Eine kurze Geschichte des Cessationismus

Heute möchte ich in aller Kürze versuchen, die Geschichte des Cessationismus nachzuzeichnen. Der Cessationismus besagt ja bekanntlich, dass bestimmte Charismen oder Geistesgaben bereits aufgehört hätten. Im Laufe der 2000 Jahre Kirchengeschichte gab es immer wieder kleinere Bewegungen, die diesen Cessationismus vertreten haben. Wir müssen uns jedoch bewusst sein, dass die Vorstellungen und Begründungen dazu Legion sind. Auch heute gibt es eine ganze Menge verschiedener Cessationismen, die etwa von unterschiedlichen Gaben meinen, dass sie aufgehört hätten und das dann auch sehr unterschiedlich begründen. Es wäre natürlich spannend, eine ausführliche Geschichte des Cessationismus zu schreiben und die diversen Ausprägungen noch näher zu beleuchten, aber hier geht es mir darum, dass wir verstehen, welche Hintergründe er in welcher Zeit und Gesellschaft hatte.

Die frühchristlichen Theologen im 2. Jahrhundert, unter ihnen etwa Justin der Märtyrer, versuchten mit ihren Schriften den damaligen Juden klar zu machen, dass Jesus doch der Messias ist. In diesen Schriften finden wir Argumente, welche zeigen, dass es schon unter manchen jüdischen Strömungen frühe Formen des Cessationismus gab. Jesus wurde vorgeworfen, ein falscher Prophet zu sein. Für die christlichen Theologen hingegen war klar: Weil die Juden ihrer Zeit keine Wunder mehr vorzuweisen hatten, die christliche Kirche hingegen zahlreiche auch im 2. Jahrhundert, deshalb sei daraus zu schließen, dass die christliche Lehre richtig sein muss.

Der erste christliche Theologe, der eine vollständige Lehre des Cessationismus entwickelt hat, war Johannes Chrysostom („Goldmund“) im 4. Jahrhundert. Er meinte, ein Glaube, der keine Wunder sehen könne, sei ein wertvollerer, echterer Glaube als jener, welcher sich darauf berufen könne, Wunder gesehen zu haben. Interessant ist aber auch der Kirchenvater Augustinus. Dieser war zuerst auch Cessationist, doch im Buch 22 des „Gottesstaats“ zählt er ein ganzes Kapitel lang Wunder auf, die ihn dazu gebracht haben, seine Meinung zu ändern.

In der frühen Kirche war es also ganz natürlich, auf die Wunder und Prophetien, Heilungen und Dämonenaustreibungen zu verweisen, um für den christlichen Glauben Argumente zu präsentieren. Erst mit der Zeit, als eine gewisse Hierarchie aufgebaut war, und langsam das spontane Wirken des Heiligen Geistes durch die geplante Ausübung von Sakramenten durch die Priesterkaste ersetzt wurde, gab es seltener Berichte, die davon zeugten, dass Wunder und Prophetien zum ganz normalen Christenleben dazu gehörten. Immer mehr nahmen feste Rituale den Platz des Heiligen Geistes ein und vermutlich ist der Rückgang dessen Wirkens deshalb auch kein Wunder. Nichtsdestotrotz gibt es aus jedem Jahrhundert zahlreiche Beispiele für einzelne Menschen, die einen charismatischen Dienst hatten.

Im Zeitalter der Reformation kam ein weiteres Merkmal hinzu: Die Abgrenzung von den falschen Lehren. Im Hochmittelalter gab es in den Klöstern und an Wallfahrtsorten immer wieder Berichte von Heilungen und anderen Wundern; man könnte fast sagen, es war eine Resaissance der Wundersucht. Und dann, als die Reformatoren auftraten, wurde oft als Argument gebraucht, um die Reformatoren zum Schweigen zu bringen, dass die Lehre des römisch-katholischen Kirche durch diese Wunder bestätigt würden. Das Argument war also ungefähr so: Je mehr Wunder du vorweisen kannst, desto besser ist deine Lehre. Das war da so der übliche Vergleich, wer den Längsten hat. Oder so.

Und dann gab es noch eine zweite Gefahr. Es gab Menschen, welchen die Reformatoren zu wenig weit gingen. Es gab welche, die meinten, sie bräuchten so viel Freiheit, dass sie ohne Bibel auskämen. Nur mit dem Heiligen Geist. „Das Wort tötet, der Geist macht lebendig“, zitierten sie, und schmissen ihre Bibeln mitsamt diesem Vers in die Ecke, um nur noch auf den wort-losen Geist zu hören. Auch unter diesen Gruppen gab es Berichte von Wundern, die wiederum als eine Bestätigung der besten Lehre betrachtet wurden. Und nun ist es wichtig, diese Dinge im Hinterkopf zu behalten, wenn man die Schriften der Reformatoren liest. Wer lange genug sucht, wird immer wieder Stellen finden, die sich für sich gesehen so verstehen lassen, dass Luther oder Calvin „klassische“ Cessationisten gewesen wären. Im Kontext und im Gesamtwerk betrachtet wird hingegen deutlich, dass es vor allem darum ging, dass sie gegen eine Abwertung der Bibel als Gottes Wort und Heiliger Schrift argumentierten. Auch das spätere Luthertum war keineswegs der Meinung, dass es keine besonderen Eingriffe Gottes durch Wunder oder Prophetien geben könne. Es wurde lediglich gegen das theologisch liberale „Schwärmertum“ gewettert, welches Gottes Wort degradierte.

Erst die Aufklärung, das naturalistische Weltbild und die Philosophie des „Common Sense“ haben den Rahmen geschaffen, innerhalb dessen der klassische Cessationismus wachsen konnte, der dann von Benjamin B. Warfield vertreten und ausgearbeitet wurde. Das naturalistische Weltbild betrachtete alles in der Welt als natürlich, und wurde zunächst noch auf das Fundament des christlichen Glaubens gestellt, nach welchem die Gesetze der Natur von Gott geschaffen wurden. Doch bald verließ es dieses Fundament und die Naturgesetze und -konstanten wurden zunehmend als grundlos einfach vorhanden und zufällig vorgegeben betrachtet. Die schottische Philosophie des „Common Sense“ besagte zudem, dass alle vernünftig denkenden Menschen in den wichtigen Fragen zu denselben Resultaten, Antworten und Wahrheiten kommen müssten. Von diesem Denken geprägt machte sich der Theologe Benjamin Warfield daran, Bücher über falsche Wunder und den Cessationismus zu verfassen. Auch er hatte seine Ansichten unter dem Druck seiner Zeit schmieden müssen. In der Presbyterianischen Kirche der USA nahm der theologische Liberalismus überhand. Sein Kollege in Princeton und Zeitgenosse James Gresham Machen hatte den selben Kampf zu kämpfen; er schrieb das Buch „Christentum und Liberalismus“. Warfield ging es darum, in einer Zeit der Verwässerung der Bibel Gottes Wort hochzuhalten, und zwar um jeden Preis. Entsprechend sahen seine Kriterien für ein echtes, biblisches und von Gott gemachtes Wunder aus: Es konnte unter gar keinen Umständen mehr eines geben. Vermutlich war ein weiterer Grund für seine Ansichten auch biographischer Art: Seine Frau Annie wurde infolge eines Blitzschlages gelähmt und blieb es Zeit ihres Lebens, während er sie pflegte. Es ist gut möglich, dass dieses Nicht-Erleben einer übernatürlichen Heilung seiner Frau seine Ansichten gefestigt haben.

In der Zeit von Warfield war auch die Sekte der „Christlichen Wissenschaft“ (Christian Science) von Mary Baker Eddy sehr weit verbreitet. Das war eine Sondergruppierung, die sich darauf berief, dass Heilungen, die in dieser Gruppe geschehen seien, ein Beweis für die Richtigkeit der Lehre sei. Anmerkung am Rande: Einmal mehr der unselige Vergleich, wer den Längsten vorweisen kann. Allerdings zeigt die Theologiegeschichte sehr deutlich, dass man die Irrtumslosigkeit und Inspiration der gesamten Bibel sehr gut verteidigen und sich gleichzeitig an Gottes heutigem Wirken und Reden erfreuen kann. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns darüber Gedanken machen und uns auch fragen, welches gute und welches weniger gute Argumente für das heutige Wirken des Heiligen Geistes in unserer Zeit sind.

Gastbeitrag: Ich habe abgetrieben und bereue es!

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich hin und wieder etwas für das Leben und gegen die Abtreibung schreibe. Oft bekomme ich als Antwort, dass ich als Mann dazu nichts zu sagen hätte. Jutta hat sich nun bereit erklärt, einen Gastbeitrag zu schreiben, in welchem sie zu ihrer Abtreibung und deren Folgen, aber auch zum Weg der Heilung von dieser Entscheidung berichtet. Ich habe sie gebeten, zunächst etwas über sich selbst zu schreiben, damit wir ihren Hintergrund besser verstehen können. Vielen Dank für den mutigen und offenen Bericht, Jutta!
Ich bin seit ca 5 Jahren im Glauben, mit anfangs noch einigen Ausrutschern in die feministische Theologie.. und bin auch momentan ohne Gemeinde. Das aber ist ein anderes Thema. Ich tendiere aber eher zu den Brüdergemeinden und einer sehr nüchternen, “strengen” Auslegung … die aber, wie ich mittlerweile glaube, tatsächlich daher rührt, dass ich so lange in der Welt gelebt habe, nämlich knapp 47 Jahre .. und ziemlich genau weiß, was die Welt mit einem macht … das konnte ich ja nun an mir beobachten und auch an anderen. (Vor allem was das leidige Thema „Musik“ betrifft .. und die Gefahren, die moderne Musik mit sich bringt.)
Ich war in meinem “früheren” Leben, in dem die Abtreibung stattfand, Schauspielerin. Richtige, ausgebildete Schauspielerin und habe auch einige Engagements gehabt, konnte tatsächlich eine Zeit lang von dem Beruf leben, was nicht selbstverständlich ist. Zur ganz großen Karriere, obwohl man mir die mehrmals prophezeit hat, kam es nie. Ich war schön, süß, auch begabt – sicher nicht brillant, hatte aber doch das gewisse Etwas, das Geheimnisvolle. Das haben mir vor allem auch die weiblichen Kollegen bestätigt – ganz wichtig! Denn Männer sind sehr unzuverlässig in der Beurteilung von Frauen, da in dieser Branche, ebenso wie in der Musik, alles selber schuld ist, was nicht bei drei auf den Bäumen ist … und der Sinnenrausch erfasst einen … unterstützt durch Drogen und Alkohol, vorwiegend.
Ich war süchtig nach Leben – aber sehr gehemmt – süchtig nach großen Erlebnissen – aber viel zu langweilig und normal und vernünftig um in die völlig “abgefahrenen” Kreise aufgenommen zu werden. Ich hatte zu nichts eine wirkliche Beziehung. Ich war eine schöne, leblose Maske. Das ist die eine Hälfte. Gleichzeitig war da natürlich, wie bei jedem Menschen, egal ob Mann, Frau oder Kind … die Sehnsucht nach Liebe. Nach Angenommen werden. Nach Zuhause. Ich war auch sensibel, fürsorglich, feinfühlig, kontaktfreudig, neugierig, interessiert an Menschen, an Philosophie …
Ja, ich bin ohne Gott aufgewachsen. Aber meine Eltern sind für meine Entscheidung nicht mitverantwortlich zu machen. Ihre Erziehung ist nicht verantwortlich für meine Entscheidung damals. Ja, wir hatten kein gutes Verhältnis. Aber meine Eltern sind seit über 57 Jahren verheiratet und das die größte Zeit glücklich. Sie nehmen einander bedingungslos an und sind gemeinsam durch alles durchgegangen. Es war ganz allein meine eigene Entscheidung damals … und wer weiß, hätte ich über meinen Schatten springen können damals .. vielleicht hätte ich das Kind bekommen. Allerdings war ich in keiner festen Beziehung, ich hatte, was man so landläufig eine Affäre nennt, und eine zweite, parallel dazu, bahnte sich an. Denn ich wusste ja, dass die Affäre, die ich hatte und der letztendlich der Vater des Kindes war, wie ich nach längerem Überlegen doch herausgefunden habe, sich von seiner damaligen Freundin nicht trennen würde. Das hat er mir ganz deutlich zu verstehen gegeben, als wir diese Liebelei begannen. Naja, Frauen denken ja dann oft: ich schaff das schon, dass er sich ganz zu mir bekennt … und hoffen und hoffen …
Ich betrieb das, was die Bibel Hurerei und Unzucht nennt. Nicht wahllos … es gab auch lange Zeitabschnitte, in denen ich allein war und das auch gut aushalten konnte … aber ich hatte nie eine gesunde Sexualität. (Also, es gab keine Verdrehtheiten, letztendlich, was ich damit sagen will, mit gesunder Sexualität ist: dass ich meiner Begierde sofort nachgegeben habe und der des Mannes, in der Regel. Wobei es die Frau ist, die aussucht .. wenn es normal läuft und wenn sie das Signal gibt .. auf welch geheimnisvolle Weise das auch immer ablaufen mag, kommt der Stein ins Rollen.) Auch das hat nur mit mir zu tun, mit meinen Anlagen, mit meiner eigenen Schändlichkeit und nichts mit der Erziehung. Denn meine Eltern haben mir ja eine treue Ehe vorgelebt.
Als ich schwanger war, habe ich das die ersten zweieinhalb Monate aber gar nicht registriert. ich hatte damals kein gutes Verhältnis zu meinem Körper, und dass die Regel ausblieb, das habe ich gar nicht so bewusst wahrgenommen, bis es mir dann doch merkwürdig wurde… Damals lebte ich in einer Einzimmerwohnung, hatte die Ausbildung abgeschlossen, war bei einer renommierten Schauspielagentur, die mich vermitteln sollte … und lebte von Arbeitslosenhilfe. Alle Bewerbungen und Versuche, an Arbeit zu kommen, waren fruchtlos gewesen. Meinen Liebhaber habe bei den ersten Dreharbeiten, die ich in meinem Leben erlebt hatte, kennengelernt. Als Hauptrolle. Er hat nie erfahren, dass ich schwanger war.
Es gab dann noch – heute würde ich behaupten wollen, dass GOTT mir damit einen Ausweg zeigen wollte, ich war aber zu verstört, um dieser Frau, die mir auch wenig seltsam erschien … zu vertrauen. Sie hatte mir angeboten – sie traute mir auch etwas zu … sie fand meine Begabung, auch sprechtechnisch für entwicklungsfähig und sie hatte ein sehr feines Ohr – mir zu helfen. Ich solle das Kind bekommen und dann würden wir weitersehen.
Ich sehe uns noch in ihrer kleinen Küche sitzen, in ihrer Wohnung, die ziemlich überfüllt war – eine kultivierte, leise und doch etwas seltsame Frau … wie ich ihr das alles erzähle … Ich wünschte heute, ich hätte diese Hilfe angenommen. Es hätte einem Menschen das Leben gerettet und es hätte für mich bestimmt auch andere Arbeit gegeben, als die der Schauspielerin, denn wirklich geeignet war ich ohnehin nicht – mir fehlte dieser “Killerinstinkt”, dieser unbedingte Ehrgeiz es zu schaffen. Ohnehin liebte ich das Theater und wollte mithelfen, die Welt zu verändern. Der Welt einen Spiegel vorhalten. Das Katharsiserlebnis.
Heute weiß ich, dass das niemals funktioniert und dass auch Brecht sich getäuscht hatte, als er sein episches Theater “erfand” .. um die Welt und die Gesellschaft zu erziehen, verändern, aufzurütteln. Brechts Lieblingslektüre – so habe ich es mal gelesen – war die Bibel. Er hat auch Stücke geschrieben … die den Menschen besser machen sollten .. aber er ist gescheitert. Die Synthese aus Bibel und Theater funktioniert nicht.
Ich wollte zwar mithelfen, die Welt zu verändern, bin aber selbst tragisch daran gescheitert, mein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen, und habe mich – nachdem ich aufgrund meines Unwohlseins und meiner Irritation endlich den Ganz zum Frauenarzt gewagt habe – fast ohne Gefühl, bzw. mit dem Gefühl der Hilflosigkeit, des Überfordertseins, des Ärgers – zur Abtreibung entschieden .. ich musste mich schnell entscheiden – auch damit war ich überfordert, denn ich war schon in der 10. Woche. Und Abtreibungen sind ja nur bis zur 12. Woche erlaubt. Und wir hatten verhütet … zu der Zeit habe ich keine Pille genommen … aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten … Hätte ich noch etwas gewartet ….
Ich bin dann zum vorgeschriebenen Termin bei Pro Familia … konnte glaubhaft machen, dass ich mit dem Vater keine Beziehung habe, auch nicht will … das Kind ohne Vater … usw .. wenn ich das jetzt schreibe, kommt mir das ungeheuer kaltblütig vor .. was es ja auch war. Anstatt die Konsequenzen anzunehmen .. war ich bereit lieber zu töten, als zu riskieren, das Kind ohne Vater zu bekommen, und zu haben … und es wäre ja auch möglich gewesen, noch jemanden kennenzulernen … Und dann ging alles ganz schnell … ich habe dann sofort einen Termin in der Klinik bekommen .. meine damalige Agentur und Schauspiellehrerin haben mich “beglückwünscht” dass ich eine “vernünftige Entscheidung getroffen habe … eine damalige gute Bekannte, die, wie ich später erfahren habe, drei Abtreibungen hinter sich hat, und ich war wie gefühllos … ich habe wirklich gar nichts gefühlt. Weder Erleichterung noch Trauer. Schmerzen hatte ich – wie es mir schien – nur körperliche.
Danach verlief das Leben wie immer. Ich habe nicht eine lange, funktionierende Partnerschaft erlebt, geschweige denn eine Ehe. Ich habe keine Kinder. Ich bin aber auch nie wieder schwanger geworden – ich habe mir dann später die Spirale einsetzen lassen. Weil ich diese Hormone der Pille nicht mehr wollte. Heute weiß man, dass mit Pille und Spirale auch so etwas wie Abtreibungen stattfinden … das ist dann der Empfängnisschutz. Wobei ich sicher bin, dass es natürliche Empfängnisverhütungsmittel gibt … und die Temperaturmessmethode kann auch funktionieren. Allerdings ist man dann halt weder allzeit bereit noch allzeit verfügbar.
Ich bin absolut sicher, dass meine Depressionen – wobei ich schon immer – trotz aller Lebensgier – ein doch auch sehr nachdenklicher Mensch gewesen bin, kompliziert, hochsensibel – meine Selbstmordgedanken, meine Lebensangst … vielleicht nicht ursächlich vom Schwangerschaftsabbruch, also der Tötung meines Kindes herzuleiten sind, aber die Anlage dazu massiv verstärkt wurde. Was mich davon überzeugt hat, dass wir, vor allem die Frauen, im tiefsten Inneren wissen, dass es Mord ist und etwas zutiefst Verbotenes und Abscheuliches, ist, dass wenn man jemandem von der Vergangenheit erzählt, diese Sache meistens verschweigt. Ich habe eine gute Bekannte verloren, weil ich es ihr erzählt habe. Auch noch einer Frau, die unbedingt ein Kind wollte, aber keines bekommen konnte … ich wollte aber nichts verschweigen …
Selbst (oder vor allem?) Mitchristen konnte ich davon kaum erzählen, aus Angst verurteilt zu werden und eine nicht vergebbare Sünde begangen zu haben. Interessanterweise hatte ich weniger Angst vor GOTT als vor den Menschen. GOTT hat mich durch die Trauer geführt und ER weiß, dass ich wirklich, zutiefst und lange getrauert habe. In meiner Vorstellung wäre es ein Mädchen gewesen, mit lockigen braunen Haaren, darin hätte es seinem Vater geähnelt.
Als ich dann eine Weile im Glauben war, begann mich die Frage zu bewegen: wo ist mein Kind jetzt ? Ist es im Himmel, ist es verdammt aufgrund dessen, was ich, die Mutter, zu verantworten habe. Was wird der Herr Jesus mir sagen, wenn ich dereinst mal vor IHM stehe .. werde ich das Kind kennenlernen, welches Alter wird es haben, in welchem Zustand werde ich es antreffen … ? Ich habe dann von Norbert Lieth einen Vortrag gesehen, und ich denke, es ist im Himmel, beim Herrn. Es ist gut aufgehoben … aber ich habe mir durch eigene Schuld ein Glück und eine Wachstumsmöglichkeit genommen… und eine Aufgabe zu erfüllen, die mir wohl durchaus zugedacht war. Mutter zu sein.
Ich habe ganz lange nichts mit Kindern zu tun haben können .. und in der Gemeinde, in der ich doch eine längere Zeit war, die viele Kinder hat … fiel mir das sehr schwer. Erst habe ich gedacht, weil ich Lärm nicht gut vertrage und Durcheinander … und wirklich sehr schnell überfordert bin … das hätte nur damit zu tun. Aber es ist ja so, dass, wenn man spät zum Glauben kommt, viel aufzuarbeiten hat im Licht der Bibel. Und ich hatte keinen Seelsorger, der mich aufgefangen hätte … so hat vieles wahrscheinlich auch länger gedauert und ich habe auch bestimmt vieles erst sehr langsam verstanden … überhaupt bin ich sehr langsam und auch eine sehr langsame Bibelleserin … ich habe immer die neuen Christen beneidet, die zum Glauben kamen, flugs die Bibel gelesen und verstanden und entweder – als Mann – sofort gepredigt habe – oder als Frau tausende “Werke” in Angriff genommen …
Da hinke ich absolut hinterher. Ich habe genug damit zu tun meinen Alltag auf christliche Art und Weise zu bewältigen (Gal 5, 22) .. diese “Werke” zu tun .. zu erkennen, wo und wie ich Zeugnis geben kann … Und im Zuge dessen, habe ich gemerkt, als ich die Abtreibung aufgearbeitet habe, dass ich diese Scheu vor Kindern, diese Angst, mit diesem Erleben zu tun hatte. So langsam lässt das nach. Ich liebe Kinder. Ich kann nach wie vor (wir haben hier, wo ich wohne , viele Kinder) den Lärm schlecht ertragen … bin nach wie vor schnell überfordert … aber trotzdem ist es anders geworden, seit der Herr Jesus mein Heiland ist.
Wie viele Frauen wurden grade von Christen im Stich gelassen, weil sie schwanger wurden .. unverheiratet … aus Unvorsichtigkeit, Leichtsinn … und es gab ja damals vor allem die christlichen Grundsätze, nachdem ja auch – wenn ich das richtig überblicke – unser Grundgesetz gestaltet ist. Frauenhäuser wurden gebaut, damit diese Frauen ihre Kinder bekommen konnten … denn Abtreibung, die es zwar gibt, seit es Menschen gibt … war ja damals verboten und wurde vom Staat bestraft. Ja, sie muss auch “bestraft” werden … die Frage ist eben nur wie.
Eines weiß ich auf alle Fälle: keine Frau macht es sich einfach mit dieser Entscheidung … auch wenn es so wirken mag … selbst wenn die Ausrede auch ist: kein Geld, Karriere.. usw … Dass dies alles so fabrikmäßig abläuft in unserer modernen, westlichen, sogenannten zivilisierten Welt, ist, denke ich, mit ein Erbe, dass es hier gelingt, den Menschen immer mehr zu entmenschlichen.
Ihn zu reduzieren auf: Steuerzahler. Erfolgreich. Studium. Eigenes Haus. Schicke Frau. Schicker Mann. Erstmal das Leben genießen. Kinder ? OH, zu anstrengend, Dann kann ich nicht in Urlaub fahren, nicht mehr machen was ich will.
Wo und wie werden die Mütter, die auf so vieles verzichten, geehrt ? Was bleibt am Ende eines tätigen Mutterlebens übrig, wie soll eine Mutter von der Rente, die ihr zusteht, eben weil sie Kinder aufgezogen hat, anständig leben ?
Überall grinst einem die “Sexyness” von den Plakaten an .. Lüsternheit allüberall … und wenn es ein Problem gibt … hat man für alles eine Lösung? Kein Wunder, dass diese unsere Gesellschaft nicht respektiert wird … und die Christen viel zu wenig und zu handzahm sind. ( Davon nehme ich mich nicht aus. )
Was kann man tun?
Die Geschichte von Jesus erzählen, dass ER uns alle liebt .. und dass auch die Frau geliebt ist, die versagt hat, dass das werdende Leben gewollt ist und geliebt wird … dass jemand da ist der beisteht, dass finanziell und wohnungsmäßig gesorgt wird .. aber auch eine konsequente Aufarbeitung, wie eine solche Entscheidung entstehen konnte .. . und auch den WERT des Lebens aufzeigen. Das biblische Bild von Sexualität und Ehe klar aufzeigen und bewusst machen, dass Sexualität etwas sehr Kostbares ist … und von GOTT keinesfalls verboten .. dass aber in der Ehe die Sexualität am Besten aufgehoben ist. Frauen bewusst machen, wie billig sie sich machen, wenn sie sofort mit einem Mann ins Bett gehen und sich überreden lassen so nach dem Motto: wenn du mich liebst .. Männer, die so reden, taugen nicht viel. Das müssen Frauen endlich kapieren und nicht so größenwahnsinnig sein und meinen: sie würden den Mann heilen, retten, eines Besseren belehren usw …
Klarmachen, wie eine Abtreibung das Kind tötet … dass es wirklich gefoltert wird, im Mutterleib, und dass es lang dauert, es klammert sich ans Leben .. es ist kein Zellhaufen, es hat schon Bewusstsein! Im Buch von Lothar Gassmann gibt es Bilder dazu … grauenhaft. Aber das darf nicht verschwiegen werden, denn irgendwann findet man das sowieso heraus …
Man kann aber keine Frau überreden, ihr Kind zu bekommen und Liebe kann ebenso wenig verordnet werden … Und mittlerweile gibt es glücklicherweise viele säkulare Psychologen, die ebenso die Gefahren und Spätfolgen einer Abtreibung aufzeigen können.
Wie ich trotz dieser Entscheidung heil geworden bin?
Nun, das war der Schritt zu lernen, dass GOTT mich ganz und gar angenommen hat, so wie ich bin … dass ich aber nicht so bleiben kann, wie ich bin. Dass ER mich verändern muss und dass ich dazu ja sagen muss … Es geht ja auch darum, beten zu lernen … zu benennen, was ist .. nicht nur zu sagen: ach, der HErr weiß ja, dass es mir leid tut, es reicht wenn ich das denke … ER weiß ja alles … und da fing ich dann an, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen … im Licht der Bibel .. so gut wie ich das eben konnte allein .. ich hatte zwar schon eine Menge guter Gespräche … mit einer Gläubigen aus einer russlanddeutschen Gemeinde … aber ich habe mich zurückgehalten. Ich konnte meine Trauer ihr gegenüber oder auch anderen nicht zulassen, oder formulieren und mir sozusagen Trost holen .. vielleicht geht das, was dieses Thema betrifft, auch nicht … es ist zu persönlich … es ist interessanterweise leichter, darüber zu schreiben als zu sprechen …
Aber ich weiß, dass ich egal wo ich war, egal was ich gemacht habe, damit fertig werden musste, dass ich in Gottes Augen Gott selbst gespielt habe, dass ich gemordet habe, und dass ich Menschen – das wurde mir sogar erst kürzlich richtig klar, als ich in der Zeitschrift „idea“ gelesen habe über diesen Klinikchef, der zurückgetreten ist, weil er in seiner Klinik keine Abtreibungen mehr haben will .. – mit in dieses Verbrechen gezogen habe …. das ist so schlimm, dass man das erstmal gar nicht wahrhaben will … man sucht Ausflüchte .. Begründungen … und weiß doch in der Tiefe des Herzens um die Sünde und Schande … ich habe immer und immer wieder mir gewünscht, die Zeit zurückdrehen zu können … um das alles ungeschehen zu machen … und geheult und geheult …
Dabei wusste ich aber, dass GOTT mir wirklich vergeben hat … aber da kommt jetzt das berühmte: ” ich kann mir aber selbst nicht vergeben ” … und das ist ja sehr zwiespältig … : man braucht eine Weile um zu begreifen, dass man sich bzw. ich mich damit über Gott setzt – gesetzt habe.. weil ich erst wirklich lernen musste , dass GOTT die Macht hat, jede Sünde zu vergeben .. dass das Sühnopfer Jesu, Sein Blut wirklich reinwaschen kann .. wenn man aufrichtig bereut … und Buße tut .. umkehrt … und dass GOTT auch vergeben will … aber zu Seinen Bedingungen.
Die Heilung geschieht prozesshaft und es gibt keinen Zeitpunkt, von dem an man sagen kann: jetzt bin ich geheilt. Zudem ist das ein Schmerz, der hier auf Erden niemals ganz verschwinden wird … und die Folgen und Konsequenzen sind hart. Ich bin davon überzeugt, dass man davor zurückschreckt, Menschen, die man neu kennenlernt, oder vielleicht sogar einen potentiellen Ehemann (also, in meinem Fall ist das nun nicht mehr relevant 😉 ) alles zu erzählen, wirklich offen zu sein … denn die meisten sogar weltlichen Menschen haben ein Problem mit Frauen, die abgetrieben haben, da kann man noch so modern tun. Eher noch gibt man einen schweren Betrug zu.
Also steht da immer etwas im Raum, vielleicht nicht sehr fassbar, nicht groß … aber es ist da … vor allem die bange Frage: inwieweit hat mir der Eingriff auch körperlich geschadet? Kann man noch Kinder bekommen? Aber so nach zwei Jahren – und in diesem Prozess auch das Lernen, dass es gar nicht wichtig ist, dass ich mir nicht selbst vergeben kann, weil es nicht auf mich ankommt … ebbte diese große Trauer ab …
Ich denke auch, man kann jemandem nur Mut machen, sich ganz fest an Gott zu klammern und an Seine Liebe und Vergebung glauben … und einfach da sein. Sagen kann man nichts und man muss dem entgegenwirken, wenn gesagt wird: ich kann mir selbst nicht vergeben. Darauf kommt es nicht an, denn das Opfer Jesu ist ausreichend … mehr als das … und in diesem Prozess klein zu werden und schwach und hilflos … und das zuzulassen … und genug Raum für Trauer … es gibt wenig Menschen, die Trauer aushalten können. Auch im christlichen Bereich hat man ganz schnell Angst vor Selbstmitleid. “Reiß Dich zusammen”, etc. All diese Beschwichtigungen. Und gerade jetzt, da ich das schreibe, wird mir ganz neu die Bedeutung des „Seid still“ klar (Psalm 46, 11).
Heilung kommt auch durch die tägliche Stille Zeit. Der Eine oder Andere wird auch einen Tag Pause brauchen, um das zu verarbeiten, da sollte man kein Drama draus machen, Zeit Bibel zu lesen und zu beten … und man muss sich nicht immer konkret mit diesem Thema auseinandersetzen .. wer kennt das nicht, dass man ohnehin gewisse Bereiche im Leben mit zunehmendem Verständnis der Bibel immer wieder neu sehen lernt .. immer besser erkennt, wo die eigenen Schwächen liegen und falschen Standpunkte und ebenso lernt, zu loben und zu danken .. dass GOTT vergeben hat … dass wir IHM vertrauen dürfen, dass egal was Menschen sagen, ER zu Seiner Zeit schenken wird, was wir brauchen .. dass wir aber immer Seiner Liebe gewiss sein dürfen.
Für Menschen mit tiefen Wunden und Depressionen, Selbstmordabsichten ist es wichtig, sich dieser Liebe bewusst zu sein … und gewiss .. und alles “Ich” abzugeben … zu erkennen, dass wir nichts in der Hand haben … und dass wir das auch gar nicht müssen.

Der Sinn des Lebens

Der Sinn des Lebens
Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. (Eph. 2, 8 – 10)
Hier kommt einmal mehr die wunderbare Lehre von der Gnade zur vollen Geltung. Paulus entfaltet sie hier in ihrer vollen Breite und Tiefe: Aus Gnade seid ihr errettet. Gnade ist das Allergrößte, was wir jemals bekommen können. Paulus geht es hier um die Errettung in ihrem gesamten Umfang. Da die Bibel den Menschen als Einheit aus Leib, Seele und Geist betrachtet, hat diese Rettung ihre Konsequenzen in allen drei Bereichen. Auch haben alle drei Bereiche eine präsentische (für die jetzige Zeit gültige) und eine futurische (für die Zukunft gültige) Dimension. Die präsentische Dimension der körperlichen Rettung ist die Tatsache, dass Christus unsere Krankheiten am Kreuz getragen hat. Deshalb kann Jakobus auch den Befehl erteilen, dass jeder, der krank ist, die Ältesten seiner Gemeinde rufen möge, damit sie ihn salben und mit ihm beten. Die Folge davon wird sein, dass derjenige dadurch von seiner Krankheit gerettet (dasselbe griechische Verb „sozo“ wie „errettet“ hier im Text), also geheilt, würde. Heilung ist ein Teil der Rettung, die der Herr Jesus Christus für uns am Kreuz erkauft hat. Die zukünftige Dimension der körperlichen Rettung ist die leibliche Auferstehung oder Entrückung. Auf diese warten wir noch – doch wird es wohl nicht mehr lange dauern. Alle Zeichen der Zeit stehen auf allerletzte Endzeit.
Auch die Seele soll gerettet bzw. geheilt werden. Hierbei geht es um Heilung falscher Gedanken und Gefühle, die uns in einem Gefängnis gefangen halten und versuchen, durch unser Handeln auch andere Menschen mit Bitterkeit anzustecken. Auch als Christen sind wir davor nicht automatisch geschützt. Aber wir haben die volle Wahrheit, die uns frei macht, wenn wir sie in unser Leben übertragen und anwenden. Viele Menschen leiden unter Lügen, die ihr Leben begleitet haben. Diese Lügen müssen erkannt und durch die Wahrheit von Gottes Wort ersetzt werden. Hierbei ist es ganz besonders wichtig zu wissen, dass dieses Ersetzen nicht einfach durch Lernen (mit dem Kopf wissen) geschieht, sondern durch Anwendung der Wahrheit. Wir wissen aus dem Brief von Jakobus, dass der Glaube sich durch entsprechende Konsequenzen und Handlungen als echt ausweist. So kann er auch erkannt werden. Die Rettung des menschlichen Geistes (der menschliche Geist darf nicht mit dem Intellekt verwechselt oder vermischt werden; der Geist des Menschen ist der Teil des Menschen, der mit Gottes Geist kommunizieren kann) findet vollständig und vollumfänglich in dem Moment der Bekehrung, Wiedergeburt und Versiegelung durch den Heiligen Geist statt. Von diesem Zeitpunkt an ist der Mensch gerettet, und zwar auf immer und ewig, denn es gibt nichts auf der Welt, was ihn noch aus Gottes Hand reißen könnte.
Diese Rettung des gesamten Menschen ist von Anfang bis zum Ende ein Geschenk Gottes. Es ist notwendig, dass alle drei Personen der göttlichen Dreieinigkeit zusammenarbeiten, damit überhaupt irgend ein Mensch gerettet werden kann. Gott der Vater hat in Seinem ewigen Ratschluss bestimmt, dass der Herr Jesus die Erlösung am Kreuz von Golgatha vollbringen soll und Ihn dann auch gesandt. Gott Sohn, der Herr Jesus, ist gehorsam auf die Erde gekommen, hat unter uns Menschen gelebt und Sich Selbst geopfert, um uns mit Gott zu versöhnen. Und Gott der Heilige Geist wendet diese Erlösung an den einzelnen Menschen an, die vorherbestimmt wurden, dem Herrn Jesus ähnlich zu werden. Zu dieser Erlösung kann kein Mensch etwas hinzufügen, denn wir können Gott nichts bringen, außer die Sünden, von denen wir erlöst werden müssen. Wir haben nichts als Schuld auf unserem Konto, und so ist alles, was jemals dort drauf kommt, ein Geschenk von Gott. In der Zeit, als Paulus dies schrieb, gab es viele Juden, die meinten, dass sie durch ihr Jude-Sein gerettet seien. Heute denken sich viele, dass es ausreiche, wenn man getauft sei, oder wenn man in Zungen rede oder wenn man weissagt, und doch hat uns doch Jesus klargemacht, dass eines Tages viele Menschen zu Ihm sagen würden: „Herr, Herr, wir haben doch…“ Ja, was denn? Geweissagt, in Zungen geredet, Wunder getan, Kranke geheilt, Dämonen ausgetrieben, gute Werke getan, Menschen bekehrt und getauft. Und doch… der Herr Jesus kennt sie nicht! Warum nicht? Weil sie sich auf das verlassen, was sie selbst tun und nicht auf das, was Jesus Christus für uns tat! Sie tun genau das, wovor Paulus hier warnt. Sich rühmen hat bei Paulus relativ wenig mit öffentlicher Zurschaustellung, als vielmehr mit dem Vertrauen auf etwas zu tun. So kann Paulus sich im ersten Brief an die Korinther auch „des Kreuzes rühmen“, also er sagt damit, dass er sich auf genau das verlässt, was Jesus am Kreuz von Golgatha ein für alle Mal vollbracht hat.
Und so ist nicht nur die Erlösung, die Jesus uns erkauft hat, ein Geschenk von Gott, sondern alles, was wir in unserem ganzen Leben tun und erleben dürfen. Deshalb hat unser Leben gleich einen dreifachen Sinn: Erstens möchte Gott uns die Erlösung schenken mit all ihren Konsequenzen und Auswirkungen, die wir bereits gesehen haben. Zweitens schenkt Gott uns eine riesige Fülle an Möglichkeiten, all das Gute zu tun, was Er für uns vorbereitet hat. Wenn wir dies erkennen, so wird uns klar, dass jede Begegnung, die wir haben, jedes Erlebnis, jeder Moment in unserem Leben einen tieferen Sinn hat: Alles soll uns nämlich für Gott noch brauchbarer und noch stärker im Glauben machen. Zugleich ist jede Begegnung auch ein Geschenk Gottes, das wir nutzen dürfen, um Gottes Liebe weiterzugeben. Wir alle sind Liebesbriefe, die Gott geschrieben hat, um unsere Mitmenschen zu erreichen, die nicht oder nur selten in der Bibel lesen. Und wir dürfen deshalb auch wissen, dass Gott nichts dem Zufall überlässt, sondern jede Begegnung vorbereitet und jeden Schritt nach Seinem Willen lenkt.
Dies alles zusammen hat letztendlich den übergeordneten Sinn, dass wir zur Ehre Gottes leben sollen und uns an Ihm erfreuen. Das Wissen um die göttliche Vorbereitung dieser Situationen lässt uns unverkrampft durchs Leben gehen, da wir wissen, dass wir nichts tun können, sollen und müssen, als nur genau das, was Gott für uns zuvor vorbereitet hat, damit wir darin leben dürfen. Ihm zur Ehre leben, bedeutet, sich an Gott erfreuen zu können und Ihm dankbar zu sein. Das Wissen darum hilft uns aber auch, in schweren Zeiten nicht aufzugeben, denn Gott weiß, was wir aushalten und wo unsere Grenzen sind. Und Er hat alles im Griff. Lassen wir uns doch auch im Leid von Ihm hindurchtragen und dankbar sein.

Evangelium und Heilung

Evangelium und Heilung
Es ist sehr spannend, sich damit zu befassen, was die Schrift in Bezug auf Heilung sagt. Von Anfang an wird das Evangelium mit Heilung verknüpft. Dies beginnt damit, dass das Evangelium Erlösung vom Fluch der Sünde bedeutet. Wie wir wissen, ist Krankheit und Schmerz als Folge des Sündenfalls in die Welt gekommen. So ist von Anfang an die geistliche Dimension von Krankheit und Schmerz geklärt: Sie sind wegen der Sünde in dieser Welt. Auch später stellt sich Jahwe dem Volk Israel als Jahwe Rophächa vor: Ich bin Jahwe dein Arzt (2. Mose. 15, 26) und verknüpft diese Verheißung direkt mit dem Gehorsam der Menschen. In seiner Abschiedsrede spricht Mose dies noch einmal an und stellt fest, Krankheit direkt mit Gottes Zorn über die Sünde verknüpft ist (5. Mose 29, 21ff).
Wir müssen uns hier verinnerlichen, dass sich am Glauben nichts verändert hat, ebenso wenig am gesamten Erlösungsweg im Alten wie im Neuen Testament. Überall ist Erlösung mit dem Glauben an den verheißenen (und später gekommenen) Erlöser verbunden. Dieser Glaube, der eine persönliche Beziehung mit dem Retter-Gott beinhaltet, gibt uns Kraft, ein gehorsames, wenn auch nicht vollkommen perfektes, Leben mit Gott zu führen. Es gab Gebote, die den alttestamentlichen Gläubigen zur Erinnerung an den verheißenen Erlöser gegeben waren, so zum Beispiel die Opfer. Und es gibt Gebote, die uns heute zur Erinnerung an den gekommenen Erlöser gegeben sind, so zum Beispiel das Herrenmahl. Im Grunde jedoch war der Glaube und die Erlösung zu allen Zeiten die einmalige, unwiederholbare Selbsthingabe Jesu am Kreuz von Golgatha.
Wenn nun unser Retter-Gott Sich mit den Worten vorstellt: Ich bin Jahwe, dein Arzt, so hat dies zu allen Zeiten und unter allen Umständen Gültigkeit. Als dieser Retter-Gott Jesus Christus unter uns auf dieser Erde war, hat Er dies ganz praktisch unter Beweis gestellt: Er hat gepredigt und geheilt.Er hat also in Seinem irdischen Dienst gezeigt, dass Verkündigung der Rettung und Heilung beides Teil des Evangeliums sind. Die Menschen kamen scharenweise zu Ihm und Er heilte sie. Es ist spannend, dass gerade Lukas, der von Beruf Arzt war, am allermeisten Wunderheilungen von den vier Evangelisten berichtet, während er überhaupt keine ärztliche oder natürliche Heilung festhält. In der Apostelgeschichte geht es im selben Stil weiter. Gott möchte uns durch diese berichteten Heilungen zeigen, dass Er der Arzt ist. Menschliche Ärzte (wie in dem Fall Lukas) sind dann in erster Linie noch da, um solche Heilungen bestätigen zu können. Aber der Heiler, das ist der Herr Jesus.
Der Herr Jesus beschrieb Seinen Auftrag in Luk. 4, 18 – 19 folgendermaßen: »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, daß sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, um zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn.«Diesen Auftrag hat Er am Ende Seines irdischen Lebens nach der Auferstehung Seinen Jüngern und über jene an uns weitergegeben: Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist! (Joh. 20, 21 – 22)
Ein weiteres Mal bestätigte Er diesen Auftrag am Tage der Himmelfahrt in Markus 16, 15 – 18: Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.
Wir sehen also, dass Heilung ein Teil der Erlösung ist, die Jesus am Kreuz für uns vollbracht hat. Auch in den Briefen der Apostel spielte die Heilung immer wieder eine Rolle. So zum Beispiel in Jakobus 5, 14 – 16: Ist jemand von euch krank? Er soll die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen lassen; und sie sollen für ihn beten und ihn dabei mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, so wird ihm vergeben werden. Bekennt einander die Übertretungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist.Interessant ist, dass zum Beispiel hier für „geheilt werden“ im Griechischen dasselbe Wort verwendet wird wie für „erlöst werden“. Es wird hier also besonders deutlich, dass Heilung ein Teil des Evangeliums ist.
Oder in 1. Petrus 2, 24: Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen auf dem Holz, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen; durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
Paulus schreibt in 1. Korinther 12, 7 – 10 von den Gaben des Geistes, und hier unter Anderem von der Gabe der Heilung: Jedem wird aber das offensichtliche Wirken des Geistes zum [allgemeinen] Nutzen verliehen. Dem einen nämlich wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber ein Wort der Erkenntnis gemäß demselben Geist; einem anderen Glauben in demselben Geist; einem anderen Gnadengaben der Heilungen in demselben Geist; einem anderen Wirkungen von Wunderkräften, einem anderen Weissagung, einem anderen Geister zu unterscheiden, einem anderen verschiedene Arten von Sprachen, einem anderen die Auslegung6 der Sprachen.