Buchtipp: Auf falschen Fährten

Mayne, Andrew, Auf falschen Fährten: The Naturalist, Edition M, Amazon-Publikation, 2018, 460S., Amazon-Link

*Spoiler-Alert*

Professor Theo Cray wird verhaftet. Eine seiner früheren Studentinnen wurde auf brutale Weise ermordet. Doch keiner kann ihm etwas nachweisen. Da er schon in diesen Fall verwickelt wurde, entschließt er sich, auf eigene Faust den Spuren nachzugehen. Alles deutet auf einen bestimmten Grizzly hin, doch ein DNA-Test bringt ihn auf die Spur eines anderen Grizzlys, der seit Jahren tot ist. Mit Hilfe seines Spezialgebiets, der Bioinformatik, gelingt es Cray, nachzuweisen, dass es über viele Jahre hinweg eine größere Anzahl ähnlicher Morde gegeben hatte. Wie fast zu erwarten war, zeigt das Buch, dass der Mensch des Menschen schlimmster Grizzly sein kann.

Ein Thriller mit rasantem Einstieg, der zwischendurch einige Längen aufweist, zum Ende hin jedoch wieder an Fahrt aufnimmt und eine beinahe überraschende Auflösung vorweist. Mehr dazu weiter unten. Mir persönlich haben die zahlreichen Beispiele aus dem Alltag der Bioinformatik sehr gut gefallen. Man merkt: Da ist jemand am Werk, der sich darin gut auskennt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass dies für manche Thrillerfans zuviel des Guten sein könnte, besonders wenn man nicht so sehr an der wissenschaftlichen Arbeit interessiert ist. Dann gibt es Abschnitte über mehrere Seiten hinweg, die in dem Fall zu überspringen wären. Dadurch würde der Lesefluss und das Verständnis für die Story jedoch beeinträchtigt.

Die Story war gut ausgedacht, allerdings hätte man aus dem Protagonisten noch mehr machen können, indem man ihn menschlicher gemacht hätte. Er erinnert mich eher an einen Halbgott der griechischen Heldensagen: Unbesiegbar, unerschütterlich, stoisch bis beinahe zur Gefühlslosigkeit. Dadurch wirkt er konstruierter als nötig. Außerdem habe ich das Gefühl, der Autor versucht zu viele unterschiedliche Ziele unter einen Hut zu bringen: Eine spannende Story erzählen, die Techniken der Bioinformatik bekannter machen, und erst noch eine moralische Lektion erteilen. All dies tut er in einer Gründlichkeit, dass sich die verschiedenen Ziele gegenseitig schwächen. Die moralische Lektion über das Böse im Menschen beginnt schon beim Verhör am Anfang des Buches, was mich ziemlich gewiss gemacht hat, wie die Story ungefähr enden wird.

Fazit:

Ein spannend geschriebener Thriller mit viel gutem Hintergrundwissen zur Arbeitsweise der Bioinformatik. Die Story hätte etwas fokussierter aufgebaut werden können. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

Monday Humor: König Herodes stellt Antrag auf Juso-Mitgliedschaft

Der SPD sei er zu radikal, beklagte sich König Herodes kürzlich. Nun stellt er einen Antrag auf die Mitgliedschaft bei den Jusos. Er sei zwar deutlich zu alt dafür, aber er verfüge stattdessen über einen großen Vorteil: Er sei noch konsequenter als deren bisherige Forderungen. Schließlich würde er dafür plädieren, Abtreibungen bis zu zwei Jahre nach der Geburt zu legalisieren. Damit würde er jährlich tausende von Müttern entkriminalisieren, die mit der Erziehung ihrer Kinder einfach nicht mehr nachkämen. Auf die Frage, weshalb er sich da genau auf zwei Jahre festlege, meinte er: „Es muss ja nicht genau diese Zahl sein. Ich habe mich in meinen besten Jahren dafür eingesetzt, von meiner Frau auf eine humane, schnelle und schmerzlose Weise geschieden zu werden.“

Mord am Kabarett

Die Unterhaltungsindustrie
hat hinterrücks und über Nacht
durch Komiker und Comedy
dem Kabarett den Tod gebracht.
Nicht nur, dass die Kabarettisten
so nach und nach sind ausgestorben,
nein, auch welche sie vermissten,
sind von der Unkunst nun verdorben.
Im Kabarett war’n Philosophen,
intellektuelle, tiefe Denker,
die uns’re Welt vor dem Verdoofen
retten wollten. Doch zum Henker
ging die Kabarettiererei,
als die flachen Komödianten
ihr nicht nur legten gar ein Ei.
Vielmehr mit ihrer hirnverbrannten
Art, sich selbst für klug zu halten
und die Zuschauer für zu blöde,
zeigt, wie sie ihr Programm gestalten:
Selber denken ist doch öde!“
Hat denn einst der Kabarettist
mit Humor auf viele Weise,
die man heute schnell vergisst,
einfach denken gelehrt; und leise.
Doch laut muss nunmehr alles sein:
Schreiend bunt, durchdringend schrill.
Das Kabarett in seiner Pein
starb leis’, allein und still:
Das Messer der Medien in der Brust,
die für uns gerne denken wollen
ist uns’rer Kultur ein arger Verlust;
Erinnerung ist bald verschollen.
Jonas Erne

(10.03.2017)

Schuld und Sühne

Fjodor M. Dostojewski, Schuld und Sühne, 573 Seiten, kostenloses Kindle-Buch. https://www.amazon.de/Schuld-S%C3%BChne-Fjodr-Michailowitsch-Dostojewski-ebook/dp/B004UBCWK6/
Vor 150 Jahren (1866) veröffentlichte Fjodor M. Dostojewski sein Buch „Schuld und Sühne“, das von Thomas Mann als „den größten Kriminalroman aller Zeiten“ bezeichnet wurde. Es ist wirklich ein faszinierendes Werk der russischen Weltliteratur, das an Aktualität nichts eingebüßt hat. Dostojewski lotet die Grenzen der Moral aus, und zwar in gekonnter Weise, psychologisch und schriftstellerisch exzellent.
Ich bin lange vor den großen russischen Schriftstellern zurückgeschreckt und habe diese immer noch etwas weiter hinausgeschoben. Der Stil ist etwas eigen und Gewöhnung ist vonnöten. Als Marcus Hübner auf seinem Blog die Serie „Dostojewski lesen“ begonnen hat, fand ich das spontan eine gute Idee. Er bespricht wochenweise Kapitel der „Brüder Karamasow“. Hier muss ich zugeben, die ersten 100 Seiten fand ich schwierig, weil mir der Schreibstil Dostojewskis fremd war. Doch dranbleiben lohnt sich – das Buch hat mich gepackt und ich hatte es in zwei Monaten komplett durch. Vielleicht werde ich dazu auch noch mehr schreiben.
In „Schuld und Sühne“ geht es um einen Studenten, Rodion Raskolnikow, der sehr klug ist, aber leider auch sehr arm, und deshalb sein Studium nicht zu Ende finanzieren konnte. Nun lebt er in St. Petersburg, häuft sich einen Schuldenberg an, den er nicht bezahlen kann, und hofft auf finanzielle Unterstützung von zu Hause.
Ziemlich am Anfang des Buches lernt er einen ehemaligen Beamten kennen, der durch seine Trunksucht ebenfalls verarmt war, so sehr verarmt, dass seine Tochter Sonja auf den Strich gehen muss, sich zu prostituieren, um so die Familie über Wasser halten zu können. Kurz darauf erhält er einen Brief von seiner Mutter, in dem sie ihm berichtet, dass seine Schwester Dunja einen deutlich älteren aber vermögenden Mann heiraten wolle. Rodion vermutet, dass sie diesen hauptsächlich deshalb heiraten wolle, um ihn, Rodion, finanziell besser unterstützen zu können. Er empfindet diesen Schritt als demjenigen Sonjas sehr ähnlich.
Die Haupthandlung des Buches betrifft jedoch etwas anderes. Rodion hat eine fixe Idee, welche er in einem Zeitschriftenartikel dargelegt hatte: Wenn jemand, der ein seltenes Genie ist, in seinem Tun und seiner Zukunft bedrängt würde, so habe dieser ein Recht, so zu handeln, dass er das umsetzen kann, wozu er gemacht sei. So hätte etwa ein Napoleon das Recht gehabt, Menschen aus dem Weg zu schaffen, die versucht haben wollten, seine Zukunft zu verhindern. Da Rodion sich selbst für ein solches Genie hält, will er wissen, zu welcher Sorte Mensch er gehört. Er sieht da zwei Sorten: Die Menschen, also diese seltenen Genies, und den Rest der Menschheit nennt er „Läuse“. Um herauszufinden, was er ist, will er einen Mord begehen. Diesen verübt er an einer alten Frau, namentlich seiner Pfandleiherin, bei welcher er schon zweimal Pfand für Gegenstände bekommen hatte. Da die Schwester der Pfandleiherin im falschen Moment zu ihr kommt, nämlich kurz nach dem Mord, aber noch bevor Rodion das Haus verlassen konnte, muss auch sie dran glauben.
Dieser Mord lässt ihn nicht mehr los, das Gewissen meldet sich, eine Krankheit bricht aus, Rodion ist mehrere Tage bewusstlos, in den Zeiten, in welchen er wach ist, ist er immer unruhig. In der Zwischenzeit waren seine Mutter und Schwester zu Besuch gekommen. Es stellt sich heraus, dass der Zukünftige seiner Schwester ein ungehobelter Rüpel ist, der die Armut der Familie ausnutzen wollte, um eine demütige, ihn bewundernde Frau zu bekommen. Die Sache eskaliert schnell und die Verlobung wird aufgelöst.
Rodion ist sich nun beständig unsicher: Wieviel weiß die Polizei? Könnte sein Artikel in der Zeitschrift ihn verraten? Wie kann er den Verdacht von sich ablenken? Über diesem ständigen Grübeln wird er immer sehr schnell aufgebracht und lenkt auch öfter mal den Verdacht auf sich. Nach einigem Hin und Her stellt sich dann heraus, dass er tatsächlich verdächtigt wird. Auf viel Zureden von verschiedenen Seiten meldet er sich am Schluss freiwillig und gesteht die Tat. Einsichtig wird er nicht, dass er dadurch schuldig geworden ist.
Das Happy End zeichnet sich im Arbeitslager in Sibirien ab. Die treue Sonja, die ihn dorthin begleitet, wird ihm zur besten Freundin und mit der Zeit auch zur Geliebten. Eine große Frage bleibt offen: Wird er am Ende doch noch gläubig?
Ich meine, dass dies eine Schwäche des Buches ist. Dostojewski liebt es, sich in den finsteren Abgründen der menschlichen Seele aufzuhalten. Der Glaube ist etwas Wichtiges bei ihm, aber am Ende der Geschichte(n) bleibt häufig ein schaler Geschmack zurück – es fehlt etwas. Die Auflösung der größten und wichtigsten Frage im Leben eines jeden Menschen.
Davon abgesehen ist es ein großartiger Roman – Thomas Mann ist wohl zuzustimmen: Es ist zumindest einer der größten und besten Kriminalromane.

Tim Lambesis von As I Lay Dying im Interview

Gedanken zum Interview mit Tim Lambesis
Als Fan von Musik etwas härterer Gangart mochte ich natürlich die Band „As I Lay Dying“ (AILD) schon seit Längerem. Als vor gut einem Jahr (am 7. Mai 2013) deren Frontmann Tim Lambesis verhaftet wurde, war ich dann doch etwas überrascht. Die Medien schlachteten dieses Ereignis natürlich bis zum Gehtnichtmehr aus. Am 16. Mai 2014 wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt. Jetzt endlich brach er sein Schweigen und gab Ryan Downey ein Interview (Link). Als ich es am vergangenen Sonntag las, dachte ich lange darüber nach. Es enthält viele Themen, die wirklich sehr wichtig für unsere Generation (und die nachfolgenden Generationen) sind. Ich möchte fünf davon herauspicken und kurz erläutern. Dennoch möchte ich jedem, der Englisch lesen kann, empfehlen, das gesamte Interview zu lesen. Vielleicht findet sich auch ein „freiwilliges Opfer“, das bereit wäre, das Interview zu übersetzen.
Zuerst die wichtigsten Inhalte in Kurzfassung: Tim Lambesis ist in einem christlichen Umfeld aufgewachsen. Nach seinem Schulabschluss begann er, mit Bands zu touren. Unter anderem hat er dann im Jahr 2000 die Band „As I Lay Dying“ gegründet, die schon nach kurzer Zeit Touren durch die ganze Welt hatte. 2004 heiratete er Meggan Murphy. Da er in der Zeit als Teenager mit seiner Gemeinde Bibelfreizeiten in sehr armen Ländern durchführte, wo ihn das Schicksal vieler Waisenkinder persönlich stark berührte, entschieden sie sich, Kinder aus Äthiopien zu adoptieren. Durch lange Touren als Band kam eine zunehmende Entfremdung zwischen Tim und seiner Frau auf. Er fühlte sich in den Zeiten, die er zu Hause verbrachte, immer stärker abgelehnt von Meggan, woraufhin er immer mehr Zeit im Fitness-Studio verbrachte, anstatt bei seiner Familie zu sein. Sie ihrerseits fühlte sich dadurch ebenfalls abgelehnt, weshalb sie sich an ihre adoptierten Kinder zu klammern begann und ihm immer weniger Zeit mit ihnen ließ. Um weiterhin als Muskeltyp zu gelten, nahm er nun auch noch Steroide, da seine Muskeln eine Grenze (ein „Plateau“, wo das natürliche Wachstum nicht mehr nur mit Bodybuilding weitergeht) erreichten. 2012 wurde ihm alles zuviel, weshalb er sich entschied, sich von seiner Frau zu trennen. Schon ein halbes Jahr zuvor hatte er ihr mitgeteilt, dass er nicht mehr wirklich an Gott glaube. Im Scheidungsprozess hatte sie alles getan, um ihm möglichst wenig Freiheiten mit den Kindern zu lassen, was ihn weiter wütend machte. Um eine traurige Sache kurz zu machen: Er kam dann auf die absolut schreckliche Idee, es wäre besser für ihn und die Kinder, wenn seine Ex-Frau nicht mehr leben würde. Über seinen Steroid-Dealer ließ er sich einen Auftragsmörder vermitteln, der ihm dann jedoch zum Glück einen Undercover-Agenten schickte, der Lambesis verhaften ließ, sobald er ihm den Auftrag gegeben hatte. So weit die Sicht von Lambesis, wie er sich im Interview äußert. Dass dieses Interview – wie alles – mit Vorsicht zu genießen ist, sollte klar sein; spätestens seit einer ersten Antwort des AILD-Gitarristen Nick Hipa (Link). Im Folgenden fünf Stichworte mit meinen Gedanken dazu, was wir von Tim Lambesis lernen können und was wir besser machen sollten.
1. Entfremdung
Das menschliche Gehirn ist hochkomplex – und mehr noch: Es ist sehr sehr dynamisch, anders gesagt: Es verändert sich ständig. Jeder Gedanke, jedes Bild, jedes aufgenommene Wort in unserem Leben hinterlässt bleibende Spuren. Jeder Mensch verändert sich also ständig. Rund um die Uhr. Das ist eine der großen Stärken des Menschen: Er kann sich so sehr gut und schnell an jede neue (veränderte) Situation anpassen. Entfremdung kommt zustande, wenn sich Menschen in sehr unterschiedliche Richtungen verändern. So braucht es in der Ehe und Familie immer wieder gemeinsame Zeiten, gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Erinnerungen. Kommunikation ist sehr wichtig und beeinflusst die Richtung, in die wir uns verändern. Tim Lambesis war oft über Monate auf Tour und von seiner Frau und den Kindern getrennt. So haben sie sich in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt. Dies kommt auch in Familien vor, die keine Profimusiker sind. Das gemeinsame Fernsehen kann diese Entwicklung nicht aufhalten. Auch der Computer und das Handy oder Smartphone drängt sich häufig in den Vordergrund und verhindert die gemeinsame Veränderung in dieselbe Richtung.
2. Identität
Die Fragen „Wer bin ich? Was macht mich aus? Was macht mich besonders?“ stellt sich jeder Mensch im Laufe seines Heranwachsens. Tim war sein Leben lang in einem christlichen Umfeld, doch nicht selten wird auch hier nicht wirklich eine Antwort auf diese Fragen gegeben. Junge Menschen brauchen Vorbilder, die ihnen sicht- und spürbar vorleben, was es bedeutet, ein Mann oder eine Frau, ein Vater oder eine Mutter zu sein. Viel zu lange haben unsere Gemeinden diese Aufgabe der Schule, den Hollywood-Filmen und dem BRAVO-Magazin überlassen. Wo sind die Frauen und Mütter, wo die Männer und Väter, die der nächsten Generation zeigen, was es bedeutet, eine gelingende Ehe und Familie zu haben? Tim Lambesis hat seine vermeintliche Identität im Erfolg als Musiker und Bodybuilder gefunden. Er bereut zutiefst, wohin das geführt hat. Lasst uns Gemeinden bauen, die der nächsten Generation eine echte Identität zu vermitteln vermögen.
3. Apologetik
Lambesis erzählt in seinem Interview, dass er sich mit den Fragen beschäftigt hat, die der sogenannte „Neue Atheismus“ an den christlichen Glauben stellt. Und irgendwann hat er sich auf deren Seite gestellt und den Glauben an Gott abgelehnt. Erst nach seiner Verhaftung, als er viel Zeit alleine verbrachte und Zeit zum Nachdenken hatte, stellte er sich wieder diesen Fragen. Der Apologet William Lane Craig, von dem er insgesamt um die 1000 Buchseiten las, half ihm dabei. Auch hier wieder eine Anfrage an unsere Gemeinden. Sind wir bereit, die nächste Generation auf das Leben vorzubereiten? Spätestens an der Schule wird jede und jeder heutzutage mit den Argumenten des „New Atheism“ konfrontiert. Haben wir den jungen Menschen Antworten, echte Antworten, auf all diese Fragen? Können wir ihnen helfen, Tools zu entwickeln, mit deren Hilfe sie sich im ganzen Dschungel der Irrlehren, Religionen und Ideologien zurechtfinden können? Sind wir bereit, uns ganz auf die jungen Menschen einzulassen und ihnen ins Leben hinein zu helfen?
4. Christliche Kultur
Eine ganz wichtige Aussage machte Tim, als er über christliche Bands sprach. Er sagte: „We toured with more “Christian bands” who actually aren’t Christians than bands that are. In 12 years of touring with As I Lay Dying, I would say maybe one in 10 Christian bands we toured with were actually Christian bands.“ („Wir waren mit mehr „christlichen Band“ unterwegs, die in Wahrheit keine Christen waren, als mit solchen, die welche waren. In den zwölf Jahren, in denen ich mit As I Lay Dying unterwegs war, würde ich sagen, waren etwa eine von zehn Bands, mit denen wir unterwegs waren, tatsächlich christliche Bands.“) Es gibt eine Art „christliche Kultur“, die man deshalb „christlich“ nennt, weil ihre Erzeugnisse in den christlichen Buchläden zu finden sind. Ich bin kein Experte was die christliche Metalszene betrifft, aber ausgehend von dem, was ich bisher kenne, würde ich seine Zahl bestätigen. Nicht alles, was man in den christlichen Buchläden findet, ist christlich. Dasselbe trifft auch auf Bücher zu. Es gibt eine Unmenge an Büchern, die ich keinesfalls zur christlichen Literatur zählen würde, und die man da trotzdem antrifft. So ist auch hier Vorsicht und gutes Prüfen angesagt.
5. Meines Bruders Hüter
Den letzten Gedanken möchte ich zuerst einmal mir selbst zusprechen. Ja, ich bin ein Hüter meiner Mitmenschen. Ja, ich bin auch verantwortlich für sie. Lambesis bedauert, dass er sich verändert hat, ohne dass eines der anderen Bandmitglieder ihn auf die Richtung hingewiesen hat. Eines ist klar: Letztendlich trug er selbst die Verantwortung für seine Entscheidungen. Aber gerade seine Bandmitglieder, die ja auch viel Zeit mit ihm verbrachten, hätten ihn auch einmal darauf aufmerksam machen können oder sollen. Dies sei nie geschehen, sagt Lambesis nun. Ob das tatsächlich so war, oder ob dies lediglich die Sichtweise des Interviewten ist, lässt sich zur Zeit nicht mit letzter Sicherheit feststellen. Was aber auffällt, ist, dass sich immer weniger Menschen für andere mitverantwortlich fühlen. Lieber nichts sagen als jemandem „auf den Fuß zu treten“ ist die neue Devise geworden. Auch in vielen Gemeinden. Alles wird geduldet, überall zwei und mehr Augen zugedrückt, bloß damit die „Liebeskeule“ („das ist aber lieblos“, „du darfst niemanden verurteilen“, etc.) nicht hervorgeholt wird. Ich möchte meiner Geschwister Hüter sein und habe auch Glaubensgeschwister, die mich gut genug kennen, um meine Veränderungen sehen zu können, die in mein Leben hinein sprechen dürfen und sollen. Ganz nach Hebräer 10, 23 – 25: Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken — denn er ist treu, der die Verheißung gegeben hat —, und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so mehr, als ihr den Tag herannahen seht!

Warum wir Auftragsmorde legalisieren sollten

Vorsicht, Satire!!! Den folgenden Artikel habe ich im Blog von The Gospel Coalition (engl. Original) auf englisch gefunden. Da ich den Artikel der deutschsprachigen Welt nicht vorenthalten wollte, habe ich ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Betsy Childs, übersetzt.

Warum wir Auftragsmorde legalisieren sollten

Ich werde die Erste sein, die es eingesteht: Berufskiller sind fragwürdig. Aber sie sind fragwürdig, weil sie eine Arbeit erledigen, die niemand anders tun will, eine Arbeit, die tatsächlich illegal ist. Indem wir Auftragsmorde ein „Verbrechen“ nennen, haben wir die Tatsache verschleiert, dass Berufskiller der Gesellschaft einen wertvollen Dienst bereitstellen.
Viele Frauen finden sich gefangen in ungewollten Ehen. Der Ehebund beschneidet die Freiheit einer Frau ernstlich, und Ehemänner können unangemessen fordernd sein. Eine Frau in einer solchen Situation ist verletzlich. Sie sieht nur noch einen Ausweg, und so trifft sie die schwierige Entscheidung, ihren Ehemann zu töten.
Doch die unbequeme Wahrheit ist, dass eine Frau, die einen Mord gegen ihren Ehemann in Auftrag gibt, mit größter Wahrscheinlichkeit tausende von Dollars zahlen muss, ohne die Garantie zu haben, dass der Mord tatsächlich ausgeführt wird. Diesen Auftrag zu legalisieren, würde die Unsicherheit beseitigen. Gemietete Schützen könnten überprüft und trainiert, sowie auf professionelle Sicherheitsstandards angehalten werden. Niemand will, dass ein Treffer daneben geht. Wenn keine Gefahr der Anklage mehr bestünde, würde dies die Kosten von Auftragsmorden drastisch senken. Auftragsmord zu legalisieren würde ein schmutziges Geschäft ins rechte Licht rücken.
Während eine Scheidung in den meisten Fällen eine attraktive Alternative für einen Auftragsmord sein könnte, haben manche Frauen nicht die emotionalen und finanziellen Ressourcen, um eine Scheidung hinter sich zu bringen. Eine strittige Scheidung durchzuführen kann mehr als ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen. Nachdem Anwälte die Finanzen des Paares geleert haben, bleibt der Frau nur wenig Geld zurück, um ihr Leben fortzusetzen. Außerdem: Ein diskreter Mord zur rechten Zeit schützt den Ehemann vor dem Schmerz, herausfinden zu müssen, dass er nicht mehr gewollt ist. Ein wahrlich erfahrener Attentäter kann seine Zielperson schmerzlos in einem Moment umlegen ohne jedes Leiden. Das Ende einer Ehe hat das Potential, das Leben einer Frau zu ruinieren, aber wenn ihr Ehemann schnell und sauber herausgeholt wird, so kann dies ein neuer Anfang für sie sein.
Auftragsmord ist ein unbequemes Thema, und ich persönlich könnte nie einen Mord beauftragen. Besser wäre es, zuerst ungewollte Ehen zu vermeiden. Das ist aber keine Entscheidung, die jemand anderes für eine Frau machen kann. Es ist ihre Ehe, nur sie kann entscheiden, wann sie enden muss.
Ich bin mir bewusst, dass manche Leser damit zögern, diesen Vorschlag zu befürworten, aber haltet doch einmal inne, um zu betrachten, wie sehr die Legalisierung der Abtreibung dazu beigetragen hat, dass eine Frau, die ihr Kind töten will, nicht mehr stigmatisiert wird. Einst wurde die Abtreibung als Mord gesehen und konnte deshalb nur im Geheimen und mit großem Risiko für die Frauen durchgeführt werden. Jetzt feiert unser Staat Frauen, die ihr Recht ausüben, Familienmitglieder zu töten. Weshalb sollten wir dieses Recht nicht ausweiten und den Frauen das Recht geben, ihre Partner zu töten?
(Original in Englisch von Betsy Childs, Übersetzung von mir)

Die Menschenopfer des 21. Jahrhunderts

Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, so sollst du nicht lernen, nach den Greueln jener Heidenvölker zu handeln. Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei oder ein Beschwörer oder ein Zauberer, oder einer, der Geister bannt, oder ein Geisterbefrager, oder ein Hellseher oder jemand, der sich an die Toten wendet. Denn wer so etwas tut, ist dem Herrn ein Greuel, und um solcher Greuel willen vertreibt der Herr, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz. (5. Mose 18, 9 – 12)
Wir brauchen heute weder in den Busch zu gehen, noch sonst wo hinzufahren, um die nächsten Menschenopfer zu finden. Sie finden tagtäglich in unseren Städten und Krankenhäusern statt. Dort, wo Menschen eigentlich den Auftrag hätten, Leben zu retten, wird es heute zerstört. Das ist eine schreckliche Perversion unserer Zeit.
Denn sie haben Ehebruch getrieben, und Blut ist an ihren Händen; ja, mit ihren Götzen haben sie Ehebruch getrieben, und für sie sogar ihre eigenen Kinder, die sie mir geboren haben, durchs Feuer gehen lassen, so dass sie verzehrt wurden! Überdies haben sie mir auch das angetan: Sie haben an demselben Tag mein Heiligtum verunreinigt und meine Sabbate entheiligt. Denn wenn sie ihre Kinder ihren Götzen geschlachtet hatten, so kamen sie noch am selben Tag in mein Heiligtum, um es zu entweihen.Siehe, das haben sie mitten in meinem Haus getrieben! (Hesekiel 23, 37 – 39)
Dadurch, dass man meint, man könne – in postmodernem Konstruktivismus – das Leben einfach neu definieren und dadurch ein Verbrechen zur neuen Tugend machen, werden die schlimmsten Morde nicht nur erlaubt, sondern regelrecht befürwortet. Es gibt eine riesige Lobby der „Pro Choice“ („für die Wahl“)-Fraktion. Noch schlimmer ist der Druck, der durch diese Legalisierung und all die Möglichkeiten der pränatalen Diagnose entsteht. Und doch ist es bezeichnend, wie sehr Gott für das Leben ist – auch für das Leben in der Gefangenschaft in Ägypten. Auch für das Leben unter schweren Umständen – als Sklaven der Ägypter. So wertvoll ist das Leben für Gott, dass sogar eine offensichtliche Lüge, die gezielt zum Schutze dieses Lebens eingesetzt wurde, durch Gottes Segen bestätigt wurde.
Und der König von Ägypten redete mit den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schiphra, die andere Pua hieß, und er sprach: Wenn ihr die Hebräerinnen entbindet, so seht auf der Stelle nach; wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn, ist es aber eine Tochter, so lasst sie leben! Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, was ihnen der König von Ägypten befohlen hatte, sondern sie ließen die Knaben leben. Da ließ der König von Ägypten die Hebammen rufen und fragte sie: Warum tut ihr das, dass ihr die Knaben leben lasst? Da antworteten die Hebammen dem Pharao: Nun, die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen; sie sind lebhafter; ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren! Und Gott segnete die Hebammen; das Volk aber vermehrte sich und nahm gewaltig zu. (2. Mose 1, 15 – 20)
Zwischen 110’000 und 120’000 Menschenopfer werden dem modernen Moloch der Selbstbestimmung jedes Jahr in den Rachen geworfen. In Deutschland. Weltweit geht man von etwa 42’000’000 pränatal ermordeten Kindern pro Jahr aus. Zum Vergleich: Der 2. Weltkrieg hat weltweit insgesamt etwa 66’000’000 Menschenleben gekostet. Somit kommt man mit den Abtreibungen in 1,5 – 2 Jahren ungefähr auf die Zahl der Menschenleben, die der 2. Weltkrieg in 6 Jahren gekostet hat. Nur mal so weit ein kleiner Vergleich. Das sind schreckliche Zahlen.
Weitaus schrecklicher ist allerdings die Gleichgültigkeit der Kirchen und Gemeinden heutzutage. Gerade da uns die Bibel auffordert, uns für die Schwachen einzusetzen:
Ein Psalm Asaphs. Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Mächtigen richtet er: »Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Person des Gottlosen ansehen? (Sela.) Schafft Recht dem Geringen und der Waise, den Elenden und Armen laßt Gerechtigkeit widerfahren! Befreit den Geringen und Bedürftigen, errettet ihn aus der Hand der Gottlosen!«(Psalm 82, 1 – 4)
»Warum fasten wir, und du siehst es nicht, warum kasteien wir unsere Seelen, und du beachtest es nicht?« — Seht, an eurem Fastentag geht ihr euren Geschäften nach und treibt alle eure Arbeiter an! Siehe, ihr fastet, um zu zanken und zu streiten und dreinzuschlagen mit gottloser Faust; ihr fastet gegenwärtig nicht so, dass euer Schreien in der Höhe Erhörung finden könnte. Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt wie ein Schilfhalm und sich in Sacktuch und Asche bettet? Willst du das ein Fasten nennen und einen dem Herrn wohlgefälligen Tag? Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: dass ihr ungerechte Fesseln losmacht, dass ihr die Knoten des Joches löst, dass ihr die Unterdrückten freilasst und jegliches Joch zerbrecht? Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte in dein Haus führst, dass, wenn du einen Entblößten siehst, du ihn bekleidest und dich deinem eigenen Fleisch nicht entziehst? (Jesaja 58, 3 – 7)
Die Schwächsten unserer Gesellschaft sind die Ungeborenen. Sie bedürfen am allermeisten unseres Schutzes. Sie haben keine eigene Stimme, um sich wehren oder auch nur zu Wort melden zu können. In einer zunehmend sozialistisch gestalteten Gesellschaft bekommt der Mensch seinen Wert nicht durch sein Menschsein, sondern durch den Wert, den er seiner Gesellschaft bringt. Sprich: Seiner Arbeit. Deshalb müssen Frauen auch weg von den Kindern, hin an den Arbeitsplatz, um einen von der Gesellschaft anerkannten Wert zu bekommen. Dies war bereits in der DDR so, und wird jetzt in der EUdSSR immer stärker vertreten. Es geht nicht mehr um Gleichberechtigung. Diese ist nur ein Vorwand, um möglichst viele Arbeiterinnen und Arbeiter für den Staat ausbeuten zu können. Und so sind es auch die Schwächsten und Kleinsten, denen ihr Wert als Menschen abgesprochen wird. Die Kranken und die Alten. Wo die Abtreibung eine so große Lobby hat, wird es nicht lange dauern, bis auch die Euthanasie eingeführt wird, damit am Ende nur noch die leben dürfen, welche der Gesellschaft einen größtmöglichen Nutzen bringen.
Alle Tiere sind gleich, nur manche Tiere sind gleicher.“ (George Orwell)

David und Bathseba

David und Bathseba

Vor langer Zeit in Israel
gab König David den Befehl
zum Kampf mit Ammon auszuziehen
und nicht vor ihnen her zu fliehen.
Der Feldherr Joab, ein treuer Krieger,
er hatte die Leitung, war bald Sieger.
Schon kam die Stadt Rabba als nächste dran,
auch hier zeigte Joab, was er kann.
Der König indes, er blieb zu Hause,
er gönnte sich eine Ruhepause.
Des Abends war er oft auf dem Dach
des Königspalastes, denn das war flach.
Er ging dort umher, und sinnte und dachte,
was denn wohl seine Nachbarschaft machte.
So sah er umher, und suchte Personen,
die in seiner direkten Umgebung wohnen.
Es waren nicht viele, die Männer beim Krieg;
noch immer vor Rabba, wann kam denn der Sieg?
Doch halt – da drüben beim nächtlichen Bade
eine Frau, die sich wusch und streckte gerade.
David konnt’ seinen Augen kaum trauen:
Warum war denn sie nicht unter seinen Frauen?
Er kannte sie nicht, doch er wollte sie haben
und sich an ihrem Körper erlaben.
So fragt’ er herum, wer sie denn wohl kenne,
bald fand er, dass man Bathseba sie nenne.
Da ließ er sie holen, auf sein Geländ’
und hatte dort seinen One-Night-Stand.
Nachdem sie hinter sich die heiße Nacht,
die sie zusammen haben verbracht,
da ging sie hinüber am nächsten Morgen –
doch siehe, sie war schwanger geworden.
Als nun der König dies hatte vernommen,
da ließ er vom Kampf den Urija kommen.
Er schickt’ ihn nach Hause zu seiner Frau,
denn sein Plan schien ihm unheimlich schlau.
Doch Urija wollte treu sein seinem Heer,
er schlief neben Davids Dienern her.
Auch in der zweiten Nacht, voll gutem Wein,
ging er nicht zu seiner Frau hinein.
So schrieb der König einen Brief
an Joab, den Feldherrn, und er rief
Urija, und ließ ihn Joab bringen.
Dort drin stand alles von den Dingen,
die David von Urija wollte:
dass er vorn ans Heer sich stellen sollte.
Der König wollte – ob man’s begreif –
den treuen Urija lieber dead als alive.
So geschah es also – Urija stand vorn –
das Kampfgetümmel in rasendem Zorn;
alsbald lag des Königs Opfer im Sande,
und ohne Schuld in seinem Lande
stand König David in seinem Palast,
als er diese neuen Infos erfasst.
Schon bald, als ihre Trauer zu Ende,
nimmt er Bathseba in seine vier Wände.
Doch kurz darauf kommt Nathan rein,
der sollte sein Berater sein,
ein Prophet von Gott gesandt.
So beginnt er auch gleich unverwandt,
und erzählt von zwei Personen,
die in derselben Ortschaft wohnen.
Der Eine reich, mit großen Herden
von Schafen, die alle sein genannt werden.
Der Andere, ein armer Mann,
der sich nicht mehr leisten kann,
als ein einzig Lämmlein klein,
das nahm er in sein Haus hinein.
Er zog es an seinem Tische groß,
und nachts schlief es in seinem Schoß.
Doch eines Tages war’s verschwunden:
Der Arme hat’s nie mehr gefunden.
Beim reichen Mann gibt’s leckeren Braten,
und das hatte der Arme wohl nie erraten,
ihn reuten die eigenen Schafe doch sehr,
er brauchte jedoch für Besuch zum Verzehr
ein Lamm – und da hat ihm doch gut gepasst,
dass der Arme eins hatte. Und er hat es gefasst.
Da rief der König David: Wehe!
Wenn ich den Reichen jemals sehe!
Der Mann, der solches hat getan,
ihm tue man dasselbe an,
was er dem Lamm hat zugefügt!
Wenn er den Armen so betrügt
und stiehlt von seinem Eigentum,
der hat kein Recht auf weitern Ruhm.
Da sah ihn Nathan an und sprach:
Der Mann bist du, und seine Schmach
Ist die Deine. Das ist der Grund,
weshalb ich heute zu dieser Stund’
zu dir gekommen im Namen des Herrn.
Er hat dir das Deine gegeben so gern.
Deinen Palast, die Herrschaft von Israel.
Doch dir reicht es nicht, denn du gingst fehl
und musstest das Fremde dir holen.
So hast du Urija bestohlen.
Erst seine Frau und dann sein Leben,
das alles konnt’ er dir nicht geben,
so hast du genommen, was nicht dein.
So spricht der Herr: Strafe muss sein!
Ewig steht gegen dein Haus das Schwert,
deinen Nachkommen deine Frauen nicht verwehrt.
Deine Familie stürzt du ins Verderben,
so muss dein Sohn von Bathseba sterben!
Da sieht der König, was er hat getan,
wie er seinen Nächsten stellte hintan
und kommt zu sich, gesteht seine Schuld.
Er sieht, wie lange Gott hatte Geduld,
und spricht: Ich habe gesündigt gegen Gott!
Mein Tun war gegen Ihn wie ein Spott!
Und als der Prophet von dannen gezogen,
da hat er seine Knie gebogen:
An Dir allein, HERR, hab ich gesündigt,
habe getan, was Du mir durch Nathan verkündigt.
Ich tat, was ist böse in Deinen Augen,
ich sehe, dass Sünden wirklich nichts taugen.
Wenn Du sprichst, Herr, so bist Du immer im Recht,
und wenn Du richtest, so bist Du gerecht.
Siehe, HERR, in Schuld bin ich geboren,
ohne Deine Güte und Gnad’ verloren.
Siehe, in Sünde wurde ich empfangen
von meiner Mutter, in Sünde nun gefangen
Siehe, nach Wahrheit steht Dein Verlangen,
Wahrheit im Innersten, das lässt mich bangen.
HERR, lass mich erkennen, was weise,
sag es mir im Verborgenen leise.
Reinige mich, HERR, von meinen Taten,
mit Ysop, der Du mich hast beraten.
Wasche mich, HERR, mit allem Fleiß,
damit wie Schnee ich werde weiß.
Lass mich hören Freudenschrei,
Jubel und noch mehr dabei,
damit meine zerschlagenen Glieder
in Jubel singen Dir Lieder.
Verbirg vor allen meinen Sünden,
HERR, Dein Angesicht, lass finden
mich in Deinen Augen Gnaden,
und lösche aus die Missetaten.
Ein reines Herz erschaffe mir
o Gott und einen Geist, der Dir
von Neuem fest will bleiben,
mein Inn’res zu Dir treiben.
O HERR, ich bitt’: Verwirf mich nicht
von Deinem teuren Angesicht.
Und den Geist Deiner Heiligkeit:
nimm Ihn nicht von mir im Streit.
Frei nach 2. Samuel 11 und 12 und Psalm 51
08. 02. 2013, Jonas Erne

Schutz des ungeborenen Lebens

Während in unserer Gesellschaft ziemlich weitgehend Konsens herrscht darüber, dass Mord etwas ist, was man verbieten sollte, sind die Grenzen dieser Verbote seit einiger Zeit deutlich aufgeweicht. Wir müssen sehen, dass es für einen Menschen, der wirklich an eine tierische Abstammung des Menschen glaubt und diesen Glauben konsequent vertritt, absolut keinen Grund gibt, irgend eine Form des Mordes zu verbieten. Der Mensch ist dann ein wertloses Zellmaterial, das zufällig gut zusammenfunktioniert und durch den Vorgang von Mutation und Selektion in guter Weise an die Umwelt angepasst ist. Noch etwas konsequenter gedacht dürfte ein Atheist überhaupt kein Gesetz zum Schutz des Lebens gutheißen, denn dadurch wird dieser Vorgang von Mutation und Selektion gebremst. Im Kampf um das Überleben kann nur der Stärkere, also der besser Angepasste und somit der „höher Mutierte“ das Fortbestehen der menschlichen Rasse gewährleisten. Somit würde ein immerwährendes gegenseitiges Abschlachten nur dafür sorgen, dass die Evolution des Menschen noch etwas schneller vonstatten geht. Oder der Mensch sich gegenseitig ganz aufreibt und dadurch beweist, dass es im Tierreich noch besser angepasste Rassen gibt?
Ein anderer Ansatz, der sich in vielen Köpfen und Seelen sehr tief festgesetzt hat, ist derjenige, dass der Wert eines Menschen abhängig sei von seiner Produktivität, also dem, was er leistet und damit der Gesellschaft zugute kommen lässt. Oder man nimmt völlig ohne jedwede sinnvolle Grundlage blind irgend etwas, womit man einem Menschenleben Wert und Würde „zusprechen“ kann, sei es die Fähigkeit, gezielt nachzudenken, die Kommunikationsfähigkeit, oder auch nur die Möglichkeit, außerhalb des Mutterleibs überleben zu können.
Wenn wir uns dieser Problematik jedoch von der Bibel herkommend nähern, so finden wir dort sehr detaillierte Aussagen dazu. Zunächst einmal ist der Wert des einzelnen Menschen weder null und nichtig wie dies nach evolutionistischer Sicht sein müsste, noch ist er vom Wert der Produktivität oder sonst irgend einer Leistung abhängig, sondern der Wert und die Würde des Menschen beruhen ganz einfach auf der Tatsache, dass der Mensch nach Gottes Plan und nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde. Nun stellt sich die Frage, ab welchem Moment dieser Wert und die Würde in Kraft treten. Hierauf gibt uns Psalm 139, 13 – 16 die Antwort:
Denn du hast meine Nieren geschaffen, du wobest mich in meiner Mutter Schoß. Ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht hast; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl! Mein Gebein war dir nicht verhohlen, da ich im Verborgenen gemacht ward, gewirkt tief unten auf Erden. Deine Augen sahen mich, als ich noch unentwickelt war, und es waren alle Tage in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten, als derselben noch keiner war.
Wir sehen also, dass für Gott das Leben mit dem Wert und der Würde eines Menschen, der nach Gottes Ebenbild geschaffen worden ist, bereits längst vor der Geburt beginnt. Dass auch der noch ungeborene Mensch in Gottes Augen so wertvoll ist, sehen wir auch an weiteren Stellen, ganz speziell gut im sogenannten mosaischen Gesetz. Dieses galt zu großen Teilen nur dem Volk Israel als konstitutives Gesetz und ich bin weit davon entfernt, dieses wieder erneut einsetzen zu wollen. Aber es gibt gewisse Dinge, die wir aus ihnen erfahren können, nämlich Prioritäten, die in Gottes Augen ganz speziell wichtig sind. Eines davon ist der Schutz des menschlichen Lebens. Wir lesen in Numeri 35, 9 – 11:
Und der HERR redete zu Mose und sprach: Sage den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Wenn ihr über den Jordan in das Land Kanaan kommt, sollt ihr Städte verordnen, die euch als Freistädte dienen, daß ein Totschläger, der eine Seele aus Versehen erschlägt, dorthin fliehe.
Wer also jemanden ohne Absicht tötet, darf versuchen, eine der sechs Freistädte zu erreichen und ist dort erst mal sicher vor der Rache, wer aber jemanden mit Absicht und ohne legalen Grund ermordet, soll Leben um Leben bezahlen. Dieses Prinzip, und das ist ganz wichtig zu wissen, dass Menschenleben durch Menschenleben gesühnt werden soll, stammt nicht erst aus dem mosaischen Gesetz. Vielmehr stammt das Gesetz aus dem Noachitischen Bund, also aus dem Bund, welchen Gott mit Noach geschlossen hat nach der Sintflut. Da alle Völker von Noach abstammen und damit unter dem Bund stehen, der durch das Zeichen des Regenbogens geschlossen wurde (und Gott versprach, dass es keine so alles umfassende Flut mehr geben solle), gelten diese Gebote auch heute noch uneingeschränkt für alle Völker. Sie sind nie aufgehoben worden. Und dort gibt es unter anderem das Gebot, dass jeder, der Menschenblut vergießt, dessen Blut durch Menschen vergossen werden soll. Genesis 9, 5 – 6:
Für euer Blut aber, für eure Seelen, will ich Rechenschaft fordern, von der Hand aller Tiere will ich sie fordern und von des Menschen Hand, von seines Bruders Hand will ich des Menschen Seele fordern. Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen nach seinem Bild gemacht.
Nun kommt aber etwas Interessantes. Während es möglich ist, nach dem unbeabsichtigten Mord an einem Menschen eine solche Freistadt aufzusuchen, gilt das in einem ganz bestimmten Fall nicht mehr. Lesen wir nach in Exodus 21, 22 – 25:
Wenn Männer sich zanken und stoßen eine schwangere Frau, so daß eine Frühgeburt entsteht, aber sonst kein Schade, so muß eine Geldstrafe erlegt werden, wie sie der Ehemann des Weibes festsetzt; und man soll sie auf richterliche Entscheidung hin geben. Wenn aber ein Schaden entsteht, so sollst du ihn ersetzen; Seele um Seele, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Beule um Beule.
Hier sieht man, dass dem noch ungeborenen Kind mindestens derselbe Wert zugemessen wird wie seiner Mutter. Ich schreibe bewusst „mindestens“, denn bei genauerem Hinsehen hätte der Mörder, der unabsichtlich eine erwachsene Person (wie zum Beispiel die Mutter, wenn sie nicht schwanger wäre) tötet, das Recht, in eine der Freistädte zu fliehen. Wenn er nun aber eine schwangere Frau mit ihrem Kind oder auch nur das Kind in ihr tötet, wird er sofort bestraft, und zwar so, als ob seine Tat beabsichtigt gewesen wäre. Dies zeigt uns, welchen Wert Gott dem ungeborenen Leben eines jungen Menschen zumisst. Und da wir uns als Christen nach Gottes Wort ausrichten sollen, haben wir auch die Pflicht, darauf hinzuarbeiten, dass in unserer Gesellschaft Gottes Wille geschieht. So oft wir beten: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ geben wir Gott auch das Versprechen, daran mitzuarbeiten, dass dies geschieht. So ist es ein äußerst wichtiger Punkt, dass wir uns für das Leben der Menschen einsetzen. Und zwar für alles Leben, dem Gott seinen Wert gibt, dadurch, dass Er es erschafft. 
 
Die Geschichte der staatlichen Abtreibungsmaschinerie begann 1974 in Deutschland. Zunächst wurde sie lediglich legalisiert. Sobald man aber begann, diese Maschinerie durch die gesetzliche Krankenkasse zu finanzieren, kam es zu massivem Zuwachs. Inzwischen werden jährlich ungefähr 120’000 ungeborene Babies auf brutalste Weise umgebracht. Die Kosten, welche dadurch entstehen, betragen rund 50 Millionen Euros jährlich und werden natürlich von den öffentlichen Mitteln (sprich: den Steuern der Arbeiter) finanziert. Ein erster Schritt kann deshalb durchaus schon einmal die Privatisierung der Abtreibung sein. Dadurch müssen Menschen, die ihre Kinder „wegmachen“ wollen, zuerst mal selbst in die Tasche greifen. Dann sollte aber nach Möglichkeit auch darauf hingearbeitet werden, dass solcher Mord gesetzlich auch tatsächlich als Mord bezeichnet und als solcher geahndet wird. Denn für den Schutz des Lebens ist doch eigentlich eine Staatsregierung da. Oder etwa nicht?