Zum Heiligen Geist beten?

Bei meiner Beschäftigung mit dem Wesen, Wirken und den Aufgaben des Heiligen Geistes bin ich auf verschiedene Zitate gestoßen, die sich mit der Frage befassen, ob man zum Heiligen Geist beten soll / darf / kann. Drei davon möchte ich heute mal präsentieren:
1. Das Nizäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis
Dieses Glaubensbekenntnis war das Ergebnis eines jahrzehntelangen Ringens mit der Frage von der Dreieinigkeit. Im dritten Abschnitt des Bekenntnisses heißt es:
Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater (und dem Sohn) hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Proheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten dieAuferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.“ (Quelle: Wikipedia)
2. Charles Haddon Spurgeon
Der „Fürst der Prediger“ hielt im Metropolitan Tabernacle am 10. März 1889 eine Predigt zum Thema „Intime Bekanntschaft mit dem Heiligen Geist“. Darin sagte er:
Somit ist es also so, dass wie wir die Persönlichkeit und Gottheit des Heiligen Geistes kennen, so lernen wir Ihn kennen. Ich meine damit, dass nun eine persönliche Beziehung zwischen dem Gläubigen und dem Heiligen Geist ist, eine bewusste und klare Gemeinschaft und Verbundenheit. Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes ist eine der drei erlesenen Segen der großen Segnung. Erfreuen wir uns daran? Wir reden mit Ihm und Er redet mit uns. Wir vertrauen Ihm und Er legt in uns Vertrauen mit manch einer kostbaren Wahrheit Gottes. Wir sind jetzt keine Fremden mehr. Wir reden nicht von Ihm wie von einer Person, die weit weg ist, von der wir gehört haben – von einem göttlichen Geheimnis, mit dem die Propheten und Apostel vor langer Zeit einmal vertraut waren – sondern wir kennen Ihn.“(Quelle: spurgeongems.org– Übersetzung von mir – Das Zitat stammt von Seite 4)
3. Arthur W. Pink
Pink war einer der großen reformierten Bibellehrer der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Er hat ein Buch geschrieben, das sich mit dem Wesen des Heiligen Geistes befasst. Im letzten Kapitel geht es genau um diese Frage: Wie ehren wir den Heiligen Geist? Pink zeigt auf, dass das Gebet zum Heiligen Geist nichts ist, was in der Bibel nicht vorkommt und fasst zusammen:
Es ist der Heilige Geist, der nun die Arbeiter beruft, sie ausrüstet, ihnen Aufgaben zuweist und ihre Bemühungen segnet. In 1. Korinther 12,5 und 2. Korinther 3,17 wird der Heilige Geist ausdrücklich „Gott“ genannt. „Preist Gott, von dem aller Segen fließt. Preist Ihn, alle Schöpfung hier unten. Preist Ihn droben, ihr himmlischen Scharen – Preist Vater, Sohn und Heiligen Geist.“ Amen!“(Quelle: godrules.net– Übersetzung von mir – für Englischversteher lohnt sich, die ganze Seite zu lesen.)

Timotheus Magazin #8: Demut

Timotheus Magazin #8: Demut
Demut – ein unpopulärer und oft auch unverstandener doch nicht unwichtiger Begriff christlichen Lebens wird in der achten Ausgabe des Timotheus-Magazins zum Thema gemacht. Ein mutiger Schritt, der aber vielen Lesern – mich inbegriffen – zum Segen werden soll. Das ganze Magazin überzeugt mit liebevoll gestaltetem, zurückhaltendem und dadurch das Wort in den Mittelpunkt stellenden Design. Einziger Punkt, der mir persönlich negativ auffiel, ist die weiße Schrift auf dem hellen Hintergrund der Titelseite. Da würde ich mir um der Leserlichkeit willen etwas mehr Kontrast wünschen.
Die verschiedenen Beiträge sind sehr wertvoll für unser Leben als Christen. Schon der Lead-Text des ersten Beitrags ist aufrüttelnd: „Es ist geradezu bizarr: Während Jesus einen Weg der Selbstverleugnung, Entbehrung und Erniedrigung ging, wollen wir „Christen“ besser leben als der Sohn Gottes selbst. Wir strotzen vor Selbstbewusstsein und verwirklichen uns selbst. Darüber haben wir längst vergessen, wem wir eigentlich „folgen“. Ein Plädoyer auf den Pfad der Demut zurückzukehren!“ Peter Voth, der Autor jenes ersten Beitrags, schildert in bewegenden Worten den Weg der Demut, den der Herr Jesus gegangen ist und zeigt auch ganz praktisch für jede und jeden von uns auf, wie der Weg der Demut, der Weg unter dem sanften Joch Jesu, das Ruhe verschafft, aussieht.
Im zweiten Beitrag „Mahnung zur Demut“ schreibt Waldemar Dirksen von der Warnung Jesu vor der Ehrsucht und dem Stolz, den er beschreibt: „Während der Demütige darauf bedacht ist, sich selbst zu erniedrigen, nutzt der Stolze jede Gelegenheit, um sich selbst zu erhöhen.“ Von besonderer Freude für mich war der dritte Beitrag über die Lektionen, die Charles H. Spurgeon in Sachen Demut lernen musste. Bei ihm bemerkt man, dass seine Vollmacht in der Predigt nicht nur aus dem guten Bibelwissen kommt, sondern vor allem aus der Lehre der Gnade und aus diesen persönlichen Lektionen in der Demut. „Spurgeon hatte es schon durch das Evangelium gelernt und nun durch diese schwere Lektion noch mehr verstehen können. Es heißt ganz praktisch, dass wir uns auch im Leid und Feindschaft nicht um uns selbst drehen. Christi Ehre und das Wohl des anderen soll mir wichtiger sein als ich selbst.“
Sodann folgt ein weiterer lesenswerter Beitrag von Hans-Jürgen Holzmann über „Demut unter Menschen“. Er zeigt sehr schön auf, dass Demut die einzig richtige Haltung des Gläubigen zu Gott und zu seinen Mitmenschen ist. „Demut unter Gott bedeutet zu wissen, dass der souveräne Herr den Plan und die Kontrolle hat. Es bedeutet zu wissen, dass alle – auch für uns unverständlichen – Dinge dauerhaft zu unserem Besten sein werden.“ Dies ist die Grundlage für ein Leben der Demut, ja es ist die Grundlage überhaupt für ein Leben mit dem Herrn Jesus. Und es hat Konsequenzen für unser Leben.
Darauf folgt ein Auszug aus der Biographie von Iain H. Murray über den amerikanischen Prediger John MacArthur „Dienst am Wort und an der Herde“. Auch MacArthur musste seine Lektionen in der Demut lernen. Die Biographie ist übrigens im Betanien-Verlag erhältlich und der Auszug macht Lust auf mehr.
Auch der letzte Beitrag, eine Art Kurz-Studie dessen, was Paulus im Philipperbrief über Demut sagt, macht Freude zu lesen. Hans-Werner Deppe schreibt: „Wir sollen von derselben Gesinnung geprägt sein wie Christus: demütige Selbsterniedrigung, die vom Herzen ausgehend dazu führt, nicht für sich selbst, sondern dem Herrn gehorsam und anderen dienend zu leben.“
Alles in allem enthält die Zeitschrift viele wertvolle Gedanken und animiert zu echter, hingegebener Nachfolge. Ich möchte die Zeitschrift, die man hierabonnieren oder verschenken kann, herzlich weiter empfehlen. Sie ist von Menschen gemacht, die dem Herrn mit ganzer Hingabe nachfolgen und dies auch weitergeben möchten. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe!

Unsere Hoffnung in der Predigt

I do not come into this pulpit hoping that perhaps somebody will of his own free will return to Christ. My hope lies in another quarter. I hope that my Master will lay hold of some of them and say, “You are mine, and you shall be mine. I claim you for myself.” My hope arises from the freeness of grace, and not from the freedom of the will.“ (Charles Haddon Spurgeon)

Auf Deutsch:

Wenn ich auf die Kanzel trete, dann hoffe ich nicht, dass vielleicht irgend jemand nach seinem eigenen freien Willen zu Christus umkehren wird. Meine Hoffnung liegt woanders. Ich hoffe, dass mein Meister welche von ihnen an Sich reißen wird und sagen: „Du bist mein, und du gehörst mir. Ich beanspruche dich für Mich Selbst.“ Meine Hoffnung liegt in der Freiheit der Gnade, nicht in der Freiheit des Willens“ (Charles H. Spurgeon)

Wir sehen also, wo das Problem der „modernen“ Predigtweisen liegt: Viele Prediger sind überzeugt, dass sie ihre Zuhörer überreden müssen, zu glauben. So gehen sie Kompromisse mit dem jeweiligen Zeitgeist ein. Sie wenden Strategien der Psycho-Manipulation an, um erfolgreicher zu sein. Sie rufen dazu auf, ein Gebet nachzusprechen, durch welches man gerettet werden könne. In all dem aber vergessen sie, dass es Gottes freie Gnade ist, die einen Menschen überwinden muss. Denn jeder Sünder kann sich nur gegen Gott entscheiden, bis Gottes starke Hand ihn zu Sich herumreißt und ihn für Sich beansprucht. In diesem Wissen liegt viel Freiheit und Freimut des Predigers: Wir müssen den Sünder nicht bekehren, denn das kann nur Gott. Statt dessen müssen wir in unserem heiligen Amte das Evangelium, die wunderbare Botschaft von der freien und damit unverdienbaren Gnade im Herrn Jesus Christus verkünden. Diese Botschaft von der Gerechtigkeit, der Heiligkeit und der Liebe Gottes, dem göttlichen Zorn, aber auch der göttlichen Gnade, will der Heilige Geist gebrauchen, um die Herzen der Sünder zu erreichen und im Glauben, der auch eine reine Gnadengabe Gottes ist, diese steinernen Herzen erneuern.