… und wie ist das eigentlich mit der Bekehrung?

Wie „funktioniert“ das überhaupt mit der Bekehrung, von der man immer wieder hört und liest? Was ist das? Wann findet das statt? Wir leben in einer Zeit, in welcher es sehr viele Missverständnisse dazu gibt. Ich möchte ein paar davon ausräumen und versuchen, mehr Licht in die Sache zu bringen.

1. Bekehrung ist etwas ganz Persönliches.

Ja, das ist wirklich so. Und weil Bekehrung so etwas Wertvolles und Intimes ist, tendieren wir schnell dazu, unsere eigene Bekehrung zu idealisieren. So haben wir das erlebt, dann muss es jeder gleich oder zumindest sehr ähnlich erleben, damit es eine echte Bekehrung sein kann. Gleichzeitig empfinden wir das als so etwas Intimes, dass es niemand in Frage stellen darf, was auch wieder nicht so optimal ist. Es ist etwas, worüber sich zu reden lohnt. Im Bus, an der ALDI-Warteschlange und auf dem Marktplatz. Oder auch in der Gemeinde. Es ist so wertvoll, darüber reden zu können und auch Feedback dazu zu bekommen.

2. Nicht jeder kann sich daran erinnern.

Gerade weil es so etwas Persönliches ist, darf es auch so sein, dass sich manche Leute gar nicht daran erinnern können. Das ist aber ebenso wertvoll wie die großen Erlebnisse von Umgekrempelten wie Paulus und anderen mehr. Manche Menschen bekehren sich schon als Kinder und bleiben dem Glauben treu bis ins hohe Alter. Manche Menschen „wachsen“ in den Glauben hinein und merken plötzlich, dass sie irgendwann im Laufe einer bestimmten Zeit zu neuen Menschen geworden sind. Es muss nicht immer ein Knall und Blitzeffekte sein.

3. Es gibt keinen Bekehrungsautomatismus.

In meiner Teeniezeit war das „Übergabegebet“ das A und O des Christenlebens. Das ist in manchen Kreisen meines Wissens noch immer so. Das große Problem dabei: Das Nachsprechen eines Gebets bewirkt an und für sich nichts. Auch dann nicht, wenn es unter starken Gefühlsausbrüchen stattfindet. Ich habe in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten immer mal wieder Menschen getroffen, die mich fragten, warum das so nicht „funktioniert“. Manche gehen jedes Jahr nach vorne und beten nach, und doch bleiben sie die alten Menschen. Die Übergabegebetitis unserer Gemeinden richtet da viel Schaden an.

4. Es gibt eine falsche Sicherheit.

Im Zusammenhang mit der Übergabegebetitis (Punkt 3) fällt mir aber auch auf, dass es immer wieder Menschen gibt, die meinen, dass das einmalig nachgesprochene Gebet alles sei, was nötig ist. Danach könne man einfach tun und lassen was man will, Gott wird es schon richten. Das Ticket ist gebucht, alles ist in bester Ordnung, nun kann man leben wie es einem gerade passt. Dieser Antinomismus (die Haltung, dass es für Christen keine Regeln oder Gebote gibt) entspringt einem Neuplatonismus, der den Gegensatz zwischen Körper und Seele auf die Spitze treibt und meint, was der Körper tut, sei egal, solange es der Seele gut gehe.

5. Es gibt eine falsche Gesetzlichkeit.

Zugleich geistert auch eine falsche Gesetzlichkeit in den Gemeinden herum, nicht nur die neuen judaisierenden Strömungen, die den Sabbat am Samstag und die jüdischen Feste wiederaufleben lassen wollen, sondern auch Vegetarismus und ähnliches propagieren. Überhaupt kann auch die Übergabegebetitis zu einer Gesetzlichkeit werden, wenn von jedem erwartet wird, dass man sagen kann, man hätte irgendwann einmal ein solches Gebet nachgesprochen.

Obwohl die Bekehrung etwas sehr Persönliches, Intimes ist, gibt es Elemente, die einfach dazu gehören. Und es gibt Folgen, an welchen man im Rückblick sehen kann, dass da etwas geschehen ist.

A. ELEMENTE der Bekehrung

  • Hören des Evangeliums

Als Gemeinden haben wir die Aufgabe, das Evangelium so zu predigen, dass es alle Menschen klar verstehen können. Wo das Evangelium verwässert oder verfälscht wird, werden wir an Gott und den Zuhörern schuldig. Der Glaube kommt aus der Predigt des Wortes Gottes.

  • Erkenntnis der Sünde im eigenen Leben

Die Folge der treuen Predigt des Evangeliums ist, dass Menschen beginnen, in ihrem Leben die Sünde zu erkennen. Das ist etwas Abstoßendes, etwas Erschreckendes, was jedem Menschen einiges zu denken gibt. Es ist unangenehm, wenn man sich plötzlich so erkennen muss. Doch daran führt kein Weg vorbei.

  • Buße (Umkehr)

Die Buße findet statt, wenn ein Mensch von seiner Sünde so erschreckt und abgestoßen sich umdreht und ob der Abscheulichkeit seiner Schuld vor Gott keinen Ausweg mehr sieht als sich an den Herrn Jesus zu wenden und Ihn um Hilfe und Gnade bittet. Buße ist die Abkehr vom alten Leben und die Hinwendung zum Herrn Jesus.

  • Echter, rettender Glaube (Vertrauen in den stellvertretenden Sühnetod Jesu)

Zugleich mit der Buße kommt auch der rettende Glaube, nämlich daran, dass Jesus für ihn persönlich am Kreuz stellvertretend gestorben ist, um die abscheuliche Schuld und Sünde zu bezahlen. Es ist die Erkenntnis der Liebe Gottes, die sich im Kreuz auf Golgatha und in der Auferstehung Jesu von den Toten zeigt.

  • Erkenntnis der Rechtfertigung durch das Sühnewerk Jesu

Damit geht auch einher, dass der Bekehrte erkennt, dass er durch dieses Sühnewerk Jesu vollkommen gerecht gemacht wurde. Er erkennt, dass ihm – trotz aller fehlenden Perfektion – die Gerechtigkeit Jesu wie ein weißes Kleid angezogen wurde und dass Gott ihn von nun an als Gerechtfertigten ansieht. Menschlich gesehen bleibt er auf der Erde unvollkommen, Gott sieht ihn schon mit den Augen des himmlischen ewigen Lebens an.

Dies ist ein passender Moment für ein Gebet der Hingabe und des Dankes an Gott, sofern dabei keine falschen Vorstellungen von einem solchen Übergabegebet vermittelt werden.

B. FOLGEN der Bekehrung

  • Liebe zu Gott und Gottes Wort

Wer bekehrt ist, liebt Gott, die Zeit im Gespräch mit Gott und das Hören auf Gottes Stimme in der Bibel. Er nimmt Gottes Wort ernst, versteht es wörtlich und lieber etwas zu wörtlich als zu wenig wörtlich. Er bleibt unter dem Wort und lässt die Bibel ein Urteil über sein Leben sprechen, statt mit seinen Gefühlen und seiner Biographie die Bibel beurteilen zu wollen.

  • Liebe zu den Mitmenschen

Er gewinnt eine neue Liebe zu seinen Mitmenschen, weil er merkt, wie gut und schön Gott alle Menschen geschaffen hat. Er versucht sie für den Glauben zu gewinnen und führt immer wieder Gespräche mit ihnen, die sie überzeugen sollen. Das bleibt hoffentlich ein ganzes Leben lang so!

  • Liebe zur Gemeinde

Er beginnt sich nach der Gemeinschaft mit anderen Bekehrten zu sehnen und besucht die Gemeinde, um auch dort Gottes Stimme durch die Predigt zu hören. Er wird in Gemeinden immer wieder Verletzungen erfahren (wie überall im Leben – wo Menschen sind, da menschelt es), und sieht das als Chance, um praktisch Vergebung zu lernen und zu leben.

  • Brennendes Verlangen nach der Heiligung

Verletzungen sind auch Chancen, um verändert zu werden. Wer bekehrt ist, hat sein altes Leben erkannt, verabscheut es und sehnt sich nach einem neuen Charakter, der dem von Gott gleicht. Er beginnt mit der Hilfe des Heiligen Geistes immer mehr seine alten Sünden zu erkennen, zu bekennen, zu hassen und zu lassen, und findet zugleich, dass der Heilige Geist auch gute Früchte in ihm wachsen lässt und ihm geistliche Gaben gibt, mit denen er seinen Mitmenschen dienen kann.

  • Wachsende Erkenntnis der Zeit, in der wir leben

Er beginnt sich mit der Zeit in der Welt umzusehen und gewinnt eine gewisse Erkenntnis von der Zeit, in der er lebt. Er beginnt zu entdecken, welche Veränderungen seiner Zeit gut sind und welche weniger gut. Das hilft ihm, sein Leben immer mehr nach Gottes Willen auszurichten, weil er auch seine Zeit und sein Umfeld durch die Augen von Gottes Wort, der Bibel zu beurteilen beginnt.

Buchtipp: Warum Glaube großartig ist

Warum Glaube grossartig ist von Daniel Boecking

Böcking, Daniel, Warum Glaube großartig ist. Mein Glück mit Jesus, Gütersloher Verlagshaus Gütersloh, 2018, 221 S., Verlagslink, Amazon-Link

Daniel Böcking is back – mit einem neuen Buch. Eigentlich war er ja nie weg, immer wieder gab es Texte von ihm auf BILD.de und in den sozialen Medien. Aber auf dieses Buch habe ich mich schon eine Weile gefreut – seit jenem Moment, in welchem ich lesen konnte, dass es diesen Sommer veröffentlicht würde. Woher diese Vorfreude? Ich wusste eines: Wenn dieser Mann, der dazu auch noch stellvertretender Chefredakteur von BILD online ist, ein Buch schreibt, dann wird es von Jesus übersprudeln. Er hat eine Freude und eine Einfachheit des Glaubens, die ich mir in christlichen Büchern häufiger wünschte. Ich war gespannt, ob ich in allen Aussagen mit ihm mitgehen könnte (dazu später noch mehr), aber in erster Linie freute ich mich darauf, von ihm und seinem Glaubensweg zu lesen. Und das war echt wohltuend. Immer wieder fühlte ich mich in die Zeiten vor rund 15 Jahren zurückversetzt, als ich so manches Erlebnis hatte, das in eine ähnliche Richtung ging.

Man kann das Buch in drei Teile gliedern: Eine Einführung, einen Hauptteil und einen Schluss. In der Einführung erzählt Böcking nach einem ausgeschriebenen Gebet ein wenig von ihm. Wer sein erstes Buch gelesen hat, dem wird manches schon bekannt sein. Er geht darauf ein, welche Vorurteile er vor seiner Bekehrung den Christen gegenüber hatte und stellt insbesondere sechs Überraschungen vor, welche er kennen lernte, als er sich mit dem christlichen Glauben und den christlichen Gemeinden und Menschen befasste. Diese sechs Überraschungen bestimmen dann auch die Gliederung seines Hauptteils, in welchem er viel von seinen Erlebnissen berichtet, die er in diesen Jahren seit seiner Bekehrung hatte. Der Schluss ist eine 10-Wochen-Challenge, mit welcher er versuchen möchte, Menschen dazu zu bringen, den christlichen Glauben besser kennen zu lernen.

Schön finde ich, wie der Autor nicht davor zurückschreckt, den Glauben als vernünftig und nachvollziehbar zu beschreiben. Der Leser wird geradezu herausgefordert, die Gründe dafür zu prüfen und sich selbst auf die Suche zu machen. Besonders ist dafür auch die Challenge am Schluss zu empfehlen. Die Einladung dazu ist geradezu entwaffnend simpel und authentisch. Das Buch besteht aus sehr vielen persönlichen Berichten und versucht auch, die Unterschiede der verschiedenen Denominationen zu erklären. Das fand ich sehr gut.

Auf der anderen Seite gibt es zwei Punkte, die ich eher schwierig fand. Der erste hat mit der Sprache zu tun, und zwar versucht Böcking, so einladend und allgemein, positiv und beliebig zu bleiben, dass am Ende vieles gleichgültig wird. Die Unterschiede werden nur noch wahrgenommen, aber es findet keine klare Beurteilung statt. Ich kann verstehen, dass man gern so happy-clappy in Friede-Freude-Eierkuchen bleibt, aber es geht dabei die Ernsthaftigkeit der Unterschiede verloren. Wer mit allen nur gut stehen will – um jeden Preis – wird am Ende mit niemandem gut stehen. Allerdings muss ich zu diesem Punkt auch hinzufügen, dass dies vermutlich der Tatsache geschuldet ist, dass der Autor noch zu wenig lange Erfahrungen dieser Art gemacht hat. Ich bin überzeugt, dass die Zeit und die Erfahrung, sowie das weitere ernsthafte Bibelstudium, ihn auch in diesem Punkt noch weiter bringen wird.

Der zweite Punkt hängt mit dem ersten zusammen und betrifft die Empfehlung eines Buches sowie jene bestimmter Gebetspraktiken. An einer Stelle wird ein Buch des Autors Anselm Grün positiv erwähnt, dessen Schriften bei mir nach wie vor nur zwischen Rudolf Bultmanns entmythologisierender „Theologie des Neuen Testaments“ und Richard Dawkins’ „Gotteswahn“ zu finden sein werden. Auch meditative Gebetspraktiken, die fernöstliche Meditation zu verchristlichen suchen, kann ich nicht guten Herzens empfehlen. Doch auch hier bin ich der Überzeugung, dass weitere Recherchen mit Bibel und Gebet Böcking eine weitere Erkenntnis schenken werden.

Fazit:

Daniel Böcking schreibt in seinem Buch „Warum Glaube großartig ist“ sehr viel Schönes und Gutes. Es macht viel Freude, seine – oft auch selbstkritischen – Berichte von seinen Abenteuern in der deutschen Gemeindelandschaft zu lesen. Bis auf zwei oben erwähnte Punkte möchte ich „Warum Glaube großartig ist“ jedem Interessierten sehr empfehlen. Ich gebe dem Buch fünf von fünf Sterne.

Jordan B. Peterson, Archetypen und der Glaube

In den vergangenen Wochen habe ich mich mit Jordan B. Petersons Buch „12 Rules for Life“ beschäftigt, und bereits hier und hier darüber gebloggt. Heute kommt der dritte und vorläufig letzte Teil meiner Kritik an Petersons Weltanschauung. In einem weiteren Post möchte ich noch darauf eingehen, was wir von ihm lernen können und wie wir mit seinem Hype umgehen (dies könnte aus Gründen der Länge auch Teil 5 werden).

Jordan Peterson ist Psychologe, und unter den verschiedenen Strömungen der modernen Psychologie ist er unter die Jungianer zu zählen, zu den Jüngern von Carl Gustav Jung, der die sog. „Analytische Psychologie“ begründet hat. Diese Strömung geht vom Begriff der Archetypen aus. Dieses Wort bedeutet „Urformen“ und meint folgendes Konzept: In jedem Menschen stecken von Geburt an bestimmte Vorbilder, Erwartungen, Vorstellungen, und so weiter. Diese ganzen Komplexe nennt der Jungianer einen Archetypen. Beispiel: Ein Kind, das zur Welt kommt, erwartet eine einzelne Bezugsperson, den Archetypen, den man in unserer Kultur „Mutter“ nennt, und verknüpft damit bestimmte Erwartungen. Wenn diese unbewussten Erwartungen nicht erfüllt werden, dann entstehen daraus psychische Defizite, die dann krankhaft werden können. Diese Archetypen sind laut Jung in allen Kulturen und zu allen Zeiten dieselben, und deshalb studiert Peterson alle möglichen alten Kulturen, Schriften der alten Religionen, Märchen, und so weiter.

Kurz gesagt: Für Peterson ist die Bibel nicht mehr als eine Sammlung von alter Weisheit, die man je nach Lust und Laune zur Begründung eigener Positionen ausschlachten kann. Hier müssen wir uns auch mal kritisch fragen: Kann es sein, dass wir in der evangelikalen Welt uns schon so sehr daran gewöhnt haben, dass dies ständig passiert, dass es uns gar nicht mehr auffällt? Kann es sein, dass manche von uns auch so vorgehen, wenn es um geliebte Positionen geht? Kann es sein, dass wir die Bibel, die wir immerzu zu verteidigen glauben, in Wirklichkeit auch wie ein Märchenbuch behandeln? So als wären es Stories mit einem wahren Kern, aber es unwichtig ist, ob es tatsächlich so stattgefunden hat?

Als ich das Buch „12 Rules for Life“ las, haben mich zwei Fragen eine ganze Weile umgetrieben, und dies ist auch der Grund, weshalb ich diesen Post erst jetzt schreiben kann und will. Die erste Frage: Glaubt Jordan B. Peterson an (einen) Gott? Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten, denn die Rhetorik seines Buches ist ganz schön raffiniert. Zu Beginn führt er aus, dass jede Art von Nihilismus zum Chaos führt. Somit will er sich wohl nicht als Nihilisten betrachten. Gegen Ende des Buches schreibt er: „When tempted by the Devil himself, in the desert—as we saw in Rule 7 (Pursue what is meaningful [not what is expedient])—even Christ Himself was not willing to call upon his Father for a favour; furthermore, every day, the prayers of desperate people go unanswered. But maybe this is because the questions they contain are not phrased in the proper manner. Perhaps it’s not reasonable to ask God to break the rules of physics every time we fall by the wayside or make a serious error. Perhaps, in such times, you can’t put the cart before the horse and simply wish for your problem to be solved in some magical manner. Perhaps you could ask, instead, what you might have to do right now to increase your resolve, buttress your character, and find the strength to go on. Perhaps you could instead ask to see the truth.“ (Kindle-Position 6428ff) Und auch zwischendurch finden sich bei ihm häufig Zitate und Anspielungen aus der Bibel, die den Leser im ersten Moment glauben machen könnten, dass Peterson doch irgendwie ein verkappter Christ sei. Das ist letzten Endes alles feinste Rhetorik. Peterson möchte bewusst ein Brückenbauer für gläubige und ungläubige Menschen sein. Es ist edel, dass er das sein möchte, doch in der Praxis ist jeder solche Versuch wertlos und zum Scheitern verurteilt.

Das Problem mit diesem Ansatz ist, dass er sich selbst widerspricht. Eine seiner Regeln lautet: „Be precise in your speech“, also: Sei genau in deiner Sprache. Er selbst ist dabei sehr ungenau, um möglichst alle Leser anzusprechen. Er bezieht zu der Frage nicht nur keine Stellung im Buch, sondern spiegelt vielmehr noch eine Entwicklung vor, die es bei ihm nicht gibt. Rhetorisch brillant geschrieben könnte man den Eindruck bekommen, dass Peterson im Laufe des Buches überzeugter vom Glauben wird – doch wer genauer hinsieht, wird feststellen, dass ein agnostischer Leser den Text genauso gut anders lesen und verstehen kann und ihn dann so deutet, dass Peterson nur vom Leben an und für sich spricht, nicht von einem persönlichen Gott. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Agnostiker oder Atheist mit seiner Lesart recht behält. Peterson arbeitet gegen seine Regeln und vergrößert ihm selbst zufolge somit das Chaos. Schade um den blinden Blindenführer und um alle, die sich seiner Führung anvertrauen. Wer sich auf ihn verlässt, ist verlassen.

Wie geht Peterson mit der Bibel um? Zunächst fällt auf, dass er sie häufig gebraucht. Dann wird aber auch schnell deutlich, dass er sie immer als ein historisches Dokument einer archaischen Kultur liest. Sie bietet ihm – wie bereits oben angesprochen – zusammen mit zahlreichen weiteren religiösen und philosophischen Schriften des Altertums – eine Basis für bestimmte Archetypen. Dazu wird das Jungsche Weltbild in die Bibel hineingelesen und die Kategorien der modernen Psychologie als Maßstab für die Bibel genommen, an der sie sich messen lassen muss. Last but not least fällt auf, dass für Peterson immer die historisch-kritische Eisegese maßgeblich ist, und zwar eine relativ alte Version davon, die auch in der universitären Theologie längst überholt ist. Mein Ratschlag an Peterson wäre deshalb, dass der Schuster bei seinen Leisten bleiben möge und sich nicht in Gebiete einmischt, in welche er zu wenig Einblick und zu wenig Zeit für weitere Arbeit hat. Ich vermute, dass sich Peterson beim Schreiben dieses neuen Buches zu sehr auf seine Arbeiten zu seinem ersten Buch „Maps of Meaning“ verlassen hat, aber da ich dieses Buch noch nicht kenne, kann dies vorerst lediglich meine persönliche Annahme bleiben.

Die zweite große Frage, die ich mir beim Lesen immer wieder gestellt habe, war diese: Was möchte Peterson mit seinem Buch und seinem Lehren erreichen? Eins ist klar: Er möchte etwas verändern. Er möchte diese Welt retten. Er möchte, dass unsere Welt nicht noch einmal in ein Chaos wie das der zwei Weltkriege stürzt. Er sieht sich – oder besser gesagt: Seine Lehre – als Allheilmittel für eine sterbende Welt, eine sterbende Freiheit, eine sterbende Ordnung, die im Chaos immer mehr untergeht. Er ist der messianische Heilsbringer, der zwar keineswegs meint, alles zu kennen, aber doch immerhin versucht, eine Lösung zu propagieren, wie der Mensch – also sein gebildeter Leser – eine Art Selbsterlösung vollbringen kann. Peterson ist Guru einer Selbsterlösungsreligion, die durch den Willen seiner Leser geschieht.

Hier wird es spannend, wenn man sich auf die Suche nach den Quellen des Selbst im Laufe der Geschichte macht. Denn hier ist auch das Ideal von Jordan Peterson zu finden. Im 19. Jahrhundert gab es eine größere Bewegung, die sich mit der Selbstverfeinerung des Menschen durch Bildung beschäftigte. Schon ein Jahrhundert früher war Benjamin Franklin der „erste Amerikaner“, der im Laufe der Zeit versucht hat, sein Image und auch sein Selbstbild immer wieder an die Gegebenheiten anzupassen, sodass es ihm den größtmöglichen Vorteil brachte. Im weiteren Verlauf der Geschichte bekam das Gegensatzpaar Natur-Kultur eine zunehmend wichtige Bedeutung für das Selbstverständnis des Menschen. Wer etwa Henry David Thoreau oder Ralph Waldo Emerson liest, bekommt ein gutes Gespür für diese Veränderungen. Letztendlich ging es darum, dass der Mensch sich selbst bestimmen, sich selbst definieren und auch sein Bild von sich selbst konstruieren soll. Der Mensch wird zum Schöpfer seiner selbst – in der größtmöglichen Freiheit, aber auch innerhalb der Grenzen von Natur und Gesellschaft. Dies verursacht eine große Spannung, und genau dieser Spagat, diese Spannung, sieht auch Peterson als Erlösung des Menschen. Möglichst hinter das 20. Jahrhundert zurück, damit der Mensch in diesem Spannungsverhältnis sich selbst finden kann und damit die Welt etwas besser zurücklässt als er sie vorgefunden hat. Das meint Peterson, wenn er seinem Leser empfiehlt, zur besten Version seiner selbst zu werden.

Mal davon abgesehen, dass es unsinnig ist, eine bestimmte Zeit und erst noch diese in einer bestimmten Gesellschaftsschicht, nämlich der oberen Mittelklasse der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu vergötzen, wird es auch Peterson nicht gelingen, seine Leser zu Übermenschen machen, die sich in diesem Spagat selbst zu erlösen vermögen. Es wird auch seinen Fans und Nachfolgern nicht anders ergehen als den Menschen des 19. Jahrhunderts, deren Wunsch der Selbstkonstruktion zu einer Überheblichkeit geführt hat, die bestimmtes Leben als weniger wert betrachtet hat. Die Eugenik- Euthanasie- und Rassenhygiene-Bewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte genau in diesem Denken ihren Ursprung. Auch bei Peterson spielt die kulturelle Evolution eine Rolle. Ideen führen zu weiteren Gedanken und letztendlich zu Taten. Ich kann an dieser Stelle nur beten, dass wir konservative Evangelikale bald aufwachen und die Folgen dieser Gedanken erkennen.

Jordan B. Peterson und die kulturelle Evolution

Hier (Link) geht es zu meiner Einführung zu dieser kurzen Serie zu Jordan B. Peterson und der evangelikalen Bewegung.

Es gibt zwei grundlegende Ideen oder Ideologien, welche die Weltanschauung von Jordan B. Peterson ausmachen. Eine Weltanschauung ist die Brille, durch welche ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen die Welt anschauen und alles, was sie erkennen, lernen, erfahren, wird durch diese Weltanschauung interpretiert. Die zwei Konstanten, welche die Weltanschauung von Peterson ausmachen, sind der Darwinismus und die Archetypen-Lehre von Carl Gustav Jung. Peterson ist ja selbst ein klinischer Psychologe und lehrt nebenher inzwischen an verschiedenen Universitäten, und viele hunderte von Stunden seiner Vorlesungen und Diskussionen finden sich auf YouTube. Das große Problem von Peterson und uns Evangelikalen ist, dass er und viele von uns trotz so unterschiedlicher Weltanschauung zu ähnlichen Meinungen kommt. Das ist gut und schlecht zugleich. Es ist gut, weil es zeigt, dass man auf unterschiedliche Wege zum selben Resultat kommen kann, aber es ist schlecht, wenn wir seine Argumente ungeprüft übernehmen, die auf einer Weltanschauung aufgebaut sind, die unserer Weltanschauung total konträr entgegen steht. Im heutigen Blogpost möchte ich die erste Prämisse der Weltanschauung von Jordan B. Peterson auseinandernehmen, die biologische und kulturelle Evolution, und im nächsten Beitrag wird es um die Archetypen-Lehre und sein Verhältnis zur Religion und besonders zum Christentum gehen.

Peterson baut sein ganzes Weltbild auf dem Darwinismus auf. Es ist für ihn natürlich total legitim, dies zu tun. Da er allerdings öffentlich lehrt, müssen seine Vorträge natürlich auch öffentlich geprüft und besprochen werden. Was der Umfang des Darwinismus ist, darüber gibt es ein ganz breites Spektrum von Meinungen. Grundsätzlich lehnen die meisten Spielarten des Darwinismus ein übernatürliches Eingreifen in die Entwicklung ab. Man kann die zwei Dogmen des Darwinismus mit den Begriffen Mutation und Selektion stark vereinfacht zusammenfassen. Da ich an dieser Stelle nicht vorhabe, ein Buch zu schreiben, möge mir der Leser die Vereinfachung verzeihen. Ich bin mir bewusst, dass man dazu noch viel mehr schreiben könnte oder gar sollte. Mutation und Selektion bedeutet: Das Leben möchte möglichst stabil sein. Es haben sich Mechanismen entwickelt, die einer möglichst langen Reihenfolge von Ahnen ein unverändert bestmögliches (Über-)Leben ermöglichen wollen. Ressourcenknappheit führt zur Auslöschung der schwächeren Arten, während die besser an die Umwelt und deren Veränderungen angepassten Arten überleben.

Und hier stellt sich eine grundlegende Frage: Wie sieht es beim Menschen aus? Ist seine Kultur, seine Vernunft, sein Bewusstsein, seine Fähigkeit zum Planen und Vorbereiten, Prüfen und intellektuellen Lernen ein Teil der Evolution im positiven oder im negativen Sinne? Anders gefragt: Sind diese Fähigkeiten etwas, womit der Mensch seine biologische Herkunft (wenn man davon ausgehen will) fortsetzt oder überwindet? Der britische Biologe Richard Dawkins vertrat in seinem ersten Buch „Das egoistische Gen“ zum Beispiel die Meinung, dass der Mensch durch die kulturelle Evolution der „Meme“ (er erfand den Begriff des Mems analog zum Gen als Informationseinheit, die durch Lernen von Generation zu Generation weitergegeben wird) seine biologisch vererbten Instinkte hinterfragen und überwinden kann. Er meinte, dass es an der Zeit sei, die veralteten Ideen der Religionen hinter sich zu lassen und die Welt zu erlösen, indem alle aufeinander Rücksicht nehmen. Peterson hingegen – obwohl er eigentlich von einem sehr ähnlichen Modell der Welterklärung ausgeht – begründet gerade die Hierarchien und patriarchale Strukturen mit der kulturellen Evolution oder anders gesagt mit seinem Sozialdarwinismus.

Peterson argumentiert, dass die Strukturen der menschlichen Gesellschaft nach all den vielen Millionen Jahren der Entwicklung so verdrahtet seien, dass der Mensch nur in den alten Hierarchien denken, leben und Ordnung schaffen kann. Wenn man diese Ordnung auflöse, so entstehe dadurch Chaos. Dawkins und Peterson – zwei Vertreter eines kulturellen Darwinismus – kommen zu so gegensätzlichen Schlüssen. Wie kann das sein und wie gehen wir damit um?

Ich bin überzeugt, dass beide Menschen, Dawkins und Peterson, mit bestem Wissen und Gewissen gelernt, geforscht, nachgedacht und geschrieben haben. Beide gehen von den selben Quellen und Ideen aus. Doch beide haben unterschiedliche Biographien und ganz verschiedene Erfahrungen in ihrem Leben. Dawkins hat viele Probleme mit Vertretern von Kirchen und Gemeinden (und ja, ich kann ihm das nachfühlen und verstehe seine Verbitterung ein Stück weit), er macht mit friedfertigen Agnostikern und Atheisten bessere Erfahrungen (das ist ebenfalls ein Stück weit nachvollziehbar), deshalb glaubt er an eine Erlösung dieser Welt durch den Fortschritt und die Abschaffung der alten Religionen. Peterson hingegen bekommt auf seine Couch vor allem die Menschen, welche ein Leben voll Chaos haben und hilft ihnen, Struktur in ihr Leben zu bringen, indem er ihnen die Welt vereinfacht und sie lehrt, ihren Platz in einem einfachen Leben von klaren Gegensätzen und einer klaren Ordnung zu finden. Dawkins ist somit eher progressiv, Peterson eher konservativ.

Dieser letzte Gedankengang führt uns zur nächsten Frage: Was will Peterson erhalten oder konservieren? Das sagt er so nicht wirklich. Ich bezweifle überdies, dass er sich tatsächlich bewusst ist, was er konservieren will. Man kann es nur aus dem gesamten Buch heraus zu destillieren versuchen, und ich bin nach einigem Nachdenken und dem mehrfachen Lesen einiger Absätze zum Schluss gekommen, dass Peterson versucht, das Ideal der oberen bürgerlichen Mittelschicht von Amerika in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wiederherzustellen. Er möchte einen liberalen (freiheitlichen), aufgeklärten und autonomen Menschen, der an klare Unterscheidung von Gut und Böse glaubt und der bereit ist, für diese Freiheit zu kämpfen. Für ihn ist das 20. und 21. Jahrhundert ein einziges Trauerspiel, das es zu überwinden gilt, indem man auf die Ideale, Werte und Tugenden der Zeit davor zurückgreift. Man sollte dabei nicht vergessen, dass dieses Ideal genauso widersprüchlich ist wie der nietzscheanische Übermensch oder der freie Bürger des kommunistischen Weltstaats. Entweder der Mensch ist frei und autonom, das heißt, er ist sich selbst Gesetz, und damit sind Gut und Böse, Richtig und Falsch, Tugend und Untugend aufgelöst, oder er ist dem Urteil eines Höheren unterworfen, der ihm die Werte und Tugenden vorschreibt. In diesem Spannungsfeld von Autonomie und universellen Werten lebt der Mensch schon seit Jahrtausenden. Das Buch der Richter in der Bibel lässt grüßen.

An dieser Stelle müssen wir evangelikalen Christen uns die Frage gefallen lassen: Was ist unser Ideal? Leider haben sich viele von uns auch auf die „guten alten Zeiten“ des bürgerlichen Lebens im 19. Jahrhundert eingeschossen. Viele von uns versuchen, so gut wie möglich nach der Bibel zu leben, aber unsere heutige Vorstellung davon, wie das im täglichen Leben aussehen soll, wurde erst vor etwa 150 Jahren geprägt. Es war die Zeit, in welcher der Wohlstand zunahm, die negativen Folgen der Industrialisierung durch die positiven Folgen wieder wett gemacht wurden, und die Übergänge zwischen den Gesellschaftsschichten immer durchlässiger wurden. Das Ziel der Familien war, mal in der oberen Mittelschicht anzukommen, dort, wo ein Einkommen für die ganze Kleinfamilie ausgereicht hat. Die Hausfrau und Mutter, die sich um die drei „K“ (Kinder, Küche, Kirche) kümmerte, war das Ideal. Wer als Familie dort ankam, hatte es geschafft, in der oberen Mittelschicht anzukommen, und dieses Ideal treibt auch heute noch viele in unserer Bewegung an. Ob dieses Ideal, das in der Bibel nirgends vorkommt, tatsächlich so biblisch ist, das sollte sich jeder Leser selbst fragen.

Zwischendurch versucht sich Peterson auch mal in frauenverachtenden Formulierungen, von denen sich jeder Nachfolger Jesu sogleich distanzieren sollte. Jesus war ein Freund der Frauen, der die Vorstellungen der damaligen Kultur deutlich in Schranken wies. Wenn nun Peterson mit Hilfe von Yin und Yang versucht, die gute Ordnung mit dem Männlichen und das böse Chaos mit dem Weiblichen zu verknüpfen, dann haben wir ein Problem. Leider ist auch in der christlichen Subkultur oft eine Angst vor der Frauenbewegung und dem Feminismus da, die zuweilen ähnliche Blüten tragen. Da müssten alle Alarmglocken schrillen. Einerseits wirbt Peterson dafür, dass man sich nicht dem totalitären Stolz hingeben solle, der Unterdrückung hervorbringen würde, aber zugleich schafft er Argumente, mit welchen diese dann wiederum gerechtfertigt werden kann. Dieser Spagat ist typisch für Peterson und findet sich an vielen Stellen im Buch.

Was sollen wir als Evangelikale also mit Peterson machen? Zunächst einmal müssen wir uns fragen und uns darüber klar werden, was unser Ideal ist. Als Christen wissen wir, dass wir in Gottes Bild geschaffen wurden. Hier fängt unsere Weltanschauung an: Wir sind von Gott erschaffen, haben durch Ihn unendlich großen Wert, haben die Erlösung, sind teuer erkauft durch das Blut Jesu Christi, der an unserer Stelle für unsere Schuld und Sünde am Kreuz gestorben ist und uns durch Glauben allein Seine Gerechtigkeit überträgt. Unser Ideal ist nicht im 19. Jahrhundert. Unser Ideal ist Jesus Christus, und ER gibt uns enorm viel Freiheit. Er macht uns wirklich und wahrhaftig frei, damit wir – statt uns um uns selbst herum zu kreisen – unseren Mitmenschen dienen können und sie mit der Wahrheit von Jesus Christus konfrontieren. Wir dürfen für Jordan B. Peterson beten und dürfen uns von ihm zum Nachdenken bringen lassen. Wenn wir aber keine besseren Argumente haben als jene eines sozialdarwinistischen Jungianers, dann müssen wir uns ernsthaft prüfen, ob unsere Sichtweise nicht doch von einem falschen Ideal kontaminiert ist.

Evangelikale und Jordan B. Peterson – ein Tanz am Abgrund

Seit Monaten sehe ich mit wachsenden Bedenken, wie es immer wieder Evangelikale gibt, die unhinterfragt Inhalte (insbesondere YouTube-Videos) von Jordan B. Peterson teilen, liken und positiv kommentieren. Ich habe mir mehrere davon angeschaut und wusste doch ziemlich bald, was hier vorgeht. Peterson ist ein konservativer Intellektueller, ein wirklich bewundernswert belesener Mann mit einem großen Herzen für Religionen und besonders für die jüdisch-christliche Kultur, während er zugleich Säkularist bleibt und damit auch die konservativen Atheisten und Agnostiker anzusprechen vermag. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, sondern lässt jenseits der Maulkörbe aller „political correctness“ auch Sätze heraus, die sich manch einer schon länger zu hören gewünscht hätte.

Da mir schnell die explosive Mischung dieses Ganzen klar wurde, suchte ich nach klugen Bibellehrern und Theologen, die sich kritisch mit dem Phänomen dieses Mannes auseinandersetzten, bin aber nicht wirklich weit gekommen. Gerne hätte ich diese Kritik jemand anderem überlassen, denn ich kritisiere nicht gerne. Ich mag lieber Einheit und Harmonie. Da ich unter bibeltreuen Stimmen nicht wirklich gefunden habe, was ich suchte, dachte ich schon seit einem halben Jahr darüber nach, selbst etwas zu schreiben, konnte mich allerdings aus Zeitgründen nicht dazu aufraffen. Ok, ja, der innere Schweinehund hat auch eine Rolle gespielt. Und dann habe ich gesehen, dass Greg Boyd (http://reknew.org/blog/) eine 15-teilige Serie zu Peterson begonnen hatte. Wenn wir theologisch Konservativen, Bibeltreuen nicht bereit sind, die Geister selbst zu prüfen, dann bin ich dankbar, wenn Progressive wie Boyd (dem ich in ziemlich vielen Fragen widerspreche) den Finger in die Wunde legen und uns auf unsere Schwächen hinweisen. Es kann letztendlich nicht nur darum gehen, wer recht behält, sondern es geht einzig und allein darum, dass wir Jesus Christus ähnlicher werden und dass Menschen zum Glauben kommen. Und wenn es Gott gefällt, dafür Menschen zu gebrauchen, denen ich einiges zu widersprechen habe, dann will ich Ihm dafür danken. Und ja, das habe ich schon oft genug erlebt.

Jordan B. Peterson hat eine zutiefst antichristliche Weltanschauung. Das muss ich hier mal ganz klar festhalten. Ich werde mehrere Blogposts benötigen, um das auszuführen. Allerdings keine 15 😉 Das Buch „12 Rules For Life“ ist ein interessanter Einblick in das Innenleben von Peterson. Während man bei den Videos üblicherweise nur ein bestimmtes Thema serviert bekommt, wird beim Buch sehr schnell deutlich, wie sehr der Autor seine Weltanschauung zusammenbastelt. Auf den ersten Blick scheint es logisch, durchdacht und zusammenhängend zu sein, aber in Wirklichkeit ist es voll von inneren Widersprüchen und weltanschaulichen Schwächen. Bei den Videos muss man da deutlich besser aufpassen, um diese so mitzukriegen. Was es auch beim Buch zusätzlich schwierig macht, ist einerseits die zusammenhangslose Art, auf die sein Buch aufgebaut ist. Die zehn Regeln sind nicht aufeinander aufgebaut, sondern könnten in jeder beliebigen Reihenfolge aufgezählt werden. Das führt dazu, dass manche inneren Widersprüche besser verschleiert werden können. Andererseits hat es mir aber auch die sympathische Art zu schreiben schwerer gemacht, ihm zu widersprechen. Er beschreibt vieles aus seinem Alltag, aus der Praxis als klinischer Psychologe, aus der Familie, und so weiter. Wer seine Videos kennt, wird seine raue Art kennen, mit der er über andere herzieht. Das fällt im Buch größtenteils weg. Bei den Videos ist es einfach, ihn entweder zu hassen oder zu lieben. Im Buch ist der Text geglättet und überarbeitet. Das macht einen großen Unterschied. Es gibt vieles an seinem Buch, was mich zum Nachdenken gebracht hat. Mein Ziel war es, auch von ihm zu lernen. Und wenn jemand von der Bibel über Milton, Tolstoy, Dostojewski bis hin zu Nietzsche und Heidegger zitiert, und das auch noch in kluger Weise, so hat er meinen Respekt. Es gäbe vieles aufzuzählen, wo man ihm durchaus zustimmen kann. Vielleicht werde ich dazu auch mal noch gesondert schreiben. Was mich im Moment jedoch mehr umtreibt, ist die Begeisterung für ihn, die unter uns konservativen Bibeltreuen umgeht, und deshalb werde ich nun einige kritische Punkte ansprechen müssen.

Ich sagte vorhin bereits, dass seine Weltanschauung zutiefst antichristlich ist. Und das ist schon mal ein hartes Statement für jemanden, der versucht, die jüdisch-christliche Kultur zu propagieren. Das grundlegendste Problem ist das, dass Peterson seine Philosophie als messianische, als erlösende, Wahrheit ansieht, mit welcher die Welt gerettet werden kann. Er hält sich dabei nicht für den Erfinder, sondern zitiert extensiv von vielen Philosophen, Schriften der alten Religionen, legt Märchen psychologisch aus, und so weiter, weil er der Überzeugung ist, er habe die Quintessenz (oder zumindest einen Teil derjenigen) der Weisheit aller Zeiten gefunden, die uns behilflich sein soll, um dem irdischen Leid zu begegnen und die Welt zu verbessern. Damit wir das verstehen, hilft ein Blick in seine Beschreibung, wie er zu seinen Überzeugungen gekommen ist. Er hat sich geschichtlich längere Zeit mit dem 20. Jahrhundert befasst und mit den Nürnberger Prozessen, und da hat er gemerkt, dass es gut und böse, Chaos und Ordnung, geben muss.

Anders gesagt: Peterson ist ein säkularer Humanist, der die Bibel und die jüdisch-christliche Tradition dazu missbraucht, um eine Selbsterlösungsreligion zu erfinden. Er ist durch und durch Humanist, denn er hält den Menschen für das höchste Geschöpf und das Maß aller Dinge. Für einen bibeltreuen Christen ist klar, dass Sünde in erster Linie immer gegen Gott persönlich gerichtet ist und dass jede Erlösung nur von außerhalb des Menschen selbst kommen kann. Der Christ ist deshalb weder Humanist noch Materialist, sondern eben Christ, weil er von Jesus Christus erlöst wurde. Des Weiteren ist Peterson auch ein Darwinist, dazu noch ein Sozialdarwinist, der auch das Entstehen der Kultur unter Menschen für eine kulturelle Evolution hält. Er sieht den Schrecken der Sozialismen im 20. Jahrhundert und versucht, Regeln aufzustellen, die helfen sollen, weiteren Terror zu verhindern. Peterson ist ein klinischer Psychologe und Professor der Psychologie, und als solcher auch besonders am Innenleben des Menschen interessiert. Er ist Eklektiker, der sein Weltbild aus vielen widersprüchlichen Quellen zusammensetzt und dabei zu politisch konservativen Schlüssen kommt.

In Anbetracht seines säkularen Humanismus sind die Regeln ganz schön aus der Luft gegriffen. Er hat kein wirklich tragendes Fundament, um seine Regeln darauf aufzubauen. Seine Ethik entbehrt jeglicher objektiven Grundlage. Peterson ist ein antipostmoderner Postmoderner, also jemand, der die Methoden des Postmodernismus nutzt, um den Postmodernismus zu bekämpfen. Es gibt ein Video von ihm, in welchem er ziemlich lange argumentiert, der Postmodernismus sei lediglich ein Substitut für den unbeliebt gewordenen Namen des Kommunismus. Während er durchaus treffend einige Gedanken des Postmodernismus im Kommunismus finden kann, bleibt er auf halber Strecke stehen und weigert sich, einzusehen, wie sehr er selbst vom Postmodernismus und dessen Methoden geprägt ist. Seine Regeln sind nicht viel anderes als was er seinen Gegnern vorwirft, welche die „political correctness“ voranbringen wollen. Beider Regeln sind einem Relativismus entnommen. Peterson lässt etwa die Bibel nur insofern sprechen, wie sie seiner Überzeugung entspricht. Er blendet den Absolutheitsanspruch Jesu aus und nutzt gerne Resultate der historisch-kritischen Methoden, um seine Regeln zu untermauern und zugleich die Nähe zum Christentum zu zeigen. Im Grunde genommen ist Peterson damit ebenso weit vom Christentum entfernt wie die Theologen, die meinen, sie müssten „mit Jesus gegen die Bibel“ argumentieren. Was Peterson in erster Linie fehlt, ist ein objektiver Maßstab, aus welchem sich die Regeln ableiten lassen. Er versucht, so etwas wie einen „Common Sense“ zu erarbeiten, also eine Anzahl von Prinzipien, denen alle denkenden und ehrlichen Menschen zustimmen müssen.Er findet heraus, dass er unter seinen Studenten mit diesen Meinungen gut ankommt und propagiert sie. Das ist auch kein Wunder, denn es gibt viele Menschen, die sich in dieser komplexen und fragmentierten Welt nach klaren Regeln sehnen. Regeln geben Sicherheit. Und dann versucht er, seine Prinzipien im Nachhinein zu rechtfertigen, indem er argumentiert, er würde unter seinen Studenten viel Zustimmung erhalten. Das nennt man dann wohl zirkuläre Argumentation.

Was ist denn für Peterson überhaupt das Ziel des Menschseins? Unser Ziel soll sein, die bestmögliche Version unserer selbst zu werden, also uns beständig zu verbessern und die Welt möglichst besser zu hinterlassen als wir sie vorgefunden haben. Doch wer bestimmt, was die bestmögliche Version unserer selbst ist? Wer sagt, wie die Welt besser aussieht? Für Jordan B. Peterson geht es um einen Fortschrittsglauben, eine Art kultureller Evolution ohne ein wirkliches Ziel. Eine Teleologie ohne „telos“. In zwei weiteren Blogposts, die ich in den nächsten Wochen noch zu veröffentlichen plane, wird es darum gehen, Petersons Sozialdarwinismus und sein Verhältnis zu Religion allgemein und insbesondere dem christlichen Glauben zu beleuchten. Ich möchte insgesamt zeigen, dass wir Evangelikale – obwohl wir in manchen Fragen durchaus von Peterson lernen können – keinen Grund haben, besonders Werbung für seine Ansichten zu machen.

Neugierig Bibel lesen – die richtigen Fragen stellen

Ich liebe es sehr, die Bibel zu lesen. Sie ist jedes Mal enorm spannend, aber ich weiß, dass es auch anders sein kann. Wenn wir die Bibel lesen, um sie gelesen zu haben, dann wird das ganz schnell furchtbar langweilig. Es geht Gott nicht darum, dass wir einfach in unserem Tagesprogramm ein Häkchen setzen können: Bibel lesen erledigt, abgehakt. Es geht um viel mehr. Gott möchte zu uns reden, und tut dies im Normalfall durch die Bibel, durch die Predigt (denn da wird die Bibel ausgelegt, erklärt, und praktisch auf unser Leben angewendet) und durch andere Menschen, die auch mit Gott unterwegs sind.

Um möglichst viel Gewinn aus dem gelesenen Bibeltext ziehen zu können, stelle ich meiner Bibel Fragen. Es sind Fragen, welche mir helfen, über etwas nachzudenken. Im ersten Psalm, der zugleich ein Vorwort zu allen Psalmen ist, lesen wir, dass der Mensch gesegnet ist, der ständig über Gottes Wort nachdenkt. Und deshalb dürfen wir der Bibel ganz viele Fragen stellen. Es gibt sehr viele gute Fragen, die wir unserem Bibeltext stellen können. Ich möchte mal drei besonders wertvolle Arten von Fragen vorstellen, die mir immer wieder neue super Gedanken schenken.

1. Wo steht mein Text?

Der Text, den ich gerade lese, steht an einem bestimmten Ort in der Bibel. Er steht im Alten oder Neuen Testament. Er steht in einem Geschichtsbuch oder bei einem Propheten oder in einem Brief, einem Evangelium oder einem Weisheitsbuch wie etwa die Psalmen oder Sprüche. Der Text stammt von jemandem und ist an jemanden gerichtet. Wenn Gott zum Volk Israel spricht, dann sagt mir der Text etwas anderes als wenn der Teufel gerade dabei ist, Jesus in der Wüste zu versuchen. Es gibt also hinter jedem Text der Bibel eine Person, welche einer anderen oder vielen anderen etwas mitteilen wollte. Außerdem will mir jeder Text der Bibel etwas über Jesus Christus sagen. Wenn er im Alten Testament steht, dann weist er auf das Kommen Jesu hin, das damals noch in der Zukunft war, und wenn im Neuen Testament steht, dann geht er vom bereits getanen Erlösungswerk am Kreuz von Golgatha aus. Wenn ich meinen Text befragt habe, was er über Jesus Christus sagen will, dann kann ich ihn auch fragen, wo in meinem Leben dieser Text ausgelebt werden möchte. Sagt er etwas über mein Vertrauen zu Gott aus? Zu Gottes Treue? Zum Gebet oder zur Geduld, die ich noch lernen soll?

2. Warum ich Warum-Fragen liebe

Unter Christen sind Warum-Fragen häufig verpönt. Da hört man: Frag lieber nicht warum, sondern wozu. Das finde ich Unsinn, denn Warum-Fragen helfen uns sehr, zum Kern einer Sache vorzudringen. Ich kann meinen Bibeltext befragen: Warum steht das genau an diesem Ort? Wie passt das in die ganze Argumentation des Autors hinein? Warum ist das Buch der Bibel so aufgebaut und nicht anders? Warum benutzt der Autor an dieser Stelle genau dieses Wort und nicht ein anderes? Spätestens an der Stelle wird es klar, dass wie wertvoll es ist, wenn man den Text in mehreren Übersetzungen lesen kann. Eines davon sollte eine genaue Übersetzung wie die Luther-, Elberfelder- oder Schlachter-Bibel sein. Ich darf dann meinen Text mehrmals lesen, ihn mit meinen Warum-Fragen bombardieren und versuchen, die Antworten herauszufinden. Dadurch macht der Text etwas mit mir: Er verändert mein Denken, indem ich ihm meine Zeit und Aufmerksamkeit gebe.

3. Der Wert der kleinen Wörtchen

In einem Bibeltext gibt es viele verschiedene Wörter, aber ganz besonders wertvoll sind die kleinen Wörtchen wie „und“, „aber“, „oder“, „doch“, „dass“, „weil“, „wenn“, „dann“, „trotz“, „obwohl“, und so weiter. Diese Wörtchen geben meinem Text eine Struktur oder einen Aufbau, sie machen den Text überhaupt erst zu einem richtigen, verständlichen Text. Wenn ich zum Beispiel in einem Bibeltext die Wörter „wenn“ und „dann“ finde, so handelt es sich im Normalfall um eine Bedingung. Wenn das Erste geschieht, dann tritt das Zweite ein. Wenn es regnet, dann öffnen viele Menschen ihren Regenschirm. Wenn jemand mit dir redet, dann höre gut zu! Diese kleinen Wörtchen helfen uns sehr viel dabei, unseren Bibeltext zu verstehen.

Nimmt das zu viel Zeit in Anspruch? Ich denke, dass es das wert ist. Ich muss nicht gleich am frühen Morgen beim Aufstehen alle diese Fragen beantworten können. Aber wenn ich sie mit auf den Weg und in den Tag nehme und immer wieder darüber nachdenke, so passieren zwei Dinge. Erstens bleibe ich den ganzen Tag lang im Gespräch mit Gott, den ich über sein Wort befragen kann, und zweitens verändert es mich stärker als wenn ich alles schon beantwortet habe. Reibung erzeugt Wärme, und wenn ich mich den ganzen Tag lang immer wieder am Bibeltext reibe, so wird mein Denken viel nachhaltiger verändert.

Ich wünsche dir viele spannende Begegnungen mit Gottes Wort!

In einem nächsten Teil werde ich verschiedene Arten des Bibellesens vorstellen und zeigen, wie ich Abwechslung in meine Bibellese-Routine hineinbringen kann.

Buchtipp: … und immer ist noch Luft nach oben!

und immer ist noch Luft nach oben von Juergen Werth

Werth, Jürgen, … und immer ist noch Luft nach oben! Entdeckungen beim Älterwerden, Gütersloher Verlagshaus Gütersloh, 1. Aufl. Juli 2018, 189S., Verlagslink, Amazon-Link

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Jürgen Werth war viele Jahre lang Vorstandsvorsitzender beim Evangeliumsrundfunk (heute ERF Medien). Er blickt auf ein gefülltes und in vielem auch erfülltes Leben zurück und teilt mit dem Leser seine Gedanken zum Älterwerden. Ich habe das Buch über meinen 33. Geburtstag gelesen und wollte mal wissen, was das mit mir macht. Es war eine sehr interessante Erfahrung. Ich bin dankbar für die Lektüre, denn ich darf dadurch vieles von einem Mann mit viel mehr Lebenserfahrung lernen. Er ist bereit, auch über seine Fehler zu schreiben, damit ich nicht dazu verdammt bin, alle selber noch einmal zu machen.

Das Buch besteht aus 26 Kapiteln, von welchen jedes nur wenige Seiten lang ist, und die einen sehr losen Zusammenhang miteinander haben. Es ist nicht so sehr aufeinander aufgebaut, sondern eignet sich auch dazu, einzelne Kapitel für sich zu lesen oder die Reihenfolge beliebig zu wählen. Ich bin sonst nicht so sehr ein Freund von Blumenstrauß-Büchern, aber in diesem Fall war das dem Thema und Inhalt angemessen und passte somit gut zum Ganzen. Im Folgenden ein paar besondere Leckerbissen aus dem Buch, die ich mir unterstrichen und fürs Leben mitgenommen habe:

Dass alles vergeht, gibt allem eben auch einen besonderen Reiz und Glanz. Dass ich gehe und vergehe, macht mich eben auch besonders.“ (S. 88) Auch wenn wir als Christen eine Ewigkeitsperspektive haben; hier auf Erden sind wir und ist alles vergänglich, und im Erdendasein macht es das gerade deshalb wertvoll.

Scheitern ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Wer nie scheitert, wird arrogant und menschenverachtend.“ (S. 113) Es ist wohltuend befreiend, wenn man auch mal scheitern darf. Man muss nicht immer alles im Griff haben. Das macht uns frei, um wertvolle Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen treffen zu können, ohne den Zwang, dass alles immer so funktionieren muss, wie man es sich vorstellt. Das ist auch meine eigene Erfahrung.

Und dann, ja, die Gelassenheit. Das, was ich mir noch mehr wünschen würde. Auch dazu hat Werth eine wertvolle Aussage: „Gelassenheit stellt sich nicht von selbst ein. Man muss darum bitten. Täglich. Und man muss rechtzeitig damit beginnen loszulassen, damit es, wenn man älter wird, zu einer vertrauten Übung geworden ist.“ (S. 153). Gut zu wissen, denn damit habe ich ja nun genügend Zeit zum Anfangen und Üben. Vielen Dank Herr Werth!

Das Kapitel 25 hat mir etwas Mühe bereitet, denn dort wird es theologisch deutlich schwächer. Dazu muss natürlich gesagt sein, dass Werth kein Theologe ist, sondern Journalist und Liedermacher. Deshalb werde ich dies dem Autor auch nicht zum Vorwurf machen. Ich möchte nur meine Leser darauf hinweisen, dass sich Werth hier in umstrittenes Gebiet und missverständliche Formulierungen wagt. Etwa hier: „Gott denkt sich ständig neue Wege aus und interessiert sich sehr für die Wege, die ich mir ausdenke. Und miteinander entscheiden wir, welchen Weg wir gemeinsam gehen.“ (S. 168) Das klingt ja schon ziemlich nach einer offenen Zukunft und nach einem überraschten und veränderlichen Gott. Wie auch immer es gemeint sein mag, es ist theologisch leicht misszuverstehen und deshalb wenig hilfreich.

Jürgen Werth hat das Buch mit sehr vielen eigenen Erlebnissen und Schilderungen von Menschen, die er kennt, gewürzt. Das macht das Buch leicht lesbar und unterhaltsam, wenn man diesen Schreibstil mag. Und das ist dann natürlich Geschmackssache. Im großen Ganzen handelt es sich jedoch nicht um Erfahrungstheologie, welche die Bibel entsprechend den Erlebnissen deutet, sondern umgekehrt sind die Erlebnisse in den meisten Fällen hilfreiche Illustrationen der Dinge, welche Werth zuerst in der Bibel gründet. Hiervon ausgenommen sind vor allem der Anfang und der Schluss. Mit dem Anfang konnte ich recht wenig anfangen, denn es geht um das Gedankenexperiment, das Leben in vier „Jahreszeiten“ von jeweils 25 Jahren einzuteilen. Dabei handelt es sich jedoch eher um eine Einführung ins Buch. Ich persönlich hätte mir das Buch nach Lesens diesen Anfangs nicht gekauft, musste aber nach ein paar weiteren Seiten sagen, dass der Inhalt deutlich besser ist als der Anfang. Vermutlich wird der Anfang auch manchen gut gefallen, auch das ist Geschmackssache und tut dem gesamten guten Inhalt des Buches keinen Abbruch. Ich habe das Lesen sehr genießen können und gebe dem Buch deshalb fünf von fünf Sternen.

Anspruch und Wirklichkeit der historischen Kritik

Pfr. Dr. Stefan Felber hat auf seiner Homepage ein Dokument zum Download bereitgestellt, welches ich sehr empfehlen möchte. Auf nur einer A4-Seite schafft er es, eine ganze Reihe von Kritikpunkten an den hysterisch-kritischen (pardon, historisch-kritischen) Methoden anzubringen. Er untersucht Anspruch und Wirklichkeit der historisch-kritischen Methoden. Das Dokument kann hier (Link) heruntergeladen werden.

Ich stimme dem Inhalt des Dokuments vollkommen zu, möchte hier aber die Gelegenheit nutzen, einzelne Aussagen noch etwas zu ergänzen, zuzuspitzen oder zu verdeutlichen. So fallen unter Punkt 1 etwa die Begriffe „Objektivität“ und „Hypothesenvielfalt“. Da geht es darum, dass man versucht, möglichst wissenschaftlich, möglichst objektiv zu sein, aber sehr oft verstecken sich liberale Theologen hinter einer ganzen Reihe von unüberprüften, unüberprüfbaren Hypothesen. Nehmen wir nur mal zum Beispiel die Zweiquellenhypothese der Evangelien. Man postuliert dabei, dass zuerst das Markusevangelium geschrieben worden sei, und die anderen Autoren, Matthäus und Lukas, hätten Markus genommen, abgeschrieben und mit einer anderen Quelle, der sogenannten „Logienquelle Q“ vermischt. Diese Logienquelle ist ein rein fiktives Instrument der kritischen Theologen. Noch niemand hat je eine solche Logienquelle gefunden. Deshalb kann sich jeder aussuchen, was nun tatsächlich von Jesus stammen soll, und welche Inhalte aus der Logienquelle Q kommen sollen. Wer sich einmal die Mühe macht, die unterschiedlichen Teile zu studieren, die entweder bei allen dreien, nur bei zweien oder gar je nur bei einem Evangelium vorkommen, wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen und es wird klar, wie sehr da ein von Gott prophetisch gelenkter Prozess von Menschen, die der Wahrheit und den geschichtlichen Tatsachen auf den Grund gingen, vonstatten ging. Jede rein menschliche Erklärung enthält unzählige Löcher und Ungereimtheiten.

Immer wieder kommt die Abkürzung „KAK“ vor, diese steht, wie unter Punkt 4, Stichwort „Historizität“ geschrieben, für „Kritik, Analogie, Korrelation“. Diese drei Begriffe gehen auf den deutschen Theologen Ernst Troeltsch zurück. In seinem Buch „Über historische und dogmatische Methode in der Theologie“ schreibt er darüber. Ich habe in meiner Datei zur Geschichte der Biblischen Theologie (Link) auf Seite 21 diesen Dreiklang folgendermaßen beschrieben:

a. Kritik: Alles muss zunächst einmal angezweifelt werden. Nichts darf per se als wahr betrachtet werden, wenn seine Wahrheit nicht zuerst nachgewiesen werden konnte. Die menschliche Vernunft (und damit der Subjektivismus) wird über jede Aussage der Bibel gestellt und muss sie in allem radikal hinterfragen.

b. Analogie: Diese Kritik geschieht zunächst durch das Prinzip der Analogie. Das bedeutet: Man sucht im nach ähnlichen Berichten und bewertet anhand derer die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Ganze tatsächlich so abgespielt haben könne. Hierdurch wird die Tatsache von Wundern komplett in den Bereich der Mythen verschoben. Auch Jungfrauengeburt und leibliche Auferstehung Jesu streitet man mit dieser Vorgehensweise ab.

c. Korrelation: Die zweite Methode der Kritik ist die Korrelation. Es darf keine Zufälle geben, deshalb beruht alles auf Wechselwirkungen und die müssen gefunden werden. Es wird also gefragt, woher es komme, dass die biblischen Autoren genau jenes geschrieben haben, also: woher könnten sie ihre religiösen Vorstellungen haben? Von wem sind die ‘geklaut’? Auf welche Ursache sind die biblischen Texte zurückzuführen?“

Gerade weil die historisch-kritische Bibelforschung versucht, objektiv und neutral zu sein, schafft sie beständig neue Dogmen, die ihrerseits nicht wirklich grundlegend begründet werden (können). Theologie ist mehr als nur Literaturwissenschaft auf ein einzelnes Buch angewandt. Sie ist mehr als Soziologie einer früheren Kultur. Sie ist mehr als Vermittlung des Wissens, wie man die Bibel nicht auslegen soll. Und doch verkommt sie häufig genau zu dem. Die historisch-.kritische Theologie kann die Bibel nicht mehr begründet positiv auslegen, weil sie sich zu sehr an das „Nicht-So“, die Absage an bisherige Auslegungen, gebunden hat. Sie kann keine positive Exegese liefern, weshalb durch die ganze Methoden- und Hypothesenvielfalt letztlich jeder Text alles bedeuten kann – und vielleicht wird durch reinen Zufall damit gerade das getroffen, was Gott durch Sein Wort eigentlich sagen wollte. Rein statistisch gesehen ist das Gegenteil deutlich wahrscheinlicher.

Bei Punkt 7 hätte ich „Moralisierung“ treffender gefunden. Kleiner Hinweis am Rande. Weil die Predigt für liberale Theologen gerade nicht mehr die biblische Ethik hochhalten kann, weil sie angeblich zu gesetzlich sei, wird stattdessen der moralische Zeigefinger für alle möglichen politischen Probleme erhoben. Ob diese Politiken eher links- oder rechtslastig sind, ist im Grunde genommen egal. Aber solange das Evangelium vom Sühnopfertod Jesu Christi an unserer Statt nicht mehr dazu da ist, um mein Leben in Gottes Sinne umzukrempeln, werden innerweltliche Probleme angesprochen und der Mensch zum aktiven Handeln im Sinne eines Überaktionismus gedrängt. Der „moralistisch-therapeutische Deismus” (Link) lässt grüßen.

Zuhören lernen

Gottes Wort sagt uns, dass wir schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn sein sollen (Jak. 1,19). Zuhören will gelernt sein. Zuhören ist ein aktives Werk, bei welchem wir dem Gegenüber alle Aufmerksamkeit schenken. Immer wieder stelle ich fest, dass das Zuhören heutzutage gar kein Zuhören mehr ist, sondern lediglich noch dazu dient, das beste Reizwort aufzuschnappen, um damit dem Gegenüber widersprechen zu können. So werden Diskussionen missbraucht, sie werden zu einer Schneeballschlacht aus verbalen Triggern umfunktioniert, um am Ende das eigene Ego befriedigen zu können.

Fünf Challenges, um das eigene Zuhören zu prüfen und zu verbessern:

  1. Kann ich das gesamte Gesagte des Gegenübers korrekt in 2 – 3 Sätzen zusammenfassen, sodass das Gegenüber zustimmen kann, dass es tatsächlich so gemeint war?

  2. Kann ich sagen, welchem Teil des Gesagten ich zustimmen kann oder warte ich nur auf das Reizwort? Kann ich mindestens drei Dinge des Gesagten aufzählen, in denen ich dem Gegenüber zustimme?

  3. Kann ich die gesamte Argumentation nachvollziehen und die einzelnen Teile (also die verschiedenen Argumente) aufzählen?

  4. Kann ich erklären, wo der logische Fehlschluss ist oder welches der Argumente inkorrekt ist? Erklären ist etwas anderes als widersprechen, erklären beinhaltet auch das Benennen und Aufzeigen des Fehlers.

  5. Was kann ich Positives von meinem Gegenüber lernen? Nicht nur, wie man es nicht macht, sondern vielmehr: Was möchte ich in Zukunft noch besser machen, was das Gegenüber schon besser kann als ich? Wie kann ich das der anderen Person gegenüber ausdrücken?

Viel Erfolg beim Testen! Ich freue mich über Rückmeldungen!

Warum wir vielfältigen Journalismus brauchen!

Leider fällt mir immer wieder auf, wie wenig Bewusstsein unter Christen herrscht, was „die Presse“, also genauer gesagt, alle möglichen Formen des Journalismus, ausmachen. Ich bin immer wieder entsetzt, dass auch mitten im Evangelikalismus das Wort „Lügenpresse“ fällt. Wer dieses Wort in den Mund nimmt, disqualifiziert sich selbst von der gesamten Debatte um gesunden Journalismus. Deshalb versuche ich heute mal, ein wenig herunter zu brechen, was Journalismus ist und wie er funktioniert. Zunächst einmal: „Die Presse“ gibt es nicht, oder höchstens bei der Herstellung von Apfelsaft und ähnlichem. Was man allgemein unter den Begriff der Presse zusammenzählt, ist die Gesamtheit aller irgendwie journalistisch Tätigen. Im weitesten Sinne handelt jeder Nutzer des Internets journalistisch und würde somit unter den Begriff der Lügenpresse fallen.

Warum? Journalismus ist das Auswählen, Recherchieren und Aufbereiten von Inhalten mit dem Ziel, dass sie von einer bestimmten Leserschaft verstanden werden kann. Journalismus ist immer selektiv, und das ist gut so. Über alle Ereignisse jederzeit und vollständig Bescheid wissen zu müssen, würde jeden von uns total überfordern. Es würde endlos mehr Zeit kosten als wir zur Verfügung haben. Deshalb wählt die Redaktion aus, welche Inhalte (Ereignisse, etc.) wichtig sind und welche nicht, und ebenso auch, was aus diesen Inhalten für den Leser wichtig ist. Es findet immer (!!!) eine Vorselektierung statt, was wie wichtig ist.

Und hier wird es gerade spannend. Menschen finden grundsätzlich durch verschiedene Weltanschauungen automatisch Unterschiedliches wichtig. Jeder Journalist und jeder Leser, Radiohörer oder Fern-Seher bringt seine Biographie mit. Nun gibt es Redaktionen, die ganz unterschiedlich aufgestellt sind. Manche sorgen dafür, dass Weltanschauung der Schreiber möglichst ähnlich ist, und andere mögen möglichst bunte Vielfalt in ihren Medien und unter den Schreibern. Es gibt etwa Zeitungen, welche ich aus der Erfahrung heraus meide, weil ich weiß, dass sie immer nur ins selbe Horn stoßen und sich schon fast wie die internen Blätter bestimmter Parteien lesen. Das ist aber vollkommen in Ordnung, das dürfen sie, und zwar genau so lange, wie sich ihre Inhalte gut genug verkaufen, dass sie überleben können.

Der Leser bestimmt mit!

Genau hier liegt der Hund begraben: Wer von der „Lügenpresse“ spricht, hat keine Ahnung, was er sagt, denn wir leben in einer freien Gesellschaft, die große Stücke auf die Presse- und Meinungsfreiheit hält. In einer freien Gesellschaft bestimmt immer der Konsument mit, welche Inhalte in Zukunft noch mehr verbreitet werden. In der freien Marktwirtschaft geschieht es dadurch, dass der Konsument kauft, was ihm wichtig ist, und heizt damit die Produktion von mehr desselben Gutes an. Was sich verkauft, wird weiter produziert, was boykottiert wird, und sei es wegen des zu hohen Preises, wird weniger oft produziert. Wenn bestimmte Inhalte in vielen Medien oft verbreitet werden, muss dafür der Grund darin liegen, dass die Konsumenten diese konsumieren.

Deshalb ist es auch gut, dass es so ganz unterschiedliche Medien gibt, die ihre Inhalte an die jeweilige Konsumentenschaft anpassen. Ich persönlich lese sehr ungern einseitige Medien, weshalb ich andere unterstütze, welche eine möglichst große Vielfalt an Weltanschauungen und Biographien zusammenbringen. Wenn jemand in der Türkei von der „Lügenpresse“ sprechen würde, wo tatsächlich freie Medien benachteiligt werden und nur die parteinahen überhaupt unterstützt, so könnte ich das halbwegs verstehen. Doch selbst in der Türkei ist es – wenn auch unter Angst vor der nächsten Verhaftungswelle und mit bedächtig gewählten Worten – noch möglich, alternativ zu berichten. Solange das noch geht, ist es keinesfalls angebracht, irgendwen als „Lügenpresse“ abzustempeln.

Im Zeitalter des Internets hat zudem jeder Nutzer dieses Mediums die Möglichkeit, sich selbst journalistisch zu betätigen. Wie bereits angesprochen, tun das auch sehr viele Nutzer, und die allermeisten davon unbewusst. Eigentlich müsste sich jeder Nutzer dieser Verantwortung beständig bewusst sein. Leider führt jedoch gerade der unverantwortliche Gebrauch des Internets dazu, dass sich immer mehr Menschen fragen, wozu es denn noch die professionellen Medien braucht. Und je mehr diese Frage gestellt wird, desto dringender braucht es diese Medien, denn die Flut an Unsinn und falschen News nimmt beständig zu. Und da braucht es Menschen mit dem Durchblick, die gelernt haben, richtig zu recherchieren und den Fakten nachzugehen.

Umgang mit Zahlen und Fake-News

Ein weises Sprichwort lautet: „Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast.“ Zahlen und besonders auch Statistiken enthalten eine Menge an Schwierigkeiten, über die wohl schon jeder gestolpert ist. Sie können immer nur einen Teil der Realität abbilden, weil sie für den Vergleich miteinander auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden müssen, obwohl das in der Realität eben sehr oft verschiedene Dinge sind. Zwei Liter Wasser sind in der Statistik zwei Liter Wasser, die man vergleichen kann, aber selten ist damit das destillierte Wasser gemeint, das besonders reines H2O ist. Meist bestehen zwei verschiedene Liter Wasser aus ziemlich vielen weiteren Bestandteilen, etwa Mineralstoffen und nicht selten auch Verunreinigungen wie Bakterien und Keime. Statistiken können immer nur gleichgesetzte Dinge miteinander in Verbindung bringen, während in der Realität jede Schneeflocke ihr eigenes Design hat. Statistiken werden gemacht, damit man bestimmte Dinge über das Verglichene aussagen kann, und deshalb muss immer nach der Fragestellung hinter der Statistik gefragt werden. So haben Statistiken immer ihre Grenzen, die beachtet werden wollen. Ich kann zum Beispiel eine Statistik machen, in der die Anzahl der Manuskripte von Caesars „Gallischem Krieg“, Herodots „Historien“ und des Neuen Testaments verglichen werden. Beim Neuen Testament sind es über 5000 Teile und vollständige Ausgaben aus früher Zeit, bei den anderen liegen viele Jahrhunderte zwischen der Abfassung und den ältesten gefundenen Manuskripten. Das sagt sehr viel über die große Wahrscheinlichkeit aus, dass das Neue Testament korrekt überliefert wurde, aber ich kann daraus nicht automatisch schließen, dass Caesars Werk deswegen total falsch sein muss.

Und dann kommt auch noch hinzu, dass das Auswerten und Interpretieren von Statistiken nicht immer ganz einfach ist. Viel leichter ist das Hineinlesen von Dingen, welche die Zahlen eigentlich gar nicht sicher aussagen. Dass solche Fehler manchmal auch unter professionellen Autoren vorkommt, ist kein Argument gegen den Journalismus per se, sondern sollte uns alle daran erinnern, dass wir fehlbar sind und gerade im Umgang mit Zahlen besonders gut aufpassen müssen. Im professionellen Journalismus stehe Menschen unter Druck, gerade auch der Zeitdruck ist beständig da, und dann können Fehler passieren. Als Blogger und Facebooker habe ich es leichter: Ich kann meine Beiträge überarbeiten, verbessern oder ganz löschen, wenn ich merke, dass etwas anders ankommt als beabsichtigt war. Was einmal in der Zeitung steht oder übers Radio oder Fernsehen ausgestrahlt wurde, ist draußen.

Fake-News sind in aller Munde (oder Finger), und gerade hier müssen wir als Christen lernen, enorm selbstkritisch zu sein. Ich habe schon mehrfach als Argument gehört, etwas müsse deshalb wahr sein, weil die großen Medien nicht darüber berichten. Also eine noch schlechtere Ausrede habe ich selten gehört. Solches darf unter uns nicht sein. Wirklich nicht. Wir haben eine Verantwortung, gerade wenn wir für die eine wahre Wahrheit von Gottes Wort, der Bibel, einstehen wollen, dürfen wir uns nicht damit disqualifizieren, dass wir im Bereich des öffentlichen Lebens Unwahrheiten verbreiten. Eine solche Unwahrheit ist zum Beispiel auch die Behauptung der angeblich existierenden „Lügenpresse“.

Wie kann man dem vorbeugen, dass man zur Fake-News-Schleuder wird? Zunächst: Hirn einschalten. Viele falsche Meldungen lassen sich mit etwas Nachdenken erkennen. Und mit der Zeit bekommt man eine „zweite Natur“ für das Erkennen falscher News, weil man unbewusst eine bestimmte Struktur dieser News erahnt. Aber es gibt auch ein super wertvolles Tool, das Michael Voß, Christ und Journalist, zur Zeit auch Vorsitzender des Christlichen Medienverbunds KEP erstellt hat: Auf http://quellencheck.de/ kann man jede Quelle auf ihre Seriosität prüfen. Der Quellencheck führt einen durch eine Reihe von Fragen, die einem helfen, diese herauszufinden.

Zum Schluss: Beschwer’ Dich nicht – mach es besser!

Jeder Zeitungsleser, Fernsehzuschauer oder Radiohörer hat die Möglichkeit, es besser zu machen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man selbst tätig werden kann, indem man über seine Erlebnisse berichtet, Weltgeschehen recherchiert, Kommentare schreibt oder gute Beiträge anderer verbreitet. Doch lasst uns bitte eins nicht vergessen: Journalismus, richtig guter Journalismus kostet und er ist eine Menge wert. Wir sind uns gewohnt, alles kostenlos auf unsere Geräte zu bekommen, und denken dabei oft nicht daran, wie viel Arbeit, Zeit, Kraft, Gedanken und Geld in einem einzigen Artikel stecken. Spätestens wenn man es selbst versucht, wird das klar. Deshalb: Nix wie ran an de Tasten. Je nach Thema und Inhalt bin ich auch gerne bereit, Gastblogger aufzunehmen und eine Bühne zu bieten. Mach’ mit und mach’ den Journalismus verantwortungsbewusster und vielfältiger! Ich freue mich über jeden Versuch dazu!