Metanoia: Umkehr, Buße tun, was ist das?

Eines der wichtigsten Dinge, die Jesus in Seinem Leben immer wieder gelehrt hat, war: „Tut Buße!“ (zB Matthäus 4,17 u.a.) Da das Wort „Buße“ entweder als altmodisch oder von anderen Bedeutungen überlagert (Strafzahlung fürs Falschparken o.ä.) betrachtet wird, stellt sich immer wieder die Frage, wie man das besser übersetzt. In einer kürzlichen Diskussion auf Facebook wurde das Wort mit „umdenken“ übersetzt. In der Tat ist diese Übersetzung nicht falsch, aber sie scheint mir unvollständig zu sein. Umdenken ist ein wichtiger Teil des Umkehrprozesses, aber längst nicht alles. Metanoiabedeutet, das ganze Leben an Gott als Zentrum auszurichten. Denken, Wollen, Fühlen, Handeln, alles soll Gott unterstellt sein. Dann haben wir Metanoia.
Die Juden, zu welchen Jesus und davor auch schon Johannes der Täufer gesprochen hatte, hörten das griechische Wort „metanoia“ bzw. „metanoeite!“ und dachten dabei an das hebräische Wort „schuw“. Dieses Wort wurde zum Beispiel gebraucht, wenn sich jemand verlaufen hatte und seinen Weg nicht mehr fand. Dann musste er zurückkehren, er musste umkehren, Buße tun. Das geschah in dem Fall mit den Füßen. Die biblischen Propheten erweiterten die Bedeutung und fügten eine geistliche hinzu: Umkehr zu Gott. Als der Prophet Joel zum Volk Israel sprach, forderte er sie in Joel 2,12-13 auf:Doch auch jetzt noch, spricht der Herr, kehrt um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider, und kehrt um zu dem Herrn, eurem Gott; denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und von großer Gnade, und das Übel reut ihn.
Wenn die Israeliten Buße taten, so geschah dies unter Tränen, Kleider zerreißen, Asche aufs Haupt streuen, und so weiter. Nicht nur umdenken; es war keine kühl rationale Entscheidung: Ab heute will ich anders denken. Das Problem dabei ist doch auch: Das funktioniert gar nicht! Wenn ich wirklich umkehren will und alles anders werden soll, so gehört auch das Wollen, Fühlen, Reden und Handeln dazu. Es geht dabei nicht so sehr um die äußere Form; Buße ist kein Ritual, sondern es ist eine ganzheitliche Veränderung der menschlichen Existenz. Paulus beschreibt das schön im zweiten Korinther: Nun freue ich mich — nicht darüber, dass ihr betrübt wurdet, sondern darüber, dass ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid in gottgewollter Weise betrübt worden,so dass ihr von uns keinerlei Schaden genommen habt. Denn die gottgewollte Betrübnis bewirkt eine Buße zum Heil, die man nicht bereuen muss; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod. Denn siehe, wieviel ernstes Bemühen hat dies bei euch bewirkt, dass ihr in gottgewollter Weise betrübt worden seid, dazu Verantwortung, Entrüstung, Furcht, Verlangen, Eifer, Bestrafung! Ihr habt in jeder Hinsicht bewiesen, dass ihr in der Sache rein seid.(2Kor. 7,9-11)
Gerade weil die Bibel im AT wie im NT die Umkehr als ganzheitliche Sache bezeichnet, gehe ich davon aus, dass „nous“ (Denken) im Wort „Metanoia“ als „pars pro toto“ gebraucht wird. Ein „pars pro toto“ ist ein Wort, in dem man nur einen Teil einer Sache bezeichnet, damit aber das Ganze meint. Wenn ich zum Beispiel von einem „Dach über dem Kopf“ rede, meine ich meist nicht nur ein Wellblech, sondern ein ganzes Haus. Oder wenn man davon spricht, wie viele Seelen ein Ort hat, ist die Frage nicht, ob da dann weniger Körper als Seelen wohnen, sondern das Wort wird einfach verwendet, um den ganzen Menschen zu bezeichnen. Lukas berichtet in Apostelgeschichte 27,14 auch davon, dass auf dem Schiff insgesamt 276 Seelen waren. Die Bibel gebraucht somit dieselben sprachlichen Mittel wie wir auch (und manche, die wir nicht mehr gebrauchen). All das tut der Klarheit und Verständlichkeit der Bibel keinen Abbruch.
Fragen wir deshalb zum Schluss, wie man das Wort übersetzen kann. Ich sehe mehrere Möglichkeiten:
  • Umdenken mit der Erklärung dazu, dass es eine Veränderung des ganzen Lebens notwendig mit sich bringt
  • Buße tun mit der Erklärung, dass das nichts mit Strafzetteln zu tun hat, sondern mit einer Veränderung des ganzen Lebens
  • Umkehr mit einer ähnlichen Erklärung dazu
  • Lebensveränderung (mein persönlicher Favorit), würde vermutlich am wenigsten Erklärung benötigen
Keine dieser Möglichkeiten ist vollständig ohne Erklärung verständlich. Es ist deshalb auch wichtig, dass immer wieder darüber gepredigt wird und dadurch jeder einzelne Christ fähig wird, dieses Geschehen erklären zu können. Die Umkehr ist übrigens ein Geschehen, das ein Leben lang andauert. Kein Ich-bin-da-einmal-nach-vorne-gegangen-jetzt-hab-ich-Urlaub.

Timotheus Magazin #9: Buße

Timotheus Magazin #9: Buße

Nachdem ich von der Männerkonferenz im Glaubenszentrum Bad Gandersheim zurückgekommen war, wartete da auf mich eine Überraschung: Die lang ersehnte neunte Ausgabe des Timotheus-Magazins. Das Erste, was auffällt, ist die Tatsache, dass das Magazin ganz klar am Wachsen ist. Der Umfang nimmt zu. Da wollen wir doch einen Blick auf das Magazin werfen, ob sich das längere Warten (der abonnierende Leser wurde um mehrere Wochen vertröstet mit dem Versprechen guter Qualität) gelohnt hat.
Die Titelseite des Magazins ist wie immer grafisch sehr gut aufgemacht. Hatte ich bei der letzten Ausgabe bemängelt, dass der Schriftzug aufgrund von zu wenig Kontrast nicht gut leserlich war, so war dem nun abgeholfen. Auch diesmal lässt sich über den Zusammenhang des Titelbildes zum Thema des Magazins nur spekulieren – ein guter Schachzug, der den Leser auf den Inhalt neugierig macht. Auf die Titelseite folgen vier Seiten, auf welchen je nur ein Zitat zu finden ist. Auch sonst wurde grafisch wieder in allerhöchster Qualität gearbeitet. Großes Lob an Peter Voth, den Designer des Magazins. Das gesamte Design ist auch diesmal wieder sehr gut – klasse aufgemacht und doch so zurückhaltend, dass es die Schrift ins Zentrum rückt.
Bereits das Editorial macht neugierig auf die Beiträge, bereits da findet sich eine wunderbare Aussage, der man einfach zustimmen muss: In Zeiten der großen Erweckungen, in den Zeiten Luthers, Calvins, Whitefields, Edwards oder Spurgeons nahm die „Buße“ ihren rechtmäßigen und lehrmäßig richtigen Platz ein. Die Biografen großer Gottesmänner zeugen von der Wucht und Wichtigkeit „echter Buße“ und wir tun gut daran, daraus zu lernen. Angesichts dieser Tatsache fragen wir: „Was bedeutet Buße wirklich?“(Seite 6)
Auf Seite 9 folgt eine sehr schöne Wiedergabe des Psalms 51, darauf der Beitrag von Kurt Vetterli zum Thema „Das Wesen wahrer Buße“. Er schreibt, nachdem er Hesekiel 36, 26f zitiert: Es ist Gott der Heilige Geist, der die Buße im Herzen der Menschen bewirkt. Ohne dieses Wirken bleiben sie im Ungehorsam. (S. 13) Den Schluss des Artikels möchte ich auch noch kurz wiedergeben, denn darin ist so viel Wahrheit: Buße ist nicht nur ein einmaliger Akt, sondern eine umfassende Lebenshaltung. Die Erkenntnis Gottes und die Liebe zu ihm wächst, die Erkenntnis der Sünde wächst ebenfalls und damit auch die Betrübnis über sie und der Hass auf sie. Die Bereitschaft, Sünde immer wieder beim Namen zu nennen und sich von ihr abzuwenden, ist ebenfalls wachstümlich. Diese Haltung echter Bußfertigkeit wird sich in unserem Leben vertiefen und einprägen. Dadurch wird die Gemeinschaft mit Gott, der uns diesen neuen Sinn gegeben hat, ebenfalls eine tiefere werden. Die Liebe zu ihm wächst und damit auch die Abneigung gegen alles, das Gott missfällt. (S. 13)
Ab Seite 15 folgt der nächste Beitrag von Sascha Baer, der uns das Leben von Josia vorstellt, als einem „Mann der Buße“. Josia suchte Gott und fand ihn, tat Buße und gehorchte dem lebendigen Gott. Er zerstörte alle Götzenbilder, denn er war sich seiner Verantwortung dem Volk gegenüber wohl bewusst. Er richtet dafür das Haus Gottes wieder auf, damit die Gemeinschaft mit Gott wieder wie geplant gepflegt werden kann und hört auf Gottes Wort: Die durch das Wort Gottes herbeigebrachte Sündenerkenntnis bewirkt in Josia ein Verlangen danach, Gottes Absichten mit ihm und seinem Volk zu erfahren. So schickt er Hilkija, Schafan und die anderen Berater zur Prophetin Hulda. Sie soll den Herrn zum Zustand des Volkes befragen. Gott spricht und bleibt seinem Wort treu. (S. 18)
Auf den Seite 20 und 21 ist ein sehr gutes Bild zu finden, auf dem der Reformator Martin Luther beim Wittenberger Thesenanschlag nachgestellt wird. Der Beitrag von Simon Schuster zum Thema „Luther und die Buße“ ist ebenfalls sehr lesenswert. Er schreibt: Luther war so streng mit sich selbst – aus Angst, dass Gott ihn verdammt – dass er eben ständig wegen jeder Kleinigkeit bei Staupitz [seinem Beichtvater] beichten wollte. Die Gespräche mit Staupitz führten Luther aber zu wunderbaren Erkenntnissen, so dass er bekennen konnte, „dass das Wort Buße, das für mich früher das bitterste Wort der ganze Schrift war – solange ich nämlich mit aller Kraft vor Gott Buße erheucheln und eine selbstgemachte und erzwungene Liebe zum Ausdruck bringen wollte -, mir jetzt süßer und lieber klingt als alles andere.“ (S. 22)
Der Beitrag ab Seite 24 zum „Bußgebet Daniels“ ist auch ein Leckerbissen für den gläubigen Leser. Der Autor, Waldemar Justus, schreibt dazu: Ausführlich hat Daniel bis hierhin das Vergehen des gesamten Volkes ungeschminkt vor Gottes Thron getragen. Doch ab Vers 15 begegnet uns eine erstaunliche Wende im Bußgebet Daniels. Plötzlich steht etwas ganz anderes im Mittelpunkt des Gebets. Es geht um Gott und seine Ehre. Was tut Daniel da? Ihm kommt es gar nicht in den Sinn Gott mit der eigenen Gerechtigkeit und Ehre zu beeindrucken. Sieh, welche Geschütze Daniel in seinem Bußgebet auffährt. Es geht ausschließlich um Gott und seinen Bund, seine Befreiung aus Ägypten, sein Volk, sein Heiligtum, seine Stadt, seinen Namen. Daniel setzt alles auf eine Karte! […] Daniel verstand ein wichtiges Prinzip im Reich Gottes: Der Schlüssel für Lebensveränderung und erhörtes Gebet ist nicht in mir zu finden, sondern allein in Gottes Verheißungen, die er in seinem Wort, der Bibel offenbart hat!(S. 27)
Dann geht es gleich weiter mit dem Thema „Buße nach dem Willen Gottes“. Waldemar Dirksen schreibt über die heilsame Betrübnis, die eine echte Buße begleitet. Wirksam und zielführend sind göttliche Zuchtmaßnahmen, die den Menschen betrüben. Sie sind dennoch immer ein Akt der Liebe. „Denn die gottgewollte Betrübnis bewirkt eine Buße zum Heil“ (2. Kor. 7,10). Diese Worte hat Paulus an Gläubige in Korinth geschrieben. Der erste Brief von Paulus hat sie betrübt. Er hat sie wegen verschiedener Sünden zurechtgewiesen. Im zweiten Brief stellt Paulus nun fest, dass ihre Betrübnis gottgewollt war, da sie eine heilsame Buße bewirkte.(S. 31)
Interessanterweise folgt diesem Beitrag noch ein Review zu einem Buch, das ich kürzlich hierauch zitiert und kurz vorgestellt habe. Eddi Klassen hat den Review zum Buch „Die Lehre von der Buße“ von Thomas Watson verfasst. Einmal mehr die Empfehlung an alle Leser, dieses Buch zu lesen. Es ist sehr wertvoll. Darauf folgt noch ein zweites Review von Peter Voth, der die BasisBibel vorstellt. Da ich sie persönlich noch nicht kenne, kann ich an der Stelle nichts weiter dazu sagen.
Zusammenfassend möchte ich festhalten: Das Warten hat sich gelohnt! Ich habe mich riesig gefreut, das Magazin in der neunten Ausgabe zu lesen. Und bin schon gespannt auf die nächste Ausgabe. Wenn Du, lieber Leser, das Magazin noch nicht abonniert hast oder es verschenken möchtest, so sind hierdie Möglichkeiten, dies zu tun. Ich lege es jedem ans Herz.

Ein Wort an Laodizea

Ein Wort an Laodizea

Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluß, und mir mangelt es an nichts! — und du erkennst nicht, daß du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt. (Offenbarung 3, 17)

Wir leben in einer Zeit des zunehmenden Machbarkeitswahns in unseren Gemeinden. Wer einen Blick auf die Büchertische, die Predigtarchive und Zeitschriften wagt, wird feststellen, dass es an Programmen und Anleitungen zum „geistlichen Leben“ nur so wimmelt: „Sieben Schritte ins Leben“, „41 Methoden zum Bibellesen“ oder „Zwölf Schritte zu göttlicher Heilung“ ist nur eine kleine Auswahl an vorhandenem Material. Es wird alles „machbar“. Gemeinde wird „machbar“, Evangelisation wird „machbar“, Bekehrung wird „machbar“, geistliches Leben wird „machbar“. So denken wir wie Laodizea: „Ich bin reich und habe Überfluss, und mir mangelt es an nichts!“ Eigentlich absurd: Überall dort, wo Gott bislang am Wirken war, hat der Mensch mit seinen Methoden das Steuer übernommen. Wo Gott im Zentrum stand, ist nun der Mensch der Mittelpunkt aller Unternehmungen. Es ist nicht mehr Christus, der Seine Gemeinde baut, nein, dazu haben wir ja unsere Gemeindebauprogramme, die Demographie, die Soziologie und natürlich „relevante Predigten“.

Ich glaube, wir haben eine ganze Menge an fremdem Feuer in unsere Gemeinden hineingebracht: Das fremde Feuer der Psychologie in die Seelsorge, die damit humanistisch unterwandert wird. Das fremde Feuer der Soziologie in den Gemeindebau, der damit ebenfalls vom humanistischen Gedankengut beherrscht wird. Das fremde Feuer der Rhetorik in der Predigtlehre, die für die rechten Gefühle der Hörer sorgen will, um sie so vom Prediger zu überzeugen. Und natürlich muss die Predigt immer vom Menschen ausgehen und möglichst auf heikle Themen und biblische Worte verzichten. Laodizea wird vom Herrn Jesus als „lauwarm“ und „zum kotzen“ betitelt (Offenbarung 3, 15). Es hat üble Verbindungen mit der Welt eingegangen, ist halbherzig nur noch bei der Sache des Evangeliums und hinkt so auf beiden Seiten. Zur Zeit des Wirkens von Mose ist für fremdes Feuer auf dem Altar die Strafe sofort gefolgt. Auch in der Zeit der Apostel wurde die Strafe für die Lüge von Hananias und Saphira sofort vollstreckt. Zu anderen Zeiten, wie zum Beispiel in der von Eli, dauerte es Jahre oder Jahrzehnte. Warum? Wir lesen: Zu jener Zeit war das Wort des Herrn selten(1. Samuel 3, 1). Die Gegenwart Gottes ist dort, wo Sein Wort gelehrt, gehört und befolgt wird. Auch heute ist es so: Das Wort des Herrn ist selten, man muss danach suchen. Viel Menschenwort ist da und füllt die Kanzeln mehr und mehr. Doch wie lange wird der Herr noch Geduld haben?

In Laodizea ist viel Geschäftigkeit zu finden, man redet gerne von den sichtbaren Erfolgen, von den erfolgreichen Programmen und den genialen Aktivitäten, die alle im Namen Gottes geschehen sollen: „Ich bin reich und habe Überfluss, und mir mangelt es an nichts!“ Nichts? Wirklich nichts? Wer weiter liest, bemerkt, woran es mangelt. In Vers 20 spricht der Herr Jesus: „Siehe, Ich stehe vor der Tür und klopfe an!“ (Offenbarung 3, 20) Was???? Wir feiern doch unseren Herrn, wir singen doch Lieder, wir tun alles für den Herrn? Es ist alles vorhanden, es gibt einen Überfluss an allem, nur das Wichtigste fehlt. Die Hauptperson unserer Aktivitäten wird vor der Türe stehen gelassen. Die Geburtstagsparty steigt, doch das Geburtstagskind steht im Regen, muss anklopfen, und wird doch nicht gehört. Die Musik ist zu laut, die schönen Gefühle sind zu stark, die Ohren zu verstopft, um das Klopfen an der Türe wahrnehmen zu können.

Die Antwort des Herrn an Laodizea ist vernichtend: „Du erkennst nicht, dass du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt.“Es ist ein Mangel an Erkenntnis da, und Gottes Volk geht am Mangel an Erkenntnis zugrunde. Die Heiligkeit von Laodizea, die in der Bibel durch saubere, weiße Kleidung symbolisiert wird, ist wie des Kaisers neue Kleider: Er ist begeistert davon, aber in Wahrheit ist er nackt, frei von ihr. Die Menschen werden mit rosa Brillen von Ökumene, Allianz und anderen weltlichen Einheitsbreien blind gehalten und von der Erkenntnis der Wahrheit entfernt. „Oooh, das Wirken des Herrn ist da, wir haben wunderschöne Zusammenkünfte und gesegnete soziale Straßenaktionen gehabt! Ich bin reich und habe Überfluss, und mir mangelt an nichts!“ Bis das kleine Mädchen rufen muss: Der hat doch gar keine Kleider an! Der ist ganz nackt! Betretenes Schweigen. Wie lange noch wird die Menschheit blind gehalten? Wie lange noch von vorne bis hinten veräppelt? Wie lange noch wird der Herr Geduld haben mit Laodizea?

Alle, die ich liebhabe, die überführe und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!“ (Offenbarung 3, 19) Dies ist der Ruf des Herrn an Laodizea. Buße tun? „Ist doch altmodisch“, spricht Laodizea. „Heute nennt man das Umdenken.“ Da muss man nichts Weiteres mehr tun, das kann man ganz und gar im Kopf. Echte Buße verlangt etwas mehr, nämlich das Aufhören und Aufgeben der Sünde. Umkehren und sich neu Gott zuwenden. Schuld zugeben und sich vergeben lassen. Vergebung annehmen und ein neues Leben beginnen. Das mag Laodizea nicht. Doch ewig wird das nicht so weitergehen können. Siehe, Laodizea, du hast dir deine Feinde ins Haus geholt, diejenigen, die dich verderben wollen. Du hast der Welt den kleinen Finger gegeben, nun hat sie den Rest an dir auch gleich gefordert. Bist du nun bereit, Laodizea, eifrig Buße zu tun? Dein Herr ist ein eifersüchtiger Gott! Vergiss das nicht!

Doch eine Lösung hält Er dir bereit: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst, und weiße Kleider, damit du dich bekleidest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar wird; und salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du sehen kannst!“(Offenbarung 3, 18) Drei Dinge sind zu kaufen. Moooment mal… zu kaufen? War da nicht mal was von „wen da dürstet, der nehme umsonst“? Ja, wer will, der tue umsonst Buße. Aber sie ist nicht so einfach mit dem neumodischen „umdenken“ zu haben. Sie kostet nicht nur unsere falschen Gedanken, sie will uns ganz haben. Ganz und gar, durch und durch. Es gibt drei Dinge zu kaufen: Gold, Kleider und Augensalbe.

Das erste ist Gold, das im Feuer geläutert ist. Um Gold zu läutern, wird es über dem Feuer erhitzt, bis es geschmolzen ist. Das Gold selbst ist sehr schwer, sodass die Verunreinigungen alle obenauf schwimmen. Dann werden sie sichtbar und können abgeschöpft werden. Läuterung an uns geschieht immer durch schwierige Situationen, durch Druck, dem wir ausgesetzt sind. Dann wird all das, was uns verunreinigt, sichtbar. Wir können darauf auf zwei Arten reagieren: Entweder wir versuchen, es zu verstecken, überspielen oder verharmlosen es. Dann drücken wir diese Dinge, die uns unrein machen, so lange ins Gold hinein, bis es abkühlt und hart wird. Dann verschwindet es eine Weile aus unserem Blickfeld, aber es verhärtet uns und macht uns Gott gegenüber halsstarrig. Oder wir gehen mit diesen Verunreinigungen zum Herrn ins Gebet, bitten um Vergebung, geben es zu, und lassen uns vom Herrn rein machen. Bedingung dazu ist, dass wir tatsächlich bereit sind, darauf zu verzichten, weil wir vor dem Herrn geläutertes, reines Gold sein wollen.

Das zweite sind weiße Kleider, um uns damit zu bekleiden. Es sind die Hochzeitskleider, um als Braut den Herrn Jesus ehelichen zu dürfen. Es gibt keine größere Ehre als das. Doch alles, was wir selbst haben, unsere ganze menschliche Gerechtigkeit, sind dreckige Lumpen, mit denen wir uns niemals an Gottes Königshof zeigen lassen dürfen. Paulus schrieb dazu, dass er alles, was er zu seiner menschlichen Gerechtigkeit hätte zählen können, für Kot hielt (Philipper 3, 8). Er sagt damit aus: Wenn ich versuchen wollte, mit meinen Methoden, meiner Erkenntnis und meiner Gerechtigkeit zum Hochzeitsfest des Lammes zu gelangen, dann wäre ich wie einer, der versucht, seinen nackten Körper mit Kot zu beschmieren und das als Hochzeitskleid auszugeben. Da ist es kein Wunder, nennt der Herr Laodizea „elend und erbärmlich“ nennt. Wir brauchen das richtige Hochzeitskleid, das ist die Gerechtigkeit, die der Herr Jesus am Kreuz für uns erworben hat. Und die bekommt man nicht durch irgend einen Verdienst, sondern durch Gnade allein. Das benötigt die totale Selbstverleugung, weil wir Menschen uns das nicht gerne schenken lassen.

Das dritte ist die Augensalbe, um wieder sehend zu werden. Die Stadt Laodizea war bekannt für die gute Augensalbe, die dort hergestellt wurde. Die Augensalbe steht für den Heiligen Geist, dessen Aufgabe es ist, unsere Augen zu öffnen und uns Erkenntnis zu schenken. Hier müssen wir aber ganz gut aufpassen. Wir dürfen den Heiligen Geist nicht mit einem guten Gefühl verwechseln, das sich dann einstellt, wenn wir ein paar schöne Lieder singen. Als Jesus die Abschiedsrede hielt, sprach Er vom Kommen des Geistes, und woran man Ihn erkennen wird: „Und wenn jener kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht; von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zu meinem Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; vom Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“ (Johannes 16, 8 – 11) Daran erkennt man das Wirken von Gottes Geist: Überführung von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht! Nicht an den schönen Gefühlen, nicht am guten Beisammensein, auch nicht an der Lautstärke einer Botschaft, sondern lediglich am Überführtsein von der Sünde. Das ist so ganz anders als all das, was wir hierüber zu denken gewohnt sind. Aber Gott sucht nach denen, die Buße tun. Nach denen, die in Hingabe leben wollen und kompromisslos ihr altes Leben, ihr altes Ich, ihren Egoismus und die Suche nach den guten und schönen Gefühlen verleugnen und statt dessen Ihm dienen wollen.

Sei gesegnet mit dieser Erkenntnis!
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Das Wesen echter Buße in der Seelsorge

Wir haben im letzten Post mit dem Zitat von Thurneysen gesehen, dass die Sünde dem Menschen gefällt. Damit eine bleibende Veränderung im Leben eines Ratsuchenden entstehen kann, ist echte Buße notwendig. Thomas Watson nennt sechs Merkmale echter Buße (Watson, Thomas, Die Lehre der Buße, 3L-Verlag, 2006)
1. Einsicht der Sünde. Es ist wichtig, dass der Ratsuchende erkennen kann, was Sünde ist, nämlich die Feindschaft gegen Gott. Der natürliche Mensch kennt diese Einsicht gar nicht, denn sein Herz ist verhärtet, so dass es ihm unmöglich ist, sie als Feindschaft gegen Gott zu erkennen. In Wahrheit ist aber jede Sünde aus dem Unglauben entstanden. Watson schreibt dazu: “Daraus schließe ich, dass es dort, wo keine Einsicht in der Sünde vorhanden ist, auch keine Buße geben kann. Viele, die Fehler bei anderen erspähen, sehen keine bei sich selbst. Sie rufen, dass sie gute Herzen hätten. Ist es nicht eigenartig, dass zwei miteinander leben und gemeinsam essen und trinken, einander aber nicht kennen? Das ist bei einem Sünder der Fall. Sein Leib und seine Seele leben miteinander, arbeiten miteinander, und doch ist er mit sich selbst nicht vertraut. Er kennt sein eigenes Herz nicht, und weiß nicht, was für eine Hölle er mit sich herumträgt.” (S. 32)
2. Bekümmernis um der Sünde willen. Die Bekümmernis selbst ist weder die Buße noch ein untrügliches Zeichen für Buße – aber wo echte Buße stattfindet, hat sie ihren Platz. Wer seine Sünde erkannt hat, der hat eingesehen, dass er gegen Gott – und in erster Linie nur gegen Gott – gesündigt hat. Daraus resultiert diese Bekümmernis, die zeigt, dass man ein Stück weit das Ausmaß dieser Sünde begriffen hat. Watson geht hier darauf ein, dass die Bibel diese Bekümmernis als “Zerbrechen des Herzens” und als “zerbrochenen Geist” bezeichnet. Und so fühlt sie sich auch wirklich an.
3. Bekenntnis der Sünde. Wer die Sünde eingesehen hat, wird darauf mit einer Selbstanklage reagieren. Der Mensch hat die Wahl zwischen der Anklage durch Satan, der ihn vor Gott verklagen will, oder der Selbstanklage, dem Gerichtsspruch über uns selbst. Das ist in der seelsorgerlichen Aussprache wichtig, dass diese Wahl gestellt wird. Watson weist auf 1. Kor. 11, 31 hin: “Denn wenn wir uns selbst richteten, würden wir nicht gerichtet werden”. Dieses Bekenntnis, die Selbstanklage, ist der Ausgangspunkt für das Zusprechen der Vergebung durch den Seelsorger. Solange ein Mensch noch sagen kann: Ja, ABER… das und jenes hat mich dazu gebracht…, so lange ist es kein echtes Bekenntnis, sondern nur der vergebliche Versuch einer Entschuldigung.
4. Scham für die Sünde. So, wie Adam sich für seine Sünde schämte, weil er die Herrlichkeit vor Gott verloren hatte, so schämt sich auch ein bußfertiger Sünder vor seinem Gott. Doch nicht mit dem Verstecken der Sünde, wie Adam es tat, sondern vielmehr mit der Bereitschaft, es sogleich vor den Thron Gottes zu bringen. Watson hierzu: “Es gibt manche, die von diesem heiligen Erröten so weit entfernt sind, dass sie sogar stolz sind auf ihre Sünden. Sie sind stolz auf ihr langes Haar. Das sind die Nasiräer des Teufels.” (S. 55)
5. Hass gegen die Sünde. Auch hier hat Watson klare Worte gefunden: “Jemand, der wirklich bußfertig ist, verabscheut die Sünde. Wenn ein Mensch das verabscheut, was seinen Magen krank macht, wird er vielmehr das verabscheuen, was sein Gewissen krank macht.” (S. 56) Probleme entstehen sehr oft aus einer Liebe zur Sünde, die es dem Ratsuchenden schwer macht, sie ganz zu lassen. Deshalb muss diesem Hass zuerst die Erkenntnis vorangehen, was Sünde ist und was sie bewirkt.
6. Abkehr von der Sünde. “Es ist das Leben der Buße, wenn man der Sünde stirbt. An demselben Tag, an dem der Christ sich von der Sünde abkehrt, muss er sich zu einem ewigen Fasten verpflichten. Das Auge muss von unreinen Blicken fasten. Die Zunge muss von Flüchen fasten. Die Hände müssen von Bestechungsgeld fasten. Die Füße müssen von dem Weg der Hure fasten. Und die Seele muss von der Liebe zur Gesetzlosigkeit fasten. Diese Abkehr von der Sünde impliziert eine merkliche Veränderung.” (S. 63) Die Abkehr besteht nicht nur aus dem Verlassen der Sünde, sondern sie ist vielmehr eine Zuwendung zu Gott und Seinem Willen.
Der Apostel Paulus schreibt dies so: “Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten, denn wir sind untereinander Glieder. Zürnt ihr, so sündigt nicht: Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn. Gebt auch nicht Raum dem Teufel! Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern bemühe sich vielmehr, mit seinen Händen etwas Gutes zu erarbeiten, damit er dem Bedürftigen etwas zu geben habe. Kein schlechtes Wort soll aus eurem Mund kommen, sondern was gut ist zur Erbauung, wo es nötig ist, damit es den Hörern Gnade bringe.” (Epheser 4, 25 – 29)
Hier wird das Ablegen der Sünde und das Anziehen von Gottes Willen sehr schön erläutert. Niemand kann neutral leben, jeder tut entweder Gottes Willen – oder das Gegenteil davon. Und wer bisher in Sünde gelebt hat, soll seine Bußfertigkeit durch das Ersetzen der Sünde mit Gutestun bezeugen. Es hilft dabei, zu wissen, dass wir nicht allein sind in diesen täglichen Kampf, sondern jede und jeder so gewisse Schwachstellen hat. Wir sind gemeinsam auf dem Weg – und der Herr hat versprochen: Siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Amen!