Die Schönheit Gottes – erste Gedanken

In einem früheren Blogpost habe ich uns Evangelikale aufgerufen, eine neue Vision von der Schönheit Gottes zu erhalten. Dort schrieb ich:
Wir brauchen eine erneuerte Vision von Gottes atemberaubender Schönheit.Unsere Generation lechzt nach Schönheit; und hier können wir aus der Kirchengeschichte lernen. Augustinus von Hippo, Jonathan Edwards, Blaise Pascal und C. S. Lewis hatten wie kaum jemand anderes eine solche Vision von der Schönheit Gottes. Für sie alle war Schönheit der Grund, warum man nach Gott verlangen soll. Besonders auf Schriften von Jonathan Edwards können wir zurückgreifen, um eine solche Vision von Neuem zu erlangen.
Ich möchte hier ein paar Gedanken von Jonathan Edwards zusammentragen und sie für unsere Generation verständlich machen, indem ich ihn nicht wörtlich zitiere, sondern seine Gedanken in eigene Worte fasse und mit Beispielen zu erklären versuche.
Objektive Schönheit?
In unserer Zeit ist es leider auch unter Christen üblich geworden, zu sagen, dass die Schönheit eine Sache des Geschmacks sei. Nun ist es ja tatsächlich so, dass man sich den Geschmack derart verderben und pervertieren kann, dass man Dinge schön finden kann, die es eigentlich nicht sind. Als Christen ist der Fall klar: Die Bibel kennt objektive Schönheit. Zum Beispiel ist die Stiftshütte und all ihre Geräte und Teile in wunderschöner Weise angeordnet und angefertigt. Aber auch die Natur ist voll objektiver, wunderbarer Schönheit. Deshalb die nächste Frage:
Was ist Schönheit?
Jonathan Edwards definierte Schönheit als Harmonie und Einheit verschiedener Dinge. In anderen Worten: Einheit in Vielfalt und Vielfalt in Einheit. Nehmen wir zum Beispiel ein Bild. Ein schönes Bild beinhaltet eine Vielfalt an Farben und Formen; aber es ist nicht die Vielfalt, die Schönheit ausmacht, sondern die Harmonie und Einheit dieser Vielfalt. In einem Kunstmuseum habe ich einmal eine ganze Leinwand gesehen, die in einem einzigen Rotton bemalt wurde. Einem Maler für Wandanstriche hätte das alle Ehre gemacht, aber als Kunst ist es ganz schön fragwürdig. Hingegen ein Bild von einem Sonnenaufgang ist schön, weil es eine Harmonie und Einheit verschiedener Farben und Formen ist.
Gottes Schönheit: Drei in eins
Wenn wir nun weiter auf Jonathan Edwards hören, so ist es Gottes Schönheit, die Gott zu Gott macht. Für ihn sind alle anderen Eigenschaften Gottes aus Seiner Schönheit abgeleitet. Ich möchte darauf ein anderes Mal zurückkommen, was das genau bedeutet. Für heute ist die folgende Aussage wichtig: Gottes Schönheit ist Gottes Einheit in Gottes Vielfalt, nämlich weil Er ein Gott in drei Personen ist: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Drei Personen, die zusammen der eine Gott sind. Das ist geheimnisvoll, und wird es wohl auch noch bleiben, solange wir hier auf dieser Erde leben. Wir werden danach noch die ganze Ewigkeit lang Zeit haben, diese Geheimnisse Gottes zu ergründen.
Die Perfektion der Schönheit: LIEBE
Für Edwards stellt sich die Frage, was die höchste Form der Schönheit ist. Wenn die Schönheit eine Einheit und Harmonie von unterschiedlichen Personen ist, dann ist die Liebe deren höchste Form. Die Liebe ist also die höchste Form der Einheit und Harmonie zwischen Personen. Das wusste bereits David, der diesen Gedanken in einen Psalm goss: Siehe, wie fein und wie lieblich ist’s, wenn Brüder in Eintracht beisammen sind!(Ps. 133, 1)
Einheit und Sprache
Ich komme nun auf eine Sache zu sprechen, die Jonathan Edwards noch nicht kannte. Für ihn und seine Zeit war klar, dass die Sprache die Aufgabe hat, Inhalte in einer verständlichen Form zu transportieren. Seit der Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts ist dies nun anders. Sprache wird „dekonstruiert“ und „rekonstruiert“. Ich bin auch mit dem Denken aufgewachsen, dass die Sprache ein Mittel sei, um Macht zu bekommen und zu sichern und deshalb die Sprache mit neuem Inhalt gefüllt werden müsse. Das Problem dabei ist, dass man damit keine Einheit schaffen kann. Der falsche Gedanke dahinter ist, dass man alles so formulieren müsse, dass jeder sich der Formulierung anschließen kann. Das führt zu einem nichtssagenden, verwässerten Wörterbrei, der niemals Einheit schaffen kann. Vielmehr führt diese Vorgehensweise längerfristig zu Missverständnissen, weil jeder denken kann, dass sein Verständnis des Textes richtig war. So wird es am Ende mehr Unfrieden geben. Wenn wir tatsächliche Einheit wollen, müssen wir uns über Inhalte unterhalten. Biblische Einheit wird es nur da geben, wo wir uns darüber einig werden, was das Evangelium tatsächlich genau ist (und was nicht). 
Einheit und Vielfalt
Wohin man sieht, wird Einheit und Vielfalt als Gegensatz gesehen. Im dreieinen Gott der Bibel sind diese Gegensätze vereint. Der christliche Glaube ist deshalb die Antwort auf alle dringenden Fragen und Probleme unserer Zeit. Die Moderne hat versucht, alles in eine Einheit zu zwängen und in eine Weltformel zu bringen. Als Antwort darauf schwang das Pendel in die entgegengesetzte Richtung; für einen kurzen Moment war das Denken der sogenannten „Postmoderne“ vorherrschend: Vielfalt ohne Einheit. Bloß kein Metanarrativ. Jede Kultur und jede Gruppe hat in ihrem Kontext ihre eigene Wahrheit. Auch dieses Weltbild konnte sich nicht lange halten. Inzwischen ist mit dem Neuen Atheismus wieder eine neue Bewegung unterwegs, die versucht, auf die dringende Frage nach der Wahrheit eine Antwort zu geben. Deren Antwort: Ohne Religion sei alles besser.
Ein Überblick über die viele der verbreiteten Religionen zeigt, dass auch deren Antworten nicht imstande sind, Einheit und Vielfalt unter einen Hut zu bringen. Im Islam dominiert die Einheit. Allah darf nur einer, nur eine Person sein. Die Ummah, das heißt die weltweite islamische Gesellschaft oder Gemeinschaft, soll immer gleichartiger werden. Unterschiede sind per se schlecht, je ähnlicher die Menschen sich sind, desto besser. Im Fernen Osten ist es gerade umgekehrt. Im Hinduismus und im Buddhismus gibt es so viele Erlösungswege wie es Menschen gibt. Da muss jeder seine eigene Erleuchtung suchen und finden, und zwar auf teilweise ganz gegensätzliche Art und Weise. Das Problem dabei ist nur, dass jeder sehr unter Druck gesetzt ist, diese Erlösung zu finden. Es gibt keine Heilsgewissheit. Niemand kann einem tatsächlich sagen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Das macht die Gesellschaft sehr egoistisch. Jeder sucht nur nach dem Seinen.
Deshalb ist der dreieine Gott der Bibel die Antwort. Hier müssen wir noch eines klarstellen: Die Bibel kennt nicht „die goldene Mitte“, so als ob es um 50% Einheit und 50% Vielfalt geht. Wenn man eine Skala macht, wo auf der einen Seite das Extrem Einheit und auf der anderen Seite das Extrem Vielfalt steht, so ist das Christentum nicht in der Mitte dieser Skala, sondern außerhalb. Es geht Gott nämlich nicht um 50/50 oder so etwas, sondern um 100% Vielfalt und 100% Einheit. Gott hat uns Menschen nach Seinem Bild geschaffen, in all unserer Vielfalt und Einheit, und das dürfen wir feiern.

Selbstgezimmerte Bibelwissenschaft

Dies ist der vierte und letzte Teil einer Blogserie über Siegfried Zimmers Buch „Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?“ Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.
Fehlende Definitionen
Was ist für S. Zimmer die „Bibelwissenschaft“? Eine der größten Schwächen (oder aus seiner Sicht vielleicht eher Stärken) Zimmers besteht darin, dass seine Begriffe sehr unklar, schwammig und undefiniert sind. Erst gegen Ende des Buches lässt Zimmer dann entsprechend die Katze aus dem Sack: „Weil die diesbezüglichen Missverständnisse fast unüberwindlich sind, sollte man das Wort ‘Bibelkritik’ im (nichtwissenschaftlichen) Gespräch unter Christen nach Möglichkeit vermeiden. Man kann es durch das Wort ‘Bibelwissenschaft’ ersetzen. Beide Worte meinen das Gleiche.“(Zimmer, S. 153)
Ein anderes Beispiel ist ganz am Anfang zu finden: „Die Kirche darf nichts lehren, was dem Evangelium von Jesus Christus widerspricht. In diesem Sinn ist die Bibel der Maßstab (Kanon) für den Glauben, die Lehre und das Leben der Christen.“ (S. 14) Das klingt – wie bereits gesagt – gut. Die Frage ist nur: Was ist für Zimmer das Evangelium? Die Rede vom Evangelium klingt für Christen immer gut. Aber davon gibt es so viele und dabei ganz unterschiedliche Vorstellungen, was man unter diesem Schlagwort verstehen kann.
Zimmer meint, er könne mit seinem Buch etwas für die Einheit unter Christen tun, wenn er dabei ganz unklar und schwammig bleibt, damit sich jeder selbst etwas darunter vorstellen kann. Und das ist ein grundlegendes Problem unter Christen unserer Zeit. Es ist kaum noch Bereitschaft vorhanden, über Inhalte zu diskutieren. Lieber diskutiert man darüber, mit welcher leeren Worthülse möglichst viele Christen leben können – und nennt das Ganze dann „Einheit“. Das Problem ist jedoch, dass es echte Einheit nur bei den jeweiligen Inhalten geben kann und nicht bei den Worthülsen. Sonst gibt es nur noch eine undefinierte Pseudo-Einheit, die niemandem etwas bringt.
Was das Evangelium betrifft, lässt Zimmer seine Leser im Dunkeln. Der Leser bleibt am Schluss mit seinen Fragen zurück: Darf Jesus Christus an der Stelle der Gläubigen am Kreuz gestorben sein, oder ist das dann ein „kosmischer Kindesmissbrauch“ (Steve Chalke)? Darf Jesus Christus echte Dämonen ausgetrieben haben oder sind das nur Symbole für das Böse im Menschen? Darf Jesus Christus die Wunder tatsächlich getan haben? Darf Jesus Christus tatsächlich, echt, historisch und körperlich auferstanden sein? Darf Jesus Christus sich selbst als Messias bezeichnet haben oder ist das nur ein Titel, den ihm die nachösterliche Gemeinde verliehen hat? Fragen über Fragen – und der Leser bleibt in all diesen Fällen ohne Antwort. Auf schwäbisch gesagt: “Guad gmoant isch ned emmer guad gmacht” (Gut gemeint ist nicht immer gleichbedeutend mit gut gemacht).
Überhaupt stellt sich die Frage, welchen Jesus Christus Zimmer meint, wenn er schreibt: „Im Konfliktfall argumentieren wir ohne jedes Zögern mit Jesus Christus gegen die Bibel.“ (Zimmer, S. 96) Also eine Aussage darf Jesus Christus schon mal getroffen haben (also wenigstens mal eine Festlegung. Immerhin.): Die Sache mit der Feindesliebe. So. Punkt. Und dann nehmen wir diese Feindesliebe und argumentieren damit einfach so mal gegen alles Mögliche im Alten Testament. Etwa gegen den Todesengel, der in 2. Mose 11 die Erstgeborenen der Ägypter holt. Knallbumm, und weg ist dieser böse Gott. Da sind wir schon fast bei Marcion (vgl. dritter Teil dieser Serie), nur dass es jetzt nicht gegen den Demiurgen geht, sondern mit Jesus Christus und der Feindesliebe argumentiert wird.
Wie funktioniert diese Bibelwissenschaft?
Ganz genau erklärt das Zimmer nicht. Er geht auf die Untersuchung der Religionen des Orients ein, aber auch da ist er zu schlau und zu vorsichtig, um zuviel darüber zu sagen. Ich möchte an einem anderen Beispiel versuchen zu skizzieren, wie das geschehen kann. Ab etwa 1835 gab es in der deutschen Theologie eine ganze Bewegung von Theologen, die versucht haben, herauszufinden, wer dieser Jesus von Nazareth tatsächlich war. Man wollte alles eliminieren, was diesem Jesus von den Evangelisten später angedichtet wurde, also alle Wunder, alle „Hoheitstitel“, alle Predigtinhalte, die womöglich von jemand anderem stammen könnten. Und irgendwann merkten sie: Am Schluss bleibt von diesem Jesus immer genau das übrig, was man am Anfang von ihm dachte. Der Theologe wird am Schluss auf sich selbst zurückgeworfen.
Der Theologe Albert Schweitzer hat etwa 70 Jahre nach der Entstehung dieser Bewegung die Geschichte derselben aufgeschrieben und kam zum Schluss: „Es ist der Leben-Jesu-Forschung merkwürdig ergangen. Sie zog aus, um den historischen Jesus zu finden, und meinte, sie könnte ihn dann, wie er ist, als Lehrer und Heiland in unsere Zeit hineinstellen. Sie löste die Bande, mit denen er seit Jahrhunderten an den Felsen der Kirchenlehre gefesselt war, und freute sich, als wieder Leben und Bewegung in die Gestalt kam und sie den historischen Menschen Jesus auf sich zukommen sah. Aber er blieb nicht stehen, sondern ging an unserer Zeit vorüber und kehrte in die seinige zurück.“ (Albert Schweitzer, Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, S. 397)
Das Problem bei all diesen Zugangsweisen der historisch-kritischen Methoden ist dabei immer dasselbe, das sich bei der Leben-Jesu-Forschung gezeigt hat: Am Ende bleibt der Mensch, der sich über die Bibel stellt, immer an sich selbst hängen. Er muss von gewissen Prämissen ausgehen, also etwas voraussetzen. Und am Ende bleibt immer genau das übrig, was er zuerst vorausgesetzt hat.
Der Bankrott der Bibelkritik
Was am Ende vom Nutzen dieser Methoden bleibt, ist sehr mager. Man hat jede Menge Zeit investiert, um einen Bibeltext mit allen möglichen Methoden zu erarbeiten, und findet am Ende doch immer nur sich selbst und seine eigenen Gedanken darin. Etwas wirklich Neues, Wertvolles wird sich dadurch nicht ergeben. Wer Zimmers Buch sensibel und mit offenen Augen liest, wird bemerken, dass auch Zimmer den Bankrott der Bibelkritik anmeldet, allerdings mit sehr leiser, zaghafter Stimme. Am Schluss des Kapitels über die Bibelkritik bemerkt er, dass diese Wissenschaft eine Kluft zwischen „der universitären Bibelwissenschaft und dem Leben der Christen bzw. der christlichen Gemeinde“ (S. 166) schafft. Die weiteren Ausführungen zeigen, dass diese Methoden in der Praxis am Ende angelangt sind: „Auch die nichtwissenschaftlichen Zugangsweisen zur Bibel verdienen Beachtung und Anerkennung. Man kann in die biblische Botschaft sehr intensiv verstrickt werden, indem man sich den biblischen Texten betend, meditierend, singend, musizierend, malend, tanzend und spielend zuwendet.“ (S. 167)
Vielleicht sollte man sich doch langsam wieder auf die wörtlicheExegese einlassen, die schon die Reformatoren betrieben haben? Aber vermutlich ist das dann wieder zu fundamentalistisch. Ein Glanzstück der historisch-kritischen Bibelwissenschaft habe ich vor Jahren in einer evangelischen Kirche erlebt: Bei der Speisung der 5000 soll es nicht darum gegangen sein, dass Jesus das Brot durch ein Wunder vermehrt habe, sondern jeder Anwesende soll sich (durch ein Wunder) erinnert haben, dass er auch noch etwas zu Essen in der Tasche stecken habe, und als dann alle mit allen geteilt haben, sei auch noch etwas mehr übrig geblieben. Einmal mehr zeigt sich da, dass am Ende der Mensch immer auf sich selbst zurückgeworfen wird, wenn er die Autorität Gottes verlässt. Aber leider muss man nicht einmal so weit suchen gehen, um Meisterleistungen der Eisegese (Hineinlesen eigener Gedanken in den Bibeltext) zu finden. Leider findet sich solches auch oft genug in Gemeinden, die formal die Autorität und Irrtumslosigkeit von Gottes Wort bezeugt wird.
Zimmers Ruf an die alternativen Herangehensweisen an den Bibeltext ist ein Hilfeschrei. Hier wird seine Verletzlichkeit plötzlich sichtbar. Seine Methoden bringen Distanz zum Leben, und das ist ein Problem. Doch Jesus ist größer als alle Bibelkritik; das Beispiel der historisch-kritischen Theologin und Schülerin Rudolf Bultmanns Prof. Eta Linnemann zeigt, dass Jesus größer ist und über der Bibelkritik steht. Ich werde weiterhin für Prof. Zimmer beten, dass der Herr Jesus ihm ganz persönlich begegnet und ihn von der tatsächlichen göttlichen Autorität und Fehlerlosigkeit der Bibel überzeugt. Das kann niemand von uns, es ist Seine Sache.
Zum Schluss noch eine Prise Selbstkritik
Es ist einfach, ein Buch wie das von Zimmer zu zerlegen, zumal die Argumente nicht besonders überzeugend sind und sich mit etwas Hintergrundwissen relativ gut widerlegen lassen. Eine andere Frage bleibt aber bestehen: Viele Menschen finden die Vorträge von Zimmer gut und befreiend. Kann man dafür jetzt einfach nur den „Zeitgeist“ verantwortlich machen? Eins ist klar: Zimmer möchte den Zuhörern helfen, sich von furchteinflößenden Gottesbildern zu lösen. Das macht seine Vorträge befreiend. Er möchte aber auch ein anderes Gottesbild präsentieren, und zwar eines, mit dem möglichst viele Menschen etwas anfangen können. Bei ihm geht es nicht mehr um die Frage: Was muss ich tun, damit Gott mich annehmen kann? Sondern: Wie muss dein Gott sein, damit du ihn annehmen kannst? So ähnlich hat bereits Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher auf die kritischen Fragen seiner Zeitgenossen reagiert. Und seine Antwort war: Religion (heute würde man sagen „Der Glaube an Gott“) ist das Gefühl der schlechthinnigen (=absoluten) Abhängigkeit. Es geht letztlich um das Gefühl. Der Glaube soll uns ein gutes Gefühl geben. Da haben Schleiermacher und Zimmer durchaus einen Nerv ihrer Zeiten getroffen.
Aber ich will fragen: Kann es sein, dass es im Evangelikalismus unserer Zeit ein Vakuum gibt, das die Vorträge von Zimmer füllen können? Ich meine ja, und möchte drei mögliche Antworten kurz skizzieren.
1. Wir brauchen mehr tiefgehende biblische Lehre. Wer in der biblischen Lehre gut informiert ist und nicht nur ein seichtes Wohlfühlevangelium kennt, wird auf Zimmers Versuche nicht hereinfallen. Wir brauchen mehr Apologetik und tiefes Nachdenken über Gottes Wort und die ethischen Herausforderungen unserer Zeit.
2. Wir brauchen den Mut, Lücken und Schwächen zuzugeben. Was viele Menschen an Zimmer fasziniert, ist sein Mut, nicht auf alles eine fertige Antwort zu haben. Er kann sehr gut auf die Menschen hören und sie verstehen und hat nicht einfach immer auf alles eine fertige Antwort. Authentizität und Mut zur Lücke sind hier gefragt. Im Wissenschaftsbetrieb ist es übrigens ganz normal und gesund, auf viele Fragen (noch) keine Antwort zu haben.
3. Wir brauchen eine erneuerte Vision von Gottes atemberaubender Schönheit. Unsere Generation lechzt nach Schönheit; und hier können wir aus der Kirchengeschichte lernen. Augustinus von Hippo, Jonathan Edwards, Blaise Pascal und C. S. Lewis hatten wie kaum jemand anderes eine solche Vision von der Schönheit Gottes. Für sie alle war Schönheit der Grund, warum man nach Gott verlangen soll. Besonders auf Schriften von Jonathan Edwards können wir zurückgreifen, um eine solche Vision von Neuem zu erlangen.

Jonathan Edwards – ein Leben zur Ehre Gottes

Den folgenden Artikel habe ich für das Timotheus-Magazin #11 zum Thema “Vorbilder” geschrieben. Wer das Heft oder ein Jahresabo bestellen möchte, kann dies gerne hier tun. Ich kann es sehr empfehlen.
Jonathan Edwards – ein Leben zur Ehre Gottes
Als Christen, die wir dem Herrn Jesus Christus nachfolgen, wünschen wir uns doch alle, ein Leben zur Ehre Gottes zu führen. Wenn wir darin nach einem Vorbild suchen, werden wir in Jonathan Edwards ganz bestimmt fündig. Er war keinesfalls perfekt, aber sein ganzes Leben war von dem Wunsch durchdrungen, dass alles, was er tat, zur Ehre Gottes geschehen möge.

Kindheit und Jugend
Jonathan Edwards kam am 5. Oktober 1703 als fünftes Kind und einziger Sohn – ihm folgten noch sechs weitere Schwestern – von Timothy und Esther Edwards, geborene Stoddard, in East Windsor zur Welt. Sein Großvater mütterlicherseits war Solomon Stoddard, der Pastor von Northampton, dessen Nachfolger Jonathan eines Tages werden sollte. Timothy Edwards, der Vater von Jonathan, war Prediger in East Windsor.

Zu Beginn hatte ihn sein Vater in vielen Dingen unterrichtet, er hat also die Schulzeit zu Hause verbracht. 1716 begann seine Zeit am College, was durch verschiedene Umstände eine recht chaotische Zeit war. Timothy wollte, dass sein Sohn im reformierten Glauben erzogen wurde. In Harvard, wo er selbst diese Zeit verbracht hatte, wurden die Lehrer, welche noch recht glaubten, durch andere ersetzt, die den reformierten Glauben ablehnten, und den Menschen mit seinem freien Willen in den Mittelpunkt stellten. Es musste ein neues College her. So gründete man das College, aus welchem später die Yale-University wurde. Jonathan war vielseitig interessiert, ein wacher Beobachter mit einer alles durchdringenden Logik. So schrieb er schon in der Zeit am College Abhandlungen über bestimmte Naturphänomene.

In diese Zeit am College fällt auch seine Bekehrung. Diese muss im März 1721 stattgefunden haben und hat sein Leben recht stark verändert. Er schreibt dazu: „Das erste Mal erinnerte ich mich dieser Art von inwendiger, lieblicher Freude an Gott und an göttlichen Dingen, die ich seither vielfach genossen habe, beim Lesen folgender Worte (1. Timotheus 1,17): „Dem König der Zeitalter aber, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ Als ich diese Worte las, da kam in meine Seele ein Empfinden für die Herrlichkeit des göttlichen Wesens, und es war, als sei sie ganz davon erfüllt. Es war ein neues Empfinden, völlig anders als alles, was ich bisher erlebt hatte. Nie kamen mir irgendwelche Schriftstellen so vor, wie es bei diesen Worten der Fall war. Ich dachte bei mir, welch wunderbares Wesen dies sei und wie glücklich ich doch sein müsste, wenn ich mich dieses Gottes erfreuen könnte und zu ihm in den Himmel entrückt würde und gleichsam ewig in ihm aufginge! […] Ich ging zu Gott, um ihn zu bitten, dass ich mich seiner freuen möge, und betete auf eine Weise, die sich völlig von allem unterschied, was ich zu tun gewohnt war; eine ganz neue Art der Herzensregung und Liebe war aufgebrochen.“i

Entschieden für Gott
In den Jahren nach seiner Bekehrung wuchs in Jonathan das Verlangen, ein immer heiligeres Leben führen zu können. Ein Leben, das Gott gefällt. Er wollte seinem Herrn dienen, und das möglichst schnell. So wartete er gar nicht erst, bis er den Master-Titel bekommen hatte, was bis 1723 gedauert hätte, sondern ging bereits im Alter von 19 Jahren nach New York, wo er die Arbeit eines stellvertretenden Predigers der dortigen Presbyterianischen Kirche tat. Im August 1722 begann er seine Arbeit in New York, welche bis im April 1723 dauerte. Er merkte sehr wohl, dass er in vielen Dingen noch zu lernen hatte. Aus diesem Grund begann er in der Zeit von Sommer 1722 bis im darauffolgenden Sommer, seine Entschlüsse („Resolutions“) zu Papier zu bringen. Innerhalb von einem Jahr wuchs das Werk auf 70 Entschlüsse, zu denen er sich verpflichtete. Die ersten sind schon sehr deutlich: „1. Ich verpflichte mich, dass ich alles tun werde, was immer zu Gottes Verherrlichung dient, und zu meiner Freude, solange ich lebe, ungeachtet des Zeitaufwands, sei es jetzt oder nie, unzählige Zeitalter von jetzt an. Ich habe mich entschlossen, was auch immer nötig ist, zu tun, was ich glaube, was meine Pflicht ist, und was am meisten dem Wohl und dem Allgemeinwohl dient. Ich verpflichte mich dazu, unabhängig davon, auf welche Weise, und auf wie viele oder wie große Schwierigkeiten ich stoße. 2. Ich verpflichte mich, mich fortwährend zu bemühen, neue Hilfsmittel oder Vorrichtungen zu suchen, um die vorigen Dinge zu fördern. 3. Ich verpflichte mich, dass, wenn ich je fallen sollte oder lau werde, d.h. wenn ich eines dieser Dinge vernachlässigen sollte, dass ich Buße tun werde für alles woran ich mich erinnere, sobald ich wieder zu mir komme. 4. Ich verpflichte mich, keine Art von Dingen zu tun, weder im Geist noch mit meinem Körper, außer dem, was Gott verherrlicht; noch werde ich so sein, wie es Gott missfällt, noch so etwas zu dulden, wenn ich es vermeiden kann. 5. Ich verpflichte mich, niemals einen Moment Zeit zu verlieren, sondern Zeit, so gut ich das kann, in günstigster Weise zu nutzen.“iiAuf diese Art und Weise geht es weiter. Jonathan Edwards wünschte sich nichts sehnlicher als dies, dass sein ganzes Leben unter die Herrschaft Gottes gestellt wird. Die Deutlichkeit dieser Entschlüsse erstaunt uns. Wir leben in einer Zeit, in der nichts mehr gebraucht würde, als entschiedene, entschlossene Nachfolger Christi. Deshalb wäre es von riesigem Gewinn, wenn wir wieder beginnen würden, Edwards zu lesen, von ihm zu lernen und uns mit seiner Entschiedenheit der Nachfolge Jesu hinzugeben.


Die große Erweckung
Nach seinem stellvertretenden Predigtdienst in New York ging er zurück nach Yale, wo er als Tutor arbeitete. Das heißt, er half einer Anzahl von Studenten bei Fragen, die das Studium oder auch die persönliche Entwicklung betraf. Dort arbeitete er und konnte in seiner Freizeit weiter seinen Studien nachgehen. 1727 wurde er als Helfer und Nachfolger für seinen Großvater Solomon Stoddard nach Northampton berufen. In diesem Jahr heiratete er Sarah Pierrepont, die auch aus einer wichtigen Predigerfamilie stammte. 1729 starb Solomon Stoddard, von nun an war Edwards allein für die Gemeinde in Nothampton verantwortlich. Zwei Jahre danach begann eine Bewegung im Ort: Die Menschen begannen vermehrt nach dem Glauben zu fragen. Die Kneipe wurde kaum noch besucht, dafür wurde an allen Orten von Gott und seinem Wirken gesprochen. Interessant ist, dass in jener Zeit in vielen Orten Amerikas eine ähnliche Bewegung begann, die ihren gemeinsamen Höhepunkt in den Jahren 1741 und 1742 hatte. Diese Zeit nennt man „The Great Awakening“ (die große Erweckung).

In jener Zeit hatte Edwards seine berühmteste Predigt gehalten, nämlich „Sinners in the Hands of an angry God“ (Sünder in den Händen eines zornigen Gottes). Eine der größten Herausforderungen von Edwards, die sich jedoch auch uns heute stellt, ist die Frage, wie man das, was die Bibel lehrt, möglichst verständlich erklären kann. Die Bibel lehrt den Zorn Gottes über Sünder, die nicht bereit sind, Buße zu tun. Deshalb muss man den Menschen dies so klar machen, dass sie es verstehen und sich zu Herzen nehmen. So predigt er über 5. Mose 32,35: Der Gott, der dich über dem Abgrund der Hölle festhält, so, wie man eine Spinne oder ein widerliches Insekt über das Feuer hält, ist furchtbar provoziert: Sein Zorn gegen dich brennt wie ein Feuer; er sieht, dass du nichts anderes verdienst, als ins Feuer geworfen zu werden; […] Du hast ihn unendlich mehr beleidigt, als ein Rebell jemals seinen Fürsten beleidigen könnte; und es gibt nichts außer Seiner Hand, was dich halten könnte, sodass du nicht jeden Moment ins Feuer fallen könntest.“iii

Die Auswirkungen dieser Predigten waren groß. Viele Menschen wurden sich plötzlich schlagartig der Heiligkeit Gottes bewusst, ebenso aber auch, dass sie selbst Sünder waren und welch eine große Kluft sich zwischen ihnen und dem herrlichen Gott befindet. Manche begannen zu weinen, andere schrien in ihrer Erkenntnis auf, wieder andere lachten und freuten sich, dass sie die Erlösung annehmen durften. Das führte aber auch zu Problemen, denn es tauchte die Frage auf, inwieweit diese Gefühle tatsächlich die Echtheit eines Glaubens bezeugen konnten. In der Auseinandersetzung mit dieser Frage entstand eines seiner wichtigsten Werke: „Religious Affections“ (Religiöse Gefühle). Hierzu muss man vorausschicken, dass Edwards wohl der Letzte gewesen wäre, der die Gefühle als solche grundsätzlich verdammt hätte. Für ihn gehören Gefühle zum Glauben wie das Wasser zum Fisch. Dies wird auch in seinen Resolutions deutlich. Gefühle führen zu Handlungen, deshalb müssen die richtigen Gefühle gefördert werden. Ein Glaube, der nur aus den richtigen Gedanken und Bekenntnissen besteht, ist für Edwards gar kein Glaube. So schreibt er zu der Haltung, die alle Gefühle verwirft: „Statt glaubensmäßige Regungen ohne Prüfung zu schätzen und zu bewundern, verwirft und verachtet man sie ohne Prüfung. Hierin erkennt man die List Satans … Er weiß genau, dass er auf diese Weise alle Frömmigkeit zu einem rein äußerlichen Formalismus ohne jedes geistliche Leben machen und die Kraft der Gottseligkeit samt allen geistlichen Sachverhalten ausschließen kann. So wird allem wahren Christentum die Tür verschlossen.“iv

Man kann aber auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen. In der Zeit der großen Erweckung gab es zahlreiche Menschen, die Predigten vor allem um der Gefühle willen aufgesucht haben. Manche haben gar nicht mehr richtig gearbeitet, weil sie so verrückt nach diesen Gefühlen waren, die manche Predigten hervorriefen. So geriet die Erweckung als Ganzes ins Kreuzfeuer. Edwards hielt deshalb auch einmal eine Predigt, in der er die Kennzeichen der echten Erweckung nannte: „1. stärkt sie in den Menschen die Hochachtung vor Jesus als Sohn Gottes und Retter der Welt. 2. führt sie dazu, dass sie sich von ihren Verderben und Begierden weg der Gerechtigkeit Gottes zuwenden. 3. verstärkt sie ihre Achtung vor der Heiligen Schrift. 4. erbaut sie ihren Verstand in den objektiven Wahrheiten des offenbarten Glaubens. 5. erweckt sie echte Liebe zu Gott und den Mitmenschen.“vAuch hier ist es an der Zeit, von Jonathan Edwards zu lernen, wenn wir uns Erweckung wünschen. Sein Predigtstil hatte sich immer mehr dem Werk des Heiligen Geistes angepasst, von dem der Herr Jesus sagte: „Und wenn jener kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht.“(Johannes 16,8) Edwards hatte erkannt: Wenn wir Erweckung wollen, so müssen wir mit dem Geist Gottes zusammenarbeiten.

Ein Streit und seine Folgen
Als Jonathan Edwards die Gemeinde in Northampton übernahm, war dort von seinem Großvater die Praxis gewesen, dass jeder beim Abendmahl teilnehmen durfte, der nicht gerade in auffälliger Sünde gelebt hatte. Dazu muss man natürlich wissen, dass in jener Zeit das Abendmahl nicht ein Teil des Gottesdienstes war, sondern eine gesonderte Veranstaltung, die alle acht Wochen stattfand. Zu dieser wurden nur die Personen hereingelassen, die für sich eine Zulassung erbeten hatten. Nun ging es um die Frage, wer diese Zulassung bekommen sollte. Solomon Stoddard hatte die Gemeinde aufgefordert, dass möglichst viele zu dieser Veranstaltung kommen mögen. Er verstand das Abendmahl als etwas, was auch zur Bekehrung hinführen kann. Die einzige Bedingung, die er festlegte, war ein gottgemäßes Leben. Im Laufe seines Dienstes und seiner zunehmenden Erkenntnis von Gottes Wort kam Jonathan Edwards zu einem anderen Ergebnis. Er erkannte, dass das Abendmahl für die vorbehalten ist, die bereits gläubig sind. Seinen Grundsätzen folgend, wollte er möglichst keine Zeit verlieren und eine neue Ordnung für die Zulassung erstellen. Mit diesem Wunsch kam eine Kontroverse zum Vorschein, die untergründig schon länger am schwelen war. Es gab einige, die mit Edwards unzufrieden waren, und diese Frage als Anlass nahmen, nun offen gegen ihn zu arbeiten. Ein Gemeindeausschuss konnte sich nicht einmal einigen, ob Edwards zu dem Thema eine öffentliche Veranstaltung einberufen durfte oder nicht. So sah er als einzigen Ausweg die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge schriftlich festzuhalten. Was entstand, war ein Buch, von dem er verlangte, dass alle, die abstimmen wollten, wie es mit der Gemeinde weitergehen sollte, dieses zuerst lesen müssten. Kurze Zeit darauf wurde er in Northampton abgewählt und trat im Juli 1750 von seinem Amt zurück.

Hier sehen wir einen der Charakterzüge, die es ihm in seinem Beruf wohl oft nicht leicht machte. Er war sehr hilfsbereit und hatte auch oft und viele Gäste bei sich, aber in erster Linie brannte er für Gott und für die Heiligung seiner Gemeinde. Wo er etwas Neues erkannt hatte, musste es möglichst schnell umgesetzt werden. Da kam wohl seine Gemeinde nicht mehr hinterher, was zu Konflikten führte. Auch hier können wir von ihm lernen. Es braucht Geduld, um eine ganze Gemeinde dorthin zu führen, dass sie mit solch gravierenden Neuerungen einverstanden ist. Vergleichbar ist dieser Konflikt zum Beispiel mit unseren heutigen Fragen nach dem Musikstil in der Gemeinde.

Das Ende und Erbe eines Gottesmannes
Nachdem er von seinem Amt in Northampton zurückgetreten war, zog er nach Stockbridge um. Dies war ein kleiner Ort, der am Rande der Wildnis lag. Hier übernahm er eine kleine Gemeinde von Siedlern und half in der Indianermission mit. Die Zeit dort war recht schwierig, denn er litt an finanziellen und auch gesundheitlichen Nöten. Außerdem hatte er auch dort Gegner, die sich gegen ihn wandten. Theologisch gesehen war die Zeit nach dem Rücktritt in Northampton die erfolgreichste, denn in dieser Zeit fand er Gelegenheit, um verschiedene Werke fertigzustellen und zu schreiben. Im Alter von 55 Jahren starb er am 22. März 1758.

Die Yale-Universität hat die ganzen Werke von Jonathan Edwards in 73 Bänden herausgegeben. Das ist ein immenses Erbe, das wir dankbar annehmen dürfen. Seine Biographie des Indianermissionars David Brainerd hat in vielen Generationen dazu geführt, dass sich junge Menschen für die Mission begeistern ließen. Seine Schriften zur Erweckung können uns auch heute helfen, wenn wir uns Erweckung wünschen. Seine Auseinandersetzungen mit dem freien Willen zeigt auch uns, wo die Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Willens liegen. Und dass uns seine „Resolutions“ zu einem hingegebenen, christuszentrierten und dienstbereiten Leben anspornen mögen, das ist mein Gebet.

Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre!
Quellenangaben:
i Jonathan Edwards, Personal Narrative in: Murray, Iain H., Jonathan Edwards – ein Lehrer der Gnade und die große Erweckung, Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld, 2011, S. 71
ii Jonathan Edwards, Resolutions, eigene Übersetzung
iii Jonathan Edwards, The Works of Jonathan Edwards Volume Two, Sinners in the Hands of an Angry God, eigene Übersetzung
iv Jonathan Edwards, Religious Affections in: Murray, Iain H., Jonathan Edwards – ein Lehrer der Gnade und die große Erweckung, Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld, 2011, S. 331
v Lawson, Steven J., The Unwavering Resolve of Jonathan Edwards, Reformation Trust Publishing, Orlando, Florida, 2008, S. 13, eigene Übersetzung

Die Vorsätze von Jonathan Edwards

Eine der ganz großen Schwierigkeiten unserer heutigen Gemeinden ist, dass es an Entschiedenheit fehlt, ganz nach Gottes Wort leben zu wollen. Überall findet man diesbezüglich Kompromisse. Ich wünschte mir, dass uns die Entschlüsse oder Vorsätze (“Resolutions”) von Jonathan Edwards helfen mögen zu einem entschiedenen Leben für Gott. Jonathan Edwards hat diese Vorsätze im Alter von 20 Jahren geschrieben. Sie sind im Laufe eines Jahres auf 70 Punkte angewachsen und stehen für das Programm seines ganzen Lebens. An dieser Stelle noch vielen Dank an K. Hein für die Hilfe beim Übersetzen. Englische Quelle von hier.
Hier noch das Ganze als PDF.

Die Vorsätze von Jonathan Edwards

Da ich mir dessen bewusst bin, dass ich nichts ohne Gottes Hilfe zu tun vermag, bitte ich ihn inständig und in Demut, mich durch seine Gnade dazu zu befähigen, mich an diese Vorsätze zu halten, sofern sie mit Gottes Willen übereinstimmen, um Christi Willen.
Erinnere dich daran, diese Vorsätze einmal pro Woche durchzulesen.

Allgemeine Berufung in meinem Leben
1. Ich verpflichte mich, dass ich alles tun werde, was immer zu Gottes Verherrlichung dient, und zu meiner Freude, solange ich lebe, ungeachtet des Zeitaufwands, sei es jetzt oder nie, unzählige Zeitalter von jetzt an. Ich habe mich entschlossen, was auch immer nötig ist, zu tun, was ich glaube, was meine Pflicht ist, und was am meisten dem Wohl und dem Allgemeinwohl dient. Ich verpflichte mich dazu, unabhängig davon, auf welche Weise, und auf wie viele oder wie große Schwierigkeiten ich stoße.
2. Ich verpflichte mich, mich fortwährend zu bemühen, neue Hilfsmittel oder Vorrichtungen zu suchen, um die vorigen Dinge zu fördern.
3. Ich verpflichte mich, dass, wenn ich je fallen sollte oder lau werde, d.h. wenn ich eines dieser Dinge vernachlässigen sollte, dass ich Buße tun werde für alles woran ich mich erinnere, sobald ich wieder zu mir komme.
4. Ich verpflichte mich, keine Art von Dingen zu tun, weder im Geist noch mit meinem Körper, außer dem, was Gott verherrlicht; noch werde ich so sein, wie es Gott missfällt, noch so etwas zu dulden, wenn ich es vermeiden kann.
6. Ich verpflichte mich, mit all meiner Autorität zu leben, solang ich lebe.
22. Ich verpflichte mich, mich um meine eigene Freude und die Freude in der Welt zu bemühen, so gut ich kann, mit all der Kraft, Macht, allem Nachdruck und mit Heftigkeit, sogar mit Gewalt, die mir zur Verfügung steht, bzw. die ich ausüben kann, in jeder Weise, die man sich vorstellen kann.
62. Ich verpflichte mich, niemals etwas als meine Pflicht zu tun und dann gemäß Epheser 6:6-8, dies bewusst auszuführen und dem Herrn und nicht Menschen zu gefallen im Bewusstsein darüber, dass etwas Gutes, was der Mensch tut, das er dasselbe vom Herrn empfängt. 25. Juni und 13. Juli 1723.

Gute Werke
11. Ich verpflichte mich, wenn ich denke, dass etwas, was Gott betrifft, eine Theologie, gelöst werden muss, alles umgehend zu tun, um es auszuführen, wenn keine Umstände es verhindern.
13. Ich verpflichte mich, mich zu bemühen, angemessen Gegenstände zu finden, mit denen ich großzügig sein oder Almosen geben kann.
69. Ich verpflichte mich, immer das zu tun, was ich mir wünschen würde dass andere es täten. 11. August 1723.

Zeiteinteilung
5. Ich verpflichte mich, niemals einen Moment Zeit zu verlieren, sondern Zeit, so gut ich das kann, in günstigster Weise zu nutzen.
7. Ich verpflichte mich, niemals etwas zu tun, vor dem ich mich fürchten würde, wenn es die letzte Stunde meines Lebens wäre.
17. Ich verpflichte mich, so zu leben, wie ich wünschte dass ich gelebt hätte, wenn ich sterben würde.
18. Ich verpflichte mich, so allezeit zu leben, wie ich glaube dass es das Beste in meinem bescheidenen Rahmen ist, und wie ich die klarsten Vorstellungen vom Evangelium habe und von der anderen Welt.
19. Ich verpflichte mich, niemals etwas zu tun, vor dem ich mich fürchten sollte, wenn ich erwarten würde, dass meine letzte Stunde gleich geschlagen hat.
37. Ich verpflichte mich, mich jede Nacht, wenn ich zu Bett gehe, zu fragen, wo ich etwas vernachlässigt habe oder welche Sünde ich begangen habe und worin ich mich selbst verleugnet habe; ebenfalls jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr. 22. und 26. Dezember 1722 .
40. Ich verpflichte mich, mich jede Nacht vor dem Zubettgehen zu fragen, ob ich in der bestmöglichen Weise gehandelt habe, was Ess- und Trinkverhalten anbelangt. 7 Januar 1723.
41. Ich verpflichte mich, mich am Ende eines jeden Tages und jeder Woche und jedes Monats und Jahres zu fragen, worin ich in irgendeiner Weise hätte besser handeln können. 11 Januar 1723.
50. Ich verpflichte mich, so zu handeln, wie ich es als richtig und am weisesten beurteile, wenn ich in die zukünftige Welt komme. 5. Juli 1723.
51. Ich verpflichte mich, in jeder Hinsicht so zu handeln, wie ich mir wünschte es getan zu haben wenn ich am Ende verdammt würde. 8 Juli 1723.
52. Ich höre häufig Menschen höheren Alters sagen, wie sie leben würden, wenn sie nochmals leben könnten. Ich verpflichte mich, so zu leben, wie ich glaube, dass ich mir wünschen würde, es getan zu haben wenn ich ein höheres Alter erreicht habe. 8 Juli 1723.
55. Ich verpflichte mich, mich zu bemühen, nach Bestem Vermögen so zu handeln, wie ich glaube es tun zu sollen, wenn ich die Glückseligkeit im Himmel gesehen hätte und die Höllenqualen. 8 Juli 1723.
61. Ich verpflichte mich, dass ich Antriebslosigkeit keinen Raum geben werde, von der ich finde, dass sie mein Gewissen entspannt und dass sie aus starrer Religiosität kommt, was auch immer ich für eine Entschuldigung ich dafür haben mag, dass meine Antriebslosigkeit mich das Beste zu tun treibt. 21. Mai 1723 und 13. Juli 1723.

Beziehungen
14. Ich verpflichte mich, niemals etwas aus Rache zu tun.
15. Ich verpflichte mich, nie auch nur an geringsten Ansätzen von Wut und irrationalen Gefühlen zu leiden.
16. Ich verpflichte mich, niemals böse über jemanden zu sprechen, so dass es zu dessen Ehrverlust führt in größerer oder minder großer Weise, es sei denn es wäre für etwas Gutes.
31. Ich verpflichte mich, niemals etwas gegen etwas oder jemanden zu sagen, außer wenn es vollständig mit dem höchsten Grad der christlichen Ehre vereinbar sei, mit der Liebe zur Allgemeinheit, mit der tiefsten Demut und mit dem Bewusstsein meiner eigenen Fehler und Fehltritte und mit der goldenen Regel vereinbar ist; sooft ich etwas gegen jemanden vorgebracht habe, werde ich dies streng diesem Test dieser Verpflichtung unterziehen.
33. Ich verpflichte mich, immer zu tun was ich kann, damit der Friede erhalten, geschaffen und gehalten werden kann, wenn das möglich ist, ohne dass man andere Dinge beeinträchtigt. 26. Dezember 1722.
34. Ich verpflichte mich, bei Erzählungen nichts als die reine und einfache Wahrheit zu sagen.
36. Ich verpflichte mich, niemals böse über jemanden zu sprechen, es sei denn ich habe einen besonders guten Grund dafür. 19. Dezember 1722.
46. Ich verpflichte mich, niemals in geringster Weise mein Unbehagen meinem Vater oder meiner Mutter gegenüber auszulassen. Ich verpflichte mich, an keinen Folgen davon zu leiden, um im Geringsten beim Sprechen, mit meinen Gefühlen oder meinen Augen und darauf besonders in meiner Familie zu achten.
58. Ich verpflichte mich, nicht nur von einem Anflug von Missfallen, schlechter Laune und Wut in Unterhaltungen Abstand zu nehmen, sondern auch eine Atmosphäre der Liebe, Freude und des Segens zu zeigen. 27, Mai und 13. Juli 1723.
59. Ich verpflichte mich, wenn ich mir Provokationen kranker Natur und Ärger bewusst werde, dass ich mich anstrengen werde, mich gut zu fühlen und wohlwollend zu handeln, ja sogar in solchen Momenten Gutes zu tun, obwohl ich weiß, dass es in andren Dingen nachteilig oder unklug wäre. 12. Mai, 2. Juli und 12. Juli.
66. Ich verpflichte mich, dass ich mich anstrengen werde, immer und überall eine segensvolle Sichtweise, eine Atmosphäre und Handels-, sowie Ausdrucksweise auszuüben, es sei denn ich bin gezwungen es anders zu tun.
70. Möge da etwas Wohlwollendes in allem sein, was ich spreche.

Leiden
9. Ich verpflichte mich, viel an mein eigenes Sterben bei allen Gelegenheiten zu denken und an die allgemeinen Umstände, die zum Tode führen.
10. Ich verpflichte mich, wenn ich Schmerz empfinde, an Schmerzen der Märtyrer zu denken, sowie an die Hölle.
67. Ich verpflichte mich, mich bei Bedrängnissen zu fragen, worin ich dadurch besser geworden bin, was ich Gutes dadurch erhalten habe und was ich dadurch hätte Gutes bekommen können.
57. Ich verpflichte mich, wenn ich mich vor Unglück und Missgeschicken fürchte, zu prüfen, ob ich meine Pflicht getan habe und meine Aufgabe hierin zu lösen, und die Furcht loslassen, so gut die Vorsicht es mir sagt, ich werde so gut ich kann über nichts besorgt sein außer über meine Pflicht und meine Sünde. 9. Juni und 12. Juli 1723.


Charakter
8. Ich verpflichte mich, in jeder Hinsicht sowohl im Reden als auch im Tun, so zu handeln, als wäre niemand je so abscheulich gewesen wie ich, und so, als hätte ich dieselben Sünden begangen, oder hätte dieselben Schwächen und Verfehlungen wie andere, und dass ich das Wissen um ihre Verfehlungen zu nichts anderem gebrauche, als um die Scham in mir zu vergrößern und dies als Anlass zu nehmen, meine eigene Sünde und mein Elend Gott zu bekennen.
12. Ich verpflichte mich, wenn ich mich daran erfreue als Belohnung für den Stolz oder Einbildung oder so etwas ähnliches, es dann sofort wegzuwerfen.
21. Ich verpflichte mich, niemals etwas zu tun, was ich, würde ich es jemand anderes tun sehen, als gerechten Grund dafür zählen würde, diesen zu verachten oder auf irgend eine andere Weise schlechter von ihm zu denken.
32. Ich verpflichte mich, exakt und zuverläßig treu zu sein zu dem, was mir anvertraut ist, sodass der Ausspruch von Sprüche 20,6: „wer findet aber einen treuen Mann?“ nicht einmal ansatzweise in mir erfüllt würde.
47. Ich verpflichte mich, mich aus das Äußerste zu bemühen, alles abzulehnen, was nicht möglichst nützlich ist zu einer guten und allgemein süßen und wohlwollenden, ruhigen, friedlichen, zufriedenen, einfachen, anteilnehmenden, großzügigen, demütigen, bescheidenen, maßvollen, gehorsamen, zuvorkommenden,gewissenhaften und fleißigen, wohltätigen, ausgeglichenen, geduldigen, gemäßigten, versöhnlichen, aufrichtigen Stimmung beiträgt; und zu allen Zeiten alles zu tun, was eine solche Stimmung mich zu tun leitet. Ich will jede Woche überprüfen, ob ich so gehandelt habe. Samstagmorgen, den 5. Mai 1723
54. Wann immer ich irgend etwas in einem Gespräch von jemand anderem höre, wovon ich denke, dass es lobenswert sei, verpflichte ich mich, es nachzuahmen. 8 Juli 1723.
63. Unter der Annahme, dass es nie mehr als einen einzigen Menschen zur selben Zeit in der Welt gab, der einwandfrei ein ganzer Christ war in jeder Hinsicht eines rechten Stempels, der das Christsein immer in seinem rechten Glanz erscheinen lässt und ausgezeichnet und lieblich erscheint, von wo aus auch immer sein Charakter betrachtet wird: ich verpflichte mich, genau so zu handeln, als ob ich mit all meiner Macht danach eiferte, der Eine zu sein, der in meiner Zeit lebte. 14. Januar und 3. Juli 1723
27. Ich verpflichte mich, niemals willentlich etwas zu versäumen, es sei denn, die Versäumnis sei zur Ehre Gottes, und (verpflichte mich weiter) regelmäßig meine Versäumnisse zu überprüfen.
39. Ich verpflichte mich, nie etwas zu tun, an dessen Rechtmäßigkeit ich so sehr zweifle, dass ich mir zugleich vornehme, es nachher zu überprüfen, ob es rechtmäßig oder nicht sei, es sei denn, dass ich das Versäumnis desselben gleichermaßen bezweifle.
20. Ich verpflichte mich, die strengste Mäßigkeit im Essen und Trinken einzuhalten.

Heilsgewissheit
25. Ich verpflichte mich, exakt und regelmäßig zu überprüfen, was da in mir ist, was mich im Kleinsten an Gottes Liebe zweifeln lässt ; und all meine Kräfte dagegen anzuwenden.
26. Ich verpflichte mich, alles wegzuwerfen, was ich sehe, dass es meine Heilsgewissheit abnehmen lässt.
48. Ich verpflichte mich, dass ich mit der äußersten Genauigkeit und Eifer und der strengsten Untersuchung den Zustand meiner Seele prüfe, damit ich wissen kann, ob ich wahrliches Interesse an Christus habe oder nicht; sodass ich, wenn ich zum Sterben komme, keine Nachsicht diesbezüglich zu bereuen habe. 26. Mai 1723.
49.Ich verpflichte mich, alles zu tun, dass es niemals dazu kommen möge, wenn ich das beeinflussen kann.

Die Schriften
28. Ich verpflichte mich, die Schriften so ununterbrochen, beständig und häufig zu studieren, dass ich bemerken kann, dass ich in der Erkenntnis jener wachse.

Gebet
29. Ich verpflichte mich, niemals etwas als Gebet zu zählen oder als Gebet durchgehen zu lassen noch als eine Bitte um ein Gebet, was so beschaffen ist, dass ich nicht hoffen kann, dass Gott es erhören wird; noch das als Bekenntnis, wovon ich nicht hoffen kann, dass Gott es akzeptieren wird.
64. Ich verpflichte mich, wenn ich dieses „unaussprechliche Seufzen“ (Römer 8,26) finde, von dem der Apostel spricht, und dieses „Sich-Verzehren der Seele in der Sehnsucht“, von dem der Psalmist spricht, Psalm 119,20, dass ich diese Dinge voranzubringen versuchen werde mit meiner äußersten Kraft, und dass ich dessen nicht überdrüssig sein werde von der ernsthaften Anstrengung, meine Begierden vergehen zu lassen, noch des Wiederholens einer solchen Ernsthaftigkeit. 23. Juli und 10. August 1723.

Der Tag des Herrn
38. Ich verpflichte mich, niemals etwas zu sagen, was spöttisch, verspielt oder der Grund von Gelächter sein soll am Tag des Herrn. Samstagabend, 23. Dezember 1722.

Belebung der Gerechtigkeit
30. Ich verpflichte mich, bis zu meinem Äußersten danach zu eifern, in meinem Glauben voran zu kommen, und die Gnade noch mehr ausüben zu können als die Woche davor.
42. Ich verpflichte mich, regelmäßig meine Hingabe an Gott zu erneuern, welche zu meiner Taufe gemacht wurde, die ich feierlich erneuerte, als ich in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wurde, und die ich feierlich neu gemacht habe am 12. Januar.
43. Ich verpflichte mich, von nun an bis ich sterbe, nie mehr so zu handeln, als ob ich in irgend einer Weise mir selbst gehören würde, sondern ganz und gar Gott, gemäß dem, was in ihm zu finden ist. Samstag, 12. Januar 1723
44. Ich verpflichte mich, dass kein anderes Ziel als der Glaube irgend einen Einfluss auf irgend eine meiner Handlungen haben soll, und dass es keine Handlung geben soll, unter allen Umständen, die zu irgend einem anderen Ziel verhelfen soll als dem des Glaubens. 12. Januar 1723
45. Ich verpflichte mich, niemals ein Vergnügen oder einen Kummer, Freude oder Sorge, noch sonst irgend ein Gefühl oder ein bestimmtes Ausmaß eines Gefühls, noch einen Umstand, der damit verbunden ist, zuzulassen, wenn es nicht dem Glauben hilft. 12. – 13. Januar 1723

Abtötung der Sünde und Selbstprüfung
23. Ich verpflichte mich, regelmäßig bestimmte Handlungen absichtlich zu tun, welche die meisten höchst unwahrscheinlich getan hätten, zur Ehre Gottes, und diese auf ihre ursprüngliche Absicht, Pläne und Ziele zurückzuführen; und wenn ich dann denke, es sei nicht zur Ehre Gottes, es dann für einen Verstoß gegen die vierte Verpflichtung zu halten.
24. Ich verpflichte mich, wann immer ich etwas feststellbar Schlechtes tue, dies zurückzuverfolgen bis zum ursprünglichen Grund, und dann mich dann genau zu bemühen, beide nicht mehr zu begehen und mit all meiner Kraft gegen den Ursprung davon zu kämpfen und zu beten.
35. Ich verpflichte mich, wann immer ich daran zweifle, ob ich meine Pflicht getan habe, so dass meine Ruhe und Stille dadurch gestört wird, es aufzuschreiben und ebenfalls, wie der Zweifel beseitigt wurde. 18. Dezember 1722.
60. Ich verpflichte mich, wann immer meine Gefühle beginnen, sich außerhalb des normalen Zustands zu befinden, wenn ich mir der geringsten inneren Unruhe bewusst werde oder des geringsten äußeren Verstoßes, dass ich mich dann der exaktesten Untersuchung unterziehe. 4. und 13. Juli 1723.
68. Ich verpflichte mich, alles, was ich in mir finde, ehrlich vor mir zuzugeben, sei es Schwäche oder Sünde, und alles davon, was den Glauben betrifft, auch Gott zu beichten und ihn um die nötige Hilfe anzuflehen. 23. Juli und 10. August 1723.
56. Ich verpflichte mich, niemals aufzugeben, oder im Geringsten nachzulassen in meinem Kampf gegen meine Verderbtheit, egal wie erfolglos ich auch sein möge.

Gemeinschaft mit Gott
53. Ich verpflichte mich, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, wenn ich in der besten und glücklichsten Gemütsverfassung bin, meine Seele auf den Herrn Jesus Christus zu werfen und zu setzen, ihm zu vertrauen und mich gänzlich ihm hinzugeben; damit ich so zur Gewissheit meines Heils komme, indem ich weiß, dass ich meinem Retter vertraue. 8. Juli 1723.
65. Ich verpflichte mich, mich mein ganzes Leben lang sehr darin zu üben, das heißt, mit der größten Ehrlichkeit, die mir möglich ist, meine Wege vor Gott zu verantworten und meine Seele vor ihm offen zu legen: Alle meine Sünden, Versuchungen, Schwierigkeiten, Sorgen, Ängste, Hoffnungen, Wünsche und alle Dinge und jeder Umstand, gemäß der 27. Predigt des Dr. Manton über den Psalm 119. 26. Juli und 10. August 1723
  1. August 1723

Jonathan Edwards über Heiligung

Jonathan Edwards über glaubensmäßige Regungen und die wahre Heiligung:
„Leute, die sich einst ihrer Bekehrung sicher waren, haben kein ernstes Verlangen mehr nach Licht und Gnade … sie zehren von ihrem ersten Werk oder von irgendwelchen überschwänglichen Erfahrungen in der Vergangenheit, wobei ihr Weinen sowie ihr Ringen mit Gott und ihr Flehen um seine Gnade aufgehört haben. Aber die heiligen Grundsätze, welche die Triebkraft eines wahren Heiligen sind, tragen auf viel machtvollere Weise dazu bei, ihn dazu anzuregen, mit ganzem Ernst nach Gott und nach Heiligkeit zu trachten … Die Heilige Schrift zeigt uns überall, dass das Suchen, Ringen und Mühen eines Christen erst nach der Bekehrung einsetzt und dass die Bekehrung nur der Anfang ist, dem weitere Schritte folgen müssen. Und nehmen wir nahezu alles, was im Neuen Testament über das Wachen des Menschen, die ernsthafte Selbstbeherrschung, den vor uns liegenden Wettlauf, das Ringen sowie Mühen und die Tatsache gesagt wird, dass wir nicht mit Fleisch und Blut kämpfen müssen, sondern mit Gewalten und Mächten. Betrachten wir weiterhin das Kämpfen, das Anlegen der Waffenrüstung Gottes, das Stehen und das Voranschreiten, das Ausstrecken, das unablässige Beten und die Tatsache, dass wir Tag und Nacht zu Gott schreien sollen: Ja, fast alles, was im Neuen Testament über diese Dinge steht, wird von den Heiligen gesagt und ist an sie gerichtet. Wo dies alles auf den Sünder angewandt wird, der erst einmal nach der Bekehrung streben muss, da müsste alles zehnmal mehr der erhabenen Berufung der Heiligen gelten, worum es hauptsächlich geht.“ (Jonathan Edwards, Religious Affections, S. 306 – 307; zitiert aus: Iain H. Murray, Jonathan Edwards – Ein Lehrer der Gnade und die große Erweckung, CLV, S. 342 – 343)