Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen

1. Einleitung

Die ganze Debatte von der Menschenwürde kann nur von einem Gesichtspunkt her ein festes Fundament und eine echte Begründung bekommen: Von der Tatsache, dass jeder Mensch im Bilde Gottes geschaffen ist. Von diesem Wissen muss jede Diskussion ausgehen.


2. Worin die Gottesebenbildlichkeit besteht

a. Die Ähnlichkeit bezüglich der Trinität

Da Gott der Dreieine ist, hat Er die Menschen ebenfalls als eine Dreiheit in der Einheit geschaffen: Nicht eine Dreiheit an Personen, sondern eine Dreiheit an Teilen innerhalb der einen Person des Menschen: Geist, Seele und Leib (1. Thess. 5, 23). Der Geist des Menschen ist hierbei niemals der menschliche Verstand, und genauso wenig dem göttlichen Geist entsprechend, sondern der Teil des Menschen, welcher nach der Neugeburt fähig ist, mit Gott in Verbindung zu treten, und mit dem zusammen zu arbeiten:

Gottes Geist bezeugt (zusammen) mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm. 8, 16). Der Verstand ist mit dem Willen und den Gefühlen zusammen Teil der Seele. Der Leib ist der körperliche, materielle Teil des Menschen. Keiner dieser drei „Teile“ darf bevorzugt oder vernachläßigt werden. Leider gibt es auch heute noch viele neuplatonische Strömungen, die den menschlichen Leib nur als Gefängnis der Seele und des Geistes sehen und damit verdammen. Jede Bemerkung in der Richtung, dass seelische Heilung wichtiger sei als körperliche Heilung, geht genau in diese Richtung!


b. Die Fähigkeit zur Kommunikation (im urspr. Sinne) mit Gott und Menschen

Gerade für die Ausführung des göttlichen Auftrags, sich zu vermehren und die Schöpfung untertan zu machen, ist die Fähigkeit zur Kommunikation unverzichtbar. (Wikipedia: „Kommunikation stammt aus dem Lateinischen communicare und bedeutet teilen, mitteilen, teilnehmen lassen“) Erst durch die Zusammenarbeit von Menschen, in der ersten Schöpfung war dies diejenige des Menschen und seiner Gehilfin, war dieser Auftrag auszuführen überhaupt erst möglich geworden. Zugleich ist auch die Kommunikation mit dem Erschaffer von Himmel und Erde Selbst eine äußerst wichtige Komponente menschlichen Daseins. Nur so konnte die erste Menschheit vor dem Sündenfall und dessen Folgen gewarnt werden. Aber auch die innige liebevolle Beziehung zu Seinem Schöpfer kann der Mensch nur durch die Anwendung dieser von Gott geschaffenen Kommunikation leben.


c. Die moralische Fähigkeit (Verantwortlichkeit)

Vom ersten Moment nach der Schöpfung an zog Gott den Menschen zur Verantwortung für sein Verhalten. Der Mensch bekam klare Richtlinien, an welche er sich zu halten hatte und strukturierte Aufgaben:

-Sich zu vermehren und auszubreiten

-Sich die Erde untertan zu machen

-Das Land zu bebauen

-Den Tieren Namen zu geben (dies ist eigentlich ein Teil des untertan Machens)

-Nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen essen

Da Gott dem Menschen zugleich auch die Folgen falschen Verhaltens nannte, war er letztlich vom ersten Moment an auch moralisch eigenverantwortlich für sich und seine Gehilfin. Hieraus leitet sich auch die Tatsache ab, dass jeder Mensch für sein Tun selbst verantwortlich ist und bereit sein soll, die Konsequenzen dafür vollumfänglich zu tragen.


d. Die intellektuelle Fähigkeit (Denkvermögen)

Die Anwendung der Sprache für die Kommunikation ist ein wichtiger Ausdruck dieser intellektuellen Fähigkeit des Menschen. Man kann in den ersten Worten des Menschen, als er seine Gehilfin sah und solch ein wunderschönes Gedicht auf seine Gehilfin dichtete, sehen, dass dieser Intellekt kein Produkt langjähriger Evolution ist, sondern als Ausdruck des allweisen Gottes eine Wesensart des Menschen.


e. Die kreative Fähigkeit

Zusammen mit dem Intellekt hat Gott den Menschen auch mit einer wahrhaft bewundernswerten Kreativität beschenkt. Kreativität beinhaltet die Möglichkeit, neue Dinge zu ersinnen und zu schaffen. Auch hier ist die menschliche Kreativität nicht mit derjenigen Gottes gleichzusetzen, sondern ist ein sehr gutes Abbild der göttlichen Kreativität: Der Mensch ist nicht imstande, aus dem Nichts etwas Seiendes zu kreieren (bara), aber doch aus Bestehendem etwas ganz Neues (asah).


f. Die emotionale Fähigkeit

Auch diese Fähigkeit kommt zum Ausdruck in dem Ausruf des Entzückens: „Das ist nun einmal Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll Männin heißen; denn sie ist dem Mann entnommen!“

Die Möglichkeit, sich der Emotionalität zu erfreuen, hat der Mensch auf seine ganz besondere Art bekommen. Obwohl es heute im Zeitalter der Psychomanipulation möglich ist, durch gewisse Hormone „Gefühlsschübe“ herzustellen, entspricht dies niemals dem göttlichen Wunsch nach echtem emotionalem Austausch, den Er in Sich Selbst hat (das ist der Austausch zwischen Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist), und den Er dem Menschen in sein Inneres gelegt hat.


g. Die Ganzheitlichkeit dieser Fähigkeiten

Das „Lasst uns…“ in 1. Mose 1, 26 lässt etwas von dieser vollkommenen Harmonie Gottes erahnen, die Jesus auch in Joh 17, 20 – 23 beschreibt. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei Personen des einen Gottes, und doch in Sich Selbst völlig eins, in perfekter Harmonie.

Vor dem Sündenfall war die Ganzheit des menschlichen Abbildes Gottes in dieser Harmonie. Alle Fähigkeiten des Menschen waren in ihrer Vollkommenheit ausgebildet und sollten dem Menschen helfen, seine Aufgaben zu bewältigen.

Diese Ganzheitlichkeit ist auch heute noch sichtbar in den Überresten einer durch den Sündenfall pervertierten Welt in der Ganzheitlichkeit:

-der Schöpfung

-der wiederhergestellten Beziehung Gottes mit dem Menschen

-der allumfassenden Liebe Gottes zu Seiner Schöpfung

-den allumfassenden Zielen, die Gott mit Seiner Schöpfung, insbesondere auch deren Krone, hat.



3. Konklusion

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Mensch, wie Gott ihn geschaffen hat, die göttlichen Fähigkeiten der Kommunikation, der Verantwortlichkeit, der Intellektualität, der Kreativität und der Emotionalität in ihrer Ganzheitlichkeit besitzt. Diese Fähigkeiten dienen dazu, Gott und dem Mitmenschen innerhalb seiner Aufgaben und des sozialen Gefüges in Liebe dienen zu können. Aufgrund all dieser Fähigkeiten, für die der Mensch geschaffen ist, hat jeder Mensch vom Moment seiner Zeugung an Würde, die durch nichts wegdiskutiert oder zerstört werden kann. Es ist Aufgabe des Staates, der Gemeinde und jedes einzelnen Menschen, diese Würde zu respektieren und zu schützen.

Gottes Allwissenheit

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist schon seit langem kein Geheimnis mehr, wie sehr heidnisch-philosophisches Denken in unser Denken von Gott eingedrungen ist. Es herrscht in unserer Zeit eine große Verwirrung darüber, wie Gott ist und wie nicht und wie wir das verstehen können. Mir ist es sehr wichtig, dass wir als Christen an dem festhalten, was Gott uns in Seiner Gnade in der Bibel gegeben hat. Es herrscht seit einiger Zeit in unseren Kreisen, die wir uns als bibeltreu oder evangelikal nennen, die Unsicherheit, ob Gott wirklich allwissend sein kann, da doch der Mensch keine Marionette Gottes ist, sondern sein Leben nach den Möglichkeiten eines freien Willens gestalten kann. Ich werde versuchen, die Antworten auf dieses Problem möglichst kurz zu fassen. Wer diesen Artikel gut findet, darf ihn sehr gerne unter Angabe des Autors weiter verbreiten. Zunächst will ich begründen, warum Gott allwissend ist, danach wenden wir uns in aller Kürze dem freien Willen zu und zum Schluss möchte ich die Folgen aufzeigen, die automatisch folgen müssen, wenn wir die Lehre von der Allwissenheit Gottes auch nur am Rande aufzulösen beginnen.

Gottes Allwissenheit

Es gibt in der Hauptsache vier Arten, auf welche die Bibel Gottes Allwissenheit bezeugt:

  1. Gott ist Schöpfer und Erhalter von Raum und Zeit. Da Er die Schöpfung außerhalb von Sich Selbst geschaffen hat (also sie ist weder aus Ihm „herausgekommen“ noch ein Teil von Ihm), steht Er außerhalb von Raum und Zeit. An diesem Ort gibt es keine Abfolge der Dinge, sondern alle Dinge, Handlungen, Ereignisse stehen in vollkommener Weise zu jeder Zeit vollkommen klar und ausgebreitet vor Ihm.

  2. Gott hat alles nach einem Plan geschaffen. Nach diesem Plan ist nicht nur unser Heil (unsere Erlösung) vorherbestimmt, sondern auch unsere Taten (Eph. 2, 10).

  3. Die Bibel bezeugt Gottes Allwissenheit (Psalm 147,5; Hiob 38, 2-7; Daniel 2,22; Matth. 6,32 im Kontext u.v.a.m.).

  4. Die Tatsache, dass es biblische Prophetie gibt, beweist dies zusätzlich. So kann zum Beispiel Jesaja, der um mehrere Jahrhunderte früher gelebt hatte, den Namen des Königs Kyrus voraussagen (Jes. 45,1) und viele Details aus dem Leben Jesu und sogar aus der heutigen Zeit (zum Beispiel die neue Staatsgründung Israels und Rückführung der Juden) konnten so exakt vorausgesagt werden. Dies ist nur möglich durch die absolute Allwissenheit Gottes.

Der unfreie freie Wille des Menschen

Hier haben wir es nun mit einem Problem der modernen Philosophie zu tun. Es ist nun mal so, dass Gott den Menschen tatsächlich mit der Möglichkeit eines freien Willens ausgestattet hat. Zumindest war dies vor dem Sündenfall einmal so. Der Mensch konnte sich jederzeit frei entscheiden, Gott gehorsam zu bleiben oder nicht. Seit dem Sündenfall jedoch gibt es keine Menschen mehr mit einem solch perfekten freien Willen. Jeder Mensch wird von Kind auf von unperfekten, sündigen Menschen erzogen. Dies führt dazu, dass ein Kind schon von seinen allerersten Vorbildern das Sündigen lernt. Ein Mensch, der dies erst einmal gelernt hat, kann nicht mehr als frei bezeichnet werden, denn seine Gewohnheiten lenken sein Tun. Seine Gewohnheit, zu Sündigen, härtet von den ersten Tagen seines Lebens das Gewissen ab und verdunkelt seinen Blick für die göttliche Wahrheit bis tief in die geistliche Blindheit hinein. So kann ein Mensch aus sich selbst niemals wirklich das Richtige, das Göttliche erkennen und tun. Der Mensch hat somit klar seine Möglichkeiten, sich zu entscheiden, tut aus sündiger Gewohnheit heraus aber nie das, was er tun sollte, nämlich den Herrn Jesus als Herrn seines Lebens anzunehmen. Hierfür ist eine göttliche Herztransplantation nötig (Hes. 36,26), sowie die Verabreichung einer göttlichen Augensalbe (Offb. 3,18).

Folgen des falschen Gottesverständnisses

Wenn wir die Allwissenheit Gottes einschränken und den freien Willen des Menschen dafür erheben, so führt dies zu logischen Konsequenzen des Glaubens:

  1. Gott wird dadurch machtlos und überrascht gemacht. Er kann dann erst wissen, was wir wirklich brauchen, nachdem wir ihn darum gebeten haben. Außerdem gibt es dann immer wieder Situationen, in denen er von den komischen Entscheidungen der Menschen überrascht wird und kann wohl sein Leben damit verbringen, darauf zu reagieren und manche Dinge wieder zurechtzubügeln.

  2. Die Irrtumslosigkeit der Bibel wird in Frage gestellt und statt dessen durch philosophische Argumente ersetzt. So kommt die die Bibelkritik, welche unter liberalen Theologen längst verbreitet ist, auf Schleichwegen in unser evangelikales (und bibeltreues) Denken hinein. Das ist eine sehr große Gefahr. Wenn dieses Fundament erst einmal in Brüche gegangen ist, gibt es kein Halten mehr, denn die liberale Bibelkritik (besonders die sogenannte „Leben-Jesu-Forschung“, in der man versuchte, das Leben Jesu als Mensch nachzuvollziehen, indem man alles Übernatürliche aus den Evangelien ausschloss und so als Endresultat gar keinen Jesus mehr hatte, wie A. Schweitzer sehr schön aufzeigte) hat uns gezeigt, dass am Schluss ALLES in Frage gestellt wird, wenn man erst einmal an einem Ende begonnen hat, die Bibel in Frage zu stellen.

  3. Die Allmacht Gottes und der allumfassende Plan Gottes wird in Frage gestellt. Die menschliche, durch den Sündenfall stark beeinträchtigte Vernunft wird plötzlich zum Mittelpunkt, zum Maßstab für das, was Gott können darf und was nicht. Dadurch wird der Mensch auf sich selbst geworfen und als solcher Geworfener der absoluten Verzweiflung preisgegeben.

  4. Wenn die menschliche Entscheidung so stark ins Zentrum rückt, kommt es notwendigerweise zu einer Veränderung des biblischen Evangeliums zu einem unbiblischen, von dem Paulus treffend sagt, dass es keines sei. Statt weiterhin daran festzuhalten, dass Gottes Plan feststeht und Menschen durch den effektiven Ruf des Evangeliums zum Glauben kommen, besteht nun plötzlich die Möglichkeit, dass Gott wohl gar nicht gewusst haben könnte, ob irgend jemand überhaupt jemals auf diesen Ruf antworten würde. Welch eine verabscheuungswürdige Gotteslästerung!

  5. Es dürfte keine biblischen Prophetien geben, die eintreffen oder falls sie doch eintreffen, müssten sie rein zufällig sein. Das würde auch bedeuten, dass unsere Hoffnung auf die noch ausstehenden Verheißungen Gottes nur eine Illusion seien.

Wenn dies der Fall wäre, was bleibt uns dann noch? Ein Gott, der uns liebt, aber nichts für uns tun kann, weil er uns ja völlige Freiheit lassen will. Ein Gott, der beschränkter und kleiner ist als Menschen. Ein Gott, der bequem ist, weil man ihn erklären kann und weil er einem nicht dazwischenfunkt. Doch wenn dem so wäre, würde es uns mehr bringen, irgend etwas anderes zu unserem Götzen zu machen. Das Geld, die Ehre, den Job, die Familie, das Auto oder sonstwas. Das würde im angenommenen Fall erstens mehr Sinn machen und hätte zweitens deutlich mehr Vorteile.