Die Frage nach der Inspiration

Paulus schreibt an Timotheus: Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“ (2. Timotheus 3, 14 – 17)
Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Im griechischen Text steht da „theopneustos“, das heißt „gottgehaucht“. Die gesamte Bibel ist somit von Gott inspiriert. Doch was bedeutet nun genau dieses „inspiriert“? Darüber gibt es eine ganze Menge von Debatten, und es ist wichtig, dass wir uns mit der Frage nach der Inspiration beschäftigen. Bevor wir die verschiedenen Theorien zur Inspiration anschauen, zunächst ein Blick auf die wichtigsten weiteren Bibelstellen zum Thema:
Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1, 19 – 21)
Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräer 1, 1 – 3)
Auch von den Schriften des Neuen Testaments gilt, was die Autoren über die Bibel sagen. So zählt Petrus die Briefe von Paulus zu den heiligen Schriften hinzu: Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben. (2. Petrus 3, 15 – 16)
Paulus macht dasselbe mit den Evangelien: Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wert geachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten. Denn die Schrift sagt: »Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischt!«, und »Der Arbeiter ist seines Lohnes wert«.(1. Timotheus 5, 17 – 18) Hier zitiert Paulus das Lukasevangelium, nämlich Lukas 10, 7 und zählt es zur heiligen Schrift hinzu.
Und dann gibt es in der Bibel auch einige tausend direkte Zitate, in welchen Gott in direkter Rede zitiert wird. Schon nur wenn wir in der Konkordanz nach „spricht der Herr“ suchen, taucht dies 849x auf. Über 900x zusätzlich in der Vergangenheitsform: „sprach der Herr“. Und auch das Neue Testament enthält viele direkte Zitate Gottes – jedes Mal, wenn der Herr Jesus den Mund auftat, können wir sagen: So spricht der Herr.
Und nun stellt sich die Frage: Was genau bedeutet es, wenn wir sagen, dass die ganze Bibel von Gott inspiriert ist?
1. Diktattheorie
Die erste mögliche Theorie möchte ich „Diktattheorie“ nennen. Sie wird leider häufig mit dem Begriff „Verbalinspiration“ durcheinandergebracht. Die Diktattheorie besagt, dass die Autoren der Bibel Wort für Wort von Gott empfangen und Wort für Wort davon geschrieben haben. Damit wäre es wie in der Schule, wo der Lehrer einen Text vorliest und alle Schüler am Schluss genau diesen Text aufgeschrieben haben sollten. Damit hätte die Bibel nur Gott allein zum Autor. Diese Theorie versucht zwar, das Wort Gottes hoch zu halten, aber die Tatsache kommt dabei zu kurz, dass jeder Autor seinen eigenen Charakter, seine Sprache, seinen Wortgebrauch, und so weiter hat.
2. Liberale Theorien
Es gibt verschiedene liberale Theorien, die im Grunde besagen: Die Bibel enthält Gottes Worte und sie enthält daneben eine Menge Menschenworte, und der Theologe oder der Bibelleser muss versuchen, die Menschenworte davon zu eliminieren, damit am Ende das Wort Gottes übrig bleibt. Die Geschichte und die Erfahrung zeigen, dass jeder Versuch, so vorzugehen, am Ende immer dazu führt, dass man nur das in der Bibel finden kann, was man zuerst an sie herangetragen hat. So hat etwa die „Leben-Jesu-Forschung“ versucht, alle übernatürlichen Elemente aus dem Leben Jesu herauszudestillieren, doch am Ende blieb vom gesuchten „historischen Jesus“ nichts mehr übrig.
3. Existentialistische Theorie
Karl Barth, einer der wichtigsten Vertreter der existentialistischen Theologie, war der Meinung, dass die Bibel nicht per se Gottes Wort ist. Vielmehr war sie einst Gottes Wort (nämlich dann, als der jeweilige Autor sie aufgeschrieben hatte) und sie kann heute wieder zum Wort Gottes werden – aber erst durch die Predigt, erst dadurch, dass der Mensch von Gottes Wort persönlich angesprochen wird. Auch hier haben wir wieder das Problem, dass die Bibel dadurch viel zu wenig ernst genommen wird. Der Mensch wird ins Zentrum gerückt, Theologie wird zur Anthropologie (Lehre vom Menschen).
4. Personalinspiration
Diese Theorie kam vor allem im Zeitalter des Idealismus auf. Nicht die Bibel ist von Gott inspiriert, sondern die Autoren waren inspiriert, weil sie eine besondere Begegnung mit Gott hatten und deshalb ihr menschlicher Geist von Gott erfüllt und damit inspiriert war. Deshalb ist bei der Personalinspiration auch nicht alles, was die Autoren geschrieben haben, 1:1 von Gott inspiriert, sondern alles nur Menschenworte, die vom vergöttlichten Menschenverstand wiedergegeben wurden. Auch diese Theorie nimmt die Größe des Wunders der göttlichen Inspiration nicht ernst genug.
5. Realinspiration
Eine weitere Theorie nennt sich Realinspiration. Sie besagt, dass die Texte der Bibel nicht von Gott inspiriert sind und keinesfalls historisch echt sein müssen, aber die ethischen, sittlichen Themen, die seien von Gott inspiriert. Auch hier kann man dann die Themen frei nach Belieben herauspicken – die Bibel wird der totalen Beliebigkeit des Menschen unterworfen. Deshalb wird auch diese Theorie der Bibel nicht gerecht.
6. Dynamische Verbalinspiration
Die überzeugendste Theorie scheint mir jene zu sein, die ich dynamische Verbalinspiration nenne. Sie besagt, dass Gott verschiedene Menschen gebraucht hat und bei keinem von ihnen den Willen oder die Persönlichkeit ausgeschaltet, sondern im Gegenteil, in einem dynamischen Prozess gerade den verschiedenen Charakter der Autoren gebraucht, um sie am Ende alle zusammen die Bibel schreiben zu lassen, welche wir heute haben. Gott hat diesen dynamischen Prozess überwacht und dafür gesorgt, dass nicht nur alles Nötige in der Bibel zu finden ist, sondern auch dass nichts davon fehlt. Auf diese Weise ist die große Vielfalt, die wir in der Einheit der ganzen Bibel finden, auch ein Hinweis darauf, dass unser dreieiner Gott als der Drei-Eine Vielfalt in Einheit und Einheit in Vielfalt ist.
Freuet euch des HERRN, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn recht preisen. Danket dem HERRN mit Harfen; lobsinget ihm zum Psalter von zehn Saiten! Singet ihm ein neues Lied; spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall! Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN. Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten. Alle Welt fürchte den HERRN, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. Denn wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da. (Psalm 33, 1 – 9)

Heilsgeschichte: Der rote Faden durch die Bibel

Mein zweiter Grund für die vollkommene Vertrauenswürdigkeit der Bibel besteht darin, dass die Bibel, obwohl sie über den Zeitraum von etwa 1700 Jahren und von 40 Autoren geschrieben wurde, eine innere Einheit, einen roten Faden, hat. Sie ist die Geschichte von Gott mit der Menschheit. Somit ist sie zuerst einmal eine große Sammlung von vielen historischen Dokumenten, und zugleich ist sie das eine große historische Dokument, das uns von Gott als Schöpfer erzählt, von der ersten Menschheit, die mit Gott lebte, von der Abkehr der Menschen von Gott und davon, wie Gott immer wieder auf die Menschen zugegangen ist und ihnen Sein wunderbares Wesen gezeigt hat: Seine Heiligkeit, vor der der Mensch zittert und erschrickt. Seine Gerechtigkeit, die alles sieht und am Ende nichts ungestraft lassen wird. Seine Liebe, in der Er Selbst kommt, um unsere Schuld zu bezahlen. Seine Allmacht, die sich in den Wundern zeigt. Seine Allwissenheit, welche die gesamte Weltgeschichte steuert. Seine Allgegenwart, mit der Er den Menschen nahe ist, die Ihn suchen.
In diesem Zusammenhang ist das 1. Mosebuch unvorstellbar wichtig. Edith Schaeffer, die Frau des Evangelisten und Apologeten Francis A. Schaeffer, schreibt dazu: „Man muss mit dem ersten Buch Mose anfangen. „Am Anfang … Gott.“ Das bedeutet: Am Anfang steht eine Person – eine unbegrenzte Person zwar, aber eine Person. Am Anfang – Denken, Handeln, Fühlen, Lieben, Kommunikation, Idee, Entscheiden, Kreativität. Ja, am Anfang war dieser Gott, der den Menschen nach seinem Bilde schuf. Eine Persönlichkeit, die bereits existierte. Ein persönliches Universum, erschaffen von einer Person. Ein am Menschen ausgerichtetes Universum, von einer Person erschaffen. Ein Universum, in dem es Erfüllung für die Wünsche von Künstlern, Dichtern, Musikern, Landschaftsgärtnern gibt, weil es von einem Künstler, Dichter, Musiker und Landschaftsgärtner gemacht worden ist.“ (Schaeffer, Edith, Der Erste und der Letzte, S. 16f)
Wenn wir wissen wollen, was eine Person ist, dann müssen wir nicht zuerst Menschen anschauen und dann fragen: Hmm, ist Gott wie ein Mensch? Sondern wir schauen Gott an und erkennen da, was eine Person ist, und dann sehen wir, auf wie vielen Ebenen auch wir Menschen Personen sind.
Dann gehen wir wieder ins erste Mosebuch und schauen, was das Ziel und der Zweck, der Sinn unseres Lebens ist. Und da erkennen wir, dass es das Leben in der Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen ist, und dass wir einen Auftrag auf dieser Erde haben: Für sie zu sorgen, sie zu gebrauchen, sie zu studieren, sie zu bebauen, ihren Ertrag zu vermehren, und auch unser eigenes Leben zu vermehren. Gott hat uns so geschaffen, dass wir uns freuen können. Deshalb sind wir dazu gemacht, um uns an Gott und Seiner Schöpfung zu freuen. Jedes Mal, wenn wir uns über ein Gedicht oder ein Musikstück freuen, so können wir das nur, weil Gott uns mit der Fähigkeit zur Freude und Kreativität gemacht hat.
Doch leider blieb nicht alles beim Alten. Die Menschen rebellierten gegen Gott und wollten autonom werden, sie wollten selbst über Gut und Böse entscheiden und vertrauten darin Gott nicht. So sind sie der Sünde verfallen. Und bis auf den heutigen Tag gibt es (außer Jesus Christus) keinen einzigen Menschen, der so leben kann, wie es Gott gefällt. Deshalb beginnt die Heilsgeschichte. Der Mensch ist von Natur und von Geburt aus von Gott getrennt, sein Wesen ist böse, er ist ein Feind Gottes, bis zu dem Moment, in welchem er durch den Heiligen Geist wiedergeboren wurde.
Diese Wiedergeburt verspricht schon das Alte Testament auf viele verschiedene Arten und Weisen. Etwa Jeremia: Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloß an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der Herr. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.(Jeremia 31, 31 – 33)
Jeremia spricht von einem neuen Bund, einem neuen Herz. Vor dem Neuen Bund musste es zuerst einen Alten Bund geben. Gott hat mit dem Volk Israel, von dem das ganze Alte Testament berichtet, einen Bund geschlossen, bei dem Gott dem Volk zusagte, Er wolle ihr Gott sein und sie Sein Volk, wenn es Seinen Willen tun würde. Doch eines um das andere Mal ist das Volk Israel seinem Gott untreu geworden. Warum? Weil es ein neues Herz und einen neuen Geist braucht. Die Geschichte von Israel lehrt uns viel: Ohne neues Herz ist es unmöglich, Gottes Willen zu tun. Deshalb gab Gott dem Volk auch bestimmte Gebote, die mit Tieropfern zu tun hatten. Eigentlich hätte jeder Mensch, der einmal gegen Gott sündigte, sofort mit dem Tod bestraft werden müssen. Doch Gott gab die Möglichkeit, dass ein teures, speziell ausgewähltes und besonders schönes Tier an der Stelle der Person sterben konnte, die gesündigt hatte. Jedes Opfer war so eine Erinnerung daran, dass der Mensch eigentlich sein Leben verwirkt hatte.
Im Neuen Testament kommt Gott Selbst in Jesus Christus auf die Erde. Jesus Christus ist das perfekte Opfer für alle unsere Sünden. So heißt es im Hebräerbrief: Aufgrund dieses Willens sind wir geheiligt durch die Opferung des Leibes Jesu Christi, [und zwar] ein für allemal. Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt oftmals dieselben Opfer dar, die doch niemals Sünden hinwegnehmen können; Er aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, das für immer gilt, zur Rechten Gottes gesetzt, und er wartet hinfort, bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt werden. Denn mit einem einzigen Opfer hat er die für immer vollendet, welche geheiligt werden. Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist; denn nachdem zuvor gesagt worden ist: »Das ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie in ihre Sinne schreiben«, sagt er auch: »An ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten will ich nicht mehr gedenken.« Wo aber Vergebung für diese ist, da gibt es kein Opfer mehr für Sünde.(Hebräer 10, 10 – 18)
Hier haben wir wieder das Zitat von Jeremia, und die Bestätigung, wie alles zusammen passt. Das Opfer von Tieren war im Alten Bund nötig, aber im Neuen Bund ist Jesus Christus das perfekte, einmalige Opfer für alle unsere Schuld. So sehen wir auch, dass die Schriften von 66 Büchern und von etwa 40 Autoren wunderbar zusammenpassen. Auch Paulus macht den Zusammenhang im Brief an die Korinther deutlich:
Denn die Liebe des Christus drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind: Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; und er ist deshalb für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist. So kennen wir denn von nun an niemand mehr nach dem Fleisch; wenn wir aber auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch nicht mehr so. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden! Das alles aber [kommt] von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Laßt euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2. Korinther 5, 14 – 21)

Vertrauenswürdige Bibel: Schöpfungsgeschichten im Vergleich

Bevor wir uns den Fragen nach der Inspiration und der Irrtumslosigkeit der Bibel stellen, möchte ich zwei wichtige Gründe vorstellen, warum wir der Bibel vertrauen können. Ganz besonders wichtig ist dabei, dass wir den ersten Kapiteln der Bibel zu vertrauen lernen. Auf diesen ist die gesamte Bibel des Alten und Neuen Testaments aufgebaut. Wenn wir die ersten Kapitel der Bibel verwerfen, können wir auch den Rest inklusive der Bergpredigt gleich mit in die Tonne hauen. Dies hängt damit zusammen, dass uns diese ersten Kapitel die biblische Weltanschauung vermitteln, also die Augen schenken, mit denen wir den Rest der Bibel korrekt lesen und verstehen können. Hier finden wir Antworten auf die wichtigen Fragen im Leben: Woher komme ich? Wozu lebe ist? Wer bin ich? Was macht mich aus? Warum gibt es trotz dieser unbeschreiblichen Schönheit dennoch so viel Leid in der Welt? So wird vieles im Leben verdunkelt und unverständlich, wenn wir den ersten Teil der Bibel außen vor lassen.
Ich werde jetzt eine These aufstellen und für diese zu argumentieren versuchen. Meine These lautet:
Der ursprünglichste Bericht von der Schöpfung und der frühesten Zeit ist derjenige in 1. Mose 1 – 11 – andere ähnliche Berichte sind veränderte Versionen davon.
Häufig wird das abgestritten, indem man argumentiert, dass das 1. Buch Mose erst nach den sumerischen und babylonischen (beide im heutigen Gebiet des Irak) Versionen geschrieben worden sei, und wegen einiger Ähnlichkeiten die Autoren der Bibel bei diesen Versionen abgeschrieben worden sein müsse. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass alle Inhalte des 1. Mosebuches erst von Mose verfasst worden sein müssen. Vielmehr gibt es immer wieder Listen, die ein Hinweis darauf sind, dass sie schriftlich abgefasst und so über die Jahrhunderte und die Generationen ihren Weg zu Mose gefunden haben. So etwa in 1. Mose 5: „Dies ist das Buch der Geschichte von Adam: An dem Tag, als Gott den Menschen schuf, machte er ihn Gott ähnlich; als Mann und Frau schuf er sie; und er segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch«, an dem Tag, als er sie schuf. Und Adam war 130 Jahre alt, als er einen Sohn zeugte, ihm selbst gleich, nach seinem Bild, und er nannte ihn Seth.“(1. Mose 5, 1 – 3)
Genau so, wie es von Anfang an eine Sprache gab, in welcher die Menschen miteinander aber auch mit Gott kommunizieren konnten, so wird es auch früh eine Schrift gegeben haben, mit welcher sie diese Berichte aufschreiben konnten. Die frühesten Teile der babylonischen Erzählungen stammen von 2400 v. Chr. Da ist es gut möglich, dass erste Listen und Berichte, die von Mose um ca. 1600 v. Chr. Zum 1. Mosebuch verarbeitet wurden, bereits 1000 Jahre vor den babylonischen und sumerischen Erzählungen vorhanden waren.
Noch eine Bemerkung am Rande: Es wird auch häufig behauptet, dass die Bibel zwei verschiedene Schöpfungsberichte beinhalte, die sich gegenseitig widersprechen würden. Das ist ganz einfach eine falsche Behauptung. Es gibt nur einen Schöpfungsbericht, der von 1. Mose 1, 1 – 2, 4 geht. Ab 1. Mose 2, 4 beginnt nicht ein zweiter Schöpfungsbericht, sondern es wird ein Ausschnitt aus dem Schöpfungsbericht, nämlich die Erschaffung des Menschen, „herangezoomt“ und detailreicher betrachtet.
Ich möchte meine obige These zu belegen versuchen, indem ich aufzeige, dass der Inhalt von 1. Mose 1 – 11 der Bericht ist, der die meisten Elemente enthält, die rund um den Erdball in den diversen Schöpfungsberichten zu finden sind. Meine These ergibt sich aus 1. Mose 11, als der Turm von Babel zur Sprachverwirrung und die Sprachverwirrung zur weltweiten Zerstreuung der Menschen geführt hat. Es ist nur logisch, dass dann jede Sprachgruppe die Grundlinien des biblischen Schöpfungsberichts übernommen und im Laufe der Jahrhunderte an ihre neue Umgebung angepasst hat.
Im Weiteren möchte ich zu verschiedenen Stichworten versuchen, meine These zu belegen. Es ist natürlich klar, dass dies nicht umfassend geschehen kann, da es hunderte von verschiedenen Schöpfungserzählungen gibt und man so auch zu viele Stichworte aufzählen müsste. Darüber könnte man nun ganze Bücher schreiben. Mein Ziel ist einfach die wichtigsten Stichworte des biblischen Berichts der Kapitel 1 – 11 im 1. Mose.
Schöpfung aus dem Nichts
Gleich zu Beginn etwas Interessantes: Weder die sumerischen noch die babylonischen Schöpfungsmythen (wie etwa das Gilgamesch-Epos oder das Atrahasis-Epos) kennen eine Schöpfung aus dem Nichts. Vielmehr gehen diese immer von einem Urmeer aus, welchem die ersten Götter entspringen. Wenn man jedoch in den fernen Osten schweift, so findet sich die Schöpfung aus dem Nichts etwa in Polynesien, wo der Gott Kiho vor der Schöpfung allein in der Leere lebte, oder im alten Indien in der Rigveda, die zu erzählen weiß, dass es am Anfang nur das Nichtsein (Nichtexistenz) gab. Die Bibel macht klar, dass am Anfang nur Gott war und dieser alles aus dem Nichts geschaffen hatte.
Schöpfung durch das Wort
Ähnlich wie in der Bibel, welche sagt, dass Gott sprach … und es geschah, gibt es in verschiedenen Kulturen eine Erschaffung durch das Wort. So soll es etwa nach indischer Erzählung der heilige Urklang „Om“ (langgezogenes Ohhhm) gewesen sein, durch den alles entstanden sei. Dieser Klang entsteht eigentlich aus dem zusammengezogenen Aum und wird auch heute noch vielfach als meditatives Mantra gebraucht.
Trennung von Himmel und Erde
Die Bibel sagt uns: „Und Gott sprach: Es werde eine Ausdehnung inmitten der Wasser, die bilde eine Scheidung zwischen den Wassern! Und Gott machte die Ausdehnung und schied das Wasser unter der Ausdehnung von dem Wasser über der Ausdehnung. Und es geschah so. Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der zweite Tag.“ (1. Mose 1, 6 – 8) So trennte Gott die Himmel von der Erde. In ähnlicher Weise kennen viele andere Erzählungen eine Erschaffung durch das Trennen von Himmel und Erde. Bei den Maori in Neuseeland sind etwa Himmel und Erde zuerst in inniger Umarmung und halten sich so umschlungen und gebären viele Kinder (die dann zu Göttern der Maori werden). Da die Kinder wachsen und es ihnen zu eng wird, schieben sie einfach die Beiden auseinander, durch diese Trennung entstehen Himmel und Erde.
Gott als Handwerker
Die Bibel kennt eine ganze Vielzahl an Berufen, die Gott bei der Schöpfung ausgeübt hat: Schöpfer, Qualitätsmanager, Namensgeber, Konstrukteur, Dekorateur, Gärtner und Töpfer. Der altägyptische Gott Ptah heißt übersetzt schon „Der Bildner“ und hat nach der Legende die Menschen auf einer Töpferplatte aus Ton erschaffen. So haben wir auch hier wieder ein Element, welches die ägyptischen Legenden aus dem ursprünglichen Bericht des 1. Mosebuchs entnommen haben.
Der Sündenfall
Nicht nur in der Bibel gibt es einen Sündenfall, sondern auch in zahlreichen weiteren Kulturen. Häufig war der Sündenfall mit einer Sintflut verknüpft worden. So etwa bei den Maya in Mittelamerika. Die Flut kam, weil die Menschen den Göttern zu wenig Respekt entgegenbrachten und zu arrogant wurden.
Der Brudermord
Auch Kain und Abel sind bekannte Phänomene. Doch auch andere Kulturen kennen den Brudermord in ihren Legenden. So etwa in Ägypten, wo Osiris durch Seth ermordet wurde, indem er in einem mit Blei beschwerten Sarkophag in den Nil geworfen wurde. Auch im antiken Rom gab es eine solche Sage, nämlich dass die Gründer der Stadt Rom, Romulus und Remus, Kinder des römischen Kriegsgottes Mars und einer Priesterin waren. Die beiden gerieten in einen Streit darüber, nach wem von den beiden die Stadt benannt werden solle, und im Zorn erschlug Romulus seinen Bruder.
Die Sintflut
Wie bereits weiter oben erwähnt, gibt es in vielen Teilen der Welt Flutgeschichten. Diese haben einige Gemeinsamkeiten: Die Menschheit wird böse, es braucht eine Rückkehr zur ursprünglichen Schöpfung, was durch eine Flut ermöglicht wird, die den bösen Teil der Menschheit erfasst. Und dann gibt es einen Helden im Zentrum der Flutgeschichte, der die Flut überlebt und zur Basis einer neuen Menschheit wird. Dieser Aufbau findet sich nicht nur in 1. Mose, sondern auch etwa in den sumerischen und babylonischen Schriften (wie etwa dem Gilgamesch-Epos, Atrahasis-Epos, etc.), aber selbst unter den Inuit findet sich die Erzählung von der Flut.
Der Turmbau zu Babel
Auch die Erzählung vom Turmbau findet sich in anderen Kulturen wieder. So etwa auch im sumerischen Umfeld, wo es ebenfalls um ein Bauwerk – einen Tempel – und im Gefolge dessen um die Sprachverwirrung geht.
So sehen wir, dass es sehr gute Gründe gibt, davon auszugehen, dass die Berichte der Bibel ursprünglich sind und deshalb auch der Wahrheit Gottes entsprechen.
Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Ich sinne darüber nach den ganzen Tag. Deine Gebote machen mich weiser als meine Feinde, denn sie sind ewiglich mein Teil. Ich bin verständiger geworden als alle meine Lehrer, denn über deine Zeugnisse sinne ich nach. Ich bin einsichtiger als die Alten, denn ich achte auf deine Befehle. Ich halte meine Füße fern von jedem bösen Weg, damit ich dein Wort befolge. Von deinen Bestimmungen bin ich nicht abgewichen, denn du hast mich gelehrt. Wie süß ist dein Wort meinem Gaumen, mehr als Honig meinem Mund! Von deinen Befehlen werde ich verständig; darum hasse ich jeden Pfad der Lüge.(Psalm 119, 97 – 104)

Spezielle Offenbarung: Die Bibel

Wer mehr über Gott wissen will als was er in der Natur und durch sein Gewissen beobachten kann, wird nicht um die Bibel herumkommen. Sie ist die Art, wie Gott Sich entschieden hat, Sich Selbst uns Menschen zu offenbaren. Martin Luther hat festgestellt: „Wenn du Gnade willst erreichen, so arbeite darauf hin, dass du das Wort Gottes sowohl gespannt hörst, als auch dich mit Freude daran erinnerst: Das Wort, sage ich, und allein das Wort ist das Gefährt der Gnade Gottes.“(übersetzt nach: Luther, Martin, Weimarer Ausgabe, Bd. 2, S. 509) Was Luther hier sagt, ist ungefähr Folgendes: Ohne die Bibel ist es unmöglich, Gott als gnädigen Gott kennenzulernen.
Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Die allgemeine Offenbarung in der ganzen Schöpfung und im menschlichen Gewissen kann uns im besten Fall sagen, dass Gott sehr mächtig, sehr gut, sehr perfekt, moralisch viel besser als wir ist und dass wir selbst immer wieder hinter dem Standard dieses großen Gottes weit zurückbleiben. Und jetzt geht es um die Frage, wie der Mensch zum Wissen gelangen kann, wie er vor diesem Gott am leben bleiben kann. Und hierauf gibt Martin Luther die richtige Antwort: Das Wort, die Bibel allein, ist das Gefährt der Gnade Gottes.
Der Apostel Paulus schreibt dazu:Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.(2. Timotheus 3,16 – 17) Was es genau bedeutet, dass die ganze Bibel von Gott eingegeben (inspiriert) ist, wird noch im Detail an anderer Stelle zu erläutern sein. Der Apostel Petrus bestätigt die Aussage von Paulus: Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1, 19 – 21)
Gott hat Sich entschieden, zu Seiner Ehre die Sprache und Schrift zum Gefährt der Gnade zu machen. Er hat das Buch gewählt, um Sein Wort zu übertragen. Das Buch hat einen Anfang und ein Ende und besteht aus vielen Abertausenden von Zeichen, die man zu Sätzen zusammensetzen kann und die dadurch einen verständlichen, klaren Inhalt haben. Die Bibel ist nicht einfach ein Buch neben anderen. Sie ist nicht einfach nur der absolute Weltbestseller, sondern sie ist das nötige Werkzeug, das wir brauchen, wenn wir Frieden mit Gott bekommen wollen. Sie ist eine Bibliothek von 66 einzelnen Büchern, die jedoch alle zusammen ein ganzes Buch ausmachen. Weit über 1000 Jahre sind zwischen den früheren und den späteren Schriften – und dennoch hat das ganze Buch eine große, eine einzigartige Geschichte zu erzählen. Es ist die Geschichte von Gottes Heilshandeln an der Welt und insbesondere an der Menschheit.
Das erste Buch beginnt mit der geschichtlichen Beschreibung der gesamten Schöpfung, das letzte Buch endet mit der Warnung davor, dass nichts Neues mehr hinzugefügt werden darf. Das Buch ist somit ein für alle Male abgeschlossen. Alles, was danach gesagt wird, muss sich daran messen lassen, ob es mit dem Inhalt der Bibel übereinstimmt oder nicht. Dass manche Leute die Bibel deshalb ablehnen, weil ihre Autorität aus ihr selbst abgeleitet werden kann, ändert nichts daran. Wir werden noch sehen, dass es genügend Gründe gibt, die auch aus externen Kriterien für die Bibel sprechen. Aber das ist jetzt nicht das Thema, das kommt erst noch.
Was ganz wichtig, dass wir daran festhalten, ist die Klarheit der Bibel. Sie ist verständlich, sie kann kapiert und korrekt wiedergegeben werden. Mose sagte zum Beispiel zum Volk Israel:Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. (5. Mose 6, 6 – 7) Das setzt voraus, dass man zuerst verstanden hat, was diese Worte überhaupt sind. Somit sind Gottes Worte einfach, klar, verständlich und brauchen keine langwierigen Zerstückelungen und Neudefinitionen. Sie müssen auch nicht an unsere Zeit angepasst oder abgeändert werden. Sie sind weder „archaisch“ noch „patriarchalisch“ noch frauenfeindlich noch sonst etwas Ähnliches. Deshalb brauchen wir an ihnen auch nicht zu zweifeln. So heißt es auch in den Psalmen: Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.(Psalm 19, 8 – 9)
Wenn wir das Neue Testament lesen, so finden wir dort etwas Ähnliches. Jesus hat an gar keiner Stelle gesagt, dass etwas von Gottes Wort kompliziert sei. Er hat immer – egal zu wem Er gesprochen hat – auf Gottes Wort zurückgegriffen und es als selbstverständlich vorausgesetzt. Er ging sogar so weit, einmal zu sagen: Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. (Johannes 17, 17) Das war ein Gebet an Gott Vater. Er sagte nicht: Dein Wort enthält Wahrheit oder Dein Wort ist wahr, aber man muss es zuerst richtig interpretieren. Er sagte einfach: Dein Wort IST Wahrheit. Punkt.
Jetzt kommt aber die Frage auf: Warum gibt es denn trotzdem Missverständnisse? Ja, das müssen wir zugeben, es gibt immer wieder Missverständnisse. Auch als Kinder Gottes sind wir davor nicht automatisch geschützt. Es gibt zum Beispiel Missverständnisse, wenn wir bestimmte Teile der Bibel als höherwertig anschauen und andere dadurch weglassen. Als Paulus sich kurz vor seiner Gefangennahme noch einmal mit den Ältesten der Gemeinde in Ephesus traf, sagte er ihnen, dass er ihnen den ganzen Ratschluss Gottes gelehrt habe. Wenn wir etwa wie Marcion im zweiten Jahrhundert das Alte Testament ablehnen (oder es auch nur als minderwertig im Vergleich zum Neuen Testament sehen), so werden wir auf manche Missverständnisse hereinfallen. Marcion ging so weit, zu sagen, dass der Gott Israels ein böser Gott sei, der mit dem Gott des NT im Streit stehe. So weit gehen heute wohl die wenigsten (aber auch das habe ich heute schon gesehen), aber viele Menschen fallen darauf herein, dass sie sagen, dass Gott im AT ein zorniger und im NT ein liebender Gott sei. Beides ist falsch. Gott ist immer Gott und verändert sich nicht. Auch die Erlösung verändert an Gott nichts. Sie verändert nur unsere Möglichkeit, mit Gott wieder ins Reine kommen zu können. Wir sehen also, dass es gefährlich ist, nur einen kleinen Teil der Bibel zu kennen oder diesen zu überbetonen.
Und dann gibt es noch eine zweite Art von Missverständnissen. Es gibt nämlich tatsächlich Lehren, die nicht ganz einfach zu verstehen sind. So etwa die Lehre von den Letzten Dingen (Eschatologie nennt man das). Über die Dinge, die noch ausstehen von der Bibel und deren Reihenfolge zum Beispiel gibt es ganz viele verschiedene Sichtweisen. Mir sind etwa 20 verschiedene Modelle bekannt, vermutlich gibt es noch mehr. Das ist ein Thema, das wertvoll ist, sich damit zu beschäftigen, aber es wird vermutlich auch in den nächsten Jahren keine allgemeine Übereinstimmung geben. Muss es auch nicht, wichtig ist, dass man sich davon nicht dazu verleiten lässt, dass das Thema deshalb egal sei.
Die Bibel ist klar und verständlich. Das soll eine Ermutigung an uns alle sein, sie zu lesen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Keiner wird damit bis ganz ans Ende kommen und alle Fragen verstehen, aber wichtig ist, dass wir ein Leben lang in ihr forschen, lesen und uns täglich neu von ihr begeistern lassen.
Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Indem er ihn bewahrt nach deinem Wort! Von ganzem Herzen suche ich dich; lass mich nicht abirren von deinen Geboten! Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige. Gelobt seist du, o Herr! Lehre mich deine Anweisungen. Mit meinen Lippen verkünde ich alle Bestimmungen deines Mundes. Ich freue mich an dem Weg, den deine Zeugnisse weisen, wie über lauter Reichtümer. Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten. Ich habe meine Lust an deinen Anweisungen; dein Wort vergesse ich nicht. (Psalm 119, 9 – 16)

Die Bibel und der Vegetarismus

Nachdem es in zahlreichen Diskussionen immer wieder um das Thema Vegetarismus und Bibel ging, möchte ich heute mal ein wenig tiefer graben, wie das mit den Argumenten für den Vegetarismus tatsächlich aussieht.
1. Die Schöpfung und der Mensch
Gehen wir zunächst ganz an den Beginn der Bibel: In den ersten zwei Kapiteln finden wir den Bericht über die Tatsachen, wie Gott die Welt geschaffen hat. Dieser Bericht zeigt uns eine ganze Menge wichtiger Dinge – ich beschränke mich hier auf das, was uns zu unserem Thema weiterhilft:
1. Die Schöpfung ist für Gott. Gott hat alles geschaffen, um erkannt zu werden. Gott hat alles zu Seinem Lob, zu Seiner Ehre geschaffen. Gleich zu Beginn der Schöpfung offenbart Sich Gott als der Dreieine: Gott Vater spricht, Gott Sohn (das Wort, Jesus Christus) erschafft die Dinge, Gott Heiliger Geist schwebt oder besser übersetzt „brütet“ über den Wassern und sorgt für die exakte Ausführung.
2. Der Mensch hat eine besondere Stellung. Er ist im Ebenbild Gottes geschaffen. Er soll alles beherrschen, und zwar im vollen Sinne von: Bewahren, pflegen, nutzen, vermehren, verarbeiten, und so weiter. Er ist im Ebenbild Gottes geschaffen. Das heißt, dass die Menschheit als einzige Kreatur die ganze Dreieinigkeit Gottes so widerspiegelt wie das kein anderer Teil der Schöpfung kann. Deshalb ist der Wert des Menschen unendlich viel größer als derjenige der gesamten restlichen Schöpfung.
3. Gott schafft als Krone der Schöpfung den Sabbat. Dieser Tag ist gemacht, damit der Mensch und die ganze Schöpfung an einem Tag pro Woche die Gemeinschaft mit Gott in besonderer Weise feiern und auch genießen kann.
4. Gott hat alles sehr gut geschaffen. Das Paradies war von Anfang an sehr gut – aber es war nicht für die Ewigkeit geschaffen, denn es sollte erlöst werden. Die Notwendigkeit der Erlösung war von der frühesten Zeit bereits in die Schöpfung eingebaut – und diente wie alles andere auch dazu, um Gott zu offenbaren, also Gottes Wesen bekannt zu machen.
5. Gott schafft den Menschen als Mann und Frau. Das ist etwas ganz Besonderes. Mann und Frau sind beide gleichwertig aber unterschiedlich gemacht. Das Geschlecht ist keine gesellschaftliche Zuordnung, sondern von Gott geschaffen, damit der Mensch in seiner Unterschiedlichkeit Gottes Ebenbild sein kann.
6. Der Mensch hat einen Erhaltungsauftrag der Schöpfung gegenüber bekommen.Dieser Auftrag beinhaltet auch die Arterhaltung, wozu die Haltung von Nutztieren einen wichtigen Beitrag leistet.
2. Der Sündenfall und seine Folgen
Doch dann kam der Sündenfall. Der Mensch ist von Gott ganz und gar abgefallen. Die Entfremdung von Gott, von den Mitmenschen (insbesondere auch vom anderen Geschlecht), von sich selbst und von der Natur hat seine Auswüchse bis in die heutige Zeit. Je weiter die Technologie fortschreitet, desto größer wird die Kluft zwischen dem Segen der gut gebrauchten Technologie und dem Fluch der missbrauchten Technologie.
Doch interessant ist, was Gott direkt nach dem Sündenfall macht:
Und Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie. (1. Mo. 3,21)
Gott war also der Erste, der ein Tier genommen hat und – um dem Tier das Fell abzuziehen – es töten musste. Das erste Tieropfer stammt somit vom allmächtigen, ewigen Gott Selbst, der damit Hand an Seine Schöpfung angelegt hat. Das war die Konsequenz des Sündenfalls für die Natur. Der Mensch ist über sie gestellt, er sorgt für sie, aber verfügt auch über sie, deshalb steht sie seit dem Sündenfall unter dem Fluch. Und die Menschen fahren fort, Tiere zu opfern – und wie man feststellen kann, ist das die einzig richtige Art zur damaligen Zeit, mit der menschlichen Sünde umzugehen, denn nur dort kann Schuld vergeben werden, wo Blut fließt.
3. Der Bund mit Noah
Und dann kommt es gleich noch viel heftiger: Die Menschheit wird immer schlimmer, und weil die Menschheit so schlimm wird, dass sie nicht mehr auszuhalten ist, muss halt die Tierwelt auch gleich mit dran glauben. Die große Flut wird von Gott, dem ewigen, allmächtigen, allwissenden, barmherzigen, heiligen, liebenden Gott initiiert und kostet vermutlich Millionen von Tieren das Leben. Wer damit ein Problem hat, darf sich gern an den Schöpfer wenden. Auch hier sehen wir wieder einmal, dass die Tierwelt dem Menschen direkt unterstellt ist, denn die Tiere müssen die Sünde des Menschen mitbezahlen.
Und nach der Sündflut kommt das erste offizielle Bündnis Gottes mit dem Menschen seit dem Sündenfall:
Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt die Erde! Furcht und Schrecken vor euch soll über alle Tiere der Erde kommen und über alle Vögel des Himmels, über alles, was sich regt auf dem Erdboden, und über alle Fische im Meer; in eure Hand sind sie gegeben! Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen; wie das grüne Kraut habe ich es euch alles gegeben. Nur dürft ihr das Fleisch nicht essen, während sein Leben1, sein Blut, noch in ihm ist! Jedoch euer eigenes Blut will ich fordern, von der Hand aller Tiere will ich es fordern und von der Hand des Menschen, von der Hand seines Bruders will ich das Leben des Menschen fordern. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn im Bild Gottes hat Er den Menschen gemacht. Ihr aber, seid fruchtbar und mehrt euch und breitet euch aus auf der Erde, daß ihr zahlreich werdet darauf! (1. Mo. 9, 1 – 7)
Das ist keine Notverordnung weil es etwa keine Pflanzen mehr gegeben hätte, sondern dieser Bund mit Noah ist ein Teil des wunderbaren Heilsplans Gottes. Im Garten bei Eden gab es noch keinen Tod, keine Schmerzen, keine Geburtswehen, keine schweißtreibende Arbeit. All das kam erst durch den Sündenfall. Und solange Geburten unter Schmerzen vonstatten gehen, solange Menschen altern und sterben, solange ist auch der Fleischgenuss erlaubt und gottgewollt. Und auch hier sehen wir wieder den überragenden Wert des Menschen: Wer einen Menschen tötet, der hat sein Leben verwirkt – bei einem Tier ist das nicht der Fall.
4. Das Passahlamm
Als Gott durch Mose das Volk Israel aus Ägypten führen lassen wollte, wurde das Passahmahl eingesetzt. In der Nacht vor dem Abmarsch musste an jede Türe der Israeliten das Blut von einem Lamm gestrichen werden. Der Engel Gottes ging in der Nacht von Haus zu Haus und holte in jedem Haus, an dem kein Blut zu sehen war, den ältesten Sohn:
Und der Herr redete zu Mose und Aaron im Land Ägypten und sprach: Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll für euch der erste Monat des Jahres sein. Redet zu der ganzen Gemeinde Israels und sprecht: Am zehnten Tag dieses Monats nehme sich jeder Hausvater ein Lamm, ein Lamm für jedes Haus; wenn aber das Haus zu klein ist für ein Lamm, so nehme er es gemeinsam mit seinem Nachbarn, der am nächsten bei seinem Haus wohnt, nach der Zahl der Seelen; dabei sollt ihr die Anzahl für das Lamm berechnen, je nachdem jeder zu essen vermag. Dieses Lamm aber soll makellos sein, männlich und einjährig. Von den Schafen oder Ziegen sollt ihr es nehmen, und ihr sollt es aufbewahren bis zum vierzehnten Tag dieses Monats. Und die ganze Versammlung der Gemeinde Israels soll es zur Abendzeit schächten. Und sie sollen von dem Blut nehmen und damit beide Türpfosten und die Oberschwellen der Häuser bestreichen, in denen sie essen. Und sie sollen das Fleisch in derselben Nacht essen: am Feuer gebraten, mit ungesäuertem Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen. Ihr sollt nichts davon roh essen, auch nicht im Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten, sein Haupt samt seinen Schenkeln und den inneren Teilen; und ihr sollt nichts davon übriglassen bis zum anderen Morgen. Wenn aber etwas davon übrigbleibt bis zum Morgen, so sollt ihr es mit Feuer verbrennen. So sollt ihr es aber essen: eure Lenden umgürtet, eure Schuhe an euren Füßen und eure Stäbe in euren Händen, und in Eile sollt ihr es essen; es ist das Passah des Herrn. Denn ich will in dieser Nacht durch das Land Ägypten gehen und alle Erstgeburt im Land Ägypten schlagen, vom Menschen bis zum Vieh, und ich will an allen Göttern der Ägypter ein Strafgericht vollziehen, ich, der Herr. Und das Blut soll euch zum Zeichen dienen an euren Häusern, in denen ihr seid. Und wenn ich das Blut sehe, dann werde ich verschonend an euch vorübergehen; und es wird euch keine Plage zu eurem Verderben treffen, wenn ich das Land Ägypten schlagen werde. (2. Mose 12, 1 – 10)
Hier haben wir nicht nur den Befehl Gottes, ein Tier zu schlachten, sondern vielmehr noch den Befehl, es auch zu essen. Es soll nichts davon übrigbleiben – was übrigbleibt, müsste weggeworfen werden. So viel also zur befohlenen „Verschwendung“ von Fleisch. Wohl dem Israeliten, der kein Vegetarier war! Und diese Mahlzeit wurde später eingesetzt zur Erinnerung an das erste Passahmahl – es musste jedes Jahr wiederholt werden. Zur Ehre Gottes, des Allmächtigen, der die Erstgeborenen Israels vor Seinem gerechten Zorn gerettet hat.
5. Du sollst nicht töten?
Israel zog aus Ägypten aus. In der Wüste gibt es nichts zu essen. Das Volk schreit zu Gott – und was gibt es? Wachteln! Vögel schickt Gott Seinem Volk. Aber, Herr, was essen denn nun die Vegetarier?
Und dann kam Israel an den Sinai und bekam die Zehn Worte. Eines davon wird heute häufig missbraucht mit der Übersetzung: „Du sollst nicht töten“. Sollte Gott etwa tatsächlich gegen Sein eigenes Gebot verstoßen haben, als Er dem ersten Menschenpaar Kleider aus Fell machte?
Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Gebot etwas anders. Besser übersetzt müsste da stehen: „Morde nicht!“ Das ist ein riesiger Unterschied, denn das hebräische Wort, was hier für „morden“ steht, wird nur auf Menschen angewendet und zwar nur auf Menschen, welche hinterhältig und unbegründet umgelegt werden. Streng genommen kann dieses Gebot weder gegen die Todesstrafe, noch gegen den Militärdienst noch gegen die Selbstverteidigung im Falle eines Falles verwendet werden. Dies aber nur am Rande.
Somit wird klar: Das Mordverbot kann im Fall der Tierschlachtung nicht angewendet werden. Ebenso wird einmal mehr klar, dass der Wert des Menschenlebens unendlich weit über dem Wert eines Tierlebens steht. Ok, wer mir das „unendlich“ anzweifeln will, darf das tun, verpflichtet sich damit aber, mir zu erklären, wie viele Tierleben den Wert eines Menschenlebens aufwiegen.
6. Die Opfergesetze
Über die Jahrhunderte – zwischen dem Auszug aus Ägypten und dem ersten Kommen Jesu liegen ungefähr 15 Jahrhunderte – wurden auf den Befehl Gottes hin Millionen von Tieren gezüchtet und gepflegt, um dann anschließend als Opfertier ihr Leben lassen zu müssen. All das waren nicht etwa Erfindungen des Menschen um Gott zu gefallen, sondern die Umsetzung von Gottes direktem Befehl. Das Tieropfer diente dazu, dass der Mensch sich immer wieder seiner Verantwortung und seiner Herrschaft über die Schöpfung bewusst wurde, indem er einsehen musste, dass die Vergebung menschlicher Schuld nur mit Blut gesühnt werden kann – entweder mit dem Blut und Leben des Schuldigen, oder mit dem stellvertretenden Blut und Leben eines perfekten Opfertiers, welches eine Vorschattung auf das war, was Jesus auf Golgatha für uns getan hat. Das Opfer Jesu ist also so groß, dass Gott das ganze Tierleid nicht zu schade war, welches in diesen Opfern zustande kam.
7. Gott auf Erden isst Fleisch
Und dann – als die Zeit erfüllt war – kam Gott als Mensch auf die Erde. Und macht was? Isst Fleisch. Hilft den Fischern, einen größeren Fang zu machen als jemals bisher. Also ein größeres Schlachten von Fischen (Lukas 5,9). Und isst mit Seinen Jüngern Fisch zum Frühstück:
Jesus spricht zu ihnen: Kommt zum Frühstück! Aber keiner der Jünger wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wußten, daß es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt es ihnen, und ebenso den Fisch. (Joh. 21, 12-13)
Und isst mit ihnen das Passahlamm:
Sie gingen hin und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte; und sie bereiteten das Passah. Und als die Stunde kam, setzte er sich zu Tisch und die zwölf Apostel mit ihm. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch: Ich werde künftig nicht mehr davon essen, bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes. (Luk. 22,13-16)
8. Paulus und das Götzenopferfleisch
Häufig wird auch darauf hingewiesen, dass schon Paulus den Vegetarismus angesprochen habe. Dies stimmt, doch ist es ein weiterer Missbrauch der Bibel, diese Passagen bei Paulus so zu missdeuten, als ob es Paulus um das Essen von Fleisch an sich ginge. Das ist falsch, denn Paulus spricht damit lediglich den Fall an, in welchem das Fleisch, welches auf dem Markt verkauft wurde, zuvor einem falschen Götzen geopfert wurde. In dem Fall sagt Paulus:
Was nun das Essen der Götzenopfer betrifft, so wissen wir, daß ein Götze in der Welt nichts ist, und daß es keinen anderen Gott gibt außer dem Einen. Denn wenn es auch solche gibt, die Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden — wie es ja wirklich viele »Götter« und viele »Herren« gibt —, so gibt es für uns doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir für ihn; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind, und wir durch ihn. Aber nicht alle haben die Erkenntnis, sondern etliche machen sich ein Gewissen wegen des Götzen und essen [das Fleisch] noch immer als Götzenopferfleisch, und so wird ihr Gewissen befleckt, weil es schwach ist. Nun bringt uns aber eine Speise nicht näher zu Gott; denn wir sind nicht besser, wenn wir essen, und sind nicht geringer, wenn wir nicht essen. Habt aber acht, daß diese eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoß wird! (1. Kor. 8, 4-9)
Mit diesem Hintergrund wird auch die Stelle im Römerbrief klarer:
Nehmt den Schwachen im Glauben an, ohne über Gewissensfragen zu streiten. Einer glaubt, alles essen zu dürfen; wer aber schwach ist, der ißt Gemüse. Wer ißt, verachte den nicht, der nicht ißt; und wer nicht ißt, richte den nicht, der ißt; denn Gott hat ihn angenommen.(Röm. 14,1-3)
Später fährt er fort:
Darum laßt uns nicht mehr einander richten, sondern das richtet vielmehr, daß dem Bruder weder ein Anstoß noch ein Ärgernis in den Weg gestellt wird! Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, daß nichts an und für sich unrein ist; sondern es ist nur für den unrein, der etwas für unrein hält. Wenn aber dein Bruder um einer Speise willen betrübt wird, so wandelst du nicht mehr gemäß der Liebe. Verdirb mit deiner Speise nicht denjenigen, für den Christus gestorben ist! So soll nun euer Bestes nicht verlästert werden. Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist; wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und auch von den Menschen geschätzt. So laßt uns nun nach dem streben, was zum Frieden und zur gegenseitigen Erbauung dient. Zerstöre nicht wegen einer Speise das Werk Gottes! Es ist zwar alles rein, aber es ist demjenigen schädlich, der es mit Anstoß ißt. Es ist gut, wenn du kein Fleisch ißt und keinen Wein trinkst, noch sonst etwas tust, woran dein Bruder Anstoß oder Ärgernis nehmen oder schwach werden könnte. Du hast Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! Glückselig, wer sich selbst nicht verurteilt in dem, was er gutheißt! Wer aber zweifelt, der ist verurteilt, wenn er doch ißt, weil es nicht aus Glauben geschieht. Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde. (Röm. 14,13 – 23)
So wird klar, dass für Paulus die Freiheit wichtig ist, er die Angst vor dem Götzenopferfleisch jedoch als eine Schwäche im Glauben verstanden hat. Zugleich warnt er ganz klar vor allen, die versuchen, andere zum Vegetarismus zu bekehren:
Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet. (1. Tim. 4,1 – 4)
9. Vegetarismus in der Kirchengeschichte
Nachdem gegen Ende des ersten Jahrhunderts nach unserer Zeitrechnung die Schriften des Neuen Testaments vollständig fertiggestellt warn, dauerte es nicht lange, bis such zu erfüllen begann, wovor der Apostel Paulus seinen Mitarbeiter Timotheus gewarnt hatte:
1. Ebioniten
Eine der ersten Bewegungen, die in der Kirchengeschichte als Vertreter des Vegetarismus bekannt ist, waren die Ebioniten (wörtlich übersetzt: Die Armen). Sie sahen sich als Juden, die an Jesus glaubten, lehnten aber die Schriften von Paulus ab, ebenso den stellvertretenden Tod Jesu am Kreuz. Sie lehnten das Tieropfer ab und verboten den Fleischgenuss.
2. Enkratiten
In der Mitte des zweiten Jahrhunderts entstand die Sekte der Enkratiten (wörtlich übersetzt: Die Enthaltsamen). Das war eine stark asketische Bewegung, in welcher das Heiraten, bzw. jede sexuelle Tätigkeit und der Genuss von Fleisch untersagt wurde. Das Ziel des Ganzen war, dass der Mensch ein Leben wie ein Engel führen solle, um so durch ein Christus-ähnliches Leben erlöst zu werden. Aller Genuss sei fleischlich und damit abzulehnen.
3. Eustathianer
Eine weitere Gruppierung der frühen Geschichte waren die Eustathianer, die nach dem angenommenen Gründer Eustathios von Antiochia benannt wurden. Sie verlangten ein komplett besitzloses Leben, verboten zu heiraten und Fleisch zu essen. Außerdem lehnten sie das Feiern von Gottesdiensten ab. Ihre Irrlehren wurden 340 auf der Synode von Gangra verurteilt.
4. Bogomilen
Auch im Mittelalter traten vereinzelt wieder Gruppierungen auf, welche den Vegetarismus vertraten. Im 10. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung entstanden in Osteuropa die Bogomilen (der Name kommt vom bulgarischen Namen des Gründers Bogomil – zu deutsch etwa „Gottlieb“). Auch hier gab es wieder einen neuplatonischen Dualismus mit der Ablehnung von allem Materiellen. Dies führte zur Ablehnung einiger Teile des Alten Testaments und so unter anderem auch zum Verbot des Fleischgenusses.
5. Katharer
Ab dem 12. Jahrhunder traten in Westeuropa, insbesondere in Frankreich, auch die Katharer (wörtlich übersetzt: Die Reinen) auf. Sie waren ein westlicher Abklatsch der östlichen Bogomilen und beriefen sich auch auf dieselben häretischen Schriften wie jene. Für die Katharer ist die Welt das böse Gefängnis der an sich guten Seele, weshalb diese aus dem Gefängnis befreit werden solle. Dies könne nur durch das so genannte Consolamentum – eine Art Initiationsritus zum Katharer – geschehen. Nach einem Noviziat (eine Vorbereitungszeit) gehörte man zu den Perfekten, welche sich aller materiellen Genüsse – so etwa des Fleisches – zu enthalten hatten.
10. Von der Freiheit eines Christenmenschen
Nach dieser Betrachtung wird deutlich, dass es sehr sehr schwer wird, sich die Bibel oder die Geschichte der Kirche zunutze zu machen, um für den Vegetarismus zu plädieren. Eines bleibt vorerst noch zu sagen: Die Bibel schätzt die Freiheit des Christen sehr hoch ein. Insofern ist es natürlich erlaubt, auf das Essen von Fleisch zu verzichten. Wo es jedoch zu Problemen kommt, ist dort, wo Menschen versuchen, ihren Lebensstil als Vegetarier anderen aufzuschwatzen, was häufig passiert.
Nichtsdestotrotz muss natürlich auch gesehen werden, dass es menschliche Gründe gibt, auf Fleisch verzichten zu wollen. Manche Menschen mögen einfach kein Fleisch, und das ist natürlich ok. Dagegen gibt es nichts einzuwenden.
Auch ist das Argument von der schlechten Tierhaltung nicht ganz von der Hand zu weisen. Dass es schlechte Tierhaltung gibt, wird jeder feststellen können, der sich eine Weile damit befasst. Die Frage muss also anders gestellt werden: Kann der Verzicht auf Fleisch etwas an dieser Lage ändern? Bisher lautet die Antwort: Nein. Es werden nach wie vor viele Tiere zum Schlachten gezüchtet und gemästet. Sie werden geschlachtet und zum Verzehr bereitet. Es ist wie oben beim Passahlamm bereits gesehen: Was nicht gegessen wird, wird verbrannt, bzw. kommt in den Müll.
Es gibt natürlich das Argument: Ich esse kein Fleisch, ich bin dagegen, und mache mich somit an dieser Gesellschaft nicht schuldig. Dieses Argument erinnert mich immer an einen Song von den Ärzten. Doch so einfach ist das leider nicht. Einzig dagegen zu sein rettet keinem einzigen Tier das Leben. Außerdem muss man sich fragen, was mit all den Schlachttieren geschehen soll, falls sie nicht geschlachtet werden sollen. Tierheime sind jetzt schon überfüllt und auch nicht unbedingt in der tierfreundlichsten Art ausgestattet.
11. Zu guter Letzt: Verzicht auf Medizin und Kosmetik?
Und dann muss in der ganzen Debatte um das Tierleid auch die Frage nach konsequenter Umsetzung gestellt werden. Hier kommen wir zurück auf eine Aussage, die ich im zweiten Abschnitt vom Sündenfall und der Technologie gemacht habe: „Je weiter die Technologie fortschreitet, desto größer wird die Kluft zwischen dem Segen der gut gebrauchten Technologie und dem Fluch der missbrauchten Technologie.“Das wird nirgendwo deutlicher als in der heutigen Forschung und Medizin. Ich bin dankbar für alle Erkenntnisse und Medikamente, die ich nutzen darf. Zugleich muss ich mir aber auch bewusst sein, dass diese ebenfalls mit Tierleid verbunden sind.
Wer also konsequent gegen Tierleid ist und darauf verzichten will, sollte zunächst damit beginnen, auf jede Art von Kosmetika und Medikamenten zu verzichten. Das wäre eine konsequente Haltung, die allerdings auch andere Konsequenzen mit sich ziehen kann. Etwa die Verkürzung des Lebens und ein Mehr an Menschenleid.
12. Schlusswort
Nach dieser Betrachtung sollte klar geworden sein, dass das Thema keinesfalls so leichtfertig beantwortet werden kann. Die Bibel und Kirchengeschichte geben keinen Hinweis darauf, dass der Mensch langfristig für Vegetarismus geschaffen wurde. Doch ist andererseits das Problem der schlechten Tierhaltung auch nicht zu übersehen. Was es hier bräuchte, wären alternative Ansätze, etwa die Förderung lokaler Anbieter von artgerecht gehaltenen Tieren. Oder der Umstieg auf Selbstversorgung. Da dies jedoch nicht allen von uns möglich sein wird, schon allein deshalb, weil es in unseren westeuropäischen Staaten nicht ganz einfach ist, an die Lizenzen und Werkzeuge zum Jagen und Schlachten zu kommen, werden wir auch weiter mit der ethischen Spannung leben müssen. Wer in unsere Gesellschaft hineingeboren wurde und bleibt, um hier zu leben, ist darin nun mal mitgegangen und mitgefangen. Ob er nun Fleisch isst oder nicht.

Bibliothek der Weltliteratur 1: Die Bibel

Vor Kurzem bin ich auf ein Projekt gestoßen, das mir – Schande über mein Haupt – noch gar nicht bekannt war. 1978 – 1981 wurde in der Zeitschrift DIE ZEIT eine Bibliothek der wichtigsten 100 Bücher der bisherigen Geschichte zusammengestellt und jede Woche eines davon vorgestellt. Ich finde die Zusammenstellung ziemlich gut gelungen – die einzelnen Artikel über die Bücher haben allerdings sehr unterschiedliche Qualität. Die Zusammenstellung findet sich natürlich auch auf Wikipedia. Ich möchte mich an dieser Zusammenstellung orientieren und in loser Reihenfolge einige dieser – und vermutlich auch andere – Bücher vorstellen, die meiner Meinung nach zu den großen Büchern der Weltliteratur gehören.
Weltbestseller Nr. 1
Über kaum ein anderes Buch wurde und wird mehr gestritten und diskutiert. Kaum ein anderes Buch hatte jemals so großen Einfluss wie die Bibel. Und so erstaunt es auch nicht, dass die Bibel seit Langem der absolute Weltbestseller Nr. 1 ist. Im Juli diesen Jahres berichtete die United Bible Society, dass die ganze Bibel (Altes und Neues Testament) bereits in 511 verschiedenen Sprachen übersetzt sei. Zusätzlich sei das Neue Testament in weiteren 1295 Sprachen erhältlich. Schon allein im Jahr 2012 wurden über 405 Millionen biblische Schriften (ganze Bibel, Neue Testamente oder weitere Teile der Bibel) über die nationalen Bibelgesellschaften verbreitet.
Das Buch unserer westlichen Kultur
Unsere westliche Kultur wäre ohne die Bibel undenkbar. Wir verdanken ihr ungeheuer viel, denn wie kein anderes Buch hat sie unsere Gesellschaft geprägt, lange Zeit unser gesellschaftliches Denken geschaffen und erhalten, hat die Entstehung der Menschenrechte und unserer westlichen Demokratie und Freiheit ermöglicht. Die Abschaffung der amerikanischen Sklaverei und die Stärkung der Rechte dieser Menschen wurde durch Leute vorangetrieben, die sich auf die Bibel gestützt haben und sie ernst nahmen. Die Bibel hat die Bildung aller Bevölkerungsschichten stark unterstützt, gerade da das Konzept der Bildung ihr direkt entspringt. Heute hört man häufig, dass die Probleme dieser Welt mit genügend Bildung gelöst werden könnten. Doch wohin Bildung ohne Christus führt, haben wir im letzten Jahrhundert mit seinen zwei Weltkriegen und dem braunen und roten Sozialismus zur Genüge gesehen. Wenn sich unsere Gesellschaft nicht wieder auf die Bibel und auf Christus besinnt, ist sie dazu verdammt, die Geschichte mit einem momentan zunehmenden politisch grünen Sozialismus zu wiederholen.
Das Wunder der Bibel
Kein anderes Buch wurde öfter verbrannt und hat doch bis heute überlebt. Die Bibel ist ein Buch der Wunder. Nicht nur, weil darin einige enthalten sind. Sie ist außerdem über den langen Zeitraum von 1500 Jahren entstanden und es gab über 40 Personen, die an ihr mitgearbeitet haben in diesem Zeitraum – und dennoch präsentiert sie sich als ein Ganzes, eine Einheit, eine große Geschichte, die sich zwar stückweise entfaltet, aber dennoch ohne echte Widersprüche auskommt. Sie hat nicht nur über 40 Menschen, die an ihr geschrieben haben, sondern vielmehr ist sie durch diese einzelnen menschlichen Autoren, die alle in ihrer einzigartigen Persönlichkeit Teil des Ganzen geworden sind, das Werk des lebendigen Gottes – des Gottes Abrahams, Isaaks, Jakobs, Josefs, Moses, Josuas, Davids, Elias, Jesu, Paulus und vieler mehr – bis auf den heutigen Tag. Die Bibel enthält die Geschichte Gottes – von der Erschaffung der Himmel und der Erde über den Sündenfall des Menschen und die Geschichte der Erlösung bis zur Ewigkeit in der Herrlichkeit bei Gott oder in der ewigen Trennung von Ihm: Was Gott getan hat, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern ewiges Leben haben. (Johannes 3,16) Das Wunder der Bibel ist nicht so sehr, dass Gott alle möglichen Wunder tun kann. Das größte Wunder ist, dass Gott Menschen, die sich von Ihm abgewandt haben und Ihn mit ihrem ganzen Leben verachten, trotzdem so sehr liebt und sie zu Seinen Kindern macht, ihre Schuld übernimmt und deren Preis bezahlt und ihnen ein neues Leben schenkt – ein Leben in Frieden mit Ihm, mit sich selbst und mit seiner Umgebung.

Die Bibel „meistern“ – eine Idee für die „Stille Zeit“

Gegen Ende des letzten Jahres habe ich mir folgende Frage gestellt: Die letzten 12 Jahre habe ich die Bibel jedes Jahr einmal ganz durchgelesen in meiner (oft nicht grad allzu stillen) „Stillen Zeit“. Verschiedene Versionen von Bibelleseplänen habe ich dazu genutzt, aber irgendwie habe ich mal nach was ganz Neuem gesucht. Beim Googeln bin ich dann auf einen englischen Artikel von Fred Sanders auf Patheos gestoßen, der das Buch von James Gray „Mastering The English Bible“ vorstellt (inzwischen scheint der Artikel bereits im Nirvana angelangt zu sein – allerdings lässt er sich über die „Wayback Machine“ noch abrufen). Die Idee dahinter fand ich sehr spannend, so habe ich mir das Buch von Gray gleich mal als PDF (Link) heruntergeladen und gelesen.
Wer war James Gray?
James Martin Gray (1851 – 1935) war Pastor, Bibellehrer, Autor, Dozent und Präsident des Moody Bible Institute in Amerika. Nebst den 25 Büchern, die er schrieb, hat er auch einige Kirchenlieder verfasst. Er arbeitete lange Zeit mit dem Evangelisten Dwight L. Moody zusammen. Über die Entdeckung „seiner“ Methode des Bibellesens schreibt er:
Die erste praktische Hilfestellung, die ich je bekommen habe, um die englische Bibel zu meistern, stammt von einem [theologischen] Laien. Wir waren gemeinsam Besucher einer bestimmten christlichen Konferenz oder Zusammenkunft und für ein paar Tage zusammengewürfelt, und ich sah in seinem Leben als Christ etwas, was für mich vergleichsweise fremd war: Ein Frieden, eine Ruhe, eine Freude, ein geistliches Gleichgewicht, womit ich nur wenig Erfahrung hatte. Eines Tages wagte ich ihn zu fragen, wie er denn zu dieser Erfahrung gekommen sei. Er antwortete: „Indem ich den Brief an die Epheser gelesen habe.“ Ich war erstaunt, denn ich hatte ihn gelesen, ohne zu diesem Resultat zu kommen, und deshalb bat ich ihn, mir die Art und Weise, wie er ihn gelesen habe, zu erklären, als er folgendes berichtete: Er war dann und wann aufs Land gegangen, um dort den Samstag mit seiner Familie zu verbringen, als er eine Taschenausgabe des Epheserbriefs dabei hatte, und am Nachmittag, als er in den Wald ging und unter einen Baum lag, begann er zu lesen; er las ihn in einem Zug durch und fand sein Interesse erwacht, und las ihn gleich noch einmal auf dieselbe Art, und unter zunehmendem Interesse wieder und wieder. Ich glaube er fügte hinzu, dass er ihn etwa 12 oder 15 Mal durchlas: „Und als ich aufstand, um ins Haus zu gehen“, sagte er, „war ich im Besitz des Ephesebriefs, oder, besser gesagt, er war im Besitz von mir, und ich war ‘hochgehoben um an himmlischen Örtern zu sitzen in Christus Jesus’ in einer Weise, die auf Erfahrung gegründet war, wie das zuvor noch nicht so mit mir war, und es wird nie wieder aufhören, so zu sein.“ Ich gebe zu, dass mein Herz voll Dankbarkeit zu Gott war für das erhörte Gebet, als ich diesem einfachen Vortrag zuhörte, ein Gebet seit Monaten, wenn nicht seit Jahren, dass ich erfahren möge, wie man Sein Wort meistern kann. Und doch, gleichzeitig zu dieser Dankbarkeit kam auch die Demütigung hinzu, dass ich ein so einfaches Prinzip zuvor noch nicht entdeckt hatte, welches ein Junge von zehn oder zwölf Jahren hätte kennen können. Und daran zu denken, dass ein „ordinierter“ Pfarrer zu den Füßen eines [theologischen] Laien sitzen muss, um das wichtigste Geheimnis seines Handwerks zu lernen!“ (James M. Gray, How To Master The English Bible, S. 17ff, Übersetzung von mir)
Worum geht es bei seiner Methode?
Das Wichtigste der Methode ist damit erklärt. Normalerweise wird man dazu angeleitet, die Bibel Buch für Buch durchzulesen und dann wieder vorne anzufangen. Gray schlägt jetzt auch vor, vorne anzufangen, aber das erste Buch der Bibel nicht nur einmal, sondern gleich 20 Mal zu lesen, bevor das zweite Buch dran kommt. Gray gibt ein paar Regeln zu diesem Lesen:
1. Fang vorne an, beginne dort zu lesen, wo Gott mit Schreiben begonnen hat.
2. Lies das Buch. Es kommt nicht auf unsere Geschwindigkeit an, sondern einfach darauf, es zu lesen.
3. Lies das Buch fortlaufend. Immer weiter. Manche Bücher können auch in einzelne Abschnitte geteilt werden, die das Lesen erleichtern.
4. Lies das Buch immer und immer wieder. Gray schlägt 20 Wiederholungen vor. Dies scheint mir sinnvoll zu sein.
5. Lies das Buch unabhängig von Kommentaren, Erklärungen und Ähnlichem. Fremde Hilfe ist in dem Fall immer nur wie eine Krücke, die uns von anderen abhängig macht.
6. Lies das Buch unter Gebet. Das ist die wichtigste Regel für Gray. Das ernnsthafte Suchen Gottes im Gebet hilft uns, das jeweilige Buch der Bibel vom Heiligen Geist erleuchtet zu lesen.
Was sind meine bisherigen Erfahrungen damit?
Auch wenn ich eine absolute Leseratte und ein großer Bibelfreak bin, hat mich eine Sache daran etwas erschreckt, und ich denke, dass dies für die meisten Menschen das größte Hindernis ist: Ganz vorne anzufangen, mit einem Buch, das 50 Kapitel lang ist. Bei 20 Wiederholungen macht das alles insgesamt 1000 Kapitel, was bedeutet, dass man bei einem Durchschnitt von 3 Kapiteln pro Tag fast ein ganzes Jahr im 1. Buch Mose verweilt. Bevor ich mich an ein solch großes Unternehmen wagte, wollte ich die Sache erst mal in Ruhe testen. So habe ich das erste Halbjahr von 2014 damit verbracht, kurze Bücher der Bibel nach dieser Methode zu lesen. Aus dem Neuen Testament die Johannes- und Petrusbriefe sowie Titus und die zwei an Timotheus, aus dem Alten Testament Ruth und einige der 12 „kleinen Propheten“, immer abwechselnd eines aus dem Alten und eines aus dem Neuen Testament.
Wer sich also auch fragt, ob sich das lohnen würde, dem empfehle ich, das Projekt so anzugehen. Welche Bücher man sich zu „Testzwecken“ aussucht, ist eine persönliche Geschmackssache. Für den Anfang lohnt es sich, mit kürzeren zu beginnen, da man die Schwierigkeiten auf diese Weise schneller ausfindig machen kann.
Was sind die Schwierigkeiten? Es ist ein großes Projekt, für das man sich einige Jahre (ich rechne bei mir als jemand, der schnell, gerne und viel liest, 15 Jahre für das gesamte Projekt. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, da dies im Durchschnitt 4 Kapitel pro Tag zu lesen bedeutet. Wer langsamer liest, sollte wohl eher mit 20 – 25 Jahren rechnen. Ebenso kommt man immer wieder an einen Punkt, an dem das Lesen schwierig wird. Es wird anstrengend. Man fragt sich: „Wie oft denn noch?“ In diesen Momenten ist es wichtig, dran zu bleiben und weiter zu lesen. Wieder und wieder und noch einmal. Hier ist Disziplin und ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung nötig.
Mein persönliches Fazit
Meine bisherigen Erfahrungen damit sind sehr gut. Es ist sehr hilfreich, über längere Zeit in ein und demselben Buch der Bibel zu „wohnen“ und zu bleiben. Ich werde das Projekt ab dem Juli diesen Jahres starten. Ich bin gespannt, wie es laufen wird und was dabei herauskommt. Das 1. Buch Mose werde ich in folgenden Teilen lesen: 1. Mose 1–11 (Urgeschichte), 1. Mose 12–25 (Abraham), 1. Mose 26-35 (Isaak und Jakob) und 1. Mose 36-50 (Joseph). Ich werde mir für das „Zählen“ der Leserunden eine Tabelle zum Abhaken / Ankreuzen machen. Falls Interesse besteht, kann ich diese auch zum Download bereitstellen.
Was hältst Du nach dem Lesen diesen Beitrags von der Idee? Wenn es die (momentan eher knappe) Zeit erlaubt, werde ich ab und zu mal wieder von den Ergebnissen berichten.

Biblisch Familie leben

Für die April-Ausgabe der BFP-Zeitschrift GEISTbewegt! durfte ich wieder einen Artikel verfassen. Wer die Möglichkeit hat, sollte ihn möglichst in der Papier-Ausgabe lesen, da das gesamte Layout sehr gut geworden ist.
Biblisch Familie leben – heute?
Nachdem die Evangelische Kirche Deutschland letztes Jahr eine Orientierungshilfe zum Thema herausgegeben hat, bewegt diese Frage viele Gemüter: Wie sieht das biblische Familienleben aus? Können – oder sollen – wir nach diesem Ideal streben? Ist es überhaupt ein Ideal? Wie könnte biblisches Familienleben im 21. Jahrhundert aussehen? Und wie kann die örtliche Gemeinde die Familien darin unterstützen?
Familie in der Bibel
Zunächst müssen wir sehen, dass das, was wir heute unter dem christlichen Familienbild verstehen, in der Bibel kaum oder nur als Ausnahme zu finden ist. In der Bibel gibt es Familie nicht als Definition von „Vater, Mutter und Kinder“. Vielmehr ist die Familie als eine Lebensgemeinschaft vorausgesetzt, die aber zugleich auch eine Lern- und Arbeitsgemeinschaft ist. Die Familie wird in der Bibel das „Haus“ genannt. Dieses Haus umfasste oft mehr als zwei Generationen, daneben aber auch nähere Verwandtschaft und die Angestellten, also die Diener oder Sklaven des Hauses. Da immer wieder Menschen recht früh gestorben sind und dadurch wieder neue Ehen geschlossen wurden, war das, was wir heute eine „Patchwork-Familie“ nennen, schon immer weit verbreitet.
Wo es hingegen keine Zweifel geben kann, ist die Ehe, die von Anfang an im Bilde Gottes als ein lebenslanger Bund von einem Mann mit einer Frau geschaffen war. Mann und Frau haben gemeinsam die Aufgabe, für die kommende Generation zu sorgen und die zeitlos gültigen Werte der Bibel weiterzugeben. So ist das Buch der Sprüche eine Sammlung der Lebensweisheit König Salomos und anderer weiser Männer, dazu gemacht, um diese Weisheit der nächsten Generation zu geben. Es beginnt immer wieder mit den Worten: „Höre, mein Sohn“ und möchte somit auch Eltern Anleitung geben, was die Werte der Bibel und damit auch des allwissenden Gottes sind, die der nächsten Generation weitergegeben werden sollen. Auch im Neuen Testament wird diese Aufgabe der Familie als Lebens-, Lern- und Arbeitsgemeinschaft wieder aufgenommen. Kinder haben die Pflicht, ihren Eltern zu gehorchen. Eltern haben die Pflicht, ihre Kinder zu einem gottesfürchtigen Leben zu erziehen, ohne sie dabei verbittert zu machen (Epheser 6, 1 – 4).
Familie im Wandel der Zeit
Seither hat sich in der Gesellschaft manches verändert. Ob zum Guten oder nicht, sei dahingestellt. Doch ist klar, dass wir in unserer Zeit oft anderen Fragen ausgesetzt sind. Dennoch ist uns auch hier die Bibel der Maßstab für all unser Handeln. Für die Familie hat sich vor allem im Zeitalter der Industrialisierung eine Menge geändert. Waren bis dahin die meisten Familien noch mit Grundbesitz und eigenem Gewerbe ausgestattet, wurde nun der Beruf immer mehr in die Fabrik verlegt. Es fand eine Trennung von Familie und Beruf statt. Der Beruf wurde zunehmend von der Familie abgekoppelt. Durch die Säkularisierung wurde der Beruf vergötzt – Ehe und Familie war bald nur ein Anhängsel des im Beruf stehenden Mannes.
Zunehmend wurde auch die Bildung ausgelagert, öffentliche Schulen wurden zum neuen Vermittler des Wissens. Auch sie wurden säkularisiert gestaltet. Stammte der Begriff der Bildung im späten Mittelalter und der Reformation noch ursprünglich vom „in das Bild Gottes gewandelt werden“ ab (Römer 8, 29), so geht die Erziehung zur Gottesfurcht immer mehr verloren. Am Ende bleibt eine Ehefrau und Mutter übrig, deren Arbeitsleistung für Ehe und Familie als wertlos betrachtet wird. Dass die Tagesstätte, der Kindergarten und die Schule kein Ersatz, sondern immer nur eine Ergänzung zu einer intakten Familie sei, wird häufig vergessen. Da in vielen Fällen das Einkommen der ganzen Familie eher gering war, mussten schon im Zeitalter der Industrialisierung immer öfter auch Frauen in der Fabrik arbeiten gehen. Daraus entstand ein neues Selbstverständnis, das in der Frauenrechtsbewegung ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck kam. Inzwischen hat sich in unseren Breiten der Staat derart „aufgebläht“ und damit auch die Last der Abgaben, dass eine Familiengründung immer teurer wurde. Auch wird durch die lange Ausbildungszeit der Zeitpunkt für eine solche Familiengründung immer weiter hinausgezögert.
Nicht zuletzt entstand durch die technische Revolution seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine immer tiefer werdende Kluft zwischen den Generationen. Wachsen heute Kinder bereits in jungen Jahren mit Internet, Handy und Smartphone auf, haben deren Eltern in vielen Fällen wenig bis keine Ahnung von den Möglichkeiten und Gefahren der neuen Medien. Mit all diesen Veränderungen ist eine Familie in der heutigen Zeit konfrontiert. Hier gilt es, für alle Bereiche des Lebens Antworten zu finden, die den biblischen Werten entsprechen und gläubige Familien darin zu unterstützen, ein Leben in unserer Zeit nach dem Wort Gottes zu leben.
Die Gemeinde und die Familie
Hier ist die Gemeinde gefragt. Am Ende Seiner Tätigkeit auf der Erde sagte der Herr Jesus: „So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen.“ (Matthäus 28, 19 – 20) Einen Jünger des Herrn Jesus macht also aus, dass er gelehrt wird, alles zu tun, was Gott ihm befohlen hat. Den Willen Gottes finden wir in den ganzen 66 Büchern des Alten und Neuen Testaments. Somit hat die Gemeinde den Auftrag, ihren Familien, die ja die Kernzellen der Gemeinde sind, zu helfen, ihren Alltag, ihre Fragen und Sorgen mit Hilfe von Gottes Wort zu bewältigen.
Als Gemeinden ist es wichtig, dass wir die Ehe wertschätzen und zur Familiengründung ermutigen. Auch heute ist das Psalmwort gültig, dass Kinder ein Segen sind (Psalm 127, 3). Die Ehe wird in der Bibel oftmals als Bild gebraucht, um die Liebe und Treue Gottes zu Seiner Gemeinde zu beschreiben. So haben die christliche Ehe und Familie in unserer Gesellschaft den Auftrag, Gottes Charakter bekannt zu machen, der auch angesichts unseres menschlichen Versagens treu, vergebend und voller Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe bleibt. Auch in den Bereichen Erziehung und Bildung kann die Gemeinde Eltern unterstützen, zum Beispiel mit Seminaren zu diesen Themen. Wichtig wäre, hierbei auch an die neuen Medien zu denken und Familien in ihrem Wissen und Umgang damit zu unterstützen. Die Gemeinde hilft den Eltern also, ihren Erziehungsauftrag gemäß den biblischen Werten wahrzunehmen.
Viele Gemeinden haben bereits eine gut funktionierende Kinder- und Jugendarbeit. Diese ist eine wertvolle Investition in die Familien. Verschiedene Arbeitsbereiche der Gemeinde möchten den Glauben vermitteln und Hilfe für den Alltag geben. So lebt die Gemeinde davon, dass in jeder Generation wieder neue Menschen zum Glauben kommen und sich in der Gemeinde wiederum in die nächste Generation investieren. In einer christlichen Jugendarbeit können Kinder und Jugendliche unter Gleichaltrigen eine Menge fürs Leben lernen.
Ein großer Teil der Pflegeleistung wird privat in der erweiterten Familie erbracht. Große Gemeinden können mithelfen, indem die Familien in der Pflege unterstützt werden. Solche Projekte können natürlich auch über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinaus geplant und durchgeführt werden. Familie hört nicht dort auf, wo der Rahmen „Vater-Mutter-Kinder“ überschritten wird. Da wir laut Bibel als weltweite Gemeinde aller Gläubigen eine große Familie sind, hat jede und jeder Gläubige Familie. Leider wird dies oft vergessen; Singles, Alleinerziehende oder auch einsame ältere Menschen werden als „unvollständig“ betrachtet und so behandelt. Da braucht es ein Umdenken in unseren Gemeinden: So wäre eine Zusammenarbeit mit bereits vor Ort bestehenden Jugend- und Familienzentren oder Alters- und Pflegeheimen möglich. Auch gemeinsame Feiern und Projekte in der Gemeinde sind Möglichkeiten, um mehr Menschen in das Gemeindeleben mit einzubeziehen und ihnen zu helfen, sich auch als Alleinstehender als vollständiger Mensch zu sehen und gebraucht zu wissen. Hier sind wir gefordert, für einander gegenseitig Verantwortung zu übernehmen und so in Einheit zu einander zu stehen: Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. (Johannes 17, 20 – 21)

Gedanken zum Lesen

Gedanken zum Lesen
Wir leben in einer Zeit, in der wir mit einer zunehmenden Flut von Büchern, eBooks, PDFs, Zeitschriften, Zeitungen, aber auch vielen anderen Medien überflutet werden, die durch ihr Auftreten allesamt den Wunsch äußern, von uns gelesen, gehört, oder sonst wie wahrgenommen zu werden. Ich bin eine Leseratte, ein Bücherwurm. Schon als kleiner Junge hat es mich fast „magisch“ zu den Bücherregalen hingezogen. In den letzten Tagen habe ich mir vermehrt Zeit genommen, um meine Lesegewohnheiten unter die Lupe zu nehmen, und möchte dazu ein paar Gedanken weitergeben.
1. Lesen mit einem Ziel
Wenn wir lesen, dann geht es zunächst einmal um uns selbst. Auch wenn es inzwischen schon den Nebenjob des Rezensenten gibt, werden wohl doch nur wenige so viel Zeit haben, um einfach nach Lust und Laune querfeldein zu lesen. Davon abgesehen ist das auch nicht besonders sinnvoll, denn dadurch gewöhnen wir uns ein Muster an, nach welchem wir bald dazu tendieren werden, Bücher nur anzufangen und zum nächsten zu springen, bevor wir überhaupt das erste beendet haben. Wir lesen also nicht für den Autor, auch nicht für den Verlag, sondern für uns selbst. Und jeder von uns steht an seinem individuellen Platz im Leben, hat seine individuellen Stärken und Schwächen, sein bisheriges Wachstum, seine aktuellen Fragen und blinden Flecke im Leben. Um Bücher so zu nutzen, dass sie uns tatsächlich das größtmögliche weitere Wachstum geben, tun wir gut daran, die Bücher nach diesen Themen auszusuchen. Dazu hilft es, vielleicht auch mit Hilfe von Menschen, die uns gut kennen, diese Themen zu finden und aufzuschreiben. Und dann nach entsprechender Literatur zu suchen.
TL;DR: Es ist gut, wenn wir die Bücher, die wir lesen, nach den Themen auswählen, die für uns gerade wichtig sind.
2. Lesen mit klarem Verstand
Jeder Autor kann immer nur eine Art Stückwerk bieten. Niemand hat in allem die Wahrheit voll erfasst. Jeder ist noch unterwegs dazu. Deshalb wird auch niemand in einem Buch alles korrekt schreiben können. Jedes Buch nebst der Bibel bedarf der Prüfung an Gottes ewig gültigem, ein für alle Mal überlieferten Wort. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch da alles prüfen und das Gute behalten. Gerade bei Büchern mit Lebensberichten und sogenannten Zeugnissen ist große Vorsicht geboten. Immer wieder kommen zum Beispiel Berichte von Menschen, die behaupten, sie seien schon in der Hölle gewesen und danach – aus welchem Grund auch immer – wieder zurückgekehrt seien. Es gibt auf jeden Fall Visionen der Hölle, es gibt Nahtoderlebnisse, aber die Bibel schließt von Grund auf aus, dass jemand in unserer Zeit tatsächlich die Hölle besuchen und von dort wieder zurückkommen kann. Wir brauchen bei jedem Buch die Möglichkeit, es am Maßstab der Bibel zu messen und unter Umständen falsche Dinge klar zurückzuweisen.
TL;DR: Beim Lesen brauchen wir klaren Verstand und immer den Maßstab der Heiligen Schrift, um alles Gelesene auf den Prüfstand zu stellen.
3. Lesen von neuen und alten Texten
Ich habe hier auf einen sehr guten Text von C. S. Lewis hingewiesen, der herausstellte, wie wichtig es sei, dass wir nicht nur neue Bücher lesen, sondern auch alte. Mit neuen Büchern meine ich jetzt nicht nur diejenigen ab 2010, sondern ich würde den Beginn unserer momentanen Zeit ab etwa 1980 rechnen. Wir tun also gut daran, Bücher zu lesen, die vor dieser Zeit geschrieben wurden, und zwar auch welche, deren Autoren einige Zeit davor lebten. Die Schriften und Bücher der Reformation und anschließend der englischen und amerikanischen Puritaner, diejenigen der frühen Methodisten, des deutschen Pietismus und der Heiligungsbewegung, aber auch der frühen Jahre unserer Pfingstbewegung sind nicht nur lehrreich, sondern sehr stärkend. Ich bin für mich persönlich stark von den Puritanern beeinflusst. Die Bücher ihrer Zeit haben eine Tiefe, eine Klarheit und ein Verständnis, das heute vielfach fehlt.
TL;DR: Wir brauchen nicht nur (post)moderne Bücher, sondern tun gut daran, auch ältere zu lesen.
4. Lesen zur Selbsterbauung
Bücher sollen uns helfen, im Glauben zu wachsen, im täglichen Leben Probleme zu lösen und auf unsere zahlreichen Fragen Antworten zu geben. Daneben gibt es aber auch Bücher, die uns helfen wollen, dass wir uns entspannen können. Dazu dienen zum Beispiel Romane oder andere klassische Literatur. Dazu ist es gut, wenn wir uns zweierlei Dinge bewusst sind: Auf der einen Seite können wir nicht sagen, dass es Romane gibt, die dem Gläubigen verboten sind. Auf der anderen Seite sollten wir aber auch unserer Grenzen bewusst sein. Jeder „Input“, dem wir ausgesetzt sind, wird uns in irgend einer Weise verändern. Gerade für die erbauliche Literatur ist es wertvoll, auf ältere Bücher zurückzugreifen. Diese haben bereits den Test der Zeit überstanden. Sie sind von Generationen von Menschen gelesen worden und haben trotz allem überlebt. So wurde zum Beispiel John Bunyans Roman „Die Pilgerreise“ zum am zweithäufigsten verkauften Buch – direkt nach der Bibel.
TL;DR: Lesen zur Entspannung und Erbauung ist gut – dabei ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, welchen Einflüssen wir uns aussetzen wollen.
5. Lesen mit dem Notizblock
Um den größtmöglichen Gewinn aus dem Lesen herausholen zu können, braucht es etwas Arbeit. Die wichtigste Regel für gewinnbringendes Lesen ist Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Solange wir mit dem Inhalt nur einverstanden sind und ihn abnicken, bleiben wir auf unserem Level stehen. Meine Empfehlung wäre, beim Lesen immer einen Notizblock dabei zu haben und wichtige Sätze und Gedanken daraus zu notieren. Was es zumindest braucht, ist aktive Reflektion des Gelesenen, also aktiv darüber nachdenken, weiterdenken, vergleichen, an der Bibel prüfen, nach Analogien (Vergleichen) suchen, und – ganz wichtig – nach Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung Ausschau halten. Erst durch diese aktive Auseinandersetzung macht unser Gehirn etwas wirklich Bleibendes: Es lernt. Deshalb ist es auch gut, ab und an mal wieder ein Buch zu lesen, in welchem das Gegenteil behauptet wird. So lernt man noch klarer zu prüfen und sich mit der Materie auseinanderzusetzen.
TL;DR: Die aktive Auseinandersetzung mit dem Gelesenen ist wichtig, deshalb ist es hilfreich, sich zum Gelesenen Notizen zu machen und immer wieder darüber nachzudenken.
6. Das Lesen der Bibel ist unersetzlich
Manche Bücher können tatsächlich eine Hilfe zum Verstehen der Bibel sein, aber sie können niemals das Lesen der Bibel ersetzen. Dies gilt übrigens auch Losungs- und Andachtsbücher. Dort werden häufig nur einzelne Verse aufgelistet und im Falle von Andachtsbüchern auch erklärt. Dabei fehlt jedoch etwas: Man verpasst dabei, die Bibel in ihrer Gesamtheit kennenzulernen. In diesen Büchern wird immer nur ein sehr kleines Spektrum der Bibel abgedeckt, eine ganze Menge geht verloren. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, in jedem Jahr einmal die Bibel ganz durchzulesen. Dies ist bei drei Kapiteln pro Tag möglich. Wem dies zuviel ist, kann es mit einem Kapitel pro Tag auch in drei Jahren machen. Es ist einfach wichtig, dass wir auf diese Weise lernen, was die Bibel alles zu sagen hat.
TL;DR: Die Bibel zu lesen und zu kennen ist das Wichtigste. Wir sollten Andachtsbücher nur als Mittel dazu nutzen, die Bibel jedoch in ihrer Gesamtheit immer wieder von vorne bis hinten durchlesen.
7. Lesen, wenn zu wenig Zeit ist
Was, wenn nun zu wenig Zeit ist? Was wir mit unserer Zeit machen, ist immer eine Frage der Priorität. Wenn es uns wichtig ist, unseren Verstand so zu schulen, dass auch er zur Ehre Gottes genutzt werden kann, werden wir nicht darum herum kommen, immer wieder zu lesen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gut machbar ist, pro Tag eine bestimmte Zeit – etwa eine halbe Stunde – für solches aktives Lesen einzuteilen – und dann auch dafür zu nutzen. Auf diese Weise kann man zwar nicht innerhalb weniger Tage dicke Schmöker durchlesen, aber auf längere Zeit verteilt kommt man so auch ans Ziel. Manchmal lohnt es sich auch, die Prioritäten unserer Aktivitäten zu überdenken und neu auszurichten. Dabei kann man sich etwa die Frage stellen, welchen Stellenwert die sozialen Medien, der Fernseher oder das neue Computerspiel haben sollen.
TL;DR: Um zum Lesen Zeit zu finden, kann es nötig sein, Prioritäten neu zu ordnen. Bücher können auch mit wenig Zeitaufwand pro Tag über längere Zeit hinweg gelesen werden.
Was denkst Du zu diesen Gedanken, lieber Leser? Welche der Tipps gefallen Dir gut, welche vermisst Du? Gibt es Themen, zu welchen Bücher gesucht werden? Auf Wunsch kann ich gerne mal mein stetig wachsendes Bücherregal durchsuchen. Ich freue mich über jeden konstruktiven Kommentar!

Das Zentrum der Schrift

Das Zentrum der Schrift

Es ist zum Lesen und Verstehen der Bibel ungemein wichtig, dass wir verstehen, was wir denn da gerade lesen. Auch wenn sehr viele Dinge in der Bibel stehen, drehen sich alle letzten Endes um ein ganz großes, wichtiges Thema: Wie kann der verlorene, sündige, verderbte Mensch wieder in die Gemeinschaft mit dem heiligen, über Sünde zürnenden Gott kommen, der ein verzehrendes Feuer ist, kommen? Um dieses zentrale Hauptthema herum kreisen andere Themen, die wir auch nicht vernachlässigen sollten. Ich versuche das Ganze mal grafisch darzustellen:

Schon im Alten Testament ist Yom Kippur (der große jährliche Versöhnungstag) als Zentrum der ganzen Thora (die fünf Bücher Moses) angelegt. Streng genommen ist ja die Thora die eigentliche “Bibel” des Judentums. Die Geschichtsbücher (Josua bis Nehemia) dienen dem Verständnis der damaligen Geschichte (was sie für uns aber nicht weniger zu Bibel macht), die Weisheitsliteratur (Hiob bis Hohelied) waren schon immer Schriften für die Liturgie des Alltags und des Gottesdienstes und die Propheten erinnerten immer wieder (bis zum Schluss des Maleachi-Buches!) an die Thora, also die fünf Bücher Moses. In diesem Fünfbuch finden wir die Bestimmungen zum Versöhnungstag als Zentrum der Schriften. Auch im Neuen Testament weisen alle vier Evangelien ganz besonders auf den eigentlichen “Yom Kippur” hin, nämlich auf den Tag, an welchem Jesus Christus die Schuld der Sünder trägt und bezahlt. Auch die Predigten in der Apostelgeschichte und die gesamte Briefliteratur (inklusive der Offenbarung Johannis) weisen auf dieses Geschehen zurück und gebrauchen es immer als Fundament, um von den übrigen Themen (in den sechs Kreisen um das Hauptthema herum zu finden) zu sprechen.
So sehen wir also, dass alle Theologie von diesem Kreuzesgeschehen sprechen muss. Es gibt ohne die Rede von der Versöhnung deshalb auch keine Rede von dem Gott der Bibel, da dieser sich in ganz besonderer Weise durch dieses Geschehen am Kreuz geoffenbart hat.