Unsere goldenen Kälber

Unsere goldenen Kälber
Wem wollt ihr denn Gott vergleichen? Oder was für ein Ebenbild wollt ihr ihm an die Seite stellen? Das Götzenbild? Das hat der Künstler gegossen, und der Goldschmied überzieht es mit Gold und lötet silberne Kettchen daran. Wer aber zu arm ist, wählt als Weihegeschenk ein Holz, das nicht fault, und sucht sich einen Schnitzer, der ein Götzenbild herstellen kann, das nicht wackelt.(Jes. 40, 18 – 20)
Diese Worte sind an das Volk Israel zur Zeit der Gefangenschaft in Babylon gerichtet. In dieser Zeit war es den gefangenen Völkern verboten, einen eigenen Gottesdienst zu haben, sofern sie beim offiziellen Staatsgötzendienst nicht mitmachen wollten. In der babylonischen Religion ging es in erster Linie darum, dass die Götter durch Opfer den Menschen wohlgesinnt gemacht werden sollten und es gab Tempel, in welchen die Opfer genau betrachtet und dadurch Wahrsagerei betrieben wurde, ob die jeweilige Gottheit das Opfer angenommen hat oder nicht.
Unsere heutige Zeit ist geprägt von einer Religion der Selbstvergötzung des Menschen. Das Ich wird ins Zentrum gerückt, die Gefühle, Erlebnisse, Erfahrungen und der Verstand stehen total im Mittelpunkt unserer Zeit. Der Mensch sucht sich also nicht mehr einen Schnitzer, der ihm das Holz zu einer Götzenstatue macht, sondern vielmehr ist jeder seines Götzendienstes eigener Schmied. Sei es nun der Geldbeutel, die Sicherheit im Leben und im Alter, der gesellschaftliche Status, der Erfolg im Beruf oder die Familie – der modernen goldenen Kälber ist keine Grenze gesetzt. Auch ist das Streben nach Macht ein ständiger Faktor für menschlichen Götzendienst.
Götzendienst ist immer ein Dienst am Bösen. Im Roman „Der Herr der Ringe“ gibt es hierfür ein sehr gutes Bild. Wer den einen Ring hat, dem ist die Macht über die anderen Ringe weitgehend auch übertragen. So gibt es diese Ringe:
„Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.“
In dem Roman wird sehr gut dargestellt, wie der eine Ring, der nämlich die Macht hat, die übrigen zu finden, immer danach strebt, zu seinem ursprünglichen Besitzer zurückzukommen. Götzendienst hat ein Eigenleben, das immer Dienst am Bösen ist. Götzendienst ist Dienst am Tisch der Dämonen sagt uns Paulus. Und er hat recht damit. Doch wer heutzutage auf die Religion der Selbstvergötzung und die Religion der Wissenschaftsvergötzung und der Mammonvergötzung verzichtet, hat keinen einfachen Stand in dieser Welt. Wie das Israel zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft müssen auch wir uns immer wieder fragen, ob wir um des einfacheren Lebens willen nicht doch angefangen haben, uns dieser modernen Religion hinzugeben, die den Menschen ins Zentrum stellt.
Auch unsere Verkündigung muss sich immer wieder fragen lassen, ob sie nicht etwa begonnen hat, den Menschen mit seinen Problemen ins Zentrum zu stellen und Gott außen vor zu lassen. Was wir brauchen, ist theozentrische Verkündigung. Also eine Verkündigung, die Gott als Urheber und Täter von allem Guten ins Zentrum stellt. Wir müssen lernen, dass das Einzige, das der Mensch zu seiner Erlösung beitragen kann, die Sünde und Schuld ist, von der er erlöst werden muss. Die Rettung ist von A – Z alles Gottes Werk. Nicht der Mensch muss Gott annehmen, sondern Gott muss den Menschen annehmen, der sich als Gottes Feind offenbart und sein Leben lang nie etwas anderes tun kann, als Sünde auf Sünde zu häufen und Schuld auf Schuld zu laden. Daran sehen wir die Größe, Herrlichkeit und Liebe Gottes, dass Er TROTZDEM bereit ist, alles zu tun, um den Menschen zu retten, der aus sich selbst nichts anderes tun kann, als sich gegen Gott aufzulehnen. Deshalb ist jede Errettung ein Akt der souveränen Gnade Gottes. So groß ist unser Gott, der Herr der Ewigkeit!

Selbsterkenntnis

Ein Thema, mit dem wir uns alle immer wieder auseinandersetzen sollten. Hier ein Auszug von einer der besten Schriften darüber:

Johannes Calvin über die rechte Selbsterkenntnis

„Der Menschengeist hat nichts lieber, als wenn man ihm Schmeicheleien vormacht; und wenn er hört, dass seine Fähigkeiten irgendwo hoch gerühmt werden, so neigt er sich gleich mit allzu großer Leichtgläubigkeit auf jene Seite! Deshalb ist es auch nicht zu verwundern, dass in diesem Stück der größte Teil der Menschheit so verderbenbringend sich verirrt hat. Denn allen Sterblichen ist eine mehr als blinde Selbstliebe eingeboren, und deshalb reden sie sich bereitwilligst ein, sie trügen nichts in sich, das etwa mit Recht zu verwerfen wäre! Und so findet ohne fremden Schutz dieser eitle Wahn immer wieder Glauben, der Mensch sei sich selbst völlig genug, um gut und glücklich zu leben.

Gewiss: Einige wollen bescheidener urteilen und Gott einen Anteil zugestehen, damit sie nicht den Eindruck machen, als ob sie sich alles selbst zuschreiben wollten – aber da teilen sie denn doch so, dass der stärkste Grund zum Rühmen und zum Selbstvertrauen auf ihre eigene Seite kommt! Kommt dazu dann noch solch feine Redeweise, welche den sowieso im Menschen mit Mark und Bein verwachsenen Hochmut mit ihren Lockungen kitzelt, so gibt es nichts, was ihm größere Freude machte! Und so ist auch jeder, der die Vorzüge der menschlichen Natur mit seinen Reden kräftig herausgestrichen hat, zu allen Zeiten mit gewaltigem Beifall aufgenommen worden.

Aber so groß, wie auch jene Hervorhebung der menschlichen Hoheit sein mag, die den Menschen lehrt, sich mit sich selber zufrieden zu geben – sie macht ja nur durch ihre liebliche Gestalt solches Vergnügen, und ihre Vorspiegelungen erreichen nur dies, dass sie die, welche ihr zustimmen, am Ende ganz ins Verderben stürzt. Denn wozu kann es führen, wenn wir in eitlem Selbstvertrauen erwägen, planen, versuchen, ins Werk setzen, was wir für erforderlich halten, wenn uns dabei aber der rechte Verstand ganz und gar abgeht, wir bei den ersten Versuchen bereits rechter Kraft ermangeln – und dennoch selbstsicher fortschreiten, bis wir in den Untergang hineinrennen? Leiht man jenen Lehrern das Ohr, die uns bloß damit hinhalten, unser Gutes zu bedenken, so kommt man eben nicht zur Selbsterkenntnis, sondern zur Selbst-Unkenntnis!“

Johannes Calvin, Institutio 2, I, 2; übersetzt von Otto Weber.

Praktische Konsequenzen ziehen

Aus dem gestern rezensierten Buch Wer bin ich, wenn ich online bin… …und was macht mein Gehirn so lange? von Nicholas Carr habe ich versucht, ein paar Konsequenzen für mein tägliches Leben und den Umgang mit dem Computer und Internet zu ziehen. Da ich hochgradig schwerhörig bin, kann ich auf die digitale Kommunikation nicht einfach verzichten. Vielleicht sind die folgenden Punkte auch für jemand anders eine praktische Hilfestellung:

  1. Ich möchte meine Kräfte und meine Ressourcen möglichst sinnvoll und konzentriert nutzen.
  2. Ich habe meine kurzen Pausenzeiten, in welchen ich in den Foren, Social Medias und per eMail erreichbar bin, ansonsten sind diese Anwendungen geschlossen und können mich nicht erreichen.
  3. Ich lese so viel wie irgend nur möglich ist in Papierform, um mein Gehirn nicht an einen externen “Speicherplatz” zu gewöhnen, sondern möchte möglichst viel von dem Gelesenen auch aktiv bereithalten können. Dazu kann es auch sinnvoll sein, ein eBook mal auszudrucken, zum Beispiel mit der Funktion, die es einem erlaubt, zwei Seiten auf eine A4-Seite auszudrucken. Lesen kann man das meist nach wie vor und spart dadurch 50% an Papier und nochmal fast so viel an Tinte. Diese Vorgehensweise erlaubt es mir auch, die bedruckten Blätter mit Textmarkern einzufärben und meine Notizen handschriftlich dazu anzubringen.
  4. Ich denke über das nach, was ich gelesen habe und nach Möglichkeit suche ich andere Menschen, die sich auch mit dem Thema auskennen. Ich scheue dabei nicht, meine Sicht immer wieder erneut zu hinterfragen und bin bereit, sie bei besseren Argumenten auch zu revidieren.

Ich denke auf diese Weise kann man durchaus auch noch ein Stück weit selbst mitbestimmen, wie weit unser Gehirn vom Internet umfunktioniert wird. Wer noch mehr Tipps hat, immer nur her damit!

Wer bin ich, wenn ich online bin?

Das Internet verändert nicht nur unser Verhalten, sondern unser gesamtes Dasein als Menschen. Diese Feststellung macht Nicholas Carr in seinem Buch Wer bin ich, wenn ich online bin… …und was macht mein Gehirn solange? Er beginnt im Prolog mit einer kurzen Zusammenfassung des Buches “Die magischen Kanäle” von Marshall McLuhan. Dieses Buch sei “eine Prophezeiung, in der die Auflösung des linearen Denkens vorhergesagt wurde.” (S. 15) Auf anschauliche und auch erstaunlich selbstkritische und reflektierte Art und Weise durchleuchtet Carr in den folgenden Kapiteln, wie das Internet unser Denken beeinflusst und unser Gehirn verändert.

Spannend ist die Feststellung, dass jedes neue Werkzeug unser Gehirn verändert. Wenn wir zum Beispiel lernen, mit einer Zange umzugehen, so wird die Zange für das Gehirn zu einem Körperteil, bzw. das Gehirn “denkt” sich die Zange als Verlängerung des Arms. Anschaulich führt der Autor danach die Geschichte der wichtigsten menschlichen Werkzeuge aus: Schrift, Karte, Uhr, Buchdruck, Phonograph, Radio, Computer, Internet. Jedes neue Werkzeug beinhaltet auch ein eigenes Ethos. (Der Autor nennt es “die geistige Ethik”). Da zuerst Bücher laut gelesen wurden, weil die Schrift noch keine Lücken zwischen den Worten kannte und das Lesen deshalb anstrengend war, veränderte sich die “geistige Ethik” des Buches mit der Einführung von Satzzeichen und Lücken zwischen den Worten: “Die Entwicklung des Wissens wurde zunehmend zu einem privaten Akt, bei dem jeder Leser in seinem eigenen Geist eine persönliche Synthese der Gedanken und Informationen schuf, die ihn durch die Schriften anderer Denker erreichten. Der Gedanke des Individualismus wurde dadurch immer stärker.” (S. 113)

Das Internet und auch seine Texte bestehen zu einem Großteil aus Hyperlinks. Diese sind Verweise, die mitten im Text stehen. Sie führen uns direkt dorthin, worauf sie verweisen. Dies führt verschiedenen Studien zufolge zu einer starken Belastung unserer Ressourcen im Gehirn. Das Auswerten von Verweisen während des Lesens ist eine sehr anstrengende Sache. Carr schreibt dazu: “Wann immer wir – als Leser – auf einen Hyperlink stoßen, müssen wir wenigstens für einen Sekundenbruchteil innehalten, damit unser präfrontaler Kortex entscheiden kann, ob wir ihn anklicken sollen oder nicht. […] In dem Augenblick, in dem sich die exekutiven Funktionen des präfrontalen Kortex zusätzlich einschalten, wird unser Gehirn nicht nur trainiert, sondern überfordert. […] Bei der Online-Lektüre opfern wir die Ressourcen, die ein vertieftes Lesen erst ermöglichen, sagt Maryanne Wolf. […] Unsere Fähigkeit, jene reichen geistigen Verbindungen zu bilden, die beim ungestörten und konzentrierten Lesen entstehen, bleibt dabei weitgehend ungenutzt” (S. 194)

Da unser Gehirn jedes Werkzeug als ein neuer Teil des Körpers betrachtet, sieht er nun auch den Computer und das Internet als einen externen Speicher an. Anders gesagt: Das Gehirn verlässt sich auf den Speicher namens Internet und benutzt sich selbst vornehmlich als “Wissen, wie man zum Wissen kommt”. Es wird mehr nur noch der “Datenpfad”, die “Datenstruktur” zur gewünschten bzw. gelesenen Information gespeichert, der eigentliche Inhalt geht nur noch über äußerst viel Lernen in den Kopf rein. Das eigentliche Verstehen, das persönliche Verständnis des Gelesenen bleibt dabei außen vor. Ein weiterer Faktor ist auch die Tatsache, dass das Internet mit seiner vernetzten Datenstruktur eine relativ ähnliche Struktur aufweist wie das Gehirn mit seiner Vernetzung via Synapsen. Die beiden Netze sind “grundsätzlich kompatibel und leicht zu verbinden”. (S. 329)

Nicht zuletzt sollte man laut Nicholas Carr auch bedenken, dass das Internet und auch der Computer ganz allgemein uns immer mehr Möglichkeiten geben, unsere Entscheidungen, die eigentlich nicht nur Wissen, sondern Weisheit benötigen, an eine Rechenmaschine abzuschieben. Die immer leichter und intuitiver zu bedienenden Programme, Oberflächen und Browser führen uns doch allzu gerne in Versuchung, nicht mehr selbst entscheiden zu müsse, sondern sich einen “Tipp” anzeigen zu lassen, der uns die Entscheidung (und damit vermeintlich auch die Verantwortung für unser Handeln) abnimmt. Carr hat damit ein sehr empfehlens- und überdenkenswertes Buch geschrieben.

Man muss nicht in allem seiner Meinung sein, um dennoch erkennen zu können, dass das Internet weit größere Folgen für die Menschheit und unsere Zukunft hat, als wir gerne zugeben. Hier kann das Buch bestellt werden.

Das Evangelium – Die Kraft Gottes

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Rettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen; denn es wird darin geoffenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: ”Der Gerechte wird infolge von Glauben leben”. (Römer 1, 16 – 17)

Wenn man den ganzen Römerbrief einmal aus der “Vogelschau” betrachtet, muss man sagen, dass diese beiden Verse die beste Zusammenfassung des ganzen Briefes sind. Natürlich darf man sie nie losgelöst vom restlichen Inhalt des Briefes betrachten, sonst kommt man leicht in falschen Spekulationen um. Aber der Rest des Briefes dient hauptsächlich dazu, um genau diese beiden Verse im Detail zu erklären. Es gibt wohl nur wenige Christen heute, die mit voller Überzeugung sagen können: Ich schäme mich des Evangeliums nicht. Zumindest leben die wenigsten so, dass man es ihnen abnehmen würde. Wie wenige sind es, die täglich das Evangelium von Jesus Christus im Mund führen und bei jeder guten Gelegenheit davon erzählen. Doch, ach, wieviel Grund hätten wir, das zu tun! Doch das Evangelium ist nicht dafür geschaffen, um uns großes Ansehen vor der Welt zu bringen. Vielmehr bringt es uns viel Spott, üble Nachrede, und in gewisser Weise Verfolgung. Das ist der Hauptgrund, weshalb viele sich des Evangeliums schämen. Ohne dies zu wollen, drücken sie damit folgendes aus: Ich war so blöd, dass ich auf das Evangelium reingefallen bin! Das Evangelium vom Kreuz Christi hat viele Ecken und Kanten. Es ist nicht angenehm. Deshalb versuchen manche, diese Ecken und Kanten rund zu schleifen. Dies geschieht vor allem durch Theorien, die den Menschen gefallen sollten. Doch damit machen wir ein falsches Evangelium! Es ist dann so, wie wenn wir als Bauarbeiter den Auftrag bekommen, ein Haus zu bauen mit Satteldach, das Geld dafür überwiesen bekommen und dann statt dem Satteldach ein Flachdach bauen, um den Rest des Geldes in die eigene Tasche zu stecken. Gott hat uns den Auftrag gegeben, SEIN Evangelium weiterzugeben. Wenn wir es stattdessen verfälschen, um selbst auch noch ein Stückchen vom Ruhm einzuheimsen, ist das Betrug an Gott und am Evangelium.

Im Evangelium finden wir Gottes ganze Kraft verborgen. Nicht an allen Menschen tut es die gleiche Wirkung. Und genau da liegt die Gefahr. Wir vertrauen zu oft nicht, dass es wirklich diese Kraft hat. Wir haben diese Kraft nicht selbst in der Hand, können nicht beliebig über sie verfügen. Und das ist es, was viele Menschen eigentlich wollen: Alles, was sie tun, selbst in der Hand haben, selbst über das bestimmen zu können, was passiert. Deshalb beginnen sie auf menschliche Art und Weise zu manipulieren. Dadurch wird das Evangelium plötzlich zu einem Anti-Evangelium, einem Anstatt-Evangelium, das an die Stelle des Evangeliums gestellt wird. Plötzlich ist nicht mehr Gott und das Erlösungswerk Jesu Christi das Zentrum, sondern der einzelne Mensch wird ins Zentrum gestellt. Der Mensch und seine persönliche Entscheidung wie das genannt wird. Nicht mehr Gott hat sich für den Menschen entschieden, sondern Gott ist so bedürftig, dass der Mensch sich für ihn entscheiden und ihn annehmen muss. Ob man da noch von Evangelium reden kann, ist eine andere Frage. Wenn nämlich Gott plötzlich so schwach ist und Hilfe von uns Menschen braucht, um etwas bewirken zu können, dann ist das eine ganz schlechte Nachricht. Doch wenn wir Gottes Kraft nicht missbrauchen noch manipulieren wollen, sondern sie nach Gottes Plan und Willen anwenden, wird sie auch etwas bewirken. Sie wird den Menschen Sünden sichtbar machen und sie damit aufs Tiefste verletzen. Sünde ist wie Eiter in einer Wunde: Sie muss geöffnet und gereinigt werden. Das ist mit Schmerzen verbunden. Aber bei den Menschen, die von Gott zur Annahme des Evangeliums vorbereitet wurden, werden es auch annehmen. Da kann kein Zweifel bestehen. Es beginnt immer mit einer totalen Kapitulation: Ich kann Gott nicht genügen, egal wie viel guten Willen ich Ihm entgegenbringe. Alles, was meine sündenbeschmutzten Hände berühren, wird automatisch auch befleckt. Es gibt nur genau eine einzige Möglichkeit, um davon loszukommen: Ich muss auf die von Gott vorbereitete Art und Weise gereinigt werden. Dies geschieht auf eine abschreckende Art und Weise: Durch das geflossene Blut von Jesus Christus am Kreuz. Dieses Blut ist das Waschmittel für unsere Sündigkeit. Wenn wir unsere Sünden bereuen, sie Gott bekennen (am besten mit einem Seelsorger zusammen) und wirklich an dieses göttliche Waschmittel glauben, so werden wir gerettet. Jesus Christus hat die Schuld und die Strafe für all unsere Unzulänglichkeiten getragen, hat Sich dafür mit einem grausamen Tod bestrafen lassen, aus Liebe zu uns. Ihm allein sei Lob, Dank und Ehre in Ewigkeit.

Wem gilt denn nun das Evangelium? Dieser Frage müssen wir nun nachgehen. Es ist Gottes Kraft zur Rettung. Letztendlich, so müssen wir festhalten, wird es nur für diejenigen zur Guten Nachricht, die Gott in Seinem souveränen Akt der Vorherbestimmung dazu gesetzt hat. Nun ist es aber so, dass Er uns in Seiner Weisheit nicht gesagt hat, wer dazu gehört. Für uns, aus menschlicher Perspektive gesehen, ist es wichtig, dass wir bei jedem Menschen davon ausgehen, dass er auch zu der großen Schar der Auserwählten gehören kann und soll. Deshalb dürfen wir bei keinem Lebenden jemals aufhören, unter Gebet und Flehen zu Gott zu schreien, dass Er ganz bestimmten Menschen, die Er uns aufs Herz gelegt hat, die Augen des Herzens öffnen möge, damit sie sehend und glaubend werden. Für die Toten hingegen dürfen wir nicht beten, da wir uns sonst in die Fänge okkulter Praktiken begeben, die uns gefangen nehmen wollen. So sollen wir das Evangelium auch allen Menschen anbieten. Den Einen wird es zur Rettung, den anderen zum Verhängnis, aber das tut letztendlich nichts zur Sache. Jeder Mensch soll die Chance bekommen, es immer wieder zu hören. Paulus schreibt hier, es sei die Kraft Gottes für jeden, der glaubt. Es geht aber nicht darum, dass unser menschlicher Glaube Gott dazu bringen könnte, uns zu retten. Das wäre nämlich Werksgerechtigkeit und im Grunde genommen ein Ding der Unmöglichkeit. Echter biblischer Glaube ist etwas, das nur Gott schaffen kann. Und bei all denen, die von Gott zum Glauben bestimmt sind, wissen wir nicht, in welchem Moment Gott ihnen das Herz öffnen wird. Also ist es unser Auftrag, sie immer wieder und wieder daran zu erinnern, was der Herr Jesus für alle vollbracht hat, die gläubig werden.

Zuerst gehört das Evangelium den Juden, denn unter ihnen ist der Herr Jesus zur Welt gekommen. Aus diesem Grund ist es überaus notwendig, dass wir die Juden genauso missionieren wie alle anderen Völker auch. Denn zuerst ist das Evangelium den Juden bestimmt, das heißt, dass sie mit Vorrang das Evangelium hören sollen, um so auch zur Gemeinde hinzugefügt zu werden. Völlig falsch hingegen ist die leider weit verbreitete Ansicht, die Juden müssten nicht missioniert werden. In unseren Versen wird diese Meinung als total unrichtig und zu verwerfen bezeichnet. Solange die Juden den Herrn Jesus nicht haben, so lange haben sie auch Gott den Vater nicht. Sie laufen einem fremden Gott hinterher, den sie zwar Jahwe nennen, (bzw. HaShem oder Adonai, da sie es nicht wagen, den Namen Gottes überhaupt auszusprechen), der aber für sie nicht derjenige ist, der Jeshua, den Messias, gesandt hat.

Des Weiteren gehört das Evangelium auch den Griechen oder besser gesagt allen Nichtjuden. Auch unter ihnen hat Gott ein großes Volk. Der Begriff Juden und Griechen hat keine Begrenzung des Staates, sondern steht für alle Menschen. Und genau da beginnt auch unser Auftrag: Zu sehen, dass ohne Evangelium kein Mensch gerettet werden kann. Deshalb hat Gott direkt nach dem Sündenfall den Menschen zum ersten Mal das Evangelium verkündet. Das zeigt uns, wie wichtig es Ihm ist. Das Evangelium muss vorgelebt und weitererzählt werden. Unter Juden, Philosophen, Buddhisten, Satanisten, Atheisten, Agnostikern und allen weiteren Menschengruppen.

Nicht genug damit, dass Paulus vom Evangelium sagt, es sei die Kraft Gottes, nun behauptet er sogar noch, dass im Evangelium Gottes Gerechtigkeit sichtbar gemacht wird. Doch dies ist absolut korrekt und eigentlich die Quintessenz von seinem ganzen Brief. Das Evangelium von Jesus Christus ist der Mittelpunkt nicht nur des Neuen Testaments, sondern geradezu der ganzen Bibel. Im Lichte dieses Evangeliums wird die ganze Bibel, von der Erschaffung der Welt bis hin zum ewigen Leben mit Gott oder ohne Gott, verständlich und klar. Am Kreuz von Golgatha scheiden sich die Geister und genau da wird auch über eines jeden Leben entschieden. Wer Golgatha in seinem Leben hat, wird ewig mit Gott leben dürfen (und genau das hat Gott mit der Erschaffung der Welt bezweckt), wer aber stirbt ohne mit dem Herrn Jesus am Kreuz gestorben zu sein, wird zwar auch ewig leben, aber ohne Ihn. Deshalb ist Golgatha, der Ort der Siegesbotschaft, auch der Ort, der über das Leben von jedem einzelnen Menschen entscheidet. Golgatha zeigt die absolute Gerechtigkeit Gottes. Dies ist der Ort, an dem das Gericht über die Sünde, die Schuld der Sünde und die Folgen der Sünde geübt wird. Die Sünden von jedem einzelnen Gläubigen aus jeder Zeit werden dort verurteilt. Hier ist es wichtig, zu sehen, um wessen Sünden es geht. Wenn es nämlich wirklich um die Sünden von jedem einzelnen Menschen überhaupt ginge, so dürfte Gott im letzten Gericht niemanden mehr bestrafen. Da aber die Strafe der Hölle real ist und in Wirklichkeit vielen Menschen droht, braucht dieses Gericht auch eine strafbare sündige Handlung, die ihm vorausgeht. Deshalb ist der Herr Jesus auch “nur” für die Gemeinde gestorben und somit für eine beschränkte Anzahl von Menschen. Schon dann, wenn nur ein einziger Mensch verloren ginge, müssen wir von einer beschränkten Anzahl sprechen, da dann eine Person vom Heil ausgeschlossen ist. Klar, es sind sehr viele, die gerettet werden, aber nicht alle. Deshalb handelt es sich um eine beschränkte Sühne.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben. Sehr schön sieht man an diesem Vers diese biblische Lehre. Für Welt steht im griechischen Text das Wort Kosmos. Dieses umfasst alles, was Gott geschaffen hat. Doch hier ist die Interpretation falsch, wenn man denken würde, der Sohn habe die Sünden des kompletten Kosmos aus der Welt geschaffen, denn sonst müsste alles in diesem Kosmos wieder so perfekt sein wie vor dem Sündenfall. Vielmehr hat Gott Seine Liebe dadurch gezeigt, dass eine zuvor bestimmte Anzahl von Menschen, die sich das nicht verdienen konnten, um des ganzen Kosmos willen gerettet wird. Im achten Kapitel dieses Briefes führt Paulus das noch weiter aus (V. 19ff): Es ist die überaus starke Erwartung der gesamten Schöpfung, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist wie in den Wehen vor der Geburt, und erwartet den Moment, in welcher die Vollzahl der Gläubigen erfüllt ist, weil sie selbst dann auch von der Vergänglichkeit erlöst sein wird. Außerdem haben wir als Kinder Gottes auch einen besonderen Auftrag in der Erhaltung der Schöpfung. So wird diese in spezieller Art und Weise von der Gemeinde gesegnet und gepflegt. Deshalb wurde also am Kreuz von Golgatha die ganze Sünde, alle Sünden und die Schuld der Sünden aller Gläubigen bezahlt. Die Bezahlung einer Schuld führt zwangsläufig zur Freiheit des ehemaligen Schuldners. Unsere Aufgabe als Erlöste ist es nun, ein Leben in der Freiheit zu führen. Die Tatsache, dass der Herr Jesus uns befreit hat von dieser Schuld, soll uns nicht dazu verleiten, die Sünde auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern auch daraus für unser Leben lernen: Wir sollen uns von allem fern halten, was uns in Berührung mit Sünde bringen könnte. Echte Freiheit besteht nun mal nicht darin, tun und lassen zu können, was immer uns gerade einfällt, sondern darin, uns für das Richtige, nämlich das was Gott von uns und für uns möchte, entscheiden zu können. Nur wer sich dessen Tag für Tag bewusst ist, wird auch wirklich ein Leben führen können, das in der Ewigkeit zählt. Viel zu schnell lassen wir uns von Traditionen, Menschenfurcht oder falschen Prioritäten fesseln, lähmen und in die falsche Richtung wegzerren.

Nun kommen wir zur letzten wichtigen Frage in diesem Vers: Wie können wir von dem Evangelium für unser Leben Gebrauch machen? Paulus sagt uns: Dies geschieht durch den Glauben. Überlegen wir uns noch einmal: Das Evangelium ist die Gute Botschaft von all dem, was der Herr Jesus Christus für uns am Kreuz getan hat. Er hat unsere Sünde, unsere Schuld vor Gott, unsere Schande, unsere Krankheit, unseren Schmerz, unsere Verlorenheit, unsere Einsamkeit, unser Versagen alles zusammen genommen und vernichtet. Er hat uns von all diesem befreit, damit wir Gott und unsere Mitmenschen lieben sollen. Das ist das Ziel des Evangeliums. Nun wollen wir diese Freiheit für unser eigenes Leben in Anspruch nehmen und sie gebrauchen. Was es dazu braucht, sagt uns Paulus nun: Glauben. Und zwar “aus Glauben zum Glauben”. Wörtlich steht da im griechischen Text: ek (das heißt aus etwas heraus) und eis (in etwas hinein). Also: Aus dem Glauben heraus und in den Glauben hinein. Um zu verdeutlichen, was Paulus hier meint, möchte ich ein Beispiel dazu anbringen. Wenn aus einem kleinen Samen etwas wird, dann wächst die große Pflanze aus dem kleinen Samen heraus in die Luft hinein. Etwas Kleines wird zu etwas Großem. So ist es mit dem Samen auch. Deshalb sagte Jesus einmal: Wenn ihr nur Glauben hättet wie ein Samenkorn (also sehr klein), dann könntet ihr zu dem Felsen sagen: Hebe dich hinweg. Da steht aber nicht: Solange euer Glaube so klein ist wie ein Samenkorn. Vielmehr meinte Jesus: Ein Glaube in der Größe eines Samenkorns hat das Potential, zu einem Glauben zu werden, auf dessen Befehl hin Berge verschwinden müssen. Genau so ist Glaube: Er muss erst einmal gepflanzt sein, und anschließend, bei guter Pflege, wächst er heran und trägt viel Frucht. Damit jemand sich ernsthaft bekehren kann, ist notwendig, dass Gott zuvor den Glauben an das Evangelium pflanzt. Als Jesus zu den Jüngern sprach, konnten sie diesen Glauben noch nicht haben, denn Golgatha war noch nicht vollbracht. Aber heutzutage gibt es viele Menschen, die den Glauben von Gott geschenkweise bekommen haben.

Glaube ist wohl in der ganzen Bibel das Wort, welches am besten definiert ist. In Hebräer 11, 1 lesen wir: Aber der Glaube ist die Gewissheit der Dinge, die man erhofft und die Überzeugung dessen, was man nicht sieht. Zunächst ist der Glaube eine Gewissheit oder wörtlicher eine Substanz. Als solcher ist er keinesfalls aus der Luft gegriffen und darf nicht mit dem verwechselt werden, wenn Unwissende öfters mal sagen: Ich glaube, das Wetter wird nun langsam besser. Das ist kein biblischer Glaube. Echter Glaube, wie die Bibel ihn kennt, hat immer Substanz, entspricht damit den Tatsachen. Diese Tatsachen des Glaubens sind genauso real wie der Computer, der vor uns ist oder die Kerze auf dem Tisch. Der einzige Unterschied ist folgender: Wir können die Dinge des Glaubens nicht mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen. Zumindest üblicherweise nicht. Aber gerade deshalb ist es in besonderer Weise wichtig, sie gut zu kennen. Solange wir in einer Stadt unterwegs sind und nicht wissen, was unser Ziel sein soll, werden wir auch nie an irgend einem Ziel ankommen. Um unser Ziel zu kennen, ist es wichtig, so oft wie möglich in der Bibel zu lesen. Sie ist die Stadtkarte und zeigt unser Ziel an. Weiter ist es wichtig, dass wir uns einer Gemeinde verbindlich anschließen und dort treu die Predigten, Bibel- und Gebetsstunden besuchen. Gott wird diese Gelegenheiten zum Reden gebrauchen. Paulus schreibt, dass der Glaube aus dem aktuellen Hören der Predigt kommt, also keine konservierten Buch-, Fernseh-, Radio- oder Internetpredigten, sondern live Predigten in einer echten Gemeinde unter echter Gemeinschaft. So wird der Herr dies mit wachsendem Glauben – aus dem Glauben in den Glauben – bestätigen und reichlich segnen.

Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen

1. Einleitung

Die ganze Debatte von der Menschenwürde kann nur von einem Gesichtspunkt her ein festes Fundament und eine echte Begründung bekommen: Von der Tatsache, dass jeder Mensch im Bilde Gottes geschaffen ist. Von diesem Wissen muss jede Diskussion ausgehen.


2. Worin die Gottesebenbildlichkeit besteht

a. Die Ähnlichkeit bezüglich der Trinität

Da Gott der Dreieine ist, hat Er die Menschen ebenfalls als eine Dreiheit in der Einheit geschaffen: Nicht eine Dreiheit an Personen, sondern eine Dreiheit an Teilen innerhalb der einen Person des Menschen: Geist, Seele und Leib (1. Thess. 5, 23). Der Geist des Menschen ist hierbei niemals der menschliche Verstand, und genauso wenig dem göttlichen Geist entsprechend, sondern der Teil des Menschen, welcher nach der Neugeburt fähig ist, mit Gott in Verbindung zu treten, und mit dem zusammen zu arbeiten:

Gottes Geist bezeugt (zusammen) mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm. 8, 16). Der Verstand ist mit dem Willen und den Gefühlen zusammen Teil der Seele. Der Leib ist der körperliche, materielle Teil des Menschen. Keiner dieser drei „Teile“ darf bevorzugt oder vernachläßigt werden. Leider gibt es auch heute noch viele neuplatonische Strömungen, die den menschlichen Leib nur als Gefängnis der Seele und des Geistes sehen und damit verdammen. Jede Bemerkung in der Richtung, dass seelische Heilung wichtiger sei als körperliche Heilung, geht genau in diese Richtung!


b. Die Fähigkeit zur Kommunikation (im urspr. Sinne) mit Gott und Menschen

Gerade für die Ausführung des göttlichen Auftrags, sich zu vermehren und die Schöpfung untertan zu machen, ist die Fähigkeit zur Kommunikation unverzichtbar. (Wikipedia: „Kommunikation stammt aus dem Lateinischen communicare und bedeutet teilen, mitteilen, teilnehmen lassen“) Erst durch die Zusammenarbeit von Menschen, in der ersten Schöpfung war dies diejenige des Menschen und seiner Gehilfin, war dieser Auftrag auszuführen überhaupt erst möglich geworden. Zugleich ist auch die Kommunikation mit dem Erschaffer von Himmel und Erde Selbst eine äußerst wichtige Komponente menschlichen Daseins. Nur so konnte die erste Menschheit vor dem Sündenfall und dessen Folgen gewarnt werden. Aber auch die innige liebevolle Beziehung zu Seinem Schöpfer kann der Mensch nur durch die Anwendung dieser von Gott geschaffenen Kommunikation leben.


c. Die moralische Fähigkeit (Verantwortlichkeit)

Vom ersten Moment nach der Schöpfung an zog Gott den Menschen zur Verantwortung für sein Verhalten. Der Mensch bekam klare Richtlinien, an welche er sich zu halten hatte und strukturierte Aufgaben:

-Sich zu vermehren und auszubreiten

-Sich die Erde untertan zu machen

-Das Land zu bebauen

-Den Tieren Namen zu geben (dies ist eigentlich ein Teil des untertan Machens)

-Nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen essen

Da Gott dem Menschen zugleich auch die Folgen falschen Verhaltens nannte, war er letztlich vom ersten Moment an auch moralisch eigenverantwortlich für sich und seine Gehilfin. Hieraus leitet sich auch die Tatsache ab, dass jeder Mensch für sein Tun selbst verantwortlich ist und bereit sein soll, die Konsequenzen dafür vollumfänglich zu tragen.


d. Die intellektuelle Fähigkeit (Denkvermögen)

Die Anwendung der Sprache für die Kommunikation ist ein wichtiger Ausdruck dieser intellektuellen Fähigkeit des Menschen. Man kann in den ersten Worten des Menschen, als er seine Gehilfin sah und solch ein wunderschönes Gedicht auf seine Gehilfin dichtete, sehen, dass dieser Intellekt kein Produkt langjähriger Evolution ist, sondern als Ausdruck des allweisen Gottes eine Wesensart des Menschen.


e. Die kreative Fähigkeit

Zusammen mit dem Intellekt hat Gott den Menschen auch mit einer wahrhaft bewundernswerten Kreativität beschenkt. Kreativität beinhaltet die Möglichkeit, neue Dinge zu ersinnen und zu schaffen. Auch hier ist die menschliche Kreativität nicht mit derjenigen Gottes gleichzusetzen, sondern ist ein sehr gutes Abbild der göttlichen Kreativität: Der Mensch ist nicht imstande, aus dem Nichts etwas Seiendes zu kreieren (bara), aber doch aus Bestehendem etwas ganz Neues (asah).


f. Die emotionale Fähigkeit

Auch diese Fähigkeit kommt zum Ausdruck in dem Ausruf des Entzückens: „Das ist nun einmal Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll Männin heißen; denn sie ist dem Mann entnommen!“

Die Möglichkeit, sich der Emotionalität zu erfreuen, hat der Mensch auf seine ganz besondere Art bekommen. Obwohl es heute im Zeitalter der Psychomanipulation möglich ist, durch gewisse Hormone „Gefühlsschübe“ herzustellen, entspricht dies niemals dem göttlichen Wunsch nach echtem emotionalem Austausch, den Er in Sich Selbst hat (das ist der Austausch zwischen Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist), und den Er dem Menschen in sein Inneres gelegt hat.


g. Die Ganzheitlichkeit dieser Fähigkeiten

Das „Lasst uns…“ in 1. Mose 1, 26 lässt etwas von dieser vollkommenen Harmonie Gottes erahnen, die Jesus auch in Joh 17, 20 – 23 beschreibt. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei Personen des einen Gottes, und doch in Sich Selbst völlig eins, in perfekter Harmonie.

Vor dem Sündenfall war die Ganzheit des menschlichen Abbildes Gottes in dieser Harmonie. Alle Fähigkeiten des Menschen waren in ihrer Vollkommenheit ausgebildet und sollten dem Menschen helfen, seine Aufgaben zu bewältigen.

Diese Ganzheitlichkeit ist auch heute noch sichtbar in den Überresten einer durch den Sündenfall pervertierten Welt in der Ganzheitlichkeit:

-der Schöpfung

-der wiederhergestellten Beziehung Gottes mit dem Menschen

-der allumfassenden Liebe Gottes zu Seiner Schöpfung

-den allumfassenden Zielen, die Gott mit Seiner Schöpfung, insbesondere auch deren Krone, hat.



3. Konklusion

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Mensch, wie Gott ihn geschaffen hat, die göttlichen Fähigkeiten der Kommunikation, der Verantwortlichkeit, der Intellektualität, der Kreativität und der Emotionalität in ihrer Ganzheitlichkeit besitzt. Diese Fähigkeiten dienen dazu, Gott und dem Mitmenschen innerhalb seiner Aufgaben und des sozialen Gefüges in Liebe dienen zu können. Aufgrund all dieser Fähigkeiten, für die der Mensch geschaffen ist, hat jeder Mensch vom Moment seiner Zeugung an Würde, die durch nichts wegdiskutiert oder zerstört werden kann. Es ist Aufgabe des Staates, der Gemeinde und jedes einzelnen Menschen, diese Würde zu respektieren und zu schützen.