Die Lehre von der Bibel als PDF

Ich habe jetzt die Beiträge, die von der Lehre von der Bibel handeln, in einem kleinen PDF zusammengestellt, das hier heruntergeladen werden kann. Die Datei darf gerne verwendet und verlinkt werden, jede Weitergabe muss aber vollständig und unverändert erfolgen.

Inhaltsverzeichnis:

Die Frage nach der letzten Autorität 

Allgemeine Offenbarung: Die Schöpfung

Allgemeine Offenbarung: Das Gewissen

Spezielle Offenbarung: Die Bibel

Spezielle Offenbarung: Jesus Christus

Schöpfungsgeschichten im Vergleich

Heilsgeschichte: Der rote Faden durch die Bibel

Die Frage nach der Inspiration

Die Irrtumslosigkeit der Bibel

Die Schriften des Alten Testaments

Die Schriften des Neuen Testaments

Die Bibel lesen – ja, aber wie?

Die Schriften des Alten Testaments

Wenn wir vom Alten Testament sprechen, so meinen wir damit die Sammlung der folgenden 39 Bücher:
  • 5 Bücher des Gesetzes (1. – 5. Mose): Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium.
  • 12 Bücher der Geschichte: Josua, Richter, Ruth, 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Könige, 1. und 2. Chronik, Esra, Nehemia und Esther.
  • 5 Bücher der Weisheitsliteratur: Hiob, Psalmen, Sprüche, Prediger und Hoheslied.
  • 17 Bücher der Propheten: Jesaja, Jeremia, Klagelieder, Hesekiel, Daniel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi.
Diese Bücher zusammen machen das aus, was wir den Kanon des Alten Testaments nennen. Kanon ist ein griechisches Wort und bedeutet ungefähr soviel wie Schilfrohr. Das Schilfrohr wurde damals als Maßstab gebraucht. Deshalb kann der Begriff Kanon ungefähr so definiert werden:
Der Kanon ist die Gesamtmenge der Schriften, die nach eindeutigen Kriterien und Regeln zu einer bestimmten Sammlung dazugezählt werden können.“ (Definition von mir)
Jesus selbst hat den gesamten Kanon immer wieder zitiert. Er nannte die Sammlung „Das Gesetz des Mose, die Propheten und die Psalmen“ (vgl. Lukas 24, 44). Die Bücher der Geschichtsschreibung zählten als vordere Propheten, die oben genannten Propheten als hintere Propheten.
Die Sammlung der Schriften des Alten Testaments begann mit Mose. Die Zehn Worte, die Mose am Sinai bekommen hatte, waren sogar von Gott eigenhändig geschrieben: Und als er mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes.(2. Mose 31,18) Diese Tafeln mussten in der Bundeslade aufbewahrt werden: Zu jener Zeit sprach der Herr zu mir: Haue dir zwei steinerne Tafeln aus, so wie die ersten waren, und steige zu mir auf den Berg und mache dir eine hölzerne Lade, so will ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast, und du sollst sie in die Lade legen! So machte ich eine Lade aus Akazienholz und hieb zwei steinerne Tafeln aus, wie die ersten waren, und stieg auf den Berg, und die zwei Tafeln waren in meinen Händen. Da schrieb er auf die Tafeln entsprechend der ersten Schrift die zehn Worte, die der Herr zu euch auf dem Berg gesprochen hatte, mitten aus dem Feuer, am Tag der Versammlung. Und der Herr gab sie mir. Und ich wandte mich und stieg vom Berg herab; und ich legte die Tafeln in die Lade, die ich gemacht hatte; und sie blieben dort, wie der Herr es mir geboten hatte. (5. Mose 10, 1 – 5)
Dieser Sammlung in der Bundeslade fügte Mose noch weitere Texte hinzu: Als nun Mose damit fertig war, die Worte dieses Gesetzes vollständig in ein Buch zu schreiben, da gebot er den Leviten, welche die Bundeslade des Herrn trugen, und sprach: Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es neben die Bundeslade des Herrn, eures Gottes, damit es dort ein Zeuge gegen dich sei. Denn ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, noch [bis] heute, während ich [noch] unter euch lebe, seid ihr ungehorsam gegen den Herrn gewesen; wieviel mehr nach meinem Tod!(5. Mose 31, 24 – 27) Das Buch des Gesetzes sind die 5 Mosebücher, zumindest bis kurz vor seinem Tod. Vermutlich wurden sie nach dem Tod Mose noch vervollständigt, da der Bericht über seinen Tod auch darin enthalten ist. Josua, der Mose als Leiter folgte, fügte weitere Teile hinzu (vgl. Josua 24, 26), ebenso auch einige weitere Könige, Priester und Propheten.
Für Jesus gab es interessanterweise nie eine Diskussion darüber, aus welchen Büchern Gottes Wort besteht. Er diskutierte zwar häufig über die Auslegung des Alten Testaments, aber nie über den Umfang. Das Neue Testament zitiert an hunderten von Stellen Texte aus dem Alten Testament, häufig mit der Einleitung, dass dies Worte Gottes sind, aber nirgendwo gibt es eine Stelle, an der die sogenannten apokryphen Bücher als Gottes Wort zitiert werden. Überhaupt wird nur an einer einzigen Stelle etwas aus den Apokryphen zitiert, und zwar im Judasbrief, wo Judas 14 – 15 das erste Henoch-Buch (60,8 und 1,9) zitiert. Doch ähnlich wie Paulus, der an zwei Stellen heidnische griechische Dichter zitiert (in der Apostelgeschichte 17, 28 und in Titus 1,12), werden diese Stellen nicht gebraucht, um etwas zu beweisen, sondern lediglich als Illustration.
Auch die frühe Kirche hat bis zur Zeit der Reformation die Apokryphen nie als inspirierten Teil der Bibel gesehen – bis zum Konzil von Trient im Jahre 1546. Auch die Kirchenväter haben die Apokryphen äußerst selten zitiert – im Gegensatz zu den kanonischen Büchern des Alten Testaments. Deshalb tun wir gut daran, sie nicht zur Bibel selbst hinzuzuzählen. Sie sind – so meinte bereits Martin Luther – erbaulich zu lesen, aber sie haben auf keinen Fall dieselbe Autorität wie die 39 oben genannten Bücher des Alten Testaments.
Ebenso haben die Apokryphen auch kein inneres Zeugnis, dass sie zu Gottes Wort gehören sollten. Weder haben sie ihren festen Platz innerhalb der Heilsgeschichte, noch behaupten sie von sich selbst, sie seien Gottes Wort – so wie das die Bibel tut.
Wenn man die Diskussion ein wenig zurückverfolgt, kann man auch unter den frühen jüdischen Schriftgelehrten ziemlich deutliche Übereinstimmung finden. Es gab so gut wie gar keine Diskussion darüber, ob die apokryphen Schriften dazuzuzählen seien – die Überzeugung war, dass sie es nicht sind. Vielmehr gab es höchstens ein paar Diskussionen zu den 39 Schriften des Kanons, und auch hier nur in wenigen Fällen. Etwa das Buch Esther (weil dort Gott überhaupt nie erwähnt wird) oder das freizügige Hohelied. Aber auch hier war schon sehr früh – bereits etwa 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung – sehr klar, dass a. Die Apokryphen nicht dazu gehören und b. die 39 Bücher unseres heutigen Alten Testaments die echten, kanonischen Bücher sind, die Gottes Wort sind.
Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräer 1, 1 – 3)

Die Irrtumslosigkeit der Bibel

Wir haben bereits gesehen, was es bedeutet, dass die Bibel von Gott inspiriert ist. Jetzt geht es noch darum, dass sie in ihrer Inspiration vollkommen irrtumslos ist. Das betrifft die gesamte Bibel, Buch für Buch, Kapitel für Kapitel, Vers für Vers und Wort für Wort. Der Begriff Irrtumslosigkeit bedeutet, dass die Autographen (so nennt man die originalen Handschriften, die allerdings heute nicht mehr vorhanden sind) in den Originalsprachen keinen einzigen Fehler oder Irrtum enthalten.
Das Buch der Offenbarung hat als letztes Buch die gesamte biblische Offenbarung beendet. Deshalb heißt es dort: Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.(Offenbarung 22, 18 – 19) Diese Worte des Herrn Jesus Christus müssen wir ernst nehmen – es steht viel auf dem Spiel!
Gerade weil die Bibel ja in dynamischer Weise inspiriert ist, haben die verschiedenen Autoren der biblischen Bücher auch unterschiedlich geschrieben. Der Evangelist Lukas war Arzt, weshalb seine Berichte auch wissenschaftlich viel exakter waren. Petrus, dessen Bericht von Markus aufgeschrieben wurde, war ein einfacher Fischer und hat aus der Sicht des einfachen Volkes geschrieben. So kommt der Charakter und die Persönlichkeit der einzelnen Autoren immer wieder zum Vorschein. Deshalb ist es auch kein Widerspruch gegen die Irrtumslosigkeit, wenn jemand schreibt, dass die Sonne auf- und untergehe. Das entspricht einfach dem, was die Menschen gesehen haben und ist deshalb korrekt.
Interessant ist, dass Jesus ganz viel aus dem Alten Testament zitiert und damit bestätigt hat. Ganz besonders oft waren das gerade die Berichte des Alten Testaments, die heute besonders unter Beschuss stehen:
– Schöpfung und Ehe (Matthäus 19,5)
– Sintflut und Arche Noah (Lukas 17,26-27)
– Sodom und Gomorrah (Lukas 17,28-29)
– Tyrus und Sidon (Matthäus 11,21-22)
– Die Beschneidung (Johannes 7,22)
– Das Passah (Matthäus 26,2)
– Das Gesetz (Johannes 7,19)
– Die Gebote (Matthäus 19,7-9)
– Der brennende Dornbusch (Markus 12,26)
– Jona und der Riesenfisch (Matthäus 12,40)
– Die Buße Ninives (Matthäus 12, 41)
– David, der Schaubrote aß (Matthäus 12,3)
– Die Dürre zur Zeit Elias (Lukas 4,25)
– Die eherne Schlange (Johannes 14-15)
und so weiter. Jesus hat also bestätigt, dass alle diese Begebenheiten, von denen das Alte Testament berichtet, vollkommen wahr sind.
Wir haben bereits gesehen, dass Gott die Persönlichkeit der einzelnen Autoren nicht ausgeschaltet hat, sondern jeder so schreiben lassen, wie es ihm entspricht. Das ändert nichts an der Irrtumslosigkeit der Bibel. Genau dasselbe gilt auch für verschiedene grammatikalische Konstruktionen, die manchmal auf den ersten Blick „falsch“ aussehen. In Wirklichkeit haben uns diese Konstruktionen eine ganze Menge zu sagen. So wird etwa dem Heiligen Geist (das hebräische Wort Ruach ist weiblich und bedeutet Wind, Atem, Hauch, Geist) manchmal ein Verb in der männlichen Form beigefügt. Dies ist kein Fehler, sondern fordert uns auf, danach zu suchen, was uns diese Konstruktion zu sagen hat.
Das bedeutet aber auch, dass wir aufgerufen sind, die Bibel als eine Sammlung vieler historischer Dokumente zu sehen, die uns auch in Bezug auf das, was sie erzählen, völlig zuverlässig sind. Die Bibel versucht nicht einfach, Unerklärliches zu erklären, sondern gibt uns vor, was korrekt ist. Sie sagt uns, dass alles einen Schöpfer hat, der die Naturgesetze geschaffen hat und immerzu dafür sorgt, dass wir uns auf jene verlassen können. Ein Naturgesetz wohnt nicht einfach „automatisch“ in einer Sache drin. Es muss erschaffen und erhalten werden. Ein Wissenschaftler, dessen Aufgabe es ist, die Realität zu sehen, zu betrachten, zu beschreiben und zu untersuchen, muss sich in dieser Hinsicht auf den Schöpfer verlassen – selbst wenn er dessen Existenz verleugnet.
Was passiert aber, wenn wir als Christen anfangen, die Irrtumslosigkeit der Bibel zu bezweifeln oder gar abzustreiten?
1) Wir bekommen ein Problem mit Gottes Charakter. Plötzlich ist Gott nicht mehr zuverlässig. Gott wird zum Lügner. Und wir müssen uns fragen: Wenn Gott ein Lügner ist, müssen wir als Gottes Nachahmer dann auch zu Lügnern werden?
2) Wir bekommen ein Problem mit der Frage, worauf wir uns verlassen können. Wenn die Bibel Irrtümer enthält, was ist dann der Maßstab dafür, um Irrtum von Wahrheit unterscheiden zu können? Es wird nicht nur alles subjektiv, sondern wir können damit auch gleich die ganze Bibel in die Tonne kloppen.
3) Wir bekommen ein Problem mit uns selbst. Am Ende kommt es nur noch auf uns selbst an – wir sind dazu verdammt, unser eigener Maßstab zu sein und uns ein Leben lang um uns selbst zu drehen. Jeder Mensch, der einigermaßen realistisch denkt, kann dies nur als Fluch sehen, da er weiß, wie wenig Verlass auf sich selbst ist.
Die Worte des Herrn sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert. Du, o Herr, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich! Es laufen überall Gottlose herum, wenn die Niederträchtigkeit sich der Menschenkinder bemächtigt.(Psalm 12, 7 – 9)

Spezielle Offenbarung: Die Bibel

Wer mehr über Gott wissen will als was er in der Natur und durch sein Gewissen beobachten kann, wird nicht um die Bibel herumkommen. Sie ist die Art, wie Gott Sich entschieden hat, Sich Selbst uns Menschen zu offenbaren. Martin Luther hat festgestellt: „Wenn du Gnade willst erreichen, so arbeite darauf hin, dass du das Wort Gottes sowohl gespannt hörst, als auch dich mit Freude daran erinnerst: Das Wort, sage ich, und allein das Wort ist das Gefährt der Gnade Gottes.“(übersetzt nach: Luther, Martin, Weimarer Ausgabe, Bd. 2, S. 509) Was Luther hier sagt, ist ungefähr Folgendes: Ohne die Bibel ist es unmöglich, Gott als gnädigen Gott kennenzulernen.
Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Die allgemeine Offenbarung in der ganzen Schöpfung und im menschlichen Gewissen kann uns im besten Fall sagen, dass Gott sehr mächtig, sehr gut, sehr perfekt, moralisch viel besser als wir ist und dass wir selbst immer wieder hinter dem Standard dieses großen Gottes weit zurückbleiben. Und jetzt geht es um die Frage, wie der Mensch zum Wissen gelangen kann, wie er vor diesem Gott am leben bleiben kann. Und hierauf gibt Martin Luther die richtige Antwort: Das Wort, die Bibel allein, ist das Gefährt der Gnade Gottes.
Der Apostel Paulus schreibt dazu:Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.(2. Timotheus 3,16 – 17) Was es genau bedeutet, dass die ganze Bibel von Gott eingegeben (inspiriert) ist, wird noch im Detail an anderer Stelle zu erläutern sein. Der Apostel Petrus bestätigt die Aussage von Paulus: Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1, 19 – 21)
Gott hat Sich entschieden, zu Seiner Ehre die Sprache und Schrift zum Gefährt der Gnade zu machen. Er hat das Buch gewählt, um Sein Wort zu übertragen. Das Buch hat einen Anfang und ein Ende und besteht aus vielen Abertausenden von Zeichen, die man zu Sätzen zusammensetzen kann und die dadurch einen verständlichen, klaren Inhalt haben. Die Bibel ist nicht einfach ein Buch neben anderen. Sie ist nicht einfach nur der absolute Weltbestseller, sondern sie ist das nötige Werkzeug, das wir brauchen, wenn wir Frieden mit Gott bekommen wollen. Sie ist eine Bibliothek von 66 einzelnen Büchern, die jedoch alle zusammen ein ganzes Buch ausmachen. Weit über 1000 Jahre sind zwischen den früheren und den späteren Schriften – und dennoch hat das ganze Buch eine große, eine einzigartige Geschichte zu erzählen. Es ist die Geschichte von Gottes Heilshandeln an der Welt und insbesondere an der Menschheit.
Das erste Buch beginnt mit der geschichtlichen Beschreibung der gesamten Schöpfung, das letzte Buch endet mit der Warnung davor, dass nichts Neues mehr hinzugefügt werden darf. Das Buch ist somit ein für alle Male abgeschlossen. Alles, was danach gesagt wird, muss sich daran messen lassen, ob es mit dem Inhalt der Bibel übereinstimmt oder nicht. Dass manche Leute die Bibel deshalb ablehnen, weil ihre Autorität aus ihr selbst abgeleitet werden kann, ändert nichts daran. Wir werden noch sehen, dass es genügend Gründe gibt, die auch aus externen Kriterien für die Bibel sprechen. Aber das ist jetzt nicht das Thema, das kommt erst noch.
Was ganz wichtig, dass wir daran festhalten, ist die Klarheit der Bibel. Sie ist verständlich, sie kann kapiert und korrekt wiedergegeben werden. Mose sagte zum Beispiel zum Volk Israel:Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. (5. Mose 6, 6 – 7) Das setzt voraus, dass man zuerst verstanden hat, was diese Worte überhaupt sind. Somit sind Gottes Worte einfach, klar, verständlich und brauchen keine langwierigen Zerstückelungen und Neudefinitionen. Sie müssen auch nicht an unsere Zeit angepasst oder abgeändert werden. Sie sind weder „archaisch“ noch „patriarchalisch“ noch frauenfeindlich noch sonst etwas Ähnliches. Deshalb brauchen wir an ihnen auch nicht zu zweifeln. So heißt es auch in den Psalmen: Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.(Psalm 19, 8 – 9)
Wenn wir das Neue Testament lesen, so finden wir dort etwas Ähnliches. Jesus hat an gar keiner Stelle gesagt, dass etwas von Gottes Wort kompliziert sei. Er hat immer – egal zu wem Er gesprochen hat – auf Gottes Wort zurückgegriffen und es als selbstverständlich vorausgesetzt. Er ging sogar so weit, einmal zu sagen: Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. (Johannes 17, 17) Das war ein Gebet an Gott Vater. Er sagte nicht: Dein Wort enthält Wahrheit oder Dein Wort ist wahr, aber man muss es zuerst richtig interpretieren. Er sagte einfach: Dein Wort IST Wahrheit. Punkt.
Jetzt kommt aber die Frage auf: Warum gibt es denn trotzdem Missverständnisse? Ja, das müssen wir zugeben, es gibt immer wieder Missverständnisse. Auch als Kinder Gottes sind wir davor nicht automatisch geschützt. Es gibt zum Beispiel Missverständnisse, wenn wir bestimmte Teile der Bibel als höherwertig anschauen und andere dadurch weglassen. Als Paulus sich kurz vor seiner Gefangennahme noch einmal mit den Ältesten der Gemeinde in Ephesus traf, sagte er ihnen, dass er ihnen den ganzen Ratschluss Gottes gelehrt habe. Wenn wir etwa wie Marcion im zweiten Jahrhundert das Alte Testament ablehnen (oder es auch nur als minderwertig im Vergleich zum Neuen Testament sehen), so werden wir auf manche Missverständnisse hereinfallen. Marcion ging so weit, zu sagen, dass der Gott Israels ein böser Gott sei, der mit dem Gott des NT im Streit stehe. So weit gehen heute wohl die wenigsten (aber auch das habe ich heute schon gesehen), aber viele Menschen fallen darauf herein, dass sie sagen, dass Gott im AT ein zorniger und im NT ein liebender Gott sei. Beides ist falsch. Gott ist immer Gott und verändert sich nicht. Auch die Erlösung verändert an Gott nichts. Sie verändert nur unsere Möglichkeit, mit Gott wieder ins Reine kommen zu können. Wir sehen also, dass es gefährlich ist, nur einen kleinen Teil der Bibel zu kennen oder diesen zu überbetonen.
Und dann gibt es noch eine zweite Art von Missverständnissen. Es gibt nämlich tatsächlich Lehren, die nicht ganz einfach zu verstehen sind. So etwa die Lehre von den Letzten Dingen (Eschatologie nennt man das). Über die Dinge, die noch ausstehen von der Bibel und deren Reihenfolge zum Beispiel gibt es ganz viele verschiedene Sichtweisen. Mir sind etwa 20 verschiedene Modelle bekannt, vermutlich gibt es noch mehr. Das ist ein Thema, das wertvoll ist, sich damit zu beschäftigen, aber es wird vermutlich auch in den nächsten Jahren keine allgemeine Übereinstimmung geben. Muss es auch nicht, wichtig ist, dass man sich davon nicht dazu verleiten lässt, dass das Thema deshalb egal sei.
Die Bibel ist klar und verständlich. Das soll eine Ermutigung an uns alle sein, sie zu lesen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Keiner wird damit bis ganz ans Ende kommen und alle Fragen verstehen, aber wichtig ist, dass wir ein Leben lang in ihr forschen, lesen und uns täglich neu von ihr begeistern lassen.
Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Indem er ihn bewahrt nach deinem Wort! Von ganzem Herzen suche ich dich; lass mich nicht abirren von deinen Geboten! Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige. Gelobt seist du, o Herr! Lehre mich deine Anweisungen. Mit meinen Lippen verkünde ich alle Bestimmungen deines Mundes. Ich freue mich an dem Weg, den deine Zeugnisse weisen, wie über lauter Reichtümer. Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten. Ich habe meine Lust an deinen Anweisungen; dein Wort vergesse ich nicht. (Psalm 119, 9 – 16)

Wir müssen uns von der Bibel an die Hand nehmen lassen

Gerade ein gutes Zitat bei Prof. Hans Joachim Iwand gefunden:

“Wenn ihr nicht gewillt seid, darauf Rücksicht zu nehmen, in wessen Bereich und Wirklichkeit ihr eintretet, wenn ihr euch nicht von der Bibel an die Hand nehmen lasst, dann freilich werdet ihr gerade die Sache der Bibel nicht begreifen. Ihr werdet sie zerschlagen und auseinandernehmen wie eine Uhr in viele, viele kleine Teilchen, ihr werdet diese Teilchen genau untersuchen und studieren, aber ihr werdet sie nicht wieder zusammensetzen können und das Uhrwerk – der ihm eigentümliche Gang und Stundenschlag – wird vernichtet sein.” (H. J. Iwand, Nachgelassene Werke, Bd. 1: Glauben und Wissen, S. 272)

Gottes Wort bleibt in Ewigkeit

Gottes Wort bleibt in Ewigkeit
Es spricht eine Stimme: Verkündige! Und er sprach: Was soll ich verkündigen? »Alles Fleisch ist Gras und alle seine Anmut wie die Blume des Feldes! Das Gras wird dürr, die Blume fällt ab; denn der Hauch des Herrn hat sie angeweht. Wahrhaftig, das Volk ist Gras! Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit!« (Jes. 40, 6 – 8)
Die Aufgabe des Wegbereiters ist es, Menschen solcherart in die Beziehung mit Gott zu bringen, dass Er Seine Herrlichkeit unter den Menschen sichtbar machen kann. Dies kann nur da geschehen, wo der Mensch seiner Schwachheit bewusst wird, damit Gottes Stärke in ihm und durch ihn wirken kann. So ist es klar, dass der nächste Auftrag an Jesaja der ist, den Menschen ihre Schwäche zu zeigen. Ohne die Erkenntnis der eigenen Schwäche ist die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes unmöglich. So bekommt der Tröster und Wegbereiter nun seinen dritten Auftrag: Denjenigen des Verkündigers. Johannes der Täufer macht mit der Taufe klar, dass zum Leben mit Gott zuerst der Tod kommen muss. Das Eintauchen ins Wasser symbolisiert das Sterben, das Auftauchen aus dem Wasser die Auferstehung des Menschen aus den Toten. Und auch nach der Taufe besteht das ganze Christenleben aus einem einzigen Sterben: Das Abtöten des alten Menschen und Anziehen des neuen Menschen. Johannes der Täufer verurteilte die fleischliche Haltung der Pharisäer, die ihr Leben selbst retten wollten durch das Halten von Geboten und machte klar, dass Buße tun zu einem Leben mit Gott dazu gehört.
Auch heute gibt es eine große Bewegung, die Gott mit dem Fleisch ehren will. Wie bereits im Pharisäertum ist es auch da eine Bewegung, die den Menschen und seine menschengemachten Lehren ins Zentrum stellt und dabei Gottes Wort hinten anstellt. Gottes Wort, von dem hier die Rede ist, wird nicht mehr ernst genommen. Vielmehr wird es verdreht und zurechtgebogen, um möglichst wenig Widerspruch zu erfahren. Wo ist denn der Eifer und die Liebe zu Gottes Wort geblieben? Wo ist das Vertrauen in dieses Wort? Der Mensch ist wie Gras, das in der Wüste so schnell verdorrt. Was er sagt, ist vergänglich. Was er tut, ist vergänglich. Was er tut, ohne Gottes Wort befragt zu haben, ist wertlos, nichtig. Gottes Wort braucht keine Ökumene, um bestehen zu können. Es braucht nur Vertrauen, dass das, was es sagt, Bestand hat. Es gibt so viele Anti-Theologien, die Gottes Wort verdrehen, statt es zu fördern. Zum Beispiel die feministische „Theologie“, welche meint, eine eigene „Bibel“ in „gerechter“ Sprache haben zu müssen. Es ist echt ein Armutszeugnis!
Wer die Bibel ernst nimmt, muss auch ernst nehmen, was Jesaja hier verkündigt: Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen, aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit! Die Menschen können noch viel tun und versuchen, um Gottes Wort ungültig zu machen. Es sind viele mit dem Geist des Antichristen unterwegs und versuchen, die Gläubigen zu verführen. Wölfe im Schafspelz nennt die Bibel jene. Wo menschliche Philosophie, Wissenschaft und Besserwisserei sich über das Wort Gottes stellt, wird Gott Sich distanzieren. So sagt Christus auch zur Endzeit-Gemeinde von Laodizea: Siehe, Ich stehe vor der Tür! Christus ist dort nicht unter den „Christen“, nicht in der Gemeinde drin, sondern draußen. Vor der Tür. Und muss anklopfen. Welch ein Armutszeugnis! Alle Theologie, die Gott wirklich ernst nehmen möchte, muss deshalb unter dem Wort stattfinden. Sie darf sich nicht über die Schrift, über das Wort unseres Gottes stellen, sonst ist sie wie Gras, das in der Wüste schnell verdorrt. Wie die Blume, die für eine kurze Zeit zu begeistern vermag, aber doch so schnell zu Ende geblüht hat und eingeht. Lasst uns also Tröster, Wegbereiter und Theologen sein, die wissen, von wem sie reden: Von dem einen Gott der Bibel, dessen Wort in Ewigkeit Bestand hat. Von dem Einen, der Seine Herrlichkeit unter den Menschen sichtbar machen möchte, doch in den heutigen Gemeinden so oft außen vor bleibt. Er steht vor der Tür und klopft an. Öffnest du ihm die Türe? Möchtest du unter Seinem Wort stehen und von Ihm beurteilt und verändert werden, statt dich weiterhin darüber zu stellen und es mit deinem beschränkten Verstand beurteilen und verändern zu wollen?

Ein wahrlich weises Wort

Angesichts all der modernen Bibelkritik, die von allen Seiten auf die Bibel und auf uns “Fundamentalisten” einstürmt, kann es nur gut tun, sich immer mal wieder bewusst zu werden, dass wir nicht die ersten sind, welche mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen haben. Manchmal kommt es uns so vor, als ob dies erst durch die moderne liberale Theologie und die Wissenschaftsgläubigkeit so gekommen sei. Doch bereits vor rund 450 Jahren hatte Johannes Calvin, der Genfer Reformator, mit genau den selben Problemen Ungläubiger zu kämpfen. Man lese selbst (Institutio 1, Kapitel 7, die Abschnitte 1 und 2):

Bevor wir weitergehen, muss zunächst noch einiges über die Autorität der Heiligen Schrift eingefügt werden. Diese Feststellungen sollen der Ehrfurcht vor der Schrift dienen und auch jeden Zweifel beseitigen. Ist es einmal anerkannt, dass es sich um Gottes eigenes Wort handelt, so wird keiner so vermessen sein, ja geradezu des Menschenverstandes und gar alles menschlichen Sinnes beraubt sein, dass er dem, der da redet, den Glauben weigern möchte. Nun ergehen aber nicht alle Tage Offenbarungsworte vom Himmel und es hat Gott gefallen, allein in der Schrift seine Wahrheit zu stetem Gedächtnis zu erhalten. Deshalb kann die Bibel nur dann den Gläubigen gegenüber die volle Autorität erlangen, wenn sie gewiss wissen, dass sie vom Himmel herab zu ihnen kommt, als ob Gottes eigene Stimme hier lebendig vernommen würde. Die Sache ist wahrlich wert, ausführlicher behandelt und genauer erwogen zu werden. Trotzdem müssen die Leser entschuldigen, wenn ich mehr auf den Umfang der Behandlung achte, den die Aufgabe des vorliegenden Werks erträgt, als auf den, der durch die Bedeutung der Sache erforderlich wäre.

Indessen hat sich bei vielen der verderbliche Irrtum eingeschlichen, die Schrift habe nur so viel Gewicht, als ihr das Gutdünken der Kirche zugestehe. Als ob Gottes ewige und unverletzliche Wahrheit auf menschliche Meinung gegründet wäre! Man spottet dabei des Heiligen Geistes und fragt: „Wer verbürgt uns, dass diese Schriften von Gott stammen? Und wer versichert uns, dass sie heil und unversehrt bis in unsere Zeit übergekommen sind? Wer soll uns überzeugen, dass das eine Buch in Ehrfurcht anzunehmen, das andere auszuschließen sei? Wer – wenn nicht die Kirche für alle diese Dinge eine klare Regel vorschriebe?“ – „Also“, so sagt man weiter, „hängt es von der kirchlichen Bestimmung ab, welche Verehrung der Schrift zukommt und welche Bücher ihr überhaupt zuzurechnen sind!“ So machen sich diese Menschen, die Gott die Ehre rauben, bei ihrem Versuch, unter dem Vorwand der Kirche, zügellose Tyrannei einzuführen, gar keine Sorge darüber, in was für Widersinnigkeit sie sich und andere verwickeln – wenn sie nur einfältigen Leuten die Meinung aufdringen, die Kirche hätte Vollmacht zu allem. […]

Aber solche Spitzfindigkeiten widerlegt ein einziges Wort des Apostels. Er bezeugt, dass die Kirche erbaut ist auf dem Fundament der Propheten und Apostel (Eph. 2,20). Wenn nun die Lehre der Propheten und Apostel das Fundament der Kirche ist, so muss sie schon eher Autorität haben, als die Kirche überhaupt da ist.

Nichtig ist auch der törichte Einwand, es sei, obwohl die Kirche ihren Ausgang von dieser Lehre genommen habe, doch immer noch ungewiss, welche Schriften denn nun den Propheten und Aposteln zuzuschreiben wären, wenn nicht hier das Urteil der Kirche eintrete. Denn wenn die christliche Kirche im Anfang auf die Schriften der Propheten und die Botschaft der Apostel gegründet wurde, so ging die Anerkennung dieser Lehre, ohne welche die Kirche nie entstanden wäre, doch sicherlich dem Dasein der Kirche voraus. Deshalb ist es leere Menschensatzung, wenn man sagt, die Vollmacht zur Beurteilung der Schrift liege bei der Kirche, so dass von ihrer Zustimmung die Gewissheit der Schrift abhinge. Denn wenn es zu solcher Anerkennung kommt, so bedeutet das nicht, dass die Kirche die Schrift, als wäre sie zuvor zweifelhaft und strittig, erst glaubwürdig mache. Es geschieht doch im Gegenteil, weil die Kirche hier die Wahrheit ihres Gottes erkennt und ihr deshalb, wie es Pflicht der Frömmigkeit ist, unbedenklich Verehrung entgegenbringt.

Wenn man daher fragt: „Woher sollen wir denn überhaupt die Überzeugung haben, die Schrift komme von Gott her zu uns, wenn wir nicht zum Urteil der Kirche unsere Zuflucht nehmen?“, so ist das genau so, als wenn jemand fragte: „Woher sollen wir denn Licht und Finsternis, Weiß und Schwarz, Süß und Bitter unterscheiden lernen?“ Denn die Wahrheit der Schrift erweist sich ganz von selbst und ist darum nicht weniger deutlich als die Farbe an einem weißen oder schwarzen, der Geschmack an einem süßen oder bittern Ding!“

(Johannes Calvin, Institutio deutsch, übersetzt von Otto Weber, Buchhandlung des Erziehungsvereins Neukirchen, Kreis Moers, 1936, Seiten 42 – 44)