Zitat der Woche: Karl Barth über das Wunder der Weihnacht

Ich bin ja höchst selten mit Karl Barth einig. Hier – trotz so mancher alter Bärthe darin – mal ein insgesamt schöner Auszug aus seiner Kirchlichen Dogmatik zum Wunder der Weihnacht.

‘Fleischwerdung des Wortes’ besagt: Gegenwart Gottes in unserer Welt und als ein Glied dieser Welt, als Mensch unter Menschen und darin und damit Gottes Offenbarung an uns, unsere Versöhnung mit ihm. Dass solche Offenbarung und Versöhnung geschehen ist, das ist der Inhalt der Weihnachtsbotschaft. Aber dass Gott und Welt, Gott und der Mensch, in der Person Jesus Christus zusammenkommen – und nicht nur zusammenkommen, sondern eins werden, das wird man gerade in Erkenntnis dieser Wirklichkeit, als Hörer der Weihnachtsbotschaft als unbegreiflich bezeichnen müssen. Weder ist uns diese Wirklichkeit auch anderwärts gegeben und zugänglich, noch lässt sie sich auf Grund allgemeiner Überlegungen als wahr verstehen. Unsere Erfahrung sowohl wie unser Denken werden vielmehr immer wieder von der Weltferne Gottes und von der Gottesferne der Welt, von Gottes Majestät und von des Menschen Elend reden. Reden wir in der Erkenntnis der Fleischwerdung des Wortes, in Erkenntnis der Person Jesus Christus nun doch von etwas anderem, gibt es das wirklich für uns, was der Gegenstand der Christologie ist: ‘wahrer Gott und wahrer Mensch’, dann können wir an unserer Erfahrung und an unserem Denken nur noch eben dies verstehen: dass sie hier von einem schlechthinnigen Außerhalb oder Oberhalb her begrenzt, bestimmt, beherrscht wird. Erkenntnis heißt dann An-Erkenntnis. Und Rede, Aussprache dieser Erkenntnis heißt dann: Be-kenntnis. Nur anerkennend, nur bekennend, können wir sagen: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. In Anerkenntnis und Bekenntnis der Unbegreiflichkeit dieser Wirklichkeit bezeichnen wir sie als Tat Gottes selber, Gottes ganz allein.“ (Barth, Karl, Kirchliche Dogmatik, Studienausgabe Bd. 3, §15, 3. Das Wunder der Weihnacht, S. 188f.)

100 Jahre Wort-Gottes-Theologie – Festschrift von Michael Freiburghaus

Was passiert, wenn sich vier junge Theologen treffen und gemeinsam eine Vortragsreihe organisieren? Es wird daraus eine neue theologische Bewegung geboren. Vermutlich nicht immer, aber zumindest dann, wenn die Theologen Barth, Brunner, Thurneysen und Wieser heißen. Diese Vortragsreihe fand 1917 statt – also vor 100 Jahren, und zwar in der ev.-ref. Kirche Leutwil, wo damals Eduard Thurneysen Gemeindepfarrer war. Inzwischen sind 100 Jahre vergangen, und nun ist mein Freund Michael Freiburghaus Pfarrer in ebendieser Kirche. Um das 100-jährige Jubiläum dieser Vortragsreihe gebührend zu feiern, veranstaltete er ebenfalls eine Vortragsreihe, in welcher das Leben und Werk der früheren Theologen betrachtet wird. Im vorliegenden Band finden sich die Transkripte der beiden Vorträge zu Karl Barth und Emil Brunner, sowie die abschließende Predigt, in welcher der Ortspfarrer selbst das Leben und Werk von Eduard Thurneysen und besonders dessen Lehre von der bibelzentrierten Seelsorge aufzeigt.
Die Vorträge sind interessant; zuweilen fehlt mir die kritische Distanz zu den Theologen, da die Vorträge eher so etwas wie Hagiographien darstellen. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass ein einzelner Vortrag nicht ausreicht, um das gesamte Werk eines dieser Theologen umfassend darzustellen. In dieser Kürze wird es immer Einseitigkeiten geben. Besonders wertvoll ist die Predigt zum Festgottesdienst, weil hier Gottes Wort direkt ausgelegt wird und anhand von diesem Thurneysens Lehre von der Seelsorge entwickelt wird.

 

Ich wünsche dem Autor, dass von seiner Kirchgemeinde Leutwil-Dürrenäsch eine neue theologische Bewegung im Sinne einer neuen Reformation ausgehen möge, die sich in der Schweiz und im weiteren deutschsprachigen Raum ausbreitet. Gottes Wort allein, der Glaube allein, die Gnade allein, durch Christus allein, und alles zur Ehre Gottes.