… und wie ist das eigentlich mit der Bekehrung?

Wie „funktioniert“ das überhaupt mit der Bekehrung, von der man immer wieder hört und liest? Was ist das? Wann findet das statt? Wir leben in einer Zeit, in welcher es sehr viele Missverständnisse dazu gibt. Ich möchte ein paar davon ausräumen und versuchen, mehr Licht in die Sache zu bringen.

1. Bekehrung ist etwas ganz Persönliches.

Ja, das ist wirklich so. Und weil Bekehrung so etwas Wertvolles und Intimes ist, tendieren wir schnell dazu, unsere eigene Bekehrung zu idealisieren. So haben wir das erlebt, dann muss es jeder gleich oder zumindest sehr ähnlich erleben, damit es eine echte Bekehrung sein kann. Gleichzeitig empfinden wir das als so etwas Intimes, dass es niemand in Frage stellen darf, was auch wieder nicht so optimal ist. Es ist etwas, worüber sich zu reden lohnt. Im Bus, an der ALDI-Warteschlange und auf dem Marktplatz. Oder auch in der Gemeinde. Es ist so wertvoll, darüber reden zu können und auch Feedback dazu zu bekommen.

2. Nicht jeder kann sich daran erinnern.

Gerade weil es so etwas Persönliches ist, darf es auch so sein, dass sich manche Leute gar nicht daran erinnern können. Das ist aber ebenso wertvoll wie die großen Erlebnisse von Umgekrempelten wie Paulus und anderen mehr. Manche Menschen bekehren sich schon als Kinder und bleiben dem Glauben treu bis ins hohe Alter. Manche Menschen „wachsen“ in den Glauben hinein und merken plötzlich, dass sie irgendwann im Laufe einer bestimmten Zeit zu neuen Menschen geworden sind. Es muss nicht immer ein Knall und Blitzeffekte sein.

3. Es gibt keinen Bekehrungsautomatismus.

In meiner Teeniezeit war das „Übergabegebet“ das A und O des Christenlebens. Das ist in manchen Kreisen meines Wissens noch immer so. Das große Problem dabei: Das Nachsprechen eines Gebets bewirkt an und für sich nichts. Auch dann nicht, wenn es unter starken Gefühlsausbrüchen stattfindet. Ich habe in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten immer mal wieder Menschen getroffen, die mich fragten, warum das so nicht „funktioniert“. Manche gehen jedes Jahr nach vorne und beten nach, und doch bleiben sie die alten Menschen. Die Übergabegebetitis unserer Gemeinden richtet da viel Schaden an.

4. Es gibt eine falsche Sicherheit.

Im Zusammenhang mit der Übergabegebetitis (Punkt 3) fällt mir aber auch auf, dass es immer wieder Menschen gibt, die meinen, dass das einmalig nachgesprochene Gebet alles sei, was nötig ist. Danach könne man einfach tun und lassen was man will, Gott wird es schon richten. Das Ticket ist gebucht, alles ist in bester Ordnung, nun kann man leben wie es einem gerade passt. Dieser Antinomismus (die Haltung, dass es für Christen keine Regeln oder Gebote gibt) entspringt einem Neuplatonismus, der den Gegensatz zwischen Körper und Seele auf die Spitze treibt und meint, was der Körper tut, sei egal, solange es der Seele gut gehe.

5. Es gibt eine falsche Gesetzlichkeit.

Zugleich geistert auch eine falsche Gesetzlichkeit in den Gemeinden herum, nicht nur die neuen judaisierenden Strömungen, die den Sabbat am Samstag und die jüdischen Feste wiederaufleben lassen wollen, sondern auch Vegetarismus und ähnliches propagieren. Überhaupt kann auch die Übergabegebetitis zu einer Gesetzlichkeit werden, wenn von jedem erwartet wird, dass man sagen kann, man hätte irgendwann einmal ein solches Gebet nachgesprochen.

Obwohl die Bekehrung etwas sehr Persönliches, Intimes ist, gibt es Elemente, die einfach dazu gehören. Und es gibt Folgen, an welchen man im Rückblick sehen kann, dass da etwas geschehen ist.

A. ELEMENTE der Bekehrung

  • Hören des Evangeliums

Als Gemeinden haben wir die Aufgabe, das Evangelium so zu predigen, dass es alle Menschen klar verstehen können. Wo das Evangelium verwässert oder verfälscht wird, werden wir an Gott und den Zuhörern schuldig. Der Glaube kommt aus der Predigt des Wortes Gottes.

  • Erkenntnis der Sünde im eigenen Leben

Die Folge der treuen Predigt des Evangeliums ist, dass Menschen beginnen, in ihrem Leben die Sünde zu erkennen. Das ist etwas Abstoßendes, etwas Erschreckendes, was jedem Menschen einiges zu denken gibt. Es ist unangenehm, wenn man sich plötzlich so erkennen muss. Doch daran führt kein Weg vorbei.

  • Buße (Umkehr)

Die Buße findet statt, wenn ein Mensch von seiner Sünde so erschreckt und abgestoßen sich umdreht und ob der Abscheulichkeit seiner Schuld vor Gott keinen Ausweg mehr sieht als sich an den Herrn Jesus zu wenden und Ihn um Hilfe und Gnade bittet. Buße ist die Abkehr vom alten Leben und die Hinwendung zum Herrn Jesus.

  • Echter, rettender Glaube (Vertrauen in den stellvertretenden Sühnetod Jesu)

Zugleich mit der Buße kommt auch der rettende Glaube, nämlich daran, dass Jesus für ihn persönlich am Kreuz stellvertretend gestorben ist, um die abscheuliche Schuld und Sünde zu bezahlen. Es ist die Erkenntnis der Liebe Gottes, die sich im Kreuz auf Golgatha und in der Auferstehung Jesu von den Toten zeigt.

  • Erkenntnis der Rechtfertigung durch das Sühnewerk Jesu

Damit geht auch einher, dass der Bekehrte erkennt, dass er durch dieses Sühnewerk Jesu vollkommen gerecht gemacht wurde. Er erkennt, dass ihm – trotz aller fehlenden Perfektion – die Gerechtigkeit Jesu wie ein weißes Kleid angezogen wurde und dass Gott ihn von nun an als Gerechtfertigten ansieht. Menschlich gesehen bleibt er auf der Erde unvollkommen, Gott sieht ihn schon mit den Augen des himmlischen ewigen Lebens an.

Dies ist ein passender Moment für ein Gebet der Hingabe und des Dankes an Gott, sofern dabei keine falschen Vorstellungen von einem solchen Übergabegebet vermittelt werden.

B. FOLGEN der Bekehrung

  • Liebe zu Gott und Gottes Wort

Wer bekehrt ist, liebt Gott, die Zeit im Gespräch mit Gott und das Hören auf Gottes Stimme in der Bibel. Er nimmt Gottes Wort ernst, versteht es wörtlich und lieber etwas zu wörtlich als zu wenig wörtlich. Er bleibt unter dem Wort und lässt die Bibel ein Urteil über sein Leben sprechen, statt mit seinen Gefühlen und seiner Biographie die Bibel beurteilen zu wollen.

  • Liebe zu den Mitmenschen

Er gewinnt eine neue Liebe zu seinen Mitmenschen, weil er merkt, wie gut und schön Gott alle Menschen geschaffen hat. Er versucht sie für den Glauben zu gewinnen und führt immer wieder Gespräche mit ihnen, die sie überzeugen sollen. Das bleibt hoffentlich ein ganzes Leben lang so!

  • Liebe zur Gemeinde

Er beginnt sich nach der Gemeinschaft mit anderen Bekehrten zu sehnen und besucht die Gemeinde, um auch dort Gottes Stimme durch die Predigt zu hören. Er wird in Gemeinden immer wieder Verletzungen erfahren (wie überall im Leben – wo Menschen sind, da menschelt es), und sieht das als Chance, um praktisch Vergebung zu lernen und zu leben.

  • Brennendes Verlangen nach der Heiligung

Verletzungen sind auch Chancen, um verändert zu werden. Wer bekehrt ist, hat sein altes Leben erkannt, verabscheut es und sehnt sich nach einem neuen Charakter, der dem von Gott gleicht. Er beginnt mit der Hilfe des Heiligen Geistes immer mehr seine alten Sünden zu erkennen, zu bekennen, zu hassen und zu lassen, und findet zugleich, dass der Heilige Geist auch gute Früchte in ihm wachsen lässt und ihm geistliche Gaben gibt, mit denen er seinen Mitmenschen dienen kann.

  • Wachsende Erkenntnis der Zeit, in der wir leben

Er beginnt sich mit der Zeit in der Welt umzusehen und gewinnt eine gewisse Erkenntnis von der Zeit, in der er lebt. Er beginnt zu entdecken, welche Veränderungen seiner Zeit gut sind und welche weniger gut. Das hilft ihm, sein Leben immer mehr nach Gottes Willen auszurichten, weil er auch seine Zeit und sein Umfeld durch die Augen von Gottes Wort, der Bibel zu beurteilen beginnt.

Der thematische Ansatz einer Biblischen Theologie

Hier stelle ich den kanonischen und den historischen Ansatz vor.

Ein weiterer möglicher Ansatz für die Darstellungsweise einer Biblischen Theologie ist das thematische oder dogmatische Konzept. Hierbei ist es ein Thema oder mehrere Themen, anhand derer die ganze Theologie aufgebaut wird. Im Zentrum steht dann dabei die Frage, wie sich die Theologie der einzelnen dieser Themen im Laufe der Zeit entwickelt hat. Dazu muss zunächst ein „roter Faden“ gefunden werden, womöglich auch mehrere solcher „roter Fäden“ in der Theologie der Bibel. Dabei wird auch die Frage nach dem Zusammenhang der beiden Testamente aufgeworfen werden müssen. Die Antwort auf diese Frage wird von gewaltigem Ausmaß sein auf das Ganze der Theologie.

Ein Thema oder viele Themen?

Wenn man nicht von der historischen Achse ausgehend arbeiten will, so eignet sich auch die dogmatische Achse dazu. In dieser fragt man nach der Entwicklung der einzelnen Gedanken der Theologie, nach ihren Gedankengängen und ihrem Entstehen und der Entwicklung im Laufe der Geschichte. Es werden die einzelnen Stellen, die von den selben Aspekten sprechen, einzeln in ihrem Kontext untersucht und dann verglichen und in ihren internen Zusammenhang gestellt. Oder, um es mit Steinberg zu sagen:

Entlang der systematischen Dimension zu arbeiten, bedeutet, ein theologisches Thema zu wählen und dann alle Textabschnitte zusammenzustellen und zu diskutieren, die etwas zum Thema beitragen. Beispiel: „Was sagt das Alte Testament über Engel?““1

In einer gesamtbiblischen Darstellung muss natürlich die Einheit und Vielfalt des gesamten Zeugnisses der Heiligen Schrift berücksichtigt werden. Deshalb ist auch hier die Bestimmung der zwei Testamente zueinander wesentlich.

Wer entlang der dogmatischen Achse arbeiten will, muss sich zuerst im Klaren sein, dass auch dies immer historische Arbeit beinhaltet. Die Bibel ist nach wie vor in Raum und Zeit entstanden, deshalb kann die Zeit nicht ausgeblendet werden.

Eine wichtige Fragestellung darf hier nicht vergessen werden: Sieht man, wenn man auf der dogmatischen Achse arbeitet, einen roten Faden oder will man anhand einzelner Themenkomplexe arbeiten? Wenn man sich für Zweiteres entscheidet, müssen sodann auch noch diese Themenkomplexe gefunden und begründet werden. Horst Seebass hält das Erstere für gescheitert: „Gescheitert sind, so meine ich, Versuche, eine Gemeinsamkeit zwischen Altem und Neuem Testament durch ein gemeinsames Thema wie „Gottesherrschaft“ (G. Fohrer), „Bund“ (W. Eichrodt) o. ä. zu erzielen.“2

Wichtige Vertreter des Ansatzes

Gerhard Hasel macht in seinem Buch Old Testament Theology: Basic Issues in the Current Debate eine gute Auflistung der Vertreter. Hier in komprimierter Form wiedergegeben: „Mit der Herausgabe von Eichrodts Theologie kam diese Frage in ein neues Blickfeld. Für ihn ist das „zentrale Konzept“ […] der „Bund“.“3

Das Problem, welches sich dadurch ergibt, hat Georg Fohrer richtig erkannt, indem er feststellt, dass es für die Zeit nach dem Davidsbund keine neue Bundschließung mehr gab in der Zeit des Alten Testaments. Er schlägt deshalb einen anderen Weg vor: „Georg Fohrer beantwortet die Frage des AT mit einem „dualen Konzept“, nämlich die Herrschaft Gottes und die Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen.“4

Auf diese Weise lassen sich natürlich alle Dinge von zwei Seiten betrachten: Von der Seite des herrschenden Gottes und von der Seite des mit Gott in Gemeinschaft stehenden Menschen. Weitere wichtige Vertreter sind noch E. Sellin, der die „Heiligkeit Gottes“ als zentrales Element betrachtet, Horst Seebass, welcher viel Wert auf das Königsein Gottes legt, Rudolf Smend, welcher die bereits von Wellhausen herausgearbeitete Formel „Jahwe, der Gott Israels und Israel, das Volk Gottes“ als zentrales Element bestimmt und Peter Stuhlmacher, welcher die Lehre von der Versöhnung als Zentrum definiert.

Vorteile des thematischen Ansatzes

Da die Bibel in ihrer Gesamtheit eine Vielzahl von Themen abdeckt, könnte man zumindest in der Theorie davon ausgehen, dass sie in erster Linie ihre Vielfalt von Zeugnissen zur Geltung bringen möchte und nicht zuerst ihre Einheit. Ferdinand Hahn schreibt zu dieser Fragestellung in Bezug auf das Neue Testament:

Die Einheit des Neuen Testaments darf keinesfalls einfach vorausgesetzt werden; sie muss kritisch erarbeitet werden aufgrund der Analyse der verschiedenen Traditionen. Sie muss von der Vielfalt und den bisweilen durchaus vorhandenen Widersprüchen ausgehen. Das ist aber nur dort möglich, wo anhand aller behandelten Themen die Einheitsfrage gestellt und beantwortet wird.“5

So könnte man denken, dass der thematische Ansatz durchaus ideal sei für eine Einteilung der Biblischen Theologie.

Nachteile des thematischen Ansatzes

Thomas Söding schreibt zu Stuhlmachers Unternehmung, eine Mitte der Schrift zu finden:

Er verfolgt […] das Konzept, nicht einen Kanon im Kanon zu definieren; vielmehr will er in einer weiterführenden Aneignung der Schrift-Theologie Martin Luthers eine „Mitte“ der Schrift lokalisieren, auf die hin und von der her alle biblischen Texte auszulegen und in ihrem spezifischen Gewicht zu bestimmen seien. […] Gleichwohl ist vom Ansatz einer „Mitte“ der Schrift das hermeneutische Problem schwer zu lösen. Denn zum einen bleibt die Frage offen, nach welchen Kriterien das Werturteil über die Versöhnungslehre im all-gemeinen, die paulinische Rechtfertigungslehre im besonderen gefällt wird und wie weit sie als Gradmesser für die Beurteilung der matthäischen, johanneischen, markinischen, lukanischen Theologie mit ihren je doch eigenen Ansätzen taugt. Vor allem aber wird bei einem hermeneutischen Projekt, das nach der „Mitte der Schrift“ sucht (unabhängig davon, wo man sie zu finden glaubt), zu wenig das Prae der Offenbarung vor dem Zeugnis beziehungsweise der Geschichte vor deren Erzählung und Reflexion beachtet. Dieses Prae ist aber für die Theologie des Kanons schlechthin konstitutiv.“6 Für Peter Stuhlmacher ist die Lehre von der Versöhnung der rote Faden der gesamten Bibel. Ich meine, dass diesem Ansatz von Stuhlmacher grundsätzlich zuzustimmen ist, wobei Söding natürlich recht hat, dass damit zunächst überhaupt einmal die gesamtbiblische Idee der Versöhnung definiert und klar abgegrenzt werden muss.

Fazit

Wie bereits beim geschichtlichen Konzept gesehen, gibt es auch hier Vor- und Nachteile. Beide müssen gut abgewogen werden. Vorstellbar wird aber auch eine Zusammenschau mehrerer Ansätze, zum Beispiel des historischen (heilsgeschichtlichen) und des thematischen. Beide umklammern sich in gewisser Weise: Wer thematisch arbeitet, wird das jeweilige Thema im Laufe der Geschichte herausarbeiten müssen, und wer historisch arbeitet, wird immer wieder auf Themen stoßen, welche im Laufe der Geschichte auftreten.

1 Steinberg, Julius, Dimensionen alttestamentlicher Theologie, S. 21

2 Seebass, Horst, Über die innere Einheit von Altem und Neuem Testament, in: Dohmen, Christoph, Söding, Thomas, Eine Bibel – zwei Testamente, S. 132

3 Hasel, Gerhard, Old Testament Theology, S. 139, Übersetzung: JE

4 Ebd. S. 142

5 Hahn, Ferdinand, Theologie des Neuen Testaments, S. 26

6 Söding, Thomas, Entwürfe Biblischer Theologie, in: Hübner, Hans, Jaspert, Bernd, Biblische Theologie, S. 64f

Biblische Dogmatik von Wayne Grudem auf deutsch erschienen!

Die bereits hier genannte Dogmatik von Wayne A. Grudem ist jetzt endlich in deutsche Sprache übersetzt erschienen. Die Übersetzung ist gut gelungen, die Dogmatik auch für interessierte Nichttheologen leicht verständlich. Was ich im Anhang allerdings  vermisse, ist ein Stichwort- und Bibelstellenverzeichnis. Die Dogmatik kann hier bestellt werden. Ich kann es jedem nur herzlich empfehlen, der sich dafür interessiert, ein solides Fundament für seinen Glauben zu legen.

Warum Gott kennen?

In unseren Tagen ist die systematische biblische Lehre verpönt. Wir hören lieber Geschichten, als uns mit dem zu befassen, was uns die Bibel über Gott lehrt. James I. Packer gibt in seinem Buch “Knowing God” eine wunderbare und sehr herausfordernde Antwort, weshalb es dennoch notwendig ist. Nachdem er eine der sehr frühen Predigten Spurgeons (jener war 20 Jahre alt, als er sie hielt) über die Wichtigkeit der Beschäftigung mit dem Wesen Gottes zitiert, führt er aus:
“”But wait a minute”, says someone, “tell me this. Is our journey really necessary? In Spurgeon`s day, we know, people found theology interesting, but I find it boring. Why need anyone take time off today for the kind of study you propose? Surely a layperson, at any rate, can get on without it? After all, this is the twentieth century, not the nineteenth.”
A fair question!  – but there is, I think, a convincing answer to it. The questioner clearly assumes that a study of the nature and character of God will be unpractical and irrelevant for life. In fact, however, it is the most practical project anyone can engage in. Knowing about God is crucially important for the living of our lives.
As it would be cruel to an Amazonian tribesman to fly him to London, put him down without explanation in Trafalgar Square and leave him, as one who knew nothing of English or England, to fend for himself, so we are cruel to ourselve if we try to live in this world without knowing about the God whose world it is and who runs it. The world becomes a strange, mad, painful place, and life in it a disappointing and unpleasant business, for those who do not know about God. Disregard the study of God, and you sentence yourself to stumble and blunder through life blindfold, as it were, with no sense of direction and no understanding of what surrounds you. This way you can waste your life and lose your soul.”
(James I. Packer, Knowing God, Hodder & Stoughton, London, Sydney, Auckland, 1993, S. 16 – 17)

Auf deutsch (eigene Übersetzung):

“„Warte eine Minute“, sagt jemand, „erkläre mir mal folgendes: Ist unsere Reise wirklich nötig? In den Tagen, als Spurgeon lebte, da fanden die Leute die Theologie interessant, wie wir wissen, aber ich finde sie langweilig. Warum sollte sich jemand heutzutage Zeit nehmen für die Art der Beschäftigung, wie du sie vorschlägst? Ein Laie [einer, der nicht Theologie studiert hat] kommt bestimmt auch ohne klar? Auf jeden Fall leben wir doch im 20. Jahrhundert und nicht im 19.“
Eine gute Frage! Aber ich denke, es gibt eine überzeugende Antwort darauf. Derjenige, welcher die Frage stellt, geht sicher davon aus, dass die Beschäftigung mit der Natur und dem Charakter Gottes etwas Unpraktisches und Irrelevantes für unser Leben sein wird. Tatsache ist aber, dass es das absolut praktischste Projekt ist, mit dem man sich überhaupt beschäftigen kann. Gott zu kennen ist grundlegend wichtig, um unser Leben leben zu können.
Genau so, wie es brutal wäre, einen Stammesangehörigen vom Amazonas mit dem Flugzeug nach London zu bringen und ihn ohne Erklärung beim Trafalgar Square [der zentrale Platz in London, durch diverse große Straßen, die daran vorbeiführen, auch gefährlich] abladet, und ihn verlässt als jemand, der weder Englisch versteht, noch England kennt, damit er für sich selbst sorgen muss, so sind wir brutal zu uns selbst, wenn wir versuchen, in dieser Welt zu leben, ohne den Gott zu kennen, dessen Welt es ist und der sie am Laufen hält. Die Welt wird zu einem fremden, verrückten und schmerzvollen Ort, und in ihr zu leben zu einer enttäuschenden und unerfreulichen Aufgabe für die, welche Gott nicht kennen. Wenn du die Beschäftigung mit Gott vernachlässigst, so verurteilst du dich selbst dazu, blind durch das Leben zu stolpern und zu fallen, so wie es ist, wenn du kein Gefühl für die Richtung und kein Verständnis für das, was dich umgibt, hast. Auf diese Weise kannst du dein Leben verschwenden und deine Seele verlieren.”

Biblische Theologie für die ganze Gemeinde

Biblische Theologie für die ganze Gemeinde
Entsprechend ihrer Etymologie ist die Theologie die Wissenschaft, Gott betreffend. Andere Definitionen führen entweder in die Irre, oder, wenn sie genauer betrachtet werden, zum selben Resultat.“(Vos, Geerhardus, Biblical Theology: Old and New Testaments, Wipf & Stock Publishers, 2003, S. 3)
Diese Definition der Theologie von Geerhardus Vos ist sehr treffend. Sie beinhaltet aber als Konsequenz auch die Tatsache, dass die Theologie für diejenigen ist, zu denen Gottes Offenbarung geschieht, nämlich für die Gemeinde Jesu Christi. Es kann deshalb keine Art von „Theologie“ geben, die nicht auf das eine Ziel ausgerichtet ist, der Gemeinde zu dienen. Die Theologie ist also niemals zu einem Selbstzweck da, sondern muss auf den Gebrauch innerhalb der gesamten örtlichen Gemeinde ausgerichtet sein. 
Da Gott alles zu dem einen Zweck geschaffen hat, dass der Mensch Ihn kennenlernen, verherrlichen und sich an Ihm erfreuen solle, muss entsprechend die Biblische Theologie ebenfalls auf dieses Ziel hin arbeiten. Sie kann und soll von dem wunderbaren Heilsplan erzählen, der Gottes Willen zeigt, Sich zu offenbaren und Menschen mit Sich zu versöhnen. 
Echte Biblische Theologie zeigt somit auf, dass Gott der Schöpfer aller Dinge ist. Er hatte den Plan, Sich Selbst dem Menschen zu zeigen, Sich zu offenbaren. Deshalb wurden alle Dinge geschaffen, die sind. Deshalb wurde der Mensch in Seinem Ebenbild erschaffen, um stückweise erfassen zu können, wer und wie Er ist. Die Herrschaft des Menschen über den Garten ist ein Ebenbild zu Gottes Herrschaft und Allmacht über alle Dinge. Die Wesenheit in ihrer Unterschiedlichkeit als Mann und Frau ist auf Gemeinschaft und auf Kommunikation ausgelegt, ganz im Ebenbild der Gemeinschaft und Kommunikation innerhalb der göttlichen Dreieinigkeit. Die menschliche Ausrichtung auf das Verlangen nach dem ehelichen Einssein ist ein Ebenbild für Gottes Verlangen nach dem Einssein mit der Gemeinde als der Braut Christi. Die Kreativität des Menschen ist im Ebenbild der schöpferischen Kreativität Gottes geschaffen, mit welcher alles ins Leben gerufen wurde.
Echte Biblische Theologie zeigt auch die Notwendigkeit der Erlösung auf, denn sie stellt Gott als den vor, der bereits vor Grundlegung der Welt entschlossen hatte, die Menschheit zu versöhnen. Deshalb stellt sie den ganzen Weg vor, wie Gottes Offenbarung stückweise erfolgt ist und wie sie ihren Höhepunkt am Kreuz von Golgatha findet. Dort ist alles vollbracht, was zur Erlösung nötig ist. Dort ist die letztendliche Offenbarung Gottes als die Liebe in Person, die das Allerwertvollste aufgibt, um die Gemeinschaft der Heiligen zu erlösen. So wertvoll ist Ihm der Mensch, dass Er bereit ist, den Fluch auf Sich zu nehmen und zu tragen, den der Mensch auf sich gebracht hat. 
So ist also die Selbst-Offenbarung Gottes auf der einen, der Heilsplan oder, anders gesagt, die Versöhnung des gefallenen Menschen mit Gott, auf der anderen Seite das Thema, welches sich durch die ganze Bibel hindurch zieht. Dies ist deshalb auch der Nutzen der Biblischen Theologie für die ganze Gemeinde: Sie unterstützt die Erkenntnis Gottes und hilft zu einem besseren Verständnis der ganzen Bibel. 
Mark Dever schreibt dazu:
Wir müssen Gott durch seine Offenbarung seiner selbst verstehen und nicht durch unsere eigenen Eindrücke, nicht durch unsere Wünsche und nicht durch die Art und Weise, wie wir uns Gott gern vorstellen. Wir sprechen heute allzu oft von Evangelisation, als ob es dabei um Werbeaktionen ginge und erklären das Wirken des Geistes in der Sprache des Marketing. Manche Menschen sprechen sogar auf eine Weise von Gott, als ob er im Bilde des Menschen geschaffen sei und nicht andersherum.
Wenn wir in diesen Zeiten eine gesunde Gemeinde sein wollen, dann müssen wir besonders sorgfältig für Leiter in der Gemeinde beten, die ein biblisches Verständnis davon haben und die aus Erfahrung auf Gottes Allmacht vertrauen. Rechte Lehre in all ihrer vollen biblischen Herrlichkeit kennzeichnet eine gesunde Gemeinde.“(Dever, Mark, 9 Merkmale einer gesunden Gemeinde, 3L-Verlag Waldems, 2009, S. 72f)
Möge die Theologie in all ihrem Tun zu Gottes Verherrlichung und dem Wachstum der Gemeinde geschehen! Amen.

Bibelstudium – 1. Mose 1, 3 – 5

Vers 3: Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.

Und Gott sprach, das bedeutet:

  1. Dass Gott spricht, hat für unsere Vorstellung von Gott ganz zentrale Bedeutung. Dieses Sprechen zeigt, dass Gott eine eigenständige Persönlichkeit hat. Das Sprechen ist die Folge einer Willensentscheidung zu sprechen. Auch zeigt dieses Sprechen an, dass Gott Gedanken hat, denn der Satz ist logisch, sinnvoll und korrekt strukturiert. Zudem ist dieses Aussprechen, der Wunsch nach Veränderung, nach Erschaffung von etwas Neuem, nie Dagewesenem, der Ausdruck der Fähigkeit, Gefühle zu empfinden. Unsere menschliche Persönlichkeit ist nach diesem Ebenbild geschaffen.

  2. Dass Gott spricht, hat auch seine Begründung darin, dass Gott zwar Einer ist aber in drei Personen. Das Wort, nämlich der Herr Jesus, ist eine Person dieser göttlichen Dreieinigkeit. Wir sehen also: Der da spricht, ist Gott Vater. Er schafft durch den Sohn, das Wort. Und Gott der Heilige Geist ist über der Erde und „brütet“ sie aus, ist also für die weitere Entwicklung im Kleinen sowie dessen Schutz zuständig.

  3. Dass Gott spricht, zeigt auch Seine Gemeinschaftsfähigkeit. Überhaupt ist die Gemeinschaft in der Dreieinigkeit ein Vorbild für die Gemeinschaft, die Gott Sich auch mit uns Menschen und zwischen uns Menschen wünschen würde. Jede der drei Personen hat ihre eigene Aufgabe und Verantwortung. Und jede ordnet sich den anderen dort unter, wo ihre eigene Verantwortung aufhört. Dies kann uns als Vorbild dienen, wie wir in der Ehe, Familie, Gemeinde, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft, und so weiter miteinander umgehen sollen.

  4. Wo Gott redet, findet neues Leben, die Entstehung von etwas Neuem statt. Gott offenbart Sich uns in der Bibel Selbst. Zugleich bedeutet es aber auch, dass Gottes Schweigen immer Gericht ist. Wo Gott aufhört, mit uns zu sprechen und Sich uns zu offenbaren, da stehen wir im göttlichen Gericht.

„Es werde Licht!“ Und es wurde Licht. Das bedeutet:

  1. Das Licht wurde als Erstes geschaffen. Diese Entstehung von Licht zeigt uns, dass hier die Entstehung der Zeit begonnen hat. Zugleich bedeutet Licht auch Energie. Das Erste, was vorhanden sein muss, damit weitere Vorgänge überhaupt ablaufen können, ist Energie. Energie ist notwendig, um überhaupt irgend welche Naturgesetze einsetzen zu können.

  2. Gott erschafft durch Befehle. Genau so, wie Jesus später dem Sturm befiehlt, aufzuhören, oder dem Kranken befiehlt, gesund zu sein.

  3. Was Gott befiehlt, geschieht. Wir lesen immer, dass Gottes Befehle genau so umgesetzt wurden und werden. Diese exakte Wiederholung ist ein Beweis dafür, dass es genau so eingetroffen ist, wie Gott dies gewollt und befohlen hat. Schließlich ist die die gesamte Dreieinigkeit, die gemeinsam an all dem arbeitet, und Gott ist allmächtig. Also muss es IMMER genau nach Seinem Willen geschehen.

Vers 4: Und Gott sah das Licht, dass es gut war, und Gott trennte zwischen dem Licht und zwischen der Dunkelheit.

Und Gott sah das Licht, dass es gut war, das bedeutet:

  1. Gott hat Sein Werk mit kritischem Blick gemustert. Dies ist eine Art Qualitätskontrolle. Gott hat genau hingesehen und Sich ein exaktes Bild verschafft von dem, was bisher geschehen ist.

  2. Das Werk war noch nicht vollendet, erst der erste Teil davon war geschaffen. Dennoch hielt Gott inne und sah Sich das bisher Geschaffte an. Wenn Gott das schon tut während der Schöpfung, kann uns das in unserem Leben ganz bestimmt auch nicht schaden.

  3. Gott hatte Freude an Seinem Werk. Das hebr. Wort „tov“ bedeutet nicht nur „gut“, sondern auch „schön“, „wohlgefällig“.

Und Gott trennte zwischen dem Licht und zwischen der Dunkelheit, das bedeutet:

  1. Wir sehen, dass die Dunkelheit schon vor der Erschaffung des Lichts vorhanden war. Dunkelheit entspricht dem Nicht, dem Nichtseienden um dem von nichts Durchdrungenen. Dennoch gebraucht Gott auch diese Dunkelheit. Genauso verhält es sich auch mit dem Bösen, mit Krankheit, mit dem Tod, und so weiter: Gott ist nicht Urheber dieser Dinge, aber Er gebraucht sie zu unserem Besten.

  2. Gott machte eine Trennlinie, eine Grenze zwischen dem geschaffenen Licht und der ungeschaffenen Dunkelheit. Wäre alles immer nur grau in grau, so wäre es erstens nicht auszuhalten und zweitens könnten wir dann auch nicht unterscheiden zwischen dem, was Gott geschaffen hat, und dem Anderen.

Vers 5: Und Gott rief für das Licht: „Tag!“ und für die Dunkelheit rief Er: „Nacht!“ Und es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag.

Und Gott rief für das Licht: „Tag!“ und für die Dunkelheit rief Er: „Nacht!“ das bedeutet:

  1. Hier gibt Gott zum ersten Mal den beiden Dingen Licht und Finsternis einen Namen. Die Namensgebung ist ein Herrschaftsakt, das heißt: Dadurch, dass Gott dem Licht den Namen Tag und der Dunkelheit den Namen Nacht gibt, übt Er Seine Herrschaft aus und sagt damit: ICH bin der Herrscher über diese Elemente. So konnte Er auch dafür sorgen, dass es einmal drei Tage und Nächte lang Tag blieb. Wenn Eltern ihrem Kind einen Namen geben, so tun sie dasselbe: Sie übernehmen die Herrschaft über ihr Kind und dadurch auch die Verantwortung für die Pflege und Erziehung dieses Kindes.

  2. Diesen Akt der Herrschaft finden wir bei Adam auch wieder: Zuerst dadurch, dass er von Gott den Befehl bekam, die Tiere zu benennen. Damit übernahm er die Herrschaft und die Verantwortung für das Reich der Tiere im paradiesischen Garten. Später übte er diese Herrschaft auch über seine Frau aus, als er sie Chawah nannte. Das bedeutet ungefähr so viel wie Lebensspenderin.

  3. Durch die Differenzierung zwischen Tag und Nacht ergibt sich auch für den Menschen ein System, in welchem er klarkommen muss. Der Mensch ist so geschaffen, dass er grundsätzlich leistungsfähiger ist, wenn er sich an das Alltagsleben am Tag und den Schlaf in der Nacht hält. Dies kann nur mit recht großen Kräfteeinbußen „umprogrammiert“ werden. Das Tageslicht ist deshalb auch für den Menschen notwendig für ein gesundes Leben.

Und es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag. Dies bedeutet:

  1. Der Satz kann auch so übersetzt werden: „Und es wurde aus Abend und Morgen: Der erste Tag.“

  2. Gott hat Sein Werk auf 6 Tage plus ein Ruhetag gelegt. Dies nicht etwa, weil Er es nicht schneller hätte machen können, sondern einfach, weil es Ihm gefiel, das so zu machen. Gott hätte das Werk von 6 x 24 Stunden auch in einer Sekunde erledigen können.

  3. Für „ein“ Tag oder der „erste“ Tag steht im hebräischen das Wort „ächad“. Hier geht es vor allem um die Zusammenfügung von Tag und Nacht zu einem Tag. Das Wort wird auch gebraucht, um die Einheit von Mann und Frau zu „einem“ Fleisch zu beschreiben. Zwei verschiedene Dinge werden mit diesem Wort zu einer Einheit verknüpft. So geht aus diesem Wort auch ganz deutlich hervor, dass es sich tatsächlich um einen Tag, bestehend aus Tag und Nacht, bzw. Abend und Morgen, d.h. 24 Stunden besteht und nicht einfach irgend eine unbekannte Zeitspanne, die eventuell auch viele Millionen Jahre hätte dauern können.

Was ist die Gemeinde?

Zunächst müssen wir unterscheiden zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Gemeinde. Zur sichtbaren Gemeinde gehören alle, die in irgend einer Gemeinde sind und regelmäßig in die Verkündigung in den Gottesdiensten kommen. Sie alle haben den Vorteil, dass sie das Wort Gottes regelmäßig ausgelegt bekommen und dadurch die Möglichkeit besteht, dass sie von Gott Vater gezogen werden und vom Heiligen Geist den Glauben an Jesus Christus in ihre Herzen gelegt bekommen können. Diesen Vorgang nennt man „wirksame Berufung“. Nur diese, welche wirksam berufen sind, die sind gerettet und gehören dadurch zur unsichtbaren Gemeinde. Die unsichtbare Gemeinde besteht also aus allen wirksam Berufenen in allen Zeiten, allen Völkern und allen Nationen.

Weiter ist die Gemeinde der Ort, an dem Gottes Wille getan wird. Sie ist Gottes Reich auf Erden. Gottes Reich ist überall dort, wo Er als König regieren darf und Menschen Seinen Befehlen gehorchen. In dem Zeitalter, in welchem wir uns befinden, ist Gottes Reich die Gemeinde. Gottes Reich ist in den Himmeln perfekt, weil dort Sein Wille getan wird. Deshalb auch die Bitte im Vater Unser: Dein Reich komme: Dein Wille geschehe, wie im Himmel (denn dort wird er bereits vollkommen getan), so auch auf Erden. Es ist Aufgabe der Gemeinde, dieses Reich auf der Erde auszubreiten, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Herrn Jesus. Die Gemeinde ist Sein Leib, Sein Körper, und Er ist das Haupt, also der Kopf der Gemeinde. Weil Gott die Erde den Menschen übergeben hat nach ihrer Erschaffung, und dieser die Herrschaft über sie verloren hat, wird sie nun wieder durch Menschen zurückerobert. Nämlich durch die erlöste Menschheit, das heißt durch die Gemeinde als Leib mit Christus als Haupt.

Drittens müssen wir die Gemeinde nach reformatorischer Tradition sehr richtig auch als eine Versammlung definieren, in welcher Gottes Wort korrekt verkündet und die Sakramente recht ausgeteilt werden. Die Sakramente sind hier nicht als etwas zu verstehen, das seine Kraft aus sich selbst bekommen würde (lateinisch: ex opere operato) wie in der Tradition der Römisch-Katholischen Kirche, sondern als Handlungen, welche deshalb geheiligt sind, weil der Herr Jesus Selbst diese eingesetzt hat und nicht etwa aus sich selbst „funktionieren“, sondern durch den Glauben erst in Gang gesetzt werden können. Deshalb ist meines Erachtens auch die Kinder-“Taufe“ als Untaufe abzulehnen. Solche Sakramente gibt es mindestens zwei, je nach dem auch drei oder vier. Auf jeden Fall festzuhalten ist an der Taufe (Glaubenstaufe durch Untertauchen als bereits Gläubiggewordene) und am Herrenmahl. Dann gibt es noch das Sakrament der Gemeindezucht, auch diese ist vom Herrn Selbst befohlen und eingesetzt. Je nach Verständnis ist dies aber auch ein Teil des Sakramentes des Herrenmahls. Und dann könnte man durchaus auch die Fußwaschung als solche Handlung betrachten.

Die Gemeindezucht ist ein wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens, nichtsdestotrotz der am meisten Vernachläßigte in der heutigen Zeit. Es geht nicht darum, die Gemeinde mit den meisten Ausschlüssen pro Jahr zu sein. Das kann keinesfalls das Ziel sein. Auch ist die Bestrafung nicht das Ziel der Gemeindezucht. Das Ziel muss immer Versöhnung sein. Versöhnung eines gefallenen Heiligen mit Gott und der Gemeinde. Auch hat der Herr die genauen Anweisungen dazu gegeben, wie man in einem solchen Fall vorgehen soll. So ist alles schon schief gelaufen, wenn es irgend ein Gerücht „hinten rum“ gibt, bevor die betreffende Person unter vier Augen darauf angesprochen wurde. Das Erzählen und Weitertragen solcher Gerüchte ist Sünde und darüber muss Buße getan werden, gerade auch vor dem Betroffenen. Der erste Schritt muss der unter vier Augen sein, und zwar von der Person, die es zuerst bemerkt hat. Darüber muss natürlich die Gemeinde auch belehrt werden, sonst ist das perfekte Chaos vorprogrammiert. Erst dann, wenn die betroffene Person sich auch nach mehreren solchen Gesprächen weiter stur stellt, soll eine bis zwei weitere Personen hinzugezogen werden, und zwar möglichst Personen, die nicht am Geschehen emotional beteiligt sind und ein gutes Einfühlungsvermögen haben (in beide Parteien!!!). Wenn auch diese Gespräche fruchtlos verlaufen, kommt im nächsten Schritt die Gemeindeleitung hinzu. In dieser ganzen Zeit ist und bleibt es ver-boten, mit irgend jemand anderem darüber zu reden. Dieses Verbot ist erst genau dann aufgehoben, wenn die Gemeindeleitung in der ganzen Versammlung die betreffende Person noch ein letztes Mal zur Rede stellt und bei mangelnder Einsicht in dieser selben Versammlung den Ausschluss offiziell bekanntgibt.

Eine vierte Definition von Gemeinde ist diejenige, dass alle an den Herrn Jesus gläubig gewordenen Personen an einem bestimmten Ort zu der jeweiligen Gemeinde gehören. Diese Definition leitet sich aus den Briefen des Paulus ab, in welchen Paulus sich immer an die gesamte Gemeinde eines bestimmten Ortes wendet.

Und nicht zuletzt müssen wir auch der Bedeutung der ursprünglichen Worte nachspüren, die in den Ursprachen Hebräisch und Griechisch für die jeweilige Gemeinde gebraucht wird. Im Hebräischen ist das Wort Qahal, was so viel wie „Versammlung“ bedeutet. Dieses Wort wird in der griechischen Übersetzung schon immer mit dem Wort Ekkläsia übersetzt. Ekkläsia ist zusammengesetzt aus Ek (=aus-, heraus-) und dem Partizip von Kaleo (=rufen, nennen, bezeichnen). Ekkläsia bedeutet wörtlich übersetzt „die Herausgerufene“ und meint damit die Menge jener Menschen, die von Gott zum ewigen Leben aus dem alten Leben des Verderbens heraus- und in das neue Leben in der Fülle hineinberufen sind.

Wenn wir also versuchen, diese verschiedenen Aspekte in eine Definition zusammenzufassen, könnte dies ungefähr so aussehen:

„Die Gemeinde ist die Versammlung der an Jesus Christus gläubigen Menschen an einem Ort, um das Wort Gottes zu hören, die Sakramente auszuteilen, den Willen Gottes zu verkünden, zu leben und Gottes Reich auszubreiten.“

Bibelstudium – 1. Mose 1, 1 – 2

Vers 1: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.

Im Anfang, das bedeutet:

  1. Die Entstehung der Welt hat einen Anfangspunkt. Die Welt wurde also zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt geschaffen. Die Schöpfung ist eine historische Tatsache, die man nicht relativieren kann. Und Gott hat uns in der Bibel alles gegeben, was wir dazu wissen müssen. Er hat in Raum und Zeit zu Menschen gesprochen und hat es sie schriftlich festhalten lassen. Weiter hat Er Sich darum gekümmert, dass die Menschen das Richtige, das Korrekte, also DIE Wahrheit aufschrieben und dass diese eine, ewig gültige Wahrheit nicht verlorengeht. Diese Wahrheit ist nicht nur heilsgeschichtlich, nicht nur religiös, nicht nur ethisch-sittlich, sondern auch wissenschaftlich korrekt.

  2. Auch wenn es nicht so leicht zu verstehen ist: Vor der Schöpfung der Himmel und der Erde gab es bereits eine ewige Ewigkeit. Die Zeit hingegen wurde erst mit der Schöpfung erschaffen.

  3. Durch die Erschaffung der Zeit außerhalb ihrer selbst ist es Gott möglich, in jedem „Moment“ alles zu wissen. Also: Er wusste auch vorgestern schon, was wir uns morgen für Kleider anzuziehen entscheiden werden.

Gott schuf, das bedeutet:

  1. Gott existierte schon vor diesem Zeitpunkt und Er war es, der die Schöpfung in Gang brachte. Übrigens war es die gesamte göttliche Drei-Einheit, welche an der Schöpfung beteiligt war (wie wir noch sehen werden).

  2. Das hebräische Wort bara’ (ברא) steht für die Erschaffung von Etwas aus dem Nichts. Im Gegensatz nämlich zu ‘asah, welches ein „Konstruieren“ aus bereits bestehender Materie bedeutet.

  3. Gott betätigte Sich als erster Arbeiter, indem Er die Schöpfung machte. Es ist faszinierend, wie viele „Berufe“ Gott ausgeübt hat in den ersten zwei Kapiteln des Mose-Buches.

Die Himmel und die Erde, das bedeutet:

  1. Himmel sind in der Mehrzahl. Von Paulus, der dorthin entrückt wurde, wissen wir, dass es drei Himmel geben muss. Man könnte auch von sieben Dimensionen sprechen, von welchen immer die Größeren die Kleineren beinhalten: Drei Dimensionen als Körper auf der Erde, die Zeit als vierte Dimension, die räumliche Ewigkeit (das Weltall) als fünfte Dimension, die unsichtbare Welt mit ihren geisthaften Bewohnern als sechste Dimension, und schließlich Gottes Thronsaal als siebte Dimension.

  2. Als Gott die Himmel schuf, wurden auch die Bewohner der unsichtbaren Welt gleich mitgeschaffen.

  3. Vermutlich hat der Fall Satans, wie er in den Prophetenbüchern beschrieben wird, während dem „und“ zwischen den Himmeln und der Erde stattgefunden.

  4. Der gesamte erste Vers ist die Überschrift über das erste Kapitel des ersten Mose-Buches.

Vers 2: Und die Erde war eine Wüste und eine Formlosigkeit und es war Dunkelheit auf dem Angesicht der Tiefe und der Geist Gottes brütete auf dem Angesicht der Wasser

Und die Erde war eine Wüste und eine Formlosigkeit, das bedeutet:

  1. Im hebräischen Text steht da „Tohu WaBohu“, was übersetzt wird mit „eine Wüste und eine Formlosigkeit.

  2. Tohu bedeutet: eine unwegsame Wüste, Leere, Nichtigkeit, Einöde, ein Nichts

  3. Bohu bedeutet: Leere oder Fehlen bestimmter Formen

  4. Wir können also sehen, dass Gott im ersten Vers einmal die Materie an und für sich aus dem Nichts erschaffen hat. Bis dahin war ja schließlich noch gar keine vorhanden. Die Schöpfung, welche ab dem dritten Vers beschrieben wird, beschreibt eine Schöpfung aus der Materie, welche zunächst geschaffen worden war. Da wird dann vorerst auch nicht mehr das Verb „bara’“ gebraucht, sondern einige andere Verben.

Und es war Dunkelheit auf dem Angesicht der Tiefe, das bedeutet:

  1. Es gab aus menschlicher Sicht gesehen noch kein Licht, da dieses erst noch geschaffen werden sollte.

  2. Diese Stelle lehnt jede Spekulation von einem Urknall ab, da diese Finsternis noch auf eine Abwesenheit von Energie schließen lässt

  3. Das Wort „tehom“, das ich mit Tiefe übersetzt habe, hat auch die Bedeutung eines Gewässers.

Und der Geist Gottes brütete auf dem Angesicht der Wasser, das bedeutet:

  1. Dies ist das erste Zeugnis vom Heiligen Geist.

  2. Der Geist Gottes war in die Schöpfungsarbeit miteinbezogen. Die gesamte Dreieinigkeit von Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist ist hier gemeinsam am Werk.

  3. Das Wort „rachaph“ (brüten, schweben) müssen wir so verstehen, wie Eltern ihre Kinder, während sie aufwachsen, größer werden, sich verändern, diese Veränderungen zu unterstützen suchen und zugleich für Schutz sorgen. So ist der Heilige Geist in der Schöpfung Derjenige, welcher darauf achtet, dass die Schöpfung in den richtigen Bahnen geleitet bleibt und schützt diese Bahnen. Diese erhaltende und schützende Funktion hat der Heilige Geist auch heute noch – Er lebt im Gläubigen, führt, leitet und beschützt ihn und lässt ihn behutsam und liebevoll in der Beziehung zur gesamten göttlichen Dreieinigkeit wachsen.

Ein biblisches Staatsverständnis

Wenn man in der Bibel nach Funktionen und Aufgaben eines Staates sucht, so finden wir dafür viele Hinweise, wenn auch keine vollständige Staatslehre. Die Hinweise sind aber durchaus ausreichend, um die Grundlinien dessen zu finden, wie Gott Sich einen Staat vorstellt. Zunächst müssen wir uns bewusst sein, dass es nie das Ziel sein kann, eine christliche Theokratie aufzubauen. Auch wenn Israel in gewisser Weise eine Theokratie war, ist es doch gut sichtbar aus der gesamten Geschichte Israels, dass diese Theokratie nur als Übergangslösung gedacht war. Selbst in dieser eigentlichsten Theokratie, der Königsherrschaft Sauls, Davids und deren Nachkommen, wird deutlich, dass die Gewaltentrennung von Anfang an äußerst wichtig war. Es gab zunächst einmal das Gesetz (insbesondere den Dekalog), welches die Verfassung war. Selbst der König war dieser Verfassung unterworfen. Es gab eine zweite „Gewalt“, nämlich die Propheten, welche im Auftrag Gottes die Könige auf ihre Treue der Verfassung gegenüber überwachten. Diese Propheten konnten aber auch nicht vom König selbst eingesetzt werden, sondern immer von Gott. Dies sind zwar nur rudimentäre Teile einer Gewaltentrennung im heutigen Sinne, deuten aber schon stark in diese Richtung. Mit den modernen Formen der Gewaltentrennung sind wir sehr gut dran. Wichtig ist, dass der Staat eine Verfassung hat, welche über allen Regierenden steht sowie Gerichte, vor welchen sich auch Politiker rechtfertigen müssen.

Die Aufgaben des Staates sind insbesondere in Römer 13 zu finden. Diese sind:

  1. Schutz des Staates

  2. Schutz des Lebens der Bürger

  3. Schutz der Freiheiten und Rechte der Bürger

  4. Die Belohnung korrekten sowie die Bestrafung falschen Verhaltens

Es sind nun Fragen, die sich jeder Staat (und auch jeder Mensch) stellen muss, wie hoch der Stellenwert von Sicherheit im Vergleich zur Freiheit sein soll. Je mehr Sicherheit garantiert werden soll, desto mehr muss ein Staat zum Überwachungsstaat werden, und je mehr Freiheit der Einzelne haben soll, desto weniger Schutz kann gewährleistet werden.

Um den Schutz des Staates zu gewährleisten, braucht jeder Staat eine stabile, gut ausgebildete und gut ausgerüstete Armee. Um die Bürger des Staates zu schützen, braucht ein Staat auch Gesetze, die von einer gewählten Volksvertretung gemacht werden und immer auf die Konformität mit der einen Verfassung überprüft werden müssen. Die Verfassung sollte möglichst nur durch einen Volksentscheid oder eine sehr große Mehrheit der Regierung geändert werden können. Die Gesetze regeln den Ablauf. Sie sollten möglichst logisch, verständlich und einfach sein. Jeder Bürger muss imstande sein, sie verstehen, sich merken und umsetzen zu können. Zur Durchsetzung dieser Gesetze braucht es eine gute, stark vertretene Polizei. Polizei und Gerichte zusammen sorgen dafür, dass jede Übertretung dieser Gesetze geahndet und möglichst schnell und konsequent bestraft wird.

Zur größtmöglichen Freiheit gehört auch die freiheitliche Entscheidung, was man mit seinem Geld machen will. Je mehr der einzelne Bürger aber Steuern zahlen muss, desto mehr wird diese Freiheit eingeschränkt. Der Staat bestiehlt die Bürger. Die meisten modernen Sozialsysteme sind vom kommunistischen Verständnis von Eigentum geprägt, deshalb werden wohlhabendere Bürger bestohlen, damit man das Geld ärmeren zukommen lassen kann. Eine Art staatliches Robin-Hood-Spiel also, welches dazu führt, für viele gar kein Antrieb mehr besteht, arbeiten zu wollen.

Um das Leben der Bürger schützen zu können, braucht es auch wieder Gesetze zum Schutz jeglichen Lebens: Schutz der ungeborenen Babies genauso wie der geborenen Kinder, Schutz der älteren und kranken Menschen (Verbot der Abtreibung und der Euthanasie jeglicher Art).

Kinder sind die Zukunft eines Staates. Um diese Zukunft in möglichst guten Händen aufwachsen zu lassen, sollte erstens der Antrieb zur Scheidung möglichst stark eingeschränkt werden. Kinder aus sogenannten Patchwork- und Einelternfamilien werden nie so glücklich aufwachsen können wie in echten Familien aus Vater, Mutter und Kindern. Zweitens soll auch die Erziehung und Bildung möglichst weitgehend in den Händen der Eltern bleiben. Kinderkrippen sind nicht nur eine Zumutung für die Kinder, sie schädigen auch die Zukunft des Staates in jeder Hinsicht. Ein Staat, welcher für seine Zukunft, die kommenden Generationen, gut sorgen möchte, könnte jedem Elternpaar für die Erziehung und Bildung einen bestimmten Betrag überweisen, mithilfe dessen das Ehepaar selbst entscheiden könnte, ob sie ihre Kinder in eine Krippe stecken oder zu Hause erziehen wollen, ob sie eine staatliche oder eine private Schule wählen, oder ob sie auch die Bildung selbst in die Hände nehmen wollen.

Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen

1. Einleitung

Die ganze Debatte von der Menschenwürde kann nur von einem Gesichtspunkt her ein festes Fundament und eine echte Begründung bekommen: Von der Tatsache, dass jeder Mensch im Bilde Gottes geschaffen ist. Von diesem Wissen muss jede Diskussion ausgehen.


2. Worin die Gottesebenbildlichkeit besteht

a. Die Ähnlichkeit bezüglich der Trinität

Da Gott der Dreieine ist, hat Er die Menschen ebenfalls als eine Dreiheit in der Einheit geschaffen: Nicht eine Dreiheit an Personen, sondern eine Dreiheit an Teilen innerhalb der einen Person des Menschen: Geist, Seele und Leib (1. Thess. 5, 23). Der Geist des Menschen ist hierbei niemals der menschliche Verstand, und genauso wenig dem göttlichen Geist entsprechend, sondern der Teil des Menschen, welcher nach der Neugeburt fähig ist, mit Gott in Verbindung zu treten, und mit dem zusammen zu arbeiten:

Gottes Geist bezeugt (zusammen) mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm. 8, 16). Der Verstand ist mit dem Willen und den Gefühlen zusammen Teil der Seele. Der Leib ist der körperliche, materielle Teil des Menschen. Keiner dieser drei „Teile“ darf bevorzugt oder vernachläßigt werden. Leider gibt es auch heute noch viele neuplatonische Strömungen, die den menschlichen Leib nur als Gefängnis der Seele und des Geistes sehen und damit verdammen. Jede Bemerkung in der Richtung, dass seelische Heilung wichtiger sei als körperliche Heilung, geht genau in diese Richtung!


b. Die Fähigkeit zur Kommunikation (im urspr. Sinne) mit Gott und Menschen

Gerade für die Ausführung des göttlichen Auftrags, sich zu vermehren und die Schöpfung untertan zu machen, ist die Fähigkeit zur Kommunikation unverzichtbar. (Wikipedia: „Kommunikation stammt aus dem Lateinischen communicare und bedeutet teilen, mitteilen, teilnehmen lassen“) Erst durch die Zusammenarbeit von Menschen, in der ersten Schöpfung war dies diejenige des Menschen und seiner Gehilfin, war dieser Auftrag auszuführen überhaupt erst möglich geworden. Zugleich ist auch die Kommunikation mit dem Erschaffer von Himmel und Erde Selbst eine äußerst wichtige Komponente menschlichen Daseins. Nur so konnte die erste Menschheit vor dem Sündenfall und dessen Folgen gewarnt werden. Aber auch die innige liebevolle Beziehung zu Seinem Schöpfer kann der Mensch nur durch die Anwendung dieser von Gott geschaffenen Kommunikation leben.


c. Die moralische Fähigkeit (Verantwortlichkeit)

Vom ersten Moment nach der Schöpfung an zog Gott den Menschen zur Verantwortung für sein Verhalten. Der Mensch bekam klare Richtlinien, an welche er sich zu halten hatte und strukturierte Aufgaben:

-Sich zu vermehren und auszubreiten

-Sich die Erde untertan zu machen

-Das Land zu bebauen

-Den Tieren Namen zu geben (dies ist eigentlich ein Teil des untertan Machens)

-Nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen essen

Da Gott dem Menschen zugleich auch die Folgen falschen Verhaltens nannte, war er letztlich vom ersten Moment an auch moralisch eigenverantwortlich für sich und seine Gehilfin. Hieraus leitet sich auch die Tatsache ab, dass jeder Mensch für sein Tun selbst verantwortlich ist und bereit sein soll, die Konsequenzen dafür vollumfänglich zu tragen.


d. Die intellektuelle Fähigkeit (Denkvermögen)

Die Anwendung der Sprache für die Kommunikation ist ein wichtiger Ausdruck dieser intellektuellen Fähigkeit des Menschen. Man kann in den ersten Worten des Menschen, als er seine Gehilfin sah und solch ein wunderschönes Gedicht auf seine Gehilfin dichtete, sehen, dass dieser Intellekt kein Produkt langjähriger Evolution ist, sondern als Ausdruck des allweisen Gottes eine Wesensart des Menschen.


e. Die kreative Fähigkeit

Zusammen mit dem Intellekt hat Gott den Menschen auch mit einer wahrhaft bewundernswerten Kreativität beschenkt. Kreativität beinhaltet die Möglichkeit, neue Dinge zu ersinnen und zu schaffen. Auch hier ist die menschliche Kreativität nicht mit derjenigen Gottes gleichzusetzen, sondern ist ein sehr gutes Abbild der göttlichen Kreativität: Der Mensch ist nicht imstande, aus dem Nichts etwas Seiendes zu kreieren (bara), aber doch aus Bestehendem etwas ganz Neues (asah).


f. Die emotionale Fähigkeit

Auch diese Fähigkeit kommt zum Ausdruck in dem Ausruf des Entzückens: „Das ist nun einmal Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll Männin heißen; denn sie ist dem Mann entnommen!“

Die Möglichkeit, sich der Emotionalität zu erfreuen, hat der Mensch auf seine ganz besondere Art bekommen. Obwohl es heute im Zeitalter der Psychomanipulation möglich ist, durch gewisse Hormone „Gefühlsschübe“ herzustellen, entspricht dies niemals dem göttlichen Wunsch nach echtem emotionalem Austausch, den Er in Sich Selbst hat (das ist der Austausch zwischen Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist), und den Er dem Menschen in sein Inneres gelegt hat.


g. Die Ganzheitlichkeit dieser Fähigkeiten

Das „Lasst uns…“ in 1. Mose 1, 26 lässt etwas von dieser vollkommenen Harmonie Gottes erahnen, die Jesus auch in Joh 17, 20 – 23 beschreibt. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei Personen des einen Gottes, und doch in Sich Selbst völlig eins, in perfekter Harmonie.

Vor dem Sündenfall war die Ganzheit des menschlichen Abbildes Gottes in dieser Harmonie. Alle Fähigkeiten des Menschen waren in ihrer Vollkommenheit ausgebildet und sollten dem Menschen helfen, seine Aufgaben zu bewältigen.

Diese Ganzheitlichkeit ist auch heute noch sichtbar in den Überresten einer durch den Sündenfall pervertierten Welt in der Ganzheitlichkeit:

-der Schöpfung

-der wiederhergestellten Beziehung Gottes mit dem Menschen

-der allumfassenden Liebe Gottes zu Seiner Schöpfung

-den allumfassenden Zielen, die Gott mit Seiner Schöpfung, insbesondere auch deren Krone, hat.



3. Konklusion

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Mensch, wie Gott ihn geschaffen hat, die göttlichen Fähigkeiten der Kommunikation, der Verantwortlichkeit, der Intellektualität, der Kreativität und der Emotionalität in ihrer Ganzheitlichkeit besitzt. Diese Fähigkeiten dienen dazu, Gott und dem Mitmenschen innerhalb seiner Aufgaben und des sozialen Gefüges in Liebe dienen zu können. Aufgrund all dieser Fähigkeiten, für die der Mensch geschaffen ist, hat jeder Mensch vom Moment seiner Zeugung an Würde, die durch nichts wegdiskutiert oder zerstört werden kann. Es ist Aufgabe des Staates, der Gemeinde und jedes einzelnen Menschen, diese Würde zu respektieren und zu schützen.