Buchtipp: Die Mächtige

Die Magie der tausend WeltenDie Maechtige von Trudi Canavan

Canavan, Trudi, Die Magie der tausend Welten. Die Mächtige, Blanvalet Verlag München, 1. Aufl. Sept. 2018, 704S., Verlagslink, Amazon-Link

Die australische Autorin Trudi Canavan schreibt Fantasy-Bücher, und dies wirklich mit großer Phantasie. Das vorliegende Buch ist der dritte Band einer mehrteiligen Serie namens „Die Magie der tausend Welten“. Wenn man die übrigen Bände nicht kennt, ist etwas Zeit nötig, um sich in den tausend Welten zurechtzufinden. Doch nach den ersten 50 Seiten ist das Wichtigste bekannt. Die Geschichte ist in sich selbst abgeschlossen und kann deshalb auch gut für sich allein gelesen werden. Ob es auch eine weitere Geschichte hinter den Bänden gibt, kann ich nicht beurteilen, vermute es allerdings schon.

In den tausend Welten gab es für tausend Jahre einen Herrscher, den Valhan. Er war der mächtigste aller Magier, und um seine Macht zu sichern hat er sein Leben selbst beendet, in der Gewissheit, dass seine untergebenen Magier ihn wieder zu Leben und Macht erwecken würden. Die Thronfolgerin ist Rielle, die vor der Verantwortung des Herrschens zurückschreckt und sich weigert, in seine Fußstapfen zu treten. Nun gibt es verschiedene Gruppen, die eine unterschiedliche Vorstellung davon haben, was mit dem Machtvakuum geschehen soll. Ist es Rielles Aufgabe? Soll der Valhan auferweckt werden? Sollen die vom Valhan in seiner Hand gespeicherten Informationen auf eine andere Person übertragen werden? Oder soll es gar keinen Herrscher mehr geben? Um diese Fragen entbrennt der Streit, der in diesem Band geschildert wird.

Canavan hat wirklich eine große Phantasie. Sie erschafft viele verschiedene Welten und stellt dabei richtig gute Fragen an unsere Zeit. Für mich war der größte Teil des Buches ein Genuss, weil ich viel zum Nachdenken angeregt wurde. Es werden Überlegungen über verschiedene Regierungsformen und deren Abwesenheit angestellt, über Kriege und deren Notwendigkeit, und vieles mehr. Ein kleines Beispiel dazu: Tyen hatte mechanische „Insektoiden“ gebaut, die mit „mechanischer Magie“ (mehr dazu weiter unten) angetrieben werden. Andere hatten diese Erfindung weiter entwickelt und Kampfinsektoiden gebaut, die für Kriege eingesetzt werden können. Dies wollte Tyen jedoch überhaupt nie erreichen. Er überlegt sich, ob er solche Maschinen bauen kann, die feindliche Insektoiden abwehren und zerstören können. Sein Assistent Zeke meint dazu: „Es wird sehr schwer werden, eine Maschine zu bauen, die entscheiden kann, was sie zerstört und was sie nicht weiter beachtet.“ (S. 396) Hier haben wir das Problem, das sogenannte „künstliche Intelligenz“ immer haben wird. Es wird der KI nie möglich sein, tatsächlich zwischen gut und böse zu entscheiden.

Eine Sache fand ich sehr schwierig, nämlich dass die Autorin den Begriff „Magie“ so oft und mit so unterschiedlichen Vorstellungen parallel benutzt. Mindestens drei verschiedene Bedeutungen hat Magie in diesem Buch: 1. Magie ist Macht 2. Magie ist Energie 3. Magie ist übernatürliche Fähigkeit. Aber es geht noch weiter: Magie ist auch noch eine Substanz, undefinierbar, die in bestimmten Bereichen stärker vorhanden sein kann denn in anderen. Magie kann hergestellt, entzogen, an sich genommen und abgegeben werden. Gerade weil „Magie“ für so viele unterschiedliche Dinge benutzt wird, dass es etwa auch eine Art mechanischer Magie gibt, das macht die ganze Sache so unnötig kompliziert und – für mich zumindest – über manche Strecken schlicht und einfach langweilig. Das war auch der Grund, weshalb ich nach diesem Band – so interessant vieles ist – überhaupt kein Interesse habe, die übrigen Bände auch noch zu lesen. Das finde ich auch irgendwie schade, aber nicht zu ändern. Davon abgesehen ist das Buch spannend und leicht zu lesen.

Fazit:

Ein Buch mit vielen guten Gedanken und Fragestellungen, die auch unser heutiges Leben und Denken in Frage stellen und zum Nachdenken anregen. Alles auf eine unterhaltsame, leicht lesbare Weise verpackt. Mich persönlich hat der inflationäre Gebrauch des Begriffs „Magie“ für eine Vielzahl unterschiedlicher und mitunter widersprüchlicher Inhalte abgeschreckt. Fantasy-Fans, denen dies nichts ausmacht, ist das Buch zu empfehlen. 4 von 5 Sternen.

Von jedem Menschen lernen – geht das?

Mein Ziel ist es, aus jedem Gespräch, jedem Buch, jedem Artikel, jeder Diskussion, zu lernen. Häufig treffe ich dabei auf Meinungen, die gegensätzlich zu den meinigen sind. Wie lerne ich dabei? Ein paar Gedanken, die mir helfen.
1. Ich habe die Chance (das Geschenk), meine eigene Sichtweise zu hinterfragen und damit entweder zu stärken oder zu überarbeiten.
2. Jeder Mensch ist im Ebenbild Gottes geschaffen. Ich darf in jedem Menschen etwas von und über Gott lernen.
3. Gott liebt Vielfalt. Ich darf diese Vielfalt auch lieben, feiern und anerkennen – ohne dabei relativistisch zu werden.
4. In jeder Meinung muss ein Funken Wahrheit stecken, sonst würde sich ja niemand davon überzeugen lassen. Lügen und Irrtümer werden nur wegen ihrer Nähe zur Realität geglaubt.
5. Viele Menschen haben bestimmte Gebiete, in welchen sie deutlich mehr wissen als ich. Davon darf ich profitieren und von ihnen lernen.
6. Ich brauche keine Angst zu haben vor Irrtümern, weil Gottes Wort mir den Maßstab und ewig gültige Kriterien zur Beurteilung aller Meinungen gibt. Wenn Gottes Wort reichlich unter uns wohnt, ist das ein guter Schutz vor Irrtümern.
7. Gott gibt uns besonders in Römer 1,18ff ein wunderbares Hilfsmittel, mit welchem jede Weltanschauung überprüft und hinterfragt werden kann.
8. Irrtümer sind so gut wie immer einzelne Wahrheiten (also korrekte Aussagen), die aber absolut gesetzt werden und so beginnen, über dem ganzen Leben zu thronen und über alles Denken zu herrschen.
9. Ich darf darauf hören, wie andere Menschen aufgrund ihrer Biographie oftmals dieselben Dinge unterschiedlich ausdrücken. Das erweitert meinen Horizont.
10. Viele ernstgemeinte Fragen stellen ist die beste Art, um von allen Menschen zu lernen. Warum ist das so? a. Weil ich dadurch oft dasselbe auf verschiedene Art und Weise hören darf. b. Weil sich der Andere so ernstgenommen und wertgeschätzt fühlt. c. Weil ich damit sicher gehe, dass ich dem Anderen keine Dinge in den Mund lege, die nicht stimmen und ihm zugleich die Möglichkeit gebe, sich noch besser auszudrücken.