Die Herrlichkeit des Erbes

Die Herrlichkeit des Erbes

Erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr wißt, welches die Hoffnung seiner Berufung und welches der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen sei, welches auch die überwältigende Größe seiner Macht sei an uns, die wir glauben, vermöge der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke, welche er wirksam gemacht hat in Christus, als er ihn aus den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten setzte in den himmlischen Regionen (Epheser 1, 18 – 20)

Paulus wünscht der Gemeinde (und damit auch uns) erleuchtete Augen des Herzens. Damit sind jetzt nicht leuchtende Augen gemeint, auch wenn das wohl ziemlich automatisch das Ergebnis ist, wenn wir erkennen, wie gut Gott es mit uns gemeint hat. Erleuchtete Augen sind Augen, denen der Heilige Geist zeigt, wie Gott sieht und was Gott für uns bereit hält. Es ist irgendwie unfassbar, wie unermesslich viel wir bekommen, wenn wir in dem Herrn Jesus und damit in seiner Gemeinde sind. Zuerst ist da die Hoffnung der Berufung. Diese Hoffnung besteht darin, dass wir wissen: Gott Vater hat uns schon gekannt und erwählt noch bevor er die Welt geschaffen hatte. Wir sind die Auserwählten Gottes, für die der Herr Jesus sich selbst ganz und gar hingegeben hat und unsere Sünden durch sein Blut bezahlt und uns reingewaschen hat. Wir sind auch versiegelt mit dem Heiligen Geist, also Gott hat sein Siegel auf uns gedrückt und damit seinen alleinigen Besitzanspruch geltend gemacht, und darum kann uns nichts und niemand jemals wieder aus der Hand Gottes reißen. Wir sind dazu berufen, in Ewigkeit mit unserem Herrn in Gemeinschaft zu sein. Da dies noch nicht in vollem Umfang erfüllt ist, nennt Paulus das hier die Hoffnung der Berufung. Also das, was wir erhoffen, weil Gott, der immer treu ist, uns das versprochen hat.

Weiter dürfen wir erkennen, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes ist. Christus ist Erbe von allem, was ist. Als seine Miterben dürfen wir was wohl mit-erben? Ebenfalls alles, was ist. Wer den zum Vater hat, dem alles gehört, dem gehört ja deshalb auch alles. Das bedeutet nun aber keinesfalls, dass zum Erben zuerst der Tod von Gott Vater eintreten musste. Manche Irrlehren des Patripassionismus (Gott Vater habe am Kreuz auch mitgelitten und sei mitgestorben, aktuelles Beispiel dieser Irrlehre ist zur Zeit der Roman „Die Hütte“ von William P. Young) gehen hiervon aus, um ihre Theorien zu stützen. Wenn Gott jedoch davon spricht, dass wir Erben Gottes und Miterben Christi sind, dann bedeutet das ganz einfach, dass wir etwas versprochen bekommen haben, aber noch nicht alles davon auf einmal bekommen. Vielmehr ist uns der Heilige Geist als Angeld gegeben worden, das heißt also als vorhergehenden Beweis dafür, dass zu seiner Zeit, nämlich im neuen Himmel und auf der neuen Erde, dann die vollständige Erfüllung dieses Versprechens folgen wird.

Dieses Angeld des Heiligen Geistes hat damit begonnen, dass Gottes Kraft an uns wirksam wurde, und zwar zur Erleuchtung, Buße, Bekehrung, Wiedergeburt und Glaube. Zunächst hat der Heilige Geist unsere Augen geöffnet, sodass wir unseren sündigen Stand vor Gott erkennen konnten. Dann hat er uns durch die göttliche Kraft gestärkt, sodass wir nicht vergeblich von ihm zur Buße getrieben wurden, sondern die Kraft bekamen, um auch echte Buße zu tun. Dann hat uns Gott dem Moment echter Buße bekehrt und wiedergeboren. Zugleich hat er uns mit Glauben erfüllt. Dieser Glaube ist nicht ein historischer Glaube daran, dass Jesus am Kreuz gestorben ist, sondern es ist der Glaube ein Vertrauen darauf, dass das, was der Herr am Kreuz getan hat, für ihn ganz persönlich geschehen ist. Historischen Glauben, nämlich daran, dass Jesus auf die Erde kam und gestorben ist, den haben auch der Teufel und die Dämonen, und dennoch gehen sie verloren. So kann es mit Menschen, die zwar diesen historischen Glauben, aber nicht das persönliche Vertrauen in das Erlösungswerk des Herrn Jesus haben, um keinen Deut mehr errettet werden. Dieser Glaube nämlich ist Gottes Werk in unseren Herzen.

In unserem hiesigen Leben auf der Erde hilft uns der Heilige Geist, indem er uns zur Heiligung antreibt. Dies sieht so aus, dass er uns immer wieder neu die Augen unseres Herzens öffnet für Gewohnheiten und Sachen, die Gott in unserem Leben nicht gefallen. Dies geschieht, wenn wir in der Bibel lesen oder wenn wir eine Predigt hören oder auch wenn uns andere Gläubige etwas sagen, was in unserem Leben falsch läuft. Natürlich hat Gott auch noch andere Möglichkeiten als diese drei, aber üblicherweise benutzt er eine von diesen dreien, um zu uns zu sprechen. Wir tun gut daran, diese drei Möglichkeiten gut zu pflegen und bei diesen immer gut aufzupassen, auch mit der Frage im Herzen und im Gebet: Herr, möchtest du mir dadurch etwas persönliches für mein Leben mitteilen? Was gibt es, was ich noch ändern soll? Was ist in meinem Leben, was dir noch missfällt? So können wir immer besser, schneller und sensibler auf Gottes Reden reagieren. Und das ist sehr gut so.

Die wichtigste Dimension ist aber die Zukünftige. Alles, was in unserem Leben auf der Erde hier passiert, ist zur Vorbereitung auf die Zukunft gedacht. So dürfen wir auch unser gesamtes Leben sehen. Jedes Ereignis dient dazu, um uns vorzubereiten auf die Ewigkeit. In der Ewigkeit wird die Arbeit nicht einfach aufgehoben sein, sondern ihre Bedingungen werden vom Fluch befreit sein. Aber Gott ist als Schöpfer und Erhalter der erste und größte Arbeiter überhaupt. Im Sündenfall sind nur die Bedingungen, unter denen der Mensch arbeiten muss, verflucht worden. Doch Arbeit als solche wird es immer geben. Nur halt nicht mehr in dem Sinne „im Schweiße des Angesichts“, sondern ohne Mobbing, ohne Missverständnisse und so weiter. So dient all unser Tun auf Erden zur Vorbereitung auf das Tun in der Ewigkeit.

Die stärkste Hoffnung, die wir haben, besteht also darin, dass wir auch nach dem Tod oder nach der Entrückung weiter leben dürfen. Hieraus können wir auch Kraft schöpfen für unseren täglichen Alltag, für schwere Zeiten und für unsere Ungeduld auf Erden. Wir dürfen immer wissen: Gottes Kraft hat den Herrn Jesus von den Toten auferweckt, da wird sie auch uns auferwecken. Und es ist ganz klar, dass wir diese Hoffnung jetzt schon in uns tragen: denn es ist deutlich einfacher, einen Toten aufzuerwecken, als einen Sünder, der von Kindesbeinen auf gewohnt ist, vor Gott wegzurennen und in allerlei sündige Lüste hinein zu fliehen, zu neuem geistlichem Leben zu erwecken. Deshalb ist unsere Gewissheit umso größer.

Hast du diese Gewissheit in deinem Herzen? Weißt du, dass der Herr Jesus für dich ganz persönlich den Weg des Kreuzes auf sich genommen hat? Dass er aber auch für dich wieder auferstanden ist, damit du mit ihm zusammen in alle Ewigkeit, aber auch jetzt und hier schon, Gemeinschaft haben darfst? Das ist sein größter Wunsch – mit dir in enger Gemeinschaft zu leben und dein Leben mit seiner Kraft und seiner Weisheit prägen zu dürfen!

1. Korinther 12, 29 – 31

1. Korinther 12, 29 – 31:

Griechisch:

Deutsch:

29 μη παντες αποστολοι μη παντες προφηται μη παντες διδασκαλοι μη παντες δυναμεις

30 μη παντες χαρισματα εχουσιν ιαματων μη παντες γλωσσαις λαλουσιν μη παντες διερμηνευουσιν

31 ζηλουτε δε τα χαρισματα τα κρειττονα και ετι καθ υπερβολην οδον υμιν δεικνυμι

Sind etwa alle Apostel? Sind etwa alle Propheten? Sind etwa alle Lehrer? Haben etwa alle Kraftwirkungen?

Haben etwa alle Gnadengaben der Heilungen? Reden etwa alle in Zungen? Haben etwa alle die Auslegung?

Strebt mit Eifer nach den größeren Gnadengaben, und nun zeige ich euch einen überragenden Weg.

Auslegung:

Nun will Paulus wiederum klarstellen, dass alle einzelnen Glieder der Gemeinde wichtig sind und jedes einzelne von ihnen an seinem Platz seine volle Wirkkraft entfalten soll. Paulus zählt hier verschiedene Ämter der Gemeinde auf. Wiederum eine unvollständige Liste. Wer möchte, kann anhand der Reihenfolge durchaus eine bestimmte Hierarchie der Gemeindestruktur feststellen. Das ist im Rahmen des Legitimen, besonders auch wegen dem abschließenden Wunsch des Paulus, nach den größeren Gnadengaben zu streben. In diesem Abschnitt sieht man sehr schön den äußerst wichtigen Unterschied zwischen einem Amt und einer Gnadengabe. Wenn in der Bibel ein Nomen steht (Apostel, Prophet, Lehrer, etc.), dann haben wir es mit einem Amt zu tun. Hier haben wir verschiedene Ämter aufgezählt in unserer Liste. Nicht jeder kann beliebig jedes Amt bekommen. Aber jedem Einzelnen gilt der Befehl: Strebt nach den größeren Gnadengaben!

Das griechische Wort zäloo ist mit streben eigentlich viel zu schwach übersetzt. Mit ihm wird eigentlich beschrieben, wie man etwas zum Kochen bringen kann. Die Hitze, die benötigt wird, um etwas zum Kochen zu bringen, steht sinnbildlich für den kochenden Eifer mit dem man hier nach den Gaben streben soll. Paulus würde uns diesen Befehl niemals erteilen, wenn es bei den Gaben nur darum gehen würde, dass man anständig rumsitzt und passiv auf den Empfang irgendwelcher Gaben wartet. Klar ist es der Heilige Geist, der die Gaben nach seinem Willen austeilt, aber er wird bestimmt keine an diejenigen austeilen, die nicht wissen, welche sie bekommen möchten. Dieser Gedanke nämlich ist so eine typische evangelikale Perversion der biblischen Wahrheit: Wir können ja eh nichts dafür oder dagegen tun, der Geist teilt ja aus und ich kann nur passiv abwarten bis ich zufällig etwas bekomme. Wichtig für deren Empfang ist zu wissen, dass es für jede Gabe auch eine gewisse geistliche Reife braucht, damit man sie nicht unwissentlich missbraucht. Und je „größer“ oder „besser“ (im Sinne unseres Verses) die Gabe ist, desto mehr Reife ist erforderlich. Deshalb ist eine bestimmte Art der Zungenrede, nämlich die zur Selbsterbauung, auch für jeden Gläubigen zu haben. Darin kann man im Kleinen die Treue üben und lernen. Andere Gaben wie Prophetie oder gar Lehre sind ein Stück weit „gefährlich“, weil sie, falsch ausgeübt, eine ganze Gemeinde oder gar verschiedene Gemeinden zum Negativen beeinflussen kann.

Nun noch ein Wort zum vorzüglichen Weg. Es ist leider ebenso eine evangelikale Entgleisung, zu behaupten, dass man hier den Weg gegen die Gaben ausspielen kann oder gar soll. Niemand kann sagen: Ich will mit den Gaben nichts zu tun haben, mir reicht der Weg. Sonst fängt man an, Äpfel gegen Tomaten und Birnen gegen Karotten auszuspielen. Beides ist zugleich notwendig: Die Liebe als Weg, die Gaben als Schuh- oder Fahrwerk. Die Gaben dienen dazu, dass die Gemeinde im Glauben wachsen kann, der Weg der Liebe sorgt dafür, dass man dabei nicht in Schlaglöcher oder Ähnliches stolpert. Die Liebe ist der Weg, auf dem die Gaben ihre größte Wirkung entfalten können. Liebe bedeutet, den anderen mit Gottes Augen zu sehen und sich zu wünschen, dass er dem letztgültigen Ziel hinwachsen möge: dem göttlichen Ziel, immer mehr in das Ebenbild des Herrn Jesus verwandelt zu werden. Immer mehr dem Herrn ähnlicher zu werden. Immer mehr das menschlich-irdische Denken abzulegen und immer mehr so zu sehen, zu fühlen und zu denken, wie Gott sieht, fühlt und denkt.

1. Korinther 12, 26 – 28

1. Korinther 12, 26 – 28:

Griechisch

Deutsch

26 και ειτε πασχει εν μελος συμπασχει παντα τα μελη ειτε δοξαζεται εν μελος συγχαιρει παντα τα μελη

27 υμεις δε εστε σωμα χριστου και μελη εκ μερους

28 και ους μεν εθετο ο θεος εν τη εκκλησια πρωτον αποστολους δευτερον προφητας τριτον διδασκαλους επειτα δυναμεις ειτα χαρισματα ιαματων αντιληψεις κυβερνησεις γενη γλωσσων

Und wenn nun ein Glied leidet, so leidet der ganze Leib mit, und wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder.

Ihr aber seid ein Leib Christi und Glieder, (jeder) nach seinem Teil.

Und so hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer, weiter (Gaben der) Kräfte, Gaben der Heilungen, der Hilfeleistungen, der Verwaltungen und Arten von Sprachen.

Auslegung:

So wie es im Abschnitt davor am Ende darum ging, dass der Grund für die Unterschiedlichkeit der einzelnen Glieder darin besteht, dass die Glieder gemeinsam füreinander sorgen können und sollen, geht es nun in derselben Argumentation weiter. Jedes Glied hat seine persönliche Gabenkonstellation, seine Auf-Gaben, seine Verantwortungen, aber auch seine Grenzen. Das ist von Gott so gewollt und geplant. Gott ist nicht von Grund auf auf uns Menschen angewiesen, er könnte alles auch ohne uns tun. Aber er hat sich entschieden, durch uns Menschen handeln zu wollen. Das ist ein Zeichen seiner großen, für uns nicht verständlichen Liebe. Nun geht Paulus noch einen Schritt weiter in seinem Vergleich mit unserem Körper: Wenn ein Körperteil leidet, so haben alle Körperteile einen Nachteil davon: Schmerzen in einem Teil des Körpers können andere Teile lahmlegen, bzw. zumindest in ihren Funktionen einschränken.

An anderer Stelle, nämlich im Epheserbrief 5, 27 schreibt Paulus, dass Christus seine Gemeinde (seine Braut) heiligt, damit er sie sich selbst darstelle als eine Gemeinde, die herrlich sei, so daß sie weder Flecken noch Runzeln noch etwas ähnliches habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei.Hier schreibt er von Flecken und Runzeln und ähnlichem. Und wenn die Gemeinde der Leib Christi ist, der aus vielen verschiedenen Körperteilen besteht, so kann man auch festhalten, dass die Haut das größte körperliche Organ des Menschen ist. Sie besteht aus drei Schichten übereinander und enthält zahlreiche Rezeptoren, deren Funktionen man gewöhnlich in die drei Klassen Mechano-, Thermo- und Schmerzrezeptoren einteilt. Diese drei Sorten von Rezeptoren sind über die gesamte Hautfläche verteilt, an manchen Stellen befinden sich jedoch auch Ballungszentren. Mechanorezeptoren nehmen den Druck, Berührung und Vibration wahr, die auf die jeweilige Stelle des Körpers ausgeübt wird. Thermorezeptoren halten die Wärme (oder Kälte) fest und regulieren über einfache Befehle via Nervenstränge die Körpertemperatur, damit er vor Unterkühlung oder Überhitzung geschützt wird. Schmerzrezeptoren geben die empfangenen Reize an das Zentrale Nervensystem weiter, wo sie zu Reflexhandlungen des Körpers führen: Zum Beispiel man setzt sich in einen Kaktus, das führt zum automatischen Wiederaufspringen, wobei auch da Befehle an die jeweiligen Muskeln innerhalb von Sekundenbruchteilen weitergeleitet werden.

Das Ziel, welches Christus mit seiner Gemeinde hat, ist, dass der gesamte Leib Christi vorbereitet und zum Hochzeitsmahl mit Christus, dem Bräutigam, zubereitet wird. Eine Frau wird in den Tagen vor ihrer Hochzeit ganz besonders auch auf ihr Aussehen achten. Sie wird auf ihre Ernährung achten, auf ihren Lebensstil, wird ihren Körper immer wieder vor dem Spiegel überprüfen und sich Gedanken machen, was sie tun kann, um noch schöner auszusehen. Bei der Braut Christi sollte das genau gleich sein: Sie sollte sich auch immer wieder überprüfen und sich ihre Gedanken machen, wie sie ihrem zukünftigen Ehemann noch besser gefallen kann. Das Aussehen und die Hautalterung insbesondere hängen zwar bei uns Menschen auch ein wenig von der genetischen Disposition ab, der Verlauf und vor allem wie schnell dieser Prozess abläuft, hängt sehr sehr stark vom Lebensstil und der gesunden Ernährung ab. Man hat Untersuchungen mit Mäusen gemacht, bei welchen die genetische Disposition „ausgeschaltet“ wurde. Diese Mäuse hatten bis zu ihrem Tod keine wirkliche Hautalterung aufzuweisen als eben diese, die von der Ernährung abhängt. Und da die Braut Christi schon seit Entstehung der Welt existiert (die gläubigen Patriarchen und Israel sind nicht eine andere Braut als die Gemeinde des NTs), gibt es in diesem Falle auch keine genetische Degeneration. Somit hängt bei der Braut Christi wirklich alles vom Lebensstil und der Ernährung ab. Wenn sie schlecht ernährt und schlecht behandelt wird, so zeigen sich darauf sehr schnell die Runzeln und Falten.

Wenn man die Funktionen der Haut betrachtet, kann man sie ungefähr wie folgt zusammenfassen: Schutz für die inneren Organe, Warnung bei Schmerzen und falscher Behandlung des Körpers. Es gibt immer wieder Gemeindeglieder, welche von Gott genau mit diesen Funktionen ausgestattet wurden. Menschen, welche die Zeichen der Zeit zu verstehen wissen. Menschen, welche auf den Mauern der Gemeinde stehen und momentane Einflüsse auch für die kommenden Jahre zu sehen vermögen. Menschen, welche die Gemeinde warnen, wenn sie sich falschen Einflüssen und Lehren aussetzt. Aber auch Menschen, die sehr schnell mit Alterungs- und Ermüdungserscheinungen reagieren, wenn sie falsch behandelt werden. Und genau das ist leider zumeist der Fall. Sie sind ungeliebte Zeitgenossen. Die Haut tut ihren Dienst still und gut, und zwar so lange, wie keine Schmerzen aufkommen. Sonst beginnt sie schrill aufzuschreien und versucht, alle Muskeln in Bewegung zu setzen, um den Körper von den Schmerzen zu befreien. Wenn die Organe unseres Körpers reden könnten, würden sie sich vielleicht auch über die Haut aufregen: Sie ist so still und sagt nichts, solange alles gut läuft. Sie reagiert nur dann, wenn ihr etwas nicht passt. Und doch könnte keines von diesen inneren Organen überleben, wenn nicht die Haut da wäre, die Schutzmauer und der Wächter auf dem Turm.

Wir sind alle der Leib Christi. Jeder Gläubige hat da seinen Platz, seinen Ort, seine Gaben, Aufgaben und seine Verantwortung. Jeder wird gebraucht, damit die Braut Christi richtig funktionieren kann. Jeder hat seinen Teil der Verantwortung. Jedem aber wird dies alles von Gott zugeteilt. Manche Leute wissen nicht, wo ihr Platz und ihre Zuteilung ist. Und da ist es die Verantwortung der gesamten Gemeinde, dies herauszufinden. Ein Körperteil, der nicht weiß, was seine Aufgabe ist, ist erstens nutzlos und zweitens den anderen im Weg. Es gibt verschiedene Posten in der Gemeinde, verschiedene Ämter. Da ist das Amt des Apostels. Ein Apostel hat eine Aufgabe, die üblicherweise außerhalb der Gemeinde ist, die ihn aussendet. Er kann einen übergemeindlichen Lehrdienst haben oder neue Gemeinden gründen. Beides hatte Paulus, der uns das Hauptbeispiel eines Apostels sein soll. Der Dienst eines Apostels wird oft (wenn auch nicht immer und schon gar nicht zwingend) von größeren Zeichen und Wundern begleitet. Ein Prophet hat eine besondere Einsicht in verborgene Dinge, die Gott ihm offenbart. Das können versteckte Dinge im Leben anderer Menschen sein oder auch ein Blick in die Zukunft. Der Dienst unterscheidet sich deutlich von demjenigen des Lehrers, auch wenn beide zusammen durchaus auch vorkommen können. Der Lehrer hat vor allem die Fähigkeit, den Zustand von bestimmten Lehren (und oft auch Prophetien) an Hand der Bibel zu überprüfen und entweder als korrekt oder als Irrlehre zu unterscheiden. Hiermit ist die unvollständige Liste der Ämter abgeschlossen. Es folgen noch verschiedene Gaben, welche bereits weiter oben besprochen wurden.

1. Korinther 12, 22 – 25

1. Korinther 12, 22 – 25:

Griechisch:

Deutsch:

22 αλλα πολλω μαλλον τα δοκουντα μελη του σωματος ασθενεστερα υπαρχειν αναγκαια εστιν

23 και α δοκουμεν ατιμοτερα ειναι του σωματος τουτοις τιμην περισσοτεραν περιτιθεμεν και τα ασχημονα ημων ευσχημοσυνην περισσοτεραν εχει

24 τα δε ευσχημονα ημων ου χρειαν εχει αλλ ο θεος συνεκερασεν το σωμα τω υστερουντι περισσοτεραν δους τιμην

25 ινα μη η σχισμα εν τω σωματι αλλα το αυτο υπερ αλληλων μεριμνωσιν τα μελη

Sondern es sind vielmehr gerade die Glieder des Leibes notwendig, die uns schwächer zu sein scheinen.

Und diejenigen, die uns weniger ehrwürdig zu sein scheinen, diese umhüllen wir mit umso größerer Ehre und unsere unansehnlichen haben dafür umso mehr Wohlansehnlichkeit,

aber unsere wohlansehnlichen brauchen das auch nicht. Gott hat den Leib zusammengemischt, auf dass er dem dürftigeren umso mehr Ehre gab,

damit im Leib keine Spaltung sei, sondern dass die Glieder umso besser füreinander sorgten.

Auslegung:

Wiederum zunächst eine Ausrichtung, worauf Paulus mit unseren vorliegenden Versen hinauswill, damit der Spekulationen über die einzelnen Worte kein Raum gegeben sei: Es geht immer noch um den von Paulus getadelten Umstand, dass die Korinther manchen Charismata einen falschen Stellenwert gegeben hatten. Hier im Text will er uns mit seiner typischen Logik aufzeigen, dass diejenigen, die mit großen Gaben und Visionen angeben konnten, gar keinen Grund haben, so viel von sich selbst zu halten. Wie wir im Detail noch sehen werden, tut er dies mit einem ziemlich schweren, gar etwas frechen Seitenhieb.

Vers 22 ist die Überleitung von den vorigen Versen, in welchen Paulus aufzeigte, dass niemand einen Grund hat, von anderen Gliedern schlecht zu reden oder zu denken, zugleich könnte man den Vers aber auch als Überschrift für die Verse 23 – 25 sehen, so als eine Art Einleitung, in welcher er ihnen noch auf die andere Art und Weise das zuvor Gesagte beweisen will. Genau genommen hat er ja zuerst in den Versen 19 – 21 erklärt, was nicht sein darf, nun aber beweist er das selbe noch auf negative Negation, nämlich so, wie es sein soll. Das ist so eine typische Argumentationsweise von Paulus.

Er gebraucht hier einen Vergleich vom menschlichen Körper. Wenn er nun im Vers 23 davon spricht, dass wir diejenigen Körperteile mit umso mehr Ehre umgeben, die uns weniger ansehnlich (oder ehrwürdig) erscheinen, so spricht Paulus zweifellos von unserem menschlichen Körper. Die Ehre meint hier die Bekleidung. Es ist anzunehmen, dass Paulus hier von den menschlichen Geschlechtsteilen spricht, da er das Verb „umhüllen“ gebraucht, welches für die Bekleidung dieser Körperteile steht. Dieser Vers also nimmt die Bekleidung, die „Ehrung“ des menschlichen Körpers auf und setzt sie mit dem Leib Christi in Verbindung. Übrigens sagt Paulus hier mit keinem Wort, dass diese Körperteile schlecht sein sollten, sondern nur, dass es zu seiner Zeit üblich war, sie als minderwertig zu betrachten und deshalb zu verhüllen.

Paulus fährt dann fort, indem er sagt, dass diejenigen Teile unseres Körpers, die wir für ansehnlich halten, dass wir diese eben auch nicht bedecken würden, und das ja auch nicht nötig sei. Nun kehrt er aber zurück zur Gemeinde als Leib des Herrn Jesus und macht den Korinthern klar: Gott hat es halt gleich gemacht, wie die Menschen es auch machen: Der Leib ist so durchmischt und auf diese Weise zusammengestellt, dass diejenigen Glieder des Leibes, die sich gerade am lautesten ihrer Besonderheit durch Ausstattung mit besonders „hohen“, „geistlichen“ Gaben und Visionen rühmten und angeben mussten, in Wirklichkeit nur deshalb von Gott so ausgestattet wurden, weil sie sonst zu wenig ansehnlich wären. Das kann man nun echt einen „Tiefschlag“ nennen…

Gleich darauf wird er aber wieder ernst und beteuert, dass Gott die Vielfalt der Gaben und Ämter gerade deshalb gegeben hat, damit die einzelnen Glieder der Gemeinde umso besser füreinander sorgen können. Das ist auch heutzutage sehr wichtig zu betonen. Jeder Gläubige ist mit einer für ihn bestimmten einmaligen Gabenkonstellation ausgestattet. Nun muss jeder seinen Platz finden und an diesem Platz gehören seine Gaben der ganzen Gemeinde. Es geht weniger um das Verhältnis zwischen Einzelnen, sondern um die Funktion des Leibes als Ganzes. Und wenn für jeden Gläubigen dieses Funktionieren des gesamten Leibes im Mittelpunkt steht, dann ist jedem Einzelnen geholfen, für jeden ist gesorgt und die Gefahr der Spaltungen ist damit ausgeschlossen. Spaltung gibt es erst dann, wenn man aufhört, sich selbst mit seiner Gabenkonstellation ganz seiner Ortsgemeinde zu verschenken. Aber so, wie der Herr Jesus sich selbst an uns verschenkt und hingegeben hat, so sollen auch wir uns unserer Gemeinde, dem Leib Christi, hingeben. Unser Leben in Christus ist immer das Leben in der Gemeinde, und ist nie davon abgesondert und getrennt, sonst entstehen diese Spaltungen, vor denen Paulus hier ausdrücklich warnt.

1. Korinther 12, 19 – 21

1. Korinther 12, 19 – 21:

Griechisch

Deutsch

19 ει δε ην τα παντα εν μελος που το σωμα

20 νυν δε πολλα μεν μελη εν δε σωμα

21 ου δυναται δε οφθαλμος ειπειν τη χειρι χρειαν σου ουκ εχω η παλιν η κεφαλη τοις ποσιν χρειαν υμων ουκ εχω

Wenn aber alles ein Körperteil wäre, wo wäre dann der Leib?

Nun aber gibt es zwar viele Körperteile, aber (nur) ein Leib.

Das Auge kann aber nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht! Oder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht!

Auslegung:

Hier haben wir eine sehr schöne Aussage des Paulus. Auch hier geht es wiederum um die Tatsache, dass es in der Gemeinde verschiedene Menschen mit verschiedenen Gaben, Auf-Gaben und Ämtern gibt. Er fängt mit einer rhetorischen Frage an: Wenn jeder einzelne Körperteil gleich wäre, so kann daraus gar kein ganzer Leib entstehen. Spötter könnten hier einwerfen, was denn mit den Einzellern wäre. Aber darum geht es hier gar nicht. Das Bild, welches Paulus hier benützt, ist dasjenige vom menschlichen Körper, und der Mensch ist – bewiesenermaßen – kein Einzeller. Leider ist es ein bekanntes Phänomen, dass in vielen Gemeinden (beinahe bin ich versucht zu sagen: in so gut wie allen) Menschen sind, die entweder denken, sie seien unverzichtbar und nichts könne ohne ihre Hilfe richtig gemacht werden oder andere, die ihre eigene Position innerhalb der Gemeinde für so wichtig halten, dass alle so sein sollten wie sie es sind. Der erstere Typ ist vermutlich derjenige, welcher seinen eigenen Platz noch nicht gefunden hat. Er sucht in allen Bereichen sich einzubringen und mitzubestimmen, und dies vor allem deshalb, weil er nicht genau weiß, was seine Auf-Gabe innerhalb dieses Leibes ist. Diesen Leuten und auch der Gemeinde ist mit einem klärenden Gespräch sehr geholfen, vielleicht auch mit einem Gaben-Seminar, in dem er seinen Platz finden kann. Der zweitere Typ ist schwieriger zu bändigen. Er muss zuerst einmal erleben, dass andere auch ihren Platz haben und brauchen. Und das sieht von Fall zu Fall unterschiedlich aus. Ihm muss klar werden: Der Leib hat viele Körperteile, und jedes von ihnen allen ist ebenso wichtig für den ganzen Leib wie er selbst.

So gibt es kein Körperglied, das die Berechtigung hat, irgend einem anderen zu sagen oder von ihm auch nur zu denken, dass es überflüssig sei. Leider gibt es genügend „Pastorengemeinden“, in welcher eine aktive Gemeindeleitung dem Rest der Gemeinde (meist ohne es so auszudrücken oder es überhaupt sagen zu wollen) mit zahlreichen Taten über die Jahre hinweg klar macht: Wir brauchen euch nicht wirklich (außer für eure Spenden, den Putzdienst und den KiGo oder so ähnlich). Diese meist wortlose Erklärung erstickt viel von dem Potential an Leben, das in der Gemeinde steckt. Die Gemeindeglieder werden entweder enttäuscht und ernüchter, gehen oft sogar weg, oder sie werden faul und träge und ruhen sich aus. Das Auge, also diejenigen, welche den Durchblick haben in der Gemeinde, vielleicht der Pastor und ein Kreis von Ältesten, sollten der Hand, nehmen wir mal an, da gibt es Menschen, die gut selbst handwerken können, so der „Do-it-yourself“-Typ, nicht sagen, sie sei unbrauchbar. Vielmehr ist es nötig, dass die Gemeindeleitung, vielleicht auch ein Hauskreisleiter, der für eine bestimmte Anzahl Gemeinde-glieder verantwortlich ist, den richtigen Platz für jeden einzelnen findet. Gott hat es nämlich versprochen in seinem Wort, dass dies so sein soll. Jede und jeder hat seinen und ihren Platz, Auf-Gabe und eine von Gott geschenkte Verantwortung innerhalb der Gemeinde. Diese gilt es, zu entdecken und die Menschen strategisch so einzusetzen, dass die Gemeinde geistlich und auch zahlenmäßig wachsen kann.

Das Gebet für die Gemeinde

Das Gebet für die Gemeinde

Darum lasse auch ich, nachdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von der Liebe zu allen Heiligen gehört habe, nicht ab, für euch zu danken und in meinen Gebeten euer zu gedenken, daß der Gott unsres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und Offenbarung gebe in der Erkenntnis seiner selbst (Epheser 1, 15 – 17)

Nachdem Paulus in den vorigen Versen den ganzen Ratschluss Gottes, den göttlichen Heilsplan, erklärt hat, fährt er nun fort mit der Erklärung, dass er für die Gemeinde betet. Er ist also in Rom gefangen und hat dort genug Zeit. Manche Leute würden anfangen, Trübsal zu blasen und über das ungerechte Leben zu schimpfen. Er hat doch so viel Gutes für Gott getan, und nun wird er sich selbst überlassen? Aber nichts von alledem sehen wir da in den Worten von Paulus. Er ist nicht unzufrieden mit seiner Lage. Klar, die könnte viel besser sein, denn allzu viel Gutes bekam er nicht in seiner Gefangenschaft. Er war außerdem ziemlich streng bewacht und musste über zwei Jahre lang drin bleiben ohne jemals zur Tür hinausgehen zu dürfen. Doch es gab etwas, was ihn davon abhielt, zu schimpfen. Er hatte nun nämlich endlich einmal genug Zeit, um für all die Gemeinden zu beten, die er gegründet hatte.

Wenn er an die Gemeinde in Ephesus denkt, fallen ihm genügend Gründe zum Danken ein: Er hatte von ihrem starken Glauben an den Herrn Jesus gehört von ihrer Liebe zu allen Heiligen. Dass er davon gehört hatte, ist darauf zurückzuführen, dass dies weit herum im ganzen römischen Reich bekannt ist. Zwischen den Gemeinden herrschte damals ein reger Austausch und so hatte jede Gemeinde ihre Bekanntheit durch ein paar Dinge, die einfach bekannt waren. Bei den Ephesern war dies der starke Glaube an den Herrn Jesus und die große Liebe zu den Heiligen. Ephesus war die Stadt, in welcher der Göttin Artemis (die Römer nannten sie Diana) als Schutzgöttin verehrt wurde. Der Artemistempel zählte zu den Weltwundern und wurde von riesigen Touristenscharen besucht. Viele Handwerker lebten von diesem Götzendienst, da sie kleine Statuen von dieser Göttin herstellten. Diese sahen natürlich in der ephesinischen Gemeinde eine riesige Konkurrenz, die es auszurotten galt. So lebte die Gemeinde in ständiger Verfolgung und brauchte deshalb auch einen starken Glauben. Aber über diesen Glauben hinaus lebten sie auch in beständiger Gastfreundschaft mit Leuten aus anderen Gemeinden. Vermutlich kamen viele christliche Händler in die Metropole Ephesus, um dort ihre Waren anzubieten und deshalb wurde auch die große Liebe zu allen Heiligen bekannt.

Interessant ist, dass Paulus an der Gemeindepraxis nichts zu kritisieren hatte. Der Brief ist ein reiner Lehr-brief. So wie der Römerbrief auch. In allen anderen Briefen hatte Paulus eine ganze Menge an dem zu kritisieren, was in den Gemeinden falsch lief. Nur in diesen beiden Lehrbriefen nicht. Der Römerbrief ist eine sehr systematische Abhandlung, in welcher alle wichtigen Themen des christlichen Glaubens drin stehen: Wer ist der Mensch? Was ist die Sünde? Wie wird man erlöst? Was tut der Heilige Geist? Wie hat Gott uns erwählt? Was ist die Gemeinde? Wie sollen wir in der Welt leben? Diese Fragen werden alle im Römerbrief ziemlich ausführlich unter die Lupe genommen und beantwortet. Der Epheserbrief nimmt nun einen Abschnitt aus diesem ganzen Lehrgebäude heraus, die Lehre von der Gemeinde. Hier beantwortet Paulus die Fragen: Was ist die Gemeinde? Wer gehört zur Gemeinde? Wie entsteht die Einheit innerhalb der Gemeinde? Und schließlich auch: Wie sollen wir in der Gemeinde miteinander leben und umgehen? In diesen ganzen Lehren sagt Paulus, dass er für die Gemeinde dankt, und zwar gerade weil die Gemeinde von Ephesus ganz besonders das ernst nimmt, was die Mitte des christlichen Glaubens ist: Der Glaube an den Herrn Jesus und die Liebe zu den Heiligen.

Und dann geht er von diesem Dank aus weiter zu einer Bitte. Er macht der Gemeinde keinen Vorwurf, und zwar deshalb, weil es sich beim Inhalt dieser Bitte um etwas handelt, das ein Leben lang zunehmen sollte: Dass wir Gott immer besser erkennen können. Paulus bittet Gott darum, dass die Gemeinde immer mehr an der Gotteserkenntnis zunehmen möge. Zwei Gedanken hierzu: Es ist ein Gebet um diese Erkenntnis. Niemand kann sie anders bekommen als durch stetige Bitte darum. Gott erkennen kann kein Mensch aus sich selbst, das geht nur, wenn Gott sich uns offenbart. Wenn Paulus vom „Geist“ der Offen-barung spricht, so meint er damit die Gnadengabe, das Charisma, der Offenbarung. Wir brauchen die Leitung des Heiligen Geistes auf der Reise zur Gotteserkenntnis. Und da wir oft anders denken und wollen (auf einem anderen, irdischen, menschlichen Level), ist diese Reise oft beschwerlich. Denn nicht selten führt sie uns von dem weg, was wir uns wünschen. Mehr noch: Manchmal führt diese Reise auch durch sehr schwere Momente hindurch. Besonders dann, wenn wir lernen sollen, dass Gottes Pläne für unser Leben so viel besser sind als wir uns das vorstellen können. Dann nämlich passiert es nicht selten, dass wir über den Schatten unseres Stolzes, unseres Selbstvertrauens und auch unserereigenen Möglich-keiten hinwegspringen müssen. Das Streben nach der Offenbarung Gottes ist ein stetiger Weg der Demut und oft auch der Demütigung. Denn Gott offenbart sich unter dem Gesichtspunkt des Gegenteils: Wir werden in Christus lebendig gemacht, indem wir der Sünde und uns selbst sterben. Wir bekommen neue Kraft, indem wir zuerst der eigenen Kraft verlustig gehen und am Boden der Schwachheit sind. Christus macht uns gerecht, nachdem wir unsere Ungerechtigkeit festgestellt haben, und so weiter. Wenn ich (in mir selbst) schwach bin, so bin ich stark (in Christus). So führt der Weg nach oben immer nach unten, in die Beugung unter das Kreuz. Wo wir dies ganz praktisch in unserem Leben verstehen lernen, dort kann sie wachsen, diese Offenbarung.

Ein zweiter Gedanke dazu: Der Anfang aller wahren Erkenntnis ist die Furcht Jahwes. Nur dort, wo die Ehrfurcht vor Gott herrscht, ist er bereit, uns den Geist der Weisheit zu schenken. Gott ist die absolute All-Weisheit und All-Wissenheit. Dort, wo wir bereit sind, uns seinem Willen zu beugen und unseren eigenen Willen zu verleugnen, dort schenkt Gott die Weisheit. Gott ist der Vater der Herrlichkeit, der absolut herrliche und einzig-wahre Gott. Gott loben und preisen ist oft ein Schlüssel zu dieser Weisheit. Echte Gottesfurcht besteht in der Bereitschaft zum Gehorsam, egal was andere sagen oder denken mögen, egal was ich selbst denke, egal was es mich kostet. Aus dieser Bereitschaft heraus wächst die Erkenntnis Jahwes, und wo diese Bereitschaft vorhanden ist, da offenbart der Herr sich gerne.

Bist du bereit dazu? Möchtest du Gott immer besser kennenlernen? Abram ist uns da ein Vorbild. Er war ein echter Freund von Gott und hat Gott auch sehr nahe und gut kennenlernen dürfen. Aber seine Bereitschaft zum Gehorsam war (trotz seiner Fehler, die er machte) immer da und deshalb offenbarte der Herr sich ihm auch immer wieder neu und immer wieder in noch weiteren Stadien der Gotteserkenntnis.

1. Korinther 12, 15 – 18:

1. Korinther 12, 15 – 18:

Griechisch

Deutsch

15 εαν ειπη ο πους οτι ουκ ειμι χειρ ουκ ειμι εκ του σωματος ου παρα τουτο ουκ εστιν εκ του σωματος

16 και εαν ειπη το ους οτι ουκ ειμι οφθαλμος ουκ ειμι εκ του σωματος ου παρα τουτο ουκ εστιν εκ του σωματος

17 ει ολον το σωμα οφθαλμος που η ακοη ει ολον ακοη που η οσφρησις

18 νυνι δε ο θεος εθετο τα μελη εν εκαστον αυτων εν τω σωματι καθως ηθελησεν

Wenn der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, ich bin nicht vom Leib, so wäre er nicht weniger ein Teil des Leibes

und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, ich bin nicht vom Leib, so wäre es nicht weniger ein Teil des Leibes.

Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre dann das Gehör? Wenn der ganze Leib Gehör wäre, wo wäre dann der Geruchssinn? (das „Genas“)

Nun aber hat Gott die Körperteile, jedes einzelne von ihnen, in den Leib gesetzt, wie er wollte.

Auslegung:

Bisher ging es um die Einheit aller Körperteile in dem einen Leib. Dieser Teil ist mit Vers 14 beendet. Nun beginnt hier mit Vers 15 ein neuer Abschnitt des Textes, nämlich die Verschiedenheit der unter-schiedlichen Glieder in der Einheit des einen Leibes. Paulus streicht hier hervor, wie wichtig es ist, dass der Leib diese unterschiedlichen Glieder hat, und dass jedes von ihnen seinen Platz und seine Aufgabe bekommen hat. An dieser Stelle noch zwei Anmerkungen zum bisherigen Abschnitt. Manche Menschen benutzen den Abschnitt, um von den Unterschieden der weltweiten und der örtlichen Gemeinde zu unterscheiden, und nicht wenige von ihnen missbrauchen diese ihre Aussage, um die weltweite Gemeinde der örtlichen Gemeinde vorzuordnen. In der damaligen Zeit, als Paulus umhergereist war und all diese Gemeinden gegründet hatte, war das durchaus der Fall. Die Lehre der Apostel war, da sie noch nicht in ihrer Gesamtheit niedergeschrieben war, übergemeindlich gültig und verbindlich für alle Gemeinden. Dies ist auch heute nach wie vor der Fall. An der Apostellehre, die wir im gesamten Neuen Testament (und nicht etwa nur in den Briefen!) finden, muss all unsere Praxis beurteilt und unter Umständen auch angepasst werden. Aber in der heutigen Zeit der vielen verschiedenen Denominationen ist es wichtig, dass jede Gemeinde in erster Linie autonom diese Überprüfung vornehmen und Entscheidungen dazu treffen kann. Wo eine Über-Organisation (ein Gemeindebund oder eine ganze Denomination) diese Funktion übernimmt, ist kein gesundes Gemeindeleben mehr möglich.

Damit kommen wir auch zu einem zweiten Gedanken: zur Frage der Einheit. Da die Bildung von ökumenischen Verbänden immer in sich die Tendenz hat, einen solchen Missbrauch zu treiben, dass den verschiedenen örtlichen Gemeinden eine solche Über-Organisation ihre Meinung aufoktroyieren will, ist die Bildung von überregionalen Verbänden dieser Art immer eine ungesunde Entwicklung. Dabei spielt es keine Rolle, wie ein solcher sich nennt, sei es ÖRK (ökumenischer Rat der Kirchen), ACK (Arbeitskreis christlicher Kirchen) oder Deutsche (Weltweite) evangelische Allianz. Es kann nicht sein, dass die Gemeinden, weil sie in einem bestimmten Bund sind, dazu gezwungen werden, mit bestimmten Gemeinden zusammenzuarbeiten. Auf keinen Fall möchte ich damit gegen die Zusammenarbeit von Gemeinden verschiedener Denominationen in einem Ort oder einer Region Stellung beziehen, im Gegenteil, eine solche Zusammenarbeit ist sehr gut und fruchtbar. Aber sie muss auf freiwilliger Basis geschehen, damit sie eine solche fruchtbare Beziehung entstehen lassen kann.

Nun zu unserem obigen Text. In der Gemeinde, und zwar in der jeweiligen Ortsgemeinde, braucht es notwendig einen ganzen Leib bestehend aus all den Gliedern, die dort zur Gemeinde gehen. Wer nicht bereit ist, sich einer solchen Ortsgemeinde ein- und unterzuordnen, kann auch nicht damit rechnen, ein Glied an der weltweiten Gemeinde zu sein. Wer seine Gaben in der weltweiten Gemeinde gebrauchen will, ohne zugleich sich einer Ortsgemeinde anzuschließen, kann nicht damit rechnen, in seinen Gaben von Gott gebraucht und gefördert zu werden. Es gibt klar Menschen, die über ihre Ortsgemeinde hinaus tätig sind und gebraucht werden, aber sie alle haben sich verbindlich einer einzelnen Ortsgemeinde anzuschließen und sind dieser auch jederzeit Rechenschaft schuldig. Die Gaben, Aufgaben und Funktionen, die wir von Gott bekommen, gehören (und zwar vollumfänglich) derjenigen Gemeinde, zu der wir uns verbindlich bekennen. Sie kann uns aussenden, aber auch wieder zurückfordern. Sie ist für uns verantwortlich und wir sind ihr jede Rechenschaft schuldig, die sie von uns fordert. Gerade weil wir Glied einer lokalen Gemeinde sind, gehören wir nicht mehr uns selbst, sondern diesem örtlichen Leib Christi. Und dem gesamten Leib Christi gehören wir nur insofern an, als wir eben Glieder einer ganz bestimmten lokalen Gemeinde sind.

Jeder von uns hat seine ganz bestimmte, nur ihm persönlich eigene, Gabenkonstellation. Mit dem Bild von Paulus gesprochen: jeder ist ein bestimmter Körperteil am ganzen Leib. In dieser Funktion als der eine Körperteil ist damit jeder von uns unentbehrlich. Das dürften manche Gemeinden ruhig etwas ernster nehmen und ihre Glieder auch entsprechend honorieren. Der Leib Christi ist unvollständig mit jedem Glied, das fehlt oder krank wird. Ein Glied der Gemeinde, das anfängt, in Sünde zu leben und darin zu verharren, ist eindeutig ein krankes Glied. Sünde ist eine schlimme Krankheit, da sie das Gewissen gleichgültig macht, den Sündigenden erblinden lässt, die gesamte Gemeinde unterwandert und verseucht sowie die Gemeinde in der Welt schlechtmacht. Diese Überlegungen haben deutliche Auswirkungen auf unser Verständnis von der Gemeindezucht. Ja, nun ist ein ganz unbeliebtes Wort gefallen. Gemeindezucht ist, richtig angewandt, der Heilungsprozess für eine kranke Gemeinde. Leider hat der missbräuchliche Gebrauch dieses Arzneimittels dieses in ein äußerst schlechtes Licht gebracht. Gemeindezucht darf immer nur dem Ziel dienen, ein gefallenes Gemeindeglied zum Umstimmen zu bringen. Das Ziel darf niemals der Ausschluss sein, sonst handelt es sich um genau so einen Missbrauch. Da jedoch Gott es ist, der jedem einzelnen Glied seinen Platz in der Gemeinde zuweist, dürfen wir uns darüber kein Urteil anmaßen, ob jemand durch sein Sündigen bewiesen hat, dass er nicht neugeboren wurde. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, diese Person in aller Liebe und damit auch Deutlichkeit und Strenge zurückgewinnen zu versuchen.

Nicht jeder von Gott Berufene und Erlöste muss so sein, wie wir es sind. Viele Traditionen, an denen wir vielleicht seit Generationen festhalten, sind überholt und neuen Gliedern ein Ärgernis und Hindernis. So dies der Fall sein sollte, dann nichts wie weg mit diesen überkommenen Traditionen. Sie haben ihren Wert dadurch bekommen, dass sie manchen Menschen eine Stütze im Leben sein konnten. Aber spätestens wenn eines der Glieder der Gemeinde daran Anstoß nimmt, ist der Moment gekommen, diese allesamt zu hinterfragen und falls irgend möglich durch etwas Neueres zu ersetzen. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass alles Leben in der Gemeinde zu totem Ritualismus wird. Auch eine gewisse Lebendigkeit kann zu solch einem Ritualismus werden. Dann nämlich, wenn wir beginnen, ihn um seiner selbst willen zu leben und nicht um der Menschen willen, die dadurch errettet werden sollen.

Ein Körper, in welchem alle Gliedmaßen gleich sein wollen, ist kein Körper mehr, sondern ein Monstrum. Wenn jeder die Aufgabe und Verantwortung eines Ältesten oder Pastors übernehmen wollte, der nicht in diese Funktion gehört, so kann das Ganze nicht gut kommen. Es ist Gottes Aufgabe, einen jeden in seinen Verantwortungsbereich hineinzusetzen und ihn entsprechend auszurüsten. Andererseits können wir in der heutigen Zeit sehr oft feststellen, dass auch in der Gemeinde die natürlichen Fähigkeiten weitaus höher eingeschätzt werden als die Charismen. Es kann sein, dass Menschen in ihrem Berufsleben sehr gute Manager oder Redner (Rhetoriker) sind, aber in der Gemeinde von Gott andere Auf-Gaben zugeteilt bekommen als diejenigen, die man ihren natürlichen Fähigkeiten (ich kann hier aus Gewissensgründen nicht von natürlichen Gaben sprechen) zuordnen würde. Wenn nun jemand aber fälschlicherweise in eine andere Verantwortung eingeteilt wird als diejenige, die ihm von Gott her zustünde, so geht erstens sehr viel Potential verloren und zweitens ist die menschlich-seelische Folge davon entweder Überheblichkeit, Arroganz, Hochmut oder Deprimiertheit. Und beide Arten der Auswirkungen haben schon öfters zu großen Fehlentwicklungen ganzer Gemeinden und auch Gemeindebewegungen geführt. Oft sind es dann die „guten Redner“, denen man viel Vertrauen schenkt. Und plötzlich stellt sich dann heraus, dass jemand zu sehr im Rampenlicht gestanden ist und dadurch auch nicht selten dessen Ehe und Familie stark darunter gelitten hat, oft auch gepaart mit Ehebruch – der Flucht in eine scheinbar heile Welt, in der man Verständnis bekommt. Auch das kann nicht Gottes Wille sein – doch allzu oft leider verkaufen wir den unseren als Seinen…

1. Korinther 12, 12 – 14:

1. Korinther 12, 12 – 14:

Griechisch

Deutsch

12 καθαπερ γαρ το σωμα εν εστιν και μελη εχει πολλα παντα δε τα μελη του σωματος του ενος πολλα οντα εν εστιν σωμα ουτως και ο χριστος

13 και γαρ εν ενι πνευματι ημεις παντες εις εν σωμα εβαπτισθημεν ειτε ιουδαιοι ειτε ελληνες ειτε δουλοι ειτε ελευθεροι και παντες εις εν πνευμα εποτισθημεν

14 και γαρ το σωμα ουκ εστιν εν μελος αλλα πολλα

Denn genau so, wie der Leib einer ist und viele Körperteile hat, alle Körperteile des Körpers aber von dem einen Leib sind, auch wenn es viele von ihnen sind, so auch der Christus.

Denn auch in einem Geist sind wir alle in den Leib eingetaucht worden, seien es Juden oder Griechen, seien es Sklaven oder Freie, auch sind alle in dem einen Geist hineingetränkt worden,

denn auch der Leib besteht nicht aus einem Körperteil, sondern aus vielen.

Auslegung:

Einführend möchte ich auch hier wiederum erwähnen, dass es zum Textverständnis ganz wichtig ist, sich zu erinnern, worum es Paulus hier geht, was er mit dem Text erreichen möchte und was nicht. Es geht hier zunächst einmal nicht um die Geistestaufe. Das ist gerade deshalb so wichtig zu sehen, weil viel zu viele Ausleger hier eine Aussage über die Geistestaufe sehen wollen. Wenn man den Text jedoch exakt analysiert, so sieht man bereits beim Wortgebrauch, dass es sich eben nicht um die Taufe in den Heiligen Geist geht, sondern um die Taufe in den Leib Christi, in die Gemeinde hinein. Diese Taufe in den Leib Christi geschieht durch den Heiligen Geist. Worum es Paulus aber in erster Linie geht, ist die Einheit der Gemeinde, die nämlich darin besteht, dass alle in der Gemeinde zu einem einzigen Leib gemacht worden sind. Wir erinnern uns, dass Paulus schon im zweiten Teil des elften Kapitel von Spaltungen, Parteiungen und anderen Häresien sprach. Der ganze Abschnitt ab jenem Teil bis hier hin dient einzig dazu, die Korinther zu überzeugen, dass der Heilige Geist eine Einheit schaffen will, und zwar eine Einheit aller Gläubigen, die in der Gemeinde sind. Es gibt keine Aufteilung in bessere oder weniger gute Teile am Leib Christi. Es gibt keinen Unterschied zwischen den „geistlicheren“ und den übrigen. Alle, die wirklich ein Teil des Leibes sind, sind zu einer neuen Einheit gemacht worden durch den Heiligen Geist. Und diese sollten sie bitte auch ausleben.

Bereits bei zahlreichen vorneutestamentlichen griechischen Autoren und Philosophen wurde das Bild vom Körper für das Gebilde eines Staates verwendet. Dieses Bild, das somit den Korinthern bestimmt schon geläufig war, bezieht Paulus nun auf die Gemeinde. Er sagt, dass es viele verschiedene Körperteile sind, die einen einzigen Körper ausmachen. Dieser eine Körper ist ein wunderschönes Bild für die Gemeinde. Deshalb schreibt Paulus: So wie viele Körperteile einen Körper ausmacht, so auch der Christus. Lasst uns ein wenig auf das Bild eingehen. Christus ist das Haupt, der Kopf, der Gemeinde, und die einzelnen Leute in der Gemeinde sind seine Körperteile. Das Bild ist wunderschön, und je mehr die heutige Wissenschaft über den menschlichen Körper herausfindet, desto mehr Parallelen kann man auch in diesem Bild sehen. Der Kopf (also sein Hauptorgan, sprich das Hirn) hat drei wesentliche Hauptfunktionen, die er für den restlichen Körper übernimmt:

Erstens nimmt er über Nervenbahnen die Reize auf, die von außen an den Körper herankommen, also alles, was die Augen sehen und die Ohren hören, etc. sind eigentlich nur Reize, die als elektrische Impulse weitergeleitet und erst im Kopf zu dem „Bild“ umgeformt werden, das wir dann von unserer Umwelt haben. Genau so brauchen wir auch Christus im Wort Gottes, um von dem, was auf uns eindringt, ein richtiges Bild zu bekommen. Wenn wir uns auf das verlassen, was wir selbst denken und von alledem halten, was wir sehen, hören, fühlen, etc. bekommen wir nur ein sehr ungenaues Bild davon.

Zweitens hat er die Aufgabe, diese umgewandelten Reize zu verarbeiten, mit bereits früher gespeicherten Reizen zu vergleichen und dann abzuspeichern. Genau so hilft uns auch Christus, in seinem Wort und in der bisherigen Kirchengeschichte Ähnlichkeiten zu finden und diese entsprechend auch zu verarbeiten und im heutigen Kontext neu zu formulieren.

Drittens bestimmt er die Art und Richtung, in welcher der Körper gehen und handeln soll und gibt entsprechende Befehle an den Körper weiter. Genau so ist es auch Christus, welcher unsere Art und Richtung als Gemeinde vorgibt und uns durch das Lesen der Bibel, Predigt, Lehre und Prophetie die Befehle weitergibt, welche wir in der Welt umzusetzen haben.

Es gäbe noch viel mehr darüber zu schreiben oder zu sagen. Man könnte schon Bücher füllen allein mit diesem einen Bild von der Gemeinde, genauso wie auch von all den übrigen (Gemeinde als Tempel, als Armee, als Braut Christi).

Im nächsten Vers schreibt Paulus davon, wie die Einheit innerhalb der Gemeinde zustande kommt. Diese geschieht durch das Werk des Heiligen Geistes. So, wie die Körperteile durch Nerven mit dem Haupt aber auch miteinander (über das Rückenmark und über Eiweißverbindungen auch direkt) kommunizieren können, so können auch wir miteinander und mit dem Herrn Jesus als unserem Haupt kommunizieren. Die Einheit ist ein Werk des Heiligen Geistes, der uns alle miteinander und mit dem Herrn verbindet. Wir werden mit unserer Bekehrung durch den Heiligen Geist in die Gemeinde hineingetauft und bekommen damit auch schon unseren Platz innerhalb dieser Gemeinde. Der Heilige Geist ist das Band, das uns alle zusammenhält und mit dessen Hilfe wir auch diese Einheit bekommen und erhalten sollen. Manche Ausleger setzen in diesem Vers die Taufe durch den Heiligen Geist mit der Taufe in den Heiligen Geist oder gar mit der Wassertaufe gleich. Wer auf die zweite Art argumentiert, kann auf jeden Fall schon gar nicht die Praxis der Kindertaufe befürworten, denn erst durch den aktiven von Gott gewirkten Glauben kann jemand überhaupt selbst ein Teil der Gemeinde werden. Gegen diese Auslegungen müssen wir an der Genauigkeit der biblischen Ausdrücke festhalten. Wenn die Bibel von der Geistestaufe spricht, so lesen wir da immer (wörtlich übersetzt) Taufe in den Heiligen Geist hinein. Es kommt also darauf an, dass wir den Text so lesen, wie er da steht. Wo im Griechischen „en Pneuma“ (im Geist) und nicht „eis Pneuma“ (in den Geist hinein) steht, da ist es die Wirkung des Heiligen Geistes auf den Menschen.

Das Hauptthema, das Paulus also hier behandelt, ist keinesfalls die Taufe in den Heiligen Geist, sondern die Taufe durch den Heiligen Geist in die Gemeinde, den Leib Christi, hinein. Diese Taufe in den Leib hinein bewirkt die geistgewirkte Einheit des gesamten Leibes. Der Körper braucht etwas, das ihn als Ganzes zusammenhält und dafür sorgt, dass jeder das bekommt, was er braucht. Und genau das ist die Aufgabe des Heiligen Geistes. Im Moment der Bekehrung und Wiedergeburt bekommt der Mensch den Heiligen Geist, der ihn zu einem vollwertigen Mitglied der Gemeinde macht, ihm einen für ihn geschaffenen und vorbereiteten Platz zuweist und ihm zu einem Leben in der Heiligung verhilft. Wer den hiesigen Text dazu missbrauchen will, indem er den Vers für eine Aussage über die Geistestaufe heranzieht, tut dem Text und vor allem dem Thema Gewalt an. Die Einheit, welche der Heilige Geist bewirkt, indem er alle Gläubigen in die Gemeinde hineintauft, ist vor allem so beschaffen, dass es keine Unterschiede mehr zwischen den einzelnen Gliedern der Gemeinde gibt. Es werden dadurch keine Ämter abgeschafft, aber alle Glieder mit ihren Ämtern und Gaben stehen vor Gott als gleichwertige Glieder da. Ein Pastor oder Ältester ist durch sein Amt nicht ein besserer Gläubiger oder gar ein besserer Christ, er hat einfach ein bestimmtes Amt, und gemäß diesem Amt wird er am Ende auch von Gott beurteilt und belohnt werden. Je mehr ein Christ weiß (und das hat auch mit seiner Funktion innerhalb der Gemeinde zu tun), desto mehr Verantwortung trägt er. Somit zählt vor Gott nicht, ob einer ein Fabrikarbeiter, Bankangestellter, Millionär oder Gemeindepastor ist. Das Einzige, was zählt, ist, ob er in seiner Position als Christ in der Gemeinde und als Mensch in der Gesellschaft in seinen von Gott gegebenen Aufgaben treu war oder nicht.

So wie der Körper verschiedene Körperteile hat, besteht auch die Gemeinde aus verschiedenen Gliedern, von denen jedes mit Gaben ausgerüstet ist. Jede Gabe ist in sich zugleich eine Auf-Gabe, eine Verantwortung. Diese Aufgabe zu finden, in ihr zu leben und vor allem auch in ihr Gottes Liebe weiter zu geben, das ist, was zählt. Wenn wir das tun, wird der Herr eines Tages sprechen: Du guter und treuer Knecht! Über Weniges warst du treu, nun will ich dich über Vieles setzen! Gehe hinein in die Freude deines Herrn!

Versiegelt mit dem Heiligen Geist

Versiegelt mit dem Heiligen Geist

In ihm haben auch wir Anteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluß seines Willens, daß wir zum Lobe seiner Herrlichkeit dienten, die wir zuvor auf Christus gehofft hatten; in ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Rettung gehört habt, in ihm seid auch ihr, als ihr glaubtet, versiegelt worden mit dem heiligen Geiste der Verheißung, welcher das Pfand unsres Erbes ist bis zur Erlösung des Eigentums, zum Preise seiner Herrlichkeit. (Epheser 1, 11 – 14)

Nachdem uns Paulus nun in den Versen 3 – 6 den Willen Gottes des Vaters dargelegt hatte, und in den Versen 7 – 10 wie Gott der Sohn diesen Willen ausgeführt hat, kommt er nun darauf zu sprechen, wie dieser göttliche Wille sowie dessen Ausführung auf unser persönliches Leben als Christen angewandt wird. Dies beginnt mit dem Anteil. Da wir Miterben mit dem Herrn Jesus sind, haben wir, sozusagen als kleinen Vorschuss dieses Erbes Anteil am Heiligen Geist erlangt. Wenn das Neue Testament vom Anteil spricht, meint es eigentlich immer dies. Der Anteil am Heiligen Geist ist der Vorschuss für die Ewigkeit. Der Anteil ist so etwas wie ein Brautgeschenk des Herrn Jesus an seine Gemeinde. Früher wenn ein Mann eine Frau heiraten wollte, redete er mit ihrem Vater und gab dem Vater dann den ausgehandelten Braut-preis. Dann ging er zur Frau und gab ihr etwas möglichst Wertvolles, zum Beispiel ein schönes Möbel-stück oder etwas Ähnliches, meist ein Gebrauchsgegenstand für die zukünftige gemeinsame Wohnung. So hatte sie etwas bei sich, das ihr immer die Gewissheit gab: Er kommt wieder, er hat nicht noch eine Zweite (deshalb war es eben meist etwas vom Wertvollsten was der Mann sich leisten konnte). Der Mann sagte ihr dann: Ich gehe hin, uns eine Wohnung zu bereiten und werde wieder kommen, um dich zu mir zu holen. (vgl. Joh. 14, 2 – 3) Dann gab er ihr das Brautgeschenk. So spricht auch der Herr Jesus, dass er uns den Beistand geben will.

Gott hat alles nach dem Ratschluss seines Willens getan. Von ihm aus ist alles vollbracht. Damit, dass es aber vollbracht ist allein, hat noch niemand einen Nutzen von diesem ganzen Erlösungswerk. Es muss durch den Heiligen Geist in unserem Leben wirksam gemacht werden. Es gibt bei jeder Verkündigung des Evangeliums eine ganze Menge von Menschen, die das Wort der Wahrheit gehört haben. Doch sind nicht alle von ihnen in der Lage, dieses Wort anzunehmen. So sagte auch der Herr in Matth. 20 und 22, dass viele berufen sind, aber nur wenige auserwählt. Wie wir schon gesehen haben, handelt es sich um eine persönliche Auserwählung. Deshalb können auch nicht alle, die das Wort Gotttes hören, als Auserwählte gerettet werden. Gott hat in seiner Allmacht und Allweisheit bestimmt, wer zu den Auserwählten gehört. Übrigens bedeutet das für uns keinesfalls, dass wir irgend ein Recht haben, einem Menschen die Auser-wählung abzusprechen. Jeder noch lebende Mensch könnte ein Auserwählter sein, der es deshalb auch verdient, das Evangelium zu hören, und das nicht nur einmal. Und dann ist es immer der Heilige Geist, welcher eine allgemeinde Berufung (das ist damit die Evangeliums-verkündigung) zu einer wirksamen Berufung macht, also den Menschen rettet. Dies kann niemand von uns übernehmen, kein Prediger, Pfarrer, Bischof noch sonst jemand. Auch nicht der Hörer selbst, er hat ja keinen Funken Glauben in sich. Der Glaube muss vom Heiligen Geist zuerst entfacht werden, bevor jemand wirklich dem Evangelium der Rettung glauben kann.

Dem frisch entfachten Glauben folgt damit dann die Sündenerkenntnis. Der Mensch mit einem erweckten Gewissen sieht plötzlich, wo er falsch lag und Fehler gemacht hat. Darüber tut er Buße und das nennt sich dann Bekehrung. Die Bekehrung ist der allerwichtigste Schritt im Lebens des Menschen. Da er so wichtig ist, sollte man nicht versuchen, ihn künstlich herbeizuzwingen. Leider kommt das häufig vor, und deshalb sind die Gemeinden heute mit Unbekehrten Halbbekehrten gefüllt. So wie eine Hochzeit eine gründliche Vorbereitung braucht, tut dies auch die Bekehrung. Die Hochzeit ist übrigens der zweitwichtigste Schritt im Leben. Auch dieser muss gut überlegt und geplant sein. Man sollte möglichst darauf achten, einer Bekehrung nicht vorzugreifen. Sie muss deutlich gepredigt werden, aber genauso auch ihre Vorbereitung, die Sündenerkenntnis, das Sündenbekenntnis und die Lebensübergabe. Diese Lebensübergabe ist eine automatische Folge davon, dass ein Mensch Gottes Liebe erkennt und ist zugleich die Antwort auf diese Liebe. Daran kann man auch sehen, dass jemand die göttliche Liebe auch tatsächlich erkannt hat. Er fängt plötzlich an, neue Prioritäten zu setzen in seinem Leben und zeigt auch anderen diese Liebe Gottes zu ihnen durch ganz praktische tägliche Handlungen der Nächstenliebe und der Vergebung. Denn wir können vergeben, weil Gott uns vergeben hat.

Weiter werden wir vom Heiligen Geist mit einem Siegel versehen. Ein Siegel dient dazu, das Besitzrecht von etwas anzuzeigen. Wer also mit dem Geist Gottes versiegelt ist, darf wissen, dass er ganz und gar Gott gehört und ihn niemand und nichts aus der Hand Gottes reißen kann. Dieses Siegel kann und wird niemand brechen – wer dies wolle, kann es nicht und wer es könnte, will und wird es nicht. Gott versiegelt niemanden „auf Probe“, er kennt diejenigen, die ihm gehören. Doch gibt es in unserem Leben immer wieder Momente, in welchen wir sehr tief stürzen, uns verletzen und kaum noch aufstehen können. Dann haben wir den Heiligen Geist, der uns zusammen mit dem von ihm inspirierten Wort, der Bibel, bezeugt, dass wir Kinder Gottes sind. Paulus sagt im Römerbrief, dass der Geist Gottes zusammen mit unserem Geist dies bezeugt. Unser Geist bezeugt es, indem er Gottes Versprechen und Zusagen in der Bibel liest, und gleichzeitig bestätigt der Heilige Geist in unseren Herzen, dass dieses Zeugnis stimmt und wir wahrhaftig Gottes Kinder sind. Wenn wir das Siegel des Heiligen Geistes haben, so dürfen wir ein für alle Male wissen: Wir sind SEIN, wir sind Teil des Leibes Christi und von Gott Vater schon vor der Grundlegung der Welt erwählt.

Wenn wir in der Gegenwart des Heiligen Geistes (also geistes-gegenwärtig) leben, werden wir auch immer mehr mit den Geistesgaben ausgerüstet. Sie sind aber kein Maßstab für den Status, an dem wir gerade stehen, vielmehr sind sie wertvolle Werkzeuge für den Bau der Gemeinde. Wenn wir in diesen Gaben drin leben, sehen wir zugleich auch, dass wir dadurch noch größere Gewissheit bekommen, dass Gott uns auserwählt hat und gebrauchen möchte. Manche gläubigen Menschen drehen sich so stark um sich selbst und meinen immer, sie müssten Gott etwas beweisen, nämlich dass sie es wert sind, zur Familie Gottes dazu zu gehören. Dadurch verlieren sie alle Freiheit, die sie haben könnten, indem sie sich einfach auf das ein für allemal getane und vollbrachte Erlösungswerk verließen. Wir dürfen vorwärts gehen hin zur Nächstenliebe, zur Ausübung der Gaben in der Gemeinde, zum dynamischen Austausch im Geben und Nehmen innerhalb der Familie Gottes. Alles was wir bekommen, erhalten wir am Fuße des Kreuzes. All dies dürfen wir nehmen und davon weiterverschenken, weitergeben, damit es Gott zur Ehre und zur Vergrößerung der Gemeinde dient.

Bist du dir bewusst, dass du für einen teuren Preis, nämlich das Blut und das Leben des Herrn Jesus, erkauft bist und nun mit dem göttlichen Siegel, dem Heiligen Geist, versiegelt wurdest? Bist du dir bewusst, dass du deshalb alles daran setzen solltest, um deiner Familie, der örtlichen Gemeinde in der du bist, zu dienen und zu helfen? Wo ist dein Platz, an den Gott dich dort gestellt hat? Welches sind deine Gaben? Wie setzt du sie zur Zeit ein? Gibt es welche, die brach liegen und nicht genutzt werden?

1. Korinther 12, 8 – 11

1. Korinther 12, 8 – 11

Griechisch

Deutsch

8 ω μεν γαρ δια του πνευματος διδοται λογος σοφιας αλλω δε λογος γνωσεως κατα το αυτο πνευμα

9 ετερω δε πιστις εν τω αυτω πνευματι αλλω δε χαρισματα ιαματων εν τω αυτω πνευματι

10 αλλω δε ενεργηματα δυναμεων αλλω δε προφητεια αλλω δε διακρισεις πνευματων ετερω δε γενη γλωσσων αλλω δε ερμηνεια γλωσσων

11 παντα δε ταυτα ενεργει το εν και το αυτο πνευμα διαιρουν ιδια εκαστω καθως βουλεται

Dem einen nämlich wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben, einem andere aber ein Wort der Erkenntnis nach dem selben Geist

einem anderen aber Glaube in dem selben Geist, einem anderen aber Charismen der Heilungen in dem selben Geist

einem anderen aber Wirkungen der Kräfte, einem anderen aber Prophetie, einem anderen aber Unter-scheidungen der Geister, einem anderen aber Arten von Zungenrede, einem anderen aber Auslegungen der Zungenreden,

alles dies aber wirkt der eine und der selbe Geist, indem er unterscheidet zwischen den Einzelnen, gerade so wie er will.

Auslegung:

In der obigen Übersetzung haben wir eigentlich zwei verschiedene griechische Worte immer mit „einem anderen“ übersetzt. Im Griechischen Text steht überall „allos“, außer bei den Gaben des Glaubens und der Zungenrede, dort steht nämlich „heteros“. Das ist zu auffällig, als ob man einfach darüber hinwegsehen könnte. Wenn man dem Unterschied zwischen den beiden griechischen Wörtern nachgeht, so wird vor allem eines klar: Allos meint einfach den Unterschied zwischen zwei verschiedenen Dingen, während heteros etwas Neues in die Reihe hineinbringt, sowie die beiden Gaben, die mit heteros eingeleitet werden, verknüpft. Wenn man sich so Gedanken darüber macht, was das Neue sein soll, das erstens bei den übrigen Gaben nicht vorkommt, aber die beiden Gaben Glauben und Zungenrede ausmacht, so macht es den Eindruck, dass es sich bei den beiden Gaben um Dinge handelt, die jedem einzelnen Gläubigen grundsätzlich offen stehen. Wenn wir die Apostelgeschichte lesen und sie auch wirklich ernst nehmen und von ihr auch für unsere Zeit zu lernen versuchen, so wird schnell einmal klar, dass eigentlich alle, die gläubig wurden, auch sehr bald begannen, in Zungen zu reden. Natürlich ist das nicht bei jeder einzelnen Bekehrung explizit dazugeschrieben, aber das ist ja auch nicht unbedingt nötig. Es steht oft genug da, dass man wissen darf, dass diese Gabe für alle da ist. Wer nun die späteren Verse aus diesem Kapitel zitieren will, um dies zu widerlegen, dem muss ich entgegenhalten, dass es dort weniger um die Gaben, sondern vielmehr um die Ämter geht. Und nicht jeder hat das Amt, mit der Zungenrede als Amt prophetisch (mit Auslegung) der ganzen Gemeinde zu dienen. Vielmehr soll jeder die Gabe der Zungenrede bekommen, um sich selbst erbauen zu können. Dazu aber später mehr. Bei der Gabe des Glaubens gibt es Ausleger, die sich anmaßen wollen, zwischen zwei verschiedenen Gaben des Glaubens zu unterscheiden: einem rettenden und einem wunderwirkenden Glauben. Dies widerspricht jedoch dem gesamten Zeugnis der Schrift. Der Herr Jesus sagte, dass jemand, der einen Glauben wie ein Senfkorn habe, Berge versetzen könne. Hier müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu dem Fehlschluss kommen, dass der Herr nur von der Größe dieses Glaubens sprechen wollte. Das ist zwar auch ein Aspekt, wichtiger ist da aber noch die Beharrlichkeit dieses Glaubens: Wo Senf einmal angebaut war, breitete er sich aus und war kaum noch zu stoppen.

Zunächst nennt Paulus das Wort der Weisheit. Weisheit ist ein zweischneidiges Wort. Menschliche Weisheit nennt die Bibel töricht, weil sie zu beschränkt ist, um den ganzen Horizont zu sehen, den Gott sehen kann. Hingegen ist die Weisheit, die Gott gibt, also das Charisma der Weisheit, etwas sehr Gutes. Diese Weisheit nimmt ihren Anfang in der Gottesfurcht (Spr. 1, 7). Ohne Gottesfurcht gibt es keine wahre Weisheit. Weisheit hat sehr oft auch mit der Gotteserkenntnis zu tun. Im Gebet für die Gemeinde im Brief an die Epheser betet Paulus auch um Weisheit, die dazu führen soll, dass sie Gott noch besser kennen sollen. Das Wort der Weisheit hat damit zu tun, dass man anderen Menschen im richtigen Moment die Erkenntnis und die Furcht Gottes nahe bringen kann.

Das Wort der Erkenntnis erwächst auch mit aus dem Wort der Weisheit. Erkenntnis hat aber noch mehr mit der Offenbarung verborgener Dinge zu tun. Manche Dinge sind auch jetzt noch – obwohl sie bereits in der Schrift offenbart wurden – etwas dunkel und unklar. Mit dem Wort der Erkenntnis ist es jemandem möglich, in eine komplexe Situation einer Gemeinde, einer Familie oder einer Einzelperson hinein zu sprechen und verborgene Dinge offenzulegen. So kann es sich manchmal um bestimmte Sünden im Leben von jemandem handeln, und so wie Achan offenbar wurde, der vom ganzen Gottesvolk Segen und Sieg verhinderte, kann auch ein Wort der Erkenntnis hier Abhilfe schaffen.

Die Gabe des Glaubens ist wie oben bereits kurz angesprochen ein besonders beharrliches Festhalten an etwas, das Gott uns versprochen hat. Oftmals benutzt Gott eine Form des prophetischen Dienstes, um in uns den Glauben so zu stärken, dass wir ein Wunder erwarten und dies beharrlich tun. Diese Art des Glaubens ist jedem zugänglich, der bereit ist, Gott ganz nachzufolgen. Doch ist diese Gabe nicht einfach immer da, sodass jedes Wunder automatisch geschehen muss, nur weil jemand mit diesem Glauben da ist. Es gibt auch Fälle, in denen Menschen denken, sie seien sich gewiss und doch passiert nichts. Oft braucht es Geduld und inneres Absterben des alten Menschen, bis eine Veränderung eintritt.

Charismen der Heilungen. Hier fällt auf, dass zwei mal die Mehrzahl steht: Es sind verschiedene Gaben, die verschiedene Arten von Heilungen betreffen. Wenn ein Christ krank ist, so hat er vier Möglichkeiten, die er nutzen sollte, um wieder gesund zu werden. Das erste ist das eigene ernstliche Gebet um Heilung, vielleicht zusammen mit jemandem aus der Familie oder der Gemeinde. Wenn das nichts hilft, so sollte der Gang zum Arzt oder das Einnehmen bereits vorhandener Medikamente der zweite Schritt sein. Wenn auch hier der Erfolg ausbleibt, sollte er sich überlegen, ob er noch unvergebene Sünde in seinem Leben hat und dann von den Ältesten seiner Gemeinde unter Handauflegung und Ölsalbung über sich beten lassen. Und dann gibt es noch ein Weiteres – nämlich diese Charismen der Heilungen. Es gibt Menschen, die haben eine Gabe der Heilungen für eine bestimmte Krankheit bekommen, andere für mehrere, selten aber für alle. Deshalb sind es ja auch verschiedene Gaben. Es braucht in der Gemeinde verschiedene Gläubige mit diesen Gaben der Heilungen, damit nicht einer das Monopol bekommt und dann zum Ober-guru der Gemeinde mutiert.

Wirkungen der Kräfte sind Gaben zu speziellen Wundertaten wie Totenauferweckung, Austreibungen aller Arten von Dämonen, etc. Diese Gaben sind vor allem auch Menschen nützlich, die das Amt des Evangelisten oder des Apostels ausüben. Ich möchte an dieser Stelle den heutzutage üblichen aber sicher nicht biblischen Unterschied zwischen Evangelisten und Missionaren verwerfen. Missionar kommt vom lateinischen Verb mittere und bedeutet senden, aussenden. Das griechische Verb apostello, von dem Apostel abgeleitet ist, hat dieselbe Bedeutung. Somit ist Missionar und Apostel gleichbedeutend, während ein Evangelist richtigerweise sowohl im Heimatland als auch in der Ferne unter anderen Kulturen das Evangelium verkünden kann und soll.

Die Gabe der Prophetie bezeichnet in erster Linie das Reden Gottes in unsere Zeit hinein. Da wir weiter oben aber schon andere Gaben dieser Kategorie genannt bekommen, muss es sich um eine von diesen unterschiedene Gabe handeln. Das griechische Verb, das hinter dem Propheten steht, ist pro-phemi. Phemi bedeutet reden, etwas (aus-)sagen und pro bedeutet für oder vor jemandem oder etwas. Entweder ist die Prophetie als Überbegriff ein Reden im Namen Gottes oder es ist im speziellen Fall ein Vorher-Sagen bestimmter Ereignisse, Handlungen oder Geschehnissen. Da wie gesagt in dieser gesamten Aufzählung auch das Wort der Weisheit und das Wort der Erkenntnis stehen, welche zum ersteren Fall automatisch dazugehören, muss es sich in unserem Fall um Zweiteres handeln. Ein gutes Beispiel dieser Art von Prophetie findet sich in Apg. 21, als Agabus kommt und Paulus auf seine Gefangenschaft vorbereitet. Auch der Herr Jesus ist ein sehr gutes Vorbild für diese Prophetie: Petrus sagte er voraus, dass dieser ihn verleugnen werde; ihm und auch anderen konnte er ihr Ende beschreiben, nämlich dass sie als Märtyrer in die Geschichte eingehen werden.

Unterscheidungen der Geister. Auch über diese Gabe scheiden sich die Geister. Hier steht die Gabe im Zusammenhang mit der Prophetie. Es geht darum, dass jede Prophetie geprüft werden muss. An die Gemeinde der Thessalonicher schreibt Paulus, dass sie den Geist nicht dämpfen sollen, aber dennoch nicht aufhören, jede Prophetie zu prüfen und das Gute zu behalten. Es ist heutzutage traurigerweise in Mode gekommen, möglichst viele „prophetische Worte“ zu empfangen. Manche Menschen scheinen sich nur dann von Gott geliebt zu fühlen, wenn sie „ein Wort vom Herrn“ bekommen haben. Und auf der anderen Seite gibt es unzähliche umherstreunende „Propheten“, die sich keiner Gemeinde verbindlich anschließen wollen, aber in allen Gemeinden ihr Reden als „Worte von Gott“ anpreisen und oft auch auf Knopfdruck für jeden „etwas zu haben“ scheinen. Und gerade auch weil oft solche Prophetien eine bestimmte Veränderung des Lebens entweder voraussagen oder voraussetzen, ist es wichtig, dass sie geprüft werden. Wenn wir also, sobald wir eine solche Prophetie bekommen haben, solange wir noch unsicher sind, ob sie a. in all ihren Details wirklich stimmt und von Gott ist und b. ob sie wirklich für uns bestimmt war, dann zu jemandem gehen, der diese Gabe der Unterscheidung hat, kann der uns helfen und mit uns zusammen vor Gott die Prophetie prüfen. Sinnvoll ist es auch, wenn jemand von den Ältesten diese Gabe hat.

Die Arten von Zungenrede sind die zweite Gabe, die mit heteros statt allos eingeführt wird. Wir haben gesehen, dass sie demnach eine Gabe ist, die für alle offen ist. Sie ist, wie wir später noch im Detail sehen werden, in verschiedenen Formen als Gabe vorhanden. An dieser Stelle möchte ich nur eine kurze Liste machen von allem Wichtigen, was wir über diese Gabe wissen:

-Es gibt Menschen- und Engelssprachen

-Es gibt eine Form, in der wir uns selbst auferbauen

-Es gibt eine Form, in der wir durch eine Auslegung andere in der Gemeinde erbauen

-Es gibt eine Form, in der wir zu Menschen anderer Sprachen verständlich reden

-Es gibt auch ein Singen in Zungenrede (bzw. Zungengesang)

Es ist mir bewusst, dass diese Aussagen für viele umstritten sind. Doch alles hat seinen Platz, deshalb werden all jene Argumente an ihrem eigenen Platz diskutiert und belegt oder entkräftet.

Auslegungen von Zungenrede ist in erster Linie eben NICHT eine Übersetzung einer fremden Sprache, denn es ist eine Geistesgabe, so wie auch lehren, predigen, Prophetie etc. Geistesgaben sind, also damit vom Geist Gottes direkt inspiriert. Diese Form der Zungenrede ist auch prophetisch, wenn sie zusammen mit Auslegung in der Versammlung getätigt wird. Nun kann es vorkommen, dass zwei verschiedene Ausleger dieselbe Zungenrede unterschiedlich auslegen. Das liegt in einer gewissen Freiheit des Geistes begründet. Sie können soweit unterschiedlich sein, wie der Sprachschatz verschiedene Bedeutungen haben kann. Das griechische Wort Pistis bedeutet zum Beispiel zugleich Glaube und Treue, also zwei Dinge, die für uns ziemlich verschiedenes bedeuten. Außerdem kann eine Auslegung sehr wörtlich sein und die andere eher umschreibend. Somit ergibt sich ein gewisser Spielraum für die Auslegung, der aber doch vom Gesamtinhalt an das Ausgesprochene gebunden ist.

Paulus ist hier ganz besonders wichtig, zu betonen, dass es der Geist Gottes ist, der all das wirkt. Nichts von alledem kann mit dem Verstand erfasst werden, denn der Geist geht uns über den Verstand. Und der Geist gibt nach seinem eigenen Wohlgefallen. Wir dürfen ihn aber auch darum bitten, uns für bestimmte Situationen mit den richtigen Gaben auszurüsten. Nach den Gaben zu streben heißt immer auch, darum zu bitten und nicht einfach abzuwarten, ob es ihm vielleicht irgendwann zufällig mal gefällt, uns zu gebrauchen. Wer nämlich so denkt, wird zumeist warten bis er schwarz wird…