Timotheus Magazin #14 „Der Zorn Gottes“

Timotheus Magazin #14 „Der Zorn Gottes“

„Der Zorn Gottes – Warum ein Gott der Liebe auch zornig sein muss“. Als ich diese Ausgabe erstmals in den Händen hielt, war mein erster Gedanke: Spannend! Noch mehr stieg meine Spannung, als ich das Editorial las:
Es ist nicht unsere Absicht, ein Gottesbild der Angst zu vermitteln, ganz im Gegenteil! Unsere Absicht ist, ein ganz und gar biblisches Gottesbild aufzuzeigen. Keines, das dem Zeitgeist folgt und keines, das politisch korrekt sein möchte. Gegen was oder wen genau richtet sich nun sein Zorn? Wie groß ist das Ausmaß seines Zornes? Wie unterscheidet er sich vom menschlichen Zorn? Wie wird sein Zorn gestillt? Welche Rolle spielt Jesus Christus dabei? Und was hat das alles mit mir zu tun? Fragen über Fragen, die wir in diesem Heft beantworten wollen.“ (Peter Voth, S. 2)
Nun wollte ich doch wissen, ob diese Versprechen alle auf den insgesamt 32 Seiten eingelöst werden können. Hier ein kurzer Überblick über die besten Zitate der jeweiligen Artikel, am Schluss mein Fazit.
Zorn und Sühnung(S. 4 – 6) von Waldemar Dirksen
Unser mangelndes Bewusstsein für den Zorn Gottes ist doch darauf zurückzuführen, dass unsere Lauheit und unsere persönlichen Sünden nicht unseren eigenen Zorn erregen. Statt Selbstmitleid sollte heiliger Zorn gegenüber unserem eigenen Versagen die Regel sein.“ (Waldemar Dirksen, S. 5)
Das Wesen Seines Zorns(S. 8 – 10) von Kurt Vetterli
Unter der Überschrift „Gottes Zorn verstehen“ schreibt Kurt Vetterli: „Wenn wir die Bibel diesbezüglich etwas genauer anschauen, so werden wir finden, dass Gottes Liebe und sein Zorn sogar in einem engen Zusammenhang stehen. Gott liebt zuerst seine eigene Ehre und sein Zorn richtet sich gegen alles, was seine Ehre nicht sucht oder ablehnt. Gott liebt das Heilige und das Gute, darum hasst er, was unheilig und böse ist; dagegen ist sein Zorn gerichtet.“ (S. 9)
Der Kelch des Zorns(S. 12 – 15) von Nils Freerksema
Das eigentliche Problem des Menschen ist ein hartes Herz, das Gott ablehnt und keine Anstalten macht, von seiner Rebellion umzukehren. Tag für Tag gehen aus diesem Herzen sündige Werke hervor, und durch diese Werke wird göttlicher Zorn angehäuft. Das geschieht bis zu einem bestimmten Tag, an dem dieser Mensch in das gerechte Gericht Gottes kommt. Dort wird Gott entsprechend der sündigen Werke Vergeltung üben. Die Tage des Sündigens sind vorbei und der Tag des Zorns hat begonnen.“(S. 14)
Zorn vs. Zorn (S. 16 – 19) von Jörn Krebs
Worin unterscheiden sich menschlicher Zorn vom göttlichen Zorn? „Die Ursache für Gottes Zorn ist also in Gottes gütiger Perfektion und Vollkommenheit begründet. Sein Zorn steht nicht im Widerspruch zu seiner Perfektion, sondern ist gerade ein Ausdruck ihres Wesens.“ (S. 18) schreibt Jörn Krebs. Später fährt er fort: „Im Kern fehlt uns Menschen einfach die Fähigkeit, Zorn und Liebe miteinander zu vereinbaren, so wie es Gott nur in seiner Vollkommenheit kann. Auf ganz praktische Weise drückt sich dieser Mangel an Vollkommenheit in Bezug auf zorniges Handeln auf folgende Eigenschaften aus: Menschen sind, anders als Gott, in ihrer Äußerung von Zorn unbeherrscht, spontan und es fehlt ihnen an Weisheit, zu wissen, was wirklich aus Gottes Sicht gerecht ist.“ (S. 19)
Der Zorn Gottes im Alten Testament (S. 20 – 23) von Andreas Münch
Andreas Münch geht in seinem Artikel vor allem auf die Frage nach der Ausführung des Zornes Gottes durch das Volk Israel bei der Landnahme an den Kanaanitern ein. Mit dem Hinweis aus 5. Mose 5,4 zeigt Münch auf, dass die Kanaaniter wegen ihrer Gottlosigkeit gerichtet wurden: „Dass es sich bei dieser Gottlosigkeit um keine Kleinigkeiten handelte, machte Gott an anderer Stelle klar: „Macht euch nicht unrein durch all dieses [Inzest, Homosexualität, Sodomie, Kinderopfer]! Denn durch all dieses haben sich die Nationen unrein gemacht, die ich vor euch vertreibe. Und das Land wurde unrein gemacht, und ich suchte seine Schuld an ihm heim, und das Land spie seine Bewohner aus“ (3. Mose 18,24-25). Gott spielte kein Russisch-Roulette mit den Völkern, wobei die Kanaaniter halt Pech hatten. Nein, Gott strafte ganz gezielt Völker, deren Sünden das Maß für den Zorn Gottes vollgemacht hatten.“ (S. 22)
Wahre Reformation… bekämpft Falsches! (S. 24 – 27) von Jochen Klautke
Wir leben in einer Zeit, in der es nicht mehr darum geht, nach wahr und falsch zu fragen. „Wahr“ ist, was für dich wahr ist. Im Umkehrschluss gibt es auch nichts „Falsches“ mehr. Aber das ist nicht biblisch. Die Bibel macht unmissverständlich klar, dass es einerseits Dinge gibt, die gut sind, weil sie Gott gefallen und andererseits Dinge, die schlecht sind, weil Gott sie hasst.“ (S. 27)
Sünder in den Händen eines zornigen Gottes (S. 28 – 29) von Benedikt Peters
Der Inhalt dieser Predigt hebt sich scharf von allem ab, was wir heute gewohnt sind. Der Hauptunterschied besteht hierin: Im Gegensatz zu damals steht in der heutigen Verkündigung nicht mehr Gott mit Seinen gerechten Forderungen und Seiner souveränen Gnade im Mittelpunkt, sondern der Mensch mit seinen Bedürfnissen und seinen Fähigkeiten.“ (S. 28) Aus der Predigt: „Der Bogen des göttlichen Zorns ist gespannt und der Pfeil an die Sehne gelegt und die Gerechtigkeit richtet den Pfeil auf dein Herz, der Bogen will schier zerspringen, und nichts hält den Pfeil zurück als das bloße Wohlgefallen Gottes, eines zürnenden Gottes, der in keiner Weise dem Sünder verpflichtet ist … Oh Sünder! Bedenke die große Gefahr, in der du schwebst!“ (S. 29)
Der deutsche „Puritaner“ (S. 7 + 11) von Hans-Werner Deppe
Etwas unglücklich versteckt ist der Bericht über das Leben von Gottfried Daniel Krummacher, der sich über zwei Seiten erstreckt, die durch einen anderen Artikel unterbrochen wurde. Vom Design her fehlt auf Seite 11 ein Element, welches die Seite mit der vorhergehenden Seite 7 verbindet.
Fazit:
Die Versprechen aus dem Editorial sind tatsächlich erfüllt. Die Fragen – wenn auch teilweise etwas oberflächlich und an manchen Stellen zu kompliziert für eine Zeitschrift „für junge Christen“, aber es wurde tatsächlich eingehalten, was uns Peter zu Beginn versprochen hat. Das Design ist auch dieses Mal wieder gewöhnungsbedürftig, was aber nicht schlecht sein muss. Ich denke, dass irgendwann ein Stil gefunden werden sollte, auf den sich der Leser dann auch längerfristig gewöhnen kann.
– Den ersten Punkt, den ich zu bemängeln habe, habe ich im obigen Text bereits angesprochen. Der eine Artikel, nämlich die Biographie von G. D. Krummacher bräuchte ein Design-Element, das auch auf S. 11 auf den ersten Blick erkennen lässt, dass es sich bei der Seite nicht um eine Fortsetzung der Seite 10 sondern der Seite 7 handelt.
– Der zweite Punkt betrifft die Korrektur der Zeitschrift. Bereits beim schnellen Überfliegen des Textes sind mir drei Fehler aufgefallen: Auf S. 2 oben bei der Vorstellung des Coverdesigners steht „Theolgie“ statt „Theologie“ und im Artikel der Josia-Serie ist zweimal eine Bibelstelle falsch angegeben: S. 26: „[…] eine ganze Waffenrüstung an geistlichen Waffen (Epheser 5,13-17)“ statt Epheser 6,13-17 und auf S. 27 dasselbe noch einmal: „Die Waffe, die Paulus dir in der Waffenrüstung dafür an die Hand gibt, ist das Schwert des Geistes, das Wort Gottes (Epheser 5,17)“ statt Epheser 6,17.
– Insgesamt gesehen ist die ganze Ausgabe sprachlich wie theologisch auf einem mittleren bis hohen Niveau geschrieben. Es wird relativ viel Wissen vorausgesetzt, das junge Menschen, die in der Gemeinde aufgewachsen sind, durchaus haben sollten. Für Neueinsteiger bzw. frisch Bekehrte wird es zu viel sein, was unerklärt vorausgesetzt wird. Die Ausrichtung und das Zielpublikum sollten evtl. noch einmal überdacht werden.
Alles in allem habe ich die Lektüre jedoch genossen und empfehle sie gerne weiter. Falls du es noch nicht abonniert hast, so kann ich dir nur empfehlen, dies noch zu tun. Möglich ist das hier: *klick*

Die Trennwand ist abgebrochen

Die Trennwand ist abgebrochen
Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften, und um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte. (Eph. 2, 14 – 16)
Hier wird uns zunächst ein wunderschönes Wort für den Herrn Jesus gegeben: Er ist unser Friede. Ich glaube, noch besser kann man dies gar nicht ausdrücken. Jesus Christus ist unser Friede. Er ist unser Friede mit Gott, weil Er unsere Schuld bezahlt hat. Er ist unser Friede mit uns selbst, weil Er uns bedingungslos annimmt und wir uns selbst dadurch auch bedingungslos annehmen dürfen. Er ist unser Friede mit unseren Mitmenschen, weil Er uns von uns selbst befreit hat, sodass wir für die Mitmenschen leben dürfen. Er ist unser Friede mit unserer Umwelt, da Er uns gezeigt hat, dass echtes Herrschen immer echtes Dienen ist. So können wir in allem diesen Frieden haben, Frieden, den die Welt nicht geben kann, sondern einzig und allein der Herr Jesus. Und so ist Er auch unser Friede zwischen den zwei Welten des judenchristlichen und des heidenchristlichen Glaubens. Er hat die Beiden eins gemacht, zu einer Einheit verschmolzen, die sich Gemeinde nennt. Aus diesem Grund hat Antizionismus auch nichts unter uns zu suchen, denn die Beiden sind eins gemacht durch den Frieden, den Christus gibt.
Er hat die Trennwand des Zaunes abgebrochen. Im Tempel in Jerusalem gab es verschiedene Bereiche des Vorhofs. Der innere Teil des Vorhofs durfte nur von beschnittenen jüdischen Männern betreten werden, dann gab es einen Frauenvorhof, den auch jüdische Frauen betreten durften, und nicht zuletzt auch einen Heidenvorhof. Das war der nächste Ort beim Tempel, wohin ein Nichtjude gehen durfte. Dadurch wird auch die Erwählung Gottes aufgezeigt. Gott hat Sich ein kleines Volk erwählt, um an diesem im Kleinen Seine Machttaten zu vollbringen und es zu Seiner Ehre zu gebrauchen. Was im Kleinen am Volk Israel geschehen ist, sollte später im Großen an der Gemeinde geschehen. Und so ist der Zutritt zu Gott immer den Erwählten vorbehalten. So wie die Nichtjuden beim Jerusalemer Tempel um ihr Leben bangen mussten, wenn sie sich unerlaubterweise noch weiter näherten, so haben auch im neuen Bund nur die Auserwählten einen direkten Zugang. Der Unterschied ist derjenige, dass die Erwählten im neuen Bund alle Gläubigen aus allen Völkern, Ländern und Sprachen sind. Der Zaun zwischen dem Volk Israel und den Heidenchristen ist also abgebrochen. In dem Moment, als der Herr Jesus starb, zerriss der Vorhang im Tempel von oben nach unten. Er war nicht mehr nötig. Lange Jahrhunderte hatte er die Menschen vor dem Zorn Gottes beschützt, ebenso wie auch das Blut, welches das Gesetz bedeckte und jedes Jahr erneut auf den Sühnedeckel gesprengt werden musste. Dies alles ist nun ein für alle Male im Tod Jesu passiert. Blut, Vorhang und Trennwand haben alle dieselbe Aufgabe gehabt, die auch schon das Tuch auf dem leuchtenden Gesicht des Mose hatte: Es war ein Schutz, der die sündigen Menschen davor schützen sollte, von der Herrlichkeit Gottes verzehrt zu werden. Dieser Schutz ist für alle Gläubigen nun nicht mehr notwendig, da für sie der Preis ihrer Schuld und Sünde am Kreuz bezahlt worden ist.
Deshalb kann Paulus hier auch davon schreiben, dass der Herr Jesus in Seinem Fleisch, also durch Seinen leiblichen Tod am Kreuz, die Feindschaft hinwegtat. Diese Feindschaft ist also die Tatsache, dass jeder Mensch als Feind Gottes geboren wird. Sie zeigt sich dadurch, so fährt Paulus fort, dass der Mensch nicht imstande ist, das Gesetz der Gebote in Satzungen zu halten. Er kann nicht so leben, wie Gott Sich das wünschen würde. Weil er sich immer wieder falsch entscheidet und falsch handelt. Dadurch zeichnet sich der Mensch als Feind Gottes aus. Er vertraut Gottes Wort nicht, kennt es nicht gut genug, verwirft es, lebt nach eigenen moralischen Maßstäben, schummelt sich durch das Leben hindurch, und so weiter. Feindschaft gegen Gott, Auflehnung gegen Gott. Rebellion gegen Gott. Das ist der Mensch. Ein Rebell, durch und durch. Selbstsüchtig, durch und durch. Er lädt Schuld auf sich ohne Ende und hat noch Freude daran.
Wie gut, dass der Herr Jesus einen Ausweg geschaffen hat. Einen Weg aus dem Dilemma der Selbstbezogenheit des Menschen. So ist Er uns zum Frieden geworden, indem Er den Krieg mit der Sünde und dem Tod erfolgreich zu Ende geführt hat. Deshalb gibt es ewiges Leben mit Ihm für alle, die da glauben. Er hat beide, nämlich jüdische Gläubige und nichtjüdische Gläubige miteinander versöhnt und vor allem sie alle zusammen mit Gott versöhnt. Sie sind zu einem neuen Menschen geworden. Zu einem Menschen, der Frieden hat mit Gott, mit sich selbst und mit dem Rest der Welt. Der Herr Jesus ist uns mit dem Dienst der Versöhnung vorangegangen und hat uns den Weg gezeigt, auf welchem Versöhnung stattfinden kann: Der Weg nach oben führt nach unten. Versöhnung findet dort statt, wo man bereit ist, Schuld einzugestehen und Vergebung anzunehmen. Versöhnung findet dort statt, wo man den anderen in seinem Anderssein annimmt, bedingungslos. Und Versöhnung findet in erster Linie dort statt, wo der Herr Jesus diese Versöhnung für uns erwirkt hat: Am Kreuz von Golgatha. In den Wunden Seiner Hände und Füße ist uns Heilung geschenkt. Die Wunden Seiner Hände und Füße machen uns aber auch feinfühlig und verwundbar, damit wir bereit werden, auf unseren Nächsten bedingungslos und echt einzugehen. Bist du ein Versöhnter? Hast Du den Frieden Jesu mit Gott, dir selbst und deinen Mitmenschen? Wo ist dein Platz in dem Dienst der Versöhnung?

Leben unter dem Zorn Gottes

Leben unter dem Zorn Gottes
Auch euch, die ihr tot wart durch Übertretungen und Sünden, in denen ihr einst gelebt habt nach dem Lauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten, der in der Luft herrscht, dem Geist, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt; unter ihnen führten auch wir alle einst unser Leben in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten; und wir waren von Natur Kinder des Zorns, wie auch die anderen. (Eph. 2, 1 – 3)
Da haben wir auf wunderbarste Weise die Lehre von der Gnade ausgeführt. Wer in dem natürlichen Zustand der Übertretungen und Sünden lebt, ist geistlich gesehen tot. Ein Toter kann nicht sehen, er kann nicht hören, nicht riechen und schmecken und schon gar nicht wollen. Es fehlt ihm in diesem Zustand also die Fähigkeit, zu sehen, wo er selbst steht und überhaupt irgendwelche Dinge Gottes zu erkennen. Wer tot in Sünden und Übertretungen ist, kann Gottes Wort lesen und es dennoch nicht verstehen. Er kann Predigten hören und dennoch kein Wort davon aufnehmen. Er kann Zeichen und Wunder sehen und dennoch nicht begreifen, dass Gott tatsächlich da ist. Er kann versuchen, ein gutes Leben zu führen, und dennoch hat er keine Chance auf eine Belohnung. Wer tot ist, dem kann man seine Sünden aufzeigen, und dennoch kann er nicht verstehen, warum jenes Sünden sein sollen. Das ist ein absolut erbärmlicher Zustand. Tot durch Übertretungen und Sünden. Der Wille des Menschen ist nicht etwa frei, sondern tot und damit unfähig, das Richtige vom Falschen zu unterscheiden und ebenso unfähig, sich für das Gute zu entscheiden.
Jeder Mensch ist von Natur aus genau so, nämlich tot in Übertretungen und Sünden. Übertretungen und Sünden sind Auflehnung gegen Gott. Es ist nicht etwa einfach ein Fehler, eine falsche Entscheidung, sondern offensive Auflehnung gegen den Schöpfer der Himmel und der Erde, es ist ein Spott gegen den Höchsten, eine Verschmähung von Gottes gutem Willen für unser Leben. Sünde ist Zielverfehlung, also aktives Vorbeileben an dem, was Gott für uns möchte. Es ist Hass gegen den Herrn der Heerscharen, den wir lieben sollten. Deshalb kann Gott auch niemals einfach darüber hinwegsehen, sonst wäre Er ungerecht. Nein, der Lohn der Sünde ist der Tod: zuerst geistlicher Tod, dann körperlicher Tod, und zuletzt auch der letzte Tod im ewigen Feuersee. So schlimm ist Sünde, da können wir gar nichts daran herumdoktern. Das Einzige, was ein in Übertretung und Sünde toter Mensch tun kann, ist, sich gegen Gott aufzulehnen und dadurch Sünde auf Sünde zu häufen. Das Einzige, was ein Mensch zu seiner Erlösung beitragen kann, ist die Sünde, von der er erlöst werden muss.
Wer in dieser Welt aufwächst, lernt auch sein Leben lang nichts anderes, als zu sündigen. Es ist dies die größte Stärke dieser Welt. Sünde auf Sünde zu häufen und zugleich andere in der Sünde zu unterweisen. Wer in unsere Welt hineingeboren wird, ist von sündigen Menschen umgeben: Von Menschen, die uns die Sünde vorleben und zugleich auch Verletzungen zufügen, auf die wir fast automatisch mit Sünde reagieren. So kann ein Mensch nicht aufwachsen, ohne beständig die Sünde gelehrt zu bekommen. Und zudem besitzt jeder Mensch tief in sich drin die Veranlagung, auf das Verhalten anderer Menschen mit Sünde zu reagieren. Sehr oft wählen wir deshalb den Weg des geringsten Widerstands und bringen dadurch nicht Gott, sondern dem Teufel, dem Fürsten, der in der Luft herrscht, unsere Taten als Opfer dar. Er ist der Geist, der in den Söhnen des Ungehorsams wirkt. Das heißt, es ist seine Gesinnung, die der Mensch in sich eingepflanzt hat, und mithilfe derer er tagtäglich vor Gott Schuld auf sich lädt. Wie wir wissen, können wir nur einem Herrn dienen. Entweder wir dienen Gott – oder wir dienen Gott nicht, und dann dienen wir dem Widersacher Gottes, der nichts lieber sehen will als das totale Chaos auf dieser in guter Ordnung geschaffenen Welt.
Wir alle haben zu diesen Menschen gehört, die dem Teufel dienen. Wir sind nicht besser. Wir haben nichts, auf das wir uns etwas einbilden könnten. Auch wir haben ein Leben geführt in Selbstsucht und in der Einbildung, wir könnten einen eigenen Willen haben. Dabei haben wir nichts anderes getan, als was der Satan uns vorgegaukelt hat – und wir haben das in unserer Blindheit nicht einmal erkennen können. Paulus spricht hier vom „Fleisch“. Da geht es nicht um unseren Körper, sondern er meint damit den Gegensatz zum Geist Gottes, der uns in die Wahrheit leiten soll. Doch von Natur aus hat niemand den Geist Gottes in sich, sondern eben nur gerade dieses „Fleisch“, also dieses unzuverlässige menschliche Denken, Fühlen und Wollen, dieses Verlangen zu sündigen und sein eigener Herr zu sein. Von Natur aus ist jeder Mensch ein „Kind des Zorns“, also ein Mensch, der unter Gottes Zorn steht, weil er Gott nicht gehorsam ist. Unter dem Zorn Gottes zu stehen bedeutet, sein Leben lang immer nur einen Schritt weit von dem ewigen Feuer der Hölle zu leben – und das nicht einmal zu bemerken. Es ist einzig und allein Gottes große Gnade und Geduld, die Ihn davon abhält, einen Sünder sofort und ohne Möglichkeit einer Umkehr aus dem Verkehr zu ziehen – für immer. Leben unter dem Zorn Gottes ist tödlich, ja, es gibt nichts Schrecklicheres auf dieser Welt als genau dieses. Und wir alle haben einst in diesem furchtbaren Zustand gelebt.
Doch gerade weil der Mensch selbst nichts zu seiner Erlösung beitragen kann als seine Sünden, von denen er erlöst werden muss, gerade deshalb haben wir eine große, wunderbare Hoffnung. Denn aus diesem Grund ist die Erlösung vom ersten bis zum letzten Moment in der Hand Gottes. Niemand kann und muss etwas zu seiner Erlösung beitragen. Die Erlösung ist vollbracht. Und der Heilige Geist arbeitet am Menschen. Seine Aufgabe ist es, die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht zu überführen. Und deshalb dürfen wir auch die Hoffnung auf die Ewigkeit haben. Wenn der Heilige Geist dir deine Sünden aufzeigt und dich zur Buße, zur Umkehr treibt, so lasse dies zu. Denn du darfst Hoffnung haben. Sieh, der Herr Jesus hat die Erlösung am Kreuz von Golgatha für dich erkauft, deine Schuld ist bezahlt. Schau auf Ihn, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Und vertraue darauf, dass der Heilige Geist dir diesen Glauben ins Herz einpflanzen möchte. Lasse es zu. Und dann überlege dir, ob du noch mehr Menschen kennst, die unter dem Zorn Gottes stehen. Wissen sie davon? Bete für sie, und versuche doch auch, sie in die Gemeinde einzuladen. Dort können sie von der Erlösung hören, die für sie vollbracht ist.