Das Ende von Evangelisation?

Ist das Zeitalter von Evangelisation am Ende angelangt? Hier und da hört und liest man wehmütige Erinnerungen an gefüllte Zelte, Massenbekehrungen und vollen Glaubensgrundkursen. Ist diese Zeit nun zu Ende? Nein, ich bin überzeugt, dass es das alles weiterhin braucht. Was sich jedoch ziemlich klar geändert hat, ist die Tatsache, dass sich vieles nicht mehr einfach voraussetzen lässt. Vieles muss erklärt werden, was bis vor wenigen Jahren noch selbstverständlich war. Ebenso haben wir es mit einer immer geringer werdenden Aufmerksamkeitsspanne zu tun. Vielen Menschen fällt es zunehmend schwerer, eine längere Zeit am Stück aufmerksam zuzuhören und sich mit dem Gehörten aktiv auseinander zu setzen.

Wie gehen wir damit um? Müssen wir jetzt alles deswegen verändern? Müssen wir Evangelisation neu denken oder alles Bisherige über den Haufen werfen? Ist das Zeitalter der Evangelisation vorbei? Wir können den „guten alten Zeiten“ hinterher weinen, wenn wir das unbedingt wollen, aber das wird nicht viel ändern. Ich schlage vielmehr vor, dass wir in unseren Gemeinden immer mehr zweigleisig arbeiten: Es braucht weiterhin evangelistische Veranstaltungen, Predigten, die das Evangelium erklären, aber das Ganze braucht ein zweites Standbein: Wir brauchen eine riesige Armee von Mikro-Apologeten und Mikro-Evangelisten.

Was ist Mikro-Evangelisation?

Ich setze einen neuen Begriff zusammen: Mikro-Evangelisation. Was ich damit meine, ist folgendes: Wir brauchen viele Menschen, die allzeit bereit sind, im Alltag von ihrem Glauben zu erzählen und die Überzeugungen ihrer Mitmenschen konstruktiv zu hinterfragen. Weil viele Menschen inzwischen nur noch so wenig von den Grundlagen des christlichen Glaubens wissen, ist es notwendig, dass sie immer wieder kleine Bausteine davon mitbekommen. Alles auf einmal zu hören ist sehr viel an Infos, für viele Menschen ist es zu viel für eine erste Berührung mit dem Glauben. Sie brauchen eine ganze Reihe von kurzen Gesprächen im Alltag, die ihnen helfen, das Evangelium Schritt für Schritt zu verstehen.

Da es aber immer mehr Menschen betrifft, ist das eine riesige Aufgabe: Nur mal angenommen, der Mensch braucht im Durchschnitt etwa 20 solcher Gespräche, um genügend zu erfahren, damit er bereit wird, sich einer Gemeinde anzuschließen (vermutlich ist die Zahl noch deutlich höher), dann haben wir einen riesen Task vor uns. Zugleich ist das aber auch eine große Chance für unsere Gemeinden, weil es klar macht, dass dafür die Mitarbeit von jedem Einzelnen gefordert ist. Es geht nicht anders: Alle müssen mit ran!

Rückkehr zum allgemeinen Priestertum

Denken wir noch einen Schritt weiter: Evangelisation ist nicht mehr der Job einer kleinen Elite von gesalbten und begabten Evangelisten, sondern in diesem Rahmen kann plötzlich jede und jeder mitmachen. Ich finde das gut: Gerade da ich persönlich nicht wirklich evangelistisch begabt bin, kann ich trotzdem gebraucht werden. Auch wenn es mir schwer fällt, Menschen anzusprechen, auch wenn ich introvertiert, scheu, still und zurückhaltend bin, ist es meine Erfahrung geworden, dass solche Gespräche richtig wertvoll sind. Es ist die Rückkehr zum allgemeinen Priestertum aller Gläubigen, denn alle können mit ihrem Charakter und ihrer Persönlichkeit im Rahmen der eigenen Möglichkeiten mitmachen.

Eine weitere Chance sehe ich darin, dass nun plötzlich auch klar ist, weshalb es so wichtig ist, dass wir uns alle noch mehr mit den zentralen Inhalten des christlichen Glaubens auseinandersetzen: Es werden Fragen dazu kommen. Spannende Fragen. Fragen, auf die wir manchmal erst keine Antwort haben. Das ist nicht schlimm, das ist gut! Es hilft uns, noch mehr gute Fragen zu stellen und noch tiefer drüber nachzudenken.

Im Mittelpunkt stehen Liebe und Interesse

Es gibt Menschen, die sind so extravertiert und offen, dass sie auf Mitmenschen zugehen können, um ihnen direkt vom christlichen Glauben zu erzählen, und da wirkt das Ganze auch noch frisch und fröhlich. Ich gehöre definitiv nicht zu dieser Gruppe. Wenn Du dazu gehörst, dann herzliche Gratulation! Für den Rest von uns gibt es eine Reihe von hilfreichen Überlegungen und durchaus auch Vorbereitungen, die uns dazu besser ausrüsten können. Ich werde im Laufe der kommenden Monate dazu eine Reihe von Möglichkeiten, die ich im Laufe von gut eineinhalb Jahrzehnten gesammelt habe, weitergeben.

Das Wichtigste ist: Es geht um persönliches Interesse für mein Gegenüber. Es geht nicht um Zahlen und primär auch nicht um abgeschlossene Bekehrungen. Diesen Druck möchte ich uns allen nehmen. Ich habe auch lange gedacht, dass das Ziel eines solchen Gesprächs die Bekehrung sein soll. Sie kommt vor, wenn sie dran ist. Wenn aber – wie oben geschrieben – eine ganze Reihe von Gesprächen ein solides Fundament legen müssen, bevor ein Mensch dazu bereit ist, dann wird sie plötzlich zweitrangig. Das Ziel ist es, dem Mitmenschen zum Segen zu werden, ihm zuzuhören und ihm mit guten Fragen zu helfen, seine Überzeugungen zu überdenken. Im Zentrum steht die Liebe zum Mitmenschen – zu genau diesem einen Menschen, mit dem ich im Gespräch bin.

Ok, wie kriegt man diese Liebe? Zunächst einmal ist es immer wieder nötig, dass wir über unsere Gleichgültigkeit und unseren Egoismus Buße tun. Wenn ich nicht von der Liebe dazu angetrieben werde, dann hab ich ein Problem. Ein gewaltiges Problem mit Gott. Ich darf den Heiligen Geist bitten, mich mit der Liebe zu erfüllen. Gott hat es versprochen, in Römer 5,5 steht das. Ein zweiter heißer Tipp von mir ist, sich mit der Person zu beschäftigen. In Gedanken fragen: Was sehe ich an der Person? Was ist ihr wichtig? Welche Dinge hält sie für wertvoll? Oft ergeben genau die Sachen, die wir am Gegenüber sehen können, einen super Einstieg ins Gespräch. Eine Tätowierung, ein Schmuckstück, irgend etwas Auffälliges, was ins Auge sticht. Macht die Person ein Foto mit der Handykamera von etwas Bestimmtem? Alles Hinweise darauf, dass der Person etwas wichtig oder wertvoll ist.

Frag mich was!

Die meisten Menschen mögen es, wenn man ihnen Fragen stellt. Ich werde in einem späteren Blogpost noch auf Gesprächsführung durch Fragen eingehen. Fürs Erste ist es wichtig, zu wissen, dass Menschen sich grundsätzlich angenommen fühlen, wenn man sie auf etwas anspricht und Fragen stellt, was ihnen wichtig oder wertvoll ist. Außerdem ist es meine persönliche Erfahrung, dass Menschen viel lieber sich selbst von etwas überzeugt werden als wenn wir sie von etwas überzeugen. Überzeugen wollen übt einen gewissen Druck aus. Fragen können zum Nachdenken anregen, und immer wieder dazu, dass Menschen anfangen, ihre eigenen Ansichten zu überdenken und sich auch von ihren neu gewonnenen Erkenntnissen überzeugen lassen.

Ebenfalls ist es wertvoll, für die Person zu beten. Das Gebet bedeutet eine innere Verbindung mit der Person, die über Gott führt. Er allein ist es, der Herzen verändern kann. Wir können das nicht. Und wir müssen es auch nicht. Ich habe immer wieder erlebt, wie das Gebet hilft, mein Interesse am Mitmenschen zu intensivieren.

Am Ende bleibt zu sagen: Es wird weiterhin beides wichtig sein. Das, was ich Mikro-Evangelisation nenne, wird nicht alles abdecken können. Wir brauchen weiterhin vollmächtige Evangelisten und Veranstaltungen, die diesem Zweck dienen, dass Menschen sich bekehren. Diese jedoch müssen wir ergänzen durch Gemeinden, deren Gemeindeglieder zugerüstet sind, um im Alltag von ihrem Glauben zu erzählen und gute Fragen zu stellen, die ihre Mitmenschen zum Nachdenken bringen.

Buchtipp: Demokratie, Freiheit und christliche Werte

Stückelberger, Hansjürg, Demokratie, Freiheit und christliche Werte – Liebe heilt die Gesellschaft, Esras.net GmbH, Niederbüren, 2020, Verlagslink, Amazon-Link

Eins vorweg: Der Titel des Buches hat mich fasziniert. Große Worte, die mir viel bedeuten. Ich war gespannt, wie überzeugend der Autor in den gerade mal gut 200 Seiten sein Verständnis davon darlegen kann. Ganz besonders trieb mich auch die Frage um, für welches Zielpublikum das Buch wohl geschrieben wurde.

Hansjürg Stückelberger ist ein Schweizer Pfarrer im Ruhestand, wurde letztes Jahr 90 Jahre alt und gründete mehrere Missions- und Hilfswerke, sowie die Stiftung Zukunft CH. Seit vielen Jahren sind ihm die Menschenrechte und die biblischen Werte sehr wichtig.

Das Buch selbst ist in zehn Kapitel gegliedert. Im ersten Kapitel werden negative Beispiele genannt – Staaten, welche sich demokratisch nennen, aber von Korruption geprägt sind. Bereits hier fällt auf, dass für das Lesen eine gewisse Bildung nötig ist. Begriffe wie „Rechtsstaat“ (S. 11) werden nicht definiert oder beschrieben, sondern als selbstverständlich bekannt vorausgesetzt. Auch im zweiten Kapitel, welches sich mit der Bedeutung der Religion für eine erfolgreiche Kultur befasst, werden viele Beispiele genannt – positive und negative. Viele Unterkapitel sind mit Geschichten aus dem persönlichen Leben des Autors gewürzt, da er viel gereist ist und Kontakt mit Menschen rund um den Erdball hat. Das zweite Kapitel schließt mit fünf Schlussfolgerungen (S. 40 – 42), in diesem Fall fünf Hypothesen, die der Autor aus dem zuvor Geschilderten schließt. Mehr dazu weiter unten.

Im dritten Kapitel kommt die Weltgeschichte bis zur französischen Revolution in den Blick. Es beginnt mit dem frühen Christentum und zeichnet den Weg auf der Suche nach echter Freiheit und Menschenwürde nach. Dieses Kapitel kann ich wirklich jedem zu lesen empfehlen. Das vierte Kapitel ist eine theologische Überlegung zur Heilsgeschichte, der Autor kehrt an den Anfang der Bibel zurück und erklärt den Beginn der Heilsgeschichte, also Gottes Geschichte mit der Welt, den Sündenfall der ersten Menschen und die Person Satans. Sodann wird im fünften Kapitel die Frage nach der Ordnung in der Welt, dem Verhältnis von Recht und Freiheit nach dem biblischen Weltbild erörtert. Im sechsten Kapitel kehrt der Leser wieder an das Ende des dritten zurück: Aufbauend auf den zwei eingeschobenen Kapiteln wird gezeigt, wie das Denken der französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) zusammen mit dem biblischen Weltbild zur Demokratie in den USA führte. Die abschließenden vier Kapitel versuchen aufzuzeigen, wie das Ganze in unserer heutigen Zeit, im Alltag umgesetzt werden sollte, welche Auswirkungen das biblische Weltbild auf die Gesellschaft haben will und welches die biblischen Werte sind, welche unser Leben, Denken und Handeln bestimmen wollen.

Ich persönlich finde das Buch gut geschrieben, es entspricht meinem theologisch konservativen Weltbild, es zeigt vieles recht gut auf, wobei ich ihm zustimmen kann. Dennoch: Wirklich viel Neues habe ich nicht gelernt. Ich finde es wertvoll, wie der Autor versucht, die Geschichte der westlichen Demokratie mit der Heilsgeschichte zu verbinden. Für einen schnellen, sehr kurzen Überblick ist das Buch gut geeignet. Wer jedoch dabei weiter denken möchte, ist auf sich selbst gestellt.

Leider muss ich dem Buch auch verschiedene Schwächen attestieren. Zunächst einmal kann ich die Frage nach dem Zielpublikum bloß schwer beantworten. Es wird eine Menge Grundwissen vorausgesetzt, da – wie oben bemerkt – oft Erklärungen und Definitionen fehlen. Zugleich ist es nicht an eine akademisch geschulte Leserschaft gerichtet. Die Endnoten sind dafür zu leichtfertig angefertigt. Ein Beispiel: Wer bereits vom Gründervater und US-Präsidenten Thomas Jefferson gelesen hat, wird genauer wissen wollen, in welchem Zusammenhang er so positiv von der Bibel gesprochen hat. Die Endnote 142 mit Hinweis auf ein factum-Magazin ist hier nicht ausreichend als Beleg. Schade finde auch, dass die ganze Auseinandersetzung um die Gründung des US-Demokratie nicht näher ausgeführt wird. Es gäbe enorm viel zu lernen, wenn man sich mit den Dokumenten der Gründerväter und ihren Diskussionen noch weiter beschäftigen würde. Stückelberger handelt diese ganze Diskussion so ab, als hätte es darin schon immer einen großen Konsens gegeben.

Ähnliches gilt für die fünf Schlussfolgerungen des zweiten Kapitels. Wer – wie ich – von einem theologisch konservativen, bibeltreuen Weltbild ausgeht, kann diese durchaus als Fazit betrachten. Sie sind eine von zahlreichen Möglichkeiten, wie man die vielen Beispiele des Kapitels deuten kann – jedoch keineswegs zwingend. Und hier sehe ich eine der größten Schwächen des Buchs. Es ist für den Inhalt, den es beackern möchte, schlichtweg zu kurz. Wer Menschen, die von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen, überzeugen möchte, würde den Rest des Platzes im Buch benötigen, um dies schlüssig darzulegen.

Was vermag dieses Buch also zu leisten? Es ist eine Art Manifest, das die theologischen, politischen und sozialen Überzeugungen des Autors wiedergibt. Es eignet sich für konservative Christen, die sich in ihren Überzeugungen stärken möchten, für Christen, welche die christlichen Werte noch besser kennenlernen möchten, und für alle, die gern über die Geschichte nachdenken. Ein weiterführendes Werk zu den Themen fehlt in deutscher Sprache meines Wissens leider weiterhin. In englischer Sprache wäre „Politics according to the Bible“ von Wayne A. Grudem zu nennen.

Ich gebe dem Buch vier von fünf Sternen.

Gepredigt: Faszination Bibel

In unserer Gemeinde habe ich eine neue Predigtserie über die Fundamente des biblischen Glaubens begonnen – im ersten Teil geht es um die Bibel. Hier ein kurzer Auszug, in welchem ich den menschlichen Hochmut kommentiere, sich neben oder gar über die Bibel stellen zu wollen:

“Es gibt in unserer Zeit leider immer mehr Menschen, und zwar auch in vielen evangelikalen Freikirchen, auch in der Pfingstbewegung, die die Bibel immer mehr abwerten und sie als etwas rein Menschliches betrachten. Sie meinen, man müsse die Bibel rein mit dem menschlichen Verstand lesen und aus ihr herausdestillieren, was davon wirklich göttlich ist, und der Rest ist tolle menschliche Weisheit, aber auch nicht mehr. Es gibt eine weit verbreitete Vorstellung, dass nicht nur die Selbstoffenbarung Gottes fortschreitend ist, sondern dass die ganze Menschheitsgeschichte ein riesiger Fortschritt ist und wir in unserer Zeit weit über der Menschheit stehen, die zur Zeit Jesu lebte. Die Bibel müsse kulturell verstanden werden, als ein rein menschliches Produkt der damaligen Zeit, und weil unser Verstand und unser soziales Gefühl für Gerechtigkeit so weit vorangeschritten sind, deswegen können wir heute besser entscheiden, was davon nur für die damalige Kultur galt und was bis heute immer noch echte göttliche Weisheit ist.
Dieses Denken ist reinster Hochmut, denn die Bibel hat mit ihrem Weltbild unsere Gesellschaft geprägt und verändert wie kein anderes Buch und keine andere Lehre oder Philosophie. Mit ihrem treuen Gott, der die Naturgesetze aufrecht erhält, mit ihrem Menschenbild, das den Menschen als den Verantwortlichen für die Schöpfung sieht, der den Auftrag hat, die Erde zu bebauen und erforschen, hat das jüdisch-christliche Weltbild den Grundstein für alle wissenschaftlichen Fortschritte gelegt. Mit der Rede vom Menschen, der im Ebenbild Gottes geschaffen wurde und somit eine unveräußerliche Menschenwürde besitzt, wurde der Grundstein für unsere westliche Demokratie und Rechtsprechung gelegt.
Die Bibel hat durch Erweckungen ganze Landstriche und Länder geprägt. Ihre ungeschönte Ehrlichkeit zeigt uns Grenzen auf, die realistisch sind, die der Realität entsprechen. Mit der Erlösung durch Jesus Christus werden wir zur echten Freiheit befreit, frei von uns selbst zu werden, um unseren Mitmenschen zu dienen und ihnen zum Segen zu werden. Die Bibel ist ein Buch, das schon unzählige Menschen verändert hat und sie alle können es bezeugen, dass dieses Buch das unfehlbare, reine Wort Gottes ist.
So möchte ich uns allen heute mit Paulus zurufen: Deshalb bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist! Die Bibel will dich weise machen zur Errettung und darüber hinaus zu jedem guten Werk zubereiten.”
Die Predigt ist im Predigtarchiv zu finden oder hier anzuhören:

Der Malerlehrling (Gedicht)

 

in Anlehnung an „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe

Hat der alte Malermeister
sich doch einmal wegbegeben,
und nun sollen Farb‘ und Kleister
auch nach meinem Willen leben.
Seinen Stil und Werke
merkt‘ ich und den Brauch,
und mit Pinselstärke
tu‘ ich Wunder auch.

Tropfe, tropfe,
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Farbe fließe
und aus reichem, vollem Topfe
auf die Leinwand sich ergieße.

Seht, da kommen die Motive
fast wie von alleine her,
wenn ich mich nun noch vertiefe,
läuft die Farbe kreuz und quer.
Fast wie in Gedankenschnelle
fährt der Pinsel auf dem Stoffe
und ich aus meiner Seelenquelle
mir Inspiration erhoffe.

Doch nun ist es aus mit heiter
aus meiner Seele kommen Hass
Betrug und Neid und immer weiter
fließen die Gefühle, nass,
wie vollgesogen schwarzer Farbe
und dunkler wird das ganze Bild.
Ich merke, wie ich elend darbe,
verderbt, in den Gefühlen wild.

Nein, nicht länger will ich malen,
will mich stoppen, will mich stören!
Doch die Kraft ist wie zermahlen.
Hilfe! Kann mich keiner hören?
Kann mich keiner vor mir retten
aus dieser Pein und Seelennot?
Aus dieser Sünde, die mit Kletten
mich hält und wünschet mich nun tot?

Da kommt ein Licht und hält mich fest,
durchbohrte Hände, Löwe und Lamm.
Dank, dass Du mich rettetest
und führtest mich auf Bergeskamm.
Für immer will ich Dir gehören,
erlöst aus Gnade, unverdient.
Mit Dir des Teufels Werk zerstören
als einer, der Dir ewig dient.

27.12.2020, Jonas Erne

Gemeinsam in der Bibel lesen

Die momentane Lage, in welcher Kirchen und Gemeinden geschlossen bleiben müssen, zeigt uns mal wieder, wie wichtig es ist, dass wir geistlich zu mündigen Menschen werden, die in der Lage sind, die Bibel auch selbst und in ihren Familien lesen und verstehen zu können. Hierzu habe ich eine Reihe von Fragen notiert, die uns dabei helfen. Wenn wir es uns zur Gewohnheit machen, die Bibel jeden Tag mit guten Fragen zu bombardieren, so werden wir nach einiger Zeit ein zunehmendes geistliches Wachstum feststellen können.

Durchlesen:

Zwei- bis dreimal mit unterschiedlichen Übersetzungen durchlesen. Davon einmal mit einer genauen Übersetzung (Luther, Elberfelder, Schlachter, …) und einmal mit einer kommunikativen Übersetzung (Gute Nachricht, Hoffnung für Alle, Volxbibel, …)

Wirken lassen:

Was hat euch überrascht, begeistert oder ist euch neu aufgefallen?

Was ist noch unklar geblieben? → vorerst nur sammeln und aufschreiben!

Wie kann man den Abschnitt in einem kurzen Satz zusammenfassen? → aufschreiben!

Einordnen:

Wer schreibt an wen? Was wissen wir über den Autor und über den oder die Empfänger?

Um welche Art von Text handelt es sich? Ist es ein historischer Bericht, eine Predigt, ein Psalm, ein Evangelium, ein Gleichnis, eine Prophetie? Steht der Text im Alten oder im Neuen Testament?

Um welche biblischen Hauptlehren geht es in dem Abschnitt? Ist es die Lehre von der Bibel, von Gott, von der Schöpfung (Natur, Engel, Dämonen, etc.), vom Menschen, von der Sünde, von der Person Jesu (Menschheit und Gottheit Jesu, Leben Jesu, Wirken Jesu, Tod und Auferstehung Jesu), von der Erlösung, vom Heiligen Geist und den Geistesgaben, von der Gemeinde, von der Endzeit, vom Leben als Christen (Ethik, Heiligung, Gebet, Lobpreis,…)

Stellt euch vor, der Abschnitt ist wie ein Stück von einem Telefonat, bei welchem man nur einer Seite zuhören kann. Welche Fragen will der Text beantworten?

Was ging dem Text voran? Worum ging es im Abschnitt davor? Gibt es einen Zusammenhang? Mit welchen Worten wird der Abschnitt eingeleitet? Ist es eine Überleitung, eine Erklärung des Vorigen? Gibt es ein gemeinsames Thema oder ein Wort, das die Abschnitte verbindet?

Verstehen:

Schaut euch noch einmal eure Zusammenfassung des Abschnitts an. Würdet ihr inzwischen etwas daran ändern? Gab es neue Erkenntnisse?

Überlegt euch, welche 3 – 5 wichtigsten Worte oder Ausdrücke den Fluss des Textes ausmachen. Sucht zu diesen Worten oder Ausdrücken, was die Bibel an anderen Stellen dazu lehrt. Gibt es im gesamtbiblischen Befund dazu Spannungen? Wenn ja, was bedeuten sie für uns? Wie gehen wir damit um? Werden bei diesen Worten oder Ausdrücken bestimmte biblische Prinzipien angesprochen?

Überlegt euch, ob es in der Bibel Begebenheiten gibt, die uns helfen, das besser zu verstehen. Gibt es Ereignisse, die ein Licht darauf werfen? Hattet ihr schon persönliche Erlebnisse oder kennt ihr Szenen in einem Film oder einem Buch, die das noch verständlicher machen?

Werft noch einen Blick auf die „kleinen Wörtchen“ im Text: und, aber, jedoch, wenn, dann, so, darauf, sondern, und so weiter. Überlegt euch, ob sie noch eine neue Erkenntnis bringen zu dem, was ihr bereits besprochen hattet.

Jetzt nehmt die Sammlung der Unklarheiten und besprecht diese. Haben sich inzwischen neue ergeben? Sind die aufgeschriebenen alle schon beantwortet? Gibt es welche, die ihr nicht selbst beantworten könnt?

Anwenden:

Was bedeutet der Text für unser Leben als Gemeinde, als Familien, als Ehepaare, als Nachbarn, als Arbeitnehmer und Arbeitgeber, als Freunde, als Bürger unseres Landes? Wie können wir das ganz praktisch umsetzen?

Jesus Christus im Text:

Jeder einzelne Vers der Bibel erzählt uns etwas über Jesus Christus. Was will uns dieser spezielle Text über Jesus Christus sagen?

Wir können Gottes Wort auch nicht auf uns allein gestellt anwenden. Wir brauchen die Kraft Gottes dazu, die Kraft des Kreuzes, der Auferstehung, um unseren Egoismus und die menschliche Faulheit zu besiegen. Überlegt euch, wie uns das Evangelium im konkreten Fall hilft, das umzusetzen. Es demütigt uns und macht uns das Kreuz Jesu groß. Es zeigt uns, wie der Herr Jesus gelitten hat und arm wurde, um uns zu erlösen und Kraft zu geben und zu verändern. Das Ziel von jedem Abschnitt der ganzen Bibel ist es, uns Jesus ähnlicher zu machen.

Die Bibel beten:

Betet konkret miteinander und füreinander, dass ihr das eben Gelernte in eurem Leben in der kommenden Woche umsetzen könnt. Verwendet dabei auch Formulierungen des Abschnittes, das hilft, dass wir uns das noch besser merken können und dadurch verändert werden. Betet für unser Land, für die Gemeinde, die momentane Situation, bestimmte Mitmenschen und auch für weitere persönliche Anliegen.

Argumentationstraining mit Thomas von Aquin

Heute möchte ich einen Geheimtipp weitergeben: Wenn Du gerne lernen möchtest, noch besser über den Glauben reden und diskutieren zu können, dann empfehle ich Dir, die „Summe der Theologie“ von Thomas von Aquin zu studieren. Er gibt uns ein sehr schönes Beispiel, wie gute Argumentation aussehen kann und sollte. Thomas von Aquin hat dieses Werk in den Jahren von 1265 – 1273 geschrieben, natürlich auf Latein. Doch es gibt ja zum Glück Übersetzungen. Ich persönlich nutze die englische Übersetzung, die es auf der Seite CCEL kostenlos als PDF zum Download gibt. Eine Lateinisch-deutsche Parallel-Übersetzung gibt es auf der Seite der Universität Freiburg (CH) in der Bibliothek der Kirchenväter, die allerdings nur online durchsuchbar ist und leider nicht heruntergeladen werden kann.

Thomas von Aquin hat diese „Summe“ als eine Einführung in den Glauben für Neulinge im Glauben geschrieben, und sie besteht aus einer Vielzahl von Fragen. Bei jeder Frage beginnt er damit, dass er die Gegenposition beschreibt und die besten Argumente der Gegner aufzählt. Sodann stellt er seine eigene Position vor und begründet sie. Am Schluss widerlegt er jedes Argument der Gegenposition einzeln. Das ist die optimale Art und Weise, wie man richtig gut argumentiert. Deshalb empfehle ich dieses Werk, um die Kunst der Argumentation zu lernen und verbessern.

Die „Summe“ ist einschüchternd groß. Die englische Übersetzung zum Beispiel umfasst fast 7000 Seiten. Lass Dir davon keine Angst machen. Es sind hunderte von Fragen und Antworten, aber das ist erst einmal völlig egal. Schau Dich im Inhaltsverzeichnis um, und suche Dir mal 15 – 20 Fragen heraus, die Dich interessieren. Dann suche diese Fragen auf und studiere sie sorgfältig – indem Du die folgenden Fragen dazu für Dich beantwortest:

Fragen zum Studium:
  1. Wie geht Thomas vor, um die Position der Gegner möglichst fair und überzeugend darzustellen?

  2. Wüsstest Du noch ein besseres Argument für die Gegenposition als die von Thomas aufgezählten?

  3. Auf welche Quellen greift Thomas zurück, um im Hauptteil seine eigene Position zu stützen? Welches sind seine Autoritäten? (Bibel? Kirchenväter? Philosophen?)

  4. Bist Du mit Thomas’ Sichtweise und Argumentation einverstanden?

  5. Wenn ja, welches Argument findest Du besonders stark?

  6. Wenn nein, was wäre Deine Sichtweise? Formuliere sie möglichst schriftlich – oder zumindest ganz klar und deutlich im Kopf.

  7. Auf welche Quellen und Autoritäten greifst Du zurück, um Deine Sichtweise zu begründen?

  8. Jetzt bist Du an der Reihe. Nimm jede Widerlegung von Thomas’ Gegenpositionen und widerlege sie mit guter Begründung Deinerseits selbst.

Es dürfte eine Weile dauern, um die ersten 20 Fragen so zu studieren. Gib nicht auf, denn es ist ein wertvolles Training. Wie gesagt, lass Dich nicht von der schieren Menge an Fragen erschrecken und vom Weitermachen abhalten. Was Dich nicht interessiert, das überspringe einfach. Ich habe beim Lesen schon oft gestaunt, auf welche Fragen Aquin überhaupt gekommen ist – Fragen, die ich mir nie gestellt hätte, die aber sehr spannend sind, wenn man sich erst einmal damit beschäftigt.

Warum sollen wir überhaupt ein „Argumentationstraining“ machen? Es hilft uns, dass wir unsere Überzeugungen besser erkennen, prüfen und kommunizieren lernen. Es hilft uns auch, zu erkennen, wer unsere Überzeugungen prägt und wir lernen dabei, Diskussionen so zu führen, dass wir bei der Sache bleiben und um Inhalte ringen, statt falsche Argumente, Angriffe auf Personen, Strohmänner und Fehlschlüsse zu produzieren. Wenn mehr Menschen lernen, richtig und schlüssig zu argumentieren, würde uns viel Streit, Missverständnis und unnötiger Ärger erspart bleiben. Außerdem ist es auch im Gespräch mit Menschen hilfreich, denen wir die Liebe Jesu weitergeben wollen.

Auslegungspredigt: Wie ich Predigtserien vorbereite

Nachdem ich kürzlich über die besten Ressourcen zur Auslegungspredigt gebloggt und dort einige Bücher der Predigtlehre vorgestellt hatte, kam bald die Frage auf, wie man sich am besten auf das Predigen durch ganze Bibelbücher hindurch vorbereitet. Diese Sache ist natürlich sehr unterschiedlich von Prediger zu Prediger, weshalb es kein fixes Rezept für alle geben kann. Das will ich auch gar nicht. Aber ich möchte als ein Teil der Antwort auf diese Frage meine eigene Praxis vorstellen, die ich im Laufe der Jahre entwickelt und verfeinert habe, damit sie auf meinen persönlichen Stil und meine Gegebenheiten passt und werde manches auch so versuchen zu begründen, dass es möglichst anderen (jungen) Predigern Hilfe geben kann.

Meine Umstände sehen zur Zeit so aus, dass ich hauptberuflich in der Kunststoffindustrie tätig bin und daneben etwa alle 2-3 Wochen bei uns in der Gemeinde predige. Insgesamt kann ich pro Jahr ungefähr 18 – 20 Predigten innerhalb von Serien vorbereiten und dazu noch etwa zwei bis drei Einzelpredigten an Feiertagen oder zu anderen Anlässen. Hinzu kommen Einladungen in andere Gemeinden, wo ich als Gastredner predigen darf.

Beginn: Ein Jahr im Voraus

Meine Vorbereitung auf eine Predigtserie beginnt in der Regel ein Jahr bevor die erste Predigt der Serie gehalten wird. Ich beginne mit der Entscheidung unter Gebet, was nach der oder den den bereits vorbereiteten Serie/n als Nächstes drankommen wird. Immer wieder staune ich, wie perfekt diese Predigttexte auf die Situation der Welt und der Gemeinde passen, wenn ich dort angelangt bin. Gottes Treue wird dadurch immer wieder neu sichtbar. Ich muss nicht bis drei Tage vor dem Gottesdienst warten, um zu wissen, was gerade für die Gemeinde relevant ist (das Wort „relevant“ ist in unserer Zeit zu einem Götzen verkommen), sondern Gottes Wort, jeder Vers und jeder Abschnitt, ja geradezu jedes einzelne Wort der Bibel ist immer und zu jeder Zeit 100% relevant.

Ungefähr 10 Monate vor Beginn der jeweiligen Serie lese ich zehn bis 15 Mal die Texte, über die ich predigen werde und mache nebenbei eine ungefähre Einteilung in Predigten, die ich dazu halten will, jeweils zusammen mit einem vorläufigen Arbeitstitel. Im neunten und achten Monat davor lese ich Kommentare und zuweilen auch Predigten, die andere gute Prediger zu den Texten schon gehalten haben. Dazu mache ich mir pro Predigt etwa fünf bis sechs Stichworte oder notiere mir ein bis zwei Sätze, die mir wichtig geworden sind. Kommentare dienen mir vor allem dazu, um wichtige grammatikalische Spezialitäten zu finden und die wichtigsten Fragen an den Text und dessen Kontext zu formulieren. Das hilft mir später bei der eigentlichen Vorbereitung. Die restlichen Monate nutze ich, um hin und wieder die Notizen durchzusehen und mir Gedanken darüber zu machen, die ich auch im Gebet immer wieder besprechen kann.

Wozu so lange im Voraus beginnen?

Manche werden sich jetzt fragen: Wozu diese lange Vorlaufzeit? Ich bin ein Denker und ein denkender Wiederkäuer. Ich brauche das. Man mag mir das als Schwäche auslegen, damit habe ich überhaupt kein Problem. Immerhin ist es mir noch nie passiert, dass ich in der Woche vor einer Predigt noch nicht wusste, worüber ich predigen soll. In den sieben oder acht Monaten bis zur Predigt sind für mich Kommentare und Predigten anderer Prediger über jene Texte tabu. Ich habe das Wichtigste vom Wichtigsten in meinen Notizen, das muss mir reichen.

Etwa zwei Wochen vor dem jeweiligen Termin beginnt dann die eigentliche Vorbereitung: Noch einmal den Text durchlesen, dann die Arbeit im griechischen oder hebräischen Grundtext mit Überlegungen zur Textkritik, die Übersetzung der wichtigsten Passagen (so ungefähr zwei bis drei Verse gehören bei jeder Predigt mindestens dazu), Wortstudien (welche Bedeutungsbreite hat ein bestimmtes Wort, wie wird es bei welchen Autoren verwendet) und ein Blick in die Grammatik sind die Grundlage. Als Nächstes versuche ich, die Botschaft des Textes in einem Satz zusammenzufassen und nehme diesen Satz, um darauf die Gliederung der Predigt aufzubauen. Der schwierigste Teil ist das Wissen darum, was weggelassen werden soll, denn nach dieser Vorbereitung ist so viel Stoff vorhanden, um allein pro Abschnitt mehrere Sonntage zu füllen. Weniger ist mehr – und da habe ich noch viel Lernpotenzial.

Ich bin in den vergangenen Jahren immer mehr zum Schluss gekommen, dass mir Kommentare nur am Rande helfen. Viel mehr Zeit verbringe ich bei Autoren der so genannten „Biblischen Theologie“, da deren Horizont deutlich weiter reicht. Sehr gute Kommentare sind zugleich auch Werke der Biblischen Theologie, aber da muss man weit suchen, um das Richtige zu finden. Auch ein Blick in die Dogmatik (Systematische Theologie) ist sehr wertvoll, um einen erweiterten Blick auf das Thema des Predigttextes zu erlangen. Und dann ist da die Gemeinde, die einzelnen Menschen, die zuhören werden und auf die Predigt reagieren sollen. Wie kann der Bibeltext für sie möglichst eindringlich verständlich werden? Und nicht zuletzt: Wo im Text finde ich das Kreuz und die Auferstehung Jesu? Kein Mensch kann Gottes Gebote aus sich selbst halten. Immer und immer wieder brauchen wir das Evangelium, in welchem erst die Kraft steckt, um Gottes Willen zu tun.

Fragen, die mir bei der Vorbereitung helfen:
  • Wer hat den Text an wen gesprochen, geschrieben oder anderweitig kommuniziert?

  • In welchem Kontext steht er? Altes oder Neues Testament? Vor oder nach Ostern?

  • Welche Art von Text ist es? Ein Geschichtsbericht? Ein Brief? Ein biographischer Text? Ein Lied?

  • Wie wurde der Text im Laufe der Kirchengeschichte verstanden?

  • Was an dem Text überrascht mich?

  • Warum steht das so da wie es da steht? Wie hätte es anders geschrieben werden können und warum wurde es nicht anders geschrieben?

  • Wie ist der Text aufgebaut? Welche kleinen Wörter wie „und“, „aber“, „sondern“, „dennoch“, „denn“, „doch“, und so weiter machen den Fluss des Textes aus und wie machen sie das?

  • Wie ist der jeweilige Abschnitt in das ganze Buch eingebunden? In welcher Beziehung stehen die Teile der Serie zueinander? Wie lautet die ganze Argumentation, die über mehrere Teile der Serie hinweg verläuft?

  • Wo ist Christus in meinem Text? Wo hilft Er mir bei der täglichen Umsetzung?

  • Was könnte in unseren modernen Ohren anstößig sein? Wie antworten wir einem Skeptiker darauf?

  • Was bedeutet der Text für unsere Gemeinde, unser Zusammenleben in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz oder in der Familie?

  • Welche Lebenslügen spricht der Text an und durch welche Wahrheiten will er sie ersetzen?

Alle diese Fragen dienen zum besseren Verständnis des Textes. Welche davon am Ende in die Predigt einfließen, ist eine ganz andere Frage. Nicht alle Infos, die sich aus diesen Fragen ergeben, können tatsächlich erwähnt werden, sonst wird der Hörer mit too much an Wissen bombardiert und häufig überfordert. Ich versuche – passend zum jeweiligen Text – Abwechslung in die Arten der Infos zu bringen. Mal mehr apologetisch, mal mehr Infos zu den Einleitungsfragen, mal mehr Infos aus den Wortstudien, und so weiter.

Zum Schluss noch drei Hinweise:
  1. Ich habe das riesige Privileg, dass ich die Sprachen der Bibel lernen durfte. Es gibt aber auch gute Hilfsmittel, mit denen man auch ohne dieses Wissen die Bibel auslegen und verstehen kann. Verschiedene Bibelübersetzungen (möglichst auch in anderen Sprachen wie englisch, französisch, spanisch oder was auch immer man kann), Konkordanzen zu den Wörtern der Bibel, Interlinear-Übersetzungen, Lexika zur Bibel, und so weiter. Eine gute Dogmatik sollte keinesfalls fehlen.

  2. Ich möchte an der Stelle das Element der Freiheit betonen. Dass man eine Predigt vorbereitet und vielleicht auch schon ausgeschrieben hat, bedeutet noch nicht ganz zwingend, dass man sie auch genau so halten muss. Hier bin ich ein Verfechter der predigerlichen Freiheit. Es kann vorkommen, dass man alles bereit hat und sich dann doch vom Geist Gottes gedrängt fühlt, spontan etwas ganz anderes zu predigen. Oder dass man am Abend davor merkt, dass Gott doch noch was anderes sagen will. Oder dass im Gottesdienst etwas gebetet wird, worauf der Geist Gottes in der Predigt reagieren möchte. Oder dass eine Predigt im Laufe des Predigens plötzlich eine ganz andere Richtung nimmt und einen anderen Schwerpunkt erfordert. All das sind Beispiele aus dem Predigeralltag, die wohl dem Einen oder Anderen bekannt vorkommen werden. Und das ist gut so, denn der Geist weht, wo Er will. Das alles spricht nicht gegen eine sehr gute Vorbereitung, denn wer gut vorbereitet ist, kann improvisieren; wer schlecht vorbereitet ist, muss improvisieren.

  3. Was würde ich ändern, wenn ich jeden Sonntag predigen sollte? Ich würde noch früher mit der Vorbereitung anfangen. Vermutlich 18 statt zwölf Monate im Voraus. Wenn zwei oder drei Wochen verstreichen bis man die Gemeinde in der Serie wieder weiterführt, ist es wichtig, dass man den Rückblick auf das Bisherige, wenn man es noch weiter vertiefen will, nicht zu oberflächlich aber auch nicht zu langwierig macht. Das ist ein Spagat, zu dem man immer wieder herausgefordert ist.

Hast Du noch mehr Fragen, Anregungen oder eigene Tipps für die Vorbereitung von Predigtserien oder Serienpredigten?

Gepredigt: Jona und die Lektion von Gottes Gnade

“[…] Ich saß vor etwa eineinhalb Wochen auf dem Zahnarztstuhl, weil da etwas Fräsen und eine neue Füllung nötig war. Als ich noch auf die Zahnärztin wartete, kam mir plötzlich Jakobus 5,16 in den Sinn, wo es heißt: Bekennt einander die Übertretungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist. Als langjähriger Kariespatient bin ich mir bewusst, dass der Zahnarztbesuch etwas Wichtiges ist, aber nicht unbedingt etwas Schönes. So ähnlich ist es auch, wenn wir einander unsere Sünden bekennen. Beides geht mit Schmerzen einher, beides ist unangenehm, aber beides verhindert auch, dass sich in uns etwas Schlimmeres einnistet und sich hindurchfrisst. Wenn wir unsere Sünden nicht immer wieder bekennen, frisst sich die Sünde immer tiefer in uns hinein und es wird immer schwieriger und unangenehmer, irgendwann doch noch was davon zu sagen. Wenn wir uns an das perfekte Deckmäntelchen des Christseins gewöhnt haben, wenn das zu unserer zweiten Natur geworden ist, dass wir niemanden zu tief in unser Leben blicken lassen, dann ist es richtig schwierig geworden, uns von Gott verändern zu lassen. Dann haben wir uns schon so daran gewöhnt, den Heiligen Geist zu ignorieren, dass wir fast unansprechbar für Gott geworden sind.

Gottes Gnade ist immer noch jeden Tag für uns da – aber nicht nur für uns, sondern auch für all die Menschen um uns herum. Die Menschen von Ninive hatten 40 Tage Zeit, wenn sie in der Zeit keine Buße getan hätten, wäre die Stadt wohl zerstört worden und unser Prophet hätte sein Spektakel gehabt. Noch ist Gnadenzeit. Noch haben wir Zeit, um unsere Mitmenschen mit dem Evangelium zu erreichen. Noch haben wir Zeit, in der es Umkehr geben kann. Irgendwann wird der Herr Jesus wiederkommen – sei es heute Nachmittag oder in 200 Jahren, das weiß keiner – und dann wird es zu spät sein. Wenn Gottes Heute zu früh ist, um Buße zu tun, könnte dein Morgen zu spät sein dafür. Wenn Gott dir heute sagt, dass du etwas in Ordnung bringen sollst, dann tue es gleich. Manchmal werden Menschen innerlich so verhärtet wie Jona, dass es erst einen Wurm braucht, um sie zum Aufwachen zu bringen. Dann muss erst etwas in Brüche gehen, bevor sie bereit sind, auf den Heiligen Geist zu hören und zu tun, was sie sollen. Gott hat Mitleid mit Ninive und Mitleid mit dem Schwarzwald. Auch hier gibt es viele Menschen, die es nötig hätten, von Jesus zu erfahren. Auch der Schwarzwald ist voller Sünde und Rebellion! […]”

Predigt über Jona 4:

Auslegungspredigt: Die besten Ressourcen

Im Laufe von zwölf Jahren Predigtdienste in verschiedensten Gemeinden habe ich zwischen 40 und 50 Bücher über das Vorbereiten und Halten von Predigten gelesen – oder manche zumindest angelesen und irgendwann nur noch überflogen. Da ich hin und wieder danach gefragt werde, stelle ich hier die „ultimative Homiletik“ vor, also wie ein Band zur Predigtlehre aussehen würde, wenn ich ihn aus den besten Kapiteln aller bisher gelesenen Homiletikbüchern zusammenstellen könnte.

Kurz nach meiner Bekehrung anno 2002 stieß ich auf meiner Suche nach mehr Tiefgang für mein geistliches Leben auf die Predigten von Charles Haddon Spurgeon und John F. MacArthur. Diese beiden waren meine ersten Bibellehrer, wenn man das so sagen will. Beide haben ein Buch zur Predigtlehre veröffentlicht. So war es nicht erstaunlich, dass ich deren Bücher schon früh zur Hand nahm. 

C. H. Spurgeon – Ratschläge für Prediger (Amazon-Link). Dieses Buch gefällt mir gut – doch die Predigten von Spurgeon sind besser. Ich würde das Buch als Prolegomenon zur Predigtlehre empfehlen, zusammen mit zwei bis drei Predigtbänden nach eigenem Geschmack. Spurgeon ist immer gut, auch dann, wenn man ihm nicht zustimmt.

John F. MacArthur – Biblisch predigen (Amazon-Link). MacArthur hat hier mit einigen Kollegen ein richtig spannendes Werk geschaffen. Wirklich wichtig finde ich die ersten drei Kapitel, in welchen es darum geht, was eine Auslegungspredigt ist und wie sie in der Geschichte der Christenheit an Wichtigkeit gewonnen und inzwischen leider auch wieder vielerorts verloren hat.

D. Martyn Lloyd-Jones – Die Predigt und der Prediger (Amazon-Link). Der wichtigste britische Prediger des 20. Jahrhunderts war Lloyd-Jones. Dieses Buch ist für mich das Wichtigste zur Predigtlehre überhaupt. Ich bin inzwischen dabei, es zum 15. Mal zu lesen. Auch mit ihm muss man nicht in jeder Frage einig sein, aber es tut gut, das eigene Selbstverständnis als Prediger immer wieder neu auf den Prüfstand zu stellen und sich neu unter den Gehorsam gegen Gott und Sein Wort zu stellen. Meine „ultimative Homiletik“ würde sein Buch in voller Länge enthalten.

Timothy Keller – Predigen. Damit Gottes Wort Menschen erreicht (Amazon-Link). Ich muss zugeben, dass mich das Buch vom Keller im ersten Durchgang enttäuscht hat, da ich so viel Gutes darüber gelesen habe, und das Buch zur Ehe von Ehepaar Keller exzellent ist, hatte ich wohl zu viel erwartet. Mein Fazit ist nach wie vor, dass zu den meisten Themen Lloyd-Jones die gleichen Dinge auf eine bessere Art und Weise sagt, aber ich möchte hinzufügen, dass das 5. Kapitel über das spätmoderne Denken wirklich gut ist und unbedingt lesenswert. Somit würde ich nach dem ganzen Buch von Lloyd-Jones das Kapitel 5 von Kellers Buch anhängen.

Michael F. Ross – Predigen wirkt Wunder. Der Glaube kommt aus der Predigt (Amazon-Link). Das ist (leider?) kein pfingstlich-charismatisches Buch, wie der Titel es denken lassen könnte, sondern eine exzellente Studie zur Predigtweise der Puritaner. Der Autor möchte die heutigen Prediger jedoch nicht überzeugen, puritanische Predigten zu halten, sondern vielmehr von der Vielfalt und zugleich Ausgewogenheit der puritanischen Predigten zu lernen. Ich würde den Teil 2 (Kapitel 5 – 10) über die fünf Arten der puritanischen Auslegungspredigt der „ultimativen Homiletik“ hinzufügen.

Daneben gibt es einige weitere gute Bücher zur Predigtlehre, etwa von meinem Dozenten für Praktische Theologie, Prof. Armin Mauerhofer, dasjenige von Haddon Robinson, von Arturo Azurdia oder John R. W. Stott. Diese alle sind gute bis sehr gute Ressourcen, die sich jedoch immer wieder in Teilen überschneiden. Wer also die Muße (und die Mäuse oder die Uni-Bibliothek) hat, zehn Bücher zum Predigen zu lesen, hat hier eine ziemlich definitive Liste. Eins habe ich schon lange aufgeschoben und bin bisher immer noch nicht dazu gekommen, nämlich das dünne Booklet von David R. Helm (Expositional Preaching) in der Serie von 9Marks.

Eines der wichtigsten Hilfsmittel ist jedoch das Lesen von guten Predigten, denn das prägt noch mehr. Allerdings möchte ich eine Warnung aussprechen: Predigten zu dem Text zu lesen, über den man gerade predigen will, verführt oft dazu, dass man Gedanken blind übernimmt. Deshalb empfehle ich, möglichst oft gute Predigten zu anderen Bibelbüchern zu lesen als man gerade drin steckt. Gute Predigten prägen uns und unseren Predigtstil. Es gibt Predigten aus allen Zeiten der Kirchengeschichte zu finden. Von Kirchenvater Chrysostomus über die Reformatoren, Puritaner, Methodisten, Heiligungsprediger bis zu C. H. Spurgeon, D. M. Lloyd-Jones, John Piper, Tim Keller, und vielen mehr. Auch mein Freund Michael Freiburghaus, Pfarrer der ev.ref. Kirchgemeinde Leutwil-Dürrenäsch in der Schweiz, hat schon mehrere sehr empfehlenswerte Predigtbände veröffentlicht.

Warum das stellvertretende Sühnopfer zentral ist

Wenn wir über den Tod und die Auferstehung Jesu Christi nachdenken, gibt es in unserer Zeit immer wieder Versuche, die Deutung als stellvertretendes Sühnopfer beiseite zu schieben und stattdessen andere Deutungen in den Mittelpunkt zu rücken. Steve Chalke etwa, ein britischer Postmodernist, nannte die Rede vom stellvertretenden Sühnopfer einen „kosmischen Kindesmissbrauch“ und andere schlagen seither in dieselbe Kerbe. Fakt ist und bleibt, dass die Bibel mehrere Deutungen des Todes Jesu kennt, diese jedoch einander ergänzen. Wir können uns nicht einfach für eine davon entscheiden und sagen: Das gefällt mir am besten, auf den Rest pfeife ich. Vielmehr ergeben nur die Deutungen gemeinsam ein großes Gesamtbild und zeigen die Schönheit der Liebe Gottes. In diesem biblischen Gesamtbild steht die Deutung als ein stellvertretendes Sühnopfer jedoch im Mittelpunkt. Sie ist und bleibt zentral, denn sie zieht sich von Anfang bis zum Schluss wie ein roter Faden durch alle Gattungen und nahezu alle Bücher der Bibel.

Die fünf Mosebücher

Aus den Schriften des Alten Bundes sind die fünf Mosebücher besonders wichtig, weil sie dem Judentum Identität geben. Die wöchentliche Lesung enthält immer einen Abschnitt aus diesem Fünfbuch. Deshalb möchte ich mich zunächst einmal darauf konzentrieren. Die „vorderen Propheten“ (Josua bis Nehemia oder in der jüdischen Reihenfolge bis zu den Chronik-Büchern) erzählen die Geschichte Israels weiter. Die Weisheitsbücher (Hiob bis Hoheslied) enthalten die Weisheit und die Lieder, und die „hinteren Propheten“ Jesaja bis Maleachi sind immer wieder die Erinnerung, zu dem zurückzukehren, was Gott Mose offenbart hat. Insofern gibt es in der jüdischen Bibelauslegung – anders als bei uns – eine gewisse Rangordnung der Bücher, bei welcher die Mosebücher an wichtigster Stelle stehen.

Wenn wir an den Anfang zurückgehen, finden wir das erste stellvertretende Sühnopfer in 1. Mose 3: Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie. (1. Mose 3,21). Der Begriff „katnot ‘or“ bezeichnet Kleidung aus der Haut und keineswegs gewobene Kleidung aus den Haaren. Gott hat die ersten Tiere getötet, um den Menschen eine Bedeckung für die Folgen ihrer Sünde zu geben. Der Sündenfall war auch der Moment, in welchem der Tod erstmals in die Welt gekommen ist. Bereits im nächsten Kapitel finden wir Gottes Bewertung der verschiedenen Opfer der beiden Brüder Kain und Abel. Das Tieropfer wird angenommen, während das Opfer aus dem biologischen Anbau nicht angenommen wird. Es gibt bei Gott eine klare Präferenz, dass ein Tieropfer, das später auch immer wieder als stellvertretendes Sühnopfer im Sinne eines Vor-Bilds auf das Sühnopfer Jesu Christi am Kreuz von Golgatha verlangt wird.

Einen besonderen Stellenwert muss auch 1. Mose 22 bekommen. Abraham ist gehorsam und geht mit Isaak zur Opferstätte. Im letzten Moment kommt der Widder zum Vorschein, der stellvertretend an Isaaks Stelle geopfert wird. Hier ist ganz klar der Bezug zum Tod Jesu Christi zu sehen, der auch an unserer Stelle gestorben ist. Ebenso ist auch das Passalamm in 2. Mose 12. Hier ist interessant, dass schon längst vor der Zeit am Sinai, also bevor die ganzen Opfervorschriften kamen, die Bedingungen für die Lämmer, die geschlachtet werden sollten, dieselben waren wie für das spätere Opfertier für das Sündopfer: Männlich, einjährig und ohne Fehler (vergleiche 2. Mose 12,5 mit 3. Mose 9,3) Somit war bereits das Passalamm ein vorbereitendes stellvertretendes Sühnopfer für die Sünden des Volkes Israel.

2. – 4. Mose

Zu den fünf Büchern Mose gibt es schon eine Weile Diskussionen, ob sie ursprünglich als ein einzelnes Buch, drei Bücher, fünf Bücher oder gar zusammen mit Josua und / oder noch weiteren Büchern als eine Einheit angelegt wurden. Im Anschluss an Gordon J. Wenham hat Prof. Hendrik Koorevaar in einem Aufsatz einleuchtend und überzeugend dargelegt, weshalb die fünf Bücher Mose wie eine Art Triptychon angelegt sind: 1. Mose als linke und 5. Mose als rechte Tafel und dazwischen 2. – 4. Mose als mittleres Bild in einer Einheit. Der Aufsatz kann hier (Link) online gelesen oder heruntergeladen werden. In den weiteren Ausführungen werde ich eine kurze Zusammenfassung einiger Punkte geben, die Prof. Koorevaar in diesem Aufsatz macht und diese noch etwas ausführen.

Zunächst zeigt Prof. Koorevaar, dass die Innengrenzen zwischen 2. und 3. Mose sowie 3. und 4. Mose nicht wirklich vorhanden oder wenn, dann sehr schwach sind. Das ist etwas, was mir auch schon früher beim Bibellesen aufgefallen ist: Wie bitte kann man ein Buch damit beenden, dass die Priester wegen der Herrlichkeit Gottes nicht in die Stiftshütte gehen konnten? Erst durch diesen Ansatz, den ich im Studium der Theologie in Riehen kennengelernt habe, hat dies einen Sinn ergeben. Und wenn man nun davon ausgeht, dass 2. – 4. Mose als ein einziges großes Buch zu betrachten ist, so fragte sich Herr Koorevaar weiter, was ist dann der Mittelpunkt dieses Buches? Wie ist dann der Aufbau zu verstehen? Plötzlich macht vieles mehr Sinn. Das Buch ist um ein Zentrum herum aufgebaut, und dieses Zentrum ist 3. Mose 16, das Kapitel vom Yom Kippur, dem großen, jährlichen Versöhnungstag. Es ist der Tag des stellvertretenden Sühnopfers für alle Sünden des ganzen Volkes Israel.

Ausblick ins Neue Testament

Wenn wir nun damit ins Neue Testament gehen und nach der theologischen Reflektion dieses Tages durch den Herrn Jesus und die Apostel fragen, so finden wir eine Vielzahl von Hinweisen, die immer wieder Golgatha damit verbinden. Etwa bei Johannes dem Täufer: Am folgenden Tag sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! (Johannes 1,29) oder auch in der Offenbarung: Und ich sah, und siehe, in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten stand ein Lamm, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind, die ausgesandt sind über die ganze Erde. (Offenbarung 5,6) und im Hebräerbrief: Als aber der Christus kam als ein Hoherpriester der zukünftigen [Heils-] Güter, ist er durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt. Denn wenn das Blut von Stieren und Böcken und die Besprengung mit der Asche der jungen Kuh die Verunreinigten heiligt zur Reinheit des Fleisches, wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dienen könnt. Darum ist er auch der Mittler eines neuen Bundes, damit — da sein Tod geschehen ist zur Erlösung von den unter dem ersten Bund begangenen Übertretungen — die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen. (Hebräer 9, 11-15)

All diese (und es gibt noch unzählige weitere) Hinweise können wir nicht außer Acht lassen. Von Anfang an hat Gott die Autoren der Bibel dazu inspiriert, uns auf das Kommen des Erlösers vorzubereiten, der stellvertretend unsere Schuld bei Gott bezahlt und uns dadurch erlöst. Ich plane eine Fortsetzung zu schreiben, in welcher weitere Teile der Bibel untersucht werden sollen, wie sie uns auf die Erlösung durch den stellvertretenden Tod und die Auferstehung Jesu Christi vorbereiten. Weitere Hinweise finden sich übrigens auch in meinem PDF „Als die Zeit erfüllt war“ (Link)