Die Bücher meiner Kindheit

Bücher, die meine Kindheit geprägt haben. Daneben gab es natürlich noch hunderte mehr, aber hier mal diejenigen, die mich nebst der Bibel besonders auch längerfristig beschäftigt haben. Diese folgenden habe ich vermutlich alle mehr als einmal gelesen, kann mich aber nicht mehr in jedem Fall an die genauen Zahlen erinnern.

Sofies Welt

Als junger Mensch mit sehr vielen Fragen hat es mir sehr gut getan, mal zu erfahren, dass diese Fragen schon seit Jahrtausenden gestellt und beantwortet werden. Als ich mit etwa neun Jahren erstmals Sofies Welt gelesen habe, konnte ich das meiste noch nicht wirklich verstehen, aber zwei Dinge sind mir seither geblieben: Die Liebe zur Geschichte und zur Philosophie, sowie der Mut, Fragen zu stellen, auch wenn die Antworten unangenehm sein können. Amazon-LinkHier habe ich noch mehr dazu geschrieben.

Momo

Dieses Buch von Michael Ende habe ich ebenfalls bei meinen Großeltern kennengelernt. Auch hier gibt es wieder Dinge, die größer waren als mein damaliges Verständnis, aber das macht es auch spannend, darüber noch weiter nachzudenken. Man kann von Michael Ende halten was man will – aber spannend schreiben kann er! Und dabei erst noch Fragen ansprechen, die auch so ein Kinderköpfchen beschäftigen. Amazon-Link

Der „Lederstrumpf“

Auch wenn ich über 40 Bände von Karl May gelesen habe – keiner davon konnte mich derart mitreißen wie die fünf Lederstrumpf-Bände von James F. Cooper. Nicht nur Indianergeschichten, sondern man lernt eine ganze Menge über Tugenden und christliche Nächstenliebe. Wertvoll! Amazon-Link

Die Narnia-Serie

In der Zeit meiner Kindheit kam allgemein gerade ein neues Interesse an C. S. Lewis und besonders an seiner Narnia-Serie auf. Mit viel Spannung habe ich die Geschichten gelesen. Es brauchte jedoch die mehrfache Lektüre, um die biblischen Zusammenhänge zu verstehen, die Lewis in seinem Roman untergebracht hatte. Amazon-Link

Die Blitz-Serie

Als großer Pferde-Fan darf natürlich auch eine Pferde-Serie nicht fehlen. Davon habe ich mehrere gerne gelesen, doch so richtig spannend fand ich vor allem Walter Farleys Serie um Blitz, den schwarzen Hengst. Bei dieser Serie habe ich mir den Spaß gemacht, in Bücher-Antiquariaten nach möglichst alten Ausgaben zu suchen. Hier der Amazon-Link zum ersten Band der Serie.

Die Abenteuer-Serie

Die Abenteuer von Jack, Dina, Philip und Lucy habe ich mir auch auch alle mehrmals reingezogen. Die meines Erachtens mit Abstand originellste Serie von Enid Blyton. Aber manchmal frage ich mich schon, wie es jemand schafft, so viele Bücher zu schreiben. Das allein ist schon eine Kunst für sich. Hier der Amazon-Link zum ersten Band der Abenteuer-Serie.

Und welches waren Deine Kindheits-Bücher?

Buchtipp: C. S. Lewis für eine neue Generation

Strebel, Hanniel, C. S. Lewis für eine neue Generation, Folgen Verlag 2017, Amazon-Link
Dies ist der erste Band von Hanniel Strebels Buchserie über verschiedene Vorbilder des Glaubens des 20. Jahrhunderts. Clive Staples Lewis ist vor allem durch sein siebenbändiges Werk „Die Chroniken von Narnia“ bekannt. Lewis war eigentlich ein Literaturwissenschaftler, der Christ wurde, und versuchte, seinen starken Intellekt mit seiner Phantasie zu verknüpfen und daraus vor dem Hintergrund des biblischen Weltbildes neue Literatur zu erschaffen. Deshalb ist sein Lebenswerk auch so vielfältig, denn er fand sehr viele unterschiedliche Formen, um dies zu tun.
Hanniel Strebel stellt das Leben und Werk von C. S. Lewis sehr komprimiert vor, aber doch ausführlich genug, um alles Wichtige zu erwähnen. Zwischen den zwei biographischen Abschnitten im Buch führt Hanniel das Hauptelement von Lewis’ Leben ein: Die Sehnsucht nach der Freude. Bereits im Kindesalter hatte Lewis ein Erlebnis, das ihn prägte: Eine unbeschreibliche Freude. Doch er merkte: Er konnte diese nicht selbst herstellen, sondern sie nur suchen; ab und zu wurde er von ihr überrascht. Später im Leben merkt Lewis, dass es eigentlich Jesus Christus war, den er suchte.
Da ich das Leben von Lewis und viele seiner Bücher bereits kannte, war für mich vor allem der letzte Abschnitt des Buches interessant: Lernfelder. Was können wir von C. S. Lewis’ Leben für uns lernen? Was kann er uns für den Alltag mitgeben? Der wichtigste Punkt ist für Hanniel – und ich stimme ihm darin zu – dass Vernunft und Phantasie (Imagination) keine Gegensätze sind, sondern zusammen ein enorm kräftiges Werkzeug sind, das zu Gottes Ehre gebraucht werden kann, darf und soll. Ich möchte das Buch besonders für junge Menschen empfehlen, die Lewis besser kennenlernen möchten. Hanniel schafft es sehr gut, gerade diejenigen Details herauszuarbeiten, die noch nicht so weitherum bekannt sind.

Zum 50. Todestag von C. S. Lewis

Heute vor 50 Jahren ist der irische Schriftsteller, der besonders durch seine Buchserie “Die Chroniken von Narnia” bekannt wurde, gestorben. Er war Literaturwissenschaftler, aber ganz besonders begabt war er auch in christlicher Apologetik (Verteidigung des christlichen Glaubens) und im Schreiben fantasievoller Erzählungen. Einen wertvollen Text von ihm habe ich hier gepostet.

C. S. Lewis – Vom Lesen der alten Bücher

Vor einigen Jahrzehnten hat C. S. Lewis, besonders durch seine Chroniken von Narnia bekannt geworden, einen wertvollen Aufsatz über das Lesen der alten Bücher geschrieben. Er ist im Band “God in the Dock” zu finden. Hier ein Auszug von diesem Aufsatz:

“Es gibt eine merkwürdige, weit verbreitete Idee, dass zu allen Themen die alten Bücher nur von den Fachleuten gelesen werden sollen, und der Laie sich mit den modernen Büchern begnügen soll. So habe ich als Tutor für englische Literatur empfunden, dass wenn der durchschnittliche Student etwas über den Platonismus herausfinden wollte, es das Letzte ist, was er tun würde, dass er eine Übersetzung von Plato aus dem Regal der Bibliothek nehmen würde und das Symposium lesen. Viel eher würde er ein paar langweilige moderne Bücher lesen, die zehn mal so lang sind, mit vielen „-Ismen“ drin und wer davon beeinflusst wurde, und sich gerade mal zwölf Seiten mit dem befassen, was Plato tatsächlich sagte. Der Fehler ist eigentlich eher ein liebenswerter, denn er entspringt der Demut. Der Student ist nun halbwegs verängstigt, einen von den Philosophen von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Er fühlt sich unzulänglich und denkt, er würde ihn nicht verstehen. Doch wenn er nur wüsste, dass der große Mann gerade wegen seiner Größe viel besser verständlich ist als der moderne Kommentator. Der einfachste Student wird fähig sein, wenn nicht alles, so doch einen sehr großen Teil von dem zu verstehen, was Plato sagte; aber schwerlich wird irgendwer fähig sein, manche der modernen Bücher über den Platonismus zu verstehen. Als Lehrer war es deshalb immer einer meiner größten Bestrebung, die jungen Leute zu überzeugen, dass das Wissen aus erster Hand zu erwerben nicht nur mehr Wert hat als Wissen aus zweiter Hand, sondern dass es normalerweise auch viel einfacher und angenehmer zu erwerben ist.

Dieser irrtümliche Vorzug für die modernen Bücher und die Scheu vor den alten ist nirgendwo zügelloser als in der Theologie. Wo immer man einen kleinen Studienkreis von christlichen Laien findet, kann man sich fast gewiss sein, dass sie nicht die Apostel Lukas oder Paulus oder den Kirchenvater Augustinus oder Thomas von Aquin oder Hooker oder Butler lesen, sondern M. Berdyaev oder M. Maritain oder M. Niebuhr oder Miss Sayers oder gar mich.

Nun, dies erscheint mir auf den Kopf gestellt. Natürlich, da ich selbst ein Autor bin, wünsche ich nun nicht, dass der durchschnittliche Leserkeine modernen Bücher mehr liest. Aber wenn er sich entscheiden müsste, entweder nur die neuen oder nur die alten Bücher zu lesen, so würde ich ihm den Rat geben, die alten zu lesen. Und ich würde ihm diesen Ratschlag genau deshalb geben, weil er ein Laie ist und deshalb viel weniger gut geschützt vor den Gefahren einer exklusiv modernen Diät als der Experte. Ein neues Buch ist immer noch auf dem Prüfstand und der Amateur ist nicht in der Position, um das zu beurteilen. Es muss getestet werden im Licht der Gesamtheit des christlichen Denkens durch all die Jahrhunderte hindurch, und all seine verborgenen Auswirkungen (die ja oft vom Autor selbst gar nicht gewollt sind) müssen zuerst ans Licht kommen. Oft kann es gar nicht ganz verstanden werden, ohne dass man eine ganze Reihe anderer moderner Bücher kennt. Wenn du um elf Uhr zu einem Gespräch hinzustößt, welches um acht Uhr begonnen hat, wirst du oft gar nicht die ganze Tragweite dessen sehen, was gesagt wurde. Bemerkungen, die dir sehr normal erscheinen, werden Gelächter oder Verwirrung hervorbringen, ohne dass du verstehst, warum – der Grund liegt natürlich darin, dass die vorangehenden Stationen der Diskussion diesen einen besonderen Punkt gegeben hat. In derselben Weise ist es möglich, dass Aussagen in einem modernen Buch, die total normal aussehen, an ein anderes Buch gerichtet sind; auf diese Weise kann es geschehen, dass du dazu geführt wirst, etwas zu akzeptieren, was du sonst empört abgelehnt hättest, wenn du seine tatsächliche Bedeutung kennen würdest. Die einzige Sicherheit, die wir haben können, besteht darin, dass wir einen Standard des klaren, zentralen christlichen Glaubens haben („bloßes Christentum“, wie Baxter es nannte), welcher die Kontroversen der eigenen Zeit in ihre richtige Perspektive bringt. Es ist eine gute Regel, nachdem man ein neues Buch gelesen hat, sich nie zu erlauben, schon wieder ein neues Buch zu lesen, bis man zwischendurch ein altes Buch gelesen hat. Wenn dir das zu viel ist, solltest du mindestens pro drei neue Bücher ein altes lesen.

Jedes Zeitalter hat seinen eigenen Standpunkt. Es ist besonders gut darin, bestimmte Wahrheiten zu sehen und neigt besonders zu bestimmten Fehlern. Wir alle brauchen die Bücher, welche die charakteristischen Fehler unserer Zeit korrigieren. Und das bedeutet: Die alten Bücher. Alle zeitgenössischen Autoren haben ein Stück weit den zeitgenössischen Standpunkt – sogar jene, wie ich selbst, welche ihm am meisten zu opponieren zu scheinen. Nichts macht mich mehr betroffen, wenn ich die Kontroversen der vergangenen Jahrhunderte lese, als die Tatsache, dass beide Seiten normalerweise Dinge voraussetzten, ohne sie in Frage zu stellen, von denen wir einiges absolut ablehnen müssen. Sie dachten, sie wären einander derart entgegengesetzt, wie es nur geht, aber in Wahrheit waren sie im Geheimen Verbündete – verbündet miteinander gegen frühere und spätere Zeiten – durch eine gute Menge an gemeinsamen Annahmen. Wir können uns sicher sein, dass die charakteristische Blindheit des 20. Jahrhunderts – die Blindheit, von der die Nachkommenschaft fragen wird: „Aber wie konnten sie nur so etwas gedacht haben?“ – genau dort liegt, wo wir sie nie vermutet hätten, und das betrifft etwas, worüber sich ungetrübte Übereinstimmung zwischen Hitler und Präsident Roosevelt oder zwischen H. G. Wells und Karl Barth ist. Niemand von uns kann dieser Blindheit vollkommen entgehen, aber wenn wir nur moderne Bücher lesen, werden wir sie mit Sicherheit vergrößern und unsere Wachsamkeit davor schwächen. Wo sie wahr sind, da werden sie uns Wahrheiten geben, die wir zum Teil schon kennen. Wo sie falsch sind, da werden sie den Fehler verstärken, an dem wir schon gefährlich erkrankt sind. Das einzige Mittel zur Linderung ist es, die saubere Meeresbrise der Jahrhunderte durch unseren Verstand wehen zu lassen, und dies kann nur durch das Lesen alter Bücher geschehen. Natürlich gibt es keine Magie des Vergangenen. Die Menschen waren dann nicht klüger als als sie es jetzt sind; sie machten etwa gleich viele Fehler wie wir. Aber nicht dieselben Fehler. Sie werden uns nicht in unseren Fehlern schmeicheln, die wir bereits begehen, und ihre eigenen Fehler, die jetzt offensichtlich und greifbar sind, werden uns nicht in Gefahr bringen. Zwei Köpfe sind besser als einer, nicht weil einer unfehlbar wäre, sondern weil es unwahrscheinlich ist, dass beide in dieselbe Richtung falsch gehen. Um sicher zu gehen, wären die Bücher der Zukunft eine ebenso gute Möglichkeit zur Korrektur wie die Bücher der Vergangenheit, aber leider können wir nicht an sie gelangen.”

(aus: C. S. Lewis – Vom Lesen der alten Bücher, in: God in the Dock; eigene Übersetzung)