Günter Rohrmoser zur Abtreibung

Die folgenden Zitate stammen aus Rohrmosers Buch “Der Ernstfall” (2. Auflage von 1996). Es ist bedrückend, auf die rund 20 Jahre seit der Veröffentlichung zurückzublicken und zu sehen, wie recht er damals hatte und wie sehr sich dies inzwischen verschärft hat.

“Der Deutsche Bundestag hat 1992 mit der Unterstützung von Bundestagsabgeordneten der CDU eine Regelung herbeigeführt, die man euphemistisch “Fristenlösung” nennt. […] Diese sogenannte Fristenlösung wird also nur möglich werden, weil der schlichte Sachverhalt, dass es sich um willkürliche Tötung eines unschuldigen menschlichen Lebens – aus welchen subjektiven Gründen auch immer – handelt, sprachlich verschleiert wurde. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wird eine bewusst und gezielt auf die Tötung eines anderen gerichtete Handlung sogar Mord genannt. Die Abtreibungsproblematik ist keine Frage der christlichen Moral oder der Moral überhaupt. Es ist auch keine Frage der sogenannten “Werte”. Werte kann man um anderer Werte willen verneinen. Man kann sie um angeblich übergeordneter Werte oder um abweichender anderer Werte willen außer Kraft setzen. Der Streit um die “Werte” ist unlösbar. Wenn ich aus dem ungeborenen Leben einen Wert mache, kann ich diesen Wert natürlich bestreiten – aber mit fürchterlichen Folgen für das ungeborene Leben. Das ungeborene Leben ist eben kein Wert, sondern wirkliches Leben.” (S. 155)

“Wir haben inzwischen – ähnlich wie in der Weimarer Republik – ein weitgehend positivistisches Verständnis vom Rechtsstaat. Das bedeutet, dass wir alles für Recht halten, was der Gesetzgeber nach Erfüllung bestimmter Kriterien zum Recht erklärt. Wir wissen aber, dass die Weimarer Republik an dieser positivistischen Rechtsauffassung mit zugrunde gegangen ist. Wir hatten uns nach 1945 vorgenommen, die sittliche Idee oder sittliche Substanz des Rechts anzuerkennen, weil wir in den zwölf Jahren des Nationalsozialismus die Erfahrung mit der Verneinung des Rechts gemacht haben. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen wusste nach 1945, dass sich dies nicht wiederholen dürfe. Jeder wusste, dass die Idee des Rechts die Anerkennung des Lebensrechts eines jeden einzelnen einschloß und dass dies eine sittliche Notwendigkeit war, wenn das deutsche Volk aus dieser schrecklichsten Zeit seiner Geschichte eine Lehre ziehen wollte. Wir stehen heute an dem Punkt, an dem wir das offenbar vergessen haben.” (S. 155f)

“Durch die Höherbewertung des Selbstbestimmungsrechts der Frau wird das Kind automatisch zu einem nicht vernichtungswürdigen, aber doch vernichtungsfähigen Unwert. […] Deshalb ist es auch ein Irrtum anzunehmen, dass diese neue Regelung frauenfreundlich sei. […] Jede Frau, die in Zukunft ein Kind austragen will, muss sich dann vor ihrer gesamten Umgebung rechtfertigen, weshalb sie nicht bereit ist, das Erlaubte und vielleicht von den anderen Geforderte zu tun. Vor der Liberalisierung der Abtreibung konnte sie die geballte Macht des Rechtsstaats anrufen, um sich dieses Drucks zu erwehren. Heute steht sie mutterseelenallein vor ihren Bedrängern.” (S. 167f)

Was haben wir eigentlich noch zu bieten?

Der Heidelberger Katechismus beginnt mit der Frage: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“

Die richtige Antwort darauf lautet:
„Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir,
 sondern meinem getreuen Heiland
 Jesus Christus gehöre. Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.“ (Quelle)
Diese Worte sind mir in den letzten Tagen immer wieder ganz nahe gegangen. Besonders auch im Hinblick auf die tragischen Momente unserer Zeit. Die Germanwings-Maschine, die abgestürzt ist. Die Unsicherheit über die Absturzursache. Die Medienberichte dazu. Und so weiter.
Jesus sagte einmal: So fürchtet euch nun nicht vor ihnen! Denn es ist nichts verdeckt, das nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, das man nicht erfahren wird. Was ich euch im Finstern sage, das redet im Licht, und was ihr ins Ohr hört, das verkündigt auf den Dächern! Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle! Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Groschen? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge. Jeder nun, der sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel.(Matthäus 10, 26 – 33)
Mal ganz provokativ gefragt: Wenn schon kein Spatz vom Himmel fällt, ohne dass Gott das zulässt, warum sollte das dann bei einer Germanwings-Maschine mit 150 Ebenbildern Gottes der Fall sein?
Haben wir Angst vor der Antwort auf diese Frage? Wenn ja, warum? Haben wir Angst davor, dass sie unseren Kirchen und Gemeinden schlechte Publicity bringen könnte? Die Botschaft von Ostern ist doch (unter anderem) auch: Gott ist fähig, das schrecklichste Unrecht und die schlimmste jemals begangene Sünde zur besten, freudigsten und hoffnungsvollsten Botschaft zu machen.
Doch was passiert, wenn wir mit dieser Botschaft hinterm Berg bleiben und sie unter den Eimer stellen? Die Menschen, welche jetzt diese Hoffnung am nötigsten haben, werden allein gelassen. Ihre Geschichten werden von den Medien zerrissen. Hier und dort gibt es dann eine (durchaus berechtigte) Medienschelte. Aber ist das alles, was wir noch zu bieten haben?
Wenn das tatsächlich alles sein sollte, dann brauchen wir keine Gemeinde und keine Kirche mehr. Dann brauchen wir kein Weihnachten und Ostern mehr. Medienschelte hat die Welt ebenso gut gelernt wie die Kirche. Vermutlich besser.
Es ist einmal mehr an der Zeit, dass wir Christen uns ganz ernsthaft fragen, ob wir die erste Frage im Heidelberger Katechismus ganz ehrlich so beantworten können:
Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir,
 sondern meinem getreuen Heiland
 Jesus Christus gehöre. Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.“
Die Botschaft Jesu hat nicht nur Auswirkungen auf unser Leben (das natürlich auch!!!), sondern auch auf unser Sterben. Und bei jedem Menschen wird es früher oder später so weit sein. Da brauchen wir uns gar nichts vorzumachen oder einzureden. Und spätestens dann wird sich die Frage stellen: Was war und ist die Hoffnung dieser Person?

Dietrich Bonhoeffer – Gemeinsames Leben

Dietrich Bonhoeffer – Gemeinsames Leben
Die letzten 10 Tage habe ich in kleinen Häppchen das Buch „Gemeinsames Leben“ von Dietrich Bonhoeffer gelesen. Es ist ein wahrer Genuss. Meine Ausgabe stammt von 1955 und wurde im Chr. Kaiser Verlag München gedruckt. Nachfolgend ein paar der besonderen Leckerbissen:
Von der christlichen Gemeinschaft
“Christliche Gemeinschaft heißt Gemeinschaft durch Jesus Christus und in Jesus Christus. Es gibt keine christliche Gemeinschaft, die mehr, und keine, die weniger wäre als dieses. Von der kurzen einmaligen Begegnung bis zur langjährigen täglichen Gemeinschaft ist christliche Gemeinschaft nur dieses. Wir gehören einander allein durch und in Jesus Christus.
Was heißt das? Es heißt erstens, dass ein Christ den anderen braucht um Jesu Christi willen. Es heißt zweitens, dass ein Christ zum anderen nur durch Jesus Christus kommt. Es heißt drittens, dass wir in Jesus Christus von Ewigkeit her erwählt, in der Zeit angenommen und für die Ewigkeit vereinigt sind.” (S. 8)
Von der seelischen und der geistlichen Liebe
“Seelische Liebe ist ihrem Wesen nach Begehren, und zwar Begehren nach seelischer Gemeinschaft. So lange sie dies Begehren noch irgendwie befriedigen kann, wird sie es nicht aufgeben, auch um der Wahrheit willen nicht, auch um der wahren Liebe zum Anderen willen nicht. Wo sie aber für ihr Begehren keine Erfüllung mehr erwarten kann, dort ist sie am Ende, nämlich beim Feind. Hier schlägt sie um in Hass, Verachtung und Verleumdung.
Eben hier ist aber auch der Ort, an dem die geistliche Liebe anfängt. Darum wird die seelische Liebe zum persönlichen Hass, wo sie der echten geistlichen Liebe begegnet, die nicht begehrt, sondern dient. Seelische Liebe macht sich zum Selbstzweck, zum Werk, zum Götzen, den sie anbetet, dem sie alles unterwerfen muss. Sie pflegt, sie kultiviert, sie liebt sich selbst und sonst nichts auf der Welt. Geistliche Liebe aber kommt von Jesus Christus her, sie dient ihm allein, sie weiß, dass sie keinen anderen unmittelbaren Zugang zum anderen Menschen hat. Christus steht zwischen mir und dem Andern. Was Liebe zum Andern heißt, weiß ich nicht schon im Voraus aus dem allgemeinen Begriff von Liebe her, der aus meinem seelischen Verlangen erwachsen ist, – das alles mag vielmehr vor Christus gerade Hass und böseste Selbstsucht sein, – was Liebe ist, wird mir allein Christus in seinem Wort sagen.” (S. 18f)
Vom Wert der täglichen Losung
“Wir sind fast alle mit der Meinung groß geworden, es handle sich in der Schriftlesung allein darum, das Gotteswort für den heutigen Tag zu hören. Darum besteht die Schriftlesung bei Vielen nur aus einigen kurzen, ausgewählten Versen, die das Leitwort des Tages ausmachen sollen. Es ist nun kein Zweifel, dass etwa auf den Losungen der Brüdergemeinde für alle, die sie gebrauchen, bis zur Stunde ein wirklicher Segen liegt. Gerade in den Kampfzeiten der Kirche ist das vielen zu ihrem großen und dankbaren Erstaunen aufgegangen. Aber es kann ebensowenig ein Zweifel darüber bestehen, dass kurze Leit- und Losungsworte nicht an die Stelle der Schriftlesung überhaupt treten können und dürfen. Die Losung für den Tag ist noch nichtz die Heilige Schrift, die durch alle Zeiten hindurch bis in den jüngsten Tag bleiben wird. Die Heilige Schrift ist mehr als Losung. Sie ist auch mehr als “Brot für den Tag”. Sie ist Gottes Offenbarungswort für alle Menschen, für alle Zeiten. Die Heilige Schrift besteht nicht aus einzelnen Sprüchen, sondern sie ist ein Ganzes, das als solches zur Geltung kommen will.” (S. 30f)
Gottes Wort, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinde
“Gottes Wort, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinde stehen am Anfang des Tages. Erst wenn die Gemeinschaft mit dem Brote des ewigen Lebens versorgt und gestärkt worden ist, vereinigt sie sich, um von Gott das irdische Brot für dieses leibliche Leben zu empfangen. Danksagend und um Gottes Segen bittend nimmt die christliche Hausgemeinde das tägliche Brot aus der Hand des Herrn. Seit Jesus Christus mit seinen Jüngern zu Tische saß, ist die Tischgemeinschaft seiner Gemeinde durch seine Gegenwart gesegnet.” (S. 42)
Einsam in der unchristlichen Umwelt
“Jeder Tag bringt dem Christen viele Stunden des Alleinseins mitten in einer unchristlichen Umwelt. Das ist die Zeit der Bewährung. Das ist die Probe auf eine rechte Meditationszeit und auf eine rechte christliche Gemeinschaft. Hat die Gemeinschaft dazu gedient, den einzelnen frei, stark und mündig zu machen, oder hat sie ihn unselbständig und abhängig gemacht? Hat sie ihn eine Weile an die Hand genommen, damit er wieder lernt, eigene Schritte zu tun, oder hat sie ihn ängstlich und unsicher gemacht? Das ist eine der ernstesten und schwersten Fragen an jede christliche Lebensgemeinschaft. Weiter wird sich hier entscheiden, ob die Meditationszeit den Christen in eine unwirkliche Welt geführt hat, aus der er mit Schrecken erwacht, wenn er wieder in die irdische Welt seiner Arbeit hinaustritt, oder ob sie ihn in die wirkliche Welt Gottes geführt hat, aus der er gestärkt und gereinigt in den Tag hineingeht?” (S. 59)
Von der Demut
“Wer lernen will zu dienen, der muss zuerst lernen, gering von sich selbst zu denken. “Niemand halte weiter von sich, denn sich gebührt zu halten” (Röm. 12, 3) “Sich selbst recht kennen und gering von sich denken zu lernen, das ist die höchste und nützlichste Aufgabe. Nichts aus sich selber machen und dabei stets von anderen eine gute Meinung haben, das ist große Weisheit und Vollkommenheit” (Thomas a Kempis). “Haltet euch nicht selbst für klug” (Röm. 12,17). Nur wer aus der Vergebung seiner Schuld in Jesus Christus lebt, wird in rechter Weise gering von sich denken, der wird wissen, dass seine Klugheit hier ganz an ihr Ende kam, als Christus ihm vergab, der erinnert sich der Klugheit der ersten Menschen, die wissen wollten, was gut und böse ist und in dieser Klugheit umkamen. Der erste aber, der auf dieser Erde geboren wurde, war Kain, der Brudermörder. Das ist die Frucht der Klugheit des Menschen. Weil der Christ nicht mehr sich selbst für klug halten kann, darum wird er auch von seinen Plänen und Absichten gering denken, er wird wissen, dass es gut ist, dass der eigene Wille gebrochen wird in der Begegnung mit dem Nächsten. Er wird bereit sein, den Willen des Nächsten für wichtiger und dringlicher zu halten als den eigenen. Was schadet es, wenn der eigene Plan durchkreuzt wird? Ist es nicht besser, dem Nächsten zu dienen, als den eigenen Plan durchzusetzen?” (S. 64)
Keiner zu gut, dem Nächsten zu dienen
“Keiner ist für den geringsten Dienst zu gut. Die Sorge um den Zeitverlust, den eine so geringe und äußerliche Hilfeleistung mit sich bringt, nimmt meist die eigene Arbeit zu wichtig. Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich, durchkreuzen, indem er uns Menschen mit ihren Ansprüchen und Bitten über den Weg schickt. Wir können dann an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages, wie der Priester an dem unter die Räuber Gefallenen vorüberging, vielleicht – in der Bibel lesend. Wir gehen dann an dem sichtbar in unserem Leben aufgerichteten Kreuzeszeichen vorüber, das uns zeigen will, dass nicht unser Weg, sondern Gottes Weg gilt. Es ist eine seltsame Tatsache, dass gerade Christen und Theologen ihre Arbeit oft für so wichtig halten, dass sie sich darin durch nichts unterbrechen lassen wollen. Sie meinen damit Gott einen Dienst zu tun, und verachten dabei den ‘krummen und doch geraden Weg’ Gottes (Gottfried Arnold). Sie wollen von den durchkreuzten Menschenweg nichts wissen. Es gehört aber zur Schule der Demut, dass wir unsere Hand nicht schonen, wo sie Dienst verrichten kann, und dass wir unsere Zeit nicht in eigene Regie nehmen, sondern sie von Gott füllen lassen.” (S. 67f)
Vom Wert der Beichte
“In der Beichte geschieht der Durchbruch zur Gemeinschaft. Die Sünde will mit dem Menschen allein sein. Sie entzieht ihn der Gemeinschaft. Je einsamer der Mensch wird, desto zerstörender wird die Macht der Sünde über ihn, und je tiefer wieder die Verstrickung, desto heilloser die Einsamkeit. Sünde will unerkannt bleiben. Sie scheut das Licht. Im Dunkel des Unausgesprochenen vergiftet sie das ganze Wesen des Menschen. Das kann mitten in der frommen Gemeinschaft geschehen. In der Beichte bricht das Licht des Evangeliums in die Finsternis und Verschlossenheit des Herzens hinein. Die Sünde muss ans Licht. Das Unausgesprochene wird offen gesagt und bekannt. Alles Heimliche und Verborgene kommt nun an den Tag. Es ist ein harter Kampf, bis die Sünde im Geständnis über die Lippen kommt. Aber Gott zerbricht eherne Türen und eiserne Riegel (Ps. 107, 16). Indem das Sündenbekenntnis im Angesicht des christlichen Bruders geschieht, wird die letzte Festung der Selbstrechtfertigung preisgegeben. Der Sünder liefert sich aus, er gibt all sein Böses hin, er gibt sein Herz Gott, und er findet die Vergebung all seiner Sünde in der Gemeinschaft Jesu Christi und des Bruders.” (S. 77f)

Geschaffen zur Ehre Gottes

Geschaffen zur Ehre Gottes
Und nun, so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, so will ich bei dir sein, und wenn durch Ströme, so sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du durchs Feuer gehst, sollst du nicht versengt werden, und die Flamme soll dich nicht verbrennen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Erretter! Ich habe Ägypten hingegeben als Lösegeld für dich, Kusch und Saba an deiner Stelle. Darum, weil du kostbar bist in meinen Augen [und] wertgeachtet, und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben. Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir. Ich will deinen Samen vom Osten herführen und dich vom Westen her sammeln. Ich will zum Norden sagen: Gib heraus! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bringe meine Söhne aus der Ferne herbei und meine Töchter vom Ende der Welt, einen jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen habe, den ich gebildet und gemacht habe. (Jesaja 43, 1 – 7)
Einleitung
Wenn wir als Christen davon ausgehen, dass Gott alles geschaffen hat, was in dieser Welt ist, dann gibt es für unser Leben zwei Fragen, die uns unbedingt betreffen. Dies sind dann die zwei wichtigsten Fragen, die sich jemals irgend ein Mensch stellen kann.
1. Wozu oder wofür hat Gott dieses alles geschaffen und wohin wird alles gelenkt?
2. Was können wir tun, um im Einklang mit diesem Ziel zu leben?
Wenn wir einfach drauflos leben und uns diese Fragen nicht stellen, so kann es recht schnell passieren, dass wir entgegen diesem Ziel leben und deshalb mit unserem Leben in ernsthaften Konflikt geraten mit der Weltherrschaft Gottes. 
 
1. Fürchte dich nicht
a. Die Situation Israels
Wir wollen in unserem Text die Antworten auf diese Fragen suchen und auch finden. Bevor wir uns auf diese Suche machen, tun wir gut daran, uns zu fragen, in welcher Zeit und welcher Situation Gott dies durch den Propheten Jesaja hat verkünden lassen.
Auffällig ist der Beginn der Rede Gottes, nämlich dieses „Fürchte dich nicht!“. Dieser Befehl findet sich 365 Mal in der Bibel – manche Prediger haben schon gesagt, es sei deshalb für jeden Tag im Jahr ein solches „Fürchte dich nicht!“.
Der Prophet Jesaja war in den Jahren von 740 – 680 vor unserer Zeit-rechnung Gottes Prophet im israelischen Südreich Juda. Im Jahre 738 hat der assyrische König Tiglat-Pileser einen Feldzug begonnen. Nachdem die ersten Städte eingenommen worden waren, haben sich verschiedene Staaten zu einer Koalition zusammengeschlossen, um sich dagegen zu wehren. Das Land Juda unter dem König Ahas nicht. So wurde Juda von dieser Koalition als Feind betrachtet. Im 7. Kapitel des Jesaja-Buches lesen wir, dass Gott das Volk Juda durch Jesaja warnte, eine falsche Koalition mit Ungläubigen einzugehen. Gott wollte die Menschen selbst verteidigen, damit Sein Name weit herum bekannt gemacht wird.
Die Predigten von Jesaja sind also in einer verzweifelten Situation entstanden. Von allen Seiten wurde das Volk bedrängt: Vom großen Staat Assyrien, von der Koalition, die rings um es her lebte, und so weiter.
b. Es gibt keine hoffnungslose Situation
Die wichtigste Aussage in unserem Text ist die Aufforderung, sich nicht zu fürchten. Dann wird später aufgezeigt, was Menschen so alles nutzen können, um einem zu schaden. Sogar die natürlichen Gewalten des Wassers und des Feuers können sie missbrauchen, um einen zu ertränken oder zu verbrennen. Damit sind nur die letzten und äußersten Methoden genannt. Hoffnungslosigkeit beginnt oft auf eine viel subtilere Art. Vielleicht betest du seit Jahren für dein Kind, dass es gläubig werden möge, und alles, was du siehst, deutet auf das Gegenteil hin. Vielleicht betest du für deine Arbeit, dass der Chef das sieht, was du tust, und mehr Verständnis zeigt, aber alles, was du sehen kannst, ist zunehmendes Unverständnis von seiner Seite her. Oder vielleicht hast du mit einem Mitmenschen ein angespanntes Verhältnis und wünschst dir darin mehr Klarheit, doch die gesamte Situation läuft auf das Gegenteil hinaus. So ähnlich – nur in deutlich größerem Ausmaß – erging es Juda und seinen Königen damals, in der Zeit, als Jesaja lebte.
c. Gott möchte in deinem Leben sichtbar sein
Gott wollte, dass Juda keine ungöttlichen Allianzen mit Völkern ein-geht, die nicht an den Gott Abrahams glauben. Gott wollte dem Volk selbst beistehen, damit Sein Name unter den fremden Völkern be-kannt und genannt würde. So bringt Gott manchmal auch in unser Leben hinein schwierige Situationen, die uns fast ausweglos scheinen und möchte, dass wir mit Seiner Kraft und mit Seiner Geduld und mit Seiner Hilfe an das Ziel kommen. Gott sagt heute zu dir: Fürchte dich nicht! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! Welch ein wundervolles Versprechen ist das doch.
2. Weil du kostbar bist in Gottes Augen
a. Gott hat dich gewollt
Und dann fährt dieser Gott, der das ganze Universum geschaffen hat, fort: Darum, weil du kostbar bist in meinen Augen [und] wert-geachtet, und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben. Wenn Gott uns also in so einer Situation hilft, die für uns hoffnungslos aussieht, dann tut Er das nicht weil wir es irgendwie verdient hätten oder weil wir genügend gute Taten voll-bracht haben. Der einzige Grund, weshalb Gott Sich überhaupt dafür interessiert, uns zu helfen, ist Seine Liebe. Weil Gott dich genau so geschaffen und gewollt hat wie du bist. Mit deinen Stärken, aber auch mit deinen Grenzen. Weil Er für dich einen Plan hat und dich für Sich gebrauchen möchte. Auf diese Weise spricht Gott dich an: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Wenn du jemanden beim Namen rufst, dann bedeutet das, dass du die Person kennst und dass sie dir etwas bedeutet. So sagt Gott: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Ich kenne dich. Ich weiß, wie es dir geht und in welcher Situation du gerade feststeckst. Die Menschen können dir manches antun, aber egal was passiert, Ich bin bei dir, denn du bist mein Eigentum, dich habe ich gewollt und genau so wie ich dich wollte, habe ich dich geschaffen.
b. Gott hat dich wertvoll geschaffen
So sagt uns der Psalmist im Psalm 139 auch: Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Es war dir mein Gebein nicht verborgen, / als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. (Psalm 139, 13 – 16)
Ich danke dir Gott, sagt er, dass ich wunderbar gemacht bin. Wow. Hast du dir heute schon Zeit genommen, um Gott danke zu sagen, dass Er dich so wunderbar geschaffen hat? Es passiert so schnell, dass uns all das Gute, was Gott uns auf den Weg mitgegeben hat, so selbstverständlich wird, dass uns nur noch das auffällt, worüber wir uns beklagen können. Wir wären gern perfekt, weil wir es nicht mögen, auf einander angewiesen zu sein.
c. Gott hat dich freigekauft
Gott hat dich also gewollt und nach Seinem Plan geschaffen. Weil wir aber alle immer wieder daran versagen, nach diesem Plan Gottes für unser Leben zu leben, fangen wir an, an unserem Wert zu zweifeln. Man hat einmal ausgerechnet, wenn man den Körper eines durch-schnittlichen Menschen in seine Bestandteile zerlegt, hat alles zu-sammen einen Wert von 3,75€. Wenn man alle Organe komplett im Organhandel verschachert, so kann man damit knapp 45 Millionen Euro verdienen. Der Unterschied ist schon gewaltig. Aber wenn man dann noch einen Schritt weiter geht und das Ganze aus Gottes Sicht anschaut, kann man nur staunen. Gott beginnt mit den Worten: Du bist kostbar in Meinen Augen. Das sagt der Gott, welcher alle diese Kostbarkeiten geschaffen hat, die wir auf der Erde kennen. Alles Gold und Silber, alle teuren Edelsteine, Diamanten, und so weiter, hat Gott geschaffen. Und Er sagt jetzt zu dir: Weil du kostbar bist in Meinen Augen.Dieser Gott, der alles geschaffen hat, der hat Sich Selbst geopfert, damit du den Wert bekommst, den Er für dich will. Unbezahlbar. Selbst mit allem Geld auf dieser Welt, selbst mit der Weltherrschaft, selbst mit dem Wert von allen Sternen des ganzen Universums kann man nicht den Wert ausdrücken, den du von Gott bekommen hast, weil Er dich liebt und erlöst hat.
3. Zu Gottes Ehre geschaffen
a. Vom Turmbau Babels zur Verheißung an Abraham
Und dann gibt uns Gott den Grund an, weshalb Er uns geschaffen hat: jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen habe, den ich gebildet und gemacht habe.Ich will dazu anhand des ersten Buches Mose etwas zeigen. Im Kapitel 11 von diesem Buch lesen wir vom Turmbau zu Babel. Dort sehen wir, dass die Menschen einen Turm bauen wollten, der so groß ist, dass er bis zu Gott in den Himmel hinauf reichen soll. Warum taten sie das? Wir lesen das in Vers 4: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen(1. Mose 11,4) Damit wir uns einen Namen machen. Das war der Grund, weshalb dieser Turm gebaut werden sollte. Und es war auch der Grund, weshalb Gott ein Nein dazu hatte.
Menschen tun vieles, um bekannt zu werden, um sich selbst groß und gut fühlen zu können, um sich einreden zu können, dass sie etwas geleistet haben. Nachdem Gott in Babel die Sprachen durcheinander gebracht hatte, wendet sich das Bild und wir kommen zum Kapitel 12, wo uns etwas ebenso Interessantes begegnet: Wir finden uns plötzlich in Ur in Chaldäa und kommen zu Abram, dem Gott befiehlt, aus seiner Verwandtschaft hinauszugehen, damit nämlich etwas geschehen kann: Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.(1. Mose 12,2) Im Kapitel 11 haben wir Menschen, die sich selbst einen großen Namen machen wollen, die stolz sind, die sich auf ihre eigene Leistung verlassen wollen. Und in Kapitel 12 sind wir bei einem Mann, der demütig Gottes Willen tut, damit Gott ihm einen großen Namen geben kann.
b. Gott möchte, dass Er bekannt wird – durch dich
Gott hatte bei Israel immer mal wieder schwierige Situationen zugelassen, damit Er das Volk aus den Schwierigkeiten retten konnte und dadurch unter den anderen Völkern als der rettende Gott Israels bekannt wurde. So geschieht es auch in unserem Leben. Wenn uns die Geduld fehlt, möchte Gott sie geben. Wenn uns die Kraft fehlt, so dürfen wir sie aus den Zeiten der Gemeinschaft mit Gott beziehen. Gott möchte bekannt gemacht werden – durch dich. Durch dein Leben, dein Verhalten, und so weiter. Zu Gottes Ehre leben, das heißt, dass wir mit unserem Leben Gottes Größe, Liebe und Kraft bekannt machen.
c. Geschaffen für gute Taten
So sagte der Herr Jesus in der Bergpredigt: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Matthäus 5, 14 – 16) und Paulus führt dazu weiter aus: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.(Epheser 2, 8 – 10)
Paulus hat die Worte Jesu ausgelegt, indem er sagte, dass unser gutes Verhalten nichts zu unserer Erlösung beitragen kann, aber dass Gott schon im Voraus die guten Werke vorbereitet hat, durch die Er in unserem Leben sichtbar werden möchte. Das gibt uns eine geniale Freiheit: Gott hat diese Sachen vorbereitet, Er wird sie uns zeigen und dann dürfen wir sie tun und der Erfolg wird langfristig die Ehre Gottes sein – also genau das, wozu Gott uns geschaffen hat.
Die Frage, die sich uns zum Schluss stellt, ist folgende: Wenn das, was wir tun, zu Gottes Ehre getan werden soll, wie können wir denn unterscheiden, ob unsere Taten zu Gottes Ehre oder zu unserer Ehre geschehen? Ich möchte euch die Frage mit auf den Weg geben und später dieses Jahr noch einmal darauf zurück kommen.
Schluss
Wir sehen also, dass Gott uns zu Seiner Ehre geschaffen hat, uns ganz genau so wollte, uns durch und durch liebt und beisteht und schon im Voraus einiges vorbereitet hat, was wir anderen Menschen Gutes tun können. Er wünscht sich, durch unser Leben unter den Menschen bekannt zu werden, dadurch, dass wir das tun, was Er in unserem Leben für uns vorbereitet hat.
Hier geht es zum Predigt-Archiv, wo dies auch als MP3 angehört werden kann.

Ein trauriges Jubiläum

Ein trauriges Jubiläum – Gedanken zu 40 Jahren Roe v. Wade

Heute vor 40 Jahren, am 22. Januar 1973, wurde mit dem Gerichtsurteil Roe v. Wade ein Urteil mit großem Ausmaß gefällt. Obwohl dieses Urteil nur in den Vereinigten Staaten direkte Auswirkungen hatte, wurden dadurch viele Entscheidungen in anderen Ländern getroffen, deren Ergebnisse sich als ähnlich schrecklich erweisen.
Doch was war Roe v. Wade genau? Es war das Grundsatzurteil, welches vom US-amerikanischen Supreme Court (dem obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten) gefällt worden war in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche. Es war eine der Entscheidungen, welche in den USA „landmark court decision“ genannt wird, weil dadurch das bisherige Gesetz geändert und dadurch die amerikanische Verfassung neu interpretiert werden muss. Dieser Fall in den USA wurde derart groß aufgerollt, dass dadurch die Diskussion in zahlreichen anderen Ländern auch angestoßen wird.
Durch das Urteil des obersten Gerichtshofes wurde ein neuer Standard in Bezug auf den Schutz des menschlichen Lebens gesetzt, weil dadurch festgelegt wurde, dass ab sofort der Teil des Lebens vor der Geburt nicht mehr unter dem Schutz des Staates stehen soll. Doch eigentlich hätte dieser genau diesen Auftrag, nämlich das Leben zu schützen.
Dass es Schwangerschaftsabbrüche gibt, ist nichts Neues. Es gab sie schon immer, könnte man sagen. Dass nun aber der Staat durch ein Gerichtsurteil den Schutz des Lebens aufhebt und damit den Menschen freie Hand gibt in dem, was sie mit anderen Menschen machen, das ist das Unerhörte an der ganzen Sache. Homo hominem lupus est, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, so sagte man bereits in der Antike. Und hier wird der Fanatismus des Menschen gegen andere Menschen so deutlich, dass man es eigentlich nicht zu erwähnen brauchte. Aber die Änderung eines Gesetzes bewirkt über kürzere oder längere Frist auch eine Veränderung der Moral der Gesellschaft.
Plötzlich wird das Leben neu definiert. Das Leben ist nicht mehr das Leben, nein, es ist nur dann ein Leben, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Es ist dann Leben, wenn seit der Befruchtung der Eizelle eine bestimmte Zeit verstrichen ist. Es ist nur dann Leben, wenn es gesund ist. Und hier kommen wir an eine Grenze, denn wer kann Gesundheit definieren? Wer kann Unversehrtheit des Lebens definieren? Wer hat das Recht dazu?
Das Recht dazu hat eigentlich allein Gott. Und Er definiert das Leben recht klar in Seinem Wort. Wir tun gut daran, dieses ernst zu nehmen und danach zu handeln – und ebenso auch, unsere eigene Definition davon abhängig zu machen. Deshalb fragen wir heute, was Er dazu zu sagen hat. Doch zunächst wollen wir uns noch die Auswirkungen von Roe v. Wade betrachten. Das Ergebnis des Gerichtsprozesses von Roe v. Wade hat zunächst einmal als Vorbild für viele andere Staaten fungiert. Man muss sehen, dass die USA lange Zeit als eher konservativer Staat betrachtet wurden. Und wenn ein solcher Staat schon eine derart tiefgreifende Veränderung des Gesetzes, sowie eine Neuinterpretation der Verfassung wollte, so war dies ein Grund für viele andere Länder, sich darüber auch Gedanken zu machen. So gab es immer mehr Änderungen, die zu einem Ausmaß an Schwangerschaftsabbrüchen führte, die unvorstellbar ist. Allein hier in Deutschland werden jedes Jahr zwischen 100’000 und 110’000 Babies abgetrieben. Das sind ca. 13% aller Schwangerschaften. Weltweit sind es jährlich ungefähr 42’000’000 Babies. Um sich diese Zahl besser vorstellen zu können: Deutschland hat 82’000’000 Einwohner. Innerhalb von zwei Jahren werden also weltweit mehr Babies ermordet als Deutschland Einwohner hat. Im 2. Weltkrieg geht man davon aus, dass weltweit ungefähr 64’000’000 Menschen durch den Krieg direkt ums Leben gekommen sind in all den Jahren. Hierzu bedarf es lediglich 1,5 Jahre an weltweiter Abtreibung, um denselben Schaden an Menschenleben anzurichten. Es kann hierbei keinesfalls darum gehen, irgend etwas zu beschönigen an dem, was geschehen ist. Aber man darf auch nicht beschönigen, was die Entscheidung des Falls Roe v. Wade angerichtet hat.
Und was sagt nun Gott zu dieser Sache?
An erster Stelle sei festgehalten, dass für Gott der Schutz des Lebens einen sehr hohen Stellenwert hat. Bereits im Bund mit Noach (1. Mose 9), welcher universell, also für alle Menschen aller Zeiten seit der Sündflut leben, gültig ist, stellt der Schutz des Lebens und das Errichten einer Gerichtsbarkeit, die das Leben schützen soll, eine zentrale Rolle.
Die Gesetze Israels sind nicht unsere Gesetze, aber sie zeigen uns ebenfalls, was Gott wirklich wichtig ist. So ist zum Beispiel der Schutz der Armen, der Unterdrückten, der Fremden, der Witwen und Waisen ein wichtiger Bestandteil. Diejenigen, welche wehrlos sind, müssen geschützt werden. Und im Grunde genommen gibt es keinen Ort und keine Zeit, in welcher ein Mensch hilfloser und wehrloser ist als im Mutterleib vor der Geburt. Es kann keinesfalls als etwas Normales betrachtet werden, dass heute so oft auf diese Weise reagiert wird auf eine Schwangerschaft. Es muss direkt als fanatisch und lebensfeindlich bezeichnet werden.
Des Weiteren gibt es zahlreiche Bibelstellen, aus deren Kontext hervorgeht, dass Gott der Schutz des Lebens, und in unserer heutigen Zeit – damals wäre dies etwas Unerhörtes gewesen – ganz besonders auch der Schutz des ungeborenen Menschenlebens etwas grundlegend Wichtiges ist. Aus den Gesetzen Israels geht zum Beispiel hervor, dass ein ungeborener Mensch für Gott genauso wichtig ist wie ein bereits zur Welt gekommenes Kind. So besagen die Gesetze, dass jemand, der im Streit mit einem anderen Mann eine schwangere Frau ungewollt stößt und damit das Kind schädigt, dieser in dem Fall gleich zu behandeln ist, wie wenn er einen bereits geborenen Menschen geschädigt hat.
Auch in den Psalmen finden wir den Gedanken immer wieder, dass Kinder für Gott wertvoll sind. So zum Beispiel in Ps. 127,3. Des Weiteren wird aus Psalm 139 deutlich, dass Gott die Kinder bereits im Mutterleib als vollwertige Menschen betrachtet, was sich auch mit der Lehre des NT deckt, denn bei dem Besuch der Maria bei Elisabeth (Lukas 1, 39 – 45) wird das noch Ungeborene bereits als „Kind“ oder „Baby“ bezeichnet. Somit gilt alles, was die Bibel zum Schutz des Lebens sagt, ohne Einschränkung auch für noch ungeborene Babies.
An dieser Stelle kommt nun die Frage auf, wie wir mithelfen können, das Leben zu schützen. Ich weiß nicht, wie man Roe v. Wade und alle Gesetzesänderungen in anderen Ländern rückgängig machen könnte. Vermutlich wird das gar nicht möglich sein. Aber es ist wichtig, dass wir hier nicht einfach die Augen verschließen, sondern uns bewusst sind, was in der Welt abgeht. Und jeder von uns kann einen Teil dazu beitragen, dass die Menschen sensibilisiert werden und sich mit dem Thema auch auseinandersetzt. Es gibt zum Beispiel jedes Jahr einen „Marsch für das Leben“, wo auf diese Problematik aufmerksam gemacht wird. Wichtig ist aber auch, dass wir die Menschen, welche dies bereits durchgemacht haben oder sich darüber Gedanken machen, nicht ablehnen, sondern zu helfen versuchen, wo wir es können. So kann uns auch dieses traurige Jubiläum dazu dienen, das Thema anzusprechen. 

Momentane Bücher Top Ten

Wer gute Literatur sucht, dem möchte ich folgende Werke ans Herz legen:

1. Johannes Calvin – Institutio Christianae Religionis

Das Standardwerk der reformierten Dogmatik ist auch heute noch in vielen Fragen moderner Zeitkritik absolut aktuell. Die Institutio ist nicht nur polemisch geschrieben, sondern zugleich auch sehr seelsorgerlich. Diese Mischung macht Calvins in seinem unnachahmlichen Stil verfassten Werke (besonders auch seine Briefe) zu Dokumenten von allergrößtem Wert. Muss man gelesen haben.

2. Michael F. Ross – Predigen wirkt Wunder

Der Pastor einer großen Gemeinde in den USA setzt sich für Predigten nach dem Vorbild der großen Puritaner ein: Der christozentrischen Auslegungspredigt. Er gibt zunächst die Geschichte dieses Predigtstils kurz wieder und geht dann auf den Inhalt, auf die nötige Ausgewogenheit, auf die Planung sowie die Vorbereitung dieser Predigten ein.

3. John Bevere – Die Furcht des Herrn

In diesem Buch fordert uns John Bevere (einer meiner bevorzugten Autoren aus unseren pfingstlich-charismatischen Gemeinden) dazu auf, unser Leben unter die Lupe zu nehmen und uns zu fragen, ob wir wirklich begriffen haben, was es bedeutet, Gott zu fürchten. Ein Buch, das unser Leben verändern und prägen kann.

4. Wayne Grudem – Politics According to the Bible

Wayne Grudem zeigt hier auf, wie Politik aus christlicher Sicht gesehen und umgesetzt werden kann. Ein umfangreiches, aber absolut lesenswertes Buch. Zu den verschiedenen Themen heutiger Politik werden die biblischen Grundlagen sehr exakt herausgearbeitet, mit anderen Meinungen verglichen und abgewägt. Leider nur in Englisch erhältlich (bisher) aber sehr leicht verständlich und einfach geschrieben.

5. Iain H. Murray – Jonathan Edwards, A New Biography

Vom amerikanischen Erweckungsprediger der Great Awakening können wir auch heute noch sehr viel lernen. Er hat sein Leben ganz in den Dienst des Herrn gestellt. Alles, was er tat, lehrte, predigte oder schrieb, kam bei ihm von ganzem, brennendem Herzen für den Herrn. Sehr anschaulich und doch theologisch tiefgehend beschreibt Iain H. Murray die Geschichte dieses großen Gottesmannes.


6. John Bunyan – The Pilgrim’s Progress

Dieses Buch begleitet mich seit langem, es hat mir den Zugang zu all den großen Schätzen der alten Puritaner eröffnet. Das Buch lässt sich so leicht lesen, hat aber jede Menge an Tiefgang! Absolut empfehlenswert!

7. Wayne Grudem – Systematic Theology

Noch ein zweites Mal Grudem. Es gibt manches, was man anders sehen kann oder wo man sich (zumindest als Student der Theologie) noch ausführlichere Erklärungen wünschen würde, aber es gibt keine moderne Ausgabe einer guten Systematischen Theologie (Bibellehre), die es fertigbringt, die wichtigsten Details zu nennen, auszudiskutieren und doch leichtverständlich (auch für theologisch Nichtstudierte) zu bleiben. Meinem momentanen Wissensstand nach wird das Buch gerade in die deutsche Sprache übersetzt und dürfte Ende dieses Jahres erscheinen.

8. Charles H. Spurgeon – The Treasury of David

(leider vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich)

Der Fürst der Prediger hat 20 Jahre lang in vielen Stunden zig Kommentare zu den Psalmen gelesen und ausgewertet. In diesem als vier-, sechs- oder gar siebenbändig erhältlichen Magnum Opus legt Spurgeon die Psalmen komplett Vers für Vers aus und gibt immer Hinweise für Prediger sowie gute Zitate anderer Kommentatoren. Ein wahrer Schatz für alle Prediger, Seelsorger aber auch sonst für jeden, der sich für die Psalmen interessiert.

9. Derek Prince – SÜHNE, Ihre persönliche Begegnung mit Gott

Prince, ein großartiger Bibellehrer, beleuchtet hier im Detail, was der Herr Jesus am Kreuz für uns getan hat. Das hat nämlich Konsequenzen für unser Leben. Anhand persönlicher Beispiele versucht er das darzulegen. Sehr leicht zu lesen und doch voll Tiefgang.

10. Benedikt Peters – George Whitefield, Der Erwecker Englands

In dieser Biographie erzählt B. Peters aus dem Leben des englischen Erweckungspredigers George Whitefield. Von ihm können wir vieles lernen und besonders interessant ist aus dieser Sicht auch die große Kontroverse mit John Wesley, der die biblische Lehre von der Vorsehung und Erwählung abgelehnt hat. Auch dies ist ein Thema, welches heute zur Debatte steht.

Schutz des ungeborenen Lebens

Während in unserer Gesellschaft ziemlich weitgehend Konsens herrscht darüber, dass Mord etwas ist, was man verbieten sollte, sind die Grenzen dieser Verbote seit einiger Zeit deutlich aufgeweicht. Wir müssen sehen, dass es für einen Menschen, der wirklich an eine tierische Abstammung des Menschen glaubt und diesen Glauben konsequent vertritt, absolut keinen Grund gibt, irgend eine Form des Mordes zu verbieten. Der Mensch ist dann ein wertloses Zellmaterial, das zufällig gut zusammenfunktioniert und durch den Vorgang von Mutation und Selektion in guter Weise an die Umwelt angepasst ist. Noch etwas konsequenter gedacht dürfte ein Atheist überhaupt kein Gesetz zum Schutz des Lebens gutheißen, denn dadurch wird dieser Vorgang von Mutation und Selektion gebremst. Im Kampf um das Überleben kann nur der Stärkere, also der besser Angepasste und somit der „höher Mutierte“ das Fortbestehen der menschlichen Rasse gewährleisten. Somit würde ein immerwährendes gegenseitiges Abschlachten nur dafür sorgen, dass die Evolution des Menschen noch etwas schneller vonstatten geht. Oder der Mensch sich gegenseitig ganz aufreibt und dadurch beweist, dass es im Tierreich noch besser angepasste Rassen gibt?
Ein anderer Ansatz, der sich in vielen Köpfen und Seelen sehr tief festgesetzt hat, ist derjenige, dass der Wert eines Menschen abhängig sei von seiner Produktivität, also dem, was er leistet und damit der Gesellschaft zugute kommen lässt. Oder man nimmt völlig ohne jedwede sinnvolle Grundlage blind irgend etwas, womit man einem Menschenleben Wert und Würde „zusprechen“ kann, sei es die Fähigkeit, gezielt nachzudenken, die Kommunikationsfähigkeit, oder auch nur die Möglichkeit, außerhalb des Mutterleibs überleben zu können.
Wenn wir uns dieser Problematik jedoch von der Bibel herkommend nähern, so finden wir dort sehr detaillierte Aussagen dazu. Zunächst einmal ist der Wert des einzelnen Menschen weder null und nichtig wie dies nach evolutionistischer Sicht sein müsste, noch ist er vom Wert der Produktivität oder sonst irgend einer Leistung abhängig, sondern der Wert und die Würde des Menschen beruhen ganz einfach auf der Tatsache, dass der Mensch nach Gottes Plan und nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde. Nun stellt sich die Frage, ab welchem Moment dieser Wert und die Würde in Kraft treten. Hierauf gibt uns Psalm 139, 13 – 16 die Antwort:
Denn du hast meine Nieren geschaffen, du wobest mich in meiner Mutter Schoß. Ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht hast; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl! Mein Gebein war dir nicht verhohlen, da ich im Verborgenen gemacht ward, gewirkt tief unten auf Erden. Deine Augen sahen mich, als ich noch unentwickelt war, und es waren alle Tage in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten, als derselben noch keiner war.
Wir sehen also, dass für Gott das Leben mit dem Wert und der Würde eines Menschen, der nach Gottes Ebenbild geschaffen worden ist, bereits längst vor der Geburt beginnt. Dass auch der noch ungeborene Mensch in Gottes Augen so wertvoll ist, sehen wir auch an weiteren Stellen, ganz speziell gut im sogenannten mosaischen Gesetz. Dieses galt zu großen Teilen nur dem Volk Israel als konstitutives Gesetz und ich bin weit davon entfernt, dieses wieder erneut einsetzen zu wollen. Aber es gibt gewisse Dinge, die wir aus ihnen erfahren können, nämlich Prioritäten, die in Gottes Augen ganz speziell wichtig sind. Eines davon ist der Schutz des menschlichen Lebens. Wir lesen in Numeri 35, 9 – 11:
Und der HERR redete zu Mose und sprach: Sage den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Wenn ihr über den Jordan in das Land Kanaan kommt, sollt ihr Städte verordnen, die euch als Freistädte dienen, daß ein Totschläger, der eine Seele aus Versehen erschlägt, dorthin fliehe.
Wer also jemanden ohne Absicht tötet, darf versuchen, eine der sechs Freistädte zu erreichen und ist dort erst mal sicher vor der Rache, wer aber jemanden mit Absicht und ohne legalen Grund ermordet, soll Leben um Leben bezahlen. Dieses Prinzip, und das ist ganz wichtig zu wissen, dass Menschenleben durch Menschenleben gesühnt werden soll, stammt nicht erst aus dem mosaischen Gesetz. Vielmehr stammt das Gesetz aus dem Noachitischen Bund, also aus dem Bund, welchen Gott mit Noach geschlossen hat nach der Sintflut. Da alle Völker von Noach abstammen und damit unter dem Bund stehen, der durch das Zeichen des Regenbogens geschlossen wurde (und Gott versprach, dass es keine so alles umfassende Flut mehr geben solle), gelten diese Gebote auch heute noch uneingeschränkt für alle Völker. Sie sind nie aufgehoben worden. Und dort gibt es unter anderem das Gebot, dass jeder, der Menschenblut vergießt, dessen Blut durch Menschen vergossen werden soll. Genesis 9, 5 – 6:
Für euer Blut aber, für eure Seelen, will ich Rechenschaft fordern, von der Hand aller Tiere will ich sie fordern und von des Menschen Hand, von seines Bruders Hand will ich des Menschen Seele fordern. Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen nach seinem Bild gemacht.
Nun kommt aber etwas Interessantes. Während es möglich ist, nach dem unbeabsichtigten Mord an einem Menschen eine solche Freistadt aufzusuchen, gilt das in einem ganz bestimmten Fall nicht mehr. Lesen wir nach in Exodus 21, 22 – 25:
Wenn Männer sich zanken und stoßen eine schwangere Frau, so daß eine Frühgeburt entsteht, aber sonst kein Schade, so muß eine Geldstrafe erlegt werden, wie sie der Ehemann des Weibes festsetzt; und man soll sie auf richterliche Entscheidung hin geben. Wenn aber ein Schaden entsteht, so sollst du ihn ersetzen; Seele um Seele, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Beule um Beule.
Hier sieht man, dass dem noch ungeborenen Kind mindestens derselbe Wert zugemessen wird wie seiner Mutter. Ich schreibe bewusst „mindestens“, denn bei genauerem Hinsehen hätte der Mörder, der unabsichtlich eine erwachsene Person (wie zum Beispiel die Mutter, wenn sie nicht schwanger wäre) tötet, das Recht, in eine der Freistädte zu fliehen. Wenn er nun aber eine schwangere Frau mit ihrem Kind oder auch nur das Kind in ihr tötet, wird er sofort bestraft, und zwar so, als ob seine Tat beabsichtigt gewesen wäre. Dies zeigt uns, welchen Wert Gott dem ungeborenen Leben eines jungen Menschen zumisst. Und da wir uns als Christen nach Gottes Wort ausrichten sollen, haben wir auch die Pflicht, darauf hinzuarbeiten, dass in unserer Gesellschaft Gottes Wille geschieht. So oft wir beten: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ geben wir Gott auch das Versprechen, daran mitzuarbeiten, dass dies geschieht. So ist es ein äußerst wichtiger Punkt, dass wir uns für das Leben der Menschen einsetzen. Und zwar für alles Leben, dem Gott seinen Wert gibt, dadurch, dass Er es erschafft. 
 
Die Geschichte der staatlichen Abtreibungsmaschinerie begann 1974 in Deutschland. Zunächst wurde sie lediglich legalisiert. Sobald man aber begann, diese Maschinerie durch die gesetzliche Krankenkasse zu finanzieren, kam es zu massivem Zuwachs. Inzwischen werden jährlich ungefähr 120’000 ungeborene Babies auf brutalste Weise umgebracht. Die Kosten, welche dadurch entstehen, betragen rund 50 Millionen Euros jährlich und werden natürlich von den öffentlichen Mitteln (sprich: den Steuern der Arbeiter) finanziert. Ein erster Schritt kann deshalb durchaus schon einmal die Privatisierung der Abtreibung sein. Dadurch müssen Menschen, die ihre Kinder „wegmachen“ wollen, zuerst mal selbst in die Tasche greifen. Dann sollte aber nach Möglichkeit auch darauf hingearbeitet werden, dass solcher Mord gesetzlich auch tatsächlich als Mord bezeichnet und als solcher geahndet wird. Denn für den Schutz des Lebens ist doch eigentlich eine Staatsregierung da. Oder etwa nicht?

Die Tür zum Leben

Die Tür zum Leben

Einleitung:

Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür für die Schafe. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluß haben. (Johannes 10, 7 – 10)

Wir haben hier einen der allerschönsten Texte der Bibel vor uns. So, wie Jesus damals zu Seinen Jüngern sprach, und Sich Selbst vorstellte, so spricht Er auch heute Nachmittag zu uns allen. Es ist mein Gebet und meine Hoffnung, dass wir alle bereit sind, auf Ihn zu hören. Er ist bereit, Sich uns vorzustellen und uns zu begegnen. Lasst uns mit großem Ernst begierig sein nach Seinem Wort, nach all dem, was Er uns heute zu sagen hat.

Bevor Er Sich Seinen Jüngern als Türe vorgestellt hat, sagte Er ihnen noch was anderes, nämlich ein Gleichnis, in welchem Er von den Schafen sprach. Die Schafe sind ein sehr gutes Sinnbild für uns, die wir an Ihn glauben. Er Selbst ist der Gute Hirte, der für Seine Schafe gut zu sorgen weiß. Das Gleichnis beginnt mit der Gegenüberstellung des Hirten, der das Anrecht hat, zu seinen Schafen in den Stall hineinzugehen. Er kennt den Code, der nötig ist, um sich die Türe vom Türhüter aufschließen zu lassen. Er wird auch von den Schafen erkannt, denn seine Stimme erkennen sie unter all den Stimmen, die auf sie einreden.

Die Jünger haben Sein Gleichnis gehört, haben es aber nicht verstanden. Deshalb setzt Jesus nun erneut an und redet wiederum zu ihnen. Er legt ihnen dieses Gleichnis aus.

  1. Jesus ist die Tür zu den Schafen

Jesus beginnt die Auslegung dieses Gleichnisses mit den Worten: Amen, amen, Ich sage euch. Mit diesen Worten leitet der Evangelist Johannes oft die wichtigen Aussagen Jesu ein. Wenn wir im Johannesevangelium also diese Worte lesen, so bedeutet das für uns: Aufgepasst, was jetzt kommt, das ist ganz essentiell wichtig. Hört gut auf das, was der Herr Jesus uns zu sagen hat.

Nun beginnt Jesus seine Auslegung mit den Worten „Ich Bin die Tür“. Spätestens bei diesen Worten haben die Juden aufhorchen müssen. Es handelt sich hier um ein Ich-Bin-Wort. Mit diesen Worten spricht Jesus immer mit sehr großem Nachdruck. Immer dann, wenn Jesus ein solches Wort mit „Ich Bin“ einleitet, so spricht Er dort über Seinen göttlichen Charakter und Seinen göttlichen Auftrag. Es geht hier darum, dass Er Sich als Gott auf Erden verstanden haben will, denn nur als solchen können wir Ihn als „die Türe“ verstehen. Als Gott mit Mose sprach, stellte Er sich als der „Ich Bin Der Ich Bin“ vor. Das Ich Bin Jesu geht hier in dieselbe Richtung. Auch Gottes Eigenname Jahwe (=der ins Dasein Bringende), deutet in die Richtung und Jesus will Sich auch unbedingt so verstanden haben. Er hat diesen Namen bewusst in Sein Programm aufgenommen und für Sich beansprucht.

Jesus sagt hier von Sich, dass Er die Türe zu den Schafen ist. Wer also zu den Schafen will, kommt an der Tür nicht vorbei. Hierin haben wir das Versprechen der Bewahrung, des Schutzes. Jesus verspricht uns also, dass Er als Türe beschützen will vor denen, welche sich unrechtmäßig in die Gemeinde einschleichen wollen. Leider ist die menschliche Natur von uns allen naturgemäß nicht so ganz schafartig, viel eher könnte man sie als bockig beschreiben. Ein Bock lehnt sich gegen alles auf, was ihm entgegentritt. Als solch bockige Gestalten laufen wir vor Gott und Seinem Willen weg – auf und davon. Dieses Weglaufen vor Gott ist Auflehnung, und genau das ist es, was all das Leid über diese Welt gebracht hat und Tag für Tag noch immer bringt. Diese Auflehnung gegen Gott bewirkt eine Zerstörung der Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. Dadurch entsteht Schuld. Wir werden dadurch vor Gott schuldig, und deshalb ist es unmöglich, dass wir Gott gefallen können. Paulus schreibt im Brief an die Römer 3, 23:

Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.

Das ist das göttliche Urteil über uns Menschen. Alle haben gesündigt, keiner kann mit Gott in Gemeinschaft leben.

Doch Gottes Liebe zu uns Menschen ist groß, so groß, dass Er bereit war, alles aufzugeben, Seine ganze Göttlichkeit im Himmel zurückzulassen und auf der Erde unter uns zu leben. Als Mensch unter Menschen. Das ist Jesus Christus. Er hat sein ganzes Leben lang auf nich ein einziges Mal gesündigt, sondern war immer gehorsam, damit Er an unserer Stelle die uns fehlende Gerechtigkeit verdienen konnte. Dann war Er sogar bereit, den schrecklichen Tod am Kreuz von Golgatha auf Sich zu nehmen, um dadurch alle Schuld zu bezahlen, die wir alle auf uns geladen haben vor Gott. Doch es ist nicht beim Tod geblieben. Kürzlich haben wir das Auferstehungsfest gefeiert. Der Herr Jesus ist nicht im Grab geblieben, sondern auferstanden. Ja, Er ist wahrhaftig auferstanden. Er hat den Tod besiegt und mit Paulus können wir deshalb sagen: Tod, wo ist dein Stachel? Ja, der Herr Jesus ist für uns gestorben und auferstanden von den Toten am dritten Tag.

So dürfen, wenn wir wirklich glauben, dass Er für uns persönlich gestorben und auferstanden ist, uns im Gebet an Ihn wenden. Wir dürfen Ihm danken für dies große Geschenk und Ihn bitten, in unser Leben zu kommen, damit Er uns hilft, nach Seinem Willen zu leben.

Weil Jesus Christus die Türe zu den Schafen ist, können auch menschliche Hirten nur durch diese Türe hindurch zu den Schafen kommen. Tatsächlich hat Gott in der Gemeinde Menschen als Hirten und Älteste eingesetzt, welche für die Aufgabe des Hirtendienstes zuständig sind. Doch auch für diese gilt, dass sie nur durch die Türe, die der Herr Jesus ist, zur Gemeinde kommen dürfen.

Nur durch den Heiligen Geist erweckt kann ein Hirte ein rechter Hirte sein. Der Heilige Geist führt einen rechten Hirten in seine Berufung und schenkt auch, dass diese Berufung durch die jeweilige Gemeinde bestätigt wird.

Ein wahrhaft berufener Hirte wird sein Leben ganz und gar dem Herrn Jesus unterstellen und wird das tun, was der Herr von ihm möchte. Er wird nicht nur für seine Gemeinde in der Bibel lesen, sondern auch für sich selbst vom Wort Gottes essen: Er liest es, denkt darüber nach, nimmt sich Zeit, um darüber zu beten und tut alles um es in sein persönliches Leben ein-zubauen. Erst wenn er dies ganz praktisch verstanden hat, wendet er sich der Gemeinde zu und lehrt sie dies.

So gibt es ja auch Ausbildungsstätten für den Dienst in der Gemeinde.

Deshalb ist es wichtig, dass wir bibeltreue Ausbildungsstätten wie die STH Basel eine ist, unterstützen, indem wir für sie beten und nach Möglichkeit auch finanziell unterstützen.

Leider führen heutzutage viele Hirtenschulen dazu, dass ihre Absolventen versuchen, an der Türe vorbei in den Schafstall zu kommen. Von diesen spricht der Herr Jesus auch ausführlich:


  1. Jesus unterscheidet Sich von den Dieben und Räubern

In den Versen 8 und 10 spricht der Herr Jesus von denen, die sich anmaßen, Hirten der Gemeinde zu sein, ohne eine echte Berufung in diesen Dienst zu haben. Diese beiden Verse werden deshalb zusammen betrachtet.

Es sind insgesamt drei Merkmale, die der Herr Jesus nennt, an denen man diese Diebe und Räuber erkennen kann: Das erste Merkmal finden wir schon im Gleichnis selbst, im ersten Vers dieses zehnten Kapitels des Johannesevangeliums. Dort wird der Dieb und Räuber dadurch beschrieben, dass er nicht durch die Türe hineingeht, sondern versucht, woanders einzusteigen. Nun müssen wir hier aber aufpassen, dass wir das richtig verstehen. Wenn wir von Dieben und Räubern hören, denken wir bestimmt gleich an Ladendiebstahl, Banküberfall oder Ähnliches. Nun wurde der Ausdruck Diebe und Räuber von den Menschen damals für die politische Partei der Zeloten verwendet. Die Piratenpartei in Deutschland hat auch nichts mit Booten und Seeräuberei zu tun, sondern damit, dass sie zum Beispiel Urheberrechte und Patente auf Informationen gezielt aufheben will. Die Zelotenpartei zur Zeit Jesu hat versucht, die Herrschaft Roms im alten Palästina aufzuheben und das Reich Gottes mit militärischer Macht zu errichten.

Man könnte also sagen, dass die Diebe und Räuber Menschen sind, welche die Gemeinde des Herrn bauen wollen aus eigener Kraft und mit menschlichen Mitteln. Genau das ist auch heute das Ziel vieler Gemeindebauprogramme, die versuchen, biblische Begriffe wie Sünde, Hölle, stellvertrender Tod Christi, etc. abzuschaffen und dadurch möglichst viele Menschen zu ethisch korrekten aber nach wie vor ungläubigen Menschen umzugestalten. Christlicher Anstrich, aber nichts echtes darunter, muss man hierzu sagen.

Dass es sich dabei um Menschen handelt, die versuchen, an die Gemeinde zu kommen, ohne an Christus vorbeikommen zu müssen, sagt der Herr hier auch mit den Worten „die vor mir kamen“. Das „vor“ in diesem Satz lässt sich auch mit „anstelle von“ übersetzen. Es ist also somit auch jemand, der versucht, sich selbst oder seine Ideen an die Stelle des Herrn Jesus zu setzen.

Das zweite Merkmal der Diebe und Räuber nennt der Herr auch: Die Schafe haben nicht auf sie gehört. Die wahre Schafherde lässt sich nicht von einem Dieb und Räuber abziehen, auch wenn diese es noch so sehr versuchen. Vielmehr hört diese Schafherde auf das, was der Herr ihr zu sagen hat.

Der Herr Jesus Selbst ist es, der dafür sorgt, dass Seine Herde Ihn hören kann. Durch den Heiligen Geist, der mit unserem Geist zusammenwirkt, funktioniert diese Verständigung, sofern sie nicht durch irgend eine Sünde blockiert ist, von der man nicht lassen will.

Durch das regelmäßige und gründliche Bibellesen und den Besuch der Gemeindebibelstunden sowie durch das Reden mit dem Herrn im Gebet werden wir sensibel und aufmerksam auf das, was der Gute Hirte uns zu sagen hat.

Das dritte und schlimmste Merkmal eines Diebes und Räubers ist, dass er immer kommt, um zu stehlen und zu zerstören. Dies ist oft nicht einmal von ihm beabsichtigt. Manche dieser Diebe und Räuber kommen in der besten Absicht und wollen der Herde sogar helfen. Aber gerade weil sie nicht durch die Türe hereinkommen, gerade weil sie den Herrn Jesus nicht wirklich, oft nur äußerlich, kennen, richten sie riesigen Schaden an. Jesus sagte hierzu in Lukas 11, 23:

Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Bei einer Schafherde ist es wichtig, dass sie immer wieder gesammelt wird. Beim Grasen hat jedes Schaf so seine eigene Art, die Herde immer ein wenig mehr zu verlassen, immer etwas weiter weg zu gehen. Des Hirten Aufgabe ist es nun, sie wieder einzusammeln und vorwärts zu bringen. Das ist auch in der Gemeinde so. Ein Pastor, der von bestimmten Spezialthemen so begeistert ist, dass er nichts anderes mehr zu predigen weiß, zum Beispiel nur noch über die Offenbarung und Endzeitprophetie, aber darin vergisst, seine Herde immer wieder zum Herrn Jesus zu bringen, wird sie zerstreuen.

Um als gute Hirten einer Gemeinde, einer Familie oder einer Jungschargruppe für den Herrn arbeiten zu können, müssen wir unsere Herde immer wieder und wieder zum Herrn bringen. Über das sprechen, was der Herr für uns getan hat, was Er für uns ist. Dann wird diese Herde nämlich auch wachsen. Nicht nur in der Zahl, sondern vor allem auch in der Qualität. Der Glaube nimmt zu bei den Menschen, die unter einem guten Hirten stehen, er wird gestärkt durch das gute Vorbild und dadurch, dass die ganze Gemeinde regelmäßig unter das Wort des Herrn kommen.

Dann werden es auch immer mehr sein, die verstehen, was Jesus uns da als nächstes sagt:

  1. Jesus ist die Tür zum Leben

Jesus ist nämlich nicht nur die Türe zu den Schafen, sondern auch die Türe zum Leben. Dies bedeutet für uns ganz konkret, dass jeder, der durch sie hineingeht, ewiges Leben hat und für immer gerettet ist. Der Herr Jesus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben, und es kommt nie und nimmer irgend jemand zu Gott, ohne bei Ihm vorbeizukommen. Das ist für uns sehr wichtig zu wissen. Egal in welcher Zeit und in welcher Kultur jemand geboren wurde, keiner kommt zum Vater, ohne bei Jesus durch die Türe gekommen zu sein. Gleich nach dem Fall im Garten Eden haben die ersten Menschen von Gott das Versprechen bekommen, dass der Herr Jesus kommen wird. Der Nachkomme der Frau wird dem Nachkommen der Schlange den Kopf zertreten. Und von dem Moment an hat die Menschheit gewusst, dass Jesus kommen wird. Niemand konnte sich entschuldigen. Und niemand wird sich jemals mit dem Argument entschuldigen können.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, wird uns das helfen, andere mit viel Freimütigkeit in die Gemeinde einzuladen. Wir sagen ihnen, dass wir auch gerne ein Stück weit mit ihnen zusammen zur Gemeinde gehen und den Gottesdienst gemeinsam besuchen wollen. Weiter werden wir aber auch gerade in dem Wissen mit großer Ernsthaftigkeit für die verlorenen Menschen beten, die den Herrn Jesus noch nicht angenommen haben und deshalb ihre Schuld noch selbst mit sich herumschleppen und unter Gottes Zorn und Gericht stehen.

Wenn wir mit unseren Mitmenschen über den Glauben sprechen, so dürfen wir wissen, dass der Herr Jesus uns versprochen hat, uns zu helfen und uns durch Seinen Heiligen Geist im richtigen Moment die richtigen Worte schenken wird.

Weiter wird jeder, der durch diese Türe hineingeht und den Herrn Jesus aufnimmt, Weide finden. Diese Weide steht für all das, was unsere täglichen Bedürfnisse stillt. Der Herr Jesus ist der gute Hirte, der uns vom sicheren Stall zum saftigen Gras der Weide, von der Weide zur frischen Wasserquelle und wieder zurück führt. Er ist in allem dafür besorgt, dass es uns gut geht.

Dieser Gute Hirte ist der Herr Jesus Selbst, der uns Frieden schenkt, indem Er uns mit Sich Selbst versöhnt. Er sorgt in wunderbarer Weise für uns, indem Er uns die örtliche Gemeinde als Wiese gibt.

Dort in der Gemeinde sind wir füreinander da, wir dürfen einander Hirten sein: Der Hauskreisleiter seinen Schutzbefohlenen, der Jugendleiter seinen Teenies, und so weiter. Der Ehemann ist der Hirte seiner Ehefrau, Eltern die Hirten ihrer Kinder, usw. Als Hirten haben wir uns darum zu kümmern, dass unsere Schäflein Weide finden, und zwar sollen wir um das Allerbeste besorgt sein.

Als Familienvater führen wir die regelmäßige tägliche Andacht mit der ganzen Familie ein, die der Vater vorbereitet. So bekommt die ganze Familie ihr geistliches Brot.

Wer auf die Weide des guten Hirten kommt, wird drittens auch für sein ganzes Leben einen Sinn bekommen und wirkliche Erfüllung. Diese Erfüllung besteht gerade auch darin, dass wir anderen in dem helfen dürfen, was wir gut können. Indem wir anderen helfen, sie lehren und sie wachsen sehen, nimmt auch unsere eigene Freude zu. Die gemeinsame Freude am Ergebnis des gemeinsamen Wachsens und Vorankommens, ist wunderbare Erfüllung.

Ich fasse zusammen:

Damit wir rechtmäßig als Hirten von Gott einen Zugang zur Gemeinde bekommen können, müssen wir selbst unter dem Guten Hirten stehen und uns von Ihm verändern und prägen lassen. Es gibt Diebe und Räuber, die versuchen, die Gemeinde zu zerstreuen, weil sie ihre Herde nicht regelmäßig unter den Einfluss der Guten Nachricht von Jesus Christus bringt. Die Gemeinde, welche die göttliche Herde ist, hat für jeden von uns seinen Platz, an dem er anderen Schäflein in der Gemeinde helfen kann. Gemeinsam freuen wir uns deshalb über das Wachstum, das dadurch geschieht.