4. Frage im Westminster Katechismus

4. Frage: Was ist Gott?
4. Antwort: Gott ist Geist7, unendlich8, ewig9 und unveränderbar10in Seinem Sein11, in Weisheit12, Kraft13, Heiligkeit14, Gerechtigkeit15, Güte16und Wahrheit17.
Bibelstellen dazu:
7 5. Mose 4, 15 – 19: So bewahrt nun eure Seelen wohl, weil ihr keinerlei Gestalt gesehen habt an dem Tag, als der Herr aus dem Feuer heraus mit euch redete auf dem Berg Horeb, damit ihr nicht verderblich handelt und euch ein Bildnis macht in der Gestalt irgend eines Götzenbildes, das Abbild eines männlichen oder weiblichen Wesens, das Abbild irgend eines Tieres, das auf Erden ist, das Abbild irgend eines Vogels, der am Himmel fliegt, das Abbild irgend eines Wesens, das auf dem Erdboden kriecht, das Abbild irgend eines Fisches, der im Wasser ist, tiefer als die Erdoberfläche; daß du deine Augen auch nicht zum Himmel hebst und die Sonne und den Mond und die Sterne und das ganze Heer des Himmels anschaust und dich verführen läßt, sie anzubeten und ihnen zu dienen, die doch der Herr, dein Gott, allen Völkern unter dem ganzen Himmel zugeteilt hat. Lukas 24, 39: Seht an meinen Händen und meinen Füßen, daß ich es bin! Rührt mich an und schaut, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, daß ich es habe! Johannes 1, 18: Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluß [über ihn] gegeben. Johannes 4, 24:Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Apostelgeschichte 17, 29:Da wir nun von göttlichem Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, die Gottheit sei dem Gold oder Silber oder Stein gleich, einem Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.
8 1. Könige 8, 27: Aber wohnt Gott wirklich auf der Erde? Siehe, die Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es denn dieses Haus tun, das ich gebaut habe! Psalm 139, 7 – 10: Wo sollte ich hingehen vor deinem Geist, und wo sollte ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Stiege ich hinauf zum Himmel, so bist du da; machte ich das Totenreich zu meinem Lager, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und ließe mich nieder am äußersten Ende des Meeres, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten! Psalm 145, 3: Groß ist der Herr und hoch zu loben, ja, seine Größe ist unerforschlich. Psalm 147, 5: Groß ist unser Herr und reich an Macht; sein Verstand ist unermeßlich. Jeremia 23, 24:Oder kann sich jemand so heimlich verbergen, daß ich ihn nicht sehe? spricht der Herr. Erfülle ich nicht den Himmel und die Erde? spricht der Herr. Römer 11, 33 – 36: O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß es ihm wieder vergolten werde? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.
9 5. Mose 33, 27: Eine Zuflucht ist [dir] der Gott der Urzeit, und unter dir sind ewige Arme. Er hat den Feind vor dir her gejagt und zu dir gesagt: Vertilge!« Psalm 90, 2: Ehe die Berge wurden und du die Erde und den Erdkreis hervorbrachtest, ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott! Psalm 102, 12 und 24 – 27: Meine Tage sind wie ein langgestreckter Schatten, und ich verdorre wie Gras. […] Er hat meine Kraft gebeugt auf dem Weg, hat verkürzt meine Tage. Ich spreche: Mein Gott, nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen von Geschlecht zu Geschlecht. Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk deiner Hände. Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, wie ein Gewand wirst du sie wechseln, und sie werden verschwinden. Offenbarung 1, 4 und 8:Johannes an die sieben Gemeinden, die in Asia sind: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind […] Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht der Herr, der ist und der war und der kommt, der Allmächtige.
10 Psalm 33, 11: Der Ratschluß des Herrn bleibt ewig bestehen, die Gedanken seines Herzens von Geschlecht zu Geschlecht. Maleachi 3, 6: Denn ich, der Herr, verändere mich nicht; deshalb seid ihr, die Kinder Jakobs, nicht zugrundegegangen. Hebräer 1, 12: und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, und sie sollen ausgewechselt werden. Du aber bleibst derselbe, und deine Jahre nehmen kein Ende.« Hebräer 6, 17 – 18: Darum hat Gott, als er den Erben der Verheißung in noch stärkerem Maße beweisen wollte, wie unabänderlich sein Ratschluß ist, sich mit einem Eid verbürgt, damit wir durch zwei unabänderliche Handlungen, in denen Gott unmöglich lügen konnte, eine starke Ermutigung haben, wir, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die dargebotene Hoffnung zu ergreifen. Hebräer 13, 8: Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit! Jakobus 1, 17: Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch ein Schatten infolge von Wechsel.
11 2. Mose 3, 14: Gott sprach zu Mose: »Ich bin, der ich bin!« Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: »Ich bin«, der hat mich zu euch gesandt. Psalm 115, 2 – 3: Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. 1. Timotheus 1, 17: Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen. 1. Timotheus 6, 13 – 16: Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christus Jesus, der unter Pontius Pilatus bezeugt hat das gute Bekenntnis, dass du das Gebot unbefleckt, untadelig haltest bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus, welche uns zeigen wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.
12 Psalm 104, 24: HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Römer 11, 33 – 34: O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13) Hebräer 4, 13: Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen. 1. Johannes 3, 19 – 20: Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm damit zum Schweigen bringen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.
13 1. Mose 17, 1: Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm. Psalm 62, 11: Verlasst euch nicht auf Gewalt und setzt auf Raub nicht eitle Hoffnung; fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran. Jeremia 32, 17: Ach, Herr HERR, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgereckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich Matthäus 19, 26: Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist’s unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Offenbarung 1, 8: Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.
14 Hebräer 1, 13: Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt (Psalm 110,1): »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache«? 1. Petrus 1, 14 – 16: Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet; sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben (3.Mose 19,2): »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.« 1. Johannes 3, 3 – 5:Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist. Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht. Und ihr wisst, dass er erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme, und in ihm ist keine Sünde. Offenbarung 15, 4: Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.
15 1. Mose 18, 25: Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, sodass der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten? 2. Mose 34, 6 – 7:Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied! 5. Mose 32, 4: Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er. Psalm 96, 13: Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; es sollen jauchzen alle Bäume im Walde vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit. Römer 3, 5 – 6 und 25 – 26:Ist’s aber so, dass unsre Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit ins Licht stellt, was sollen wir sagen? Ist Gott dann nicht ungerecht, wenn er zürnt? – Ich rede nach Menschenweise. – Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? […] Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.
16 Psalm 103, 5: der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. Psalm 107, 8: “Die sollen dem Herrn danken für seine Güte / und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,” Matthäus 19, 7 – 8: Da fragten sie: Warum hat dann Mose geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sich von ihr zu scheiden? Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, eures Herzens Härte wegen; von Anfang an aber ist’s nicht so gewesen. Römer 2, 4: Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?
17 2. Mose 34, 6: Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue 5. Mose 32, 4: Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er. Psalm 86, 15: Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue. Psalm 117, 2: Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja! Hebräer 6, 18: So sollten wir durch zwei Zusagen, die nicht wanken – denn es ist unmöglich, dass Gott lügt -, einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung.

3. Frage im Westminster Katechismus

3. Frage: Was lehren die Schriften im Wesentlichen?
3. Antwort: Die Schriften lehren im Wesentlichen, was der Mensch von Gott glauben soll5 und welche Pflichten Gott vom Menschen fordert6.
Bibelstellen dazu:
5 1. Mose 1, 1: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Johannes 5, 39: Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben. Johannes 20, 30 – 31: Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. Römer 10, 17: Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort. 2. Timotheus 3, 14 – 15: Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewißheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.
6 5. Mose 10, 12 – 13: Und nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir, als nur, daß du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, daß du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem Herrn, deinem Gott, dienst mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, indem du die Gebote des Herrn und seine Satzungen hältst, die ich dir heute gebiete, zum Besten für dich selbst? Josua 1, 8: Laß dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln! Psalm 119, 105: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Micha 6, 8: Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott? 2. Timotheus 3, 16 – 17: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet. 

2. Frage im Westminster Katechismus

(Heute geht es um unsere Quelle der Erkenntnis, also woher wir wissen können, was wir zur Ausführung der Frage 1 benötigen.)
2. Frage: Welche Regel hat uns Gott gegeben, um uns darin zu leiten, Ihn zu verherrlichen und uns an Ihm zu erfreuen?
2. Antwort: Das Wort Gottes, das aus den Schriften des Alten und Neuen Testaments besteht3, ist die einzige Regel, die uns darin leitet, wie wir Ihn verherrlichen uns an Ihm erfreuen können4.
Bibelstellen dazu:
3 Matthäus 19, 4 – 5: Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer sie am Anfang als Mann und Frau erschuf und sprach: »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen; und die zwei werden ein Fleisch sein«? 1. Mose 2, 24: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein. Lukas 24, 27 und 44: Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht. […] Er aber sagte ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was im Gesetz Moses und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben steht. 1. Korinther 2, 12 – 13: Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, so daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist; und davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches geistlich erklären. 1. Korinther 14, 37: Wenn jemand glaubt, ein Prophet zu sein oder geistlich, der erkenne, daß die Dinge, die ich euch schreibe, Gebote des Herrn sind. 2. Petrus 1, 20 – 21: Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. 2. Petrus 3, 1 – 2 und 15 – 16: Geliebte, dies ist nun schon der zweite Brief, den ich euch schreibe, um durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufzuwecken, damit ihr an die Worte gedenkt, die von den heiligen Propheten vorausgesagt worden sind, und dessen, was euch der Herr und Retter durch uns, die Apostel, aufgetragen hat. […] Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften3, zu ihrem eigenen Verderben.
4 5. Mose 4, 2: Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des Herrn, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete. Psalm 19, 7 – 11: Denn wo ist ein so großes Volk, zu dem sich die Götter so nahen, wie der Herr, unser Gott, es tut, so oft wir ihn anrufen? Und wo ist ein so großes Volk, das so gerechte Satzungen und Rechtsbestimmungen hätte, wie dieses ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege? Nur hüte dich und bewahre deine Seele wohl, daß du die Geschehnisse nicht vergißt, die deine Augen gesehen haben, und daß sie nicht aus deinem Herzen weichen alle Tage deines Lebens; sondern du sollst sie deinen Kindern und Kindeskindern verkünden! An dem Tag, als du vor dem Herrn, deinem Gott, standest am [Berg] Horeb, als der Herr zu mir sprach: »Versammle mir das Volk, damit ich sie meine Worte hören lasse, und damit sie mich fürchten lernen alle Tage ihres Lebens auf Erden, und damit sie auch ihre Kinder unterweisen!«, da tratet ihr herzu und standet unten am Berg. Aber der Berg brannte im Feuer bis ins Innerste des Himmels hinein, [der voller] Finsternis, Wolken und Dunkel [war]. Jesaja 8, 20:»Zum Gesetz und zum Zeugnis!« — wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot. Johannes 15, 11: Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude völlig werde. Johannes 20, 30 – 31: Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. Apostelgeschichte 17, 11:Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte. 2. Timotheus 3, 15 – 17:und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben11 und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet. 1. Johannes 1, 4: Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.

1. Frage im Westminster Katechismus

(Der Westminster Katechismus ist ein Hilfsmittel, um die Lehre der Bibel besser kennenlernen zu können. Es sind 107 Fragen und kurze, leicht einzuprägende Antworten, die jeweils mit zahlreichen Bibelstellen begründet werden)

Der kürzere Westminster Katechismus – Frage 1

1. Frage: Was ist das höchste Ziel des Menschen?
1. Antwort: Das höchste Ziel des Menschen ist es, Gott zu verherrlichen1 und sich für immer an Ihm zu erfreuen2.
Bibelstellen dazu:
1 Psalm 86: Ein Gebet Davids. Neige dein Ohr, o Herr, und erhöre mich, denn ich bin elend und arm; bewahre meine Seele, denn ich bin dir zugetan; hilf du, mein Gott, deinem Knecht, der sich auf dich verläßt! Sei mir gnädig, o Herr; denn zu dir rufe ich allezeit! Erfreue die Seele deines Knechtes; denn zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele! Denn du, Herr, bist gut und vergibst gern; und du bist reich an Gnade für alle, die dich anrufen. Vernimm, o Herr, mein Gebet, und achte auf die Stimme meines Flehens! Am Tag meiner Not rufe ich dich an, denn du erhörst mich. Dir, Herr, ist keiner gleich unter den Göttern, und nichts gleicht deinen Werken! Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, o Herr, und deinem Namen Ehre geben; denn du bist groß und tust Wunder, du bist Gott, du allein! Weise mir, Herr, deinen Weg, damit ich wandle in deiner Wahrheit; richte mein Herz auf das Eine, daß ich deinen Namen fürchte! Ich will dich preisen, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen, und deinem Namen Ehre erweisen auf ewig. Denn deine Gnade ist groß über mir, und du hast meine Seele errettet aus der Tiefe des Totenreichs. O Gott, es sind Vermessene gegen mich aufgestanden, und eine Rotte von Gewalttätigen trachtet mir nach dem Leben; sie haben dich nicht vor Augen. Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue. Wende dich zu mir und sei mir gnädig! Verleihe deinem Knecht deine Stärke, und hilf dem Sohn deiner Magd! Tue an mir ein Zeichen zum Guten, damit meine Hasser es zu ihrer Beschämung sehen, daß du, Herr, mir geholfen und mich getröstet hast. Jesaja 60, 21: Und dein Volk wird aus lauter Gerechten bestehen und das Land auf ewig besitzen, als Schößling meiner Pflanzung, ein Werk meiner Hände, mir zum Ruhm. Römer 11, 36:Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen. 1. Korinther 6, 20: Denn ihr seid teuer erkauft; darum verherrlicht Gott in eurem Leib und in eurem Geist, die Gott gehören! 1. Korinther 10, 31: Ob ihr nun eßt oder trinkt oder sonst etwas tut — tut alles zur Ehre Gottes! Offenbarung 4, 11: Würdig bist du, o Herr, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen!
2 Psalm 16, 5 – 11: Der Herr ist mein Erbteil und das [Teil] meines Bechers; du sicherst mir mein Los. Die Meßschnüre sind mir in einer lieblichen Gegend gefallen, ja, mir wurde ein schönes Erbe zuteil. Ich lobe den Herrn, der mir Rat gegeben hat; auch in der Nacht mahnt mich mein Inneres. Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. Darum freut sich mein Herz, und meine Seele frohlockt; auch mein Fleisch wird sicher ruhen, denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und wirst nicht zulassen, daß dein Getreuer die Verwesung sieht. Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich! Psalm 144, 15:Wohl dem Volk, dem es so ergeht; wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist! Jesaja 12, 2: Siehe, Gott ist mein Heil; ich will vertrauen und lasse mir nicht grauen; denn Jah, der Herr, ist meine Kraft und mein Lied, und er wurde mir zur Rettung! Lukas 2, 10:Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. Philipper 4, 4: Freut euch im Herrn allezeit; abermals sage ich: Freut euch! Offenbarung 21, 3 – 4: Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Ökumene oder Einheit des Geistes?

Unter dem Schlagwort „Lehre trennt, Liebe eint“ wird heutzutage sehr oft eine unbiblische, geistlose Ökumene propagiert. Das eigentliche Problem ist dabei jedoch nicht, dass Gemeinden und Kirchen der verschiedenen Denominationen zusammenarbeiten. Das Problem liegt ganz woanders: Diese Lehre von der Ökumene erwartet in dieser Zusammenarbeit das Heil für die ganze Christenheit. Es ist eine moderne Art von Messias-Erwartung, einzig mit dem Unterschied, dass das moderne Heil nicht von Jesus Christus ausgeht, sondern von den Menschen. Sehr oft wird das auch mit dem Gebet um das Kommen des Reiches Gottes „wie im Himmel so auf Erden“ begründet. Man will das Gottesreich auf pastorale, psychologische und marktwirtschaftliche Weise herbeiholen. Nun könnte man natürlich auch fragen, weshalb dies denn falsch sei. Die Antwort darauf ist recht einfach, Jesus gab sie in Joh. 18, 36: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Das heißt: Es kann nicht mit den weltlichen Methoden hergestellt werden. Es gibt viele Werkzeuge, die uns dabei unterstützen können, weltliche Werkzeuge. Aber das Reich Gottes wird nur auf übernatürliche Weise gebaut. Jedes Werkzeug sollte auch gut durchdacht werden, bevor man es einsetzt. Hier gilt: Vieles kann gut sein, aber nicht in jedem Fall. Ein Beispiel: Wenn der größte Teil der Gemeinde am Liederbuch hängt, macht es relativ wenig Sinn, auf den Beamer umzusteigen. Sowohl das Liederbuch, als auch der Beamer sind beides weltliche Hilfsmittel, Werkzeuge, die gute Dienste leisten können. Je nachdem, wann und wie sie eingesetzt werden. Doch all diese Tools müssen gezielt überlegt genutzt werden, und: Sie haben direkt nichts mit dem Ausbreiten des Reiches Gottes zu tun.

1. Gottes Reich wird ausgebreitet durch das Evangelium

Das scheint mir der erste und wichtigste Punkt zu sein. Wir müssen bedenken: Das Evangelium ist Lehre, es ist da, um gehört zu werden, so wie Paulus im Römerbrief 10, 17 schreibt: „Der Glaube kommt aus dem Hören (der Verkündigung), das Hören der Verkündigung aber aus dem Wort Christi.“ Ohne das verkündigte Evangelium gibt es keinen Glauben. Zumindest hat Gott auf keine andere Art und Weise versprochen, auch nur irgend eine Form des echten Glaubens zu schaffen, als eben durch die Verkündigung Seines Wortes. Dass es auch andere Einzelfälle gibt, ist korrekt, aber wer immer hier auf Erden aktiv Gottes Reich bauen möchte, muss dies durch die Verkündigung des Evangeliums tun. Und weil das Evangelium die Liebe unseres Gottes bezeugt, der wegen unserer Sünde gelitten hat, gekreuzigt wurde und für unser Leben mit Ihm auferstand, darf diese einzig seligmachende Lehre weder verwässert noch aufgegeben werden. Es ist uns verboten, irgend einen anderen Mittelpunkt zu wählen als den, welchen Gott uns gesetzt hat. Wir dürfen weder den Menschen mit seinen Problemen, noch die Ungerechtigkeit dieser Welt, noch die Ökumene oder irgend etwas Anderes an diese Stelle setzen. Gott hat uns das Evangelium gegeben, um das Reich Gottes auszubreiten. Alles andere widerspricht dem Auftrag an uns.

2. Gottes Reich wird ausgebreitet durch die Gemeinden

Die Ortsgemeinde ist der Platz, an dem das Evangelium gepredigt werden soll. Dadurch werden Menschen in den Glauben gerufen, im Glauben gestärkt und dazu ausgerüstet, selbst auch zum Botschafter dieses wunderbaren Evangeliums zu werden. Dies geschieht durch Wort und Tat am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Nachbarschaft, beim Einkaufen, überall sind Menschen, denen man das Evangelium vorleben und sie in die Gemeinde einladen kann. Es ist auch gut, dass es verschiedene Gemeinden und Denominationen gibt. So fühlen sich nicht alle in derselben Gemeindeform wohl. Das ist auch nicht schlimm. Es kann uns zwar zu denken geben über unseren Gemeindestil, aber solange jemand überhaupt in eine Gemeinde geht, in welcher das Evangelium gepredigt und gelebt wird, ist das gut. Hier sieht man einmal mehr, dass Lehre eben nicht trennt, sondern eint. Somit ist das Schlagwort völlig deplatziert, wenn es um die Einheit der Gläubigen geht. Die gemeinsame Lehre eint die Gemeinden automatisch, egal welchen Denominationen sie angehören. Der Apostel Paulus schreibt schon bezüglich der Einheit des Geistes in Epheser 4, 4 – 6: „ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“ Damit nennt er alle Elemente, welche die Gemeinden zu einer Einheit machen: Es ist ein weltweiter Leib, die unsichtbare Gemeinde aller wahrhaft Gläubigen, und ein und derselbe Heilige Geist, der alle Gläubigen verbindet. Eine Hoffnung, die wir alle gemeinsam haben, nämlich die Hoffnung auf das ewige Leben mit Gott in Gemeinschaft aller Gläubigen aller Zeiten. Alle haben wir einen Herrn, den Herrn Jesus, dem wir alle gemeinsam unterstellt sind. Es gibt nur eine Taufe, nämlich die Taufe zur Buße auf den Glauben, dieser werden alle Gläubigen teilhaftig. Und wir alle glauben an den einen Gott und Vater aller Gläubigen.

Es ist nun klar, dass damit auch eine gewisse Trennung vorhanden ist. Moslems können nicht von Allah als ihrem Vater sprechen. Wer nicht den Glauben an den Herrn Jesus teilt, schließt sich automatisch selbst von dieser Gemeinschaft aus. Insofern trennt die Lehre schon, denn sie ruft nicht „Friede, Friede“, wo kein Friede ist (Hes. 13, 10 u. a.). Es ist auch wichtig, niemandem etwas Falsches vorzumachen, indem man dort einen Frieden predigt, wo gar keiner ist. Denn damit macht man sich am Anderen schuldig, statt ihm die Chance zu echter Umkehr und wahrem Leben aus dem Herrn Jesus zu geben.

3. Unsere Gemeinden brauchen Lehre – dringender denn je zuvor

Nachdem man die Lehre längere Zeit vernachlässigt hat, sind Generationen von Menschen herangewachsen, die keine Ahnung mehr haben, was sie glauben (sollen) und was nicht. Die Menschen sehnen sich nach dem stärkenden frischen „Gras“ der Weide und lechzen nach allem, was diesen Anschein macht. Viele Bücher mit schwerwiegenden Irrlehren, die das Evangelium untergraben versuchen, werden gerade deshalb bereit und willig aufgenommen, weil sie so viel mehr nach Lehre und Sicherheit klingen, als all das, was ihnen Woche für Woche von den Kanzeln entgegen schallt. Sollte uns das nicht zu denken geben? Ich meine, ja, das sollte es. Dies sagt uns nämlich einiges über unsere eigene Gemeindelehre aus. Wer gesättigt ist, braucht nicht Ausschau halten nach fremden Wiesen und fremden Hirten. Ganz besonders sollte auch der biblische Unterricht und die Kinderlehre, Sonntagsschule, etc. überdacht werden. In der Zeit von ca. 6 – 12 Jahren wird ein Kind am stärksten geprägt. Gewohnheiten, die es sich in jener Zeit antrainiert, sind nur sehr schwer später wieder loszubekommen. Deshalb sollten Sonntagsschullehrer, Religionslehrer an der Grundschule, aber auch Eltern ganz besonders unterstützt und in ihrem Glauben gestärkt werden. Und sie alle sollten ein Auge für die biblische Lehre erhalten und lernen, wie sie auf kindgerechte Art und Weise den Kindern die wichtigen Lehren der Schrift beibringen können.

Was ist biblische Theologie?

Zunächst muss geklärt werden, was Theologie an sich überhaupt ist. Das Wort setzt sich zusammen aus Theos (griech. Wort für „Gott“) und Logie bzw. Logia (griech. Wort für „Lehre“ oder „Rede“). Es ist somit kurz gesagt die Lehre von Gott. Nun ist es so, dass also jeder Mensch, der über Gott spricht, eine bestimmte Vorstellung von Gott hat. Diese Vorstellung kann entweder korrekt (wahr) sein oder falsch (unwahr) sein. Wir alle haben also eine solche Vorstellung und damit zugleich auch automatisch eine bestimmte Theologie. Nun ist es für jede und jeden Gläubigen notwendig, das eigene theologische System immer wieder zu überprüfen, um zu sehen, ob es vor dem, was Gottes Wort nun tatsächlich lehrt, standhalten kann. Einerseits tun wir das jedes Mal, wenn wir in der Bibel lesen. Wir stoßen dabei hin und wieder auf einzelne Aussagen, die uns irritieren, weil sie in unser bisheriges System nicht reinpassen. Dann tun wir automatisch eines von zwei logischen Verhaltensweisen: Entweder wir suchen eine Erklärung, weshalb das nicht so sein kann und behalten unser bisheriges System bei, anders gesagt: Wir versuchen, das Irritierende weg zu erklären. Oder wir sind bereit, unser System modifizieren zu lassen. Ein Beispiel für das Wegerklären wäre, dass man einen Befehl aus dem Neuen Testament an die Gläubigen als rein kulturell erklärt und damit aus dem System verschwinden lässt. Beliebt ist diese Variante bei Aussagen, die man heutzutage als diskriminierend gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen betrachtet, sei es wegen des Geschlechts oder der sexuellen Ausrichtung, oder aus sonstigen Gründen. Sehr oft werden solche als negativ empfundenen Aussagen einfach als Produkte der damaligen Zeit verstanden, und somit für die heutige Zeit für ungültig erklärt.

Wenn wir nun von der „Biblischen“ Theologie sprechen, so sind damit zwei verschiedene Aspekte zugleich angedacht:

Erstens ist es eine Theologie der gesamten Bibel, es wird die Aussage sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments ernst genommen. Dies ist notwendig im Blick auf die Tatsache, dass die beiden Testamente eine unzertrennliche Einheit bilden. So soll diese Einheit der beiden Testamente nicht nur theoretisch besprochen werden, sondern auch in praktischer Erarbeitung ihren Ausdruck finden. Diese Einheit kann letztendlich kaum genügend betont werden. Maleachi und Matthäus gehören in derselben Weise zusammen wie Jesaja und Jeremia oder der Jakobus- und der Hebräerbrief.

Zweitens rückt damit aber auch eine ganz andere Tatsache ins Zentrum der Überlegungen: Obgleich der Heilige Geist für die Niederschrift der einzelnen Bücher die Autoren inspiriert hat, so ist damit die Persönlichkeit der einzelnen Autoren nicht ausgeschaltet. So kommt es, dass im Urtext dasselbe Wort oder gar dieselbe Folge von Worten eine unterschiedliche Bedeutung bekommen kann und zuweilen auch unterschiedliche Begriffe für dieselbe Bedeutung stehen können. Dies ist davon abhängig, wie sich ein Wort im Laufe der Geschichte (im Laufe der Zeit) verändert hat und welcher biblische Autor es gebraucht.

Bereits der eigentliche Begründer der Biblischen Theologie, Johann Philipp Gabler, hatte dies in seiner berühmten Antrittsrede festgehalten:

Unter diesen Umständen müssen wir, wenn wir nicht erfolglos arbeiten wollen, die einzelnen Perioden der alten und der neuen Religion, die einzelnen Autoren und schließlich die einzelnen Redeformen, die jeder nach Zeit und Ort gebraucht hat, trennen; ob es das historische, didaktische oder poetische Genus ist.“ (Joh. Ph. Gabler in seiner 1787 gehaltenen Antrittsrede „Über die rechte Unterscheidung der biblischen und der dogmatischen Theologie“ in Strecker, Georg, Das Problem der Theologie des Neuen Testaments, S. 38)

Gabler hat mit dieser Ansprache die eigentliche Biblische Theologie begründet. Ihm geht es darum, dass die jeweilige Theologie des einzelnen Buches bzw. Autors mitberücksichtigt wird, bevor man aus der ganzen Schrift die Systematische Theologie (Dogmatik) baut. Dieses Anliegen ist durchaus legitim, wenngleich man sich von manchen von ihm propagierten historisch-kritischen Methoden distanzieren muss. So ist zum Beispiel Gablers Unterscheidung zwischen „der alten und der neuen Religion“ (Judentum und Christlicher Glaube) in diesem Sinne in Frage zu stellen.

Was man jedoch durchaus von Gabler übernehmen kann, ist die Erkenntnis, dass einerseits jeder Autor und jede Zeit bestimmte sprachliche Eigenarten besitzt, und andererseits dass jeder Text in einem bestimmten Umfeld entstanden ist und zunächst an dieses Umfeld und seine Zeit gesprochen, bzw. geschrieben wurde. Außerdem hat jeder Text eine bestimmte, ihm eigene Gattung, die ganz bewusst so gewählt wurde, und jede Gattung unterliegt bestimmten Regeln des Auslegens. Diese Regeln der Auslegung nennt man „Hermeneutik“, was so viel wie „Auslegung“ oder „Übersetzung“ bedeutet.

So ist die Weisheit des Sprüche-Buches einfach universal und zeitlos gültig, man kann sie lesen, umsetzen und bemerken, dass es einfach „funktioniert“, weil sie wahr ist. Dann gibt es aber auch Prophetien und Gebote an das Volk Israel, die man nicht eins zu eins auf die Gemeinde übertragen kann, sondern zunächst fragen muss, ob sie in Jesus Christus bereits erfüllt wurden. Dann gibt es aber auch Briefe im Neuen Testament, die an eine bestimmte Gemeinde mit einem ganz bestimmten inneren Problem gerichtet sind. Dort gilt es zunächst, diese innere Problematik zu erfassen und dann erst auf die heutige Zeit anzuwenden. Dies ist zum Beispiel ein Thema, mit welchem sich die Biblische Theologie befasst.

So soll die Biblische Theologie auf der einen Seite als eigenständige Wissenschaft die Bibel und ihre Texte nach den Hauptthemen und theologischen Schwerpunkten befragen, und zwar in Bezug auf die jeweilige heilsgeschichtliche Zeit, den einzelnen Autoren und die Textgattung und damit die verschiedenen „Theologien“ der Autoren herausarbeiten. Zugleich sollen ihre Ergebnisse der Dogmatik (systematische Darlegung von allen wichtigen Themen der Bibel) als Grundlage dienen, indem die Biblische Theologie zur Hilfswissenschaft der Dogmatik wird.

Ihrerseits hat die Biblische Theologie die Philologie (Sprachwissenschaft), die Archäologie, die Einleitungswissenschaft und die vergleichende Religionswissenschaft zur Seite stehen: Die Philologie hat als Aufgabe, den Sinn eines bestimmten Wortes in einer bestimmten Situation einer Fremdsprache festzustellen und dies in Form von Wörterbüchern und Grammatiken zu veröffentlichen. Die Archäologie sorgt mit ihren Ausgrabungen und der Identifizierung der ausgegrabenen Materialien für eine geschichtliche Einordnung sowie das Finden von Beweismaterialien für die Existenz historischer Personen und Situationen.

Die Einleitungswissenschaft untersucht den Text eines bestimmten biblischen Buches auf Hinweise auf den Verfasser, die Abfassungszeit, Ziele der Abfassung und manches mehr. Sie ist von höchster Bedeutung für die Biblische Theologie. Wer zum Beispiel mit den meisten historisch-kritisch arbeitenden Theologen annimmt, der Pentateuch sei mehrere Male ergänzt und erweitert worden, müsste dann für jeden weiteren Schritt der Veränderung eine eigene „Theologie“ finden. So arbeitete zum Beispel Gerhard von Rad in seiner „Theologie des Alten Testaments“, in welcher er vom in seinen Kreisen üblichen EJPD-Schema (insgesamt vier größere Überarbeitungen und Erweiterungen des Werks, das wir als die „Fünf Bücher Moses“ kennen) ausgeht.

Die vergleichende Religionswissenschaft untersucht die schriftlichen Quellen der verschiedenen Religionen und fragt nach einem Ursprung und einer sichtbaren Entwicklung der Religionen, in unserem Fall insbesondere der frühen Religionen des Vorderen Orients. Für Gerhard von Rad ist gerade die Religionsgeschichte ein wichtiger Bestandteil der Forschungen, deshalb beginnt er seinen ersten Band der „Theologie des Alten Testaments“ mit einem Kapitel über den „Abriß einer Geschichte des Jahweglaubens“.

Religionsgeschichtlich zu arbeiten bedeutet für uns, dass man die Heilsgeschichte als roten Faden quer durch die ganze Bibel hindurch betrachtet und deshalb die Heilsgeschichte als Ausgangspunkt und Aufbau der Biblischen Theologie wählt. Dieser Ansatz ist sehr hilfreich. Ein anderer Ansatz betrachtet die hebräische Bibel als Ganzes als eine Gesamtkomposition und fragt sich zunächst, weshalb welches Buch genau an dem Platz ist, wo es ist und nicht woanders. Dies ist der kanonische Ansatz, weil für ihn der biblische Kanon als Ausgangspunkt gewählt ist. Der dritte verbreitete Ansatz ist der sogenannt „dogmatische“ Ansatz. Meist geht er von einem bestimmten Schlagwort aus, das für den Autor das Zentrum der Bibel ist. Das wäre zum Beispiel bei Walther Eichrodt das Thema „Bund Gottes mit dem Volk“. Ausgehend von diesem Hauptthema wird nun jedes Buch einzeln untersucht und mit diesem Thema (oder teilweise auch mehreren Themen) als Zentrum genau beleuchtet.

Jeder der drei Ansätze hat natürlich seine Vor- und Nachteile, und meines Erachtens greift jeder Ansatz für sich allein zu kurz. Es braucht eine gesamte Sicht, die versucht, das Beste aus allen drei Ansätzen herauszukristallisieren. Das ist eine total spannende Sache und man lernt dabei die Bibel und ihre Botschaft noch viel mehr zu lieben. Mir zumindest geht es dabei so. Deshalb möchte ich hier hin und wieder einzelne Beiträge online stellen, die das noch weiter ausführen.

Haben wir das Evangelium verstanden?

Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen, als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten. (1. Korinther 2, 2)

Eins mal vorweg: Ich glaube nicht, dass es uns Menschen, solange wir hier auf der Erde leben, möglich ist, das Evangelium wirklich in seiner ganzen Tiefe zu verstehen. Wir können uns dieser Erkenntnis nur schrittweise annähern, indem wir uns immer und immer wieder damit befassen. Gerade deshalb, weil wir es nur dann immer besser verstehen lernen, wenn wir uns immer wieder mit dieser großartigen Botschaft beschäftigen, ist es die Aufgabe eines Predigers und Bibellehrers, immer wieder davon zu sprechen. Genau das machte Paulus in Korinth. Es handelte sich nicht um eine Gemeinde von Neubekehrten, vielmehr lobte Paulus sie zuvor ja, dass in ihrer Gemeinde alle Geistesgaben vorhanden waren und gelebt werden. Trotzdem machte Paulus sie darauf aufmerksam, dass er unter ihnen in Korinth von nichts anderem reden wollte, als von dieser einen Botschaft. Einer der größten und am weitesten verbreiteten Fehler in unseren heutigen Gemeinden ist es, dass man denkt, das Evangelium sei etwas für Ungläubige und frisch Bekehrte, diejenigen aber, die im Glauben gewachsen seien, brauchten es nicht mehr ständig zu hören, sondern könnten sich höheren Lehren zuwenden. Ich möchte hier einige Gründe anführen, weshalb dieses Denken falsch ist:

  1. Die Bibel kennt keine höhere Lehre als das Evangelium. Die Bibel beginnt mit dem Evangelium, nämlich damit, dass Gott den Menschen zu einem bestimmten Sinn und Zweck geschaffen hatte: Gottes Herrlichkeit als Sein Abbild und Repräsentant auf Erden zu widerspiegeln und in einer von der Liebe geprägten Beziehung mit Ihm zu leben. Sodann führt die Bibel aus, warum es zu einem totalen Bruch zwischen der gesamten Menschheit und Gott gekommen ist und dass seither niemand mehr aus eigener Kraft nach Gottes Willen leben kann. Dann führt die Bibel den ganzen Weg von Gottes Volk aus, das uns zum Vorbild dienen kann und erfährt ihren Höhepunkt im Leiden, Sterben und Auferstehen Christi, woraufhin auch einige Infos über die Zukunft der Welt, der Menschen, die mit und derer, die ohne Gott gelebt haben. Die Bibel ist von A bis Z Evangelium und nichts anderes. Wenn wir also lernen wollen, was die Bibel sagt, so müssen wir uns immer mit dem Evangelium auseinandersetzen.

  1. Das Evangelium ist die Kraft, durch die wir Christus ähnlicher werden. Seit dem Sündenfall der Menschheit ist das Abbild Gottes in uns zerstört und soll wiederhergestellt werden. Doch wir merken immer wieder, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen, Jesus ähnlicher zu werden. Wir brauchen eine andere Kraft dazu, eine, die nicht aus uns selbst kommt. Das ist die Kraft des Evangeliums, die unser hartes Herz weich macht und es so verändert, wie Gott uns verändert haben möchte. Wenn wir uns intensiv mit dem befassen, was der Herr Jesus Christus auf Sich genommen hat, um uns zu retten, werden wir dadurch auch immer barmherziger anderen gegenüber, weil wir wissen, dass der Herr auch für viele von ihnen gestorben ist, damit sie das Leben haben. Es ist immer so, dass das, womit wir uns beschäftigen, unser Leben und Verhalten prägt.

  1. Das Evangelium zu kennen, hilft uns, mit anderen über den Glauben zu sprechen. Wir haben die Verantwortung nach 1. Petrus 3, 15, zu jeder Zeit bereit zu sein, Zeugen zu sein von dem, was unsere Hoffnung ist. Das heißt: Jeder Gläubige ist verantwortlich, das Evangelium (seine Hoffnung) so gut zu kennen, dass er es – zumindest wenn er gefragt wird – auch verständlich kommunizieren kann, so dass das Gegenüber es nachvollziehen kann. Das Evangelium ist nichts Abgehobenes oder sonst wie Unverständliches, sondern es kann sehr gut in Worte gekleidet und kommuniziert werden. Ich möchte es ein späteres Mal noch im Detail ausführen.

Bitte mache dir mal Gedanken darüber, wie du das Evangelium in einfache und klare Worte fassen würdest, wenn dich jemand danach fragt. Ich würde mich freuen, wenn du dies schriftlich festhalten und mir zusenden würdest. Vielen Dank und Gottes Segen!

Ein wahrlich weises Wort

Angesichts all der modernen Bibelkritik, die von allen Seiten auf die Bibel und auf uns “Fundamentalisten” einstürmt, kann es nur gut tun, sich immer mal wieder bewusst zu werden, dass wir nicht die ersten sind, welche mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen haben. Manchmal kommt es uns so vor, als ob dies erst durch die moderne liberale Theologie und die Wissenschaftsgläubigkeit so gekommen sei. Doch bereits vor rund 450 Jahren hatte Johannes Calvin, der Genfer Reformator, mit genau den selben Problemen Ungläubiger zu kämpfen. Man lese selbst (Institutio 1, Kapitel 7, die Abschnitte 1 und 2):

Bevor wir weitergehen, muss zunächst noch einiges über die Autorität der Heiligen Schrift eingefügt werden. Diese Feststellungen sollen der Ehrfurcht vor der Schrift dienen und auch jeden Zweifel beseitigen. Ist es einmal anerkannt, dass es sich um Gottes eigenes Wort handelt, so wird keiner so vermessen sein, ja geradezu des Menschenverstandes und gar alles menschlichen Sinnes beraubt sein, dass er dem, der da redet, den Glauben weigern möchte. Nun ergehen aber nicht alle Tage Offenbarungsworte vom Himmel und es hat Gott gefallen, allein in der Schrift seine Wahrheit zu stetem Gedächtnis zu erhalten. Deshalb kann die Bibel nur dann den Gläubigen gegenüber die volle Autorität erlangen, wenn sie gewiss wissen, dass sie vom Himmel herab zu ihnen kommt, als ob Gottes eigene Stimme hier lebendig vernommen würde. Die Sache ist wahrlich wert, ausführlicher behandelt und genauer erwogen zu werden. Trotzdem müssen die Leser entschuldigen, wenn ich mehr auf den Umfang der Behandlung achte, den die Aufgabe des vorliegenden Werks erträgt, als auf den, der durch die Bedeutung der Sache erforderlich wäre.

Indessen hat sich bei vielen der verderbliche Irrtum eingeschlichen, die Schrift habe nur so viel Gewicht, als ihr das Gutdünken der Kirche zugestehe. Als ob Gottes ewige und unverletzliche Wahrheit auf menschliche Meinung gegründet wäre! Man spottet dabei des Heiligen Geistes und fragt: „Wer verbürgt uns, dass diese Schriften von Gott stammen? Und wer versichert uns, dass sie heil und unversehrt bis in unsere Zeit übergekommen sind? Wer soll uns überzeugen, dass das eine Buch in Ehrfurcht anzunehmen, das andere auszuschließen sei? Wer – wenn nicht die Kirche für alle diese Dinge eine klare Regel vorschriebe?“ – „Also“, so sagt man weiter, „hängt es von der kirchlichen Bestimmung ab, welche Verehrung der Schrift zukommt und welche Bücher ihr überhaupt zuzurechnen sind!“ So machen sich diese Menschen, die Gott die Ehre rauben, bei ihrem Versuch, unter dem Vorwand der Kirche, zügellose Tyrannei einzuführen, gar keine Sorge darüber, in was für Widersinnigkeit sie sich und andere verwickeln – wenn sie nur einfältigen Leuten die Meinung aufdringen, die Kirche hätte Vollmacht zu allem. […]

Aber solche Spitzfindigkeiten widerlegt ein einziges Wort des Apostels. Er bezeugt, dass die Kirche erbaut ist auf dem Fundament der Propheten und Apostel (Eph. 2,20). Wenn nun die Lehre der Propheten und Apostel das Fundament der Kirche ist, so muss sie schon eher Autorität haben, als die Kirche überhaupt da ist.

Nichtig ist auch der törichte Einwand, es sei, obwohl die Kirche ihren Ausgang von dieser Lehre genommen habe, doch immer noch ungewiss, welche Schriften denn nun den Propheten und Aposteln zuzuschreiben wären, wenn nicht hier das Urteil der Kirche eintrete. Denn wenn die christliche Kirche im Anfang auf die Schriften der Propheten und die Botschaft der Apostel gegründet wurde, so ging die Anerkennung dieser Lehre, ohne welche die Kirche nie entstanden wäre, doch sicherlich dem Dasein der Kirche voraus. Deshalb ist es leere Menschensatzung, wenn man sagt, die Vollmacht zur Beurteilung der Schrift liege bei der Kirche, so dass von ihrer Zustimmung die Gewissheit der Schrift abhinge. Denn wenn es zu solcher Anerkennung kommt, so bedeutet das nicht, dass die Kirche die Schrift, als wäre sie zuvor zweifelhaft und strittig, erst glaubwürdig mache. Es geschieht doch im Gegenteil, weil die Kirche hier die Wahrheit ihres Gottes erkennt und ihr deshalb, wie es Pflicht der Frömmigkeit ist, unbedenklich Verehrung entgegenbringt.

Wenn man daher fragt: „Woher sollen wir denn überhaupt die Überzeugung haben, die Schrift komme von Gott her zu uns, wenn wir nicht zum Urteil der Kirche unsere Zuflucht nehmen?“, so ist das genau so, als wenn jemand fragte: „Woher sollen wir denn Licht und Finsternis, Weiß und Schwarz, Süß und Bitter unterscheiden lernen?“ Denn die Wahrheit der Schrift erweist sich ganz von selbst und ist darum nicht weniger deutlich als die Farbe an einem weißen oder schwarzen, der Geschmack an einem süßen oder bittern Ding!“

(Johannes Calvin, Institutio deutsch, übersetzt von Otto Weber, Buchhandlung des Erziehungsvereins Neukirchen, Kreis Moers, 1936, Seiten 42 – 44)

Bibelstudium – 1. Mose 1, 3 – 5

Vers 3: Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.

Und Gott sprach, das bedeutet:

  1. Dass Gott spricht, hat für unsere Vorstellung von Gott ganz zentrale Bedeutung. Dieses Sprechen zeigt, dass Gott eine eigenständige Persönlichkeit hat. Das Sprechen ist die Folge einer Willensentscheidung zu sprechen. Auch zeigt dieses Sprechen an, dass Gott Gedanken hat, denn der Satz ist logisch, sinnvoll und korrekt strukturiert. Zudem ist dieses Aussprechen, der Wunsch nach Veränderung, nach Erschaffung von etwas Neuem, nie Dagewesenem, der Ausdruck der Fähigkeit, Gefühle zu empfinden. Unsere menschliche Persönlichkeit ist nach diesem Ebenbild geschaffen.

  2. Dass Gott spricht, hat auch seine Begründung darin, dass Gott zwar Einer ist aber in drei Personen. Das Wort, nämlich der Herr Jesus, ist eine Person dieser göttlichen Dreieinigkeit. Wir sehen also: Der da spricht, ist Gott Vater. Er schafft durch den Sohn, das Wort. Und Gott der Heilige Geist ist über der Erde und „brütet“ sie aus, ist also für die weitere Entwicklung im Kleinen sowie dessen Schutz zuständig.

  3. Dass Gott spricht, zeigt auch Seine Gemeinschaftsfähigkeit. Überhaupt ist die Gemeinschaft in der Dreieinigkeit ein Vorbild für die Gemeinschaft, die Gott Sich auch mit uns Menschen und zwischen uns Menschen wünschen würde. Jede der drei Personen hat ihre eigene Aufgabe und Verantwortung. Und jede ordnet sich den anderen dort unter, wo ihre eigene Verantwortung aufhört. Dies kann uns als Vorbild dienen, wie wir in der Ehe, Familie, Gemeinde, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft, und so weiter miteinander umgehen sollen.

  4. Wo Gott redet, findet neues Leben, die Entstehung von etwas Neuem statt. Gott offenbart Sich uns in der Bibel Selbst. Zugleich bedeutet es aber auch, dass Gottes Schweigen immer Gericht ist. Wo Gott aufhört, mit uns zu sprechen und Sich uns zu offenbaren, da stehen wir im göttlichen Gericht.

„Es werde Licht!“ Und es wurde Licht. Das bedeutet:

  1. Das Licht wurde als Erstes geschaffen. Diese Entstehung von Licht zeigt uns, dass hier die Entstehung der Zeit begonnen hat. Zugleich bedeutet Licht auch Energie. Das Erste, was vorhanden sein muss, damit weitere Vorgänge überhaupt ablaufen können, ist Energie. Energie ist notwendig, um überhaupt irgend welche Naturgesetze einsetzen zu können.

  2. Gott erschafft durch Befehle. Genau so, wie Jesus später dem Sturm befiehlt, aufzuhören, oder dem Kranken befiehlt, gesund zu sein.

  3. Was Gott befiehlt, geschieht. Wir lesen immer, dass Gottes Befehle genau so umgesetzt wurden und werden. Diese exakte Wiederholung ist ein Beweis dafür, dass es genau so eingetroffen ist, wie Gott dies gewollt und befohlen hat. Schließlich ist die die gesamte Dreieinigkeit, die gemeinsam an all dem arbeitet, und Gott ist allmächtig. Also muss es IMMER genau nach Seinem Willen geschehen.

Vers 4: Und Gott sah das Licht, dass es gut war, und Gott trennte zwischen dem Licht und zwischen der Dunkelheit.

Und Gott sah das Licht, dass es gut war, das bedeutet:

  1. Gott hat Sein Werk mit kritischem Blick gemustert. Dies ist eine Art Qualitätskontrolle. Gott hat genau hingesehen und Sich ein exaktes Bild verschafft von dem, was bisher geschehen ist.

  2. Das Werk war noch nicht vollendet, erst der erste Teil davon war geschaffen. Dennoch hielt Gott inne und sah Sich das bisher Geschaffte an. Wenn Gott das schon tut während der Schöpfung, kann uns das in unserem Leben ganz bestimmt auch nicht schaden.

  3. Gott hatte Freude an Seinem Werk. Das hebr. Wort „tov“ bedeutet nicht nur „gut“, sondern auch „schön“, „wohlgefällig“.

Und Gott trennte zwischen dem Licht und zwischen der Dunkelheit, das bedeutet:

  1. Wir sehen, dass die Dunkelheit schon vor der Erschaffung des Lichts vorhanden war. Dunkelheit entspricht dem Nicht, dem Nichtseienden um dem von nichts Durchdrungenen. Dennoch gebraucht Gott auch diese Dunkelheit. Genauso verhält es sich auch mit dem Bösen, mit Krankheit, mit dem Tod, und so weiter: Gott ist nicht Urheber dieser Dinge, aber Er gebraucht sie zu unserem Besten.

  2. Gott machte eine Trennlinie, eine Grenze zwischen dem geschaffenen Licht und der ungeschaffenen Dunkelheit. Wäre alles immer nur grau in grau, so wäre es erstens nicht auszuhalten und zweitens könnten wir dann auch nicht unterscheiden zwischen dem, was Gott geschaffen hat, und dem Anderen.

Vers 5: Und Gott rief für das Licht: „Tag!“ und für die Dunkelheit rief Er: „Nacht!“ Und es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag.

Und Gott rief für das Licht: „Tag!“ und für die Dunkelheit rief Er: „Nacht!“ das bedeutet:

  1. Hier gibt Gott zum ersten Mal den beiden Dingen Licht und Finsternis einen Namen. Die Namensgebung ist ein Herrschaftsakt, das heißt: Dadurch, dass Gott dem Licht den Namen Tag und der Dunkelheit den Namen Nacht gibt, übt Er Seine Herrschaft aus und sagt damit: ICH bin der Herrscher über diese Elemente. So konnte Er auch dafür sorgen, dass es einmal drei Tage und Nächte lang Tag blieb. Wenn Eltern ihrem Kind einen Namen geben, so tun sie dasselbe: Sie übernehmen die Herrschaft über ihr Kind und dadurch auch die Verantwortung für die Pflege und Erziehung dieses Kindes.

  2. Diesen Akt der Herrschaft finden wir bei Adam auch wieder: Zuerst dadurch, dass er von Gott den Befehl bekam, die Tiere zu benennen. Damit übernahm er die Herrschaft und die Verantwortung für das Reich der Tiere im paradiesischen Garten. Später übte er diese Herrschaft auch über seine Frau aus, als er sie Chawah nannte. Das bedeutet ungefähr so viel wie Lebensspenderin.

  3. Durch die Differenzierung zwischen Tag und Nacht ergibt sich auch für den Menschen ein System, in welchem er klarkommen muss. Der Mensch ist so geschaffen, dass er grundsätzlich leistungsfähiger ist, wenn er sich an das Alltagsleben am Tag und den Schlaf in der Nacht hält. Dies kann nur mit recht großen Kräfteeinbußen „umprogrammiert“ werden. Das Tageslicht ist deshalb auch für den Menschen notwendig für ein gesundes Leben.

Und es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag. Dies bedeutet:

  1. Der Satz kann auch so übersetzt werden: „Und es wurde aus Abend und Morgen: Der erste Tag.“

  2. Gott hat Sein Werk auf 6 Tage plus ein Ruhetag gelegt. Dies nicht etwa, weil Er es nicht schneller hätte machen können, sondern einfach, weil es Ihm gefiel, das so zu machen. Gott hätte das Werk von 6 x 24 Stunden auch in einer Sekunde erledigen können.

  3. Für „ein“ Tag oder der „erste“ Tag steht im hebräischen das Wort „ächad“. Hier geht es vor allem um die Zusammenfügung von Tag und Nacht zu einem Tag. Das Wort wird auch gebraucht, um die Einheit von Mann und Frau zu „einem“ Fleisch zu beschreiben. Zwei verschiedene Dinge werden mit diesem Wort zu einer Einheit verknüpft. So geht aus diesem Wort auch ganz deutlich hervor, dass es sich tatsächlich um einen Tag, bestehend aus Tag und Nacht, bzw. Abend und Morgen, d.h. 24 Stunden besteht und nicht einfach irgend eine unbekannte Zeitspanne, die eventuell auch viele Millionen Jahre hätte dauern können.

Was ist die Gemeinde?

Zunächst müssen wir unterscheiden zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Gemeinde. Zur sichtbaren Gemeinde gehören alle, die in irgend einer Gemeinde sind und regelmäßig in die Verkündigung in den Gottesdiensten kommen. Sie alle haben den Vorteil, dass sie das Wort Gottes regelmäßig ausgelegt bekommen und dadurch die Möglichkeit besteht, dass sie von Gott Vater gezogen werden und vom Heiligen Geist den Glauben an Jesus Christus in ihre Herzen gelegt bekommen können. Diesen Vorgang nennt man „wirksame Berufung“. Nur diese, welche wirksam berufen sind, die sind gerettet und gehören dadurch zur unsichtbaren Gemeinde. Die unsichtbare Gemeinde besteht also aus allen wirksam Berufenen in allen Zeiten, allen Völkern und allen Nationen.

Weiter ist die Gemeinde der Ort, an dem Gottes Wille getan wird. Sie ist Gottes Reich auf Erden. Gottes Reich ist überall dort, wo Er als König regieren darf und Menschen Seinen Befehlen gehorchen. In dem Zeitalter, in welchem wir uns befinden, ist Gottes Reich die Gemeinde. Gottes Reich ist in den Himmeln perfekt, weil dort Sein Wille getan wird. Deshalb auch die Bitte im Vater Unser: Dein Reich komme: Dein Wille geschehe, wie im Himmel (denn dort wird er bereits vollkommen getan), so auch auf Erden. Es ist Aufgabe der Gemeinde, dieses Reich auf der Erde auszubreiten, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Herrn Jesus. Die Gemeinde ist Sein Leib, Sein Körper, und Er ist das Haupt, also der Kopf der Gemeinde. Weil Gott die Erde den Menschen übergeben hat nach ihrer Erschaffung, und dieser die Herrschaft über sie verloren hat, wird sie nun wieder durch Menschen zurückerobert. Nämlich durch die erlöste Menschheit, das heißt durch die Gemeinde als Leib mit Christus als Haupt.

Drittens müssen wir die Gemeinde nach reformatorischer Tradition sehr richtig auch als eine Versammlung definieren, in welcher Gottes Wort korrekt verkündet und die Sakramente recht ausgeteilt werden. Die Sakramente sind hier nicht als etwas zu verstehen, das seine Kraft aus sich selbst bekommen würde (lateinisch: ex opere operato) wie in der Tradition der Römisch-Katholischen Kirche, sondern als Handlungen, welche deshalb geheiligt sind, weil der Herr Jesus Selbst diese eingesetzt hat und nicht etwa aus sich selbst „funktionieren“, sondern durch den Glauben erst in Gang gesetzt werden können. Deshalb ist meines Erachtens auch die Kinder-“Taufe“ als Untaufe abzulehnen. Solche Sakramente gibt es mindestens zwei, je nach dem auch drei oder vier. Auf jeden Fall festzuhalten ist an der Taufe (Glaubenstaufe durch Untertauchen als bereits Gläubiggewordene) und am Herrenmahl. Dann gibt es noch das Sakrament der Gemeindezucht, auch diese ist vom Herrn Selbst befohlen und eingesetzt. Je nach Verständnis ist dies aber auch ein Teil des Sakramentes des Herrenmahls. Und dann könnte man durchaus auch die Fußwaschung als solche Handlung betrachten.

Die Gemeindezucht ist ein wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens, nichtsdestotrotz der am meisten Vernachläßigte in der heutigen Zeit. Es geht nicht darum, die Gemeinde mit den meisten Ausschlüssen pro Jahr zu sein. Das kann keinesfalls das Ziel sein. Auch ist die Bestrafung nicht das Ziel der Gemeindezucht. Das Ziel muss immer Versöhnung sein. Versöhnung eines gefallenen Heiligen mit Gott und der Gemeinde. Auch hat der Herr die genauen Anweisungen dazu gegeben, wie man in einem solchen Fall vorgehen soll. So ist alles schon schief gelaufen, wenn es irgend ein Gerücht „hinten rum“ gibt, bevor die betreffende Person unter vier Augen darauf angesprochen wurde. Das Erzählen und Weitertragen solcher Gerüchte ist Sünde und darüber muss Buße getan werden, gerade auch vor dem Betroffenen. Der erste Schritt muss der unter vier Augen sein, und zwar von der Person, die es zuerst bemerkt hat. Darüber muss natürlich die Gemeinde auch belehrt werden, sonst ist das perfekte Chaos vorprogrammiert. Erst dann, wenn die betroffene Person sich auch nach mehreren solchen Gesprächen weiter stur stellt, soll eine bis zwei weitere Personen hinzugezogen werden, und zwar möglichst Personen, die nicht am Geschehen emotional beteiligt sind und ein gutes Einfühlungsvermögen haben (in beide Parteien!!!). Wenn auch diese Gespräche fruchtlos verlaufen, kommt im nächsten Schritt die Gemeindeleitung hinzu. In dieser ganzen Zeit ist und bleibt es ver-boten, mit irgend jemand anderem darüber zu reden. Dieses Verbot ist erst genau dann aufgehoben, wenn die Gemeindeleitung in der ganzen Versammlung die betreffende Person noch ein letztes Mal zur Rede stellt und bei mangelnder Einsicht in dieser selben Versammlung den Ausschluss offiziell bekanntgibt.

Eine vierte Definition von Gemeinde ist diejenige, dass alle an den Herrn Jesus gläubig gewordenen Personen an einem bestimmten Ort zu der jeweiligen Gemeinde gehören. Diese Definition leitet sich aus den Briefen des Paulus ab, in welchen Paulus sich immer an die gesamte Gemeinde eines bestimmten Ortes wendet.

Und nicht zuletzt müssen wir auch der Bedeutung der ursprünglichen Worte nachspüren, die in den Ursprachen Hebräisch und Griechisch für die jeweilige Gemeinde gebraucht wird. Im Hebräischen ist das Wort Qahal, was so viel wie „Versammlung“ bedeutet. Dieses Wort wird in der griechischen Übersetzung schon immer mit dem Wort Ekkläsia übersetzt. Ekkläsia ist zusammengesetzt aus Ek (=aus-, heraus-) und dem Partizip von Kaleo (=rufen, nennen, bezeichnen). Ekkläsia bedeutet wörtlich übersetzt „die Herausgerufene“ und meint damit die Menge jener Menschen, die von Gott zum ewigen Leben aus dem alten Leben des Verderbens heraus- und in das neue Leben in der Fülle hineinberufen sind.

Wenn wir also versuchen, diese verschiedenen Aspekte in eine Definition zusammenzufassen, könnte dies ungefähr so aussehen:

„Die Gemeinde ist die Versammlung der an Jesus Christus gläubigen Menschen an einem Ort, um das Wort Gottes zu hören, die Sakramente auszuteilen, den Willen Gottes zu verkünden, zu leben und Gottes Reich auszubreiten.“