Warum sich jeder mit Friedrich Nietzsche befassen sollte

Friedrich Nietzsche ist der Philosoph, der mich persönlich schon am längsten beschäftigt. Nun kann man meine Überschrift kritisieren und sagen, dass ich mein Steckenpferd doch bitte nicht jedem aufdrängen sollte. Meine Gründe für die Aussage sind vielfältiger als das auf den ersten Moment erscheint. Nietzsche hat Christen und Nichtchristen, besonders auch selbsternannten Atheisten, sehr viel zu sagen. Doch gibt es auch Missverständnisse über ihn, die man nur lösen kann, wenn man sich direkt mit ihm und seinen Werken befasst. Außerdem hat seine Theologie und Philosophie eine Wirkungsgeschichte, die das wahre Wesen des Atheismus aufzeigt.
Am bekanntesten ist wohl Nietzsches Rede vom Tode Gottes in der Fröhlichen Wissenschaft. Nietzsche war nie stolz darauf, dass er endlich diesen Gott umgebracht hat. Manchmal wird das ein wenig so dargestellt. Im Sinne von: Endlich ist die Menschheit weit genug evolviert, um ohne Gott auszukommen. Nietzsche hat sich nie so geäußert. Er hat vielmehr festgestellt, dass es in den Kirchen viel Heuchelei gibt, dass Menschen predigen, die selbst gar nicht so glauben, was sie da erzählen, und so weiter. Unter dem Einfluss von Darwins Evolutionslehre hat er gedacht, dass der Mensch irgendwann diesen Gott nicht mehr braucht, und Nietzsche selbst sah seine Lebensaufgabe darin, herauszufinden, wie der Mensch ohne Gott leben kann; welche Werte er auch ohne Glauben tatsächlich noch vertreten kann.
Nietzsches Leben und Werk zeigt den schrecklichen Einfluss, den die liberale Theologie auf einen jungen Menschen haben kann. Als er David Friedrich Strauß’ „Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet“ in der gekürzten, einbändigen Ausgabe las, verlor der junge, fromme Pietist seinen Glauben. Strauß wollte den historischen Jesus in den Evangelien finden – und am Ende fand er ihn nicht, sondern brachte auch noch seine Leser vom Glauben ab. Wir sollten uns an das Schicksal von Nietzsche erinnern, wenn wir uns historisch-kritischen Theologen wie Siegfried Zimmer und anderen öffnen.
Nietzsches Werk zeigt aber auch, wie ein echter Atheist zu denken und leben hat, wenn er denn bereit ist, kompromisslos mit Haut und Haaren seinen Atheismus zu bedenken und zu leben. Er muss im Zuge der Evolutionslehre vom Überleben des Stärkeren ausgehen und alle Hilfe dem Schwächeren gegenüber ablehnen. Warum? Weil sich dann nur die starken Gene weiter fortpflanzen. Die Neuen Atheisten sind allesamt Heuchler, die meinen, dass Atheismus auch Humanität beinhalten könne. Nietzsche zeigt sehr deutlich auf, dass das ein Widerspruch in sich selbst ist.
Nietzsches Werk macht aber auch sichtbar, dass es selbst in einer atheistischen Welt ein Metanarrativ, also eine übergeordnete Weltgeschichte und eine klare Weltanschauung braucht. Deshalb schrieb Nietzsche den Zarathustra. Dieser sollte als Bibel für die gottlose Zeit gebraucht werden. Er merkte, dass der Mensch nicht ohne Geschichte und ohne ein Staunen über seine Umwelt leben kann. Hierin zeigt sich Nietzsche aber auch wieder als unauthentisch und kompromissbereit. Für Christen sollte dies ein Grund sein, die biblische Heilsgeschichte und Weltanschauung ernst zu nehmen und daran aufzuzeigen, dass es die bestmögliche Art und Weise ist, die Realität zu betrachten.

Gerade auch die Wirkungsgeschichte von Nietzsches Werk sollte spätestens jeden denkenden Menschen überzeugen, dass der echte Atheismus eine gefährliche Ideologie ist, die besonders auch nicht mit dem Gewissen des Menschen vereinbar ist. Zahlreiche hohe Persönlichkeiten des Nationalsozialismus und der verschiedenen Kommunismen waren stark von Nietzsche beeinflusst. Wenn man dieser Tatsache ehrlich ins Auge schaut und sich fragt, was wir von Nietzsche lernen können, dann könnte ein möglicher Gedanke folgender sein: „Nie wieder Atheismus!“ 

Richard Dawkins und das Argument gegen Gott

Im letzten Teil haben wir gesehen, dass Dawkins versucht, sich mit den Gottesbeweisen zu befassen, aber auch, dass es bei ihm beim Versuch bleibt. Im vierten Kapitel präsentiert er sein Argument gegen Gott – und wir werden sehen: Wenn dies das beste Argument gegen Gott sein soll, so müsste es schon lange eine riesige weltweite Erweckung gegeben haben. Am Ende des vierten Kapitel fasst Dawkins sein Argument folgendermaßen zusammen (ich habe es um der Lesbarkeit willen ein wenig gekürzt, ohne jedoch den Wortlaut zu ändern und ohne etwas für das Argument Wichtiges wegzulassen):
1. Eine der größten Herausforderungen für den menschlichen Geist war über viele Jahrhunderte hinweg die Frage, wie im Universum der komplexe, unwahrscheinliche Anschein von gezielter Gestaltung entstehen konnte.
2. Es ist eine natürliche Versuchung, den Anschein von Gestaltung auf tatsächliche Gestaltung zurückzuführen.
3. Diese Versuchung führt in die Irre, denn die Gestalterhypothese wirft sofort die umfassendere Frage auf, wer den Gestalter gestaltet hat. […] Wir brauchen keinen „Himmelshaken“, sondern eine „Kran-Konstruktion“, denn nur der Kran kann die Aufgabe erfüllen, von etwas Einfachem auszugehen und dann allmählich und auf plausible Weise eine ansonsten unwahrscheinliche Komplexität aufzubauen.
4. Der genialste und leistungsfähigste „Kran“, den man bisher entdeckt hat, ist die darwinistische Evolution durch natürliche Selektion.
5. Einen entsprechenden „Kran“ für die Physik kennen wir nicht.
6. Wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch in der Physik noch ein besserer „Kran“ gefunden wird, der ebenso leistungsfähig ist wie der Darwinismus in der Biologie.
Schlussfolgerung: „Wenn man die Argumentation dieses Kapitels anerkennt, ist die Grundvoraussetzung der Religion – die Gotteshypothese – nicht mehr haltbar. Gott existiert mit ziemlicher Sicherheit nicht.“
(Zitate aus „Gotteswahn“, S. 265 – 266)
Fragen wir uns zunächst: Was macht ein gutes Argument aus? Ein Argument besteht aus mindestens zwei Prämissen, die zu einer Schlussfolgerung führen, die sich zwingend aus diesen ergibt. Bei einem korrekten Argument muss man dann nicht mehr den Schluss prüfen, sondern lediglich die Prämissen. Wenn diese korrekt sind, muss es der Schluss auch sein. Ein Beispiel für ein solches Argument:
P1. Alle Menschen sind sterblich.
P2. Ich bin ein Mensch.
S: Somit bin ich sterblich.
Wie sieht es bei der Schlussfolgerung von Dawkins aus? Ergibt sich der Schluss – nämlich dass Gott mit „ziemlicher Sicherheit“ nicht existiert – aus den Prämissen? Mal anders gefragt: Wenn alle Prämissen wahr wären, wäre dann die Schlussfolgerung zwingend notwendig? Nein – denn selbst wenn es einen „Kran“ für die Physik gäbe und selbst wenn es auf die Frage, woher der Gestalter kommt, keine Antwort gäbe, und so weiter, so würde das alles trotzdem nicht gegen die Existenz Gottes sprechen. Selbst wenn das gesamte Universum nicht nach Design aussehen würde, wäre das kein Argument gegen Gott. Man sieht also, dass Dawkins seine Schlussfolgerung sehr an den Haaren herbeigezogen hat. Es handelt sich somit um ein ungültiges Argument.
Dann können wir uns auch noch die Prämissen ansehen:
In Prämisse 1 behauptet Dawkins, es sei eine Herausforderung gewesen, herauszufinden, warum im Universum so viel nach gezielter Gestaltung aussehen würde. Daran ist eine ganze Menge falsch. In der Wissenschaft gibt es ein wichtiges Prinzip, das uns hilft, unter verschiedenen Theorien die wahrscheinlichste zu finden. Das ist das Prinzip der Einfachheit. Wenn ich unterschiedliche Theorien habe, die alle dasselbe erklären, dann suche ich jene aus, die am wenigsten verschiedene Einheiten, Teile, oder Variablen hat. Dasselbe macht man in der Mathematik auch: Den Ausdruck 25/5 (fünfundzwanzig Fünftel) schreibt man in der einfachsten Form auf, nämlich 5. Oder 5/25 schreibt man als 1/5. In unserem Fall wäre die einfachste Theorie: Wenn das ganze Universum so sehr nach Gestaltung aussieht, dann haben wir sehr gute Gründe, anzunehmen, dass es auch gestaltet ist. Und dann müssen schon extrem starke Gründe dagegen aufkommen. Wörter sind ja auch nichts anderes als Töne. Töne könnten schon rein zufällig entstehen, aber wenn ich irgendwo den genauen Wortlaut von Schillers „Glocke“ höre, dann ist das ein guter Grund zur Annahme, dass es einen Rezitierer oder Vorleser gibt. Prämisse 2 ist damit auch widerlegt.
In Prämisse 3 stellt Dawkins die Behauptung auf, dass ein Gestalter zwangsläufig die Frage aufstelle, wer den Gestalter geschaffen habe. Dasselbe kann man auch bei Schillers „Glocke“ fragen: Wer hat denn den Autor, nämlich Friedrich Schiller, geschaffen? Dawkins würde natürlich auf die Vorgänge von Mutation und Selektion verweisen, was wiederum die Frage aufwirft, wer denn diese Vorgänge geschaffen habe. Um nun diese Frage zu beantworten, muss Dawkins auf die Physik Bezug nehmen, welche laut Prämisse 5 keine Erklärung hat. Letztendlich bleibt es also eine Sache des Glaubens, auf welche Herkunft man schlussendlich vertraut. Der „Kran“ von Dawkins entpuppt sich also mindestens ebenso sehr als ein „Siemens Lufthaken“.
Prämisse 4 ist nicht ganz schlecht, hat aber durchaus auch so ihre Löcher. Dawkins meint, dass der Darwinismus alles erklären könne. Nun gibt es zwar einige interessante Modelle, die manche Veränderungen erläutern können. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Anfragen an diese Modelle, weil sie eben genau das sind: Modelle. In der Schule lernt man in wunderbarer Regelmäßigkeit das Atommodell, obwohl seit zig Jahrzehnten klar ist, wie falsch dieses Modell ist. Für einen Schüler erklärt das Modell gut und einfach, wie die Stoffe aufgebaut sind. Dennoch sind es lediglich Modelle, die einzelne Aspekte korrekt und viele andere inkorrekt wiedergeben.
Prämisse 5 zerstört im Grunde genommen das gesamte Argument von Dawkins; sie ist nämlich korrekt. Eine einzige falsche Prämisse reicht in einem korrekten Argument aus, um das gesamte Argument zu entkräften.
Prämisse 6 ist keine Prämisse im strengen Sinn – es ist der Ausdruck einer Hoffnung. Der Autor des Buches hofft, dass es eines Tages eine Erklärung für die Entstehung der Physik geben würde. Es gibt eine – nur ist Dawkins leider zu verblendet, um diese anerkennen zu können. Mit der einfachsten aller Erklärungen und jener, welche die Realität am besten abbildet, könnte sich Dawkins zufriedengeben. Doch nichts da, lieber alles abstreiten und am Ende hoffen, dass es irgendwann noch eine Erklärung gibt.
Dawkins ist dem “Atheismus-Wahn” verfallen. In diesem Zustand lässt man keine guten Argumente gelten, sondern lehnt alle ab, die von einem Gestalter ausgehen. Nicht aus einem guten Grund, sondern einfach weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Er ist zum Missionar für einen aggressiven Atheismus geworden, der versucht, alles andere platt zu walzen. Dawkins fehlt nicht nur das theologische und philosophische Wissen, um sich mit den Themen seines Buches auseinanderzusetzen, sondern auch die Argumente. Wenn es nur um diese Argumente gingen, also wenn Dawkins mit diesem Buch die besten Argumente für den Atheismus präsentieren würde, dann müsste es schon längst weltweit einen riesigen Aufbruch von Atheisten zum Theismus geben. Dawkins ist ein exzellenter Biologe und sehr begabt darin, mit viel Phantasie komplexe Thesen einfach zu erklären, aber hier überschreitet er seine Kompetenzen bei weitem. Schuster, bleib bei deinen Leisten!
Die Blindheit in dieser atheistischen Blase hat einen anderen Grund als Argumente. Sie stammt zumeist aus der Biographie. Menschen, die enttäuscht oder verletzt wurden von anderen Menschen, die an Gott glauben, sind leichter dafür anfällig, sich zum Atheismus zu bekehren und in diesem das Heil zu suchen. Es braucht viel Gebet für diese Menschen, damit sie wieder offener werden für die zahlreichen guten Gründe, die dafür sprechen, dem Herrn Jesus ernsthaft nachzufolgen.

Die neue Absolutheit

Das Ende der Postmoderne
Obiges Bild habe ich erstellt, um etwas zynisch auf das Ende der Postmoderne hinzuweisen. Seit einigen Jahren beschäftigt mich die Diskussion um die Postmoderne schon, und ich sehe sie in der Gesellschaft immer mehr schwinden. Zunächst ganz kurz: Was ist die Postmoderne? (Man möge mir die fehlende Ausführlichkeit verzeihen, welche es mir unmöglich macht, auf alle Aspekte einzugehen). Die Postmoderne ist eine Bewegung, die aus der Moderne heraus entstanden ist und sich zugleich gegen diese wendet. Hier die wichtigsten Kennzeichen:
Begriff
Moderne
Postmoderne
Vernunft
Letzte Autorität, führt zum Fortschritt
Es gibt keinen Fortschritt. Alles ist gleich gültig und deshalb gleichgültig.
Einheit
Suche nach der Einheit, die alles zusammenhält
Es gibt keine Einheit, nur Vielfalt, wobei alles gleichwertig ist.
Wahrheit
Suche nach der Wahrheit, die mit Hilfe der Vernunft gefunden wird
Es gibt keine Wahrheit, sondern so viele Wahrheiten wie es Kulturen gibt
Sprache
Sprache beinhaltet die Möglichkeit, die Realität adäquat wiederzugeben
Sprache wird dazu missbraucht, um sich die Welt so zu schaffen, wie es einem gefällt und andere damit zu unterdrücken
Die Postmoderne ist aufgekommen, weil die Moderne – der Versuch, die ganze Welt mit Hilfe der Vernunft zu erklären und zu verbessern – gescheitert ist. Zwei Weltkriege mit ihren Abermillionen von Toten haben gezeigt, dass das Projekt Moderne am Ende angelangt ist. Die Moderne war der Versuch, das Übernatürliche aus der Welt auszuschließen und alles im Bereich des Natürlichen zu erklären.
So hat mit der Krise der Weltkriege die Veränderung von der Moderne zur Postmoderne begonnen. Dann kam der Gedanke auf, dass die Welt bestimmt viel friedlicher würde, wenn niemand mehr Wahrheit und Autorität vertreten, sondern man mit Stuhlkreisen und runden Tischen mit viel Toleranz das Gespräch suchen und den Kompromiss finden würde. Doch dieses Denken blieb bei einer Elite von Philosophen und Pädagogen, da sich das Leben nicht im Elfenbeinturm universitärer Arroganz, sondern in der harten Realität abspielt. Spätestens Spätestens wenn jemand nach seinem Einkauf die PIN seiner Karte eingeben muss, wird auch der Postmoderne zwingend zu einem Realisten, sonst müsste er verhungern.
Doch dann kam die nächste Krise, die der Postmoderne schwer zu schaffen machte: Nicht nur hatte sie die Realität gegen sich, sondern eines Tages fielen die Zwillingstürme in New York in sich zusammen. Das war nicht nur ein Angriff auf die USA, sondern ein Angriff auf die westliche Welt, auf die Demokratie, auf die Gesellschaft, welche postmodern geworden war. Auch hier gab es ein Zusammentreffen mit der Realität: Wenn es um viele Menschenleben geht, wenn die eigene Existenz in Frage gestellt wird, dann wird es auch im Elfenbeinturm ungemütlich.
Der Neue Atheismus
Eine Bewegung, die auf diesen Angriff in den USA folgte, war der Neue Atheismus. Er war es, der mich immer mehr zum Nachdenken über die Postmoderne gebracht hat. Der Neue Atheismus ist erfrischend gesprächsfreudig und gibt immerhin eine Basis, auf welcher man sich mit ihm unterhalten kann: Im Normalfall geht er davon aus, dass die Welt um einen herum real ist und nicht nur ein gesellschaftliches Konstrukt. Man kann zwar mit einem Postmodernen wunderbar kontemplativ schweigen (habe ich mir sagen lassen), aber da ist mir das Gespräch mit einem New Atheist deutlich lieber. Leider baut der New Atheism immer mehr auf Aggressivität und Polemik statt auf Argumente, was aber auch damit zusammenhängt, dass häufig Zweiteres mangelhaft ausgebildet ist.
Immer mehr macht sich auch ein neuer Realismus breit. Ron Kubsch hat auf TheoBlog ein paar wichtige Veröffentlichungen dazu besprochen. Vielen Dank für den wichtigen Beitrag, Ron! Der Realismus besagt (wieder sehr stark vereinfacht), dass die Welt um uns herum real ist und wir sie korrekt (nicht vollständig, aber doch adäquat) erfassen und wiedergeben können. Die Frage, ob zuerst die Realität oder zuerst unsere Vorstellung von der Realität da ist, die ist so alt wie die Philosophie selbst und tauchte häufig unter ganz unterschiedlichen Namen und Fragestellungen auf.
Die Gemeinde und der Tod der Postmoderne
Zum Abschluss ein paar Gedanken zur Zukunft der Gemeinde im Zeitalter dieses neuen Realismus. Ich glaube es ist wichtig, dass wir jetzt beginnen, darüber nachzudenken. In vielen postmodernen Gemeinden werden die Glieder mit oberflächlichen, emotionalen Geschichtlein abgespeist. Um geistlich nicht zu verhungern, suchen sie zu tausenden ihre Nahrung im Internet, wo sich nebst einigem Nahrhaftem auch viel Unkraut aufhält. Für den Postmodernen war es weniger wichtig, ob sich eine biblische Geschichte tatsächlich so abgespielt hat. Auf diese Weise hat sich eine ganze Menge an frommer Bibelkritik in ehemals bibeltreue Gemeinden geschlichen. Wenn wir die Herausforderung des Neuen Realismus annehmen, wird eine neue Zuwendung zur absoluten Wahrhaftigkeit und zur Irrtumslosigkeit der Bibel nötig sein. Anderenfalls wird sich die postmoderne Gemeinde in Irrelevanz verflüchtigen.
Weiter wird eine vertiefte Auseinandersetzung mit den tiefgründigen biblischen Lehren nötig sein. Der christliche Realist will die ganze Wahrheit in ihrer Breite und Tiefe kennen. Hier wird ein neuer Schwerpunkt in Systematischer Theologie und Apologetik gebraucht. Das führt aber auch zu neuen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Denominationen. Deshalb wird hier eine neue konstruktive Streitkultur gebraucht. Was ein Martin Luther in seinen Disputationen gemacht hat, wird es auch heute wieder ganz neu brauchen. Von diesem großen Gottesmann (er war keineswegs perfekt, sondern mit ganz vielen Ecken und Kanten und auch manchen Irrtümern) können wir viel lernen.
Drittens muss der christliche Glaube einen Schwerpunkt auf seine Ganzheitlichkeit legen. Wer sein Leben mit dem Herrn Jesus lebt, dem gehört kein einziger Teil seines Lebens mehr ihm selbst, sondern alles gehört Jesus. Jesus ist der König, der Herrscher, Richter und Erlöser aller Bereiche des Lebens. Das führt auch zu einem neuen Schwerpunkt auf der persönlichen Heiligung. Ein Leben ganz zur Ehre Gottes. Ein Leben, das in aller Gleichgültigkeit einen Unterschied macht. Ein Leben, das die Gesellschaft herausfordert. Ein Leben, dessen Denken, Fühlen, Wollen, Reden, Tun unter Gottes Wort gestellt wird. Tag für Tag neu. Das ist eine Herausforderung, die mich begeistert. Dich auch?

Was ist Glaube überhaupt?

Heute möchte ich versuchen, eine kurze Einführung in die Fragestellungen dieses Blogs zu geben. Hauptsächlich geht es mir zunächst um zwei Fragen:
1. Warum ist es so wichtig, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und ihn zu verstehen?
2. Was bedeutet es überhaupt, einen Glauben zu haben?
Wer dies noch nicht getan hat, könnte vielleicht zunächst noch meine Einleitung zum Blog lesen. Das wird hilfreich sein, um meine weiteren Ausführungen zu verstehen, besonders dann, wenn man mit den Fragen noch nicht so vertraut ist.
Heute also zwei neue Fragen:
1. Warum ist es so wichtig, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und ihn zu verstehen?
Ich habe den Entschluss gefasst, dieses Projekt zu starten, weil ich gesehen habe, dass es einerseits immer mehr junge Menschen gibt, die große Mühe haben, über ihren Glauben zu reden, also in Worte zu fassen, was ihren Glauben ausmacht. Andererseits habe ich eine aggressive Bewegung von Atheisten gesehen, die versuchen, Menschen aller Glaubensrichtungen aus ihrem Glauben herauszuargumentieren. Und das oftmals mit Erfolg.
Eine Bewegung darin ist der sogenannte „Neue Atheismus“, zu dem ich hier (Link) eine kurze Einführung geschrieben habe. Aus diesem neuen Atheismus heraus ist wieder eine neue Bewegung entstanden, die sich „Street Epistemologists“ nennen. Das ist eine Art atheistische Evangelisationsbewegung, die auf die Straßen geht und ganz aktiv versucht, Menschen vom Atheismus zu überzeugen. Wer sich mal ein Beispiel mit atheistischen Erklärungen dazu ansehen möchte, kann dies hiertun (ein englisches Video mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln).
Und für diese atheistischen Missionare hat der Philosoph Peter Boghossian ein Buch geschrieben: A Manual for Creating Atheists (eine Anleitung, wie man Atheisten macht). Das Buch gibt es bisher erst auf Englisch (es ist ja auch erst ein Jahr alt), aber ich denke es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis sich diese Bewegung auch in der deutschsprachigen Welt ausbreiten wird. Wir tun gut daran, vorbereitet zu sein.
Wichtiger noch als nur unseren Glauben verteidigen zu können, ist es, dass wir ihn auch ganz positiv erklären können. Es gibt nämlich eine Vielzahl extrem guter Gründe, weshalb man an den Gott der Bibel glauben kann. Vernünftige Gründe, die überzeugend sind. Und auch darum soll es hier gehen. Ich bin gespannt, was sich hier noch tun wird und freue mich auf jedes Mitlesen, Kommentieren, Diskutieren, Fragen, und Antworten.
2. Was bedeutet es überhaupt, einen Glauben zu haben?
Eine erste Schwierigkeit entsteht schon daraus, dass viele Leute sich unsicher sind, was es genau bedeutet, einen Glauben zu haben. Es ist eine Spezialität von Atheisten, dass sie das Wort „glauben“ auf eine völlig unzuläßige Art definieren, zum Beispiel mit der Definition:
Glaube ist ungleich Wissen
oder
Glaube ist eine Überzeugung ohne Beweis
und so weiter.
Das sind alles Definitionen, die nichts mit dem eigentlichen Inhalt des Wortes Glauben zu tun haben. Wenn nun ein Atheist das Wort so definiert hat, kann er damit einen riesigen Strohmann bauen. Als Strohmann bezeichnet man eine Art von Argument, in welchem dem Gegner eine bestimmte Position (Sichtweise) in den Mund gelegt wird, die so nicht stimmt. Und dann meint man, dass man den Gegner widerlegt hat, indem man den Strohmann, also lediglich die unzutreffende Position, widerlegt hat.
Ich würde Glauben ungefähr so definieren:
Glaube ist ein Vertrauen in bestimmte Dinge oder Personen.
Ich kann am Nachmittag die Wolken beobachten und dann meiner Interpretation des Wetters vertrauen, dass es abends keinen Regen gibt, dann glaube ich meiner Interpretation und lasse den Regenschirm zu Hause. Aber diese Entscheidung ist nicht einfach ohne Beweise oder ohne Wissen erfolgt; vielmehr sind der Entscheidung einige Hinweise vorausgegangen, die auf ein bestimmtes Verhalten des Wetters schließen ließen.
So ähnlich ist es auch mit dem Glauben an den Gott der Bibel. Ich vertraue Ihm, weil ich viele gute Gründe habe, dies zu tun: Weil Er mir persönlich begegnet ist. Weil ich Sein Eingreifen, Sein Zuhören, Sein Reden schon unzählige Male erlebt habe. Weil Sein Wort in sich geschlossen logisch ist und weil es die einzige tatsächlich schlüssige und sinnvolle Erklärung der gesamten Realität bietet.
Letzten Endes ist somit auch das Vertrauen in die Naturgesetze – etwa die Schwerkraft – eine Art von Glauben. Wir legen ein Buch auf den Stapel, weil wir der Schwerkraft vertrauen, dass das Buch nicht plötzlich davonfliegt. Der Atheist ist somit nicht jemand, der keinen Glauben hat, sondern vielmehr ein Mensch, der einfach an andere Dinge glaubt. Zum Beispiel an die Zuverlässigkeit der Evolutionstheorie. Oder an die Erklärbarkeit aller Dinge ohne einen persönlichen Schöpfer. Und so weiter. Auch das sind Glaubensinhalte, und auch diese wollen durchdacht werden.
Allerdings muss ich doch sagen, dass derjenige, der an einen persönlichen Schöpfer glaubt, durchaus mehr Grund hat, den Naturgesetzen zu vertrauen, denn er weiß, dass sie vom persönlichen Schöpfer gemacht wurden und durch Ihn auch erhalten bleiben. Aus diesem Grund waren die ersten Wissenschaftler auch Menschen, die an den persönlichen Schöpfer glaubten: Nur sie konnten davon ausgehen, dass sie fähig waren, hinter diese Naturgesetze zu blicken und damit ihren Schöpfer besser kennenzulernen. So lobt der König David unseren wunderbaren Gott:
Herr, unser Herrscher! Groß ist dein Ruhm auf der ganzen Erde! Deine Hoheit reicht höher als der Himmel. Aus dem Lobpreis der Schwachen und Hilflosen baust du eine Mauer, an der deine Widersacher und Feinde zu Fall kommen. Ich bestaune den Himmel, das Werk deiner Hände, den Mond und alle die Sterne, die du geschaffen hast: Wie klein ist da der Mensch, wie gering und unbedeutend! Und doch gibst du dich mit ihm ab und kümmerst dich um ihn! Ja, du hast ihm Macht und Würde verliehen; es fehlt nicht viel und er wäre wie du. Du hast ihn zum Herrscher gemacht über deine Geschöpfe, alles hast du ihm unterstellt: die Schafe, Ziegen und Rinder, die Wildtiere in Feld und Wald, die Vögel in der Luft und die Fische im Wasser, die kleinen und die großen, alles, was die Meere durchzieht. Herr, unser Herrscher, groß ist dein Ruhm auf der ganzen Erde!(Psalm 8, 2 – 10)

Jenseits des Glaubens – Ein Interview mit Bradley Monton

Dieses Interview mit Bradley Monton ist zuerst im amerikanischen Salvo Magazin in der Ausgabe 26 vom Herbst 2013 erschienen. Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers zum Übersetzen und  Veröffentlichen des vollständigen Interviews. An dieser Stelle herzlichen Dank an meinen Vater Beat Erne, der mir bei der Übersetzung dieses wissenschaftlich anspruchsvollen Interviews viele gute Tipps geben konnte. This interview was first published in Salvo Magazine, copyright 2013, by Salvo Magazine (Supplement to Issue 26, Fall 2013), available at: http://www.salvomag.com/new/mag/salvo26-supplement.php

Jenseits des Glaubens (oder des Fehlens desselben)

Der Wissenschaftsphilosoph Bradley Monton lässt den Atheismus hinter sich, um Intelligent Design objektiv zu beurteilen.
Man muss nicht an Gott glauben, um den Wert des Intelligent Design anzuerkennen. Der Philosophieprofessor der Universität von Colorado ist ein typisches Beispiel. In seinem Buch „Seeking God in Science: An Atheist Defends Intelligent Design“ („In der Wissenschaft nach Gott suchen: Ein Atheist verteidigt Intelligent Design“) erklärt Monton, warum er denkt, dass die Hypothese Wert habe, obwohl er der Überzeugung sei, dass deren Schlussfolgerungen letzten Endes falsch seien. Hier tut er dasselbe, bevor er erklärt, welche Art einer wissenschaftlichen Entdeckung es bräuchte, damit er seinen Skeptizismus endlich aufgeben und die Existenz eines Schöpfers annehmen würde – ein Durchbruch, den er tatsächlich begrüßen würde, und sei es nur, damit die langjährige Ungewissheit beendet würde, die den Ursprung des Lebens umgibt.
Was führt Sie dazu, Intelligent Design (ID) ernst zu nehmen?
ID-Erforschungen sind Teil einer langen Tradition in der Philosophie, die Natürliche Theologie genannt wird – die Suche in der natürlichen Welt nach Hinweisen für die Existenz Gottes. Intelligent Design hat auf den ersten Blick den Stellenwert dieser langen philosophischen und wissenschaftlichen Tradition. Das ist ein Grund, weshalb ich denke, dass ID ernst genommen werden soll. Zum anderen ist es so, dass ich die Argumente der ID-Gegner zu sehr emotionsgeladen finde und intellektuell nicht so stabil wie man es sich wünschen würde. Mich nerven meine Mit-Atheisten, die schlechte Argumente gegen Intelligent Design präsentieren und dann von allen erwarten, dass sie glauben, sie hätten die Debatte aufgelöst mit diesen schlechten Argumenten.
Warum, was denken Sie, dass manche Wissenschaftler es ablehnen, Intelligent Design ernst zu nehmen?
Das ist eine schwierige Frage, denn es ist eine Angelegenheit der menschlichen Psychologie und Soziologie. Aber ich würde sagen, dass manche Atheisten einen Fundamentalismus zeigen, der sie daran hindert, sich schon nur vorstellen zu können, dass ein vernünftiger, rationaler und intelligenter Mensch eine Sicht haben kann, die von seiner eigenen abweicht. Andere glauben, dass die Wissenschaft das A und O sei – dass sie alle wichtigen Fragen über die Realität beantworten könne. Es gibt sogar Wissenschaftler da draußen, wie zum Beispiel der Theoretische Physiker Steven Weinberg, die verkünden, dass weder Religion noch Philosophie uns irgend etwas Wichtiges über die Welt sagen kann. Ich bin da völlig anderer Meinung. Die Philosophie ist tatsächlich ein wichtiges Feld der Forschung. Sie kann die Art von ethischen Wahrheiten herausfinden und was spezifische Wahrheiten sein können. Philosophie kann auch genutzt werden, um die Existenz Gottes auf eine Art zu untersuchen, wie das die Wissenschaft nicht kann.
Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie Intelligent Design nicht vollständig zustimmen können. Was sind Ihrer Meinung nach einige Schwächen von ID?
Es gab eine Zeit, da hätte ich gesagt, dass die größte Schwäche der ID-Befürworter in dem Versagen liegt, eine Theorie auf den Tisch zu stellen, die nachprüfbare Voraussagen macht, aber das alles änderte sich mit Jonathan Wells Buch „The Myth of Junk DNA“ (Der Mythos von der Müll-DNA). Darin sagte Wells voraus, dass diese vorgebliche Müll-DNA – die DNA-Sequenzen, von denen viele Wissenschaftler behaupteten, dass sie nutzlos seien – absichtlich für die Struktur der menschlichen Biologie dort sei. Nun, im Laufe des letzten Jahres oder so hat empirische Forschung gezeigt, dass es tatsächlich viel weniger Müll-DNA ist, als Wissenschaftler bisher dachten. Das ist einfach ein großartiges Beispiel einer nachprüfbaren Voraussage, die von einem Befürworter von Intelligent Design gemacht wurde, und sich als erfolgreich herausgestellt hat.
Warum können Sie dann Intelligent Design dennoch nicht vollständig unterstützen?
Ich glaube, dass ID-Wissenschaftler immer noch viel mehr an nachprüfbaren Voraussagen machen sollten. Ich verstehe, dass dies schwierig ist. Ich sage nicht, dass es ein einfaches Projekt ist. Wie auch immer, es wäre schön, wenn sie ein vollwertiges Forschungsprogramm hätten, das zur Entwicklung von Theorien in der Wissenschaft führen würde. Ich denke, dass es möglich ist, obwohl es unglaublich schwierig ist, mit neuen wissenschaftlichen Theorien aufzutauchen, die in einem Paradigmenwechsel resultieren würde. Nun, es waren nur Leute wie Newton, Einstein und Copernicus, die dazu fähig waren. Aber man weiß nie, vielleicht wird eines Tages jemand eine Theorie entwickeln, die den Paradigmenwechsel bringt, die es fertigbringt, Intelligent Design in dem Prozess zu fördern.
Und was sind die Stärken von Intelligent Design?
Die größte Stärke ist, dass es dazu führt, dass Menschen sehr vorsichtig über das Ausmaß nachdenken, in dem ein wissenschaftlicher Beweis für entweder Gott oder sonst einen Schöpfer besteht. Dazu sind die spezifischen Argumente selbst auch interessant und wichtig zu bedenken. Zum Beispiel finde ich Michael Behes Forschung zu irreduzibel komplexen biologischen Systemen eine extrem überzeugende Forschungslinie, selbst wenn es sich herausstellen sollte, dass es ein fehlerhaftes Argument ist. Es hilft einfach dem Vorankommen der Wissenschaft, wenn man Argumente wie das von Behe auf den Tisch legt.
Dasselbe gilt auch für die mehr physikbasierten Felder des Intelligent Design, wie etwa die Studien, welche von Guillermo Gonzalez und Jay Richards durchgeführt wurde. Sie glauben, dass unser Universum ideal gelegen ist, nicht nur für die Existenz des Lebens, sondern auch für seine Beobachtbarkeit. Warum gibt es einen Zusammenhang zwischen den von Geschöpfen wie uns bewohnbaren Regionen des Universums und den Regionen, die besonders geeignet sind, um das Universum zu beobachten und darüber zu lernen? Das ist eine interessante Frage, aber soweit ich weiß, hat noch nie ein atheistischer Physiker darüber nachgedacht, bis Gonzalez und Richards die Szene betraten. Verteidiger des Intelligent Design bringen die Menschen dazu, auf neue Arten über die Wissenschaft und wissenschaftliche Forschung nachzudenken.
Was denken Sie über die Multiversum-Theorie – diesen Glauben, dass es tatsächlich eine unendliche Anzahl von Universen da draußen gibt, welche die Komplexität unseres eigenen Universums wahrscheinlicher und weniger besonders macht?
Es gibt zwei Weisen, wie man die Multiversumshypothese verstehen kann. Die eine besagt, dass diese anderen Universen räumlich-zeitlich getrennt sind, was bedeutet, dass jedes Universum in einem eigenen Teil der Realität besteht, und keine Verbindung zu irgend einem anderen Universum hat. Die zweite Art, es zu sehen, wäre, dass diese Universen tatsächlich miteinander verbunden sind. Vielleicht gibt es eine Art verzweigende Struktur, die einem Universum die Möglichkeit gibt, neue zu verursachen. Physiker sprechen auch von Blasen-Universen, die aus dem Hintergrund anderer Universumsstrukturen in Existenz kommen.
Ob man von der ersten oder der zweiten Möglichkeit spricht, wie auch immer, da gibt es Probleme, die die Hypothese des Multiversums beunruhigend machen. Im Fall der räumlich-zeitlich getrennten Universen ist es unklar, wie man zu einem Beweis für die Existenz dieser Universen kommen kann ohne göttliche Offenbarung. Und bei verbundenen Universen muss man sich fragen, „Wie ist es zu dieser ganzen physikalischen Realität gekommen, die es einem Universum ermöglicht, andere Universen zu produzieren oder einem Blasen-Universum einfach so in Existenz zu kommen? Wäre da nicht auch unwahrscheinlich viel Feintuning nötig verbunden mit der Existenz dieser physikalischen Realitäten?“ Wie man sehen kann, erreicht die Multiversumshypothese nicht wirklich viel. Unendliche Universen sind unzureichend, wenn es darum geht, das offensichtliche Design unseres Universums wegzuerklären.
Denken Sie, dass Intelligent Design an den öffentlichen Schulen gelehrt werden soll?
Ich denke, dass es pädagogisch nützlich wäre, dies zu tun, natürlich. Was ich weiß aus den vergangenen 13 Jahren als Lehrer ist, dass es falsch ist, Dinge zu ignorieren, von denen die Schüler schon gehört haben könnten oder in Zukunft gewiss noch hören werden. Zum Beispiel, wussten Sie, dass die kalifornischen Richtlinien für Lehrer von K-12-Schülern festhalten, dass wenn ein Schüler etwas über Intelligent Design fragt, man ihm dann sagen soll, dass dies nicht ins Klassenzimmer der Naturwissenschaften gehört – dass er stattdessen seine Eltern oder seinen Pastor fragen soll? Die Diskussion und Debatte so einzustellen ist schlechte Pädagogik. Lehrer sollten offen sein für jede Art von Beweis und ihren Schülern sagen, dass die Probleme bezüglich der Entstehung des Lebens noch immer offen zur Debatte stehen.
Lehren Sie Ihre eigenen Studenten über Intelligent Design?
Als beamteter Universitätsprofessor darf ich im Hörsaal über so ziemlich alles sprechen, was ich will. Deshalb, ja, ich spreche in meinem Wissenschaftsphilosophie-Kurs über Intelligent Design, und die Studenten sind sehr interessiert daran. An der High School (entspricht dem Gymnasium) wurde ihnen die Wissenschaft nur aus einem Guss von Fakten gelehrt, ohne zu verstehen, wie eine Theorie entwickelt wird oder wie die Theorien, die wir jetzt haben, von Wissenschaftlern gemacht wurden, um frühere Theorien abzulehnen, auf oft sehr kontroverse Art, und dass sie wissenschaftliche Revolutionen einbezogen haben und komplizierte Faktoren der menschlichen Psychologie. Aus diesem Grund verstehen sie nicht, wie Wissenschaft funktioniert. Ich habe herausgefunden, dass Intelligent Design eine fruchtbare Art ist, um Studenten zu lehren, wie Wissenschaft tatsächlich funktioniert und dass es eine menschliche Anstrengung ist, die voll von Kontroversen ist.
Denken Sie, dass die akademische Freiheit beschränkt ist für nichtbeamtete Befürworter von Intelligent Design?
Es gibt auf jeden Fall dokumentierte Fälle von Professoren, die in Schwierigkeiten gerieten, weil sie Ideen des Intelligent Design eingebracht haben, und ich denke das ist wirklich unglücklich. Die Hochschule sollte Ideen respektieren, egal wie kontrovers sie sind. Sobald man Menschen als intellektuell gebildet einstuft, sollte ihnen erlaubt sein, die Probleme zu verfolgen, welche sie wollen, selbst solche, die gegen die aktuelle Rechtgläubigkeit gehen – welche den Standard-Kanon, der besagt, wie man denken soll, verletzen. Intelligent Design sollte an der Hochschule erlaubt sein, denn die meisten Befürworter des Intelligent Design sind intellektuell gebildet. Darüber gibt es keinen Zweifel. Leute wie Michael Behe und Jonathan Wells sollte erlaubt sein, empirischen und philosophischen Forschungen nachzugehen, in welcher Richtung auch immer sie denken, dass sie am besten zur Wahrheit führen.
Wie haben andere Akademiker auf Ihre Schriften und Statements über Intelligent Design reagiert?
Die Stärke, in der ich angegriffen wurde, ist tatsächlich irrsinnig. Ich gab hier an der Universität von Colorado eine öffentliche Vorlesung über Intelligent Design, und eine ganze Anzahl von Biologieprofessoren der Universität verlangten, dass ich gefeuert würde. Einer von diesen Professoren, Michael Klymkowsky, ging so weit, dass er seine eigene öffentliche Vorlesung als Antwort auf die Meinige organisierte. Unglücklicherweise für ihn endete seine Vorlesung in Unordnung, indem er meine Ansichten falsch wiedergab und es verpasste, eigene Argumente zu bringen. Zu Beginn war die Zuhörerschaft zum größten Teil auf seiner Seite, aber am Ende wussten sie nicht mehr, was sie denken sollten, da seine Argumente so schwach waren.
So habe ich absurde Kritiken erhalten wie diese, aber ich habe auch eine Menge Unterstützung bekommen, besonders von Philosophen, denen nicht besonders viel am Kampf um Intelligent Design liegt. Sie haben keine großen Anstrengungen auf sich genommen, um ID zu erforschen, aber sie schätzen meine offene Perspektive. Sie haben mir auch gesagt, dass sie beunruhigt seien über die engstirnigen und emotionsgeladenen Angriffe auf Seiten der philosophischen und wissenschaftlichen Kritiker des Intelligent Design. Es war sehr ermutigend, diese Art der Unterstützung zu bekommen.
Sie haben geschrieben, dass die Argumente für Intelligent Design Sie weniger sicher gemacht haben bezüglich Ihres Atheismus. Was würde es brauchen, damit Sie ihn vollständig aufgeben?
Manche Menschen sind aufgrund der göttlichen Offenbarung dazu gekommen, an Gott zu glauben, was intellektuell gesehen legitim ist, soweit ich betroffen bin. Ich wünschte, ich hätte auch diese Art einer tiefgreifenden offenbarenden Erfahrung, denn dann könnte ich aufhören, mich mit philosophischen Argumenten abzuquälen und mit dem Ausmaß, in welchem das Feintuning des Universums auf einen Schöpfer hinweist. Doch die Tatsache ist, dass ich das nicht habe. Viele andere Menschen haben das auch nicht, was uns nach alternativen Arten eines Beweises suchen lässt. Ich finde den geschichtlichen Beweis des Christentums – oder irgend einer anderen Religion, wenn wir schon dabei sind – nicht besonders überzeugend. Es ist nicht so, dass diese Art des Beweises definitiv mangelhaft ist, es ist nur so, dass es für mich nicht genug überzeugend ist. Abgesehen von der Offenbarung und dem geschichtlichen Beweis ist der meiner Meinung nach beste Ort, um Gott zu finden, in der Wissenschaft, und das ist einer der Gründe, weshalb ich so motiviert bin, um über Intelligent Design nachzudenken.
Welche Art des wissenschaftlichen Beweises wäre dann überzeugend genug, um Ihre Meinung zu ändern?
Es wäre ein Hinweis darauf, dass ein verstandesmäßiger innerer Sinn die grundlegende Eigenschaft des Universums ist. Meinetwegen könnte Gott ein rein seelisches Wesen sein, ohne auf die Art mit der physikalischen Realität verbunden zu sein wie wir es sind durch unsere Körper. Wenn wir also eine Art von Beweis fänden, dass der innere Sinn grundlegend ist, dann würde mich dies auf den langen Weg bringen, mich zu einem Gläubigen zu machen. Und wenn wir einen Hinweis finden könnten darauf, dass die physikalische Welt nicht ursächlich geschlossen ist – dass nicht nur der Verstand eine grundlegende Einheit ist, sondern er gleicherweise eine grundlegende Rolle spielt in der Struktur der Welt – dann würde dies auch ein überzeugender Hinweis sein für die Existenz Gottes. Wenn nun aber herausgefunden würde, dass der verstandesmäßige Sinn nur eine Rolle in den Prozessen unseres Gehirns spielt, dann würde mich das allein nicht dazu bringen, an Gott zu glauben, obschon es mich sicherlich offener für diese Idee machen würde. Aber wenn wir entdecken würden, dass ein verstandesmäßiger innerer Sinn sich an anderen Orten in der Welt einmischen würde als allein in den Prozessen unseres Gehirns, dann wäre dies so ziemlich der unwiderlegbare Beweis.
Gibt es noch andere atheistische Wissenschaftler, die auch glauben, dass die Argumente für Intelligent Design einen gewissen Wert haben?
Thomas Nagel kommt mir in den Sinn als jemand, der findet, dass die Argumente für Intelligent Design Wert haben, obwohl er ein Atheist ist und überhaupt nicht geneigt, an Gott zu glauben. In seinem neuen Buch „Mind and Cosmos“ (Geist und Kosmos) drängt er auf eine teleologische Theorie der Realität, welche sich von den üblichen naturalistischen Ansichten der Wissenschaft unterscheidet, aber auch anders als die Intelligent Design-Hypothese. Nagels Ansicht ist, dass das Universum grundlegend zielorientiert ist. Es hat einen teleologischen (zielgerichteten) Aufbau, den wir eines Tages durch wissenschaftliche Forschung entdecken werden. Teil dessen, wie Nagel für diese Theorie argumentiert, ist durch das positive Zitieren von Argumenten der Befürworter des Intelligent Design, von welchen er glaubt, dass sie eher die Existenz seiner teleologischen Struktur befürworten als einen Designer.
Nebst Nagel gibt es auch eine Reihe von atheistischen Physikern, die offen sind für ID-Argumente. Ein Teil des Grundes dafür ist, wie ich denke, dass Physiker dabei sind, den grundlegenden Aufbau der Realität zu studieren, was zu allen möglichen tiefgreifenden Fragen führt. Und wenn man beginnt, solche Fragen zu stellen – Warum haben wir die Naturgesetze, die wir haben? Warum haben wir drei räumliche Dimensionen? Warum gibt es überhaupt ein Universum? – dann ist die Hypothese eines Designers eine hervorragende. Obwohl ich persönlich sie zurückweise, sollte es doch aus unserem heutigen Gespräch sehr deutlich hervorgehen, dass ich denke, dass man sie ernst nehmen sollte.
Bradley Monton – Außerordentlicher Professor der Wissenschaftsphilosophie an der Universität von Colorado – BA in Physik und Philosophie an der Rice Universität – PhD in der Philosophie von der Princeton Universität – Autor von Seeking God in Science: An Atheist Defends Intelligent Design

Am Schöpfer kommt niemand vorbei

Die Bibel macht uns ganz deutlich und unzweideutig klar, dass niemand an Gott dem Schöpfer vorbeikommt. Zahlreiche Verse machen dies klar:
Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis; nur Toren verachten Weisheit und Zucht! (Sprüche 1,7)
Hier wird schon deutlich, dass jeder, der die Gottesfurcht ablehnt, sich dadurch letztlich als unvernünftig outet. Paulus schreibt im Brief an die Kolosser über den Herrn Jesus:
Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; und er ist vor allem, und alles hat seinen Bestand in ihm. (Kolosser 1, 15 – 17)
Wenn es also Naturgesetze gibt, so sind diese darauf zurückzuführen, dass der Herr Jesus dafür sorgt, dass sie Bestand haben, denn “alles hat seinen Bestand in Ihm”. Auch die Tatsache, dass Gott der Schöpfer ist, kann aus dem Vorhandensein der Schöpfung gelesen werden:
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. (Psalm 19,2)
Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben. Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht. (Römer 1, 18 – 24)
Die Bibel macht uns klar, dass es ohne die Bereitschaft, sich Gott unterzuordnen, keine echte Wissenschaft geben kann. Der moderne Atheismus oder philosophische Naturalismus ist der vergebliche Versuch, Wissen zu schaffen, ohne sich dem Gott der Bibel unterordnen zu müssen. Systematisch wird Gott ausgeklammert, indem a priori davon ausgegangen wird, dass es “keine übernatürliche kreative Intelligenz” (Richard Dawkins) gebe.
Damit wird zunächst das Fundament der Wissenschaft aufgegeben. Wenn Wissenschaftler davon ausgehen, dass die physikalische, natürliche Welt bestimmten Naturgesetzen unterworfen sei, die man erforschen könne, so stellt sich natürlich die Frage, woher diese kommen. Der philosophische Naturalismus kann und will darauf keine Antwort geben. Wissenschaft an sich konnte nur auf der Grundlage entstehen, dass man von einem kreativen Plan hinter dem Geschehen ausging. Die gesamte Geschichte der Wissenschaft zeigt dies. Wo immer dieses Fundament aufgegeben wird, kommt es zu Dualismen, die sich widersprechen. Das Leben wird in verschiedene Teile zerstückelt, für welche jeweils andere “Gesetze” gelten, die – alles zusammen genommen – einander widersprechen.
Der philosophische Naturalismus geht zum Beispiel davon aus, dass in einem geschlossenen System immer dieselben Gesetze zu denselben Ergebnissen führen. Da jedoch der Mensch selbst auch zu diesem System dazu gehört, ist es ihm unmöglich, objektive Messungen zu machen. Oder wenn er versucht, ein solches System außerhalb seiner selbst herzustellen, wird es ihm unmöglich sein, das Ergebnis zu messen.
Es ist äußerst interessant, zu sehen, wie exakt Paulus diese Veränderung vorhergesehen hat:
Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht. (Römer 1, 24)
Nun wird die Natur – also die Schöpfung – plötzlich zum neuen Götzen, indem man nicht mehr Gott, sondern der Schöpfung den Ehrenplatz gibt. Der Mensch und sein Verstand wird zum Maßstab aller Dinge, denn die Natur hat ja alles aus sich selbst hervorgebracht. So verblendet ist man inzwischen geworden.
Gerade da wir als Gläubige wissen, dass Gott uns die ganze Wahrheit gegeben hat und wir mit der Bibel den Maßstab für alle Dinge im Leben haben, lasst uns daran festhalten und auch dort, wo man uns belächelt, fest an dem halten, was Gott uns gegeben hat. Wir haben nichts Relatives, nichts was nur das private Leben betrifft, sondern die absolute Wahrheit, die zu allen Zeiten gelten wird, bis der Herr wiederkommt und später alles neu schaffen wird. Unsere Aufgabe ist es nicht, wissenschaftsfeindlich zu sein. Sie ist nicht unser Feind. Sie ist in vielen Dingen ein Fortschritt, der uns Gott näher bringen kann. Aber die Wissenschaft muss mit der Lupe von Gottes Wort betrachtet und beurteilt werden. Und je mehr wir das tun, desto größer wird uns der Gott der Bibel, der lebendige und ewige und einzige Gott.

Der “Neue Atheismus”

Den folgenden Artikel habe ich für die diesjährige Januar-Ausgabe der Zeitschrift GEISTbewegt! verfassen dürfen. An dieser Stelle ein herzliches “Danke” an das Redaktionsteam für diese super Möglichkeit und die liebevolle Gestaltung des passenden Layouts. Wer die Möglichkeit dazu hat, möge sich den Artikel in der Zeitschrift zu Gemüte führen, da die Doppelseite wirklich gut geworden ist. Hier der Artikel:

Der „Neue Atheismus“ und wie wir ihm begegnen können

„Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Deshalb mach dir keine Sorgen und genieße dein Leben.“ Mit diesem Werbe-Slogan startete 2008 die sogenannte Atheist Bus Campaign in London. Die britische Journalistin Ariane Sherine hat diese Aktion initiiert und organisiert, welche in verschiedenen Ländern, so auch in Deutschland, zahlreiche Nachahmer fand. Inzwischen hat die Diskussion auch in die Presse und natürlich in viele Internetforen Einzug gehalten. Immer mehr Menschen meinen, sich auszukennen, weil sie die allgemeinverständlichen Bücher der „New Atheists“ gelesen haben.
Was ist der „Neue Atheismus“?
Der „Neue Atheismus“ ist eine Bewegung, die vor allem seit den New Yorker Anschlägen am 11.09.2001 versucht, alle Religionen und Glaubensrichtungen der Glaubwürdigkeit zu berauben und offensiv den atheistischen Darwinismus als einzige vertrauenswürdige Glaubensgrundlage zu begründen. Im Herbst 2006 bezeichnete die amerikanische Online-Zeitschrift „wired“ diese Bewegung zum ersten Mal als „New Atheism“. Kurze Zeit später schlossen sich vier britische Forscher als „The Four Horsemen“ (die vier Reiter aus Offenbarung 6) zusammen: Richard Dawkins, Sam Harris, Daniel Dennett und der im Dezember 2011 verstorbene Christopher Hitchens. Ihr erklärtes Ziel ist die „Aufklärung der Menschheit“, um sie vor dem „Terror der Religion“ zu bewahren.
Verurteilt wird von diesem neuen Atheismus jede Form von religiösem Dogmatismus und Fundamentalismus, wobei man natürlich denselben Maßstab beim eigenen Fundament nicht anlegen will. In seinem Standardwerk des neuen Atheismus „Der Gotteswahn“ schreibt Richard Dawkins auf S. 25 – 26:
„Ein Atheist oder philosophischer Naturalist in diesem Sinn vertritt also die Ansicht, dass es nichts außerhalb der natürlichen, physikalischen Welt gibt: keine übernatürliche kreative Intelligenz, die hinter dem beobachtbaren Universum lauert, keine Seele, die den Körper überdauert, und keine Wunder außer in dem Sinn, dass es Naturphänomene gibt, die wir noch nicht verstehen. Wenn etwas außerhalb der natürlichen Welt zu liegen scheint, die wir nur unvollkommen begreifen, so hoffen wir darauf, es eines Tages zu verstehen und in den Bereich des Natürlichen einzuschließen.“
Diese Aussage steht unbegründet im Raum. Dass es sich dabei ebenso um ein Glaubensbekenntnis handelt, wird übergangen. Es gibt keine sinnvolle, schlüssige Begründung für dieses Vorurteil. Der Leser muss es einfach glauben. Wer etwas Gegenteiliges behaupten will, wird in den Zugzwang gebracht: Der Atheist muss nichts begründen, jeder andere hingegen wird dazu verdonnert, sich dem Atheismus gegenüber zu rechtfertigen. Dies alles führt aber dazu, dass der neue Atheismus letzten Endes nichts anderes ist als genau das, was er verurteilt: Ein fanatischer dogmatischer Fundamentalismus.
Menschen auf der Suche
Je mehr sich jedoch einerseits der neue Atheismus mit seinem aggressiven Vorgehen zeigt, desto mehr wächst auf der anderen Seite die Suche vieler Menschen nach dem Mehr, das genau jene Einengung des Atheismus auf das Sichtbare übersteigt. Immer mehr Menschen sind offen gegenüber der Vielzahl an spirituellen Angeboten. In Meditation, fernöstlichen Heilmethoden und vielen weiteren Möglichkeiten wird das Heil der Seele gesucht. Da ist also Vorsicht gefragt: Nicht jeder, der sich dem christlichen Glauben gegenüber distanziert, ist ein „neuer Atheist“. Viele sind auf der Suche nach dem, was einzig Gott ihnen geben kann: Frieden, Heilung, Vergebung, Liebe, Angenommensein, ein Zuhause. Und wo wir schweigen, werden andere Angebote umso lauter sein.
Häufig sind Menschen auch einfach verbittert, weil sie von den Menschen verletzt wurden, von denen sie dachten, dass sie sich als Christen anders verhalten müssten. Hier muss ein Unterschied klar gemacht werden: Christen machen Fehler, Christus nicht. Ebenso die zahlreichen Kriege, die in der Vergangenheit durch Angehörige christlicher Kirchen begonnen wurden, sind oft ein Argument. Auch hier gilt: Kirchen bestehen aus Menschen. Menschen machen Fehler. Menschen werden schuldig. Immer und immer wieder. Einzig Christus nicht.
Es ist beklagenswert, dass der Glaube an Jesus als Religion missverstanden wird. Eine Religion zeichnet sich dadurch aus, dass der Weg zur Erlösung vom Menschen erarbeitet werden muss. Davon ist im christlichen Glauben aber keine Rede. Vielmehr ist es Gott selbst, der auf die Erde kommt und die Erlösung vollständig vollbringt. Der Mensch darf diese Erlösung im von Gott gewirkten Glauben annehmen und sich zu eigen machen. Aber er muss nichts dafür tun, um sie sich zu verdienen, ja vielmehr noch: er kann geradezu nichts dafür tun! Die Erlösung und das Leben als Christen ist von Gott gemacht – im Wollen und im Vollbringen.
Eine christliche Antwort auf den „Neuen Atheismus“
Wie können wir dem „Neuen Atheismus“ begegnen? Zu aller erst indem wir zwischen der Person und ihrer Ideologie unterscheiden. Gott hasst die Sünde, aber liebt den Sünder. So liebt der Christ den Atheisten, lehnt aber seine atheistische Ideologie ab. Die Bibel ist deutlich in Bezug auf den Atheismus. Paulus schreibt im Brief an die Römer:
„Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben. […] Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht.“ (Römer 1, 18 – 23)
Das Zitat von Richard Dawkins macht dies deutlich: Gott wird nicht mit Argumenten weg erklärt, sondern einfach durch Definition ausgeklammert. Es darf keinen Gott geben, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Er geht wie ein Schüler vor, der eine Gleichung mit zwei Unbekannten lösen muss, und zu bequem ist, die zweite Gleichung in die erste umzuformen und einzufügen. Er setzt die eine der zwei Unbekannten (Gott) gleich null und kommt so immer zu einem Ergebnis. Ob dieses Ergebnis nun richtig ist oder nicht, das ist eine andere Frage. In der Schule würde Dawkins mit diesem Vorgehen durchfallen. In der Forschung wird er dafür umjubelt.
Da er nun aber tatsächlich immer zu einem Ergebnis kommt, muss dieses geprüft werden. Und dazu haben wir Gottes Wort, welches die unumstößliche Wahrheit ist. Die Argumentation der Atheisten ist in sich schlüssig, sie geht auf. Aber sie baut auf falschen Grundannahmen auf, weil sie Gott schon vor der eigentlichen Argumentation ausgeklammert hat. Mit der Bibel in der Hand können wir dem Atheismus eine andere Sicht gegenüberstellen. Wichtig ist dabei, dass wir bei diesen Dingen, wo die Bibel klar, deutlich und vollkommen zuverlässig ist (die Entstehung der Natur und des Menschen, die Bedeutung der Sünde und des Todes, das Alter der Erde, die Geschichte der Menschheit) keine Kompromisse eingehen dürfen. Denn sonst gibt es für uns kein sicheres, beständiges Fundament des Glaubens und der Erkenntnis mehr, sobald wir uns auf das in sich schlüssige Fundament der neuen Atheisten begeben.
Der Slogan „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott“ dient somit keineswegs einer Aufklärung der Menschheit. Selbst den Atheisten hat offenbar der Mut gefehlt, das Wort „wahrscheinlich“ zu streichen. Genau genommen entlarvt dieser Umstand die Feigheit dieser Religionsgründer. Es scheint, als wollten sie sich ein kleines Hintertürchen offen halten. Dennoch ist dieser Werbeslogan dazu geeignet, die Menschen in einer kaum zu überbietenden Hoffnungslosigkeit zurückzulassen. Wie viel hoffnungsvoller und freimachender erweist sich da das Angebot Jesu: „Weil ich lebe, sollt ihr auch leben!“ (Johannes 14, 19)