Der Malerlehrling (Gedicht)

 

in Anlehnung an „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe

Hat der alte Malermeister
sich doch einmal wegbegeben,
und nun sollen Farb‘ und Kleister
auch nach meinem Willen leben.
Seinen Stil und Werke
merkt‘ ich und den Brauch,
und mit Pinselstärke
tu‘ ich Wunder auch.

Tropfe, tropfe,
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Farbe fließe
und aus reichem, vollem Topfe
auf die Leinwand sich ergieße.

Seht, da kommen die Motive
fast wie von alleine her,
wenn ich mich nun noch vertiefe,
läuft die Farbe kreuz und quer.
Fast wie in Gedankenschnelle
fährt der Pinsel auf dem Stoffe
und ich aus meiner Seelenquelle
mir Inspiration erhoffe.

Doch nun ist es aus mit heiter
aus meiner Seele kommen Hass
Betrug und Neid und immer weiter
fließen die Gefühle, nass,
wie vollgesogen schwarzer Farbe
und dunkler wird das ganze Bild.
Ich merke, wie ich elend darbe,
verderbt, in den Gefühlen wild.

Nein, nicht länger will ich malen,
will mich stoppen, will mich stören!
Doch die Kraft ist wie zermahlen.
Hilfe! Kann mich keiner hören?
Kann mich keiner vor mir retten
aus dieser Pein und Seelennot?
Aus dieser Sünde, die mit Kletten
mich hält und wünschet mich nun tot?

Da kommt ein Licht und hält mich fest,
durchbohrte Hände, Löwe und Lamm.
Dank, dass Du mich rettetest
und führtest mich auf Bergeskamm.
Für immer will ich Dir gehören,
erlöst aus Gnade, unverdient.
Mit Dir des Teufels Werk zerstören
als einer, der Dir ewig dient.

27.12.2020, Jonas Erne

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