Buchtipp: Klugscheißer Royale

Steffens, Thorsten, Klugscheißer Royale, Piper Verlag München, 2018, 232 S., Verlagslink, Amazon-Link

Wenn ein Lehrer einen Roman über einen werdenden Lehrer schreibt, klingt das ganz amüsant. Wenn er auch noch über die richtige Portion Humor verfügt, dann gleich doppelt.

Timo Seidel ist über Jahre in seinem Studentenjob hängengeblieben. Zur Uni ging er nur kurz – schließlich wusste er alles schon, und erst noch besser. Doch dann bekommt er am selben Tag erst die Kündigung und dann macht auch noch die Freundin Schluss. Er ist am Boden und muss sich überlegen, wie er sich über Wasser halten kann. Nach einigem Hin und Her bekommt er den Tipp, es doch als Aushilfslehrer an einer Abendschule zu versuchen. Dort werde dringend jemand gesucht. Tatsächlich – nun kann er Klugscheißer Royale sein, darf jeden korrigieren und lernt erst noch, dass er gebraucht wird. Dadurch bekommt er sein Leben Stück für Stück in den Griff. Das ist in aller – humorlos-trockener – Kürze die Geschichte vom Klugscheißer Royale Timo Seidel.

Zunächst muss ich mal zugeben: Nicht selten habe ich mich ganz schön getroffen gefühlt. Schließlich tendiere ich ja auch dazu, Menschen korrigieren zu wollen. Wenn schon nicht immer in Gesprächen, dann doch zumindest öfter mal im Hinterkopf. Viele Begegnungen im Buch sind sehr realistisch geschildert, wenn auch oft etwas übertrieben. Das gehört zum Stil des Buches jedoch dazu und macht es so richtig humorvoll. Es ist sehr leicht zu lesen und – wie schon gesagt – sehr humorvoll. Da ich ein Buch jedoch auch immer recht kritisch lese, drehe ich jetzt den…

*Klugscheißermodus an*

Im Buch – ich kann das nur über die Kindle-Version sagen, da ich diese gelesen habe – sind mir dann doch an mehreren Stellen Fehler aufgefallen, die ein gründliches Lektorat hätte eliminieren können, so etwa zweimal der Buchstabendreher „Cloe“ statt „Cleo“. Zudem fand ich, dass im Buch mit persönlichen Fehlern zu lasch umgegangen wurde. Es ist insofern nicht ein Buch, aus welchem man vorbildliches Zusammenleben lernen kann. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. Es ist ein zusammengewürfelter Haufen von Gleichaltrigen, die irgendwie versuchen, miteinander durchs Leben zu stolpern, und das mehr oder weniger gut hinkriegen. Eine Art Vaterfigur, die den Betroffenen helfen würde, fehlt leider.

*Klugscheißermodus aus*

Zum Schluss möchte ich den Cleos dieser Welt zurufen: Wenn ihr Männer wollt, die ihre Verantwortung übernehmen, dann verlasst sie nicht, sondern heiratet sie und gründet eine Familie! Das wird viel mehr Veränderung bewirken! Die Zeit ist reif für eine Generation junger Frauen, die nur noch dann bereit ist, zusammen zu ziehen, wenn Heirat und Familiengründung im Zentrum stehen!

Fazit:

Thorsten Steffens hat einen sehr unterhaltsamen Roman geschrieben, der die Entwicklung eines Mannes schildert, der beginnen muss, selbst Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Das Buch ist sehr humorvoll geschrieben. Wer jedoch einen Roman sucht, der ihm hilft, wie das Zusammenleben besser gelingen kann, wird hier wohl eher nicht fündig. Ich gebe dem Buch vier von fünf Sternen.

Monday Humor: König Herodes stellt Antrag auf Juso-Mitgliedschaft

Der SPD sei er zu radikal, beklagte sich König Herodes kürzlich. Nun stellt er einen Antrag auf die Mitgliedschaft bei den Jusos. Er sei zwar deutlich zu alt dafür, aber er verfüge stattdessen über einen großen Vorteil: Er sei noch konsequenter als deren bisherige Forderungen. Schließlich würde er dafür plädieren, Abtreibungen bis zu zwei Jahre nach der Geburt zu legalisieren. Damit würde er jährlich tausende von Müttern entkriminalisieren, die mit der Erziehung ihrer Kinder einfach nicht mehr nachkämen. Auf die Frage, weshalb er sich da genau auf zwei Jahre festlege, meinte er: „Es muss ja nicht genau diese Zahl sein. Ich habe mich in meinen besten Jahren dafür eingesetzt, von meiner Frau auf eine humane, schnelle und schmerzlose Weise geschieden zu werden.“

Predigtarchiv wieder online!

Da ich immer wieder Nachfragen bekommen habe, steht nun endlich mein Predigtarchiv wieder online. Bei manchen Predigten habe ich festgestellt, dass ich die MP3-Dateien nicht gleich zur Hand habe, weshalb diese nach und nach noch ergänzt werden. Hier das Archiv in drei Teilen:

Predigten von 2007 – 2011

Predigten von 2012 – 2015

Predigten ab 2016 – dato

Fragen oder Anregungen dazu sind natürlich jederzeit willkommen.

Gebet für die postevangelikale Bewegung

Inspiriert hat mich zu diesem Artikel ein sehr starker Text, den der Postevangelikale Christoph Schmieding im Eule-Magazin gepostet hatte. Dieser Text hat mich bewegt, und es ist nicht der erste von diesem Autor, der mich umtreibt. Schmieding schreibt sehr ehrlich, wohl durchdacht und auch ästhetisch schön zu lesen. Was mich dieses Mal besonders berührt hat, ist seine Fähigkeit zum selbstkritischen Nachdenken. Er kann zu den Grenzen seiner selbst und seiner Bewegung stehen. Wenn ich unsere bibeltreue Szene betrachte, fehlt mir diese Reflexion. Selbstkritik, die weder beschwichtigend wird, noch in eine Art Weltuntergangsstimmung verfällt, gibt es viel zu selten. Ich merke auch an mir selbst, dass ich noch einiges mehr zu lernen habe, um diesen task zu managen. Deshalb versuche ich es gar (noch) nicht erst, sondern bete. Für die postevangelikale Bewegung und indirekt auch für uns Bibeltreue.

Die postevangelikale Bewegung besteht zu einem großen Teil aus Menschen, die früher einmal zur evangelikalen Bewegung gehörten und diese dann verlassen haben – um Gott auf eine andere Art zu finden. Viele sind desillusioniert, verletzt, enttäuscht. Und das zu recht. Viel zu oft wurden sie nicht ernst genommen, ihre Zweifel und Fragen viel zu billig abgetan und manchmal auch dämonisiert („Zweifel sind vom Teufel“). Viel zu oft haben sie Gemeinde als theologische und politische Machtkämpfe erlebt. Viel zu oft haben sie den Hang zur ästhetischen Mittelmäßigkeit gesehen, der in evangelikalen Kreisen unbewusst propagiert wird. Viel zu oft war (und ist) Gemeinde mehr Hierarchie als Familie. Viel zu oft wurden sie von der Gleichgültigkeit gegenüber bestimmten Gruppen von Menschen (im Falle von Schmieding etwa der Künstler, die einen ganz eigenen Lebensstil haben) sensibilisiert. Viel zu oft sind sie mit ihren Ideen, Vorschlägen, Träumen und ihrer Leidenschaft in ihrem Umfeld angeeckt und auf taube Ohren gestoßen. So sind sie ausgezogen aus Evangelikalien und suchen etwas Neues, etwas Besseres. Manche von ihnen ganz ohne Gemeinschaft, andere gründen „Communities“, wieder andere wollen gar nichts mehr mit dem christlichen Glauben zu tun haben. Ich möchte das kommende neue Jahr dazu nutzen, um noch viel mehr für diese Menschen zu beten.

Ich bete darum, dass Gott ihnen ganz neu begegnet. Ich bete nicht, dass sie sich wieder „zu uns zurück“ bekehren. Manche werden das zweifellos tun, aber bis dahin muss sich in evangelikalen Gemeinden noch sehr viel ändern. Ich bete, dass sie Gott auf eine ganz neue Art und Weise sehen und erleben mögen. Ich bete, dass sie die Liebe Gottes neu erkennen mögen, und sehen, dass diese ihr Verständnis von Gott noch viel mehr erweitert und prägt. Ich bete, dass sie gesegnet werden und ihre Gemeinschaften wachsen mögen, gerade auch indem sie neue Menschen erreichen, die in unseren Gemeinden links liegen gelassen werden.

Ich bete darum, dass sie lernen können, ihre Verletzungen, die sie sich in evangelikalen Kreisen zugezogen haben, hinter sich zu lassen und – wichtiger noch – uns zu vergeben. Ich bete damit auch darum, dass wir Bibeltreuen offene Augen bekommen für das, was an ihnen geschehen ist und dass wir anfangen, auf sie zuzugehen und um Vergebung zu bitten. Ich spreche auch mir selbst das zu, denn ich sehe auch immer wieder, wie leicht etwas ausgesprochen oder geschrieben ist, was andere verletzen und kränken kann. Ich bete, dass hier eine größere Sensibilität entsteht, was unsere Worte in anderen Menschen bewirken können.

Ich bete darum, dass die Gesprächsbereitschaft zwischen den verschiedenen Gruppen von Menschen wächst und auch jeder bereit wird, von anderen zu lernen. Aufeinander zu hören ist eine der wichtigsten Disziplinen unserer Zeit, aber ebenso auch, die eigene Sichtweise gründlich durchdenken und kommunizieren zu können. Ich bete, dass die Diskussionen noch weiter zunehmen, diese aber von einem Geist der gegenseitigen Liebe und Gnade durchdrungen wird, sodass die Wahrheit nicht einfach nur als Wahrheit gesagt wird, sondern auch als etwas, was für das Gegenüber annehmbar ist. Ich bete, dass wir alle lernen, noch besser zu kommunizieren und von niemandem mehr verlangen, den Verstand an der Garderobe abzugeben oder Fragen und Zweifel zu unterdrücken und zu verteufeln.

Ich bete darum, dass dieser Austausch für alle Beteiligten noch viel fruchtbarer wird. Ich bete, dass der postevangelikale Sinn für Ästhetik uns Evangelikale aufrüttelt, dass wir uns ganz offen mit unserem Hang für Mittelmäßigkeit beschäftigen. Wir leben allzu oft noch in der Vergangenheit. Viele Jahrhundserte lang wurde die Kunst und Kultur von christlichen Künstlern dominiert. Inzwischen hat sich das um 180° gedreht, und sehr viel der besseren Kunst stammt von säkularen Künstlern. Wer sich jetzt darauf beruft, dass das alles vom Teufel sei (von Metallica über Hollywood bis zu Stephen King), muss sich damit abfinden, dass die „noch erlaubte“ Kultur so sehr geschrumpft ist, dass sie kaum mehr als mittelmäßige Abklatsche säkularer Kultur hervorbringen kann. (Wenn ich dazu komme, möchte ich nächstes Jahr noch eine etwas längere Kulturkritik schreiben, wo ich auf diese Punkte im Detail eingehen kann)

Ich bete darum, dass die ehrliche Selbstkritik in allen Lagern weiterhin zunimmt. Hierin bin ich richtig dankbar für die postevangelikale Bewegung: Sie hilft uns, dass wir unsere blinden Flecke erkennen können und uns noch besser in das verändern lassen können, was Gott mit uns vorhat. Ich bete auch, dass wir Evangelikalen im selben Sinne den Postevangelikalen einen Spiegel vorhalten können. Es gibt einiges, was wir richtig gut können, und das dürfen wir auch weiterhin betonen. Wir haben relativ stabile Verbände von Gemeinden, die zusammen etwas bewegen können. Damit meine ich zum Beispiel die weltweite evangelische Allianz, aber auch die Gemeindebünde, die mehr erreichen können als einzelne Communities allein. Wir haben ein gemeinsames Fundament, nämlich die Bibel, die in ihrer Gesamtheit Gottes Wort ist, wir haben gemeinsame Bekenntnisse, die wir nicht erst diskutieren müssen, bevor wir uns einig werden können. Wir haben eine gemeinsame Geschichte, die in der Zeit der Apostel beginnt und bis in alle Ewigkeit weiter andauert. Wir haben eine riesige Auswahl an guter Literatur (mehr als je zuvor), und vieles davon ist online frei erhältlich. Wir haben Buchverlage und Ausbildungsstätten für theologisch Interessierte. Wir haben unzählige Gründe für Dankbarkeit! Lasst uns Frieden suchen und ihm hinterher jagen!

Blog-Jahresrückblick 2018

Im November 2017 habe ich meinen Blog nach WordPress umgezogen – und es war eine richtig gute Entscheidung. Vieles fällt mir dadurch leichter – Formatierungen lassen sich besser umsetzen, aber auch die Gestaltung des Blogs ist einfacher geworden.

Bislang habe ich in diesem Jahr 90 neue Blogposts veröffentlicht und gut 160’000 Besucher haben die Seite gefunden.

Top 10 Blogposts

Die folgenden 10 Blogposts wurden am häufigsten aufgerufen – alle zwischen 3500 und 4000 Mal:

https://blog.jonaserne.net/buchtipp-mit-rechten-reden/917/

https://blog.jonaserne.net/monday-humor-joel-osteen-gibt-erfolgsbibel-heraus/914/

https://blog.jonaserne.net/monday-humor-neue-rebellen-werden-traditionell-konservativ/921/

https://blog.jonaserne.net/wochenschau-kw-07/912/

https://blog.jonaserne.net/buchtipp-so-macht-kommunismus-spass/926/

https://blog.jonaserne.net/die-naechsten-grossen-fragen-unserer-zeit/932/

https://blog.jonaserne.net/monday-humor-theologin-findet-bdsm-im-neuen-testament/896/

https://blog.jonaserne.net/wochenschau-kw-06/902/

https://blog.jonaserne.net/buchtipp-hoert-endlich-zu/936/

https://blog.jonaserne.net/buchtipp-die-rivalin/905/

Biblipedia.de

Unser gemeinsames Bloggerprojekt http://biblipedia.de/ ist ein riesiger Erfolg geworden. Es ist hier viel mehr geschehen, als ich jemals zu träumen gewagt hätte. Einige sehr wichtige Diskussionen sind angestoßen worden; neue Menschen sind zum Projekt hinzugestoßen und alles ist am Wachsen – doch all diese sichtbaren Dinge sind nur die Spitze des Eisbergs. Hinter alldem sind neue Freundschaften entstanden, es gibt richtig guten Austausch, kurz gesagt: Es tut sich was! Und ich bin sicher, es wird in den kommenden Jahren immer wieder neue Projekte und Überraschungen geben. Stay tuned!

Pläne fürs kommende Jahr

Fürs kommende Jahr plane ich, endlich mein Predigtarchiv fertigzustellen und regelmäßig upzudaten (https://jonaserne.net/?page_id=277) Bis 2015 bin ich bislang gekommen, die neueren sind in Arbeit. Allerdings bin ich auch noch auf der Suche nach einem ästhetisch etwas ansprechenderen Player für die Audio-Daten. Vielleicht hätte mir da jemand einen guten Tipp, wie ich den WordPress-Mediaplayer aufhübschen kann. Außerdem plane ich, eine Facebook-Seite für den Blog einzurichten und dafür mein persönliches FB-Profil etwas weniger exzessiv zu nutzen. Ich denke auch, dass ich die drei Formate „Wochenschau“, „Monday Humor“ und „Buchtipp“ fortsetzen werde, wobei ich mir über die Häufigkeit noch etwas im Unklaren bin. Darüber hinaus mache ich mir Gedanken über eine mehrteilige Serie zur Kulturkritk unserer Zeit, die die Entwicklung verschiedener Kunstformen in den vergangenen Jahrzehnten betrachtet und daraus auch versucht, sich mögliche weitere Entwicklungen für die Zukunft vorzustellen.

Wer noch mehr lesen möchte, findet hier (Link: https://jonaserne.net/?page_id=249) eine Sammlung von PDFs zum kostenlosen Download, die ich über die Jahre geschrieben und zusammengestellt habe. Und wer noch Lesestoff sucht, kann natürlich auch auf meiner Goodreads-Seite (Link: https://www.goodreads.com/user/year_in_books/2018/47050705) verfolgen, was ich gelesen und für wie gut befunden habe. 2018 sind es bislang etwas über 50’000 Seiten in 97 Büchern geworden, die ich vollständig gelesen habe und einige weitere, an deren Anfang ich noch stehe.

7 Gefahren bei Diskussionen über den Glauben

Nachdem ich jetzt seit rund 16 Jahren sehr oft in Gespräche und Diskussionen über die Bibel, den Glauben und das Leben als Christen verwickelt war, wurde und noch immer bin, sind mir im Laufe der Jahre einige Gefahren bei mir und auch bei anderen Christen aufgefallen, denen wir immer wieder ausgesetzt sind. Heute möchte ich die meiner Meinung nach sieben wichtigsten davon aufzählen und mir Gedanken machen, was wir tun können, um besser damit umzugehen. Zugleich möchte ich uns alle ermutigen, dass wir uns noch mehr mit der Apologetik, also den Versuchen, den christlichen Glauben zu verstehen, zu erklären und zu verteidigen, beschäftigen mögen. Im Folgenden zähle ich einiges auf. Die Reihenfolge ist ohne tiefere Bedeutung, da wir alle unterschiedlich sind und deshalb auch nicht alle allen Gefahren in gleicher Stärke ausgesetzt sind.

1. Gefahr: Diskutieren um zu gewinnen.

Lange Zeit war mein größtes Problem, dass ich ein apologetisches Gespräch als Chance sah, eine Diskussion zu gewinnen. Das war wie ein schöner Kampf, ein Kräftemessen mit Worten, da ich beim Armdrücken oft den Kürzeren zog. Da kam mir das gerade recht, denn mit Worten lernte ich schon recht früh umgehen. Auch das Bilden und Zerlegen von Argumenten fiel mir leicht, und so konnte ich mich in vielen Gesprächen am Schluss als Sieger sehen. Doch war ich das wirklich? Manche Menschen sind am Ende verletzt von dannen gezogen und hatten nur noch eine größere Wut gegen Christen. Diskutieren ist gut und oft wertvoll, aber es ist nur ein Teil und es geht dabei mehr darum, den Menschen zu gewinnen und nicht die Diskussion.

2. Gefahr: Vorsicht – Trigger!

Ich habe festgestellt, dass es gerade unter uns bibeltreuen Christen eine ganze Menge an Triggerworten gibt, die uns geradezu blind machen für unser Gegenüber. Wenn wir bedenken, dass uns gegenüber ein Mensch mit einer bestimmten Biographie ist, der auch einen bestimmten Wortschatz hat, der durch diese Biographie begründet ist, dann gilt es, bei solchen Triggern erst mal auf den Mund zu sitzen und genauer nachzufragen. Zu oft haben wir eine Vorstellung, was der Andere meinen muss, wenn er ein bestimmtes Wort gebraucht. Wenn sich jemand als feministisch vorstellt, dann frage ich immer nach, was diese Person darunter versteht. Oder wenn jemand findet, dass die Freikirchen zu dogmatisch seien, dann braucht es eine Nachfrage danach. Oder wenn jemand mit der „Fundi-Keule“ kommt, lässt sich sehr gut erörtern, was damit eben gerade nicht gemeint ist. Und so weiter. Unsere eigenen Argumente haben erst dann einen Platz, wenn wir jene des Gegenübers richtig verstanden haben und sie auch in eigenen Worten nochmal definieren und wiedergeben können. Das braucht Zeit und Kraft, aber das ist es wert! Und wie oft habe ich selbst auch schon äußerst wertvolle Lektionen des Lebens gelernt, indem ich da zugehört und nachgefragt habe.

3. Gefahr: Das Ende verpassen

Was ist eigentlich das Ziel solcher Gespräche? Das letztendliche Ziel ist es, dass Menschen erkennen, dass der christliche Glaube die eine und absolute Wahrheit ist und dass sie selbst zum Glauben an den Herrn Jesus kommen. Das ist jedoch eine ganze Menge und braucht richtig viel Zeit und viele Infos. Ein einzelnes Gespräch kann nur einen Baustein dieses Ganzen liefern. Allzu schnell vergessen wir das und geben uns richtig viel Mühe, um das ganze Bauwerk möglichst naturgetreu zu vermitteln. Das überfordert jedoch viele Menschen. Lieber ein einzelner Baustein, und dann braucht es Zeit, um diesen Stein an den richtigen Ort zu bringen. Und später, vielleicht auch durch andere Personen, der nächste Baustein. Das bringt mehr als wenn durch Überforderung und rauchenden Kopf alles verloren geht.

4. Gefahr: Alles (besser) wissen

Ich habe noch viele offene Fragen und eine große Neugier, die mir mit jeder Antwort, die ich finde, neue Fragen eröffnet. Doch oft machen apologetische Gespräche den Eindruck, als hätten Christen die Lizenz für Antworten auf alle Fragen. Eins der wertvollsten Tools ist die Rückmeldung: „Das ist eine gute Frage! Ist es ok, wenn ich mir die aufschreibe und dem nachgehe (oder: darüber nachdenke)? Möglicherweise kann ich mehr sagen, wenn wir uns wieder sehen.“ Damit gebe ich zu, dass man nicht alle Fragen beantwortet haben muss, wenn man Christ ist, und gebe meinem Gegenüber auch eine besondere Wertschätzung, indem ich die Frage lobe und etwas von meiner Zeit und Kapazität anbiete um dem nachzugehen.

5. Gefahr: Ablenkungen zulassen

Manche Menschen haben die Gewohnheit, von einem Thema zum nächsten zu springen, um keine Antwort zu bekommen, die sie zum Nachdenken zwingen müsste. Das ist eine Art Selbstschutz des Menschen. Im Rahmen der Gesprächsführung müssen wir lernen, da konsequent zu sein. Das Gegenüber hat das Recht auf diesen Selbstschutz, aber dann lässt sich nicht reden. Entweder lässt sich das Gegenüber auf ein ernsthaftes Gespräch ein und ist bereit, einem Gedanken nachzugehen, oder sonst müssen wir lernen, das Gespräch höflich aber bestimmt abzubrechen. Gerade dann, wenn keine Bereitschaft da ist, einen Begriff näher zu definieren oder zu erklären, macht das Ganze keinen Sinn mehr.

6. Gefahr: Öffentliches und Privates mischen

Hier lehne ich mich etwas aus dem Fenster. Ich muss erst erklären, was ich damit meine. Es gibt öffentliche Gespräche, die etwa online oder an der Supermarktkasse oder in der Bahn stattfinden. Und es gibt private Gespräche, die unter vier Augen stattfinden. Häufig gibt es Menschen, die anfangen, in einer solchen Diskussion ihr ganzes Privatleben auszubreiten und meinen, sie könnten aus ihrem Erleben allgemeine Lehren ableiten, die deshalb für alle Menschen gälten, weil sie bei ihnen funktioniert haben. Gerade bei den Menschen, die viel Ablehnung und Verletzungen von Christen erfahren haben, brauchen hier viel Fingerspitzengefühl und Anteilnahme. Andere Menschen sind einfach gerne rebellisch und wollen ihren Kopf durchsetzen. Sie beide brauchen gleichermaßen das Evangelium, aber mit anderen Worten. Ein solch „privates“ Gespräch öffentlich zu führen, bedeutet, dass auch Menschen mitlesen oder mithören, die etwas ganz anderes brauchen und die sich durch ein solches Gespräch in ihrem falschen Verhalten bestätigt fühlen können. Da die Grenze nicht ganz leicht zu ziehen ist, füge ich diesen Punkt mit einigem Zögern und mehrmaligem Bearbeiten an und hoffe, dass er richtig verstanden wird. Im Zweifel bitte immer nachfragen.

7. Gefahr: Aus Angst vor all den Gefahren zu schweigen

Der wohl größte Fehler, den man machen kann, besteht darin, aus Angst vor dem Fehler machen gar nichts zu tun. Ebenso ist eines der größten Probleme der Apologetik, dass es viele Christen gibt, die solche Gespräche nicht führen möchten, sondern meinen, das sei Aufgabe von Fachleuten. Wer mit Jesus Christus unterwegs ist und Ihm nachfolgt, ist damit schon Fachperson für das Leben mit Jesus geworden. Ich bin auch ein eher scheuer, zurückhaltender, ruhiger, introvertierter Mensch, aber das hält mich nicht ab, immer wieder nach Gelegenheiten zu suchen, um andere Menschen auf den Glauben aufmerksam zu machen. Lasst uns nicht schweigen, sondern einander ermutigen, im kommenden Jahr noch mehr von Jesus Christus zu erzählen und Menschen zu Seinen Jüngern zu machen!

Buchtipp: Dragon Teeth

Dragon Teeth Wie alles begann von Michael Crichton

Crichton, Michael, Dragon Teeth – Wie alles begann, Karl Blessing Verlag München, 1. Aufl. 2018, 318S., Verlagslink, Amazon-Link

Michael Crichton, der Bestsellerautor des Jurassic Park und einiger weiterer bekannter Bücher, hat ein Manuskript sein ganzes Leben lang in der Schublade unter Verschluss gehalten. Nun ist es nach seinem Tod veröffentlicht worden und Grund zahlreicher Spekulationen geworden, weshalb der Autor es nicht schon zu Lebzeiten selbst herausgegeben hat. War es einfach so schlecht, dass er es nicht veröffentlicht haben wollte? Wir werden es wohl nie wirklich herausfinden, aber diese Frag wird seine Fans wohl noch lange in zwei Lager spalten. Die Frage ist ja schließlich auch: Hat man ihm mit der Veröffentlichung nachträglich noch Schaden zugefügt?

Dragon Teeth ist ein historischer Abenteuerroman aus der Zeit der frühen Funde von Saurierknochen und deren Rekonstruktion. Crichton beschreibt darin die Rivalität echter Archäologen, die um die Ehre der Nachwelt buhlten und einen ständigen Kampf darum führten, wer mehr Arten rekonstruieren könnte. Der Autor führt dazu die Figur von William Johnson ein, einem Yale-Studenten aus bürgerlichem Elternhaus, der sich mehr ungewollt als Teil einer Wette der Expedition eines der beiden Archäologen anschließt, dann die ganze Schule des Lebens durchmacht, und dann plötzlich auf sich gestellt eine ganze Fracht Knochen durch zahlreiche Abenteuer hindurch retten und nach Hause bringen muss. Es sind somit auch Elemente eines Bildungsromans gegeben, doch im großen Ganzen überwiegt das Abenteuer, das zuweilen Wild-West-Züge trägt.

Ich fand den Roman spannend, besonders weil man dadurch Einblick in diese Zeit auf eine interessante Weise vermittelt bekommt. Es wird klar, wie stark die Rivalitäten waren, man sieht auch, wie sie sich gegenseitig beschimpft und bekämpft haben. Zugleich wurde mir aufs Neue bewusst, wie wichtig der Wettbewerb und die freie Marktwirtschaft für den Fortschritt sind. Das Abenteuer, die Eigenverantwortung, die Tugenden, die man fürs Leben lernt, all diese Dinge sind im Zuge des wachsenden allmächtigen Kindermädchenstaates dabei, verloren zu gehen. Gerade das Leben in freier Natur oder auch der Umgang mit anderen Menschen, die womöglich aggressiv reagieren, wird durch den omnipräsenten Staat immer mehr verloren gehen.

Auf der anderen Seite wirkt der Roman etwas … unfertig. Unvollendet. Abrupt. Als würde da noch etwas fehlen. Es gäbe sehr viele Möglichkeiten, den Schluss noch weiter hinauszuzögern, um dem Ganzen ein besser abgerundetes Ende zu bereiten. Dafür kann nun freilich der Autor nichts, er hätte dafür bestimmt die richtigen Ideen gehabt. Auch in der Hinsicht bleibt die Frage bestehen, ob die Veröffentlichung im Sinne Crichtons war oder nicht. Und diese werden nun weiterhin reine Spekulationen bleiben. Das Buch ist in gewisser Weise auch kein „typischer Crichton“. Wer hier einen crichtonesken Wissenschaftsthriller erwartet, hat zum falschen Buch gegriffen. Insofern ist es schon verständlich, dass langjährige Fans etwas anderes von dem Buch erwartet hätten als es schlussendlich geworden ist.

Ein Schmankerl für Lesebegeisterte ist die Bibliographie am Schluss des Buches. Wer sich für ein bestimmtes Thema noch näher interessiert, findet hier Buchtitel, die ihm da weiterhelfen. So macht das Lesen Spaß. Ich werde diese Bücherliste bestimmt noch mal durchgehen und mir das eine oder andere davon auf meine schier endlose to-read-Liste setzen. Es könnten sich übrigens auch andere Romanautoren davon eine Scheibe abschneiden und eine Liste von Büchern zusammenstellen, die sie für das Schreiben beeinflusst haben. Für mich als Leser wäre das auf jeden Fall total spannend, zu sehen, woher welche Einflüsse stammen.

Fazit:

Dragon Teeth“ ist kein typischer Crichton. Es ist vielmehr ein historischer Roman über die Zeit der frühen Saurierfunde. Mir persönlich hat das gut gefallen, da ich Geschichte sehr spannend finde und sie in diesem Buch gut aufbereitet und unterhaltsam geschrieben ist. Wem es mehr um die Hochspannung eines Wissenschaftsthrillers geht, für welchen der Name Michael Crichton steht, ist anderswo besser beraten. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

… und wie ist das eigentlich mit der Bekehrung?

Wie „funktioniert“ das überhaupt mit der Bekehrung, von der man immer wieder hört und liest? Was ist das? Wann findet das statt? Wir leben in einer Zeit, in welcher es sehr viele Missverständnisse dazu gibt. Ich möchte ein paar davon ausräumen und versuchen, mehr Licht in die Sache zu bringen.

1. Bekehrung ist etwas ganz Persönliches.

Ja, das ist wirklich so. Und weil Bekehrung so etwas Wertvolles und Intimes ist, tendieren wir schnell dazu, unsere eigene Bekehrung zu idealisieren. So haben wir das erlebt, dann muss es jeder gleich oder zumindest sehr ähnlich erleben, damit es eine echte Bekehrung sein kann. Gleichzeitig empfinden wir das als so etwas Intimes, dass es niemand in Frage stellen darf, was auch wieder nicht so optimal ist. Es ist etwas, worüber sich zu reden lohnt. Im Bus, an der ALDI-Warteschlange und auf dem Marktplatz. Oder auch in der Gemeinde. Es ist so wertvoll, darüber reden zu können und auch Feedback dazu zu bekommen.

2. Nicht jeder kann sich daran erinnern.

Gerade weil es so etwas Persönliches ist, darf es auch so sein, dass sich manche Leute gar nicht daran erinnern können. Das ist aber ebenso wertvoll wie die großen Erlebnisse von Umgekrempelten wie Paulus und anderen mehr. Manche Menschen bekehren sich schon als Kinder und bleiben dem Glauben treu bis ins hohe Alter. Manche Menschen „wachsen“ in den Glauben hinein und merken plötzlich, dass sie irgendwann im Laufe einer bestimmten Zeit zu neuen Menschen geworden sind. Es muss nicht immer ein Knall und Blitzeffekte sein.

3. Es gibt keinen Bekehrungsautomatismus.

In meiner Teeniezeit war das „Übergabegebet“ das A und O des Christenlebens. Das ist in manchen Kreisen meines Wissens noch immer so. Das große Problem dabei: Das Nachsprechen eines Gebets bewirkt an und für sich nichts. Auch dann nicht, wenn es unter starken Gefühlsausbrüchen stattfindet. Ich habe in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten immer mal wieder Menschen getroffen, die mich fragten, warum das so nicht „funktioniert“. Manche gehen jedes Jahr nach vorne und beten nach, und doch bleiben sie die alten Menschen. Die Übergabegebetitis unserer Gemeinden richtet da viel Schaden an.

4. Es gibt eine falsche Sicherheit.

Im Zusammenhang mit der Übergabegebetitis (Punkt 3) fällt mir aber auch auf, dass es immer wieder Menschen gibt, die meinen, dass das einmalig nachgesprochene Gebet alles sei, was nötig ist. Danach könne man einfach tun und lassen was man will, Gott wird es schon richten. Das Ticket ist gebucht, alles ist in bester Ordnung, nun kann man leben wie es einem gerade passt. Dieser Antinomismus (die Haltung, dass es für Christen keine Regeln oder Gebote gibt) entspringt einem Neuplatonismus, der den Gegensatz zwischen Körper und Seele auf die Spitze treibt und meint, was der Körper tut, sei egal, solange es der Seele gut gehe.

5. Es gibt eine falsche Gesetzlichkeit.

Zugleich geistert auch eine falsche Gesetzlichkeit in den Gemeinden herum, nicht nur die neuen judaisierenden Strömungen, die den Sabbat am Samstag und die jüdischen Feste wiederaufleben lassen wollen, sondern auch Vegetarismus und ähnliches propagieren. Überhaupt kann auch die Übergabegebetitis zu einer Gesetzlichkeit werden, wenn von jedem erwartet wird, dass man sagen kann, man hätte irgendwann einmal ein solches Gebet nachgesprochen.

Obwohl die Bekehrung etwas sehr Persönliches, Intimes ist, gibt es Elemente, die einfach dazu gehören. Und es gibt Folgen, an welchen man im Rückblick sehen kann, dass da etwas geschehen ist.

A. ELEMENTE der Bekehrung

  • Hören des Evangeliums

Als Gemeinden haben wir die Aufgabe, das Evangelium so zu predigen, dass es alle Menschen klar verstehen können. Wo das Evangelium verwässert oder verfälscht wird, werden wir an Gott und den Zuhörern schuldig. Der Glaube kommt aus der Predigt des Wortes Gottes.

  • Erkenntnis der Sünde im eigenen Leben

Die Folge der treuen Predigt des Evangeliums ist, dass Menschen beginnen, in ihrem Leben die Sünde zu erkennen. Das ist etwas Abstoßendes, etwas Erschreckendes, was jedem Menschen einiges zu denken gibt. Es ist unangenehm, wenn man sich plötzlich so erkennen muss. Doch daran führt kein Weg vorbei.

  • Buße (Umkehr)

Die Buße findet statt, wenn ein Mensch von seiner Sünde so erschreckt und abgestoßen sich umdreht und ob der Abscheulichkeit seiner Schuld vor Gott keinen Ausweg mehr sieht als sich an den Herrn Jesus zu wenden und Ihn um Hilfe und Gnade bittet. Buße ist die Abkehr vom alten Leben und die Hinwendung zum Herrn Jesus.

  • Echter, rettender Glaube (Vertrauen in den stellvertretenden Sühnetod Jesu)

Zugleich mit der Buße kommt auch der rettende Glaube, nämlich daran, dass Jesus für ihn persönlich am Kreuz stellvertretend gestorben ist, um die abscheuliche Schuld und Sünde zu bezahlen. Es ist die Erkenntnis der Liebe Gottes, die sich im Kreuz auf Golgatha und in der Auferstehung Jesu von den Toten zeigt.

  • Erkenntnis der Rechtfertigung durch das Sühnewerk Jesu

Damit geht auch einher, dass der Bekehrte erkennt, dass er durch dieses Sühnewerk Jesu vollkommen gerecht gemacht wurde. Er erkennt, dass ihm – trotz aller fehlenden Perfektion – die Gerechtigkeit Jesu wie ein weißes Kleid angezogen wurde und dass Gott ihn von nun an als Gerechtfertigten ansieht. Menschlich gesehen bleibt er auf der Erde unvollkommen, Gott sieht ihn schon mit den Augen des himmlischen ewigen Lebens an.

Dies ist ein passender Moment für ein Gebet der Hingabe und des Dankes an Gott, sofern dabei keine falschen Vorstellungen von einem solchen Übergabegebet vermittelt werden.

B. FOLGEN der Bekehrung

  • Liebe zu Gott und Gottes Wort

Wer bekehrt ist, liebt Gott, die Zeit im Gespräch mit Gott und das Hören auf Gottes Stimme in der Bibel. Er nimmt Gottes Wort ernst, versteht es wörtlich und lieber etwas zu wörtlich als zu wenig wörtlich. Er bleibt unter dem Wort und lässt die Bibel ein Urteil über sein Leben sprechen, statt mit seinen Gefühlen und seiner Biographie die Bibel beurteilen zu wollen.

  • Liebe zu den Mitmenschen

Er gewinnt eine neue Liebe zu seinen Mitmenschen, weil er merkt, wie gut und schön Gott alle Menschen geschaffen hat. Er versucht sie für den Glauben zu gewinnen und führt immer wieder Gespräche mit ihnen, die sie überzeugen sollen. Das bleibt hoffentlich ein ganzes Leben lang so!

  • Liebe zur Gemeinde

Er beginnt sich nach der Gemeinschaft mit anderen Bekehrten zu sehnen und besucht die Gemeinde, um auch dort Gottes Stimme durch die Predigt zu hören. Er wird in Gemeinden immer wieder Verletzungen erfahren (wie überall im Leben – wo Menschen sind, da menschelt es), und sieht das als Chance, um praktisch Vergebung zu lernen und zu leben.

  • Brennendes Verlangen nach der Heiligung

Verletzungen sind auch Chancen, um verändert zu werden. Wer bekehrt ist, hat sein altes Leben erkannt, verabscheut es und sehnt sich nach einem neuen Charakter, der dem von Gott gleicht. Er beginnt mit der Hilfe des Heiligen Geistes immer mehr seine alten Sünden zu erkennen, zu bekennen, zu hassen und zu lassen, und findet zugleich, dass der Heilige Geist auch gute Früchte in ihm wachsen lässt und ihm geistliche Gaben gibt, mit denen er seinen Mitmenschen dienen kann.

  • Wachsende Erkenntnis der Zeit, in der wir leben

Er beginnt sich mit der Zeit in der Welt umzusehen und gewinnt eine gewisse Erkenntnis von der Zeit, in der er lebt. Er beginnt zu entdecken, welche Veränderungen seiner Zeit gut sind und welche weniger gut. Das hilft ihm, sein Leben immer mehr nach Gottes Willen auszurichten, weil er auch seine Zeit und sein Umfeld durch die Augen von Gottes Wort, der Bibel zu beurteilen beginnt.

Buchtipp: Die Suche

Die Suche von Charlotte Link

Link, Charlotte, Die Suche, Blanvalet Verlag München, 1. Aufl. 2018, 654S., Verlagslink, Amazon-Link

Die Leiche eines im vorigen Jahr verschwundenen Mädchens wird gefunden. Kurze Zeit später verschwindet wieder ein Mädchen im selben Alter. Könnte das Verschwinden der beiden in einem Zusammenhang stehen? Könnte es bisher sogar noch mehr Opfer gegeben haben? Wenn ja, so kann das schnelle Lösen diesen Falles die Rettung von weiteren Opfern bedeuten. Die Zeit drängt. Zufällig ist die Scotland-Yard-Beamtin Kate Linville im Haus der Familie des Mädchens, als dieses vom nahen Parkplatz eines Einkaufszentrums verschwindet. Wird sie den Fall dem verantwortlichen Detective Chief Inspector Caleb Hale überlassen können oder wird sie sich einmischen? Führt die Suche nach dem „Hochmoor-Killer“ ins Nirgendwo oder kann sie tatsächlich dafür sorgen, dass es keine weiteren Opfer gibt?

Charlotte Link ist für ihre Verwirrspiele bekannt, mit welchen sie versucht, die Leser auf eine falsche Fährte zu locken und am Ende den Fall auf eine ganz andere Art und Weise auflöst. Das macht ihre Krimis spannend. Und zugleich ist diese ihre große Stärke auch eine gewisse Schwäche. Denn wenn nun der Leser beginnt, gerade mit dem am wenigsten Wahrscheinlichen zu rechnen, löst sich manches etwas früher auf. Nach etwa zwei Dritteln des Buches war mir im großen Ganzen klar, wie die Geschichte ausgehen wird und etwas später auch, wer Täter sein muss.

Gut gefiel mir, wie die Autorin die gesamte Geschichte aus den Blickwinkeln verschiedener Protagonisten aufbaut. Dies kann sie sehr gut, hieran merkt man ihr Schreibtalent. Sie tut dies auf eine Art und Weise, die es leicht macht, dem Geschehen zu folgen. Und nicht selten kann sie dadurch an der spannendsten Stelle den Faden einer anderen Person übergeben. Das ganze Buch ist sorgfältig und in einer langsamen Gangart aufgebaut, erst ganz am Schluss überstürzen sich die Ereignisse. Es spricht sehr für Charlotte Link, dass sie diesen langsamen Aufbau mit einem kontinuierlich zunehmenden Spannungsbogen zu ergänzen weiß.

Die verschiedenen Charaktere scheinen mir etwas ambivalent. Gerade Nebendarsteller wie die Mädchen und deren Familien sind sehr schön aus dem Leben gezeichnet, doch Kate Linville und Caleb Hale konnte ich einfach nicht wirklich sympathisch finden. Ihre Schwächen sind derart satirisch überzeichnet, dass es geradezu unrealistisch wirkt. Es mag natürlich solche Personen im echten Leben geben, keine Frage, aber ob sie für einen solchen Roman wirklich gute Vorlagen sind, wage ich zu bezweifeln. Schließlich wünscht sich ein Autor ja im Normalfall, dass sich die Leser mit den Hauptpersonen identifizieren können. Ich habe mich am Schluss gefragt, ob Link eine Fortsetzung mit dem Duo Linville-Hale plant. So manches scheint darauf hinzudeuten. Mir persönlich sind die beiden zu wenig sympathisch, als dass ich eine solche würde lesen wollen – so sehr mir vieles am Stil der Bücher von Charlotte Link zusagt.

Fazit:

Charlotte Link hat mit „Die Suche“ eine spannende Geschichte geschrieben, die ich Krimi-Fans gerne weiter empfehle. Sie hat einige Fallen eingebaut, um den Leser zu verwirren. Doch wer mit dem Unwahrscheinlichsten rechnet, kommt auch ihr schon früher als geplant auf die Schliche. Leider ist mir das Ermittler-Duo eher unsympathisch, während die übrigen Personen richtig schön und lebendig gezeichnet werden. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

Vom Segen des Reichtums

Wenn ich in unserer evangelikalen Welt mit Menschen unterwegs bin, so treffe ich immer wieder auf ganz große Vorurteile gegen Reichtum. „Die Reichen“ scheinen die Zöllner und Sünder unserer Zeit geworden zu sein. Man begegnet ihnen mit Argwohn, jeder von ihnen könnte ein Ausbeuter sein, jeder könnte Steuern hinterziehen, jeder könnte ganz viel auf dem Kerbholz machen. Mehr haben als andere macht suspekt. Allerdings müssen wir uns mit diesen Vorurteilen befassen, denn sie sind nicht nur in den meisten Fällen falsch, sie machen es vielen Menschen richtig schwer, sich in unseren Gemeinden wohlfühlen zu können.

Biblisch gesehen ist Reichtum ein Segen. Reichtum ist das natürliche Wachstum davon, dass jemand mit Fleiß und Ausdauer, mit Vertrauen und einer gewissen Risikobereitschaft sich selbst und sein Können, Wissen, seine Begabungen einsetzt und vermehrt. Es ist der Segen einer guten Zusammenarbeit von Menschen, der Segen einer guten Aufteilung der verschiedenen Aufgaben. Eins dürfen wir dabei nicht vergessen: Es gibt Umstände, durch die Menschen unverschuldet in Armut fallen. Daran gibt es nichts zu rütteln. Und es hat auch nicht jeder Mensch dieselben Fähigkeiten. Manche Menschen vermehren ständig ihr Geld, weil sie ein gutes Händchen für die richtigen Geschäfte haben. Andere arbeiten viel, und es wird doch nicht mehr. Wir Menschen sind ganz unterschiedlich, und das ist gut so. Gerade die Unterschiede des Einkommens und die Unterschiede der Vermehrung lassen erst unsere Gesellschaft aufblühen, denn so entsteht gesellschaftliches Wachstum und ein gesunder Unternehmergeist. Dass es die andere Seite auch gibt, ist der Bibel ebenso klar. Es gibt Menschen, die mit zweierlei Maß messen, die lügen und betrügen, die mit allen Mitteln Steuern sparen und dazu bereit sind, in Grauzonen abzutauchen. Aber die sind mitten unter uns in den christlichen Gemeinden wohl ähnlich häufig zu finden wie unter „den Reichen“.

Fromm verpackter Neid

Was mich immer wieder betroffen macht, ist die Tatsache, wie viel Einfluss die Ideologien von Karl Marx und mehr noch von Friedrich Engels im evangelikalen Gemeinderaum bekommen haben. Während die säkulare Welt die Schritte vom Marxismus zum Kulturmarxismus schon längst gegangen ist, hinken wir hier mal wieder etwas hinterher. Der Marxismus spricht vom Klassenkampf, also von bestimmten, der Einbildung der der bürgerlichen Oberschicht entstammenden Ideologen Marx und Engels, Kämpfen zwischen den Klassen der Fabrikbesitzer und der Arbeitnehmer. Natürlich hat die Zeit des Umbruchs in der industriellen Revolution viel Armut hervorgebracht. Aber erstens nicht nur Armut, sondern auch viel Fortschritt, und zweitens haben wir diese Zeiten schon sehr lange hinter uns. Zumindest was unsere westliche Welt betrifft. Der Kulturmarxismus führt hingegen einen Massenkampf, in welchem einfach alles, was es gibt, als Struktur der Unterdrückung gesehen wird. Sprache, Geschlecht, Bildung, Religion, Arbeit, und so weiter. Einfach alles wird hinterfragt und irgendwie als strukturelle Unterdrückung bekämpft. Wer das kapiert hat, kann unsere Zeit viel besser einordnen.

Aber ich schweife ab: In unseren evangelikalen Kreisen sind es die Grundlagen des Marxismus, die christlich getüncht eine Rechtfertigung für das Ausleben eines fromm verpackten Neides geben. Wer dem Reichen immer mit Argwohn begegnet und in ihm etwas von Grund auf Böses sieht, hat ein Problem mit dem Neid. Neid ist eine Sünde, über die leider heutzutage viel zu schnell hinweg gesehen wird, vor allem auch deshalb, weil sie sich schlecht prüfen lässt. Doch auch wegen diesem Neid müssen wir Buße tun und allen Menschen mit der gleichen Offenheit und Freundlichkeit begegnen, ohne Ansehen der Person. Leider hat das Denken von Unterdrückung der weniger Reichen durch Reichere unsere Kultur dermaßen vergiftet, dass wir wieder ganz neu darüber nachdenken müssen. Wir sind uns gewohnt, möglichst viele Aufgaben vom Staat abgenommen zu bekommen, und dazu auch noch das Geld dafür.

Wanted: Positive biblische Theologie vom Reichtum

Was wir brauchen, ist eine biblische Theologie des Reichtums, die für den Reichen ist, und nicht von vornherein gegen ihn. Wer mehr hat, trägt mehr Verantwortung, mit seinem Mehr verantwortungsbewusst umzugehen, und ich weiß von vielen Menschen, die das auf ganz unterschiedliche Arten tun. Einer mag mehr in seinen Betrieb investieren, weil er mehr Arbeitsplätze schaffen will. Ein anderer spendet gerne mehr und unterstützt damit gute Vereinigungen. Wer sind wir, dass wir sagen können, welcher davon das bessere Teil erwählt hat? Letztendlich muss jeder damit vor Gott und seinem Gewissen Rechenschaft ablegen können. Wie wäre es, wenn jeder von uns zunächst einmal auf sich selbst und seinen eigenen Umgang mit seinem Geld achtet, statt seinen Mitmenschen Wachhund zu spielen?

Die Bibel gibt uns viele gute (und auch einige schlechte) Vorbilder für reiche Menschen. Was können wir daraus ableiten? Nicht Geld ist die Wurzel des Übels, sondern Geldsucht, Habgier. Es ist an der Zeit, dass wir wieder anfangen, davon zu sprechen, wie wir Gottes Wort darin ernst nehmen können. Gott ist der König aller Könige, der oberste Herrscher des Universums. Ihm gehört letztlich aller Besitz, auch jeder von uns Menschen. Wir können viel Gutes zum Thema von der protestantischen Arbeitsethik lernen. Das dürfen wir wieder ganz neu entdecken. Gott möchte uns segnen. Und vielleicht schickt Er uns dann auch bestimmte Menschen in unsere Gemeinden, wenn sie merken, dass sie gar nicht mehr so argwöhnisch beobachtet werden, weil sie mehr haben als andere. Und es gibt natürlich auch schon viele christliche Unternehmer, die viel Zeit, Arbeit, Kraft und Geld investieren, um zu Gottes Ehre dieses Wachstum zu erleben. Ihnen allen an dieser ein ganz großes DANKE!