Psalm 23

Psalm 23 (Gedicht)
Dies Lied hat der König David geschrieben,
der als Jüngling bei Vaters Schafen geblieben.
Er weiß, wovon er spricht, wenn er sagt:
Der HERR ist mein Hirte, ganz unverzagt
will ich Ihm folgen, wohin Er auch geht,
denn ich bin versorgt, wo immer Er steht.
Die Weide ist grün, das Gras voller Saft
wo Er mich hinführt, Sein Wort gibt mir Kraft.
Und wenn ich dürste nach Wasser und mehr:
Bei Ihm ist genug, deshalb komm doch auch her.
Zu ruhigen Bächen und stillem Gewässer
führt Er mich hin, da geht es mir besser.
Meiner Seele nimmt Er Sich bestens an:
Er erfrischt sie und liebt sie, bis Er sie gewann.
Auf richtigem Wege führt Er sie nun
und zeigt ihr das Beste, was sie kann tun:
Sich auf Ihn zu verlassen, weil Er es versprach,
in Seinem Namen, und Er kennt Sein Fach.
Selbst wenn ich zuweilen mich fühle verlassen:
Im Dunkel, allein, in Todesschatten Gassen,
im Tal der Finsternis, bist Du doch bei mir.
Kein Unglück kann mich vertreiben von hier,
an Deiner Seite, Dein Trost ist gewiss
Dein Stecken und Stab pariert jeden Biss.
Einen Tisch der Gemeinschaft machst Du mir bereit,
ein Festmahl für mich, den Du hast befreit
im Angesicht derer, die Böses mir wollen
auch das Haupt hast du mir – und mögen sie schmollen –
mit Öl gesalbt und reichst mir die Tasse
die überfließt des Weins von göttlicher Klasse.
So wird die Freude nun ewig sein mein,
die Güte, die Gnade was Gutes mag sein,
sie folgen für immer wohin ich auch geh,
denn Du bist bei mir, wo ich auch stehe.
Und so will ich nun im Hause des HERRN
mein Leben lang bleiben und dienen Ihm gern.
(frei nach Psalm 23)
24. 08. 2012, Jonas Erne

Der gute Hirte

Der gute Hirte
Steige auf einen hohen Berg, o Zion, die du frohe Botschaft verkündigst! Erhebe deine Stimme mit Macht, o Jerusalem, die du frohe Botschaft verkündigst; erhebe sie, fürchte dich nicht; sage den Städten Judas: Seht, da ist euer Gott! Siehe, Gott, der Herr, kommt mit Macht, und sein Arm wird herrschen für ihn; siehe, sein Lohn ist bei ihm, und was er sich erworben hat, geht vor ihm her. Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte; die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und im Bausch seines Gewandes tragen; die Mutterschafe wird er sorgsam führen. (Jes. 40, 9 – 11)
Nun ist plötzlich nicht mehr nur Jesaja der Evangelist, sondern ganz Zion, also ganz Jerusalem, oder besser gesagt: Die Gesamtheit des Volkes Israel ist dazu berufen, Evangelist zu sein. Es ist das von Gott auserwählte Volk zum Segen aller Nationen. Bis zum heutigen Tag ist das Volk und die Nation Israel ein Wunder: Gejagt, verflucht, verfolgt, gemordet – und dennoch ein stark wie zu jeder Zeit. Auch heute ist Israel ein Bote Gottes – selbst wenn sie es nicht wahrhaben wollen. Aber am heutigen Staat Israel erfüllen sich zahlreiche Verheißungen, die Gott ihm gegeben hat – vor vielen Jahrhunderten und Jahrtausenden.
Die Botschaft muss bekannt werden. Der Evangelist darf sich nicht in eine Synagoge oder in ein Gemeindehaus zurückziehen – er muss da sein, wo er gehört wird. Zion soll auf einen hohen Berg. Das erinnert uns an die Bergpredigt, wo Jesus sagte, dass eine Stadt auf dem Berg nicht versteckt bleibt, sondern gesehen wird. Eine solche Stadt verbreitet ein Licht und ist anziehend. Ganz anders, wenn man das Licht unter einem Scheffel (eine Art Eimer, mit dem das Korn abgemessen wurde) stellt. Da nützt es niemandem etwas. Deshalb muss diese gute Botschaft, die Zion hat, in der ganzen Welt verbreitet werden.
Was ist denn diese frohe Botschaft, die Zion zu verkündigen hat? Es ist dies nämlich, dass es trotz der menschlichen Sünde und inneren Verderbtheit des Menschen Hoffnung gibt. Vom Moment des Sündenfalls an wissen die Menschen, dass Gott einen Retter senden wird, den Messias. Der gesamte Tempel- und Opferdienst Israels deutet auf diese Erlösung durch den Messias hin. Dies ist durch den Herrn Jesus am Kreuz auf Golgatha geschehen. Dort hat der Tausch stattgefunden: Jesus nahm die Schuld und Strafe der Sünde von uns Menschen auf Sich, bezahlte dafür und übertrug allen, die an Ihn glauben, Seine göttliche Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit.
So kam Jesus in diese Welt hinein und sagte von Sich, dass Er der gute Hirte ist, und derjenige, welcher die Welt in Zukunft regieren wird. Und Jesaja fordert hier Israel auf, auszurufen, dass es Jahwe, der eine Gott Israels ist, welcher als dieser gute Hirte kommen wird. Es ist schade, dass es immer noch so viele Gruppen gibt, welche behaupten, Jesus sei nur Mensch gewesen. Hier sagt uns Jesaja ganz klar und deutlich, dass der eine Gott Israels, Jahwe, es sein wird, der mit Macht kommen und herrschen wird. Er wird Seine Herde weiden, die Gläubigen sind Seine Schafe. Und Er wird Sich um all jene kümmern, die Ihm nachfolgen. Welch ein Trost für uns! Seliges Wissen, Jesu ist mein! Er wird die jungen und schwachen im Glauben bei Sich tragen und für sie sorgen. Er hat es versprochen. Und das absolut Genialste ist, dass es nichts und niemanden gibt, der Ihm die Seinen weglocken oder entreißen kann. Wer Jesus hat, der hat das Leben. Ein für alle Male. Halleluja, gelobt sei Jahwe, unser Gott!

Der gute Hirte – Gedanken zur Autorität und Verantwortung

Wenn wir danach suchen, was zur Zeit, als Jesus lebte, einen guten Hirten ausmachte, so finden wir:

a. Der Hirte war nicht Besitzer der Herde

Ein Hirte war nie selbst Besitzer „seiner“ Herde, sondern bekam diese von seinem Herrn, dem Kyrios, anvertraut. Bei Schafen war der Begriff Herde ein feststehender Ausdruck, der für die Menge von 300 Schafen stand. Für diese war der Hirte zuständig und vor seinem Herrn verantwortlich. Er konnte nicht nach seinem Belieben mit ihnen umgehen, sondern musste den Befehlen seines Herrn gehorchen und musste vor diesem für all sein Handeln Rechenschaft ablegen. Er war der Verwalter der Herde seines Herrn. Seine Aufgabe war es, im Auftrag seines Herrn gut für die Herde zu sorgen und darauf zu achten, dass es ihr gut geht und sie gut versorgt war.

b. Der Hirte war nicht allein mit seiner Herde

Meist hatte der Hirte noch zwei weitere „Unterhirten“, sogenannte Herdentreiber, bei sich. Diese mussten dem Hirten gehorchen, weil er ihr Chef war, aber sie konnten auch mit aufpassen, dass er gut für die Herde sorgt und dies gegebenenfalls ansprechen. Sie waren seine Untergebenen, aber auch mit verantwortlich für die Herde. Wenn der Hirte alt wurde, so übergab er meist einem von ihnen das Hirtenamt, da sie die Herde schon kannten.

c. Der Hirte kannte seine Schafe

Jedes Schaf bekam vom Hirten einen Namen, bei dem es gerufen wurde (und auf den es auch hörte). Das war extrem wichtig für die ganze Herde, dass der Hirte jedes seiner Schafe gut kannte. Er zählte nicht nur die Anzahl, ob eines fehlte, er kannte auch den Charakter eines jeden seiner Schafe. Nur so konnte er in sinnvoller Frist erkennen, wohin eines seiner Schafe wohl gelaufen war und es dann auch finden. Er konnte nicht tagelang nach einem solchen Schaf suchen, er musste wissen, welches Schaf fehlt, und aufgrund von dessen Charakter suchte er an einer ganz bestimmten Stelle bis er es wieder fand.

d. Der Hirte kannte seine Wege

Ebenso wichtig war es, dass der Hirte genau wusste, wo es lang geht. Er musste wissen, wo er in Tagesfrist einen neuen Platz mit Wasser und genügend frischem Gras fand. Er musste die Gebirge kennen, in welchen die Schafe sich verlaufen konnten. Er musste den Weg seiner Herde sehr gut planen und sich dann auch eisern an diesen Plan halten, damit seine Herde überleben und rechtzeitig wieder zurück sein konnte. Da war sehr viel Disziplin nötig.

e. Der Hirte ging voran und führte die Herde

Da er seine Herde und jedes einzelne seiner Schafe so gut kannte, konnte er vorangehen und ihnen als Vorbild dienen. Die Schafe „wussten“, dass sie ihm vertrauen konnten und folgten ihm weitestgehend von selbst nach. Er war ihr Vorbild und ihr Beschützer, derjenige, der für sie sorgte, sich um sie sorgte und dafür sorgte, dass es ihnen gut ging. Manchmal musste er sie erschrecken, damit sie zur Herde zurück kamen, manchmal auch etwas Schmerzen bereiten, aber alles, um ihr Leben zu schützen. Sie wussten sich bei ihm sicher und beschützt. Sie kannten seine Stimme und vertrauten ihm blind. Wohlgemerkt, sie kannten seine Stimme so gut, dass sie nur auf ihn hörten und vor jeder anderen Stimme zurückschreckten, auch wenn sie verstellt und der des Hirten möglichst ähnlich war.

Es stimmt, dass Macht immer wieder zu Missbrauch dieser Macht führt. Und es stimmt auch, dass niemand vor der Versuchung, seine Macht zu missbrauchen, geschützt ist. Dennoch ist Autorität in Verbindung mit der Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen eine von Gott gewollte und eingesetzte und bestätigte Sache. Autorität bedeutet, dass die eingesetzte Autorität ganz praktisch für das Wohlergehen derer, über die er eingesetzt ist, die Verantwortung trägt. Jeder, der in einer solchen Position steht, muss vor Gott und den Mitmenschen Rechenschaft ablegen können für alles Tun und Lassen. Es gibt in einer solchen Position keine Möglichkeit, sich herauszuhalten, um so die Verantwortung abzuschieben. Denn Abschieben ist an sich schon möglich, bedeutet jedoch das mutwillige Unterlassen des Annehmens seiner Verantwortung.

Autorität, die Gott eingesetzt hat, gibt es in folgenden Bereichen:

1. Familie. Hier trägt der Familienvater und Ehemann die Hauptverantwortung für die Ehe und die Familie. Es ist seine Pflicht, für Recht, Ordnung, Gerechtigkeit, Erziehung und Bildung zu sorgen.

2. Gemeinde. Hier ist es der Kreis der Ältesten zusammen mit dem Pastor (oder die Kirchenleitung mit dem Pfarrer). Sie sind für die Lehre, die Organisation, die Seelsorge und die Anwendung der Gemeindezucht verantwortlich.

3. Arbeitsplatz. Hier trägt der Vorgesetzte jeweils über seine Untergebenen die Verantwortung. Auch diese Ordnung muss von uns respektiert werden. Eine Firma kann nur dann gut funktionieren, wenn diese Zusammenarbeit gewährleistet ist.

4. Schule / Universität / Vereine. Auch hier gilt das selbe Prinzip. In der Schule haben Kinder ihren Lehrern zu gehorchen, sie zu respektieren. Auch in Vereinen (zum Beispiel einem Fußballverein) ist es notwendig, dass man sich in die bestehende Hierarchie einordnet.

5. Staat. Auch der Staat, bzw. die Volksvertreter des Staates haben eine solche Aufgabe. Hier gilt zum Beispiel, dass wir die Steuern zahlen, dass wir den Gesetzen des jeweiligen Landes gehorchen, dass wir die Polizei und die Armee ernst nehmen.

Von der anderen Seite her gesehen, haben wir als Autoritätspersonen die Verantwortung vor Gott, gut für diejenigen zu sorgen, die uns anvertraut sind. Es ist unbedingt nötig, dass wir uns immer wieder erneut die Kraft für diese Aufgabe im Gebet holen, im Gespräch mit Gott. Wir wissen, dass wir nicht perfekt sind und hören deshalb auch gerne auf die Meinung derer, die uns anvertraut sind. Wir bestimmen nicht einfach über sie, sondern versuchen, sie in diesen Prozess der Entscheidungsfindung hineinzunehmen. Das Ziel muss immer sein, sie zur Mündigkeit und Verantwortlichkeit anzuleiten. Ein guter Chef gibt sein Wissen an die nächste Generation weiter und hilft dieser, so zu wachsen, dass sie auch wieder gute Chefs hervorbringt, die ihn dereinst würdig ersetzen können.

Die Tür zum Leben

Die Tür zum Leben

Einleitung:

Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür für die Schafe. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluß haben. (Johannes 10, 7 – 10)

Wir haben hier einen der allerschönsten Texte der Bibel vor uns. So, wie Jesus damals zu Seinen Jüngern sprach, und Sich Selbst vorstellte, so spricht Er auch heute Nachmittag zu uns allen. Es ist mein Gebet und meine Hoffnung, dass wir alle bereit sind, auf Ihn zu hören. Er ist bereit, Sich uns vorzustellen und uns zu begegnen. Lasst uns mit großem Ernst begierig sein nach Seinem Wort, nach all dem, was Er uns heute zu sagen hat.

Bevor Er Sich Seinen Jüngern als Türe vorgestellt hat, sagte Er ihnen noch was anderes, nämlich ein Gleichnis, in welchem Er von den Schafen sprach. Die Schafe sind ein sehr gutes Sinnbild für uns, die wir an Ihn glauben. Er Selbst ist der Gute Hirte, der für Seine Schafe gut zu sorgen weiß. Das Gleichnis beginnt mit der Gegenüberstellung des Hirten, der das Anrecht hat, zu seinen Schafen in den Stall hineinzugehen. Er kennt den Code, der nötig ist, um sich die Türe vom Türhüter aufschließen zu lassen. Er wird auch von den Schafen erkannt, denn seine Stimme erkennen sie unter all den Stimmen, die auf sie einreden.

Die Jünger haben Sein Gleichnis gehört, haben es aber nicht verstanden. Deshalb setzt Jesus nun erneut an und redet wiederum zu ihnen. Er legt ihnen dieses Gleichnis aus.

  1. Jesus ist die Tür zu den Schafen

Jesus beginnt die Auslegung dieses Gleichnisses mit den Worten: Amen, amen, Ich sage euch. Mit diesen Worten leitet der Evangelist Johannes oft die wichtigen Aussagen Jesu ein. Wenn wir im Johannesevangelium also diese Worte lesen, so bedeutet das für uns: Aufgepasst, was jetzt kommt, das ist ganz essentiell wichtig. Hört gut auf das, was der Herr Jesus uns zu sagen hat.

Nun beginnt Jesus seine Auslegung mit den Worten „Ich Bin die Tür“. Spätestens bei diesen Worten haben die Juden aufhorchen müssen. Es handelt sich hier um ein Ich-Bin-Wort. Mit diesen Worten spricht Jesus immer mit sehr großem Nachdruck. Immer dann, wenn Jesus ein solches Wort mit „Ich Bin“ einleitet, so spricht Er dort über Seinen göttlichen Charakter und Seinen göttlichen Auftrag. Es geht hier darum, dass Er Sich als Gott auf Erden verstanden haben will, denn nur als solchen können wir Ihn als „die Türe“ verstehen. Als Gott mit Mose sprach, stellte Er sich als der „Ich Bin Der Ich Bin“ vor. Das Ich Bin Jesu geht hier in dieselbe Richtung. Auch Gottes Eigenname Jahwe (=der ins Dasein Bringende), deutet in die Richtung und Jesus will Sich auch unbedingt so verstanden haben. Er hat diesen Namen bewusst in Sein Programm aufgenommen und für Sich beansprucht.

Jesus sagt hier von Sich, dass Er die Türe zu den Schafen ist. Wer also zu den Schafen will, kommt an der Tür nicht vorbei. Hierin haben wir das Versprechen der Bewahrung, des Schutzes. Jesus verspricht uns also, dass Er als Türe beschützen will vor denen, welche sich unrechtmäßig in die Gemeinde einschleichen wollen. Leider ist die menschliche Natur von uns allen naturgemäß nicht so ganz schafartig, viel eher könnte man sie als bockig beschreiben. Ein Bock lehnt sich gegen alles auf, was ihm entgegentritt. Als solch bockige Gestalten laufen wir vor Gott und Seinem Willen weg – auf und davon. Dieses Weglaufen vor Gott ist Auflehnung, und genau das ist es, was all das Leid über diese Welt gebracht hat und Tag für Tag noch immer bringt. Diese Auflehnung gegen Gott bewirkt eine Zerstörung der Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. Dadurch entsteht Schuld. Wir werden dadurch vor Gott schuldig, und deshalb ist es unmöglich, dass wir Gott gefallen können. Paulus schreibt im Brief an die Römer 3, 23:

Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.

Das ist das göttliche Urteil über uns Menschen. Alle haben gesündigt, keiner kann mit Gott in Gemeinschaft leben.

Doch Gottes Liebe zu uns Menschen ist groß, so groß, dass Er bereit war, alles aufzugeben, Seine ganze Göttlichkeit im Himmel zurückzulassen und auf der Erde unter uns zu leben. Als Mensch unter Menschen. Das ist Jesus Christus. Er hat sein ganzes Leben lang auf nich ein einziges Mal gesündigt, sondern war immer gehorsam, damit Er an unserer Stelle die uns fehlende Gerechtigkeit verdienen konnte. Dann war Er sogar bereit, den schrecklichen Tod am Kreuz von Golgatha auf Sich zu nehmen, um dadurch alle Schuld zu bezahlen, die wir alle auf uns geladen haben vor Gott. Doch es ist nicht beim Tod geblieben. Kürzlich haben wir das Auferstehungsfest gefeiert. Der Herr Jesus ist nicht im Grab geblieben, sondern auferstanden. Ja, Er ist wahrhaftig auferstanden. Er hat den Tod besiegt und mit Paulus können wir deshalb sagen: Tod, wo ist dein Stachel? Ja, der Herr Jesus ist für uns gestorben und auferstanden von den Toten am dritten Tag.

So dürfen, wenn wir wirklich glauben, dass Er für uns persönlich gestorben und auferstanden ist, uns im Gebet an Ihn wenden. Wir dürfen Ihm danken für dies große Geschenk und Ihn bitten, in unser Leben zu kommen, damit Er uns hilft, nach Seinem Willen zu leben.

Weil Jesus Christus die Türe zu den Schafen ist, können auch menschliche Hirten nur durch diese Türe hindurch zu den Schafen kommen. Tatsächlich hat Gott in der Gemeinde Menschen als Hirten und Älteste eingesetzt, welche für die Aufgabe des Hirtendienstes zuständig sind. Doch auch für diese gilt, dass sie nur durch die Türe, die der Herr Jesus ist, zur Gemeinde kommen dürfen.

Nur durch den Heiligen Geist erweckt kann ein Hirte ein rechter Hirte sein. Der Heilige Geist führt einen rechten Hirten in seine Berufung und schenkt auch, dass diese Berufung durch die jeweilige Gemeinde bestätigt wird.

Ein wahrhaft berufener Hirte wird sein Leben ganz und gar dem Herrn Jesus unterstellen und wird das tun, was der Herr von ihm möchte. Er wird nicht nur für seine Gemeinde in der Bibel lesen, sondern auch für sich selbst vom Wort Gottes essen: Er liest es, denkt darüber nach, nimmt sich Zeit, um darüber zu beten und tut alles um es in sein persönliches Leben ein-zubauen. Erst wenn er dies ganz praktisch verstanden hat, wendet er sich der Gemeinde zu und lehrt sie dies.

So gibt es ja auch Ausbildungsstätten für den Dienst in der Gemeinde.

Deshalb ist es wichtig, dass wir bibeltreue Ausbildungsstätten wie die STH Basel eine ist, unterstützen, indem wir für sie beten und nach Möglichkeit auch finanziell unterstützen.

Leider führen heutzutage viele Hirtenschulen dazu, dass ihre Absolventen versuchen, an der Türe vorbei in den Schafstall zu kommen. Von diesen spricht der Herr Jesus auch ausführlich:


  1. Jesus unterscheidet Sich von den Dieben und Räubern

In den Versen 8 und 10 spricht der Herr Jesus von denen, die sich anmaßen, Hirten der Gemeinde zu sein, ohne eine echte Berufung in diesen Dienst zu haben. Diese beiden Verse werden deshalb zusammen betrachtet.

Es sind insgesamt drei Merkmale, die der Herr Jesus nennt, an denen man diese Diebe und Räuber erkennen kann: Das erste Merkmal finden wir schon im Gleichnis selbst, im ersten Vers dieses zehnten Kapitels des Johannesevangeliums. Dort wird der Dieb und Räuber dadurch beschrieben, dass er nicht durch die Türe hineingeht, sondern versucht, woanders einzusteigen. Nun müssen wir hier aber aufpassen, dass wir das richtig verstehen. Wenn wir von Dieben und Räubern hören, denken wir bestimmt gleich an Ladendiebstahl, Banküberfall oder Ähnliches. Nun wurde der Ausdruck Diebe und Räuber von den Menschen damals für die politische Partei der Zeloten verwendet. Die Piratenpartei in Deutschland hat auch nichts mit Booten und Seeräuberei zu tun, sondern damit, dass sie zum Beispiel Urheberrechte und Patente auf Informationen gezielt aufheben will. Die Zelotenpartei zur Zeit Jesu hat versucht, die Herrschaft Roms im alten Palästina aufzuheben und das Reich Gottes mit militärischer Macht zu errichten.

Man könnte also sagen, dass die Diebe und Räuber Menschen sind, welche die Gemeinde des Herrn bauen wollen aus eigener Kraft und mit menschlichen Mitteln. Genau das ist auch heute das Ziel vieler Gemeindebauprogramme, die versuchen, biblische Begriffe wie Sünde, Hölle, stellvertrender Tod Christi, etc. abzuschaffen und dadurch möglichst viele Menschen zu ethisch korrekten aber nach wie vor ungläubigen Menschen umzugestalten. Christlicher Anstrich, aber nichts echtes darunter, muss man hierzu sagen.

Dass es sich dabei um Menschen handelt, die versuchen, an die Gemeinde zu kommen, ohne an Christus vorbeikommen zu müssen, sagt der Herr hier auch mit den Worten „die vor mir kamen“. Das „vor“ in diesem Satz lässt sich auch mit „anstelle von“ übersetzen. Es ist also somit auch jemand, der versucht, sich selbst oder seine Ideen an die Stelle des Herrn Jesus zu setzen.

Das zweite Merkmal der Diebe und Räuber nennt der Herr auch: Die Schafe haben nicht auf sie gehört. Die wahre Schafherde lässt sich nicht von einem Dieb und Räuber abziehen, auch wenn diese es noch so sehr versuchen. Vielmehr hört diese Schafherde auf das, was der Herr ihr zu sagen hat.

Der Herr Jesus Selbst ist es, der dafür sorgt, dass Seine Herde Ihn hören kann. Durch den Heiligen Geist, der mit unserem Geist zusammenwirkt, funktioniert diese Verständigung, sofern sie nicht durch irgend eine Sünde blockiert ist, von der man nicht lassen will.

Durch das regelmäßige und gründliche Bibellesen und den Besuch der Gemeindebibelstunden sowie durch das Reden mit dem Herrn im Gebet werden wir sensibel und aufmerksam auf das, was der Gute Hirte uns zu sagen hat.

Das dritte und schlimmste Merkmal eines Diebes und Räubers ist, dass er immer kommt, um zu stehlen und zu zerstören. Dies ist oft nicht einmal von ihm beabsichtigt. Manche dieser Diebe und Räuber kommen in der besten Absicht und wollen der Herde sogar helfen. Aber gerade weil sie nicht durch die Türe hereinkommen, gerade weil sie den Herrn Jesus nicht wirklich, oft nur äußerlich, kennen, richten sie riesigen Schaden an. Jesus sagte hierzu in Lukas 11, 23:

Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Bei einer Schafherde ist es wichtig, dass sie immer wieder gesammelt wird. Beim Grasen hat jedes Schaf so seine eigene Art, die Herde immer ein wenig mehr zu verlassen, immer etwas weiter weg zu gehen. Des Hirten Aufgabe ist es nun, sie wieder einzusammeln und vorwärts zu bringen. Das ist auch in der Gemeinde so. Ein Pastor, der von bestimmten Spezialthemen so begeistert ist, dass er nichts anderes mehr zu predigen weiß, zum Beispiel nur noch über die Offenbarung und Endzeitprophetie, aber darin vergisst, seine Herde immer wieder zum Herrn Jesus zu bringen, wird sie zerstreuen.

Um als gute Hirten einer Gemeinde, einer Familie oder einer Jungschargruppe für den Herrn arbeiten zu können, müssen wir unsere Herde immer wieder und wieder zum Herrn bringen. Über das sprechen, was der Herr für uns getan hat, was Er für uns ist. Dann wird diese Herde nämlich auch wachsen. Nicht nur in der Zahl, sondern vor allem auch in der Qualität. Der Glaube nimmt zu bei den Menschen, die unter einem guten Hirten stehen, er wird gestärkt durch das gute Vorbild und dadurch, dass die ganze Gemeinde regelmäßig unter das Wort des Herrn kommen.

Dann werden es auch immer mehr sein, die verstehen, was Jesus uns da als nächstes sagt:

  1. Jesus ist die Tür zum Leben

Jesus ist nämlich nicht nur die Türe zu den Schafen, sondern auch die Türe zum Leben. Dies bedeutet für uns ganz konkret, dass jeder, der durch sie hineingeht, ewiges Leben hat und für immer gerettet ist. Der Herr Jesus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben, und es kommt nie und nimmer irgend jemand zu Gott, ohne bei Ihm vorbeizukommen. Das ist für uns sehr wichtig zu wissen. Egal in welcher Zeit und in welcher Kultur jemand geboren wurde, keiner kommt zum Vater, ohne bei Jesus durch die Türe gekommen zu sein. Gleich nach dem Fall im Garten Eden haben die ersten Menschen von Gott das Versprechen bekommen, dass der Herr Jesus kommen wird. Der Nachkomme der Frau wird dem Nachkommen der Schlange den Kopf zertreten. Und von dem Moment an hat die Menschheit gewusst, dass Jesus kommen wird. Niemand konnte sich entschuldigen. Und niemand wird sich jemals mit dem Argument entschuldigen können.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, wird uns das helfen, andere mit viel Freimütigkeit in die Gemeinde einzuladen. Wir sagen ihnen, dass wir auch gerne ein Stück weit mit ihnen zusammen zur Gemeinde gehen und den Gottesdienst gemeinsam besuchen wollen. Weiter werden wir aber auch gerade in dem Wissen mit großer Ernsthaftigkeit für die verlorenen Menschen beten, die den Herrn Jesus noch nicht angenommen haben und deshalb ihre Schuld noch selbst mit sich herumschleppen und unter Gottes Zorn und Gericht stehen.

Wenn wir mit unseren Mitmenschen über den Glauben sprechen, so dürfen wir wissen, dass der Herr Jesus uns versprochen hat, uns zu helfen und uns durch Seinen Heiligen Geist im richtigen Moment die richtigen Worte schenken wird.

Weiter wird jeder, der durch diese Türe hineingeht und den Herrn Jesus aufnimmt, Weide finden. Diese Weide steht für all das, was unsere täglichen Bedürfnisse stillt. Der Herr Jesus ist der gute Hirte, der uns vom sicheren Stall zum saftigen Gras der Weide, von der Weide zur frischen Wasserquelle und wieder zurück führt. Er ist in allem dafür besorgt, dass es uns gut geht.

Dieser Gute Hirte ist der Herr Jesus Selbst, der uns Frieden schenkt, indem Er uns mit Sich Selbst versöhnt. Er sorgt in wunderbarer Weise für uns, indem Er uns die örtliche Gemeinde als Wiese gibt.

Dort in der Gemeinde sind wir füreinander da, wir dürfen einander Hirten sein: Der Hauskreisleiter seinen Schutzbefohlenen, der Jugendleiter seinen Teenies, und so weiter. Der Ehemann ist der Hirte seiner Ehefrau, Eltern die Hirten ihrer Kinder, usw. Als Hirten haben wir uns darum zu kümmern, dass unsere Schäflein Weide finden, und zwar sollen wir um das Allerbeste besorgt sein.

Als Familienvater führen wir die regelmäßige tägliche Andacht mit der ganzen Familie ein, die der Vater vorbereitet. So bekommt die ganze Familie ihr geistliches Brot.

Wer auf die Weide des guten Hirten kommt, wird drittens auch für sein ganzes Leben einen Sinn bekommen und wirkliche Erfüllung. Diese Erfüllung besteht gerade auch darin, dass wir anderen in dem helfen dürfen, was wir gut können. Indem wir anderen helfen, sie lehren und sie wachsen sehen, nimmt auch unsere eigene Freude zu. Die gemeinsame Freude am Ergebnis des gemeinsamen Wachsens und Vorankommens, ist wunderbare Erfüllung.

Ich fasse zusammen:

Damit wir rechtmäßig als Hirten von Gott einen Zugang zur Gemeinde bekommen können, müssen wir selbst unter dem Guten Hirten stehen und uns von Ihm verändern und prägen lassen. Es gibt Diebe und Räuber, die versuchen, die Gemeinde zu zerstreuen, weil sie ihre Herde nicht regelmäßig unter den Einfluss der Guten Nachricht von Jesus Christus bringt. Die Gemeinde, welche die göttliche Herde ist, hat für jeden von uns seinen Platz, an dem er anderen Schäflein in der Gemeinde helfen kann. Gemeinsam freuen wir uns deshalb über das Wachstum, das dadurch geschieht.