entgegenbringt.

Wenn man daher fragt: „Woher sollen wir denn überhaupt die Überzeugung haben, die Schrift komme von Gott her zu uns, wenn wir nicht zum Urteil der Kirche unsere Zuflucht nehmen?“, so ist das genau so, als wenn jemand fragte: „Woher sollen wir denn Licht und Finsternis, Weiß und Schwarz, Süß und Bitter unterscheiden lernen?“ Denn die Wahrheit der Schrift erweist sich ganz von selbst und ist darum nicht weniger deutlich als die Farbe an einem weißen oder schwarzen, der Geschmack an einem süßen oder bittern Ding!“

(Johannes Calvin, Institutio deutsch, übersetzt von Otto Weber, Buchhandlung des Erziehungsvereins Neukirchen, Kreis Moers, 1936, Seiten 42 – 44)

Mosaik-Konferenz mit John und Lisa Bevere

Seit ungefähr acht oder neun Jahren lese ich regelmäßig die wirklich sehr guten Bücher von John Bevere. Eines davon – meines Erachtens das Beste – habe ich in meiner Bücher-Top-Ten hier im Blog vorgestellt. Schon seit Jahren ist es mein Wunsch, John einmal live zu hören und zu sehen. Dies kann dank der Mosaik-Konferenz nun geschehen. Diese wird in Halle (Westfalen) vom 15. – 16. Oktober im Gerry Weber Event & Convention Center in Halle stattfinden. Organisiert wird das Ganze von der MosaikChurch in Halle. John und Lisa Bevere haben Messenger International, eine Art Lehr- und Hilfswerk gegründet. Ich freue mich sehr auf die Konferenz, die unter dem Titel “Gemeinde stärken, Zukunft gestalten” durchgeführt werden wird. Für die musikalische Umrahmung werden Anja Lehmann und Outbreakband, die Lobpreis-Band vom Glaubenszentrum Bad Gandersheim vor Ort sein. Konferenztickets können hier bestellt werden. (Geheimtipp: Ab 10 Tickets gibt es Vergünstigung).

Befreites Herz

Befreites Herz

Das Herz – ein Schrei nach Blut, nach Wunden
Nach Qual, nach Schmerz, nach Seelenpein
Mit Stahl ans Schattenreich gebunden
Ins Fleisch der Ketten Kraft dringt ein.

Das Herz, voll Durst nach Macht und Wissen
Voll Hunger nach Befehlsgewalt
Möcht die Ehre nicht mehr missen
Doch innen drin der Kälte kalt.

Das Herz, belebt von dunklen Schatten
Belebt von Finsternis und Nacht
Des Herzens Augen nun ermatten
Zu lange nichts ans Licht gebracht.

Das Herz – ein Schwert durchtrennt die Ketten
Ein helles Licht durchströmt das Herz
Durchflutet alle dunklen Stätten
Heilt des Finstern heissen Schmerz.

Das Herz – entflammt in neuer Liebe
Befreit von allen Schmerzen sacht
Geheilt der Striemen aller Hiebe
Durch das Wort “Es ist vollbracht!”

05. 01. 2007; Jonas Erne

Buchstabe und Geist

Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. (2. Korinther 3, 6)

Wenn dieser Vers von achtlosen Menschen in den Mund genommen wird, bekommt er meist die Bedeutung: „Nimm es doch nicht so peinlich genau mit den Regeln“. Doch ist das wirklich das, was dahintersteckt? Wenn man sich die Verse drum herum etwas genauer ansieht, macht man schon mal eine erste Entdeckung: Es geht um das Gesetz, das Gott den Menschen gegeben hat. In unserem Vers wird das Gesetz mit dem „Buchstaben“ wiedergegeben. Man kann also den ersten Teil auch so lesen: Das Gesetz tötet. Es killt uns, macht uns mausetot.

Das erste Beispiel dazu finden wir bei Adam und Eva. Dort lautete der Buchstabe: Du sollst nicht von dem einen Baum, dem Baum der Erkenntnis, essen. Die Beiden haben es trotzdem getan – und sind sofort geistlich gestorben. Sie haben ihre Herrlichkeit, die sie vor Gott hatten, verloren, waren deshalb nackt und schämten sich. Sie mussten raus aus dem Garten und haben die Verbindung zu Gott verloren. Sie waren von da an auf sich selbst gestellt. Geistlich gesehen also mausetot.

Nun kann man vom Gesetz, das Gott dem Volk Israel in Stein gehauen gegeben hat, von drei Seiten her betrachten. Es hat drei wichtige Aufgaben:

1. Es zeigt uns, dass wir aus eigener Kraft nicht nach Gottes Maßstäben leben können, und deshalb in Gottes Augen mause sind.

2. Es zeigt uns ein gutes Stück von Gottes Wesen, denn die Gebote sind ein Spiegel von Gott, da Er der Urheber ist und sie immer zu 100% einhält.

3. Es zeigt uns, wie wir als Menschen miteinander leben und umgehen sollen, denn es ist gut.

In unserem Vers geht es um die erste Funktion des Gesetzes. Es zeigt uns, dass wir vor Gott tot sind, ohne jede Möglichkeit, zu Ihm zurückzukommen. Solange wir nur den Buchstaben haben, können wir nicht einmal zu Gott kommen WOLLEN, weil Gott es ist, der zuerst in uns das Wollen und das Vollbringen bewirken muss. Und genau das geschieht durch den Geist. Hier kommt der Heilige Geist, Gottes Geist, ins Spiel. Der Geist ist es, der uns die Augen öffnet dafür, dass wir sehen, dass wir in Gottes Augen mause sind. Der Geist ist es, der uns zeigt, dass wir uns statt auf unsere guten Werke lieber auf das eine perfekte Werk am Kreuz von Golgatha verlassen sollen. Der Geist bewirkt den Glauben in unserem Herzen, dass wir durch dieses Werk am Kreuz voll und ganz gerettet sind. Und der Geist führt uns auch auf dem Weg der Veränderung in das Ebenbild Christi voran.

Der gute Hirte – Gedanken zur Autorität und Verantwortung

Wenn wir danach suchen, was zur Zeit, als Jesus lebte, einen guten Hirten ausmachte, so finden wir:

a. Der Hirte war nicht Besitzer der Herde

Ein Hirte war nie selbst Besitzer „seiner“ Herde, sondern bekam diese von seinem Herrn, dem Kyrios, anvertraut. Bei Schafen war der Begriff Herde ein feststehender Ausdruck, der für die Menge von 300 Schafen stand. Für diese war der Hirte zuständig und vor seinem Herrn verantwortlich. Er konnte nicht nach seinem Belieben mit ihnen umgehen, sondern musste den Befehlen seines Herrn gehorchen und musste vor diesem für all sein Handeln Rechenschaft ablegen. Er war der Verwalter der Herde seines Herrn. Seine Aufgabe war es, im Auftrag seines Herrn gut für die Herde zu sorgen und darauf zu achten, dass es ihr gut geht und sie gut versorgt war.

b. Der Hirte war nicht allein mit seiner Herde

Meist hatte der Hirte noch zwei weitere „Unterhirten“, sogenannte Herdentreiber, bei sich. Diese mussten dem Hirten gehorchen, weil er ihr Chef war, aber sie konnten auch mit aufpassen, dass er gut für die Herde sorgt und dies gegebenenfalls ansprechen. Sie waren seine Untergebenen, aber auch mit verantwortlich für die Herde. Wenn der Hirte alt wurde, so übergab er meist einem von ihnen das Hirtenamt, da sie die Herde schon kannten.

c. Der Hirte kannte seine Schafe

Jedes Schaf bekam vom Hirten einen Namen, bei dem es gerufen wurde (und auf den es auch hörte). Das war extrem wichtig für die ganze Herde, dass der Hirte jedes seiner Schafe gut kannte. Er zählte nicht nur die Anzahl, ob eines fehlte, er kannte auch den Charakter eines jeden seiner Schafe. Nur so konnte er in sinnvoller Frist erkennen, wohin eines seiner Schafe wohl gelaufen war und es dann auch finden. Er konnte nicht tagelang nach einem solchen Schaf suchen, er musste wissen, welches Schaf fehlt, und aufgrund von dessen Charakter suchte er an einer ganz bestimmten Stelle bis er es wieder fand.

d. Der Hirte kannte seine Wege

Ebenso wichtig war es, dass der Hirte genau wusste, wo es lang geht. Er musste wissen, wo er in Tagesfrist einen neuen Platz mit Wasser und genügend frischem Gras fand. Er musste die Gebirge kennen, in welchen die Schafe sich verlaufen konnten. Er musste den Weg seiner Herde sehr gut planen und sich dann auch eisern an diesen Plan halten, damit seine Herde überleben und rechtzeitig wieder zurück sein konnte. Da war sehr viel Disziplin nötig.

e. Der Hirte ging voran und führte die Herde

Da er seine Herde und jedes einzelne seiner Schafe so gut kannte, konnte er vorangehen und ihnen als Vorbild dienen. Die Schafe „wussten“, dass sie ihm vertrauen konnten und folgten ihm weitestgehend von selbst nach. Er war ihr Vorbild und ihr Beschützer, derjenige, der für sie sorgte, sich um sie sorgte und dafür sorgte, dass es ihnen gut ging. Manchmal musste er sie erschrecken, damit sie zur Herde zurück kamen, manchmal auch etwas Schmerzen bereiten, aber alles, um ihr Leben zu schützen. Sie wussten sich bei ihm sicher und beschützt. Sie kannten seine Stimme und vertrauten ihm blind. Wohlgemerkt, sie kannten seine Stimme so gut, dass sie nur auf ihn hörten und vor jeder anderen Stimme zurückschreckten, auch wenn sie verstellt und der des Hirten möglichst ähnlich war.

Es stimmt, dass Macht immer wieder zu Missbrauch dieser Macht führt. Und es stimmt auch, dass niemand vor der Versuchung, seine Macht zu missbrauchen, geschützt ist. Dennoch ist Autorität in Verbindung mit der Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen eine von Gott gewollte und eingesetzte und bestätigte Sache. Autorität bedeutet, dass die eingesetzte Autorität ganz praktisch für das Wohlergehen derer, über die er eingesetzt ist, die Verantwortung trägt. Jeder, der in einer solchen Position steht, muss vor Gott und den Mitmenschen Rechenschaft ablegen können für alles Tun und Lassen. Es gibt in einer solchen Position keine Möglichkeit, sich herauszuhalten, um so die Verantwortung abzuschieben. Denn Abschieben ist an sich schon möglich, bedeutet jedoch das mutwillige Unterlassen des Annehmens seiner Verantwortung.

Autorität, die Gott eingesetzt hat, gibt es in folgenden Bereichen:

1. Familie. Hier trägt der Familienvater und Ehemann die Hauptverantwortung für die Ehe und die Familie. Es ist seine Pflicht, für Recht, Ordnung, Gerechtigkeit, Erziehung und Bildung zu sorgen.

2. Gemeinde. Hier ist es der Kreis der Ältesten zusammen mit dem Pastor (oder die Kirchenleitung mit dem Pfarrer). Sie sind für die Lehre, die Organisation, die Seelsorge und die Anwendung der Gemeindezucht verantwortlich.

3. Arbeitsplatz. Hier trägt der Vorgesetzte jeweils über seine Untergebenen die Verantwortung. Auch diese Ordnung muss von uns respektiert werden. Eine Firma kann nur dann gut funktionieren, wenn diese Zusammenarbeit gewährleistet ist.

4. Schule / Universität / Vereine. Auch hier gilt das selbe Prinzip. In der Schule haben Kinder ihren Lehrern zu gehorchen, sie zu respektieren. Auch in Vereinen (zum Beispiel einem Fußballverein) ist es notwendig, dass man sich in die bestehende Hierarchie einordnet.

5. Staat. Auch der Staat, bzw. die Volksvertreter des Staates haben eine solche Aufgabe. Hier gilt zum Beispiel, dass wir die Steuern zahlen, dass wir den Gesetzen des jeweiligen Landes gehorchen, dass wir die Polizei und die Armee ernst nehmen.

Von der anderen Seite her gesehen, haben wir als Autoritätspersonen die Verantwortung vor Gott, gut für diejenigen zu sorgen, die uns anvertraut sind. Es ist unbedingt nötig, dass wir uns immer wieder erneut die Kraft für diese Aufgabe im Gebet holen, im Gespräch mit Gott. Wir wissen, dass wir nicht perfekt sind und hören deshalb auch gerne auf die Meinung derer, die uns anvertraut sind. Wir bestimmen nicht einfach über sie, sondern versuchen, sie in diesen Prozess der Entscheidungsfindung hineinzunehmen. Das Ziel muss immer sein, sie zur Mündigkeit und Verantwortlichkeit anzuleiten. Ein guter Chef gibt sein Wissen an die nächste Generation weiter und hilft dieser, so zu wachsen, dass sie auch wieder gute Chefs hervorbringt, die ihn dereinst würdig ersetzen können.

Evangelium21

“Ausgerichtet auf die von den Reformatoren wiederentdeckten Wahrheiten
  • Gnade allein
  • Glaube allein
  • die Schrift allein
  • Christus allein und
  • zu Gottes Ehre allein

wollen wir Impulse setzen, durch die Gemeinden neu belebt und gestärkt werden. Denn: Allein das biblische Evangelium bewirkt, dass Christen von einer echten Hoffnung und überwältigenden Freude an Gott erfüllt werden und diese auch ausstrahlen.”

Diese Worte stammen aus dem Mission Statement von Evangelium21. Sie widerspiegeln sehr schön, was E21 sein möchte: Keine neue Denomination, keine neue Gemeinde, sondern ein Zusammenschluss von Christen aus allen Denominationen, die den fünf Soli der Reformation zustimmen. Es ist dies keine den Gemeinden eines Bundes aufgezwungene Ökumene (wie zum Beispiel der ACK oder die Evang. Allianz), da dieses Angebot auf Freiwilligkeit beruht und dennoch eine Möglichkeit, um Einheit des Leibes Christi über die denominationellen Grenzen hinweg zu leben. Es ist dies seit mehreren Jahren mein Gebetsanliegen, dass hier im deutschsprachigen Raum ein solcher Zusammenschluss entstehen möge. In einem Artikel auf TheoBlog durfte ich dann vor Kurzem davon lesen und habe mich riesig gefreut.

Nun hat E21 zu einer ersten öffentlichen Konferenz in der Arche-Gemeinde Hamburg eingeladen, zu welcher alle Interessierten sich über die Homepage von E21 informieren und anmelden können. Mit Workshops werden unter Anderem 9Marks Ministries sein. Diese haben ein sehr empfehlenswertes Buch herausgegeben, das auf Deutsch unter dem Titel “9 Merkmale einer gesunden Gemeinde” beim 3L-Verlag erschienen ist. Ich möchte die Konferenz von E21, die unter dem Leitwort “Das Evangelium im Zentrum der Gemeinde” stehen wird, allen interessierten Gemeindeleitern, Pastoren, Ältesten, sonstigen Gemeindemitarbeitern empfehlen, denn Erweckung kann nur dort geschehen, wo wir zurück zum Evangelium, zurück zum Zentrum, Jesus Christus, gehen. Er allein schenkt uns ein echtes Herz der Buße, der Rückkehr und der Annahme. Ich werde an dieser Konferenz teilnehmen und freue mich sehr darauf.