Das Gebet für die Gemeinde

Das Gebet für die Gemeinde

Darum lasse auch ich, nachdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von der Liebe zu allen Heiligen gehört habe, nicht ab, für euch zu danken und in meinen Gebeten euer zu gedenken, daß der Gott unsres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und Offenbarung gebe in der Erkenntnis seiner selbst (Epheser 1, 15 – 17)

Nachdem Paulus in den vorigen Versen den ganzen Ratschluss Gottes, den göttlichen Heilsplan, erklärt hat, fährt er nun fort mit der Erklärung, dass er für die Gemeinde betet. Er ist also in Rom gefangen und hat dort genug Zeit. Manche Leute würden anfangen, Trübsal zu blasen und über das ungerechte Leben zu schimpfen. Er hat doch so viel Gutes für Gott getan, und nun wird er sich selbst überlassen? Aber nichts von alledem sehen wir da in den Worten von Paulus. Er ist nicht unzufrieden mit seiner Lage. Klar, die könnte viel besser sein, denn allzu viel Gutes bekam er nicht in seiner Gefangenschaft. Er war außerdem ziemlich streng bewacht und musste über zwei Jahre lang drin bleiben ohne jemals zur Tür hinausgehen zu dürfen. Doch es gab etwas, was ihn davon abhielt, zu schimpfen. Er hatte nun nämlich endlich einmal genug Zeit, um für all die Gemeinden zu beten, die er gegründet hatte.

Wenn er an die Gemeinde in Ephesus denkt, fallen ihm genügend Gründe zum Danken ein: Er hatte von ihrem starken Glauben an den Herrn Jesus gehört von ihrer Liebe zu allen Heiligen. Dass er davon gehört hatte, ist darauf zurückzuführen, dass dies weit herum im ganzen römischen Reich bekannt ist. Zwischen den Gemeinden herrschte damals ein reger Austausch und so hatte jede Gemeinde ihre Bekanntheit durch ein paar Dinge, die einfach bekannt waren. Bei den Ephesern war dies der starke Glaube an den Herrn Jesus und die große Liebe zu den Heiligen. Ephesus war die Stadt, in welcher der Göttin Artemis (die Römer nannten sie Diana) als Schutzgöttin verehrt wurde. Der Artemistempel zählte zu den Weltwundern und wurde von riesigen Touristenscharen besucht. Viele Handwerker lebten von diesem Götzendienst, da sie kleine Statuen von dieser Göttin herstellten. Diese sahen natürlich in der ephesinischen Gemeinde eine riesige Konkurrenz, die es auszurotten galt. So lebte die Gemeinde in ständiger Verfolgung und brauchte deshalb auch einen starken Glauben. Aber über diesen Glauben hinaus lebten sie auch in beständiger Gastfreundschaft mit Leuten aus anderen Gemeinden. Vermutlich kamen viele christliche Händler in die Metropole Ephesus, um dort ihre Waren anzubieten und deshalb wurde auch die große Liebe zu allen Heiligen bekannt.

Interessant ist, dass Paulus an der Gemeindepraxis nichts zu kritisieren hatte. Der Brief ist ein reiner Lehr-brief. So wie der Römerbrief auch. In allen anderen Briefen hatte Paulus eine ganze Menge an dem zu kritisieren, was in den Gemeinden falsch lief. Nur in diesen beiden Lehrbriefen nicht. Der Römerbrief ist eine sehr systematische Abhandlung, in welcher alle wichtigen Themen des christlichen Glaubens drin stehen: Wer ist der Mensch? Was ist die Sünde? Wie wird man erlöst? Was tut der Heilige Geist? Wie hat Gott uns erwählt? Was ist die Gemeinde? Wie sollen wir in der Welt leben? Diese Fragen werden alle im Römerbrief ziemlich ausführlich unter die Lupe genommen und beantwortet. Der Epheserbrief nimmt nun einen Abschnitt aus diesem ganzen Lehrgebäude heraus, die Lehre von der Gemeinde. Hier beantwortet Paulus die Fragen: Was ist die Gemeinde? Wer gehört zur Gemeinde? Wie entsteht die Einheit innerhalb der Gemeinde? Und schließlich auch: Wie sollen wir in der Gemeinde miteinander leben und umgehen? In diesen ganzen Lehren sagt Paulus, dass er für die Gemeinde dankt, und zwar gerade weil die Gemeinde von Ephesus ganz besonders das ernst nimmt, was die Mitte des christlichen Glaubens ist: Der Glaube an den Herrn Jesus und die Liebe zu den Heiligen.

Und dann geht er von diesem Dank aus weiter zu einer Bitte. Er macht der Gemeinde keinen Vorwurf, und zwar deshalb, weil es sich beim Inhalt dieser Bitte um etwas handelt, das ein Leben lang zunehmen sollte: Dass wir Gott immer besser erkennen können. Paulus bittet Gott darum, dass die Gemeinde immer mehr an der Gotteserkenntnis zunehmen möge. Zwei Gedanken hierzu: Es ist ein Gebet um diese Erkenntnis. Niemand kann sie anders bekommen als durch stetige Bitte darum. Gott erkennen kann kein Mensch aus sich selbst, das geht nur, wenn Gott sich uns offenbart. Wenn Paulus vom „Geist“ der Offen-barung spricht, so meint er damit die Gnadengabe, das Charisma, der Offenbarung. Wir brauchen die Leitung des Heiligen Geistes auf der Reise zur Gotteserkenntnis. Und da wir oft anders denken und wollen (auf einem anderen, irdischen, menschlichen Level), ist diese Reise oft beschwerlich. Denn nicht selten führt sie uns von dem weg, was wir uns wünschen. Mehr noch: Manchmal führt diese Reise auch durch sehr schwere Momente hindurch. Besonders dann, wenn wir lernen sollen, dass Gottes Pläne für unser Leben so viel besser sind als wir uns das vorstellen können. Dann nämlich passiert es nicht selten, dass wir über den Schatten unseres Stolzes, unseres Selbstvertrauens und auch unserereigenen Möglich-keiten hinwegspringen müssen. Das Streben nach der Offenbarung Gottes ist ein stetiger Weg der Demut und oft auch der Demütigung. Denn Gott offenbart sich unter dem Gesichtspunkt des Gegenteils: Wir werden in Christus lebendig gemacht, indem wir der Sünde und uns selbst sterben. Wir bekommen neue Kraft, indem wir zuerst der eigenen Kraft verlustig gehen und am Boden der Schwachheit sind. Christus macht uns gerecht, nachdem wir unsere Ungerechtigkeit festgestellt haben, und so weiter. Wenn ich (in mir selbst) schwach bin, so bin ich stark (in Christus). So führt der Weg nach oben immer nach unten, in die Beugung unter das Kreuz. Wo wir dies ganz praktisch in unserem Leben verstehen lernen, dort kann sie wachsen, diese Offenbarung.

Ein zweiter Gedanke dazu: Der Anfang aller wahren Erkenntnis ist die Furcht Jahwes. Nur dort, wo die Ehrfurcht vor Gott herrscht, ist er bereit, uns den Geist der Weisheit zu schenken. Gott ist die absolute All-Weisheit und All-Wissenheit. Dort, wo wir bereit sind, uns seinem Willen zu beugen und unseren eigenen Willen zu verleugnen, dort schenkt Gott die Weisheit. Gott ist der Vater der Herrlichkeit, der absolut herrliche und einzig-wahre Gott. Gott loben und preisen ist oft ein Schlüssel zu dieser Weisheit. Echte Gottesfurcht besteht in der Bereitschaft zum Gehorsam, egal was andere sagen oder denken mögen, egal was ich selbst denke, egal was es mich kostet. Aus dieser Bereitschaft heraus wächst die Erkenntnis Jahwes, und wo diese Bereitschaft vorhanden ist, da offenbart der Herr sich gerne.

Bist du bereit dazu? Möchtest du Gott immer besser kennenlernen? Abram ist uns da ein Vorbild. Er war ein echter Freund von Gott und hat Gott auch sehr nahe und gut kennenlernen dürfen. Aber seine Bereitschaft zum Gehorsam war (trotz seiner Fehler, die er machte) immer da und deshalb offenbarte der Herr sich ihm auch immer wieder neu und immer wieder in noch weiteren Stadien der Gotteserkenntnis.

Versiegelt mit dem Heiligen Geist

Versiegelt mit dem Heiligen Geist

In ihm haben auch wir Anteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluß seines Willens, daß wir zum Lobe seiner Herrlichkeit dienten, die wir zuvor auf Christus gehofft hatten; in ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Rettung gehört habt, in ihm seid auch ihr, als ihr glaubtet, versiegelt worden mit dem heiligen Geiste der Verheißung, welcher das Pfand unsres Erbes ist bis zur Erlösung des Eigentums, zum Preise seiner Herrlichkeit. (Epheser 1, 11 – 14)

Nachdem uns Paulus nun in den Versen 3 – 6 den Willen Gottes des Vaters dargelegt hatte, und in den Versen 7 – 10 wie Gott der Sohn diesen Willen ausgeführt hat, kommt er nun darauf zu sprechen, wie dieser göttliche Wille sowie dessen Ausführung auf unser persönliches Leben als Christen angewandt wird. Dies beginnt mit dem Anteil. Da wir Miterben mit dem Herrn Jesus sind, haben wir, sozusagen als kleinen Vorschuss dieses Erbes Anteil am Heiligen Geist erlangt. Wenn das Neue Testament vom Anteil spricht, meint es eigentlich immer dies. Der Anteil am Heiligen Geist ist der Vorschuss für die Ewigkeit. Der Anteil ist so etwas wie ein Brautgeschenk des Herrn Jesus an seine Gemeinde. Früher wenn ein Mann eine Frau heiraten wollte, redete er mit ihrem Vater und gab dem Vater dann den ausgehandelten Braut-preis. Dann ging er zur Frau und gab ihr etwas möglichst Wertvolles, zum Beispiel ein schönes Möbel-stück oder etwas Ähnliches, meist ein Gebrauchsgegenstand für die zukünftige gemeinsame Wohnung. So hatte sie etwas bei sich, das ihr immer die Gewissheit gab: Er kommt wieder, er hat nicht noch eine Zweite (deshalb war es eben meist etwas vom Wertvollsten was der Mann sich leisten konnte). Der Mann sagte ihr dann: Ich gehe hin, uns eine Wohnung zu bereiten und werde wieder kommen, um dich zu mir zu holen. (vgl. Joh. 14, 2 – 3) Dann gab er ihr das Brautgeschenk. So spricht auch der Herr Jesus, dass er uns den Beistand geben will.

Gott hat alles nach dem Ratschluss seines Willens getan. Von ihm aus ist alles vollbracht. Damit, dass es aber vollbracht ist allein, hat noch niemand einen Nutzen von diesem ganzen Erlösungswerk. Es muss durch den Heiligen Geist in unserem Leben wirksam gemacht werden. Es gibt bei jeder Verkündigung des Evangeliums eine ganze Menge von Menschen, die das Wort der Wahrheit gehört haben. Doch sind nicht alle von ihnen in der Lage, dieses Wort anzunehmen. So sagte auch der Herr in Matth. 20 und 22, dass viele berufen sind, aber nur wenige auserwählt. Wie wir schon gesehen haben, handelt es sich um eine persönliche Auserwählung. Deshalb können auch nicht alle, die das Wort Gotttes hören, als Auserwählte gerettet werden. Gott hat in seiner Allmacht und Allweisheit bestimmt, wer zu den Auserwählten gehört. Übrigens bedeutet das für uns keinesfalls, dass wir irgend ein Recht haben, einem Menschen die Auser-wählung abzusprechen. Jeder noch lebende Mensch könnte ein Auserwählter sein, der es deshalb auch verdient, das Evangelium zu hören, und das nicht nur einmal. Und dann ist es immer der Heilige Geist, welcher eine allgemeinde Berufung (das ist damit die Evangeliums-verkündigung) zu einer wirksamen Berufung macht, also den Menschen rettet. Dies kann niemand von uns übernehmen, kein Prediger, Pfarrer, Bischof noch sonst jemand. Auch nicht der Hörer selbst, er hat ja keinen Funken Glauben in sich. Der Glaube muss vom Heiligen Geist zuerst entfacht werden, bevor jemand wirklich dem Evangelium der Rettung glauben kann.

Dem frisch entfachten Glauben folgt damit dann die Sündenerkenntnis. Der Mensch mit einem erweckten Gewissen sieht plötzlich, wo er falsch lag und Fehler gemacht hat. Darüber tut er Buße und das nennt sich dann Bekehrung. Die Bekehrung ist der allerwichtigste Schritt im Lebens des Menschen. Da er so wichtig ist, sollte man nicht versuchen, ihn künstlich herbeizuzwingen. Leider kommt das häufig vor, und deshalb sind die Gemeinden heute mit Unbekehrten Halbbekehrten gefüllt. So wie eine Hochzeit eine gründliche Vorbereitung braucht, tut dies auch die Bekehrung. Die Hochzeit ist übrigens der zweitwichtigste Schritt im Leben. Auch dieser muss gut überlegt und geplant sein. Man sollte möglichst darauf achten, einer Bekehrung nicht vorzugreifen. Sie muss deutlich gepredigt werden, aber genauso auch ihre Vorbereitung, die Sündenerkenntnis, das Sündenbekenntnis und die Lebensübergabe. Diese Lebensübergabe ist eine automatische Folge davon, dass ein Mensch Gottes Liebe erkennt und ist zugleich die Antwort auf diese Liebe. Daran kann man auch sehen, dass jemand die göttliche Liebe auch tatsächlich erkannt hat. Er fängt plötzlich an, neue Prioritäten zu setzen in seinem Leben und zeigt auch anderen diese Liebe Gottes zu ihnen durch ganz praktische tägliche Handlungen der Nächstenliebe und der Vergebung. Denn wir können vergeben, weil Gott uns vergeben hat.

Weiter werden wir vom Heiligen Geist mit einem Siegel versehen. Ein Siegel dient dazu, das Besitzrecht von etwas anzuzeigen. Wer also mit dem Geist Gottes versiegelt ist, darf wissen, dass er ganz und gar Gott gehört und ihn niemand und nichts aus der Hand Gottes reißen kann. Dieses Siegel kann und wird niemand brechen – wer dies wolle, kann es nicht und wer es könnte, will und wird es nicht. Gott versiegelt niemanden „auf Probe“, er kennt diejenigen, die ihm gehören. Doch gibt es in unserem Leben immer wieder Momente, in welchen wir sehr tief stürzen, uns verletzen und kaum noch aufstehen können. Dann haben wir den Heiligen Geist, der uns zusammen mit dem von ihm inspirierten Wort, der Bibel, bezeugt, dass wir Kinder Gottes sind. Paulus sagt im Römerbrief, dass der Geist Gottes zusammen mit unserem Geist dies bezeugt. Unser Geist bezeugt es, indem er Gottes Versprechen und Zusagen in der Bibel liest, und gleichzeitig bestätigt der Heilige Geist in unseren Herzen, dass dieses Zeugnis stimmt und wir wahrhaftig Gottes Kinder sind. Wenn wir das Siegel des Heiligen Geistes haben, so dürfen wir ein für alle Male wissen: Wir sind SEIN, wir sind Teil des Leibes Christi und von Gott Vater schon vor der Grundlegung der Welt erwählt.

Wenn wir in der Gegenwart des Heiligen Geistes (also geistes-gegenwärtig) leben, werden wir auch immer mehr mit den Geistesgaben ausgerüstet. Sie sind aber kein Maßstab für den Status, an dem wir gerade stehen, vielmehr sind sie wertvolle Werkzeuge für den Bau der Gemeinde. Wenn wir in diesen Gaben drin leben, sehen wir zugleich auch, dass wir dadurch noch größere Gewissheit bekommen, dass Gott uns auserwählt hat und gebrauchen möchte. Manche gläubigen Menschen drehen sich so stark um sich selbst und meinen immer, sie müssten Gott etwas beweisen, nämlich dass sie es wert sind, zur Familie Gottes dazu zu gehören. Dadurch verlieren sie alle Freiheit, die sie haben könnten, indem sie sich einfach auf das ein für allemal getane und vollbrachte Erlösungswerk verließen. Wir dürfen vorwärts gehen hin zur Nächstenliebe, zur Ausübung der Gaben in der Gemeinde, zum dynamischen Austausch im Geben und Nehmen innerhalb der Familie Gottes. Alles was wir bekommen, erhalten wir am Fuße des Kreuzes. All dies dürfen wir nehmen und davon weiterverschenken, weitergeben, damit es Gott zur Ehre und zur Vergrößerung der Gemeinde dient.

Bist du dir bewusst, dass du für einen teuren Preis, nämlich das Blut und das Leben des Herrn Jesus, erkauft bist und nun mit dem göttlichen Siegel, dem Heiligen Geist, versiegelt wurdest? Bist du dir bewusst, dass du deshalb alles daran setzen solltest, um deiner Familie, der örtlichen Gemeinde in der du bist, zu dienen und zu helfen? Wo ist dein Platz, an den Gott dich dort gestellt hat? Welches sind deine Gaben? Wie setzt du sie zur Zeit ein? Gibt es welche, die brach liegen und nicht genutzt werden?

1. Korinther 12, 4 – 7

1. Korinther 12, 4 – 7

Griechisch

Deutsch

4 διαιρεσεις δε χαρισματων εισιν το δε αυτο πνευμα

5 και διαιρεσεις διακονιων εισιν και ο αυτος κυριος

6 και διαιρεσεις ενεργηματων εισιν ο δε αυτος εστιν θεος ο ενεργων τα παντα εν πασιν

7 εκαστω δε διδοται η φανερωσις του πνευματος προς το συμφερον

Es gibt aber Unterschiede bezüglich der Geistesgaben, aber es ist derselbe Geist

und es gibt Unterschiede bezüglich der Dienste, und ist (doch) derselbe Herr

und es gibt Unterschiede bezüglich der Kraftwirkungen, es ist aber der eine Gott, der alles in allen wirkt.

Jedem aber wird gegeben die Manifestation des Geistes für den gemeinsamen Nutzen.

Auslegung:

Damit wir den Abschnitt richtig verstehen können, möchte ich zuerst den roten Faden heraus-arbeiten, der sich durch diese Verse hindurchzieht. Es geht Paulus hier in aller erster Linie noch nicht um die genauen Unterschiede, die hier vorliegen. Vielmehr möchte er aufzeigen, dass Gott eine wahre Vielfalt an Gaben, Diensten und sonstigen Wirkungen in der Gemeinde möchte, und dass diese alle, gerade weil der eine Gott sie schenkt, eben kein Chaos bewirken sollen, sondern eine freiheitliche, von Gott gelenkte Ordnung. Gott stellt jeden in der Gemeinde an seinen speziellen, für ihn vorgesehenen Platz. Schon wenn wir das erste Wort im griechischen Text betrachten, wird das deutlich: dihairesis (Unterschiede) ist eine zusammengesetzte Form von hairesis (das Fremdwort Häresie kommt davon). Hairesis bedeutet Spaltung, Teilung und Paulus benutzt das Wort im Kapitel 11, Vers 19 um von den Parteiungen oder Spaltungen zu sprechen, die es in der Gemeinde gab. Dihairesis bedeutet dann ungefähr Aufspaltung oder Durchtrennung und bedeutet so viel wie Unterschied. Ansonsten benutzt Paulus immer andere Worte, um von den Unterschieden zu sprechen, hier ist die Verwendung ganz offensichtlich mit Absicht so gewählt. Die Korinther haben den Brief schließlich am Stück auf Griechisch vorgelesen bekommen, da fiel ihnen diese Verwendung bestimmt auf. Paulus tadelt sie zuerst wegen den Spaltungen, die sie verursacht hatten und zeigt hier auf, dass es dann keine Spaltungen gibt, wenn alles in der göttlichen Ordnung abläuft.

Paulus spricht hier immer davon, dass ein und derselbe Gott all die Manifestationen wirkt, benutzt aber in den Versen die drei Personen der Dreieinigkeit: in Vers 4 Gott Heiliger Geist, in Vers 5 Gott Sohn (der Herr Jesus) und in Vers 6 Gott (der Vater). Damit streicht er einmal mehr die Bedeutung der Lehre von der göttlichen Dreieinigkeit hervor. Auch die Manifestationen werden in drei unterschiedliche Teile aufgeteilt. Wir müssen aufgrund anderer Gabenlisten davon ausgehen, dass er sie folgendermaßen aufteilte:

Vers 4: Charismata, damit meint er wahrscheinlich die Sprachgaben (Zungenrede, Prophetie, Lehre, Predigt, Wort der Weisheit, Wort der Erkenntnis, Wort der Ermahnung, etc.)

Vers 5: Diakonia, das sind wohltätige Handlungsgaben (Barmherzigkeit, freudiges Geben, Gastfreundschaft, sonstige administrative und organisatorische Gaben)

Vers 6: Energemata, das sind speziell sichtbare Kraftwirkungen (Heilung, Totenauferweckung, bergeversetzender Glaube, Dämonenaustreibung, andere Zeichen- und Wundertaten)

Wir sehen also, dass das ganze Spektrum der Gaben hier drin schon vorhanden ist. Die Liste ist natürlich nicht vollständig, wer möchte, darf mir gerne noch Ergänzungen zukommen lassen. Etwas anderes ist es jetzt mit den Ämtern (ich möchte sie mal so nennen, um eine Verwechslung mit dem hiesigen Begriff „Dienst“ zu vermeiden). Es gibt verschiedene Ämter, von welchen die Bibel spricht. Ein Amt ist das des Hirten, des Evangelisten, des Propheten, etc. In ein Amt hinein kommt man durch eine Einsetzung durch die örtliche Gemeinde. Jedes Amt erfordert eine bestimmte Gabenkonstellation, zum Beispiel sollte ein Lobpreisleiter ein gewisses Verständnis von Musik haben, aber auch die Gabe der Leitung und wenn möglich noch irgend eine Form der Prophetie ausüben. Oder der Hirte braucht die Gabe der Lehre und der Leitung, und wenn möglich auch eine Form der Prophetie. Für die Seelsorge, das apostolische Amt, die Evangelisation, und so weiter, braucht jedes Amt ihre spezielle Zusammensetzung aus den verschiedenen Gaben, die wir hier aufgezählt haben.

Im Vers 7 betont Paulus ganz deutlich, dass die Gabennicht dem Begabten, sondern der örtlichen Gemeinde gehören. Sie sind dazu bestimmt, der gesamten Ortsgemeinde zu dienen, in welcher sie ausgeübt werden. Wenn wir beginnen, unsere Geistesgaben für unsere eigene Ehre zu missbrauchen, werden sie von unserer fleischlichen Haltung verunreinigt. Oft lässt Gott dann zu, dass wir dann trotz besten Willens mehr von unseren menschlichen Gedanken und Gefühlen reinstecken als es dann wirklich Gottes Wort und Wirken ist.

Eine wichtige Frage möchte ich hier schon ein wenig vorwegnehmen, nämlich ob diese Gaben oder irgend ein Teil von ihnen, bereits aufgehört haben sollen. Solches nämlich wird immer wieder gefragt. Wenn dem nämlich so wäre, würde es keinen Sinn machen, diese Verse überhaupt so detailliert zu betrachten. Wenn man die gesamte Kirchengeschichte betrachtet, könnte man auf den ersten Blick tatsächlich vermuten, dass so etwas geschehen ist. In der Zeit nämlich, als der christliche Glaube nach und nach legalisiert wurde, ist auch zugleich eine große Spaltung oder Aufteilung der gesamten Christenheit geschehen. Ich meine damit nicht das Ost-West-Schisma, das war erst später. Worauf ich hinaus will, ist die Spaltung zwischen (gelehrten) kirchlichen Amtsträgern und dem restlichen Volk, den sogenannten Laien. Waren die Gottesdienste zu Beginn der Gemeinde noch sehr lebendig und von einer Gemeinschaft geprägt, in welcher jeder allen dienen durfte, bestand dieses Dienen und Empfangen bald nur noch zwischen dem Amtsträger, der predigte, beseelsorgerte und das Herrenmahl austeilte und dem Volk, das seinen Dienst noch durch steuerliche Abgaben tun durfte. Je mehr die Ausübung der Ämter auf einen sehr geringen Teil der Gemeinde beschränkt wurde, desto weniger Gaben wurden sichtbar. Die Gabe der Heilung wurde bald nur noch durch vereinzelte Mönche ausgeübt. Nicht etwa deshalb, weil sie verschwunden wäre, sondern weil nur noch eine sehr kleine Oberschicht der Gläubigen das Anrecht bekamen, überhaupt irgendwelche Gaben auszuüben.

Wir werden im Verlaufe der weiteren Ausführungen noch mehr Argumente näher betrachten müssen. Der kirchengeschichtliche Aspekt wäre nun kurz angesprochen. Die gesamte Kirchengeschichte zeigt immer wieder in erwecklichen Aufbrüchen die Suche der Menschen nach der Geistesfülle, nach der Vollmacht und damit auch nach der Fülle der Gaben. Es gibt Gaben, welche auf die Zeit der Gemeinde beschränkt sind, doch die Zeit der Gemeinde dauert vom ersten Pfingsten bis zur Entrückung der gesamten Gemeinde. Bis zu dem einen Moment, der noch unmöglich eingetroffen sein kann, sind alle Charismata den örtlichen Gemeinden übergeben und anvertraut. Gott möchte, dass wir sie allesamt gebrauchen und keine einzige von ihnen verschmähen. Sie alle sind Hilfsmittel von Gott, um unseren Auftrag als Gemeinde auszuführen. Natürlich lässt sich der Auftrag, einen Nagel in die Wand zu schlagen, auch mit Hilfe einer Zange ausführen. Dies ist jedoch viel anstrengender, zeitaufwändiger und dadurch auch ein Schwachsinn. So hat jede Gabe und jedes Amt seinen Platz, seinen Auftrag und seine Möglichkeiten und Grenzen. Je mehr sich die Gemeinde davon überzeugen lässt, dass sie alle Gaben in dynamischer Zusammenarbeit braucht, so wie man um ein Haus zu bauen auch eine ganze Fülle an Werkzeugen braucht, desto mehr wird Gott sie mit dieser Fülle der Gaben segnen und vermehren.

Leider haben wir uns damit abgefunden, dass viele unserer Gemeinden nicht mehr wachsen, andere kleiner werden und manche sich spalten. Wir versuchen das dann mit ein paar Bibelstellen, die wir uns dafür zurechtbiegen, um unsere Unfähigkeit zum Wachstum zu entschuldigen. Dahinter steckt reiner Pragmatismus, der denkt: Alles, was die Gemeinde braucht, um richtig zu funktionieren, können wir von Managern und Psychologieprofessoren lernen. Wir sehen plötzlich nicht mehr, dass geistliches aber auch zahlenmäßiges Wachstum im Willen Gottes für unsere Gemeinde ist. Dass eine Gemeinde kleiner wird oder sich spaltet, das ist die Schuld von Menschen, nicht aber von Gott. Und über diese Haltung, nämlich dass Gott in der heutigen Zeit kein Wachstum mehr möchte, müssen wir Buße tun. Als nächsten Schritt müssen wir uns anhand der Bibel überlegen, was unserer Gemeinde fehlt. In der Apostelgeschichte haben wir ein schönes, gutes und nachahmenswertes Vorbild für gesunde, wachsende Gemeinden. Dazu waren aber verschiedene übernatürliche Gaben (zum Beispiel Zeichen und Wunder, Heilung, Prophetie, Dämonenaustreibung) notwendig. Diese stehen auch uns zur Verfügung, wenn wir uns nach ihnen sehnen und streben. Und wenn eines Tages dieses dynamische Zusammenspiel der Gaben vorhanden ist, wird auch spätenstens dann das Wachstum nicht mehr länger auf sich warten lassen.

Der Ratschluss in Jesus Christus

Der Ratschluss in Jesus Christus

In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade, die er gegen uns überfließen ließ in aller Weisheit und Einsicht; er tat uns das Geheimnis seines Willens kund, gemäß seinem wohlwollenden Ratschluß, den er gefaßt hat in ihm, damit es ausgeführt würde in der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zu bringen in Christus, was im Himmel und was auf Erden ist, in ihm. (Epheser 1, 7 – 10)

In ihm, das ist der Herr Jesus, haben wir die Erlösung. Ach, welch wunderbares Wort ist dies. Auch hier gilt das wiederum für diejenigen, die in ihm sind, die in seiner Gemeinde sind, der ja sein Leib ist und er das Haupt. In Christus haben wir die Erlösung. Wir halten sie fest in den Händen, so wie man im Kriege ein Schwert festhält, um den Sieg zu erringen. Wir halten sie fest in dem Wissen, dass niemand sie uns wegnehmen kann. Die Erlösung ist eigentlich das Loskaufgeld, mit dem ein Sklave freigekauft wurde. Hier dürfen wir nicht dem Gedanken verfallen, dass wir vielleicht von Satan hätten losgekauft werden müssen, also dass das Loskaufgeld an Satan gegangen wäre. Nein, auch wenn das eine leider weit verbreitete und uralte Irrlehre ist, diese müssen wir standhaft abweisen. Wir wurden von der Sünde freigekauft, nicht aber vom Bösen. Einstmals waren wir als Sklaven unter die Sünde verkauft, aus diesem Grund kann ein Ungläubiger auch nichts anderes tun als sündigen. Seine Werke können noch tausendmal fromm, gut und gläubig aussehen, aber es sind immer Werke des Fleisches, die er aus eigener Kraft zu tun versucht, und deshalb sind sie vor Gott nichts anderes als Sünde. Im Glauben an den Herrn Jesus werden wir von dieser totalen, absoluten Verderbtheit herausgerissen und von diesem Moment an sieht Gott uns als vollkommen gerecht, weil wir die Gerechtigkeit zugesprochen bekommen, die der Herr Jesus durch sein sündloses Leben verdient hat.

Diesen Tausch am Kreuz nennt die Bibel Sühne oder Versöhnung: Die Gerechtigkeit des Herrn Jesus wird auf uns übertragen, und gleichzeitig wird unsere Sündhaftigkeit auf ihn übertragen, und er hat mit seinem Blut die Schuld all dieser Sünden im Voraus schon bezahlt. Wir sind am Kreuz mit Gott versöhnt worden, wir, die einstmals seine Feinde waren, sind durch das Blut des Herrn Jesus losgekauft und mit Gott versöhnt, und somit können wir wieder mit Gott im Frieden leben. Gottes Gnade ist überfließend groß und wunderbar, und das ist notwendig, denn sonst würde wohl keiner von uns allen wirklich gerettet sein und bleiben. Deshalb ist diese überfließende Gnade ein Werk der Weisheit und Einsicht Gottes: Der Preis, der bezahlt wurde, ist groß genug, um nicht nur unsere vergangenen Sünden zu bezahlen, sondern auch diejenigen, die wir noch tun werden. Das ist der Grund, weshalb wir Christen in der wahren Freiheit leben dürfen, in der Freiheit, die Gott für uns geschaffen hat. So gibt es immer wieder Situationen, in denen wir eine ganz schwere Entscheidung zu treffen haben, und dann denken wir: Egal wie ich handle, immer verstoße ich gegen Gottes Gebote. Nehmen wir mal an, da ist ein Ehepaar, bei welchem die Frau gläubig ist und der Mann nicht. Er schlägt sie und die Kinder immer mal wieder, sie sehnt sich danach, wegzulaufen. Sie weiß, dass Gott die Scheidung hasst und sich wünscht, dass ihr Mann sich auch bekehrt. Sie weiß aber auch, dass sie und ihre Kinder seit langem darunter leiden. Egal was sie tut, immer sieht es nach dem Falschen aus. In diesem Fall darf sie eine Entscheidung innerhalb dieser Freiheit treffen und wissen: Ich muss die Folgen dieser Entscheidung tragen, und ich will sie tragen, aber Gott gibt mir die Freiheit, richtig zu handeln. Entweder sie entscheidet sich zu bleiben um ihres Mannes willen und erträgt als Folge davon auch die Schläge und die traurigen Gesichter der Kinder oder sie entscheidet sich zur Scheidung und trägt die Folgen, indem sie den Rest ihres Lebens allein bleibt.

Mit seinem Tod am Kreuz hat der Herr Jesus auch die Grundlage dafür geschaffen, dass nämlich das, was bis zu dem Zeitpunkt, als Paulus diesen Brief geschrieben hatte, ein Geheimnis war. Zwar hatte auch Jesus selbst immer mal wieder davon gesprochen, aber die ganzen Zusammenhänge sind eigentlich erst durch das Wort des Paulus in diesem Brief wirklich verständlich geworden. Da wir jetzt die ganze Bibel haben, alle Bücher von 1. Mose bis zur Offenbarung, sind uns eigentlich alle Geheimnisse offengelegt. Es ist notwendig, dass wir den Herrn um die richtige Weisheit bitten und auch um die Gabe der Prophetie, die uns hilft, all diese Zusammenhänge der ganzen Bibel noch besser zu verstehen. Das Geheimnis, das uns Paulus an dieser Stelle offenbart, also offenlegt, ist folgendes: In der Fülle der Zeiten, dann nämlich, wenn eine nächste Zeitepoche anbricht und die Zeit der Gemeinde durch die Entrückung vollendet ist, dann wird alles im Himmel und auf Erden unter eine Regierungsgewalt zusammengefasst. Hier spricht Paulus eindeutig von den letzten Dingen, die auf der Erde geschehen werden. Die Fülle der Zeiten hat immer mit dem Kommen Jesu zu tun. Sie war schon einmal, nämlich dann, als der Herr Jesus als Kind in Bethlehem zur Welt kam. Auch dieses Ereignis nennt Paulus in Galater 4,4 die Fülle der Zeiten. Dort ist von dieser Fülle in der Vergangenheit die Rede (die Zeitform des Verbs deutet auch darauf hin). Hier hingegen ist in der Zeitform der Zukunft die Rede von der Fülle der Zeiten, somit geht es um die Wiederkunft Jesu, die noch aussteht.

Bei dieser Wiederkunft wird der Herr Jesus nämlich als uneingeschränkter Sieger und König wieder auf die Erde kommen. Dann wird das geschehen, was in unserem Text steht, nämlich dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, unter ein einziges Haupt zusammengefasst sein wird. Welch ein Aufatmen der gesamten Schöpfung wird es da geben. Jetzt zwar ist das, was im Himmel ist, bereits unter seiner Hauptschaft, aber die Erde ist immer noch unter den Fürsten dieser Weltzeit versklavt. Satan hält die Stricke in der Hand und lässt die Menschen, die unter seinem Joch leben, nach seinem Belieben tanzen. Seine Marionetten können nichts anderes tun als das was er von ihnen will. Sie haben absolut keine freie Entscheidungsmöglichkeit, zu Gott gehören zu wollen, solange sie unter dieser schrecklichen Herrschaft gefangen sind. Erst durch die Bekehrung und Wiedergeburt, die Gott an uns vollbringt, entsteht die Freiheit, durch die jemand für Gott leben will und kann. O welch ein Leben muss dies dann sein, wenn man nicht mehr in dem Maße hin- und hergerissen ist zwischen dem göttlichen, absolut perfekten Willen und einer korrupten, von Satan gelenkten Regierung, Wirtschaft, etc. Noch wird es zwar auch im tausend-jährigen Reich die Möglichkeit zu Sünde und Tod geben, aber um wie vieles eingeschränkt! Menschen können wiederum mehrere hundert Jahre alt werden und die Tiere werden im Frieden leben. Welch ein Segen!

Das also ist der gute Wille Gottes: Dass wir erlöst und mit Gott versöhnt werden durch das Blut unseres Herrn Jesus Christus, dass wir dadurch zur christlichen Freiheit berufen sind, in der wir uns entscheiden müssen, aber auch die Folgen unserer Entscheidungen tragen, und dass durch die Kreuzestat des Herrn Jesus das irdische Reich Satans zerstört wurde und bei der Wiederkunft mit dem himmlischen Reich Gottes vereint werden soll, damit alles unter ein Haupt ohne innere Widersprüche und Dilemmas zusammengefasst werden soll.

Wo stehen in deinem Leben Entscheidungen an, die du treffen musst, und du das Gefühl hast, dass es dafür keine befriedigende Lösung gibt? Schreib dir die Möglichkeiten am besten mal auf und dazu auch die Konsequenzen, die sich daraus jeweils ergeben. Die Entscheidung liegt bei dir, nicht bei Gott. Diese darfst du nicht abschieben. Aber triff deine Entscheidung wohl überlegt. Und wo du schon unüberlegte Entscheidungen getroffen hast – auch dort müssen wir lernen, mit den Folgen davon klarzukommen.

Auserwählt vor Grundlegung der Erde

Auserwählt vor Grundlegung der Erde

Wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos wären vor ihm; und aus Liebe hat er uns vorherbestimmt zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit welcher er uns begnadigt hat in dem Geliebten (Epheser 1, 4 – 6)

Wir haben in den Versen 3 bis 14 nicht nur einen einzigen Satz im Griechischen und nicht nur einen wunderschönen Lobpreis von Paulus, sondern auch einen sehr deutlichen Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes: in den Versen 3 bis 6 geht es um den Willen von Gott dem Vater, in den Versen 7 bis 10 um die Ausführung dieses Willens durch Gott den Sohn und in den Versen 11 bis 14 um die Anwendung dieses göttlichen Willens auf uns Menschen durch Gott den Heiligen Geist. Die göttliche Dreieinigkeit aus Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist besteht aus drei einzelnen Personen, die zusammen aber nur ein einziger Gott sind. Jede der drei Personen hat ein eigenes Wesen, Gedanken, Gefühle und einen Willen, doch dies in einer wunderbaren Einheit. Sie kommunizieren miteinander und haben die Aufgaben verschieden unter sich aufgeteilt. In diesem Lobgesang des Paulus bekommen wir einen wunderbaren Einblick in diese Aufgabenteilung.

Gott Vater hat uns auserwählt, und zwar vor Grundlegung der Welt. Dies ist nicht dazu gedacht, um sich über die Lehre vom freien oder unfreien Willen zu streiten, denn das brauchen wir nicht. Es geht darum, dass wir wissen sollen, dass wir nach Gottes Plan auserwählt sind und uns deshalb nichts aus Gottes Plan herausreißen kann. Manchmal treffe ich Christen an, die glauben, sie hätten eine unvergebbare Sünde begangen. In diesem Fall dürfen wir ihnen sagen: Das kann nicht sein, denn für alle deine Sünden ist der Herr Jesus gestorben, denn du bist schon seit langem, nämlich schon bevor Gott die Welt geschaffen hat, ein Teil von Gottes wunderbarem Plan. Das ist die Lehre von der Erwählung. Gottes Plan und Erwählung ist eine persönliche Sache, nicht etwas, was Gott egal ist, nein, sonst hätte er niemals sein Allerliebstes, nämlich seinen einzigen, erstgeborenen Sohn dafür hingegeben, damit wir wieder mit ihm in Verbindung kommen können.

Auserwählung hat ein Ziel. Wenn du in der Küche den Dampfkochtopf „auserwählst“ und aus dem Schrank nimmst, dann willst du jedenfalls keine Spiegeleier machen. Genauso bezweckt auch Gott ein Ziel mit der Auserwählung der Menschen, die gerettet werden. Dieses Ziel kann mit Paulus’ Worten zusammengefasst werden: Damit wir heilig und tadellos wären vor ihm. Heilig und tadellos sind zwei Worte, die eigentlich dasselbe bedeuten in unseren Augen. Durch die Wiederholung möchte Paulus betonen, wie sehr wir heilig und tadellos sein sollen. Heilig bedeutet in unserem Falle ausgesondert für den Dienst an Gott. So, wie im Alten Testament im Volk Israel die Priester für den Gottesdienst „heilig“, also ausgesondert, waren, so sind es heute alle, die an den Herrn Jesus glauben. So, wie die Priester in Israel keine Menschenleichen berühren durften, um rein zu bleiben, so dürfen auch wir uns nicht mit sündigem Verhalten verunreinigen, sondern sollen heilig und tadellos sein. Und wenn doch einmal etwas passiert, so dürfen wir wissen, dass die Strafe dafür bereits bezahlt wurde. Wir können jederzeit Vergebung erlangen. Hier ist der wesentliche Unterschied: Der damalige Priester musste eine bestimmte Zeit von seinem Dienst dispensiert bleiben und ein Reinigungsritual durchführen, während wir heute die Vergebung durch das Bekennen der Sünden und das erneute glaubende Annehmen der Erlösung bekommen.

Gott Vater hat uns auch vorherbestimmt zur Kindschaft, genauer gesagt: Zur Adoption. Durch Glauben an die vollbrachte Erlösung werden wir von unserer alten Kindschaft (Kinder des Teufels, vgl. Joh. 8, 44) in die Familie Gottes aufgenommen. Als Kinder Gottes haben wir viele neue Dinge bekommen, die man in drei Kategorien einteilen kann:

Erstens den Zugang zum Vater im Gebet. Wir dürfen jederzeit im Gebet zu Gott gehen und mit ihm reden. Wenn wir daran denken, dass Gott der König über alle Welt ist, so ist das wirklich erstaunlich. Bei einem König muss man doch ein Gesuch um eine Audienz stellen, um zu ihm zu gelangen. Aber als seine Kinder dürfen wir zu jeder Zeit zu seinem Thron kommen und mit ihm reden. Er hat immer Zeit für uns und ist nie unwillig.

Zweitens einen neuen Wert. Da Jesus Christus für uns gestorben ist, und Gott somit alles gegeben hat, was er geben kann, haben wir als seine Kinder einen ganz neuen Wert bekommen. Nämlich: Unbezahlbar wertvoll. Teuer erkauft mit dem wunderbaren Blut Christi. Rein gemacht für Gott.

Drittens ein überreiches Erbe, da wir als Miterben mit Christus Zugang haben zu allem, was dem Herrn Jesus gehört. Deshalb schreibt Paulus auch im Brief an die Römer die rhetorische Frage, die uns die Gewissheit gibt, dass Gott Vater, der ja seinen Sohn für uns dahingegeben hat, uns mit ihm auch alles andere geben will.

Dies alles hat Gott schon im Voraus zuvorbestimmt, längst bevor wir überhaupt im Mutterleib zu sein begannen, hat der himmlische Vater dies schon für uns vorbereitet nach dem Wohlgefallen seines Willens. Das Wunderbare daran ist, dass uns dies einen komplett neuen Lebenssinn gibt: Wir dürfen so sein, wie Gott uns geschaffen und gewollt hat. Wir sind nach dem Wohlgefallen Gottes geschaffen und zu seinem Lobpreis, damit Gott gelobt und geehrt wird. Genau so, wie Gott uns geschaffen hat, möchte er uns an unserem Platz einsetzen, damit wir zu seiner Ehre leben. Es braucht keine Meisterprüfung oder irgend einen bestimmten geistlichen Stand, um für Gott brauchbar zu sein. Wenn wir uns ihm so hingeben, wie wir sind, wird er selbst dafür sorgen, dass unser Potential noch mehr zur Geltung kommt.

Dadurch, dass wir mit dem Blut des Herrn Jesus rein und sauber gewaschen sind, dürfen wir in allem, was wir tun, für Gott leben. So sind wir überall, wo wir hinkommen, ein Brief von Gott an die Menschen, die uns begegnen. Genauer genommen sollen wir nicht irgend ein Brief sein, sondern ein ganz besonderer Brief: Ein Liebesbrief von Gott an alle Menschen um dich herum. In unserem Leben muss diese Liebe, mit der Gott uns liebt und uns auch ausgerüstet hat, im Umgang mit den Mitmenschen sichtbar werden. Dies nicht etwa einfach durch dieses moderne Wischiwaschi-Toleranz-Liebesgesäusel, mit dem leider auch viele Christen meinen, liebevoll zu sein. Liebe besteht manchmal auch darin, die Wahrheit ohne Kompromisse zu sagen. Denn die Wahrheit macht frei, legt Lebenslügen offen und sorgt dafür, dass die Heilung der eiternden Sündenwunden schneller und besser geschehen kann.

Manchmal ist es aber auch dran, einfach mal zuzuhören und Verständnis zu zeigen. Manche Menschen wissen, was richtig ist und was sie ändern sollten, aber sie fühlen sich unverstanden und haben deshalb die Freiheit nicht, etwas in ihrem Leben zu ändern. Manche Sünden sind ein überlauter Hilfeschrei nach Liebe, nach Annahme und Geborgenheit. Dies dürfen wir deshalb auch nicht falsch verstehen, sondern die Menschen mit viel Verständnis annehmen und ihnen eine Atmosphäre der Geborgenheit geben, die ihnen hilft, sich dort zu verändern, wo dies nötig ist. Dies ist auch eine Aufgabe all derer, die „in Christus“, also in der Gemeinde sind. Die Übermütigen und Frechen, Selbstgerechten und Frömmler müssen allesamt ermahnt und ein wenig getrieben werden. Schwache hingegen sollen wir tragen und ihnen helfen, in der Gemeinschaft sich zu öffnen und sich durch die Wahrheit stärken und verändern zu lassen. Die Traurigen haben das Recht, getröstet zu werden und mit den Fröhlichen dürfen wir uns in ihrer Freude mitfreuen. So stelle ich mir Gemeinde nach dem göttlichen Bauplan vor. Als Gemeinde sind wir in Christus Begnadigte und dürfen, ja sollen, nach seinem Vorbild Barmherzige sein. Indem wir barmherzig sind und Gottes Gnade ausleben, führen wir ein Leben nach Gottes Plan: Zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat.

Wo hast du Menschen um dich herum, die es nötig haben, in der liebevollen Atmosphäre des Angenommenseins wachsen zu können? Welche brauchen eher Ermahnung und Zurechtweisung? Zu welchem Typ gehörst du selbst? Welcher Typ sind die Menschen um dich herum? Was denkst du, was gehört sonst noch zu einer guten Seelenpflege in der Gemeinde? Gibt es in deiner Gemeinde eine solche? Wenn nein, könntest du dir vorstellen, dass dieses dein Part sein könnte?

Gesegnet mit jeder geistlichen Segnung

Gesegnet mit jeder geistlichen Segnung

Gepriesen sei der Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen gesegnet hat in den himmlischen Regionen durch Christus (Epheser 1, 3)

Dieser Vers ist der Beginn eines riesigen Satzes, der im griechischen Text insgesamt 12 Verse lang ist. Verse 3 – 14 ist ein einziger recht kompliziert aufgebauter Satz, in dem es darum geht, womit Gott uns gesegnet hat. Deshalb wollen wir den großartigen Einstieg in diesen Abschnitt zunächst einmal gesondert betrachten. So lernen wir zu verstehen, was Gott alles für uns getan hat und für uns möchte.

Der Abschnitt ist eigentlich ein Lobpreis-Gebet von Paulus an Gott für all das Gute, das wir bekommen haben. So beginnt auch der erste Vers mit: Gelobt sei Gott. Im Hebräischen sagt man für diesen fest-stehenden Ausdruck: Hallelu-Jah: Jahwe sei gepriesen. Das zeigt uns sehr deutlich, dass der Gott Jahwe des Alten Testaments ganz und gar mit dem Gott und Vater des Herrn Jesus Christus übereinstimmt. Ja, sie beide sind genau derselbe. Dies muss man dem leider weit verbreiteten Gedanken entgegenhalten, dass im Alten und im Neuen Testament zwei unterschiedliche Götter zu finden seien und das jeweilige Volk Gottes (nach dieser Lehre wäre das alttestamentliche Volk Israel und das neutestamentliche Volk die Gemeinde) auf unterschiedliche Art und Weise gerettet würden.

Manchmal spricht die Bibel von Gott und meint damit die Dreieinigkeit. Dies ist meist der Fall, und ganz besonders oft im Alten Testament. Überall, wo im Kontext die drei Personen Gottes nicht unterschieden werden, kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass alle drei Personen gemeint sind. In anderen Fällen wird zwischen den Personen der Dreieinigkeit unterschieden, und dann meint „Gott“ üblicherweise Gott den Vater. So auch hier: Gott der Vater ist zugleich der Gott des Herrn Jesus und der Vater desselben. An anderer Stelle in diesem Brief, nämlich zu Beginn des 6. Kapitels, geht Paulus noch im Detail auf die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern ein. Für ein Kind, das sich unter dem Gott der Bibel noch nichts vorstellen kann, sind die Eltern die Stellvertreter Gottes auf der Erde. Wo die Eltern mit allen Mitteln versuchen, nach Gottes Willen zu leben, sollen sie diesen Gehorsam auch von ihren Kindern fordern. So wie der Herr Jesus seinem Vater gehorsam war bis zum Letzten, nämlich dem Tod am Kreuz, so sind auch Kinder aufgefordert, ihren Eltern gehorsam zu sein. Gerade weil sie vertrauen dürfen, dass ihre Eltern das Beste für sie wollen (und zwar auch dann, wenn sie einen Wunsch der Eltern nicht verstehen können). Andererseits ist es wichtig für die Kinder, zu sehen, dass ihre Eltern auch nicht nach ihren eigenen menschlichen Maßstäben leben, sondern nach denjenigen, die Gott uns vorgibt. Deshalb werden gläubige Eltern auch nie etwas von ihren Kindern verlangen, das im Gegensatz zu Gottes Wort steht.

So wie Eltern das Beste für ihre Kinder wünschen, so wünscht sich auch Gott das Beste für jeden einzel-nen Gläubigen. An dieser Stelle wollen wir uns zuerst eine andere Stelle aus den Paulus-Briefen betrach-ten, nämlich Römer 8 ab Vers 28. Der Vers 28 wird oft zitiert als Trost oder als Selbstrechtfertigung für etwas, was man unbedingt will im Sinne von: Gott will das Beste für mich, also kann ich das tun, was ich für das Beste halte. An der Stelle wollen wir uns fragen, was für Gott denn das Beste für uns ist. Eine Ant-wort darauf hält der nächste Vers (29) bereit:

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirkt, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, welche er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, welche er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. (Römer 8, 28 – 30)

Wir sehen darin, dass es das Beste ist, „dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden“. Das ist es, das Allerbeste für uns alle. Etwas Besseres gibt es nicht. Unsere Wünsche sehen aber oft so aus, dass sie uns, wenn wir sie in Erfüllung gehen lassen, eher der Weltlichkeit gleichförmig gestalten. Die Frage, die sich jedem von uns stellt, ist diese: Bin ich bereit, das Allerbeste anzunehmen oder will ich mich mit dem Zweitbesten zufriedengeben? Das Zweitbeste ist oft schneller zu erreichen, aber es bringt uns von unserer Bestimmung weg. Unsere Bestimmung ist ein Leben mit Gott, ein Leben zu Gottes Ehre, ein Leben, das die Größe Gottes zeigt und bekannt macht. Unsere Bestimmung ist auch nicht auf uns selbst gerichtet, sondern auf die Gemeinde Gottes, auf alle von Gott auserwählten Gläubigen. Ihnen soll unser Leben und unser Handeln dienen. Jesus selbst ist dafür das allerbeste Beispiel: Während die Jünger darüber stritten, wer von ihnen in Gottes Augen wohl der Größte und Beste sei, kniete er sich vor ihnen nieder und wusch ihre Füße. Vor Gott zählt nicht die Größe der Taten, sondern die Treue im Gehorsam. Deshalb ist für Gott auch die Gnadengabe der Prophetie größer als die der Zungenrede, nicht weil sie etwa schwerer, schöner oder wertvoller wäre, sondern weil sie der ganzen Gemeinde dient. Was aber ganz sicher kein Grund sein sollte, die Zweitere zu vernachläßigen oder gar zu verschmähen!

Da wir Gottes Kinder sind, stehen wir zugleich in derselben Stellung wie der Herr Jesus auch: Sein Gott und Vater ist zugleich unser Gott und Vater. So, wie Gott vom Herrn Jesus Treue und Gehorsam verlangt hat, so wünscht er sich auch von uns Treue und Gehorsam, wenn es sein muss bis hin zum bitteren Ende des körperlichen Todes. Es ist einzig und allein das Blut Jesu, das er für uns vergossen hat, das dafür sorgt, dass wir trotzdem in Gottes Gunst bleiben. Das Opfer am Kreuz hat allem Genüge getan, sodass wir wissen dürfen: Dieses wertvolle Blut ist insofern für mich vergossen, dass es jede einzelne meiner Sünden bezahlt hat, sowohl die vergangenen, als auch die zukünftigen. Und nur aufgrund dieses Opfers kann es möglich sein, Gott zu gefallen. Als der Herr Jesus auferstanden ist, hat er mit dieser Auferstehung das ewige Siegel auf uns gedrückt: Der Tod ist besiegt! Es gibt nichts mehr auf dieser Welt, das uns von der Liebe Gottes trennen kann. Weder etwas von außen noch wir selbst.

Auf diese Weise sind wir in Christus oder durch Christus gesegnet. Durch Christus, weil er es war, der uns alle Segnungen erkauft und uns die Tür zu ihnen geöffnet hat. Ob wir durch die Türe hindurch gehen oder ob wir auf der Schwelle stehen bleiben, ist ein anderes Kapitel. Aber die Türe ist offen zu all diesen Segnungen, und niemand kann diese Türe jemals wieder zuschließen. Wir sind aber auch in Christus gesegnet, nämlich in seinem Leib. Christus ist das Haupt der Gemeinde, wir sind sein Körper. Viele der Segnungen können wir im Alleingang überhaupt nicht in Anspruch nehmen, weil sie nicht dafür gedacht sind. Vielmehr hat Gott sie dafür geschaffen, dass wir sie gemeinsam als Ortsgemeinde in Anspruch nehmen und darin leben sollen. Aus diesem Grund können Solochristen auch niemals in der Fülle dieser Segnungen leben. Es gibt vereinzelte Segnungen, die zwar auch ihnen gelten, aber es ist kein Wunder, dass solche sich viel zu wenig gesegnet wissen. In Christus zu sein, bedeutet in einer Gemeinde zu sein und in ihr anderen zu dienen. Einige wunderbare Segnungen kommen gerade dadurch zu ihrer Entfaltung, dass man einander dient. Deshalb gehören die Segnungen auch immer der ganzen Gemeinde. Sie sind ihr übergeben, damit alle in ihr Anteil daran bekommen sollen.

Es sind Segnungen in den himmlischen Regionen. Segnungen von Gott kommen nicht von dieser Welt. Manchmal erinnern sie uns an Dinge von dieser Welt, aber dennoch sind sie es nicht. Es gibt eine gewisse Freude in der Welt und von der Welt, und doch ist diese Freude nur eine lächerliche Fratze im Vergleich zu der reinen und wunderbaren Freude, die von Gott kommt. Wo Hass und Krieg auf der Welt ist, sehen wir einen vergleichsweise lächerlichen Abklatsch des Grimms und Zornes von Gott über all die Sünde und all das gottlose Leben in der Welt, aber auch der politische Friede ist nur eine achtlos hingeworfene Skizze des echten Friedens, der von Gott stammt. Was unsere Welt nötig hat, um zu genesen, das ist der wahre Segen von Gott, doch dieser ist nur denen zugänglich, die bereit sind, sich auf Gott einzulassen. Wer dazu nicht bereit ist, zieht sich lieber Scheuklappen des Verstandes oder die rosarote Brille der Gefühlsduselei an und gibt sich einem dieser beiden hin. Und wer lange genug auf diese Weise gelebt hat, glaubt eines Tages, seine Wahrnehmung müsse die einzig Wahre sein.

Bist du ein wahrhaft Gesegneter? Teilst du deinen Segen mit anderen durch regelmäßiges treues Erscheinen in der Gemeinde? Wo kannst du anderen dienen, ihnen ein Segen sein und dadurch selbst auch mitgesegnet werden? Wo willst du dies in Zukunft noch mehr ausleben?

An die Heiligen und Gläubigen

An die Heiligen und Gläubigen

Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, an die Heiligen, die in Ephesus sind, und Gläubigen in Christus Jesus. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unsrem Vater und dem Herrn Jesus Christus! (Epheser 1, 1 – 2)

Wie es in den damaligen Briefen üblich war, stellt Paulus sich zuerst selbst vor. Es handelt sich dabei ohne Zweifel um den früheren Saulus von Tarsus, von dem wir in der Apostelgeschichte lesen. Im Jahre 30 oder 31 ungefähr hat er sich bekehrt, als er nach Damaskus geritten war, um die dortigen Christen zu verfolgen. Nun ist es ungefähr 30 Jahre später: Paulus hatte viele Gemeinden gegründet, viele Menschen zu Jesus geführt und sitzt wegen seines Glaubens in Rom in Gefangenschaft.

Aus Apg. 28, 16 sowie 30 – 31 können wir entnehmen, dass er nicht in einem üblichen Gefängnis war, sondern in einer Mietwohnung, aber unter strenger Bewachung römischer Soldaten. Deshalb, aber auch wegen seiner treffenden Parallele mit der Waffenrüstung der römischen Legionäre ist es anzunehmen, dass sich diese Wohnung direkt beim Exerzierplatz der römischen Legion befand.

Zusammen mit dem Epheserbrief hat Paulus auf jeden Fall auch den Kolosser- und den Philemonbrief versandt. Diese drei, sowie auch der Philipperbrief sind in dieser Zeit der Gefangenschaft geschrieben worden. Im Epheser- und Kolosserbrief lesen wir jeweils in den Schlussworten, dass Tychikus der Briefbote ist. Und Onesimus, um den es im Philemonbrief geht, ist ein Mitüberbringer des Kolosser-briefes.

Spannend ist nun die Frage, ob der Brief an die Gemeinde in Ephesus geschrieben wurde oder ursprünglich ein anderes Ziel hatte. In zahlreichen frühen Handschriften wird „in Ephesus“ weggelassen, in anderen jedoch steht es drin. Es wurde schon viel darüber gestritten, ob der Brief wirklich an die Epheser gerichtet war. Leider haben wir keine Handschrift, von der wir mit absoluter Gewissheit sagen können, dass sie die ursprüngliche sei. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Sinn machen: Entweder der Brief ist wirklich an die ephesinische Gemeinde gerichtet, und dann stimmen alle Handschriften, wo das „in Ephesus“ drinsteht. Oder der Brief war als eine Art Rundbrief gedacht, der an alle Gemeinden kopiert und versandt wurde. Die Vertreter beider Theorien haben genügend Gründe, um ihre Ansicht zu stützen. Im gesamten Brief steht nichts über sein persönliches Verhältnis zu der Gemeinde, die er selbst gegründet und drei Jahre lang als Pastor betreut hatte. Dies erklärt jedoch andererseits nicht, weshalb wir keine echte Handschrift mit der Gemeinde in irgendeiner anderen Stadt haben. Für mich persönlich spielt es nicht so eine große Rolle, welche Theorie nun stimmt (zumal man das wohl nie wirklich herausfinden wird in unserer Erdenzeit). Vielmehr denke ich, dass beide ihre Berechtigung haben: Der Brief war tatsächlich an eine oder mehrere echte Gemeinden gerichtet. Aber es ist auch klar, dass alle Briefe des Paulus ziemlich schnell auch in den übrigen Gemeinden verteilt wurden. Nur deshalb sind sie uns heute noch erhalten und in die Sammlung der biblischen Schriften eingegangen. Außerdem enthält dieser Brief wirklich sehr wenig Details über die Gemeinde, an die er geschickt wurde. Er ist ein allgemeingültiger Lehrbrief, der für jede Gemeinde ein wichtiges apostolisches Fundament legt.

Auf seiner ersten Missionsreise kam Paulus ungefähr im Jahr 47 oder 48 nach Ephesus. Dort lehrte er in der Synagoge. Später, auf der zweiten Missionsreise, kam er 52 nach unserer Zeitrechnung erneut nach Ephesus. Wiederum lehrte er zuerst in der Synagoge, doch es gab regen Widerstand gegen ihn, so dass er sich mit der neu gegründeten Gemeinde in die Schule des Tyrannus zurückzog. Die Gemeinde wuchs, in der Stadt gab es immer weniger, welche das dort heimische Geschäft mit Statuen der griechischen Göttin Artemis unterstützten. So kam es zum Aufstand des Demetrius, von dem wir in Apg. Ab 19, 26 lesen können. Insgesamt war Paulus – abgesehen von einem kurzen Zwischenbesuch in Korinth – drei Jahre in Ephesus und lehrte die dort entstandene Gemeinde.

Paulus schreibt diesen Brief in der Vollmacht eines Apostels Jesu Christi. Die Bibel unterscheidet zwei Größen von Aposteln: es gibt die Apostel Jesu (oder des Lammes, denn der Herr Jesus ist ja das Lamm). Von diesen gibt es genau 12 (siehe Offb. 21, 14), nämlich die elf übrigen Jünger des Herrn nach dem Tod des Judas Ishkariot und Paulus. Daneben gibt es aber zahlreiche Apostel der Gemeinden. Von diesen kennen wir zum Beispiel Barnabas (Apg. 14, 14), Jakobus (Gal. 1, 19), Epaphroditus (Phil. 2, 25). Ein Apostel zeichnet sich durch die Berufung zum übergemeindlichen Dienst sowie durch eine speziell große Vollmacht bezüglich Zeichen und Wundern aus. So gibt es auch heute Apostel der Gemeinde, die ausgesandt werden, um anderen Gemeinden zu dienen oder neue Gemeinden zu gründen. Das ist das, was einen Apostel wirklich ausmacht.

Paulus nennt die Empfänger dieses Briefes interessanterweise nicht „die Gemeinde in Ephesus“, sondern „die Heiligen und Gläubigen in Christus Jesus“. Dies ist eine Anrede, welche sehr genau wiedergibt, was eine Gemeinde wirklich ausmacht. Sie besteht aus Heiligen und Gläubigen. Ein Heiliger wird man nicht dadurch, dass man von der Gemeinde oder Kirche heiliggesprochen wird, auch nicht einfach durch das Tun von vielen guten Werken. Das alles kann niemals ausreichend sein, um vor Gott heilig zu werden. Vielmehr bedarf es des Glaubens an den Herrn Jesus, dass dieser für uns gestorben ist, um unsere Schuld vor Gott zu bezahlen, und dass er von den Toten auferstanden ist, damit wir ewiges Leben haben. Dies ist, was jemanden vor Gott zum Heiligen macht.

Wir sehen da auch den Zusammenhang zwischen heilig und gläubig, der Paulus hier sehr wichtig ist: Nur wer gläubig ist, kann auch heilig sein, und nur wer heilig ist, ist wirklich gläubig. Gläubig zu sein bedeutet auch nicht einfach, das für richtig zu halten, was uns die Bibel sagt, denn auf diese Weise glauben ja selbst die Dämonen auch an Gott, und ihnen ist dennoch der Feuersee bereitet. Der Glaube ist etwas Göttliches, das kein Mensch selbst verdienen oder herstellen kann. Erst dann, wenn der Heilige Geist das Herz eines Menschen öffnet und ihm den Verstand erleuchtet, wird es ihm möglich, zu glauben. Somit ist der Glaube und damit die Rettung vor dem ewigen Tod ein ganz und gar göttliches Werk. Nichtsdestotrotz bleibt dem Menschen dennoch die Verantwortung, durch sein Handeln diese Gnade auszuleben. Gott heilt die Blindheit unseres verderbten Verstandes und lässt uns seinen Willen kennen. Daraus praktische Konsequenzen zu ziehen, das ist unsere Verantwortung und Herausforderung.

Den Heiligen und Gläubigen in Christus Jesus spricht Paulus zwei Dinge zu: Gnade und Friede. Wenn die Bibel von der Gnade spricht, so meint sie damit die freundliche Zuwendung Gottes zu uns, indem uns die Erkenntnis gegeben wird, was Gottes Wille ist: Nämlich dass wir gerettet sein sollen und als Gerettete und Befreite nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade leben sollen. Dies gibt uns die Freiheit, damit wir Gott und unseren Mitmenschen dienen können.

Der Friede, der uns da zugesprochen wird, das ist der göttliche Friede, der unsere Herzen in ihm still macht. Es geht keinesfalls um einen politischen Frieden, denn einen solchen kann es in der Zeit der neutestamentlichen Gemeinde niemals geben. Dieser wird erst nach der Entrückung der Gemeinde kommen, wenn nämlich der Herr Jesus wiederkommt und sein tausendjähriges Reich errichtet. Nein, es geht um den Frieden, den wir mit Gott haben: Da alle unsere Schuld voll und ganz bezahlt ist, leben wir seit dem Moment der Wiedergeburt nicht länger unter dem grimmigen Zorn Gottes, sondern in Frieden mit Gott als seine Kinder.

Manchmal fühlen wir uns ganz unfriedlich und fragen uns, ob das mit diesem Frieden denn wirklich stimmt. Dann sollten wir zuerst den Herrn fragen, ob es in unserem Leben Dinge gibt, die ihm nicht ge-fallen. Vielleicht haben wir wissentlich gesündigt und sollten deshalb im Gebet dies bekennen und erneut Vergebung empfangen. Lies dazu doch im 1. Johannesbrief 1 die Verse 6 – 9.

Es kann aber auch sein, dass die Umstände uns dermaßen bedrängen und uns zu schaffen machen, sodass wir uns rast- und ruhelos fühlen. Dann dürfen wir wissen: Unser Friede mit Gott übersteigt nicht nur unseren Verstand, sondern auch all unsere Gefühle. Auch im tiefsten Tal der Todesschatten ist Gott da, an unserer Seite. Nicht nur dann, wenn wir ihn fühlen. Dann darfst du den Psalm 23 nehmen und lesen, dass der Herr dein Hirte ist und in jeder Situation für dich sorgt.

Wo stehst du grad? Hast du Frieden mit Gott? Bist du im dunklen Tal oder brauchst du neu die Vergebung? Manchmal brauchen wir nicht nur die Vergebung von Gott, sondern auch die von den Mitmenschen. Sei bereit, auch sie um Vergebung zu bitten.