Bibelstudium – 1. Mose 1, 1 – 2

Vers 1: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.

Im Anfang, das bedeutet:

  1. Die Entstehung der Welt hat einen Anfangspunkt. Die Welt wurde also zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt geschaffen. Die Schöpfung ist eine historische Tatsache, die man nicht relativieren kann. Und Gott hat uns in der Bibel alles gegeben, was wir dazu wissen müssen. Er hat in Raum und Zeit zu Menschen gesprochen und hat es sie schriftlich festhalten lassen. Weiter hat Er Sich darum gekümmert, dass die Menschen das Richtige, das Korrekte, also DIE Wahrheit aufschrieben und dass diese eine, ewig gültige Wahrheit nicht verlorengeht. Diese Wahrheit ist nicht nur heilsgeschichtlich, nicht nur religiös, nicht nur ethisch-sittlich, sondern auch wissenschaftlich korrekt.

  2. Auch wenn es nicht so leicht zu verstehen ist: Vor der Schöpfung der Himmel und der Erde gab es bereits eine ewige Ewigkeit. Die Zeit hingegen wurde erst mit der Schöpfung erschaffen.

  3. Durch die Erschaffung der Zeit außerhalb ihrer selbst ist es Gott möglich, in jedem „Moment“ alles zu wissen. Also: Er wusste auch vorgestern schon, was wir uns morgen für Kleider anzuziehen entscheiden werden.

Gott schuf, das bedeutet:

  1. Gott existierte schon vor diesem Zeitpunkt und Er war es, der die Schöpfung in Gang brachte. Übrigens war es die gesamte göttliche Drei-Einheit, welche an der Schöpfung beteiligt war (wie wir noch sehen werden).

  2. Das hebräische Wort bara’ (ברא) steht für die Erschaffung von Etwas aus dem Nichts. Im Gegensatz nämlich zu ‘asah, welches ein „Konstruieren“ aus bereits bestehender Materie bedeutet.

  3. Gott betätigte Sich als erster Arbeiter, indem Er die Schöpfung machte. Es ist faszinierend, wie viele „Berufe“ Gott ausgeübt hat in den ersten zwei Kapiteln des Mose-Buches.

Die Himmel und die Erde, das bedeutet:

  1. Himmel sind in der Mehrzahl. Von Paulus, der dorthin entrückt wurde, wissen wir, dass es drei Himmel geben muss. Man könnte auch von sieben Dimensionen sprechen, von welchen immer die Größeren die Kleineren beinhalten: Drei Dimensionen als Körper auf der Erde, die Zeit als vierte Dimension, die räumliche Ewigkeit (das Weltall) als fünfte Dimension, die unsichtbare Welt mit ihren geisthaften Bewohnern als sechste Dimension, und schließlich Gottes Thronsaal als siebte Dimension.

  2. Als Gott die Himmel schuf, wurden auch die Bewohner der unsichtbaren Welt gleich mitgeschaffen.

  3. Vermutlich hat der Fall Satans, wie er in den Prophetenbüchern beschrieben wird, während dem „und“ zwischen den Himmeln und der Erde stattgefunden.

  4. Der gesamte erste Vers ist die Überschrift über das erste Kapitel des ersten Mose-Buches.

Vers 2: Und die Erde war eine Wüste und eine Formlosigkeit und es war Dunkelheit auf dem Angesicht der Tiefe und der Geist Gottes brütete auf dem Angesicht der Wasser

Und die Erde war eine Wüste und eine Formlosigkeit, das bedeutet:

  1. Im hebräischen Text steht da „Tohu WaBohu“, was übersetzt wird mit „eine Wüste und eine Formlosigkeit.

  2. Tohu bedeutet: eine unwegsame Wüste, Leere, Nichtigkeit, Einöde, ein Nichts

  3. Bohu bedeutet: Leere oder Fehlen bestimmter Formen

  4. Wir können also sehen, dass Gott im ersten Vers einmal die Materie an und für sich aus dem Nichts erschaffen hat. Bis dahin war ja schließlich noch gar keine vorhanden. Die Schöpfung, welche ab dem dritten Vers beschrieben wird, beschreibt eine Schöpfung aus der Materie, welche zunächst geschaffen worden war. Da wird dann vorerst auch nicht mehr das Verb „bara’“ gebraucht, sondern einige andere Verben.

Und es war Dunkelheit auf dem Angesicht der Tiefe, das bedeutet:

  1. Es gab aus menschlicher Sicht gesehen noch kein Licht, da dieses erst noch geschaffen werden sollte.

  2. Diese Stelle lehnt jede Spekulation von einem Urknall ab, da diese Finsternis noch auf eine Abwesenheit von Energie schließen lässt

  3. Das Wort „tehom“, das ich mit Tiefe übersetzt habe, hat auch die Bedeutung eines Gewässers.

Und der Geist Gottes brütete auf dem Angesicht der Wasser, das bedeutet:

  1. Dies ist das erste Zeugnis vom Heiligen Geist.

  2. Der Geist Gottes war in die Schöpfungsarbeit miteinbezogen. Die gesamte Dreieinigkeit von Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist ist hier gemeinsam am Werk.

  3. Das Wort „rachaph“ (brüten, schweben) müssen wir so verstehen, wie Eltern ihre Kinder, während sie aufwachsen, größer werden, sich verändern, diese Veränderungen zu unterstützen suchen und zugleich für Schutz sorgen. So ist der Heilige Geist in der Schöpfung Derjenige, welcher darauf achtet, dass die Schöpfung in den richtigen Bahnen geleitet bleibt und schützt diese Bahnen. Diese erhaltende und schützende Funktion hat der Heilige Geist auch heute noch – Er lebt im Gläubigen, führt, leitet und beschützt ihn und lässt ihn behutsam und liebevoll in der Beziehung zur gesamten göttlichen Dreieinigkeit wachsen.

Ein biblisches Staatsverständnis

Wenn man in der Bibel nach Funktionen und Aufgaben eines Staates sucht, so finden wir dafür viele Hinweise, wenn auch keine vollständige Staatslehre. Die Hinweise sind aber durchaus ausreichend, um die Grundlinien dessen zu finden, wie Gott Sich einen Staat vorstellt. Zunächst müssen wir uns bewusst sein, dass es nie das Ziel sein kann, eine christliche Theokratie aufzubauen. Auch wenn Israel in gewisser Weise eine Theokratie war, ist es doch gut sichtbar aus der gesamten Geschichte Israels, dass diese Theokratie nur als Übergangslösung gedacht war. Selbst in dieser eigentlichsten Theokratie, der Königsherrschaft Sauls, Davids und deren Nachkommen, wird deutlich, dass die Gewaltentrennung von Anfang an äußerst wichtig war. Es gab zunächst einmal das Gesetz (insbesondere den Dekalog), welches die Verfassung war. Selbst der König war dieser Verfassung unterworfen. Es gab eine zweite „Gewalt“, nämlich die Propheten, welche im Auftrag Gottes die Könige auf ihre Treue der Verfassung gegenüber überwachten. Diese Propheten konnten aber auch nicht vom König selbst eingesetzt werden, sondern immer von Gott. Dies sind zwar nur rudimentäre Teile einer Gewaltentrennung im heutigen Sinne, deuten aber schon stark in diese Richtung. Mit den modernen Formen der Gewaltentrennung sind wir sehr gut dran. Wichtig ist, dass der Staat eine Verfassung hat, welche über allen Regierenden steht sowie Gerichte, vor welchen sich auch Politiker rechtfertigen müssen.

Die Aufgaben des Staates sind insbesondere in Römer 13 zu finden. Diese sind:

  1. Schutz des Staates

  2. Schutz des Lebens der Bürger

  3. Schutz der Freiheiten und Rechte der Bürger

  4. Die Belohnung korrekten sowie die Bestrafung falschen Verhaltens

Es sind nun Fragen, die sich jeder Staat (und auch jeder Mensch) stellen muss, wie hoch der Stellenwert von Sicherheit im Vergleich zur Freiheit sein soll. Je mehr Sicherheit garantiert werden soll, desto mehr muss ein Staat zum Überwachungsstaat werden, und je mehr Freiheit der Einzelne haben soll, desto weniger Schutz kann gewährleistet werden.

Um den Schutz des Staates zu gewährleisten, braucht jeder Staat eine stabile, gut ausgebildete und gut ausgerüstete Armee. Um die Bürger des Staates zu schützen, braucht ein Staat auch Gesetze, die von einer gewählten Volksvertretung gemacht werden und immer auf die Konformität mit der einen Verfassung überprüft werden müssen. Die Verfassung sollte möglichst nur durch einen Volksentscheid oder eine sehr große Mehrheit der Regierung geändert werden können. Die Gesetze regeln den Ablauf. Sie sollten möglichst logisch, verständlich und einfach sein. Jeder Bürger muss imstande sein, sie verstehen, sich merken und umsetzen zu können. Zur Durchsetzung dieser Gesetze braucht es eine gute, stark vertretene Polizei. Polizei und Gerichte zusammen sorgen dafür, dass jede Übertretung dieser Gesetze geahndet und möglichst schnell und konsequent bestraft wird.

Zur größtmöglichen Freiheit gehört auch die freiheitliche Entscheidung, was man mit seinem Geld machen will. Je mehr der einzelne Bürger aber Steuern zahlen muss, desto mehr wird diese Freiheit eingeschränkt. Der Staat bestiehlt die Bürger. Die meisten modernen Sozialsysteme sind vom kommunistischen Verständnis von Eigentum geprägt, deshalb werden wohlhabendere Bürger bestohlen, damit man das Geld ärmeren zukommen lassen kann. Eine Art staatliches Robin-Hood-Spiel also, welches dazu führt, für viele gar kein Antrieb mehr besteht, arbeiten zu wollen.

Um das Leben der Bürger schützen zu können, braucht es auch wieder Gesetze zum Schutz jeglichen Lebens: Schutz der ungeborenen Babies genauso wie der geborenen Kinder, Schutz der älteren und kranken Menschen (Verbot der Abtreibung und der Euthanasie jeglicher Art).

Kinder sind die Zukunft eines Staates. Um diese Zukunft in möglichst guten Händen aufwachsen zu lassen, sollte erstens der Antrieb zur Scheidung möglichst stark eingeschränkt werden. Kinder aus sogenannten Patchwork- und Einelternfamilien werden nie so glücklich aufwachsen können wie in echten Familien aus Vater, Mutter und Kindern. Zweitens soll auch die Erziehung und Bildung möglichst weitgehend in den Händen der Eltern bleiben. Kinderkrippen sind nicht nur eine Zumutung für die Kinder, sie schädigen auch die Zukunft des Staates in jeder Hinsicht. Ein Staat, welcher für seine Zukunft, die kommenden Generationen, gut sorgen möchte, könnte jedem Elternpaar für die Erziehung und Bildung einen bestimmten Betrag überweisen, mithilfe dessen das Ehepaar selbst entscheiden könnte, ob sie ihre Kinder in eine Krippe stecken oder zu Hause erziehen wollen, ob sie eine staatliche oder eine private Schule wählen, oder ob sie auch die Bildung selbst in die Hände nehmen wollen.

Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen

1. Einleitung

Die ganze Debatte von der Menschenwürde kann nur von einem Gesichtspunkt her ein festes Fundament und eine echte Begründung bekommen: Von der Tatsache, dass jeder Mensch im Bilde Gottes geschaffen ist. Von diesem Wissen muss jede Diskussion ausgehen.


2. Worin die Gottesebenbildlichkeit besteht

a. Die Ähnlichkeit bezüglich der Trinität

Da Gott der Dreieine ist, hat Er die Menschen ebenfalls als eine Dreiheit in der Einheit geschaffen: Nicht eine Dreiheit an Personen, sondern eine Dreiheit an Teilen innerhalb der einen Person des Menschen: Geist, Seele und Leib (1. Thess. 5, 23). Der Geist des Menschen ist hierbei niemals der menschliche Verstand, und genauso wenig dem göttlichen Geist entsprechend, sondern der Teil des Menschen, welcher nach der Neugeburt fähig ist, mit Gott in Verbindung zu treten, und mit dem zusammen zu arbeiten:

Gottes Geist bezeugt (zusammen) mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm. 8, 16). Der Verstand ist mit dem Willen und den Gefühlen zusammen Teil der Seele. Der Leib ist der körperliche, materielle Teil des Menschen. Keiner dieser drei „Teile“ darf bevorzugt oder vernachläßigt werden. Leider gibt es auch heute noch viele neuplatonische Strömungen, die den menschlichen Leib nur als Gefängnis der Seele und des Geistes sehen und damit verdammen. Jede Bemerkung in der Richtung, dass seelische Heilung wichtiger sei als körperliche Heilung, geht genau in diese Richtung!


b. Die Fähigkeit zur Kommunikation (im urspr. Sinne) mit Gott und Menschen

Gerade für die Ausführung des göttlichen Auftrags, sich zu vermehren und die Schöpfung untertan zu machen, ist die Fähigkeit zur Kommunikation unverzichtbar. (Wikipedia: „Kommunikation stammt aus dem Lateinischen communicare und bedeutet teilen, mitteilen, teilnehmen lassen“) Erst durch die Zusammenarbeit von Menschen, in der ersten Schöpfung war dies diejenige des Menschen und seiner Gehilfin, war dieser Auftrag auszuführen überhaupt erst möglich geworden. Zugleich ist auch die Kommunikation mit dem Erschaffer von Himmel und Erde Selbst eine äußerst wichtige Komponente menschlichen Daseins. Nur so konnte die erste Menschheit vor dem Sündenfall und dessen Folgen gewarnt werden. Aber auch die innige liebevolle Beziehung zu Seinem Schöpfer kann der Mensch nur durch die Anwendung dieser von Gott geschaffenen Kommunikation leben.


c. Die moralische Fähigkeit (Verantwortlichkeit)

Vom ersten Moment nach der Schöpfung an zog Gott den Menschen zur Verantwortung für sein Verhalten. Der Mensch bekam klare Richtlinien, an welche er sich zu halten hatte und strukturierte Aufgaben:

-Sich zu vermehren und auszubreiten

-Sich die Erde untertan zu machen

-Das Land zu bebauen

-Den Tieren Namen zu geben (dies ist eigentlich ein Teil des untertan Machens)

-Nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen essen

Da Gott dem Menschen zugleich auch die Folgen falschen Verhaltens nannte, war er letztlich vom ersten Moment an auch moralisch eigenverantwortlich für sich und seine Gehilfin. Hieraus leitet sich auch die Tatsache ab, dass jeder Mensch für sein Tun selbst verantwortlich ist und bereit sein soll, die Konsequenzen dafür vollumfänglich zu tragen.


d. Die intellektuelle Fähigkeit (Denkvermögen)

Die Anwendung der Sprache für die Kommunikation ist ein wichtiger Ausdruck dieser intellektuellen Fähigkeit des Menschen. Man kann in den ersten Worten des Menschen, als er seine Gehilfin sah und solch ein wunderschönes Gedicht auf seine Gehilfin dichtete, sehen, dass dieser Intellekt kein Produkt langjähriger Evolution ist, sondern als Ausdruck des allweisen Gottes eine Wesensart des Menschen.


e. Die kreative Fähigkeit

Zusammen mit dem Intellekt hat Gott den Menschen auch mit einer wahrhaft bewundernswerten Kreativität beschenkt. Kreativität beinhaltet die Möglichkeit, neue Dinge zu ersinnen und zu schaffen. Auch hier ist die menschliche Kreativität nicht mit derjenigen Gottes gleichzusetzen, sondern ist ein sehr gutes Abbild der göttlichen Kreativität: Der Mensch ist nicht imstande, aus dem Nichts etwas Seiendes zu kreieren (bara), aber doch aus Bestehendem etwas ganz Neues (asah).


f. Die emotionale Fähigkeit

Auch diese Fähigkeit kommt zum Ausdruck in dem Ausruf des Entzückens: „Das ist nun einmal Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll Männin heißen; denn sie ist dem Mann entnommen!“

Die Möglichkeit, sich der Emotionalität zu erfreuen, hat der Mensch auf seine ganz besondere Art bekommen. Obwohl es heute im Zeitalter der Psychomanipulation möglich ist, durch gewisse Hormone „Gefühlsschübe“ herzustellen, entspricht dies niemals dem göttlichen Wunsch nach echtem emotionalem Austausch, den Er in Sich Selbst hat (das ist der Austausch zwischen Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist), und den Er dem Menschen in sein Inneres gelegt hat.


g. Die Ganzheitlichkeit dieser Fähigkeiten

Das „Lasst uns…“ in 1. Mose 1, 26 lässt etwas von dieser vollkommenen Harmonie Gottes erahnen, die Jesus auch in Joh 17, 20 – 23 beschreibt. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei Personen des einen Gottes, und doch in Sich Selbst völlig eins, in perfekter Harmonie.

Vor dem Sündenfall war die Ganzheit des menschlichen Abbildes Gottes in dieser Harmonie. Alle Fähigkeiten des Menschen waren in ihrer Vollkommenheit ausgebildet und sollten dem Menschen helfen, seine Aufgaben zu bewältigen.

Diese Ganzheitlichkeit ist auch heute noch sichtbar in den Überresten einer durch den Sündenfall pervertierten Welt in der Ganzheitlichkeit:

-der Schöpfung

-der wiederhergestellten Beziehung Gottes mit dem Menschen

-der allumfassenden Liebe Gottes zu Seiner Schöpfung

-den allumfassenden Zielen, die Gott mit Seiner Schöpfung, insbesondere auch deren Krone, hat.



3. Konklusion

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Mensch, wie Gott ihn geschaffen hat, die göttlichen Fähigkeiten der Kommunikation, der Verantwortlichkeit, der Intellektualität, der Kreativität und der Emotionalität in ihrer Ganzheitlichkeit besitzt. Diese Fähigkeiten dienen dazu, Gott und dem Mitmenschen innerhalb seiner Aufgaben und des sozialen Gefüges in Liebe dienen zu können. Aufgrund all dieser Fähigkeiten, für die der Mensch geschaffen ist, hat jeder Mensch vom Moment seiner Zeugung an Würde, die durch nichts wegdiskutiert oder zerstört werden kann. Es ist Aufgabe des Staates, der Gemeinde und jedes einzelnen Menschen, diese Würde zu respektieren und zu schützen.

Gottes Allwissenheit

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist schon seit langem kein Geheimnis mehr, wie sehr heidnisch-philosophisches Denken in unser Denken von Gott eingedrungen ist. Es herrscht in unserer Zeit eine große Verwirrung darüber, wie Gott ist und wie nicht und wie wir das verstehen können. Mir ist es sehr wichtig, dass wir als Christen an dem festhalten, was Gott uns in Seiner Gnade in der Bibel gegeben hat. Es herrscht seit einiger Zeit in unseren Kreisen, die wir uns als bibeltreu oder evangelikal nennen, die Unsicherheit, ob Gott wirklich allwissend sein kann, da doch der Mensch keine Marionette Gottes ist, sondern sein Leben nach den Möglichkeiten eines freien Willens gestalten kann. Ich werde versuchen, die Antworten auf dieses Problem möglichst kurz zu fassen. Wer diesen Artikel gut findet, darf ihn sehr gerne unter Angabe des Autors weiter verbreiten. Zunächst will ich begründen, warum Gott allwissend ist, danach wenden wir uns in aller Kürze dem freien Willen zu und zum Schluss möchte ich die Folgen aufzeigen, die automatisch folgen müssen, wenn wir die Lehre von der Allwissenheit Gottes auch nur am Rande aufzulösen beginnen.

Gottes Allwissenheit

Es gibt in der Hauptsache vier Arten, auf welche die Bibel Gottes Allwissenheit bezeugt:

  1. Gott ist Schöpfer und Erhalter von Raum und Zeit. Da Er die Schöpfung außerhalb von Sich Selbst geschaffen hat (also sie ist weder aus Ihm „herausgekommen“ noch ein Teil von Ihm), steht Er außerhalb von Raum und Zeit. An diesem Ort gibt es keine Abfolge der Dinge, sondern alle Dinge, Handlungen, Ereignisse stehen in vollkommener Weise zu jeder Zeit vollkommen klar und ausgebreitet vor Ihm.

  2. Gott hat alles nach einem Plan geschaffen. Nach diesem Plan ist nicht nur unser Heil (unsere Erlösung) vorherbestimmt, sondern auch unsere Taten (Eph. 2, 10).

  3. Die Bibel bezeugt Gottes Allwissenheit (Psalm 147,5; Hiob 38, 2-7; Daniel 2,22; Matth. 6,32 im Kontext u.v.a.m.).

  4. Die Tatsache, dass es biblische Prophetie gibt, beweist dies zusätzlich. So kann zum Beispiel Jesaja, der um mehrere Jahrhunderte früher gelebt hatte, den Namen des Königs Kyrus voraussagen (Jes. 45,1) und viele Details aus dem Leben Jesu und sogar aus der heutigen Zeit (zum Beispiel die neue Staatsgründung Israels und Rückführung der Juden) konnten so exakt vorausgesagt werden. Dies ist nur möglich durch die absolute Allwissenheit Gottes.

Der unfreie freie Wille des Menschen

Hier haben wir es nun mit einem Problem der modernen Philosophie zu tun. Es ist nun mal so, dass Gott den Menschen tatsächlich mit der Möglichkeit eines freien Willens ausgestattet hat. Zumindest war dies vor dem Sündenfall einmal so. Der Mensch konnte sich jederzeit frei entscheiden, Gott gehorsam zu bleiben oder nicht. Seit dem Sündenfall jedoch gibt es keine Menschen mehr mit einem solch perfekten freien Willen. Jeder Mensch wird von Kind auf von unperfekten, sündigen Menschen erzogen. Dies führt dazu, dass ein Kind schon von seinen allerersten Vorbildern das Sündigen lernt. Ein Mensch, der dies erst einmal gelernt hat, kann nicht mehr als frei bezeichnet werden, denn seine Gewohnheiten lenken sein Tun. Seine Gewohnheit, zu Sündigen, härtet von den ersten Tagen seines Lebens das Gewissen ab und verdunkelt seinen Blick für die göttliche Wahrheit bis tief in die geistliche Blindheit hinein. So kann ein Mensch aus sich selbst niemals wirklich das Richtige, das Göttliche erkennen und tun. Der Mensch hat somit klar seine Möglichkeiten, sich zu entscheiden, tut aus sündiger Gewohnheit heraus aber nie das, was er tun sollte, nämlich den Herrn Jesus als Herrn seines Lebens anzunehmen. Hierfür ist eine göttliche Herztransplantation nötig (Hes. 36,26), sowie die Verabreichung einer göttlichen Augensalbe (Offb. 3,18).

Folgen des falschen Gottesverständnisses

Wenn wir die Allwissenheit Gottes einschränken und den freien Willen des Menschen dafür erheben, so führt dies zu logischen Konsequenzen des Glaubens:

  1. Gott wird dadurch machtlos und überrascht gemacht. Er kann dann erst wissen, was wir wirklich brauchen, nachdem wir ihn darum gebeten haben. Außerdem gibt es dann immer wieder Situationen, in denen er von den komischen Entscheidungen der Menschen überrascht wird und kann wohl sein Leben damit verbringen, darauf zu reagieren und manche Dinge wieder zurechtzubügeln.

  2. Die Irrtumslosigkeit der Bibel wird in Frage gestellt und statt dessen durch philosophische Argumente ersetzt. So kommt die die Bibelkritik, welche unter liberalen Theologen längst verbreitet ist, auf Schleichwegen in unser evangelikales (und bibeltreues) Denken hinein. Das ist eine sehr große Gefahr. Wenn dieses Fundament erst einmal in Brüche gegangen ist, gibt es kein Halten mehr, denn die liberale Bibelkritik (besonders die sogenannte „Leben-Jesu-Forschung“, in der man versuchte, das Leben Jesu als Mensch nachzuvollziehen, indem man alles Übernatürliche aus den Evangelien ausschloss und so als Endresultat gar keinen Jesus mehr hatte, wie A. Schweitzer sehr schön aufzeigte) hat uns gezeigt, dass am Schluss ALLES in Frage gestellt wird, wenn man erst einmal an einem Ende begonnen hat, die Bibel in Frage zu stellen.

  3. Die Allmacht Gottes und der allumfassende Plan Gottes wird in Frage gestellt. Die menschliche, durch den Sündenfall stark beeinträchtigte Vernunft wird plötzlich zum Mittelpunkt, zum Maßstab für das, was Gott können darf und was nicht. Dadurch wird der Mensch auf sich selbst geworfen und als solcher Geworfener der absoluten Verzweiflung preisgegeben.

  4. Wenn die menschliche Entscheidung so stark ins Zentrum rückt, kommt es notwendigerweise zu einer Veränderung des biblischen Evangeliums zu einem unbiblischen, von dem Paulus treffend sagt, dass es keines sei. Statt weiterhin daran festzuhalten, dass Gottes Plan feststeht und Menschen durch den effektiven Ruf des Evangeliums zum Glauben kommen, besteht nun plötzlich die Möglichkeit, dass Gott wohl gar nicht gewusst haben könnte, ob irgend jemand überhaupt jemals auf diesen Ruf antworten würde. Welch eine verabscheuungswürdige Gotteslästerung!

  5. Es dürfte keine biblischen Prophetien geben, die eintreffen oder falls sie doch eintreffen, müssten sie rein zufällig sein. Das würde auch bedeuten, dass unsere Hoffnung auf die noch ausstehenden Verheißungen Gottes nur eine Illusion seien.

Wenn dies der Fall wäre, was bleibt uns dann noch? Ein Gott, der uns liebt, aber nichts für uns tun kann, weil er uns ja völlige Freiheit lassen will. Ein Gott, der beschränkter und kleiner ist als Menschen. Ein Gott, der bequem ist, weil man ihn erklären kann und weil er einem nicht dazwischenfunkt. Doch wenn dem so wäre, würde es uns mehr bringen, irgend etwas anderes zu unserem Götzen zu machen. Das Geld, die Ehre, den Job, die Familie, das Auto oder sonstwas. Das würde im angenommenen Fall erstens mehr Sinn machen und hätte zweitens deutlich mehr Vorteile.

Grundlagen menschlichen Denkens

In einer Zeit wie der unsrigen heute, in welcher die Absolutheit der Wahrheit überhaupt immer mehr in Frage gestellt wird, müssen wir uns einmal mehr mit der Frage befassen, was überhaupt Wahrheit ist und wie sie gewonnen wird. Letzten Endes glaubt jeder Mensch irgendwie, dass Wahrheit etwas sein muss, das existiert. Also: Es muss etwas geben, das wahr ist. Wer behaupten will, dass es keine absolute Wahrheit gibt, dürfte nicht einmal mehr an einfachen mathematischen Wahrheiten festhalten wie zum Beispiel diejenige, dass 1 + 1 = 2 ist. Weiter dürfte eine solche Person auch nie jemand anderem vorhalten, eine Unwahrheit zu vertreten, denn dann müsste diese Person absolut jeden Maßstab zur Findung der Wahrheit ablehnen. Spätestens jetzt wird klar, dass jeder Mensch irgend einen solchen Maßstab hat, nach welchem sein Denken arbeitet. Dieser Maßstab kann je nach Erziehung, Prägung, individueller Erfahrung unterschiedlich sein. Dies führt dazu, dass unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen oft auch nach Maßstäben leben und denken, die einander entgegengesetzt sind. Was aber allen Menschen gemeinsam ist, das ist die Überzeugung, dass es einen solchen Maßstab gibt. Jeder Mensch, auch wenn er das nicht weiß, selbst dann, wenn er abstreitet, dass es so sei, lebt nach irgend welchen Maßstäben. Dieses Leben nach Maßstäben ist allen Menschen gemeinsam. Noch etwas Weiteres ist allen Menschen dieser Welt gemeinsam: Sie alle können (tun es nicht automatisch, aber haben die Möglichkeit dazu) über diese Maßstäbe nachdenken, sie reflexieren. Diese Fähigkeit unterscheidet den Menschen von der übrigen Natur. Ein Tier handelt auch nach Maßstäben (Instinkten) und hat sogar die Möglichkeit, durch Lernen diese Maßstäbe zu verändern, aber es kann nicht darüber nachdenken, warum es so handelt und wodurch diese Maßstäbe bedingt sind.

Da wir aber diese Fähigkeit zur Reflexion besitzen, sind wir Menschen auch echte Persönlichkeiten. Ich möchte den Gedanken mal folgendermaßen zu fassen versuchen: Charakter ist nicht gleich der Persönlichkeit. Tiere haben einen Charakter, der Charakter von verschiedenen Tieren derselben Art wird durch unterschiedliche Erfahrungen (Lernen ist immer eine Erfahrung) geprägt. Ein Tier kann ängstlich, neugierig, etc. sein. Den Begriff Persönlichkeit möchte ich so definieren, dass zum individuellen Charakter noch die Möglichkeit zur Reflexion hinzu kommt. Wenn man von gewissen atheistischen Aussagen ausgeht, nämlich dass alles Entstandene nur Energie + Zeit + Zufall sein soll (Materie ist schließlich verdichtete Energie), dürfte kein Mensch die Möglichkeit zu dieser Reflexion haben. Es müsste schlichtweg verboten werden, das zu können. Was nicht sein kann, darf ja auch gar nicht sein. Da wir aber diese Fähigkeit dennoch besitzen, sollten wir uns mal auf die Suche machen, woher sie kommen kann. Ich habe mich auf diese Suche gemacht und bin zu dem einen Ergebnis gekommen, dass es nur eine einzige Lösung gibt für diese Frage. Wenn man all die Denkweisen und „Systeme“ mal konsequent zu Ende denkt, kommt man letztendlich immer zum Schluss, dass es nicht sein kann, also nicht sein darf, dass wir diese Möglichkeit der Reflexion haben.

Das absolut einzige „System“, das uns eine befriedigende Antwort geben kann, das ist und bleibt die Bibel. Sie sagt nämlich, dass Gott den Menschen in Seinem Bild und nach Seiner Ähnlichkeit geschaffen hat. Sie sagt weiter, dass Gott auch Raum und Zeit geschaffen hat. Er, der allwissende Gott, hat unser Weltall mit der Erde in ihren vier Dimensionen geschaffen, und steht somit außerhalb von ihr. Da Gott allwissend ist und außerhalb von Raum und Zeit steht, besitzt Er somit die unendliche Ausprägung der Persönlichkeit. Während wir Menschen im Lernen darum ringen, mehr Wissen über uns selbst, über Gott, über unsere Welt, und so weiter zu bekommen, weiß Er zu jeder Zeit alles, was war, was ist, und was noch geschehen wird. Und dieser Gott hat uns Menschen in Seiner Ähnlichkeit geschaffen. Man kann es mit einem Vergleich auszudrücken versuchen: Was der Mensch als Lebewesen in vier Dimensionen schafft, das ist auf drei Dimensionen beschränkt. Ein Computer muss mit WENN-DANN-Schleifen und Ähnlichem programmiert werden. Er funktioniert zwar in vierten Dimension, aber die Abläufe sind immer für einen bestimmten Moment programmiert. Ein Computer kann deshalb nie höher entwickelt werden als sein Programmierer. So braucht auch der Mensch mit seiner Möglichkeit zur Reflexion einen „Programmierer“, der über eine noch höhere Stufe dieser Reflexion verfügt, das ist Gottes Allwissenheit. So ist alles, was wir tun, sagen, denken, schreiben, empfinden, etc. ein Ausdruck unserer Persönlichkeit und damit ein Hinweis auf den lebendigen und persönlichen Gott der Bibel.

Weiter sagt die Bibel auch, dass Gott uns in ihr die Wahrheit gegeben hat. Sie erhebt somit den Anspruch, der wahre Maßstab für unsere Maßstäbe zu sein. Damit klarzukommen ist nicht ganz einfach, denn wer mag es schon, zugeben zu müssen, dass seine Erfahrungen sich nicht mit der absoluten Wahrheit decken? Wer mag es schon, wenn man seine Denk- und Lebensweise in Frage stellt? Letzten Endes kann man aber nur gewinnen, wenn man bereit ist, seine Maßstäbe mal gründlich unter die Lupe zu nehmen. Wenn sie nämlich übereinstimmen, dann bekommen wir umso mehr Gewissheit, wenn sie aber falsch sind, so können wir den Maßstab, nach welchem wir unser Leben ausgerichtet haben, korrigieren.

Nehmen wir als Beispiel mal die Vorgehensweise in der modernen Naturwissenschaft. Die Methodologie in dieser folgt zumeist derjenigen des sogenannten „wissenschaftlichen Realismus“. Diese Theorie geht davon aus, dass alles, was man beobachten kann, wahr sein muss. Mit Beobachten ist natürlich das ganze Spektrum von Sehen, Messen, Erforschen, etc. gemeint. Also nicht nur das Sehen mit dem Auge, sondern der gesamte Bereich des Feststellens. In sich geschlossen, ohne von extern irgendwelche Feststellungen zu nehmen, kann diese Theorie keinen Beweis dafür erbringen, dass sie sich auf dem Boden der absoluten Wahrheit befindet. Rein theoretisch gesehen könnte es auch sein, dass unser ganzes Leben, alles was wir tun und sehen und alle Gespräche mit anderen Menschen, und so weiter, unserer Einbildung entspringen oder uns von außen vorgegaukelt wird. Der wissenschaftliche Realismus ist ein geschlossenes System, ein Kreis ohne Anfang und ohne Ende, und das macht es unmöglich, diese Theorie zu beweisen. Sie kann nur auf die Erfahrung (dass es so funktioniert) und auf die Rationalität, also den Gebrauch des Verstandes, hinweisen. Ohne eine höhere Autorität anzuerkennen, die über dieser Theorie steht, ist sie unbeweisbar. Die Erfahrung eines Wissenschaftlers, der sich innerhalb dieses Kreises befindet, sowie der Gebrauch seines Verstandes, der sich ja ebenso darin befinden muss, kann und darf er deshalb nicht als Beweis heranziehen.

Was wir also brauchen, das ist ein festes, unerschütterliches Fundament dafür, dass

a. Wahrheit etwas ist, was es tatsächlich gibt,
b. Diese Wahrheit gefunden werden kann und
c. Der Mensch die Voraussetzungen hat, diese Wahrheit zu finden.

In Johannes 17, 17 sagt Jesus in Seinem Gebet: Dein Wort ist Wahrheit. Wenn wir also überzeugt sind, dass wir Gottes geschaffene Kreatur sind, und zwar nach Gottes Ebenbild als Persönlichkeiten mit der Fähigkeit zur Reflexion, dann sagt uns Gott weiter, dass Er uns die Wahrheit gegeben hat in Seinem Wort. Somit ist die Bibel als Gottes Wort die Wahrheit. Doch erst dann, wenn wir das erkannt haben, nämlich dass es so ist, haben wir erstens das Fundament für den Punkt a., nämlich dass es Wahrheit gibt und zweitens den Maßstab für diese Wahrheit. Wenn wir also die Lehre, dass wir von Gott als Persönlichkeiten geschaffen wurden, als wahr erkannt haben, so sollten wir uns nicht scheuen, auch den zweiten Teil, nämlich dass Gottes Wort der Maßstab für alle Wahrheit ist, als korrekt anzuerkennen. Dies erst gibt dem Menschen die echte Legitimation für wissenschaftliche Forschung. Da uns Gottes Wort in schriftlicher Form übergeben ist, steht auch der positiven Beantwortung des Punktes b. nichts mehr im Wege. Die Bibel als solche ist der Maßstab für alle wissenschaftliche Erkenntnis. Das hat natürlich Konsequenzen. Die Wissenschaft ist dadurch zum Ersten ethisch an bestimmte Richtlinien gebunden, die noch zu erörtern wären. Zum Zweiten muss sich alle Erkenntnis in ihrem Inhalt an der Gesamtheit der Bibel messen lassen. Auch dies muss an anderer Stelle noch genauer geklärt werden.

Welches sind denn nun die Voraussetzungen, um die Wahrheit zu finden? Die wichtigste Voraussetzung haben wir auch schon benannt, nämlich die Bereitschaft, alle neue Erkenntnis an Gottes Wort zu messen. Da Gott außerhalb des Raum-Zeit-Schemas steht, weiß Er zu jeder Zeit alle Wahrheit voll und ganz. Deshalb ist das Phänomen Prophetie möglich (Gott spricht im Voraus durch Menschen Dinge, die in Raum und Zeit erst später stattfinden werden). Genau so verhält es sich auch mit wissenschaftlichen Aussagen. Gott kennt alle Naturgesetze, alle Begebenheiten, alle Erfindungen, Entdeckungen und Erkenntnisse schon im Voraus. Die Bibel will als solche nicht ein wissenschaftlich aufgebautes systematisches Lehrbuch sein, aber ihre Aussagen widersprechen der wissenschaftlichen Wahrheit nie. Deshalb sind Theorien, die der Bibel entgegenstehen, zu verwerfen. Sie sind wie Kartenhäuser jedem Lufthauch ausgeliefert. Ich bin dem Herrn Jesus dankbar, dass Er Selbst eigenhändig dafür sorgt, dass die Naturgesetze in Kraft bleiben, solange diese Erde noch besteht (Kolosser 1, 16 – 17). Dafür gebührt Ihm alle Ehre. Denn Er ist es, dem wir es verdanken, dass wissenschaftliche Forschung überhaupt möglich ist. Und Er ist der Herr, auch unseres Verstandes!

Was ist Sünde?

In unserer Zeit ist es ganz unmodern, von Sünde zu sprechen. Im Kontext von Emerging Church ist dieser Begriff sogar mit einem Tabu belegt. Dennoch ist es, um die Bibel zu verstehen, äußerst wichtig, alles beim Namen zu nennen, was auch die Bibel beim Namen nennt.

In der Bibel kommen hauptsächlich das hebräische Wort chat’at und das griechische Wort hamartia vor. Es gibt noch andere Begriffe im Hebräischen, aber diese sind eher selten und bezeichnen das bewusste und klar gewollte Sündigen gegen Gott. Chat’at und hamartia bedeuten beide dasselbe, nämlich die Verfehlung eines gesetzten Zieles. Nun ist der Mensch immer zielgerichtet geschaffen, nämlich für das Ziel der Beziehung und Kommunikation mit Gott.

Wo diese Kommunikation unterbrochen wird, findet Zielverfehlung, sprich: Sünde, statt. Es geht bei der Sünde nicht so sehr um ein: „Du sollst“ / „du musst“ / „du darfst nicht“, sondern darum, dass die von Gott gewollte und geschaffene Kommunikation hinfällig wird. So ist auch falsche Kommunikation zwischen den Menschen (im Sinne von Missverständnissen, verbalem Terror oder schweigendem Zurückziehen) ein klares Zeichen von Gericht über den Menschen. Wenn nun die Kommunikation mit Gott abgebrochen ist, so entstehen Sünden. Diese lassen sich zunächst in verschiedene Gruppierungen einteilen:

-Ichbezogenheit. An dieser ersten Gattung der Sünde sieht man, wie sehr auch bei Kleinkindern bereits die Kommunikation mit Gott unterbrochen ist. Man spricht von Erbsünde, weil dies der Fall ist: Ohne den Glauben an den Herrn Jesus (wie der aussieht, ist eine andere Frage) kann niemand gerettet werden. Diese Ichbezogenheit sehen wir zunächst darin, dass sich im Leben eines Menschen alles nur um sich selbst dreht. Alles muss auf genau die bestimmte Art und Weise dieser Person gemacht werden, „sonst wird das nix“. Die Person sieht dabei sich selbst als das Maß aller Dinge. Oft ist alles schlecht, wenn es nicht mindestens eben so gut ist, wie wenn sie es gemacht hätte. Die Person drängt sich in allem vor, will zuerst bedient werden und wäre unter Umständen zu Betrug oder gar weit Schlimmerem fähig.

Dieser Ichbezogenheit begegnet der Herr Jesus frontal von vorne und dreht ihr Weltbild um: Ichbezogenheit muss durch Demut ersetzt werden. Demut bedeutet eigentlich Dienstmut und bezeichnet die innere Haltung eines Menschen, der bereit ist, sich selbst hinten anzustellen und dafür zuerst anderen zu dienen. Das beste Beispiel gab uns der Herr Jesus selbst: Zuerst wusch er seinen Jüngern die Füße (dieses war damals eine niedrige Sklavenarbeit), danach gab er sein ganzes eigenes Leben hin, um sie zu retten. Da sehen wir das beste Vorbild wahrer Demut.

-Selbstzerstörung. Viele Menschen wachsen heutzutage mit sehr starken seelischen Schwächen auf. Leider gibt es oft Eltern, die (zumeist unbewusst und ungewollt) ihren Kindern durch ihr Verhalten zeigen: Du bist mir gleichgültig. Oder: Dich habe ich nie gewollt. Diese und viele Festlegungen mehr kommen aus der Zeit, in der wir uns als kleine Kinder von den Eltern vernachläßigt fühlten. Es kann sein, dass die Eltern einfach sehr viel arbeiten müssen und dadurch wenig Zeit für die Kinder haben und noch weniger Möglichkeiten, um die Kinder in der Wohnung mithelfen zu lassen. Wir beginnen dann (auch unbewusst) danach zu suchen, wie wir unseren Eltern gefallen können. Irgendwann finden wir eine Art heraus, wie uns das möglich ist. Ab diesem Moment beginnt das große Theaterstück: Wir spielen diese Rolle, die am besten ankommt, die uns aber nicht entspricht. Das Leben geht weiter, unsere Rolle auch. Wir werden unzufrieden, weil wir wissen, dass unsere Rolle eine falsche ist und sehnen uns da hinaus. Aber die Gefallsucht und Gewohnheit sind so lange stärker, bis wir den biblischen Weg hinaus finden. Übrigens ist das die häufigste (ich möchte sogar behaupten, dass es ausnahmslos das Problem ist) Ursache für sogenannte AD(H)S-Kinder. Sie leiden unter dem Mangel an Liebe (die sich in investierter Zeit und Aufmerksamkeit zeigt) und entwickeln eine ziemlich unangenehme Methode, um diese zu erlangen.

Die Bibel sagt uns, dass Gott uns so gewollt und geschaffen hat, wie wir sind. Er nimmt uns so an, wie wir sind, mit all unseren Macken und Problemchen. Wenn wir nun eine solche Maske basteln, eine fremde Rolle übernehmen, so lehnen wir die Art ab, wie Gott uns geschaffen hat. Zugleich machen wir uns selbst kaputt mit diesen falschen Festlegungen. Damit zerstören wir Gottes gute Schöpfung. Wir dürfen lernen, dass uns nicht die Aufmerksamkeit der Eltern oder anderer Menschen, sondern die Liebe Gottes, mit der Er uns geschaffen und mit eigenem Blut und Leben gerettet hat, so wertvoll macht. In vielen Fällen ist es sehr empfehlenswert, dies in einer guten Seelsorge zu lernen. Da geht vieles schneller und besser.

-Unglaube. Damit ist nicht der fehlende Glaube gemeint, sondern der falsche Glaube. Unglaube besteht darin, dass man trotz dem richtigen Bekenntnis Gott nicht ernst nimmt. Der Glaube ist ein treues Vertrauen, das nicht aufgibt, auch wenn die Situation völlig gegenteilig aussieht. Der Glaube glaubt Gott auch, dass Er weiß, was richtig und was falsch ist und auch die Macht und Möglichkeit hat, alles nach Seinem perfekten Plan auszuführen. Unglaube herrscht also auch überall da, wo wir der Heiligen Schrift in Gedanken, Worten und Taten nicht vertrauensvoll folgen, sondern unsere eigene Sicht der Dinge darüber stellen. Dann nämlich sagt unser Verhalten Gott eindeutig, dass man Ihn und Sein Wort nicht brauche, sondern besser wisse, was gerade gut und richtig sei. Wer sich so über Gottes Wort stellt und gegen die guten (perfekten) Gebote Gottes verstößt, zeigt damit, dass er einem falschen Glauben erlegen ist.

Hier hilft nur Buße tun und die Bereitschaft, sich ganz unter Gottes Wort zu stellen. Deshalb sollte unser Gebet in der Situation auch sein: „Herr, ich glaube! Hilf meinem Unglauben!“ (Natürlich im Sinne von: Hilf mir, meinen Unglauben zu besiegen). Und dann packen wir es an und befolgen Gottes Wort. Der Herr wird uns darin gerne beistehen.

-Stolz. Dies ist eigentlich eine Art Selbstzufriedenheit. Wer etwas Gutes getan und es mit gutem Ergebnis geschafft hat, sollte dies in erster Linie als ein Geschenk von Gott betrachten. Jeder Erfolg ist nichts anderes als die erfolgreiche Ausführung der guten Werke, die Gott im Voraus für uns vorbereitet hat (Eph. 2, 10). Insofern ist Stolz auf sich selbst immer fehl am Platz. Dankbarkeit wäre das bessere Teil in diesem Falle. Für alles und in jeder Situation dürfen und sollen wir Gott danken. Dies ist der pure Gegensatz und deshalb auch die biblische Lösung des Problems Stolz.

-Mangel an Gottesliebe. Gott ist die Liebe, Er ist gütig und barmherzig. Ihn sollen wir lieben um Seiner selbst willen. Doch wie oft braucht es zuerst eine große sichtbare Tat Gottes in unserem Leben, damit wir uns überhaupt erst damit befassen, Gott zu lieben? Wir haben weiter oben gesehen, dass Liebe sich darin zeigt, wie sehr man sich mit jemandem befasst, Zeit verbringt, etc. Gottes Liebe zu uns zeigt sich weiter noch darin, dass Er für uns am Kreuz gestorben ist und damit unsere Schuld bezahlt hat. Diese absolute Selbsthingabe Gottes ist der größte Liebesbeweis. Uns Menschen wird dies wohl kaum jemals gelingen, Gott so sehr mit völliger Selbsthingabe zu lieben, so lange wir hier auf Erden leben. Deshalb haben wir auch jeden Tag Grund genug, um Buße zu tun über unsere Sünden. Jeder Moment, in dem wir nicht von ganzem Herzen für Gott leben, ist ein verschwendeter Moment.