Das Gericht beginnt am Haus Gottes

Geliebte, laßt euch durch die unter euch entstandene Feuerprobe nicht befremden, als widerführe euch etwas Fremdartiges; sondern in dem Maß, wie ihr Anteil habt an den Leiden des Christus, freut euch, damit ihr euch auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freuen könnt. Glückselig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens des Christus willen! Denn der Geist der Herrlichkeit, [der Geist] Gottes ruht auf euch; bei ihnen ist er verlästert, bei euch aber verherrlicht. Keiner von euch soll daher als Mörder oder Dieb oder Übeltäter leiden, oder weil er sich in fremde Dinge mischt; wenn er aber als Christ leidet, so soll er sich nicht schämen, sondern er soll Gott verherrlichen in dieser Sache! Denn die Zeit ist da, daß das Gericht beginnt beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, wie wird das Ende derer sein, die sich weigern, dem Evangelium Gottes zu glauben? Und wenn der Gerechte [nur] mit Not gerettet wird, wo wird sich der Gottlose und Sünder wiederfinden? Daher sollen auch die, welche nach dem Willen Gottes leiden, ihre Seelen ihm als dem treuen Schöpfer anvertrauen und dabei das Gute tun.

(1. Petrus 4, 12 – 19)

Es ist auffällig, mit welcher Wortwahl Petrus diesen neuen Abschnitt beginnt. Geliebte. Damit stellt er zweierlei Dinge sicher: Erstens drückt er damit aus, dass ganz speziell der folgende Abschnitt nur für eine ganz genau bestimmte Gruppe von Menschen gedacht ist. Die „Geliebten“ sind die Menschen, welche ihr Leben dem Herrn Jesus Christus ausgeliefert haben und bereit sind, sich unter das Wort Gottes zu stellen und ihm demütig zu gehorchen. Für alle anderen Menschen gilt dieser Abschnitt nicht, denn für sie kommt das Feuer später, und zwar ein ewiges Feuer. Zweitens beginnt der Apostel den Abschnitt mit „Geliebte“, damit all diejenigen, denen diese schweren, harten Worte gelten, sich noch einmal vergewissern dürfen: Ich bin geliebt, komme was wolle! Er wollte allen vor den Worten über das Gericht noch einmal klarmachen: Gott liebt jeden Einzelnen, der Ihm mit aller Entschiedenheit nachfolgt.

Die erste Feuerprobe sind Anfechtungen. In unserem Fall hier sind Anfechtungen innerhalb der Gemeinde gemeint. Die Feuerprobe ist „in euch“, das heisst so viel wie „unter euch“ gekommen, also in der Gemeinde der Geliebten Gottes. Möglicherweise durch Wölfe im Schafspelz, die ein anderes Evangelium predigen wollen, vielleicht durch Streit und Neidereien unter den Gläubigen, durch Unversöhnlichkeit oder Ähnliches. Auch die Geliebten sind nicht immer den Anfechtungen gewappnet, besonders dann, wenn sie sich unmerklich in der Lehre einschleicht. Nun wird der Glaube geprüft und auf die Probe gestellt, ob er dem Feuer standhält oder nicht. In den meisten Fällen von heute ist es so, dass zwei oder gar noch mehr Gruppen innerhalb einer Gemeinde beginnen, gegeneinander zu arbeiten. Da ist es wichtig, dies nicht als etwas „Befremdendes“ zu betrachten und die Gemeinde deshalb zu verlassen, sondern so lange es immer möglich ist, in der Gemeinde bleiben und für den Glauben zu kämpfen.

In einem solchen Fall sollen wir uns freuen. Worüber können wir uns denn in der Anfechtung freuen? Hier ist es wichtig, dass wir den Vers im Lichte der gesamten Bibel lesen. Wir werden hier nicht aufgefordert, uns über das Leid und die Anfechtung zu freuen und dafür zu danken! Im Gegenteil! Das Leid kommt von Satan, der uns versuchen und uns zur Verzweiflung bringen will. Wenn wir uns an der Versuchung freuen müssten, so dürften wir nichts dagegen tun, dürften unsere Waffenrüstung (Epheser 6) nicht gebrauchen, dürften bei Krankheit kein Medikament einnehmen, etc. Das widerspräche aber total der Aussage der Bibel. Im Gegenteil, wir sollen gegen das Leid ankämpfen, aber genauso sollen wir uns im Leid und in der Anfechtung drin freuen. Petrus zählt hier zwei Gründe auf, weshalb wir uns freuen sollten: Erstens über das Maß des Anteiles am Leiden Christi. Konkret gesagt: wir sollen uns überlegen, was Christus für uns getan hat! Dass Er an unserer Stelle die Strafe für all unsere Sünde auf sich genommen hat! Dass all unser Leid durch Sein Leiden einstmals ein Ende haben wird! Über alles, was Christus für uns getan hat, sollen wir uns freuen. Zweitens sollen wir uns auf unsere ewige Zukunft freuen, wenn Seine Herrlichkeit offenbart wird und wir für ewig mit Ihm zusammen leben dürfen!

Als Christen sind wir immer wieder dem Spott der Ungläubigen ausgesetzt. Viele der Verlorenen haben wohl nichts Besseres zu tun, als uns mit Spottnamen zu verhöhnen und mit gotteslästerlichen Bemerkungen zu kränken. Manche lieben es auch, kritische Fragen zu stellen, um unseren Glauben in seinen Grundfesten zu erschüttern. Für diejenigen, die verloren gehen, ist das Wort vom Kreuz eine Torheit, eine Dummheit sondergleichen. Sie meinen, dass Gott ein schwacher, menschlicher Gott sei und ebenfalls den Naturgesetzen unterworfen. Gleichzeitig versuchen sie, das Naturgesetz ihres Gewissens, das sie andauernd verklagt, auszuschalten. Sie tun alles, um die Stimme Gottes zu übertönen, die ihnen zuruft: Kehrt um, solange es noch nicht zu spät ist! Wenn wir um des Namens von Jesus Christus und um unserer Erlösung durch Sein Blut willen verspottet werden, so soll uns dies froh machen. Es zeigt uns viererlei Dinge:

Erstens zeigt es uns, dass Gottes Wort nichts an Aktualität verloren hat. Es ist ein Beweis dafür, dass die Bibel uns auch in der heutigen Zeit ein guter Wegweiser ist und dass wir gut daran tun, sie genau zu betrachten. Dies gibt uns die Sicherheit, dass wir einen guten Anker haben, an welchem wir uns festhalten sollen: den Glauben an Jesus Christus und an Sein kostbares Blut. Es gibt uns zudem die Sicherheit, dass Gott nicht nur damals sprechen wollte, sondern dass dies auch heute noch immer Sein Wunsch ist.

Zweitens zeigt es uns, dass wir den richtigen Weg gewählt haben: Denjenigen durch die enge Pforte, die auf den schmalen und steinigen Weg führt. Jesus Christus ist nach wie vor der einzige Weg zum Vater, die einzige Wahrheit aller Wahrheiten und das einzige Leben, das wirklich in der Fülle ist. Doch wir müssen nicht nur den Weg finden, sondern ihm folgen bis an sein Ziel. Wenn wir an diesem Weg festhalten, so kann uns zwar der Leib getötet werden, aber die Seele ist fest in Gottes Hand und wird bewahrt bleiben für den Tag der Auferstehung.

Drittens zeigt es uns, dass Gottes Geist auf uns ruht. Jeder Mensch ohne Gottes Geist ist unfähig, den Wert des Kreuzes und des Blutes Christi zu erkennen, geschweige denn anzunehmen. Jeder Mensch ist von der Erleuchtung durch Gottes Geist der Herrlichkeit abhängig, um zu Gott zu kommen. Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes, hat durch Seinen Opfertod das Fundament gelegt für die Erlösung und mit Seiner Auferstehung die Macht des Todes besiegt. Auf der Grundlage dieses Fundamentes muss Gott, der Vater, den Menschen zu sich ziehen und durch den Heiligen Geist zu dieser Erkenntnis erleuchten. Der Heilige Geist schenkt den übernatürlichen, göttlichen Glauben, welcher zur Erlösung notwendig ist.

Viertens zeigt es uns, dass Gottes Gerechtigkeit ewig und unparteiisch ist. Jeder, der uns um des Namens des Christus willen verspottet, verlästert damit den Heiligen Geist und entfernt sich noch mehr von Gott. Jede Bekehrung ist somit ein großes Wunder, das Gottes Allmacht zeigt. Es ist einfacher, aus dem Nichts etwas Seiendes entstehen zu lassen, als ein Herz, das sich so weit von Gott entfernt hat, zum Glauben zu bringen. Nicht unser menschlicher, psychischer Glaube bewirkt die Rettung, sondern einzig der göttliche Glaube, der eine Gabe Gottes ist!

Weiter gibt es Leiden aus Ungehorsam. Diese sind selbstverschuldet. Wer eine Tat begangen hat, die selbstverschuldet ist, muss die Folgen gerechterweise selbst tragen. Wir wissen aus der Bergpredigt, dass jedes Verbrechen in den Gedanken beginnt und nicht erst in der Ausführung desselben. Somit ist jeder, der einen anderen Mitmenschen hasst, ein Mörder und jeder, der neidisch auf den Besitz seines Nächsten sieht, ist ein Dieb. So ist auch jeder Hass, jeder Neid und jedes andere schlechte Gefühl eine Übeltat und ein Verbrechen. Wer unter diesen Gefühlen leidet, leidet nicht um des Namens des Christus willen, sondern all sein Leiden ist selbstverschuldet. Es muss bekämpft und wiedergutgemacht werden. Dasselbe gilt, wenn wir uns in fremde Angelegenheiten mischen. Dadurch entsteht viel Streit und sehr oft ist der Grund für den Streit im Sich-Einmischen Dritter zu finden. So sollen wir von allem abstehen, was dem Namen Christi durch unsere Sünden und Fehler Schaden zufügt und ihn dem Spott preisgibt.

Vielmehr haben wir auch als Christen Leiden, das uns züchtigen soll. Gott ist der liebende Vater, der uns in das Land der Segnungen bringen möchte. Doch durch jeden Ungehorsam bringen wir uns um den Segen, den Gott für uns bereitgehalten hätte. So muss Gott als liebender Vater uns von Zeit zu Zeit Leitplanken an unserem Weg aufstellen, die uns vor dem Fall schützen. Er möchte auf jeden Fall, dass wir zu Ihm kommen, doch der Weg zu Ihm ist schmal und steinig, ein harter Weg, zuweilen sehr dürr und wüstenähnlich. Manches Übel in unserem Leben dient dazu, uns näher zu Ihm zu bringen. Dadurch, dass wir leiden durch Verfolgung und Verleumdung, werden wir zu Seinen Werkzeugen des Friedens und zu Zeugen Seiner Gnade geformt.

In all diesen Schwierigkeiten sollen wir das Banner unseres Herrn nicht verstecken, als ob wir uns Seiner schämen müssten. Vielmehr sollen wir dieses Banner hochheben und im Namen unseres Herrn Jesus Christus und mithilfe Seiner Kraft den Sieg erringen in unserem Leben. Jeder Tag soll der Entscheidung geweiht sein, alles Gute zu tun, das in unserer Macht steht und alles Böse, das wir erkennen, zu meiden. So soll auch heute unser Gebet sein, dass der Herr uns offene Augen, Ohren und Herzen schenkt und uns zur richtigen Zeit die richtigen Worte und Taten zeigt, mit denen wir Ihn verherrlichen können!

Die Verse 17 – 18 beschreiben den eigentlichen Grund für das Leiden, das auf jeden bekennenden Christen zukommt. In den fünf vorhergehenden Versen wird dieses Leiden beschrieben, nun gibt der Apostel Petrus den eigentlichen Grund für dieses Leiden an. Das Leiden dient dazu, um das Haus Gottes zu reinigen. In den Zeiten des Leidens wird offensichtlich, wo wirklicher, gottgewirkter Glaube zu finden ist. Da kommt zutage, wer einen psychologischen Für-wahr-halte-Glauben hat und wessen Glaube wirklich eine Gabe des Heiligen Geistes ist. Wenn Christus wiederkommt, so will Er, dass Seine Gemeinde heilig und tadellos vor Ihm sei, eine makellose Braut wird Er heimholen zu Seinem Hochzeitsmahl. So muss zuvor durch diese Bedrängnis geprüft werden, wessen Glaube wirklich standhaft ist. Dieser standhafte Glaube verlangt kein perfektes Leben, denn Perfektion wird es erst später geben, aber der Glaube verlangt eine Abkehr von jeder Sünde und eine Abscheu, einen Hass gegen jede sündhafte Handlung.

Dieses Gericht auf der Erde dient dazu, die Spreu vom Weizen zu trennen, doch es steht keinem Menschen zu, dies zu tun, sondern einzig und allein Gott ist es, der die Herzen kennt und am glaubensvollen standhaften Lebenswandel den wahren Glauben zu erkennen. Es wird später, vor dem Richterstuhl Christi noch einmal ein Gericht geben, doch da werden nur die wahrhaft Gläubigen antreten dürfen, und es wird nicht über die Menschen gerichtet, sondern über deren Taten. Da wird sich herausstellen, was ein jeder Mensch in seinem Leben als Christ vollbracht hat. Wer mit feuerfesten Materialien sein Leben gebaut hat, und wessen Lebenswerke im Feuer verbrennen werden. Alles, was wir aus Egoismus, aus Ehrgeiz oder aus Menschenfurcht tun, ist Holz, Heu, Stroh. Nur das, was wir in Ehrfurcht vor Gott und aus echter, ungeheuchelter Liebe tun, wird als Gold, Silber oder Edelsteine Bestand haben im Feuer dieses Gerichts.

Doch wenn nun der Maßstab an den Gerechtfertigten schon so streng angelegt wird, wie viel schlimmer werden dann all die Menschen dran sein, die sich nicht um die freudige Botschaft Jesu Christi geschert haben? Wie schlimm muss dann das Ende der Gottlosen sein? Das Ende derer, die uns verspottet haben? Die über Jesus Christus gelästert haben? O, liebe Brüder und Schwestern, habt Mitleid mit all den Verlorenen! Geht hin, erzählt allen von der Größe Gottes und der Größe ihrer Sünden, damit möglichst viele gerettet werden können! Die Rettung der Menschen ist Gottes Wunsch, und Er hat alles getan, was dazu notwendig und möglich ist, nun ist es an uns, ein lebendes Zeugnis für die Liebe und Gnade unseres Herrn zu sein!

In den Versen 12 – 18 hat der Apostel Petrus festgehalten, dass die Gemeinde durch eine strenge Gerichtszeit hindurchgehen muss. Alle Menschen, die sich als Gemeindeglieder zu Jesus Christus bekennen, werden durch die Prüfungen des Leidens geführt, und unter diesem Druck des Leidens wird vor Gott offenbar, wie echt ihr Glaube ist. Doch wenn schon die Gemeinde solch einem Druck und solch einem Leiden ausgesetzt wird, wie viel schlimmer werden da der Druck und das Leiden der Ungläubigen sein! Wenn christliche Märtyrer solch großen Qualen ausgesetzt werden, und dies nur, damit der Glaube geprüft wird, wie viel mal schlimmer müssen da all die Höllenqualen derer sein, die in der Last ihrer Sünden sterben! Getrennt von Gott, in der äußersten Finsternis, wo das Heulen und Zähneknirschen ist, sich in den Gluten des göttlichen Zorns befinden zu müssen!

So sollen wir alle bereit sein, das Leiden auf uns zu nehmen, das uns als Gottes Kinder zur Züchtigung dienen soll. Das Leiden als Christ ist die Leitplanke, die uns auf dem richtigen Weg hält, die uns vor dem Sturz in die Tiefen der Schluchten und Täler der Sünde schützt. Es ist wie der Strick, der Odysseus bei der Insel der Sirenen davon abhält, der tödlichen Lust der Gesänge zu folgen und sein Schiff des Lebens in den Untiefen der Begierde zu versenken! Lasst uns alles Leiden dazu dienen, uns näher zu Gott zu bringen und uns in Demut in Seine Hand zu begeben. Lasst uns alle Versuchungen des Teufels fliehen und stattdessen Gott näher kommen.

Wir sollen des Weiteren unsere Seelen Gott anvertrauen. Niemand anderes als allein Er weiß, was wir brauchen und wie viel Leid wir ertragen. Er gibt uns in jedem Leid auch die Kraft zum Ausharren. Petrus spricht hier ganz bewusst von Gott als dem treuen Schöpfer. Gott hat uns geschaffen – jeden Einzelnen von uns hat Er nach Seinem Vorsatz geschaffen. So wird der Schöpfer am allerbesten wissen, wie robust Er uns von Natur aus gemacht hat und wie viel übernatürliche, göttliche Kraft Er jedem von uns noch zusätzlich zur Verfügung stellen muss. Wir dürfen wissen, dass Er uns in jeder Situation die genügend große Stärke zum Ertragen der jeweiligen Situation geben wird. Wir dürfen diese zusätzliche Stärke dankbar annehmen und sie gebrauchen. Sie kommt meist aus der nahen Gemeinschaft mit Gott, aus dem Gebet, aus dem Bibellesen, aus dem Singen von Lobliedern, aus dem Einnehmen des Herrenmahls oder aus dem Bezeugen Gottes vor Ungläubigen.

So dürfen wir das Sorgen getrost unserem Gott überlassen und uns dem Wichtigeren zuwenden: Dem Dienst am Nächsten. Gerade weil wir wissen, dass die Ungläubigen ein solch schlimmes Ende finden werden, haben wir die Verantwortung und die Pflicht, mit unserem ganzen Leben und mit all unseren Worten Gott vor der Welt zu bezeugen. Unsere Aufgabe ist es, anderen zu dienen (sei es in der Gemeinschaft der Gläubigen oder bei Verächter des Evangeliums). Allen sind wir – da wir von Gott so viel Gnade erhalten haben – schuldig, von dieser Gnade weiterzugeben. So sollen wir allen mit unseren Stärken und Gnadengaben dienen.

Die Tür zum Leben

Die Tür zum Leben

Einleitung:

Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür für die Schafe. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluß haben. (Johannes 10, 7 – 10)

Wir haben hier einen der allerschönsten Texte der Bibel vor uns. So, wie Jesus damals zu Seinen Jüngern sprach, und Sich Selbst vorstellte, so spricht Er auch heute Nachmittag zu uns allen. Es ist mein Gebet und meine Hoffnung, dass wir alle bereit sind, auf Ihn zu hören. Er ist bereit, Sich uns vorzustellen und uns zu begegnen. Lasst uns mit großem Ernst begierig sein nach Seinem Wort, nach all dem, was Er uns heute zu sagen hat.

Bevor Er Sich Seinen Jüngern als Türe vorgestellt hat, sagte Er ihnen noch was anderes, nämlich ein Gleichnis, in welchem Er von den Schafen sprach. Die Schafe sind ein sehr gutes Sinnbild für uns, die wir an Ihn glauben. Er Selbst ist der Gute Hirte, der für Seine Schafe gut zu sorgen weiß. Das Gleichnis beginnt mit der Gegenüberstellung des Hirten, der das Anrecht hat, zu seinen Schafen in den Stall hineinzugehen. Er kennt den Code, der nötig ist, um sich die Türe vom Türhüter aufschließen zu lassen. Er wird auch von den Schafen erkannt, denn seine Stimme erkennen sie unter all den Stimmen, die auf sie einreden.

Die Jünger haben Sein Gleichnis gehört, haben es aber nicht verstanden. Deshalb setzt Jesus nun erneut an und redet wiederum zu ihnen. Er legt ihnen dieses Gleichnis aus.

  1. Jesus ist die Tür zu den Schafen

Jesus beginnt die Auslegung dieses Gleichnisses mit den Worten: Amen, amen, Ich sage euch. Mit diesen Worten leitet der Evangelist Johannes oft die wichtigen Aussagen Jesu ein. Wenn wir im Johannesevangelium also diese Worte lesen, so bedeutet das für uns: Aufgepasst, was jetzt kommt, das ist ganz essentiell wichtig. Hört gut auf das, was der Herr Jesus uns zu sagen hat.

Nun beginnt Jesus seine Auslegung mit den Worten „Ich Bin die Tür“. Spätestens bei diesen Worten haben die Juden aufhorchen müssen. Es handelt sich hier um ein Ich-Bin-Wort. Mit diesen Worten spricht Jesus immer mit sehr großem Nachdruck. Immer dann, wenn Jesus ein solches Wort mit „Ich Bin“ einleitet, so spricht Er dort über Seinen göttlichen Charakter und Seinen göttlichen Auftrag. Es geht hier darum, dass Er Sich als Gott auf Erden verstanden haben will, denn nur als solchen können wir Ihn als „die Türe“ verstehen. Als Gott mit Mose sprach, stellte Er sich als der „Ich Bin Der Ich Bin“ vor. Das Ich Bin Jesu geht hier in dieselbe Richtung. Auch Gottes Eigenname Jahwe (=der ins Dasein Bringende), deutet in die Richtung und Jesus will Sich auch unbedingt so verstanden haben. Er hat diesen Namen bewusst in Sein Programm aufgenommen und für Sich beansprucht.

Jesus sagt hier von Sich, dass Er die Türe zu den Schafen ist. Wer also zu den Schafen will, kommt an der Tür nicht vorbei. Hierin haben wir das Versprechen der Bewahrung, des Schutzes. Jesus verspricht uns also, dass Er als Türe beschützen will vor denen, welche sich unrechtmäßig in die Gemeinde einschleichen wollen. Leider ist die menschliche Natur von uns allen naturgemäß nicht so ganz schafartig, viel eher könnte man sie als bockig beschreiben. Ein Bock lehnt sich gegen alles auf, was ihm entgegentritt. Als solch bockige Gestalten laufen wir vor Gott und Seinem Willen weg – auf und davon. Dieses Weglaufen vor Gott ist Auflehnung, und genau das ist es, was all das Leid über diese Welt gebracht hat und Tag für Tag noch immer bringt. Diese Auflehnung gegen Gott bewirkt eine Zerstörung der Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. Dadurch entsteht Schuld. Wir werden dadurch vor Gott schuldig, und deshalb ist es unmöglich, dass wir Gott gefallen können. Paulus schreibt im Brief an die Römer 3, 23:

Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.

Das ist das göttliche Urteil über uns Menschen. Alle haben gesündigt, keiner kann mit Gott in Gemeinschaft leben.

Doch Gottes Liebe zu uns Menschen ist groß, so groß, dass Er bereit war, alles aufzugeben, Seine ganze Göttlichkeit im Himmel zurückzulassen und auf der Erde unter uns zu leben. Als Mensch unter Menschen. Das ist Jesus Christus. Er hat sein ganzes Leben lang auf nich ein einziges Mal gesündigt, sondern war immer gehorsam, damit Er an unserer Stelle die uns fehlende Gerechtigkeit verdienen konnte. Dann war Er sogar bereit, den schrecklichen Tod am Kreuz von Golgatha auf Sich zu nehmen, um dadurch alle Schuld zu bezahlen, die wir alle auf uns geladen haben vor Gott. Doch es ist nicht beim Tod geblieben. Kürzlich haben wir das Auferstehungsfest gefeiert. Der Herr Jesus ist nicht im Grab geblieben, sondern auferstanden. Ja, Er ist wahrhaftig auferstanden. Er hat den Tod besiegt und mit Paulus können wir deshalb sagen: Tod, wo ist dein Stachel? Ja, der Herr Jesus ist für uns gestorben und auferstanden von den Toten am dritten Tag.

So dürfen, wenn wir wirklich glauben, dass Er für uns persönlich gestorben und auferstanden ist, uns im Gebet an Ihn wenden. Wir dürfen Ihm danken für dies große Geschenk und Ihn bitten, in unser Leben zu kommen, damit Er uns hilft, nach Seinem Willen zu leben.

Weil Jesus Christus die Türe zu den Schafen ist, können auch menschliche Hirten nur durch diese Türe hindurch zu den Schafen kommen. Tatsächlich hat Gott in der Gemeinde Menschen als Hirten und Älteste eingesetzt, welche für die Aufgabe des Hirtendienstes zuständig sind. Doch auch für diese gilt, dass sie nur durch die Türe, die der Herr Jesus ist, zur Gemeinde kommen dürfen.

Nur durch den Heiligen Geist erweckt kann ein Hirte ein rechter Hirte sein. Der Heilige Geist führt einen rechten Hirten in seine Berufung und schenkt auch, dass diese Berufung durch die jeweilige Gemeinde bestätigt wird.

Ein wahrhaft berufener Hirte wird sein Leben ganz und gar dem Herrn Jesus unterstellen und wird das tun, was der Herr von ihm möchte. Er wird nicht nur für seine Gemeinde in der Bibel lesen, sondern auch für sich selbst vom Wort Gottes essen: Er liest es, denkt darüber nach, nimmt sich Zeit, um darüber zu beten und tut alles um es in sein persönliches Leben ein-zubauen. Erst wenn er dies ganz praktisch verstanden hat, wendet er sich der Gemeinde zu und lehrt sie dies.

So gibt es ja auch Ausbildungsstätten für den Dienst in der Gemeinde.

Deshalb ist es wichtig, dass wir bibeltreue Ausbildungsstätten wie die STH Basel eine ist, unterstützen, indem wir für sie beten und nach Möglichkeit auch finanziell unterstützen.

Leider führen heutzutage viele Hirtenschulen dazu, dass ihre Absolventen versuchen, an der Türe vorbei in den Schafstall zu kommen. Von diesen spricht der Herr Jesus auch ausführlich:


  1. Jesus unterscheidet Sich von den Dieben und Räubern

In den Versen 8 und 10 spricht der Herr Jesus von denen, die sich anmaßen, Hirten der Gemeinde zu sein, ohne eine echte Berufung in diesen Dienst zu haben. Diese beiden Verse werden deshalb zusammen betrachtet.

Es sind insgesamt drei Merkmale, die der Herr Jesus nennt, an denen man diese Diebe und Räuber erkennen kann: Das erste Merkmal finden wir schon im Gleichnis selbst, im ersten Vers dieses zehnten Kapitels des Johannesevangeliums. Dort wird der Dieb und Räuber dadurch beschrieben, dass er nicht durch die Türe hineingeht, sondern versucht, woanders einzusteigen. Nun müssen wir hier aber aufpassen, dass wir das richtig verstehen. Wenn wir von Dieben und Räubern hören, denken wir bestimmt gleich an Ladendiebstahl, Banküberfall oder Ähnliches. Nun wurde der Ausdruck Diebe und Räuber von den Menschen damals für die politische Partei der Zeloten verwendet. Die Piratenpartei in Deutschland hat auch nichts mit Booten und Seeräuberei zu tun, sondern damit, dass sie zum Beispiel Urheberrechte und Patente auf Informationen gezielt aufheben will. Die Zelotenpartei zur Zeit Jesu hat versucht, die Herrschaft Roms im alten Palästina aufzuheben und das Reich Gottes mit militärischer Macht zu errichten.

Man könnte also sagen, dass die Diebe und Räuber Menschen sind, welche die Gemeinde des Herrn bauen wollen aus eigener Kraft und mit menschlichen Mitteln. Genau das ist auch heute das Ziel vieler Gemeindebauprogramme, die versuchen, biblische Begriffe wie Sünde, Hölle, stellvertrender Tod Christi, etc. abzuschaffen und dadurch möglichst viele Menschen zu ethisch korrekten aber nach wie vor ungläubigen Menschen umzugestalten. Christlicher Anstrich, aber nichts echtes darunter, muss man hierzu sagen.

Dass es sich dabei um Menschen handelt, die versuchen, an die Gemeinde zu kommen, ohne an Christus vorbeikommen zu müssen, sagt der Herr hier auch mit den Worten „die vor mir kamen“. Das „vor“ in diesem Satz lässt sich auch mit „anstelle von“ übersetzen. Es ist also somit auch jemand, der versucht, sich selbst oder seine Ideen an die Stelle des Herrn Jesus zu setzen.

Das zweite Merkmal der Diebe und Räuber nennt der Herr auch: Die Schafe haben nicht auf sie gehört. Die wahre Schafherde lässt sich nicht von einem Dieb und Räuber abziehen, auch wenn diese es noch so sehr versuchen. Vielmehr hört diese Schafherde auf das, was der Herr ihr zu sagen hat.

Der Herr Jesus Selbst ist es, der dafür sorgt, dass Seine Herde Ihn hören kann. Durch den Heiligen Geist, der mit unserem Geist zusammenwirkt, funktioniert diese Verständigung, sofern sie nicht durch irgend eine Sünde blockiert ist, von der man nicht lassen will.

Durch das regelmäßige und gründliche Bibellesen und den Besuch der Gemeindebibelstunden sowie durch das Reden mit dem Herrn im Gebet werden wir sensibel und aufmerksam auf das, was der Gute Hirte uns zu sagen hat.

Das dritte und schlimmste Merkmal eines Diebes und Räubers ist, dass er immer kommt, um zu stehlen und zu zerstören. Dies ist oft nicht einmal von ihm beabsichtigt. Manche dieser Diebe und Räuber kommen in der besten Absicht und wollen der Herde sogar helfen. Aber gerade weil sie nicht durch die Türe hereinkommen, gerade weil sie den Herrn Jesus nicht wirklich, oft nur äußerlich, kennen, richten sie riesigen Schaden an. Jesus sagte hierzu in Lukas 11, 23:

Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Bei einer Schafherde ist es wichtig, dass sie immer wieder gesammelt wird. Beim Grasen hat jedes Schaf so seine eigene Art, die Herde immer ein wenig mehr zu verlassen, immer etwas weiter weg zu gehen. Des Hirten Aufgabe ist es nun, sie wieder einzusammeln und vorwärts zu bringen. Das ist auch in der Gemeinde so. Ein Pastor, der von bestimmten Spezialthemen so begeistert ist, dass er nichts anderes mehr zu predigen weiß, zum Beispiel nur noch über die Offenbarung und Endzeitprophetie, aber darin vergisst, seine Herde immer wieder zum Herrn Jesus zu bringen, wird sie zerstreuen.

Um als gute Hirten einer Gemeinde, einer Familie oder einer Jungschargruppe für den Herrn arbeiten zu können, müssen wir unsere Herde immer wieder und wieder zum Herrn bringen. Über das sprechen, was der Herr für uns getan hat, was Er für uns ist. Dann wird diese Herde nämlich auch wachsen. Nicht nur in der Zahl, sondern vor allem auch in der Qualität. Der Glaube nimmt zu bei den Menschen, die unter einem guten Hirten stehen, er wird gestärkt durch das gute Vorbild und dadurch, dass die ganze Gemeinde regelmäßig unter das Wort des Herrn kommen.

Dann werden es auch immer mehr sein, die verstehen, was Jesus uns da als nächstes sagt:

  1. Jesus ist die Tür zum Leben

Jesus ist nämlich nicht nur die Türe zu den Schafen, sondern auch die Türe zum Leben. Dies bedeutet für uns ganz konkret, dass jeder, der durch sie hineingeht, ewiges Leben hat und für immer gerettet ist. Der Herr Jesus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben, und es kommt nie und nimmer irgend jemand zu Gott, ohne bei Ihm vorbeizukommen. Das ist für uns sehr wichtig zu wissen. Egal in welcher Zeit und in welcher Kultur jemand geboren wurde, keiner kommt zum Vater, ohne bei Jesus durch die Türe gekommen zu sein. Gleich nach dem Fall im Garten Eden haben die ersten Menschen von Gott das Versprechen bekommen, dass der Herr Jesus kommen wird. Der Nachkomme der Frau wird dem Nachkommen der Schlange den Kopf zertreten. Und von dem Moment an hat die Menschheit gewusst, dass Jesus kommen wird. Niemand konnte sich entschuldigen. Und niemand wird sich jemals mit dem Argument entschuldigen können.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, wird uns das helfen, andere mit viel Freimütigkeit in die Gemeinde einzuladen. Wir sagen ihnen, dass wir auch gerne ein Stück weit mit ihnen zusammen zur Gemeinde gehen und den Gottesdienst gemeinsam besuchen wollen. Weiter werden wir aber auch gerade in dem Wissen mit großer Ernsthaftigkeit für die verlorenen Menschen beten, die den Herrn Jesus noch nicht angenommen haben und deshalb ihre Schuld noch selbst mit sich herumschleppen und unter Gottes Zorn und Gericht stehen.

Wenn wir mit unseren Mitmenschen über den Glauben sprechen, so dürfen wir wissen, dass der Herr Jesus uns versprochen hat, uns zu helfen und uns durch Seinen Heiligen Geist im richtigen Moment die richtigen Worte schenken wird.

Weiter wird jeder, der durch diese Türe hineingeht und den Herrn Jesus aufnimmt, Weide finden. Diese Weide steht für all das, was unsere täglichen Bedürfnisse stillt. Der Herr Jesus ist der gute Hirte, der uns vom sicheren Stall zum saftigen Gras der Weide, von der Weide zur frischen Wasserquelle und wieder zurück führt. Er ist in allem dafür besorgt, dass es uns gut geht.

Dieser Gute Hirte ist der Herr Jesus Selbst, der uns Frieden schenkt, indem Er uns mit Sich Selbst versöhnt. Er sorgt in wunderbarer Weise für uns, indem Er uns die örtliche Gemeinde als Wiese gibt.

Dort in der Gemeinde sind wir füreinander da, wir dürfen einander Hirten sein: Der Hauskreisleiter seinen Schutzbefohlenen, der Jugendleiter seinen Teenies, und so weiter. Der Ehemann ist der Hirte seiner Ehefrau, Eltern die Hirten ihrer Kinder, usw. Als Hirten haben wir uns darum zu kümmern, dass unsere Schäflein Weide finden, und zwar sollen wir um das Allerbeste besorgt sein.

Als Familienvater führen wir die regelmäßige tägliche Andacht mit der ganzen Familie ein, die der Vater vorbereitet. So bekommt die ganze Familie ihr geistliches Brot.

Wer auf die Weide des guten Hirten kommt, wird drittens auch für sein ganzes Leben einen Sinn bekommen und wirkliche Erfüllung. Diese Erfüllung besteht gerade auch darin, dass wir anderen in dem helfen dürfen, was wir gut können. Indem wir anderen helfen, sie lehren und sie wachsen sehen, nimmt auch unsere eigene Freude zu. Die gemeinsame Freude am Ergebnis des gemeinsamen Wachsens und Vorankommens, ist wunderbare Erfüllung.

Ich fasse zusammen:

Damit wir rechtmäßig als Hirten von Gott einen Zugang zur Gemeinde bekommen können, müssen wir selbst unter dem Guten Hirten stehen und uns von Ihm verändern und prägen lassen. Es gibt Diebe und Räuber, die versuchen, die Gemeinde zu zerstreuen, weil sie ihre Herde nicht regelmäßig unter den Einfluss der Guten Nachricht von Jesus Christus bringt. Die Gemeinde, welche die göttliche Herde ist, hat für jeden von uns seinen Platz, an dem er anderen Schäflein in der Gemeinde helfen kann. Gemeinsam freuen wir uns deshalb über das Wachstum, das dadurch geschieht.