Mutanfall

Mutanfall
Wenn sich Berge vor Dir türmen
ganze Blöcke und Blockaden,
und Du hörst die wilden Stürme
oder Ängste vor dem Schaden,
Wenn sich Meere weit erstrecken,
tiefe Seen, Ozeane,
und die Weiten Dich erschrecken,
die ich von ferne nur erahne,
Wünsch ich Dir einen Mutanfall,
neue Schritte frisch zu wagen,
von Gottes Segen vollen Schwall,
um nicht weiter zu verzagen.
Wenn sich stauen alte Sorgen,
der gestrige Rucksack lastet schwer,
und Dich lähmt die Angst vorm Morgen,
allen Bammels großes Heer,
Wenn die Zweifel an Dir nagen,
wie die Biber an den Bäumen,
und es bleiben offne Fragen,
zusammen mit geplatzten Träumen,
Wünsch ich Dir einen Mutanfall,
das Alte Jesus hinzugeben,
den großen Rucksack fülle prall,
mit neuem, frischem Leben.

22.06.2017, Jonas Erne

Gottes Führung vertrauen

Es gibt viele Christen, die ein halbes Leben lang mit Warten zubringen. Warten auf einen speziell für sie gemachtes Zeichen, auf ein Wunder, auf eine Erscheinung des Herrn, um sich in eine bestimmte Aufgabe senden zu lassen. Nicht selten ist dieses Warten ein Ausdruck der Angst vor dem Ungewissen, was folgen wird. Eine Angst vor dem, was kommt, wenn man ganz auf Gott vertraut. Wie anders haben doch unsere Vorfahren im Glauben gehandelt. Paulus und Timotheus waren auf einer Missionsreise unterwegs:

Als sie aber Phrygien und das Gebiet Galatiens durchzogen, wurde ihnen vom Heiligen Geist gewehrt, das Wort in [der Provinz] Asia zu verkündigen. Als sie nach Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; und der Geist ließ es ihnen nicht zu. Da reisten sie an Mysien vorbei und kamen hinab nach Troas. Und in der Nacht erschien dem Paulus ein Gesicht: Ein mazedonischer Mann stand vor ihm, bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber dieses Gesicht gesehen hatte, waren wir sogleich bestrebt, nach Mazedonien zu ziehen, indem wir daraus schlossen, daß uns der Herr berufen hatte, ihnen das Evangelium zu verkündigen. (Apostelgeschichte 16, 6 – 10)

Sie warteten nicht und beteten, ob sie irgend eine Weisung von Gott bekämen. Sie zogen los, weil sie wussten, dass die Verkündigung des Evangeliums ihre Aufgabe war. Das ist die Aufgabe von jedem und jeder von uns, solange wir leben. Sie machten sich Pläne und zogen los. Erst in diese Pläne hinein sprach Gott und zeigte ihnen, wo ER sie haben wollte.

Auch wir dürfen unseren Verstand benützen und uns Gedanken und Pläne machen, uns überlegen, was wir für die Gemeinde Jesu tun können. Unser Glaube zeigt sich nicht im Warten und Beten, sondern im Vorwärtsgehen. Das Vorwärtsgehen ist der Ort, an welchem Gott Sich uns offenbaren möchte. Auch Mose musste zuerst vorwärts gehen, auf den brennenden Dornbusch zu, bevor Gott Sich ihm offenbaren wollte.

Deshalb: Sei tapfer und mutig und bereit, voran zu gehen. Gott ruft uns in jedem Vers Seines Wortes die Botschaft zu: Dass Er Sich uns offenbaren und uns Seine Pläne zeigen möchte. Die Bereitschaft, Ihm zuzuhören, zeigen wir durch unser mutiges Vorwärtsgehen. Verzagtheit und Warten (auch wenn es durch Fasten und Beten getarnt wird) ist ein Ausdruck unseres Unglaubens.

Vertraue auf den Herrn und geh voran, Er hat dir versprochen, dich zu führen und zu leiten!

Nicht einen Geist der Furchtsamkeit

Aus diesem Grunde erinnere ich dich daran, die Gabe Gottes anzufachen, die durch Auflegung meiner Hände in dir ist; denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. (2. Timotheus 1, 6 – 7)

Gottes Gnadengaben können in unterschiedlicher Stärke vorhanden sein. Paulus gebraucht hier das Bild der noch schwach glimmenden Kohle, die durch einen Luftstoß wieder zu einem richtigen Feuer auflodern kann und ermutigt Timotheus, dafür zu sorgen, dass es dazu kommt. Deshalb hier auch die Frage an dich, liebe Leserin, lieber Leser, was wünschst du dir? Möchtest du die Gaben als schwach glimmende Kohlen in dir drin haben oder als lodernder Waldbrand? Es liegt zum großen Teil in deiner Verantwortung, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Kohlen wieder richtig zum Brennen gebracht werden können.

Es gibt nämlich etwas, was unsere Gaben ersticken kann, und das ist die Furchtsamkeit, die Feigheit, oder schlicht gesagt: die Angst. Die Angst ist nie etwas, was Gott uns schickt oder für uns möchte. Gott möchte vielmehr, dass wir mutig vorwärtsgehen. Mut ist nicht Waghalsigkeit, sondern die goldene Mitte zwischen der Angst und der Waghalsigkeit. Mut bedeutet, die Kosten zu berechnen, und trotzdem im Vertrauen einen weiteren Schritt zu gehen. Vielleicht denkst du jetzt, dass Jesus die Angst als etwas Normales beschrieben hat, doch dem ist nicht so, ich möchte das jetzt erklären. Wenn wir in Johannes 16, 33 nachlesen, so steht da:

Solches habe ich zu euch geredet, auf daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Trübsal; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!

Martin Luther hat das Wort Trübsal zu seiner Zeit korrekt mit Angst übersetzt, aber das verstehen wir heute nicht mehr. Damals bedeutete Angst weniger das Gefühl der Angst, sondern in erster Linie: Die Umstände, die uns Angst einjagen können. Also eine schwierige Prüfung, ein Vorstellungsgespräch, ein schwieriger Chef, ein Fehler, den wir selbst gemacht haben und vieles mehr. Was im griechischen Text steht und hier mit Trübsal übersetzt wird, ist eigentlich ein Begriff aus der Architektur. Damit eine Säule in einem griechischen Tempel auch bei Wund und Wetter, bei Krieg und vielem mehr, stehen bleibt, muss sie durch eine bestimmte Menge an „Druck“ (Gewicht von oben her) auf ihr Fundament gedrückt werden. Diese Menge an Gewicht oder „Druck“ wurde mit dem griechischen Wort beschrieben, das übersetzt wird mit Trübsal. Man kann den Vers auch so lesen: In der Welt habt ihr Druck. Dieser Druck dient dazu, dass wir auf unser Fundament, den Herrn Jesus gedrückt werden und Ihm ganz nahe sind.

Wie wir auf diesen Druck reagieren, ist unsere Entscheidung. Und unsere Reaktion bestimmt sowohl das Maß unserer Gabe als auch einen Teil unserer Zukunft. Aus Entscheidungen werden nämlich Gewohnheiten und woran man sich gewöhnt hat, davon kommt man nur noch schwerlich los. Jede dieser Drucksituationen lässt uns zwischen zwei Arten von Reaktion wählen: Feigheit oder Mut. Wer die Feigheit wählt, verliert seine Freiheit, die wir durch Jesus bekommen haben. Er lässt sich dadurch fremdbestimmen von dem, der uns die göttliche Freiheit nehmen will: Satan. Wer den Mut wählt und im Glauben den nächsten Schritt geht, wird an Freiheit, Glauben und Stärke der Gnadengaben zunehmen und Gott damit ehren.

Noch ein Wort am Rande: Wer versucht, andere Menschen einzuschüchtern (Geist der Einschüchterung, Geist der Isebel: Sie schüchterte Elia dermaßen ein, dass er in die Wüste floh und dadurch seine prophetische Berufung verlor) macht sich selbst zum Werkzeug der Sünde und Satans. Das ist auch bei wiedergeborenen Christen jederzeit sehr gut möglich, beachte man zum Beispiel Römer 6,13. Wer andere zu manipulieren und einzuschüchtern sucht, nimmt ihnen die Freiheit, die sie in Christus haben, weg.

Der Heilige Geist ist aber nicht ein Geist der Furchtsamkeit, sondern der Kraft, der Liebe und der Zucht. Der Geist der Kraft gibt uns die übernatürliche Stärke, die auch der Herr Jesus in Seinem Dienst hatte. Man bedenke: Er tat nichts aus Sich Selbst, sondern nur was Er den Vater tun sah. Er verzichtete ganz und gar auf Seine Göttlichkeit, auf die Macht, die Ihm als Gott zustand, und lebte als Mensch. Auch Er empfing diesen Geist der Kraft und wurde dadurch zu Seinem Dienst befähigt. Mit dem Geist der Kraft ausgerüstet können wir dieselben Werke tun, die auch Er schon tat (und nach Seinem Wort sogar noch größere). Dieselbe Macht also, die Er auf Erden hatte, lebt in dir und mir und möchte uns zu unserem Dienst befähigen.

Es ist aber auch der Geist der Liebe. Gott ist die Quelle aller Liebe, und ohne Gott kann niemand lieben. Durch den Geist der Liebe werden wir zur Liebe zu Gott und zugleich zur Liebe zu unseren Mitmenschen befähigt. Liebe zu Gott zeigen wir durch die Pflege der Beziehung zu Ihm: Lesen in Seinem Wort, Reden mit Ihm, auf Ihn hören, etc. Zugleich helfen wir in dieser Liebe unseren Mitmenschen, wo sie es nötig haben und wo immer wir das tun können.

Es ist drittens der Geist der Zucht. Zucht bedeutet Selbstbeherrschung oder Selbstdisziplin. Das sieht so aus, dass wir unser Leben so weit im Griff haben, dass wir nicht nur auf das verzichten können, was uns schadet, sondern oft auch auf Dinge, die uns einfach gefallen würden, die aber für den Dienst am Herrn oder an unseren Mitmenschen draufgehen müssen. Der Geist befähigt uns, dies mit Freuden zu tun.