Bibel lesen? Aber sicher, das hab ich nötig!

In einem kürzlichen Gespräch ging es um das Lesen der Bibel. Im Nachhinein habe ich noch weiter darüber nachdenken müssen, weil mir ein paar Dinge dazu ganz neu wichtig geworden sind. Ich könnte mir jetzt sagen: Du hast bis jetzt jedes Buch, jedes Kapitel und jeden Vers der Bibel mindestens 12x gelesen, die meisten davon schon deutlich öfter. Irgendwann reicht das doch. Ruh dich doch mal darauf aus. Du hast Theologie studiert und dabei viele Verse auswendig gelernt, eine ganze Zahl Texte aus dem Griechischen oder Hebräischen übersetzt. Reicht das nicht? Zugegebenermaßen hatte ich solche Gedanken auch schon. Aber noch jedes Mal bin ich beim Weiterdenken ganz eindeutig zum Schluss gekommen: Nein, das reicht noch lange nicht! Warum? Weil ich es nötig habe!
1. Ich habe es nötig, jeden Morgen in meinem Denken verändert zu werden. Ich bin jeden Tag ganz vielen Einflüssen ausgesetzt, die versuchen, mein Denken zu vergiften. Werbung versucht, sich in mein Denken einzuschleichen. Filme versuchen, mir ein falsches Weltbild einzutrichtern. Die Zeitungen und Zeitschriften strotzen von Artikeln und Berichten, die meine Aufmerksamkeit wollen. Jeden Morgen soll mein Denken weg von mir und weg von der Welt auf Gott ausgerichtet werden.
2. Ich habe es nötig, jeden Morgen etwas zu lesen, was ich nicht beurteilen muss. Dieser Punkt hängt mit dem ersten zusammen, geht aber noch mehr in die Tiefe. Alles, was sich außerhalb der Bibel befindet, ist fehlbar und muss deshalb beurteilt werden. Die Bibel ist da wohltuend anders. Sie muss nicht beurteilt werden, sondern ich darf mich von ihr beurteilen lassen. Das ist das Vorrecht aller Gläubigen: Das Wort dürfen wir „lassen stahn“, wie Martin Luther so treffend dichtete. Es muss nicht verändert werden, sondern es soll mich verändern. Die Bibel ist der fixe Punkt, mit dem wir das Universum aus den Angeln heben können.
3. Ich habe es nötig, mir jeden Morgen das Evangelium zu predigen.Ich liebe es, in einer Evangelisationsveranstaltung zu sitzen. Da kommen mir regelmäßig die Tränen, weil mir bewusst wird, wieviel der Herr Jesus für mich getan hat. Eigentlich weiß ich das schon, aber – ach! – wie schnell geht das wieder vergessen in der Eile des Alltags. Und wie gern würde ich da jeden Morgen in so einer Veranstaltung sitzen. Da das leider nicht möglich ist, habe ich es nötig, mir das selbst jeden Morgen zuzusprechen. Ich habe es nötig, mir wieder neu der Gnade und Größe Gottes bewusst zu werden.
4. Ich habe es nötig, dass Gott jeden Morgen neu zu mir spricht.So, und jetzt schreibe ich das als Pfingstler, der sich darüber freut, dass alle Gaben des Geistes im Hier und Jetzt für uns vorhanden und in Gebrauch sind. Die Gabe der Prophetie ist mir nichts Fremdes, und ich freue mich sehr darüber, von Gott immer wieder damit gebraucht zu werden. Und dennoch (oder gerade deshalb?) bestehe ich darauf, dass sich die Gabe der Prophetie nur dort gut und gesund entwickelt, wo wir Menschen des Wortes Gottes sind. Wenn wir wollen, dass Gott zu uns redet, dann wenden wir uns der Bibel zu. Dort redet Gott so zu uns, dass Sein Wort keine Überprüfung und keine Korrektur braucht. Paulus macht klar, dass dort, wo Menschen in der Gemeinde prophetisch reden, immer andere da sein müssen, die das Gesagte beurteilen. Die Bibel braucht das nicht, sie ist Gottes reines und unveränderliches Wort.
5. Ich habe es nötig, jeden Morgen für den Tag ausgerüstet zu werden.Jeden Morgen bekomme ich von Gott ganz bestimmte Dinge gezeigt, die mich durch den Tag begleiten und meine Augen für bestimmte Menschen und Situationen öffnen. Häufig werde ich so sensibel für Versuchungen, die mich an diesem Tag versuchen wollen. Dann kommt mir in den Sinn: Mensch, das haste ja heute früh gelesen! Finger weg davon! All das habe ich Tag für Tag von Neuem nötig, und deshalb lese ich auch sehr gerne und mit großer Freude, geradezu „gierig“ darin.
Und warum liest Du die Bibel (oder nicht)?

Mut zum Denken!

Kleiner Hinweis: Unter dem Titel: Mut zum Denken – oder: Ein Plädoyer für echte Philosophie nach Martin Heideggers “Ende der Philosophie” habe ich mal einen Abstecher in das Gebiet der Philosophie gewagt. Das Paper kann hier (Link) gelesen werden.

Kurzfassung: Ich werde zeigen, dass Martin Heideggers Rede vom „Ende der Philosophie“ nicht zutreffend ist und dass es notwendig ist, wieder echte Philosophie, damit meine ich unter anderem auch besonders die Metaphysik, zu treiben und wie das in unserer Zeit geschehen kann.
Schlusswort: Deshalb: Lasst uns den Mut haben, selbst und eigenständig zu denken, den wichtigen Fragen der Metaphysik nachzugehen, sie ehrlich und ohne Scheu zu beantworten und damit auch die Skeptiker, Atheisten, Agnostiker unter den Denkern zum Nachdenken und Reagieren zu bringen!

Ist Systematische Theologie für alle Gläubigen wichtig?

Wenn wir unseren Glauben verstehen wollen, so wird kein Weg an der Systematischen Theologie vorbeiführen. Und darum wird es heute gehen. Deshalb möchte ich zunächst einmal definieren, was Systematische Theologie ist. Ich nehme dazu die hilfreiche Definition von Wayne Grudem:
Systematische Theologie ist jede Studie, welche die Frage beantwortet: „Was lehrt uns die Bibel heute?“ zu jedem gegebenen Thema. (Wayne Grudem, Systematic Theology, S. 21)
Das heißt also, dass sich die Systematische Theologie damit beschäftigt, zu sammeln und auszuwerten, was uns die gesamte Bibel zu einem bestimmten Thema zu sagen hat. Und deshalb kommen wir zur heutigen Frage:
Ist denn diese Systematische Theologie für alle Gläubigen wichtig und wenn ja, warum?
Ich zähle hier einige Gründe auf, weshalb ich der Meinung bin, dass sich jeder Gläubige (und nach Belieben natürlich auch jeder Andere) damit befassen sollte. Es ist dann die Aufgabe eines jeden Einzelnen, sich zu fragen, ob die Gründe ausreichen und was die Konsequenzen davon sind.
1) Jeder Christ ist ein Theologe – die Frage ist, ob seine Theologie korrekt ist
Ich bin jetzt mal ganz frech und unterstelle einfach, dass jeder und jede Gläubige immer wieder Aussagen macht, welche aus der ganzen Bibel entfaltet worden sind. Zum Beispiel: „Die Bibel sagt, dass jeder, der an Jesus Christus glaubt, gerettet wird.“ Oder: „Die Bibel sagt, dass Jesus eines Tages wiederkommen wird.“ Oder: „Gott möchte nicht, dass wir lügen.“ Das sind alles Aussagen, die aus der Gesamtheit der Bibel gewonnen werden. Somit macht jeder Gläubige Aussagen, die der Systematischen Theologie – dem Studium der ganzen Bibel und dem Zusammensetzen verschiedener Bibelstellen zu einer gemeinsamen Aussage – entspringen. Die Frage dabei ist lediglich, ob unsere Theologie korrekt ist. Ob wir zu unserem Thema tatsächlich alle notwendigen Bibelstellen gesichtet, ausgewertet und korrekt zusammengestellt haben. Deshalb ist die Systematische Theologie wichtig.
2) Weil das richtige Handeln richtiges Denken voraussetzt
Mein zweiter Grund ist sehr praktischer Natur. Bevor ein Mensch wissen kann, was in einer bestimmten Situation das Richtige ist, was er tun sollte, muss er zuerst wissen, was denn nun das Richtige ist. Ohne korrektes – wohlüberlegtes – Denken kann es auch kein korrektes Handeln geben. Deshalb schreibt Paulus im Brief an die Römer: Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist.“(Römer 12,2)
3) Weil wir dadurch Gott besser kennenlernen können
Gott hat uns nebst der ganzen Schöpfung und unserem menschlichen Gewissen vor allem die Bibel gegeben, damit wir Ihn kennenlernen können. Er hat natürlich noch andere Wege, um mit uns zu kommunizieren, aber Er hat uns a) keinen anderen Weg versprochen, auf dem Er mit uns kommunizieren will und b) keinen anderen Weg gegeben, um im Glauben wachsen zu können. Wenn wir uns also wünschen, Ihn besser zu kennen, dann haben wir keine andere Möglichkeit von uns aus gesehen, als zur Bibel zu gehen und Ihn über das Lesen und das systematische Studieren der Theologie besser kennenzulernen. Wenn es uns natürlich egal ist, wie gut wir Gott kennen, können wir auch darauf verzichten.
4) Weil dies eine Art ist, wie wir Gott lieben können
Jesus bestätigte es als wichtigstes Gebot, Gott zu lieben:„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!“ (Markus 12,30) Das angestrengte und exakte Nachdenken über Gott ist somit eine Art, wie wir Gott mit unserem Verstand lieben können. Es gibt heute leider eine Tendenz von Menschen, die sagen: Also ich bin da eher ein Gefühlsmensch, ich liebe Gott mit meinem Gefühl; und deshalb vernachlässigen sie schnell das Lieben mit dem Verstand. Das ist sehr schade, denn diese Einseitigkeit führt immer zum Ungehorsam, weil nicht jeder Teil unseres Lebens dem Willen Gottes untergeordnet wird.
5) Damit wir im Glauben gestärkt und auferbaut werden und wachsen können
Paulus beschreibt das im Brief an die Gemeinde in Ephesus:Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten. Er gab Evangelisten, Hirten und Lehrer, damit sie die, die Gott geheiligt hat, zum Dienst ausrüsten und so der Leib des Christus aufgebaut wird mit dem Ziel, dass wir alle die Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes erreichen; dass wir zu mündigen Christen heranreifen und in die ganze Fülle hineinwachsen, die Christus in sich trägt. Dann sind wir keine unmündigen Kinder mehr, die sich vom Wind aller möglichen Lehren umtreiben lassen und wie Wellen hin- und hergeworfen werden. Dann fallen wir nicht mehr auf das falsche Spiel von Menschen herein, die andere hinterlistig in die Irre führen. Lasst uns deshalb fest zur Wahrheit und zur Liebe stehen und in jeder Hinsicht zu Christus, unserem Haupt, hinwachsen. Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten. Das geschieht in der Kraft, die jedem der einzelnen Teile zugemessen ist. So bewirkt Christus das Wachstum seines Leibes: Er baut sich auf durch Liebe.“(Epheser 4, 11 – 16) Ein wichtiges Ziel der Systematischen Theologie ist genau dieses, nämlich dass unser Glaube wachen kann, dass wir auferbaut und gestärkt werden und nicht mehr „von jedem Wind der Lehre hin- und hergeworfen“ werden.
6) Damit wir bereit werden, anderen von unserer Hoffnung im Leben zu erzählen
Wenn wir uns in der Tiefe mit Gottes Wort beschäftigen, werden wir auch immer besser vorbereitet zu Gesprächen über den Glauben. Petrus schreibt: Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung; und bewahrt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verlästern, zuschanden werden in dem, worin sie euch als Übeltäter verleumden mögen.“(1. Petrus 3, 15 – 16) Nicht jeder von uns ist von den Gaben her gesehen ein Evangelist (ich bin es auch nicht), aber jeder hat die Aufgabe, bereit zu sein, um wenigstens dann Rede und Antwort zu stehen, wenn wir nach unserer Hoffnung, nämlich dem Glauben an Jesus Christus, befragt werden. Und je mehr wir darüber wissen, desto besser sind wir für diesen Fall gerüstet.
7) Weil uns die Tiefe der Wahrheit zur Freude in Gott und zum Lobpreis Gottes führt
Wenn wir uns mit Gottes Wort beschäftigen – und dies in der Tiefe und Breite tun – so wird uns das immer mehr Freude schenken. Wir erkennen immer mehr, was Gott für uns alles getan hat. Das macht uns dankbar und führt uns zum Lobpreis Gottes und zu einem gesegneten Leben.
Wie ihr nun Christus Jesus als euren Herrn angenommen habt, so lebt auch mit ihm und seid ihm gehorsam. Senkt eure Wurzeln tief in seinen Boden und schöpft aus ihm, dann werdet ihr im Glauben wachsen und in der Wahrheit, in der ihr unterwiesen wurdet, standfest werden. Und dann wird euer Leben überfließen von Dankbarkeit für alles, was er getan hat. (Kolosser 2, 6 – 7)
Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm. (Psalm 1, 1 – 3)

Grundlagen menschlichen Denkens

In einer Zeit wie der unsrigen heute, in welcher die Absolutheit der Wahrheit überhaupt immer mehr in Frage gestellt wird, müssen wir uns einmal mehr mit der Frage befassen, was überhaupt Wahrheit ist und wie sie gewonnen wird. Letzten Endes glaubt jeder Mensch irgendwie, dass Wahrheit etwas sein muss, das existiert. Also: Es muss etwas geben, das wahr ist. Wer behaupten will, dass es keine absolute Wahrheit gibt, dürfte nicht einmal mehr an einfachen mathematischen Wahrheiten festhalten wie zum Beispiel diejenige, dass 1 + 1 = 2 ist. Weiter dürfte eine solche Person auch nie jemand anderem vorhalten, eine Unwahrheit zu vertreten, denn dann müsste diese Person absolut jeden Maßstab zur Findung der Wahrheit ablehnen. Spätestens jetzt wird klar, dass jeder Mensch irgend einen solchen Maßstab hat, nach welchem sein Denken arbeitet. Dieser Maßstab kann je nach Erziehung, Prägung, individueller Erfahrung unterschiedlich sein. Dies führt dazu, dass unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen oft auch nach Maßstäben leben und denken, die einander entgegengesetzt sind. Was aber allen Menschen gemeinsam ist, das ist die Überzeugung, dass es einen solchen Maßstab gibt. Jeder Mensch, auch wenn er das nicht weiß, selbst dann, wenn er abstreitet, dass es so sei, lebt nach irgend welchen Maßstäben. Dieses Leben nach Maßstäben ist allen Menschen gemeinsam. Noch etwas Weiteres ist allen Menschen dieser Welt gemeinsam: Sie alle können (tun es nicht automatisch, aber haben die Möglichkeit dazu) über diese Maßstäbe nachdenken, sie reflexieren. Diese Fähigkeit unterscheidet den Menschen von der übrigen Natur. Ein Tier handelt auch nach Maßstäben (Instinkten) und hat sogar die Möglichkeit, durch Lernen diese Maßstäbe zu verändern, aber es kann nicht darüber nachdenken, warum es so handelt und wodurch diese Maßstäbe bedingt sind.

Da wir aber diese Fähigkeit zur Reflexion besitzen, sind wir Menschen auch echte Persönlichkeiten. Ich möchte den Gedanken mal folgendermaßen zu fassen versuchen: Charakter ist nicht gleich der Persönlichkeit. Tiere haben einen Charakter, der Charakter von verschiedenen Tieren derselben Art wird durch unterschiedliche Erfahrungen (Lernen ist immer eine Erfahrung) geprägt. Ein Tier kann ängstlich, neugierig, etc. sein. Den Begriff Persönlichkeit möchte ich so definieren, dass zum individuellen Charakter noch die Möglichkeit zur Reflexion hinzu kommt. Wenn man von gewissen atheistischen Aussagen ausgeht, nämlich dass alles Entstandene nur Energie + Zeit + Zufall sein soll (Materie ist schließlich verdichtete Energie), dürfte kein Mensch die Möglichkeit zu dieser Reflexion haben. Es müsste schlichtweg verboten werden, das zu können. Was nicht sein kann, darf ja auch gar nicht sein. Da wir aber diese Fähigkeit dennoch besitzen, sollten wir uns mal auf die Suche machen, woher sie kommen kann. Ich habe mich auf diese Suche gemacht und bin zu dem einen Ergebnis gekommen, dass es nur eine einzige Lösung gibt für diese Frage. Wenn man all die Denkweisen und „Systeme“ mal konsequent zu Ende denkt, kommt man letztendlich immer zum Schluss, dass es nicht sein kann, also nicht sein darf, dass wir diese Möglichkeit der Reflexion haben.

Das absolut einzige „System“, das uns eine befriedigende Antwort geben kann, das ist und bleibt die Bibel. Sie sagt nämlich, dass Gott den Menschen in Seinem Bild und nach Seiner Ähnlichkeit geschaffen hat. Sie sagt weiter, dass Gott auch Raum und Zeit geschaffen hat. Er, der allwissende Gott, hat unser Weltall mit der Erde in ihren vier Dimensionen geschaffen, und steht somit außerhalb von ihr. Da Gott allwissend ist und außerhalb von Raum und Zeit steht, besitzt Er somit die unendliche Ausprägung der Persönlichkeit. Während wir Menschen im Lernen darum ringen, mehr Wissen über uns selbst, über Gott, über unsere Welt, und so weiter zu bekommen, weiß Er zu jeder Zeit alles, was war, was ist, und was noch geschehen wird. Und dieser Gott hat uns Menschen in Seiner Ähnlichkeit geschaffen. Man kann es mit einem Vergleich auszudrücken versuchen: Was der Mensch als Lebewesen in vier Dimensionen schafft, das ist auf drei Dimensionen beschränkt. Ein Computer muss mit WENN-DANN-Schleifen und Ähnlichem programmiert werden. Er funktioniert zwar in vierten Dimension, aber die Abläufe sind immer für einen bestimmten Moment programmiert. Ein Computer kann deshalb nie höher entwickelt werden als sein Programmierer. So braucht auch der Mensch mit seiner Möglichkeit zur Reflexion einen „Programmierer“, der über eine noch höhere Stufe dieser Reflexion verfügt, das ist Gottes Allwissenheit. So ist alles, was wir tun, sagen, denken, schreiben, empfinden, etc. ein Ausdruck unserer Persönlichkeit und damit ein Hinweis auf den lebendigen und persönlichen Gott der Bibel.

Weiter sagt die Bibel auch, dass Gott uns in ihr die Wahrheit gegeben hat. Sie erhebt somit den Anspruch, der wahre Maßstab für unsere Maßstäbe zu sein. Damit klarzukommen ist nicht ganz einfach, denn wer mag es schon, zugeben zu müssen, dass seine Erfahrungen sich nicht mit der absoluten Wahrheit decken? Wer mag es schon, wenn man seine Denk- und Lebensweise in Frage stellt? Letzten Endes kann man aber nur gewinnen, wenn man bereit ist, seine Maßstäbe mal gründlich unter die Lupe zu nehmen. Wenn sie nämlich übereinstimmen, dann bekommen wir umso mehr Gewissheit, wenn sie aber falsch sind, so können wir den Maßstab, nach welchem wir unser Leben ausgerichtet haben, korrigieren.

Nehmen wir als Beispiel mal die Vorgehensweise in der modernen Naturwissenschaft. Die Methodologie in dieser folgt zumeist derjenigen des sogenannten „wissenschaftlichen Realismus“. Diese Theorie geht davon aus, dass alles, was man beobachten kann, wahr sein muss. Mit Beobachten ist natürlich das ganze Spektrum von Sehen, Messen, Erforschen, etc. gemeint. Also nicht nur das Sehen mit dem Auge, sondern der gesamte Bereich des Feststellens. In sich geschlossen, ohne von extern irgendwelche Feststellungen zu nehmen, kann diese Theorie keinen Beweis dafür erbringen, dass sie sich auf dem Boden der absoluten Wahrheit befindet. Rein theoretisch gesehen könnte es auch sein, dass unser ganzes Leben, alles was wir tun und sehen und alle Gespräche mit anderen Menschen, und so weiter, unserer Einbildung entspringen oder uns von außen vorgegaukelt wird. Der wissenschaftliche Realismus ist ein geschlossenes System, ein Kreis ohne Anfang und ohne Ende, und das macht es unmöglich, diese Theorie zu beweisen. Sie kann nur auf die Erfahrung (dass es so funktioniert) und auf die Rationalität, also den Gebrauch des Verstandes, hinweisen. Ohne eine höhere Autorität anzuerkennen, die über dieser Theorie steht, ist sie unbeweisbar. Die Erfahrung eines Wissenschaftlers, der sich innerhalb dieses Kreises befindet, sowie der Gebrauch seines Verstandes, der sich ja ebenso darin befinden muss, kann und darf er deshalb nicht als Beweis heranziehen.

Was wir also brauchen, das ist ein festes, unerschütterliches Fundament dafür, dass

a. Wahrheit etwas ist, was es tatsächlich gibt,
b. Diese Wahrheit gefunden werden kann und
c. Der Mensch die Voraussetzungen hat, diese Wahrheit zu finden.

In Johannes 17, 17 sagt Jesus in Seinem Gebet: Dein Wort ist Wahrheit. Wenn wir also überzeugt sind, dass wir Gottes geschaffene Kreatur sind, und zwar nach Gottes Ebenbild als Persönlichkeiten mit der Fähigkeit zur Reflexion, dann sagt uns Gott weiter, dass Er uns die Wahrheit gegeben hat in Seinem Wort. Somit ist die Bibel als Gottes Wort die Wahrheit. Doch erst dann, wenn wir das erkannt haben, nämlich dass es so ist, haben wir erstens das Fundament für den Punkt a., nämlich dass es Wahrheit gibt und zweitens den Maßstab für diese Wahrheit. Wenn wir also die Lehre, dass wir von Gott als Persönlichkeiten geschaffen wurden, als wahr erkannt haben, so sollten wir uns nicht scheuen, auch den zweiten Teil, nämlich dass Gottes Wort der Maßstab für alle Wahrheit ist, als korrekt anzuerkennen. Dies erst gibt dem Menschen die echte Legitimation für wissenschaftliche Forschung. Da uns Gottes Wort in schriftlicher Form übergeben ist, steht auch der positiven Beantwortung des Punktes b. nichts mehr im Wege. Die Bibel als solche ist der Maßstab für alle wissenschaftliche Erkenntnis. Das hat natürlich Konsequenzen. Die Wissenschaft ist dadurch zum Ersten ethisch an bestimmte Richtlinien gebunden, die noch zu erörtern wären. Zum Zweiten muss sich alle Erkenntnis in ihrem Inhalt an der Gesamtheit der Bibel messen lassen. Auch dies muss an anderer Stelle noch genauer geklärt werden.

Welches sind denn nun die Voraussetzungen, um die Wahrheit zu finden? Die wichtigste Voraussetzung haben wir auch schon benannt, nämlich die Bereitschaft, alle neue Erkenntnis an Gottes Wort zu messen. Da Gott außerhalb des Raum-Zeit-Schemas steht, weiß Er zu jeder Zeit alle Wahrheit voll und ganz. Deshalb ist das Phänomen Prophetie möglich (Gott spricht im Voraus durch Menschen Dinge, die in Raum und Zeit erst später stattfinden werden). Genau so verhält es sich auch mit wissenschaftlichen Aussagen. Gott kennt alle Naturgesetze, alle Begebenheiten, alle Erfindungen, Entdeckungen und Erkenntnisse schon im Voraus. Die Bibel will als solche nicht ein wissenschaftlich aufgebautes systematisches Lehrbuch sein, aber ihre Aussagen widersprechen der wissenschaftlichen Wahrheit nie. Deshalb sind Theorien, die der Bibel entgegenstehen, zu verwerfen. Sie sind wie Kartenhäuser jedem Lufthauch ausgeliefert. Ich bin dem Herrn Jesus dankbar, dass Er Selbst eigenhändig dafür sorgt, dass die Naturgesetze in Kraft bleiben, solange diese Erde noch besteht (Kolosser 1, 16 – 17). Dafür gebührt Ihm alle Ehre. Denn Er ist es, dem wir es verdanken, dass wissenschaftliche Forschung überhaupt möglich ist. Und Er ist der Herr, auch unseres Verstandes!