Buchtipp: Cat Person

Roupenian, Kristen, Cat Person, Aufbau Verlag Berlin, 2019, 276S., Verlagslink, Amazon-Link

Cat Person ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Lebensgefühl der heutigen Twens und bis etwa Mittdreißiger befasst. Das Buch besteht aus zwölf „short stories“, die zwar einerseits eine breite Palette an unterschiedlichen Personen und Lebensgeschichten enthält, die sich doch zugleich auf einem sehr engen, oberflächlichen Gefühlsparkett bewegen. Das macht es auch schwierig, über das Buch als Ganzes zu schreiben.

Wenn man sich „Cat Person“ ehrlich nähern will, kann dies nur mittels einer doppelten Strategie geschehen. Auf der einen Seite ist da eine Sammlung von Geschichten, die geradezu durch Abwesenheit jeglicher künstlerischer Schönheit glänzen. Es sind literarische Schnellschüsse, die am meisten durch exzessive Gewalt- und Sexorgien auffallen. Es gibt wenig Handlung, wenig Entwicklung, aber dafür viel Introspektion und Zynismus. Das Absurde, das Zufällige, das Abstoßende und das Scheitern wird gefeiert und vergötzt.

Zugleich ist es der Autorin gelungen, das Lebensgefühl vieler Menschen einzufangen. Ob man dabei tatsächlich von einer ganzen Generation sprechen kann, sei dahingestellt. Es ist die Gefangenschaft in der Spannung zwischen dem Machbarkeitswahn und dem Zwang zur Selbstkonstruktion, die den Menschen dazu verurteilt, sich ständig neu erfinden zu müssen. Es ist auf der einen Seite die vermeintliche Freiheit und Autonomie des Individuums, die – um nicht im ganzen Gewusel all der anderen autonomen Individuen unterzugehen – sich selbst beständig neue Identitäten erschaffen muss. Wer darin nicht extrem ist, fällt nicht auf. Wer nicht auffällt, existiert nicht. Und zugleich ist es eine Menschheit, die danach hungert und dürstet, sich selbst – authentisch – sein zu dürfen. Nur stellt sich dann wiederum die Frage: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich zum Menschen? Worin besteht das Menschsein an sich? Was ist mein Wert – auch dann, wenn ich niemandem auffalle?

Geld, Sex und Macht

Geld, Sex und Macht – bei Roupenian kommt das Dritte zumeist in Form von negativer Gewalt zum Vorschein – bestimmen die Welt in Cat Person. Vielleicht kommt man dem Kern noch näher mit der Frage: Was machen diese drei Dinge mit uns? Wie verändern sie unsere Psyche? Wie verändert sich unser Wohlbefinden, wenn wir uns unseren Begierden ganz hingeben? Die Autorin wirft mit ihren Geschichten all diese Fragen auf. Vermag sie jedoch auch eine Antwort zu geben? Ja und nein, denn im Sinne eines klassischen Relativismus löst sie die Fragen auf eine doppelte Weise auf: Egal, ob wir uns diesen Lebensmächten Geld, Sex und Macht hingeben oder nicht, das Ergebnis ist immer schlecht. Leider hat sie hier auch keine wirklichen Antworten zu bieten, außer einem zynischen Pragmatismus: Es kommt darauf an, was man erreichen will. Aber egal, was man erreichen will, jedes Ziel ist falsch.

Auf einer persönlichen Ebene spricht mich das Buch an, einerseits als jemand, der im selben Jahrzehnt geboren ist wie die Autorin, andererseits aber auch als Theologe, denn wir haben den Menschen unserer Zeit und Kultur das Evangelium von Jesus Christus verständlich zu übersetzen. Menschsein, Menschenwürde, Menschenrechte, Erlösung von realer Sünde und Schuld, Leitlinien für ethisches Verhalten, gerade auch im Umgang mit Geld, Sex und Macht sind alles Dinge, die dem jüdisch-christlichen Weltbild entstammen. Jesus Christus bringt echte Freiheit und Erlösung vom Zwang der Selbstkonstruktion. Er gibt echte Identität, mit der Gemeinde eine echte Familie, in der wir authentisch sein dürfen. Sein Tod am Kreuz und die Auferstehung geben uns einen unvorstellbaren Wert, den wir uns weder verdienen müssen noch können. Vielleicht wäre es an der Zeit für einen Antwortband mit Kurzgeschichten aus der biblischen Perspektive?

Fazit:

Cat Person von Kristen Roupenian ist eine schlecht geschriebene, von Sex und Gewalt durchzogene Kurzgeschichtensammlung, die zugleich in einer selten dagewesenen Schärfe das Lebensgefühl vieler junger Erwachsener zu beschreiben vermag. Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sterne.

Buchtipp: Eisige Tage

Pohl, Alex, Eisige Tage, Penguin Verlag München, 2019, 432S., Verlagslink, Amazon-Link

Winter in Leipzig. Ein Toter wird gefunden. Reine Routineuntersuchung oder steckt da mehr dahinter? Die erste Spur führt zum Chef der Leipziger „Unterwelt“. Doch zunächst scheint dieser nichts damit zu tun zu haben. Weitere Ermittlungen zeigen, dass es um Kinderprostitution geht, deren Auswüchse bis nach Moskau führen. Wichtige Personen haben ihre Finger im Spiel und versuchen die Sache zu vertuschen. Das Ermittler-Duo Seiler und Novic haben alle Hände voll zu tun, um weitere Verbrechen zu verhindern. Eine junge Teenagerin sollte das nächste Opfer werden – sie hatte sich in einen der Entführer verliebt und wird ihrer Lage erst gewahr, als es zu spät ist. Doch wer ist eigentlich der Mörder des Toten vom Anfang des Buches? Wird es jemand noch rechtzeitig schaffen, die verliebte Teenagerin zu befreien?

Alex Pohl hat sich als Thriller-Autor unter seinem Pseudonym auch schon einen Namen gemacht. Nun versucht er sich zum ersten Mal an einem Krimi. Man merkt ihm an, in welcher Richtung er sich bisher zu schreiben gewohnt war. Auch hier befasst er sich sehr eingehend mit dem Innenleben der Romanfiguren. Die Handlung verläuft zu einem großen Teil in den Köpfen der Personen. Das gibt dem Autor einen dreifachen Vorteil: Erstens kann er seine Figuren dadurch eine innere Veränderung, eine Entwicklung, durchgehen lassen. Wenn die aktive Handlung dominiert, fällt diese Entwicklung sehr oft unter den Tisch. Zweitens gibt es ihm die Möglichkeit, die Persönlichkeiten farbiger zu zeichnen als dies sonst meist geschieht. Pohl mag keine schwarz-weiß gezeichneten Figuren. Er sieht immer das Licht und Dunkel zugleich. Und drittens braucht er dadurch auch viel deutlich grafische Beschreibungen aktiver Gewalt zu geben. Er beherrscht die Imagination seiner Leser so weit, dass ein halber Nebensatz ein ganzes Kopfkino in Gang bringt. Man sollte sich dabei aber bewusst bleiben: Es kommt Gewalt vor, teilweise auch über längere Passagen. Es gibt brutale Szenen, obwohl insgesamt der größere Teil davon mehr angedeutet denn beschrieben wird.

Man könnte somit sagen, dass Pohl durchaus genreübergreifend schreibt. Das ist zugleich auch eine der Schwächen des Buches: Es sind Charaktere, die für einen Thriller herausgearbeitet wurden, die nun in einem Krimi aufeinander treffen. Da im Kriminalroman nun mal die Ermittlung im Zentrum steht, wirken diese Personen in ihrer ganzen inneren Befindlichkeit irgendwie komisch. Sie sind nicht wirklich sympathisch, sie sind nicht ganz rund und in sich abgeschlossen, sondern eher formlos, hilflos und dem Zufall unterworfen. Besonders für das Ermittler-Duo gilt dies in spezieller Weise. Es gibt immer wieder Szenen, in welchen der Leser fast peinlich berührt ist, mit welcher Blindheit Seiler und Novic durch die Weltgeschichte laufen und mit den Nasen schon fast auf die sichtbaren Umstände gestoßen werden müssen. Dadurch wird zwar ein anderes Element hervorgehoben, nämlich die Notwendigkeit der inneren Entwicklung, die dann auf das Ende hin auch stattfindet, doch gerade dieser Aspekt lässt den Leser mit der Frage zurück, was der Autor eigentlich schreiben wollte.

Fazit:

Ein spannender Roman, bei dem es nicht leicht fällt, ihn in eine genrespezifische Schublade zu stecken. Der Autor gibt sich viel Mühe, die Charaktere differenziert zu entwerfen und entwickeln, was sie im Setting eines Krimis etwas unpassend macht. Alles in allem jedoch schlüssig geschrieben und für Krimi-Fans, die nicht vor brutalen Szenen und Kopfkino zurückschrecken, durchaus zu empfehlen. Ich gebe dem Buch vier von fünf Sterne.

Buchtipp: Die Auslese

Charbonneau, Joelle, Die Auslese – Die komplette Trilogie, Blanvalet Verlag München, 1. vollständige Aufl. 2018, 1120S., Verlagslink, Amazon-Link

Es ist ein wahrer Genuss, endlich mal wieder ein Buch in den Händen zu halten, in dem man lange genug Zeit hat, um den Protagonisten bei ihrem Wachstum zuschauen zu können. Die meisten Romane sind zu schnell vorüber, und dieses Gefühl hätte ich auch bei einem einzelnen der drei Teile gehabt. Das Gesamtpaket der Trilogie ist viel mehr als die Summe ihrer Einzelteile, da sie zusammen erst die Einheit ergeben, die sie sind. Ich würde deshalb auch immer gleich zur vollständigen Ausgabe raten.

Cia Vale ist ein Mädchen, das nach ihrem Schulabschluss zur Auslese darf. Die Auslese ist eine Veranstaltung, bei welcher die künftigen Professoren und Regierenden ausgesucht werden. Bei der Auslese werden die Besten der Besten ganz verschiedenen Prüfungen ausgesetzt, die sie zu bestehen haben. Nichtbestehen einer Prüfung wird mit dem Tod bestraft. Doch nicht nur Cia findet dieses Vorgehen viel zu brutal, auch andere Gruppen sind dabei, an der Abschaffung dieser Auslese zu arbeiten. Auch hier gilt: Nicht alles ist Gold, was glänzt. So gibt es auf diesem Weg zu einer gerechteren und freundlicheren Zukunft eine Menge Überraschungen. Wer steht auf wessen Seite? Wer tut nur so? Ein Versteckspiel im Irrgarten mit zahlreichen Wendungen.

Cia Vale ist die Hauptperson, das Buch ist aus ihrer Sicht in Ich-Form geschrieben. Ihre Entwicklung hat mir eigentlich ganz gut gefallen, aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass sie auf eine gewisse Weise künstlich blieb. Ich konnte mich schwer in sie hineinversetzen, weil auch nach 1120 Seiten die nötige Vertrautheit fehlte. Auf der einen Seite scheint sie mir aus dem Nirgendwo herzustammen, denn auch wenn man immer wieder Details aus ihrer Kindheit erfährt, passen diese Details nicht so ganz logisch zusammen. Außerdem gibt es immer wieder Sprünge in ihrem Denken, die nicht erklärbar sind. Von einer Seite zur nächsten scheint sie reifer geworden oder in ihrem Denken verändert, ohne dass diese Veränderung einen klaren Grund in der Geschichte haben. Das hat das Buch etwas schwieriger zu lesen gemacht.

Fazit:

Die Auslese ist eine dreibändige Dystopie mit Anlehnungen an die Tribute von Panem. Es ist ein Jugendbuch, das sich aber auch von Erwachsenen gut und leicht lesen lässt. Die Protagonistin hätte meines Erachtens noch etwas sorgfältiger und logischer aufgebaut werden dürfen, doch insgesamt ein spannender Roman, der einige gute Werte wie Treue, Verbindlichkeit, Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein fördert. Ich gebe dem Buch vier von fünf Sternen.

Facebook-Seite für den Blog online

In eigener Sache: Wie bereits Ende letzten Jahres angekündigt, gibt es ab sofort eine Facebook-Seite für meinen Blog. Ich werde damit beginnen, meine Facebook-Tätigkeiten auf meinen persönlichen Profil langsam zurückzufahren und stattdessen die Seite betreuen. Dort wird es nebst den Blogbeiträgen auch hin und wieder Links auf andere interessante Inhalte geben. Die Seite kann für regelmäßige Updates ab sofort „geliket“ und geteilt, sowie weitere Personen zum „Liken“ eingeladen werden und ist hier (Link) zu finden. Es gibt übrigens auch auf der Seite die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. 

Die Bücher meiner Kindheit

Bücher, die meine Kindheit geprägt haben. Daneben gab es natürlich noch hunderte mehr, aber hier mal diejenigen, die mich nebst der Bibel besonders auch längerfristig beschäftigt haben. Diese folgenden habe ich vermutlich alle mehr als einmal gelesen, kann mich aber nicht mehr in jedem Fall an die genauen Zahlen erinnern.

Sofies Welt

Als junger Mensch mit sehr vielen Fragen hat es mir sehr gut getan, mal zu erfahren, dass diese Fragen schon seit Jahrtausenden gestellt und beantwortet werden. Als ich mit etwa neun Jahren erstmals Sofies Welt gelesen habe, konnte ich das meiste noch nicht wirklich verstehen, aber zwei Dinge sind mir seither geblieben: Die Liebe zur Geschichte und zur Philosophie, sowie der Mut, Fragen zu stellen, auch wenn die Antworten unangenehm sein können. Amazon-LinkHier habe ich noch mehr dazu geschrieben.

Momo

Dieses Buch von Michael Ende habe ich ebenfalls bei meinen Großeltern kennengelernt. Auch hier gibt es wieder Dinge, die größer waren als mein damaliges Verständnis, aber das macht es auch spannend, darüber noch weiter nachzudenken. Man kann von Michael Ende halten was man will – aber spannend schreiben kann er! Und dabei erst noch Fragen ansprechen, die auch so ein Kinderköpfchen beschäftigen. Amazon-Link

Der „Lederstrumpf“

Auch wenn ich über 40 Bände von Karl May gelesen habe – keiner davon konnte mich derart mitreißen wie die fünf Lederstrumpf-Bände von James F. Cooper. Nicht nur Indianergeschichten, sondern man lernt eine ganze Menge über Tugenden und christliche Nächstenliebe. Wertvoll! Amazon-Link

Die Narnia-Serie

In der Zeit meiner Kindheit kam allgemein gerade ein neues Interesse an C. S. Lewis und besonders an seiner Narnia-Serie auf. Mit viel Spannung habe ich die Geschichten gelesen. Es brauchte jedoch die mehrfache Lektüre, um die biblischen Zusammenhänge zu verstehen, die Lewis in seinem Roman untergebracht hatte. Amazon-Link

Die Blitz-Serie

Als großer Pferde-Fan darf natürlich auch eine Pferde-Serie nicht fehlen. Davon habe ich mehrere gerne gelesen, doch so richtig spannend fand ich vor allem Walter Farleys Serie um Blitz, den schwarzen Hengst. Bei dieser Serie habe ich mir den Spaß gemacht, in Bücher-Antiquariaten nach möglichst alten Ausgaben zu suchen. Hier der Amazon-Link zum ersten Band der Serie.

Die Abenteuer-Serie

Die Abenteuer von Jack, Dina, Philip und Lucy habe ich mir auch auch alle mehrmals reingezogen. Die meines Erachtens mit Abstand originellste Serie von Enid Blyton. Aber manchmal frage ich mich schon, wie es jemand schafft, so viele Bücher zu schreiben. Das allein ist schon eine Kunst für sich. Hier der Amazon-Link zum ersten Band der Abenteuer-Serie.

Und welches waren Deine Kindheits-Bücher?

Buchtipp: Zukuft? China!

Sieren, Frank, Zukunft? China! Wie die neue Supermacht unser Leben, unsere Politik, unsere Wirtschaft verändert, Penguin Verlag München, 2018, 386S., Verlagslink, Amazon-Link

Frank Sieren ist Journalist und lebt seit 1994 in Peking. Kaum ein anderer Deutscher hat so viel Einblick in die Veränderungen in China wie er. Und das versteht er meisterhaft auf den Punkt zu bringen. Da ich sehr an dieser neuen Supermacht interessiert bin, war mir einiges schon bekannt, aber es war wertvoll, diese neueste Geschichte Chinas noch mal in komprimierter Form geboten zu bekommen. Was ich nicht auf dem Schirm hatte, war der Ausbau der „neuen Seidenstraße“, wie schnell dieser voranschreitet.

Spannende Einblicke in ein fremdes Land

Bei alledem, was mir schon bekannt war, ist mir China doch immer ein fremdes Land geblieben. Das chinesische Denken mit all seinen inneren Widersprüchen und seiner großen Bandbreite an Sichtweisen ist mir durch dieses Buch ein klein wenig näher gekommen, hat aber auch Interesse geweckt, noch mehr darüber zu erfahren. Schließlich wird dieses Land – wie der Autor sehr richtig bemerkt – in näherer Zukunft noch viel stärker unser Leben beeinflussen.

Insgesamt hätte ich mir noch mehr Klarheit gewünscht in der Beurteilung des Landes. Man muss sich bewusst sein, dass China nicht nur einfach ein „autoritär regiertes“ Land ist, es ist vielmehr eine kommunistische Diktatur, eine klassische Tyrannis wie sie im Buche steht, die durch den Ausbau der Technologie, allgegenwärtige Überwachung und der Künstlichen Intelligenz noch viel effektiver wird als das Stasi-Archiv mit all seinen Mitarbeitern. Die Christenverfolgung ist in China schon weit fortgeschritten, immer wieder werden Christen gefangen genommen, und erst kürzlich machte wieder eine Nachricht die Runde, dass nämlich in der Bibelausstellung einer Kirche in allen Bibeln das erste von den Zehn Geboten entfernt worden sei.

Wie gehen wir damit um?

Ein weiteres Thema, in dem ich dem Autor widersprechen möchte, betrifft die Lösung des Problems. Er geht davon aus, dass wir starke Staaten mit autoritären Regierungen brauchen, um China das Wasser reichen zu können. Was wir statt zentralen Ordern nötig haben, ist eine starke Wirtschaft, damit die europäischen Betriebe in Technologien investieren können, die China noch benötigt. Sieren sagt zu Recht, dass sich China nur dann um westliche Regeln scheren wird, wenn der wirtschaftliche und technologische Druck vorhanden ist. Dieser kann jedoch nicht voranschreiten, wenn Betriebe weiterhin so arg vom Staat gemolken werden, sondern nur, wenn die Wirtschaft deutlich freiere Hand erhält.

Sehr gut gefallen hat mir jedoch der Abschnitt über Afrika, und wie China dabei ist, dort für mehr Wohlstand zu sorgen. Nicht durch humanitäre Hilfe, sondern durch wirtschaftliche Investition, die man hierzulande wohl zunächst als „Ausbeutung“ bezeichnen würde, die in Wahrheit jedoch vielen Menschen eine neue Perspektive gibt und dort neuen Wohlstand schafft.

Fazit:

Ein spannendes Buch zur Zukunft mit China als neuer Supermacht. Viel davon ist sehr lesenswert. Einzelne Aussagen und Tipps führen dabei jedoch eher zu Eigentoren. Ich gebe dem Buch vier von fünf Sterne.

Monday Humor: Lutheranerin fühlt sich mit Martin Luther verheiratet

Monday Humor, Leipzig. Die Lutheranerin Katharina von Bother hat sich nun geoutet, sie fühle sich mit dem Reformator Martin Luther verheiratet. Die in der nähe von Leipzig lebende und seit acht Jahren verwitwete Frau hat deshalb eine gerichtliche Auseinandersetzung begonnen, nicht nur den Namen des Mannes annehmen, sondern auch das Grab des Reformators von der Schlosskirche Wittenberg nach Leipzig überführen zu dürfen. Im Interview erklärte sie: „Ich bin einfach im falschen Körper geboren. Nicht nur das, sondern auch das Jahrhundert habe ich total verfehlt, in das ich eigentlich gehörte. Deshalb ist es nur gut und billig, dass in meinem Fall die Krankenkasse alle notwendigen Kosten übernehmen muss.“ Und auf die Frage, was ihre nächsten Schritte sein werden, antwortete sie: „Da meine Krankenkasse bisher nicht bereit ist, meinen Wünschen zu entsprechen, werde ich mit Hilfe meiner Seelsorger und des Anwalts Lutt Herr-Aner auf die Bezahlung und einen Schadensersatz klagen. Da ich mit meinen 79 Jahren nicht mehr die Jüngste bin, werde ich leider auch nicht mehr allzu lange das Vergnügen haben, mit meinem richtigen Mann zusammenzuleben.“

Buchtipp: Hirnforschung und Zauberei

Macknik, Stephen L., Martinez-Conde, Susana, Hirnforschung und Zauberei: Wie die Neuromagie die alltägliche Täuschung unserer Sinne enthüllt, Herder Verlag Freiburg im Breisgau, 2014, 359S., Verlagslink, Amazon-Link

Wenn sich zwei Interessengebiete überschneiden, wird es spannend. Hirnforschung und Zauberei sind zwei Themen, die mich seit frühen Jahren begleiten, und als ich auf dieses Buch gestoßen bin, da musste ich es einfach lesen. Die Autoren Macknik und Martinez-Conde sind ein Ehepaar, das in Phoenix, Arizona, verschiedene Abteilungen des Neurologischen Instituts leiten. Sie sind somit Forscher, die von der Hirnforschung kommen und aus Interesse heraus angefangen hat, sich mit den Tricks, Methoden und so weiter der Trickzauberei zu beschäftigen. Sie haben – beginnend mit optischer Täuschung – versucht, herauszufinden, was genau in unserem Gehirn passiert, wenn wir ausgetrickst werden. Die beiden haben Zauberunterricht besucht und nach einem Jahr mit einer Show versucht, die Aufnahmeprüfung im Magic Castle zu schaffen.

Es gibt manches an dem Buch, was man kritisieren kann. Wer sich in der bekannteren Literatur ein wenig auskennt, wird schnell merken, dass sie einen mündlichen Zugang zur Zauberei gewählt haben: Sie haben vor allem mit ein paar wenigen heutigen Zauberprofis gesprochen und deren Aussagen vorschnell und ungeprüft übernommen. Dies merkt man zum Beispiel daran, dass sie deren besondere Vorbilder zu eigenen Vorbildern machen und bei Tricks immer nur eine Methode beschreiben, obwohl es häufig mehrere gibt, und dabei oft nicht einmal die üblichste. Ich werde ihnen das aber nicht zum Vorwurf machen, denn ich weiß, wie verwirrend und überfordernd es sein kann, sich mit der einschlägigen Literatur dazu zu befassen. Man könnte sich höchstens fragen, ob sie mit dem Buch noch ein weiteres Jahr hätten warten sollen und sich in dieser Zeit auch noch tiefer mit dem Material beschäftigen. Ein Schwachpunkt ist meines Erachtens jedoch, dass das Ehepaar grundsätzlich davon ausgeht, dass es nichts Übernatürliches geben kann. Dieser Täuschung sind die Beiden leider auch erlegen – so sehr sie sich auch schon mit solchen befasst haben.

Fazit

Ich persönlich habe das Buch mit viel Gewinn gelesen und war nahezu enttäuscht, als es schon so schnell zu Ende war. Gerne hätte ich noch viel mehr zu diesem Bereich gelesen. Ich möchte das Buch jedem Interessierten empfehlen, insbesondere auch Christen, die oft hinter Zaubershows etwas Dämonisches vermuten. Dass es Dämonisches geben kann, ist natürlich für jeden Christen klar, aber das muss man anderswo suchen und nicht in Shows, die von der Fingerfertigkeit leben. Ich gebe dem Buch wegen seiner Wichtigkeit trotz all seiner Schwächen 5 von 5 Sterne.

Buchtipp: Auf falschen Fährten

Mayne, Andrew, Auf falschen Fährten: The Naturalist, Edition M, Amazon-Publikation, 2018, 460S., Amazon-Link

*Spoiler-Alert*

Professor Theo Cray wird verhaftet. Eine seiner früheren Studentinnen wurde auf brutale Weise ermordet. Doch keiner kann ihm etwas nachweisen. Da er schon in diesen Fall verwickelt wurde, entschließt er sich, auf eigene Faust den Spuren nachzugehen. Alles deutet auf einen bestimmten Grizzly hin, doch ein DNA-Test bringt ihn auf die Spur eines anderen Grizzlys, der seit Jahren tot ist. Mit Hilfe seines Spezialgebiets, der Bioinformatik, gelingt es Cray, nachzuweisen, dass es über viele Jahre hinweg eine größere Anzahl ähnlicher Morde gegeben hatte. Wie fast zu erwarten war, zeigt das Buch, dass der Mensch des Menschen schlimmster Grizzly sein kann.

Ein Thriller mit rasantem Einstieg, der zwischendurch einige Längen aufweist, zum Ende hin jedoch wieder an Fahrt aufnimmt und eine beinahe überraschende Auflösung vorweist. Mehr dazu weiter unten. Mir persönlich haben die zahlreichen Beispiele aus dem Alltag der Bioinformatik sehr gut gefallen. Man merkt: Da ist jemand am Werk, der sich darin gut auskennt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass dies für manche Thrillerfans zuviel des Guten sein könnte, besonders wenn man nicht so sehr an der wissenschaftlichen Arbeit interessiert ist. Dann gibt es Abschnitte über mehrere Seiten hinweg, die in dem Fall zu überspringen wären. Dadurch würde der Lesefluss und das Verständnis für die Story jedoch beeinträchtigt.

Die Story war gut ausgedacht, allerdings hätte man aus dem Protagonisten noch mehr machen können, indem man ihn menschlicher gemacht hätte. Er erinnert mich eher an einen Halbgott der griechischen Heldensagen: Unbesiegbar, unerschütterlich, stoisch bis beinahe zur Gefühlslosigkeit. Dadurch wirkt er konstruierter als nötig. Außerdem habe ich das Gefühl, der Autor versucht zu viele unterschiedliche Ziele unter einen Hut zu bringen: Eine spannende Story erzählen, die Techniken der Bioinformatik bekannter machen, und erst noch eine moralische Lektion erteilen. All dies tut er in einer Gründlichkeit, dass sich die verschiedenen Ziele gegenseitig schwächen. Die moralische Lektion über das Böse im Menschen beginnt schon beim Verhör am Anfang des Buches, was mich ziemlich gewiss gemacht hat, wie die Story ungefähr enden wird.

Fazit:

Ein spannend geschriebener Thriller mit viel gutem Hintergrundwissen zur Arbeitsweise der Bioinformatik. Die Story hätte etwas fokussierter aufgebaut werden können. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

Wo bleiben die Apologetinnen und Apologeten unserer Zeit?

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, lieber Leser, aber mich treibt eine Sache um, und zwar von Jahr zu Jahr stärker. Ich sehe Menschen, besonders junge Menschen, Teenager und junge Erwachsene, die wissen wollen. Sie wissen, dass Wissen wichtig ist. Dass auch die Ehrlichkeit wichtig ist. Dass Wahrheit wichtig ist. Sie wissen, dass es nicht nur ums gute Gefühl geht. Sie wissen, dass der Wissensunterschied die eigene Zukunft enorm verändern kann. Sie wollen wissen. Sie wollen das Wissen, das ihr Leben bestimmen soll. Und sie haben Fragen. Wertvolle Fragen. Weltbewegende Fragen. Ehrliche Fragen, die eine ehrliche Antwort verdienen.

Wo stehen viele Gemeinden unserer Zeit?

Und dann sehe ich gleichzeitig viele gleichgültige Gemeinden. Nicht total gleichgültig, aber in diesen Fragen gleichgültig. Ohne lebensverändernde Wahrheit, die das Leben von außen her in Frage stellt und von innen her verändern will. Gemeinden, die sich selbst zu wichtig nehmen. Gemeinden, die sich entweder abschotten oder verweltlichen. Beide haben diesen Menschen nichts mehr zu sagen. Die einen sehen sich als kleiner holy club, die letzten Heiligen der Endzeit, die so heilig sind, dass alle weniger Heiligen ausgestoßen bleiben. Es herrscht eine Angst davor, von der Welt kontaminiert zu werden und dadurch schlechter da zu stehen. Es herrscht aber auch eine Angst davor, durch Fragen und Zweifel kontaminiert zu werden, nicht alle Antworten zu kennen und mehr noch: Selbst von Zweifeln „angesteckt“ zu werden.

Und dann gibt es andere Gemeinden, die ähnlich egoistisch und selbstbezogen sind. Sie wagen es nicht, klare biblische Lehre und einen verbindlichen ethischen Maßstab zu bezeugen. Sie fürchten um ihr Image in der Welt. Sie sind lieber in der Ökumene am Diskutieren, mit welchem genauen Wort man möglichst inklusiv sein kann. Und im interreligiösen Dialog am Bezeugen, wie doch alle irgendwie etwas Ähnliches glauben. Auch hier finden diese Menschen keine Antworten. Wenn diese Christen ständig am Herumeiern sind und etwas mal so und dann wieder ganz anders erklären, finden sie den Halt nicht, den sie suchen. Sie werden vertröstet: Wahrheit sei kein Buch, sondern eine Person, und eine Person lasse sich nicht genau definieren und beantworten. Eine Person sei dynamisch, und deshalb sei Wahrheit dynamisch, undefinierbar, und Glaube kein Wissen. Zweifel werden nicht beantwortet, sondern der Zweifler gelobt und zur Spezies der Zukunft, sozusagen zum Übermenschen, erhoben.

Geistliche Väter und Mütter gesucht!

Hier stehe ich nun und frage: Wo sind die geistlichen Väter und Mütter dieser Generation? Wo sind die Menschen, die sich mit den Fragern zusammensetzen und sich die Zeit nehmen, ihre Fragen zu durchdenken? Wo sind die Männer und Frauen, die den Zweiflern helfen, Antworten auf ihre Zweifel zu finden? Wo sind die Gemeinden, die vorleben, wie man mit Fragen und Zweifeln umgehen kann, wo und wie man Antworten findet? Wir leben in einer strategischen Schlüsselzeit, und der Teufel weiß um die Wichtigkeit dieser jungen Generation. Hier und jetzt wird sich entscheiden, ob der Westen zum neuen Heidenland wird. Ob Gemeinden an Überalterung aussterben werden, weil sie nicht mehr fähig sind, diese Fragen zu beantworten.

Es ist auch eine Schlüsselzeit, weil der Kampf der Ideologien und Weltbilder tobt wie selten zuvor. Es ist eine Zeit des geistigen Vakuums, eine Zeit, in der die Ansichten in der globalisierten Welt auseinander driften und immer extremer und lauter geäußert werden. Das kurze Zwischenspiel des Postmodernismus hat sich als Sackgasse erwiesen, doch in vielen Gemeinden wird ihr so hinterher getrauert, dass man sich noch in der Phase der Leugnung befindet. Es wird nach wie vor getan, als sei die Ideologie des Postmodernismus die Antwort auf die Probleme unserer Zeit. Es gibt auch noch genügend Christen, die si8ch ebenfalls so verhalten, weshalb es innerhalb geschlossener Gemeindesysteme noch nicht so stark auffällt. Überhaupt war es schon immer so, dass die Gemeinden rund 25 – 30 Jahre brauchten, um die Zeit um sich herum wahrzunehmen und auf sie zu reagieren. Und es ist nicht das erste Mal, dass dabei Gemeinden so enorm selbstzentriert waren, dass die Menschen auf der Strecke blieben.

Brauchen wir eine Erweckung?

Immer wieder, wenn dies der Fall war, schenkte Gott eine Erweckung. So etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als in den Berliner Kirchen die historisch-kritische Theologie weit verbreitet war und sich die Kirchen leerten. Durch Johannes Jänicke und Baron Hans Ernst von Kottwitz kam eine Erweckung über Berlin, die durch die Gründung der Evangelischen Haupt-Bibelgesellschaft weitere Verbreitung fand und noch mehrere Jahrzehnte lang positive Nachwirkungen hatte. Von Kottwitz gründete außerdem viele Betriebe, in welchen Menschen Arbeit fanden und dadurch auch ihr Umfeld zum Guten verändern konnten. Zudem war er mit Ernst Ludwig von Gerlach befreundet, der mit seinem Bruder Leopold und dem Unternehmer Friedrich Stahl die Kreuz-Zeitung gründete, eine Zeitung, die noch viele Jahre führend war in den Kreisen der Erweckungsbewegung. Diese Menschen haben Berlin und ganz Preußen mit Gottes Hilfe verändert, indem sie die eine, unveränderliche Wahrheit für ihre Zeit verständlich und kompromisslos predigten und sich für eine bessere Welt einsetzten, indem sie Gott nach bestem Wissen und Gewissen gehorchten und ein Leben vorlebten, das Gottes Willen zeigte. Keiner von ihnen war perfekt, sie alle hatten ihre Schattenseiten, aber Gott gebrauchte sie.

Wir leben in einer ähnlichen Zeit. Auch in immer mehr Freikirchen wandert die historisch-kritische Theologie ein und findet auf den Kanzeln einen Platz. Nur selten wird die liberale Theologie als das erkannt, was sie ist: Ein Kampfmittel des Teufels, um die Gemeinden zu lähmen und zu leeren. Statt der Lehre zieht die Leere ein. Junge Menschen finden hier keine Antworten, seit etwa 15 Jahren bekommen sie bessere Antworten von den „Neuen Atheisten“, die es verstehen, den uralten Atheismus in neue Worte zu kleiden und ihn in hippem Gewand zu präsentieren: Als Wissenschaft, die immerzu zunimmt und anpassbar ist und doch zugleich letztgültige Antworten auf die Fragen der Menschen zu liefern versucht. Es kommt zu einer Spaltung der Gesellschaft in politisch links und politisch rechts orientierte antichristliche Weltanschauungen, die versuchen, Menschen mit ihren Antworten zu gewinnen. Willkommen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten!

Und hier kommen wir ins Spiel: Wer ist bereit, in seinem Umfeld für die Fragen, Sorgen, Ängste, Nöte, Zweifel und Freuden der Menschen da zu sein, gut zuzuhören und ehrliche Antworten zu geben, die etwas von der Schönheit Gottes widerspiegeln? Nicht die alten, vereinfachten Antworten, mit denen viele von uns aufgewachsen sind, sondern echte, gut durchdachte Antworten, in ein persönliches Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes heraus gekleidet. Aus einem Leben, das man sehen, fühlen, anfassen und hören kann. Das ist Apologetik, die unsere westliche Welt braucht. Bist Du bereit dazu?