Gesucht: Treue Mitarbeiter und gute Freunde!

Gesucht: Treue Mitarbeiter und gute Freunde!

Du weißt ja, dass sich von mir alle abgewandt haben, die in [der Provinz] Asia sind, unter ihnen auch Phygellus und Hermogenes. Der Herr erweise dem Haus des Onesiphorus Barmherzigkeit, weil er mich oft erquickt und sich meiner Ketten nicht geschämt hat; sondern als er in Rom war, suchte er mich umso eifriger und fand mich auch. Der Herr gebe ihm, dass er Barmherzigkeit erlange vom Herrn an jenem Tag! Und wie viel er mir in Ephesus gedient hat, weißt du am besten.(2. Timotheus 1, 15 – 18)
Es ist eine bittere Erfahrung, wenn Menschen, die lange Zeit unseren Weg mitgegangen sind, denen wir vertraut haben, sich plötzlich von uns abwenden. Diese Erfahrung müssen wir vermutlich alle irgendwann in unserem Leben machen. Menschen, die wir unsere Freunde nannten, drehen sich um, wenden sich ab, und manchmal schlimmer noch: Sie fangen an, gegen uns zu arbeiten.
Paulus, der hier aus der Todeszelle in Rom schreibt, hat dies wohl ganz besonders bitter erleben müssen. Er schreibt hier von zwei Personen, die ihn in dieser Weise verlassen haben. Zuerst schreibt er davon, dass ihn alle aus der Provinz Asia verlassen hätten. Wie wir wissen, war Timotheus auch in dieser Provinz, und zwar in ihrer Hauptstadt Ephesus als Leiter der Gemeinde tätig. Die Aussage davon ist klar: Timotheus, diese Menschen haben mich alle verlassen, bitte zeige mir, dass doch wenigstens du noch auf meiner Seite stehst, indem du standhaft und mutig bleibst und an meiner Stelle in Ephesus das Wort Gottes verkündigst.
A. Zwei Wege, jemanden zu verlassen
Und dann nennt Paulus zwei einzelne Personen von diesem großen Kreis derer, die ihn verlassen haben. Diese zwei Personen stehen für zwei Arten, wie man jemanden verlassen kann. Phygellus und Hermogenes.
1. Phygellus
Phygellus ist ein griechischer Name und bedeutet „Flüchtling“. Das war also ein Mann, der sich sagte: Wenn dieser Paulus für seinen Glauben zur Todesstrafe verurteilt wird, dann wird mir das zu heiß, dann sehe ich mich lieber nach einem anderen Glauben um, der nicht so lebensgefährlich ist. Oder vielleicht finde ich ja einen anderen christlichen Missionar, der es mit seinem Glauben nicht so ernst nimmt und deshalb von den Römern in Ruhe gelassen wird. Wenn ich dann so einen finde, dann kann ich ja dem helfen. Ihm wurde es um Paulus herum zu gefährlich. Wer natürlich mit jemandem unter-wegs ist, der ein gesuchter Verbrecher ist, da wird es halt schnell mal heiß. Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. Und das wollte er sich natürlich ersparen. Man denkt dabei auch schnell an den Herrn Jesus, der auch von allen verlassen war bei der Gefangennahme, den Verhören und auch ziemlich einsam am Kreuz von Golgatha hing. So, wie die Jünger Jesu recht schnell Reißaus nahmen, als ihr Herr plötzlich weg war, so war auch Phygellus ein Mann, der nur so lange dabei war, wie es ihm Vorteile brachte. Als die Nachteile plötzlich Überhand zu nehmen schienen, war er weg vom Fenster.
2. Hermogenes
Den Namen Hermogenes kann man auf zwei Arten ableiten. Auf der einen Seite bedeutet er „Nachkomme von Hermes“ (Hermes ist der griechische Gott der Kaufleute und der Diebe), andererseits kann man ihn auch als „der geborene Redner“ übersetzen. Wenn wir diese zwei Bedeutungen zusammensetzen, so können wir uns ein Bild von diesem Mann machen. Er war auf jeden Fall ein Mann, der gut reden konnte, der die Hörer in seinen Bann zog. Paulus hingegen erzählt uns in vielen Briefen, dass er kein guter Redner ist. Er musste seine Rede aus der Kraft Gottes nehmen. Er konnte sich nicht auf seine gute Begabung verlassen, die die Leute mitreißt und umhaut. Dieser Hermogenes war da anders. Ihm fiel es wohl sehr leicht, zu reden und zu überzeugen. Nun hat er sich aber nicht nur von Paulus hinweg abgewandt, sondern man übersetzt den Text hier wohl noch genauer mit „er hat sich weg und gegen mich gewandt“. Im Griechischen ist es so, dass zwei, die zusammen arbeiten, die sind so, als ob sie in die gleiche Richtung schauen. Wegdrehen bedeutet dann auch, dass man sich gegen den anderen dreht und gegen ihn arbeitet. Dieser Mann also, der wortgewandte Hermogenes, der hat seine natürliche Gabe der guten Rede gebraucht, um gegen Paulus zu arbeiten und dadurch Menschen von Paulus und seiner gesunden Lehre abzubringen. Wenn man die Reihenfolge betrachtet, wie Paulus das Ganze beschreibt, so kommt man auch auf den Gedanken, dass dieser wunderbare Redner die Gelegenheit genutzt hat, um die übrigen von der Provinz Asia hinter sich her abzuziehen. Er wird wohl gesagt haben: „Seht mal, der Paulus, mit dem wir lange zusammengearbeitet haben, der ist jetzt gefangen, wie ein Schwerverbrecher. Der muss von Gott bestraft worden sein. Also nehmen wir lieber eine andere Lehre, die den Menschen besser gefällt. Und verschwand aus der Sichtweite.
Menschen wie Phygellus und Hermogenes kennen wir wohl alle. Sie sind ein Teil unseres Lebens, vielleicht Teil der Gemeinde, aber eines Tages passt es ihnen nicht mehr, und sie wenden sich ab. Manche verschwinden einfach wie ein Phygellus, und werden nicht mehr gesehen. Andere fangen an mit Intrigen und machen einem das Leben schwer.
Diesen Leuten wird in unserem Text eine andere gegenübergestellt. Das ist Onesiphorus, ein Mitarbeiter von Paulus aus Ephesus. Sein Name bedeutet „der Nutzbringende“, und wie wir sehen werden, beschreibt Paulus an ihm die wichtigen Qualitäten eines treuen Mitarbeiters und guten Freundes.
B. Der Charakter eines guten Freundes
1. Ihm geht es um seinen Freund Paulus
Zuerst merkt man, dass Paulus durch den Gedanken an den Freund, der ihn als Einziger in diesem Moment nicht verlassen hatte, gestärkt wird. Wenn man den Text im Original liest, so kommt es einem vor, als ob hier die Sprache beginnt zu sprudeln und sich kaum noch halten kann. Die Verse 16 – 18 sind alle ein einziger Satz, der mit einem kurzen Gebet für die Familie seines Freundes beginnt und mit einem zweiten kurzen Gebet für ihn persönlich aufhört. Dazwischen finden wir vier besondere Eigenheiten, die eine treue Hilfe und einen guten Freund ausmachen.
Das Erste, wie wir sehen, ist die Tatsache, dass Onesiphorus seinen Freund stärkt. Ein Freund stärkt und ermutigt schon dadurch, dass er sich Zeit nimmt und für den Freund da ist. Ein Freund nimmt sich Zeit und ist bereit, diese Zeit ohne dafür etwas zu erwarten in den Anderen zu investieren. Man könnte sich jetzt fragen, was es denn bringt, noch in jemanden zu investieren, dessen Tage so sehr gezählt sind, dass er jeden Tag den Tod erwarten könnte. Aber eine echte Freundschaft fragt nicht danach, was der Nutzen ist. Sie fragt nicht danach, was mir der Andere noch geben kann als Gegenleistung für meine Freundschaft und Hilfe, sondern sie tut es, weil sie es als richtig erkennt und die Person als wertvoll erachtet.
Ein Freund ist aber nicht nur da, um passiv zuzuhören und einfach nur Zeit zu verbringen, sondern er hilft auch und ermutigt. Das sehen wir hier, wie Paulus den Onesiphorus beschreibt. „Er hat mich erquickt“, wörtlich übersetzt: „Er hat meine Seele erneuert“. Also: Er hat mich gestärkt, hat mich ermutigt, hat mich auch mal ermahnt, dran zu bleiben und nicht zu verzweifeln und aufzugeben. Er hat dafür gesorgt, dass ich zur Ruhe kommen konnte. Er hat mich so angenommen, wie ich bin. Er hat mir nicht vorgeschrieben, wie ich sein müsse, um es wert zu sein, dass er mein Freund ist.
2. Er ist treu
Als Zweites fällt auf, dass Onesiphorus sich nicht nur hin und wieder als Freund verhält, sondern wir lesen, dass er das oft tat. Er blieb seinem Freund treu. Da haben wir die zweite Charaktereigenschaft: Die Treue. Treue bedeutet, dass man nicht auf die Umstände schaut, sondern sich gleich verhält, egal, was sich gerade entwickelt. Dem guten Onesiphorus wird es bestimmt nicht gefallen haben, dass sein Freund Paulus plötzlich in der Todeszelle sitzt. Aber es hat an seiner Freundschaft nichts geändert. Er tat das, was er zuvor getan hatte, auch weiterhin.
Das Risiko, das Onesiphorus auf sich nimmt, um Paulus zu dienen, ist hier ganz besonders bemerkenswert. Er nimmt das Risiko in Kauf, als Komplize mitgefangen zu werden. In der Zeit war niemand mehr sicher, denn Rom hatte gebrannt, die Christen waren des Brandes beschuldigt worden und ziemlich viele von ihnen sind gefangen und hingerichtet worden.
Wie würden wir damit umgehen? Mit dem Wissen, dass uns unsere Freundschaften ins Gefängnis und sogar ums Leben bringen können? Lieben wir unsere Freunde? Jesus definierte Liebe so: „Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben lässt für seine Freunde.“ (Johannes 15, 13) So ist der Herr Jesus unser Vorbild für einen guten Freund, denn Er hat Sich Selbst hingegeben, bis zum Tod am Kreuz. In Seinem Tod ist unsere Schuld vor Gott bezahlt und in Seiner leiblichen Auferstehung erhalten wir das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott.
3. Er schämt sich nicht wegen der Ketten
Was noch hinzu kommt, ist der Umstand, dass Paulus als Verbrecher und Staatsgefangener einen schlechten Ruf bekommen hatte. Auch er als sein Freund wird von diesem schlechten Ruf abbekommen haben. Aber das stört ihn nicht. Er nimmt sich selbst nicht so wichtig. Viel wichtiger ist ihm, dass es seinem Freund gut geht. So nimmt er den schlechten Ruf in Kauf und ist bereit, trotz allem da zu sein und den Paulus zu unterstützen.
Wie gehen wir mit der Herausforderung um, dass es Freundschaften gibt, die uns unseren guten Ruf kosten? Manchmal werden auch bei uns in unserem Umfeld Menschen zum Gespött, werden gemobbt, wie verhalten wir uns da? Wenden wir uns ab wie ein Phygellus, und tun, als ob wir die Person nicht kennen? Oder machen wir sogar mit bei dem Gespött und wenden uns – gleich einem Hermogenes – gegen die Person? Oder sind wir bereit, Seite an Seite mit der Person, die es betrifft, den Spott, die Scham, das Leid zu ertragen?
4. Er nimmt die Herausforderung an, Paulus zu suchen
Das vierte, was Paulus über Onesiphorus sagt, ist, dass er die Reise nach Rom auf sich genommen hatte, um ihm zu helfen, aber zuerst hatte er ja gar nicht gewusst, wo Paulus sich befand. Es gab mehrere von diesen unterirdischen Löchern, den Todeszellen, denn zu der Zeit war ja die Todesstrafe auch recht verbreitet. So musste nun der arme Onesiphorus eine recht ausgedehnte Suche auf sich nehmen. Um den Aufwand dieser Suche zu beschreiben, verwendet Paulus zwei Worte, die man am besten mit „unter Anstrengung mit Eifer suchen“ übersetzt.
Ein Freund ist also bereit, Zeit, Kraft und Eifer zu investieren, um den Anderen zu suchen. In unserer Epoche von Handy und Smartphone ist das eine seltene Angelegenheit geworden. Aber nehmen wir uns wirklich noch die Zeit und die Mühe, uns in den Anderen hineinzuversetzen und ihn dort „abzuholen“, wo er ist?
C. Der Lohn eines treuen Mitarbeiters und guten Freundes
So kommen wir nun an den Punkt, wo wir uns fragen müssen: Was bin ich für ein Freund? Bin ich ein Freund wie Phygellus, der seine Fahne in den Wind hängt und mal da und mal dort mithilft, aber nie so richtig weiß, wo er dazu gehört? Oder bin ich ein Freund wie der Hermogenes, der überall seine Vorteile sucht? Der so lange ein guter Freund ist, wie es ihm den Vorteil bringt, der aber genauso schnell beginnen kann, sich gegen den vorigen Freund zu wenden, wenn ihm das mehr Vorteile bringt? Oder bin ich ein Freund wie Onesiphorus, der nicht auf die äußeren Umstände schaut, sondern treu bleibt, für andere da ist, hilft und auch bereit ist, für diese Freundschaft schwere Zeiten zu ertragen? Zweite Frage: Was möchte ich für ein Freund sein?
Ein echter Freund und treuer Mitarbeiter zu sein, kostet. Aber der Segen, den das bringt, ist ebenso sehr groß. Gott sieht, was wir für unsere Mitmenschen tun. So kann Paulus beten: Gott schenke ihm Barmherzigkeit. Gott segne ihn, diesen wunderbaren Freund, meinen Onesiphorus, und seine ganze Familie. Sein Lohn wird groß sein.
Schlusszitat:
Wenn ein Mensch ein weites, liebendes Herz hat, kommen die Menschen zu ihm wie die Schiffe in den Hafen und fühlen sich wohl, wenn sie unter dem Schutz seiner Freundschaft vor Anker liegen.“ Charles Haddon Spurgeon

Wachsen im Glauben und Dienst

Wachsen im Glauben und Dienst

Er hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde, die jetzt aber offenbar geworden ist durch die Erscheinung unseres Retters Jesus Christus, der dem Tod die Macht genommen hat und Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, für das ich als Verkündiger und Apostel und Lehrer der Heiden eingesetzt worden bin. Aus diesem Grund erleide ich dies auch; aber ich schäme mich nicht. Denn ich weiß, an wen ich glaube, und ich bin überzeugt, dass er mächtig ist, das mir anvertraute Gut zu bewahren bis zu jenem Tag. Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist. Dieses edle anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt! (2. Timotheus 1, 9 – 14)
Einleitung: Deine Berufung von Gott
Im Abschnitt davor, nämlich in den Versen 6 – 10 haben wir gesehen, dass Paulus hier versucht, Timotheus zu motivieren. Es ging um den Befehl „Entfache das Feuer!“ Heute werden wir den zweiten Befehl betrachten, nämlich: Werde stark in deinem Glauben und iu deinem Dienst! Das ist das Thema unseres Abschnitts. Doch blicken wir zunächst noch einmal auf den Abschnitt vom letzten Mal, das hilft uns, den Zusammenhang zu verstehen. Wir haben im letzten Abschnitt gewissermaßen fünf Dinge gesehen, die Timotheuis hat: Paulus schreibt also Timotheus: Sei mutig und geh voran! Du hast:
1. Eine Ausrüstung(Gaben)
Paulus hatte Timotheus die Hände aufgelegt und mit ihm gebetet, und so hat Timotheus alle notwendigen Gaben bekommen, um seinen Dienst in Ephesus zu tun.
2. Ein Potential(Kraft, um mit den Gaben umzugehen: Entweder Furchtsamkeit oder Kraft, Liebe und Selbstbeherrschung)
Die Brauchbarkeit der Ausrüstung ist abhängig vom Gebrauch. Gaben sind eine Art von Werkzeug, das mit dem Gebrauch wächst. So, wie unsere Fertigkeiten auch zunehmen, wenn wir etwas üben, so können auch die Gaben zunehmen. Aber wie Muskeln nehmen sie ab, wenn man sie nicht braucht und stattdessen der Furchtsamkeit immer nachgibt.
3. Ein Kreuz zu tragen (Leiden um des Evangeliums willen)
Jeder, der Christus nachfolgen will, muss sein Kreuz auf sich nehmen und auch bereit sein, Spott und Verfolgung zu ertragen. So weiß zum Beispiel Timotheus, dass Paulus deswegen in der Todeszelle sitzt. Das ist nicht gerade ein angenehmes Wissen, wenn man gerade die Nachfolge im Dienst antreten soll.
4. Die Erinnerungan deinen Gott (wie Er ist, spricht, denkt, fühlt, handelt, etc.)
Aber Timotheus hat auch eine Erinnerung – die Erinnerung an Gott. Die Erinnerung an das, was Gott in seinem Leben und im Leben des Volkes Israel schon alles getan hat. Gerade Israel ist das beste Beispiel für das Eingreifen Gottes in Zeiten der Not. So kann der junge Timotheus zu seinem Gott aufsehen und aus der Bibel und aus der Erfahrung Vertrauen lernen.
5. Eine Pflicht(die Berufung)
→ Was ist dein Element? Schleppst du dein Wasser durch die Wüste oder schwimmst du darin?
Timotheus hat eine Berufung bekommen – die Berufung zum Dienst in der Gemeinde in Ephesus. Die Berufung ist immer mit Pflicht und Verantwortung verbunden. Aber Pflicht und Verantwortung ist nur dann so schwer, wenn wir mit Widerwillen dagegen arbeiten. Wenn du die Aufgabe hast, 5 Liter Wasser durch die Wüste zu tragen, so ist das viel mühsamer, als von 100 Litern Wasser im Schwimmbad umgeben zu sein. Es kommt halt immer drauf an, in welchem Element wir uns befinden und ob wir uns dagegen wehren. Wenn wir aber das Leben im Geist und die Verantwortung dankbar annehmen lernen, wird alles gleich viel leichter.
A. Vertraue deinem Gott!
Und so kommen wir zu unserem heutigen Text. Timotheus hat also die Berufung als Leiter und Pastor der Gemeinde in Ephesus gehabt, und Paulus ermutigt ihn jetzt, darin treu und kompromisslos auf der Seite von Gott zu sein. Timotheus braucht ein Leben in Hingabe an Gott, und darum geht es. Paulus gibt mit seinem eigenen Leben ein Vorbild für diese Hingabe, von der er sich nun wünscht, dass ihn Timotheus darin imitiert.
1. Das Vorbild im Leiden
Der erste Punkt ist der: Paulus macht dem Timotheus hier klar, dass ein Leben in der Nachfolge Jesu immer damit verbunden ist, dass man in Situationen kommt, die unangenehm sind. Und wir haben ja gesehen, dass unsere Fruchtbarkeit im Dienst davon abhängt, wie wir auf solche Situationen reagiert. Ob man sich zurückzieht, abhaut und den Platz anderen hinterlässt, oder ob man bereit ist, stehen zu bleiben und auch das Unangenehme zu ertragen und darauf mit Kraft Liebe und Selbstbeherrschung zu antworten.
Wenn man betrachtet, wie Paulus das Leiden in den Briefen an Timotheus insgesamt versteht, so wird klar, dass es ihm wichtig ist, zu zeigen, dass wir in unserem Leiden die Nachfolge des Herrn Jesus angetreten haben. So gehört das Leiden zur Nachfolge dazu, denn wir sind nicht besser als unser Herr. Und wie Er gelitten hat am Kreuz von Golgatha, um damit unsere Schuld zu bezahlen, so leiden wir auch, aber nicht um Schuld zu bezahlen, das können wir ja auch gar nicht, sondern wir leiden, um immer mehr wie Jesus zu werden. Solange alles problemlos läuft und wir uns so leicht und unauffällig durchs Leben schlängeln, ist das zwar angenehm, aber wir haben ein anderes großes Problem: Dann sind wir dazu verdammt, immer so zu bleiben, wie wir sind! Aber gerade deshalb sind wir aufgerufen, Gott gänzlich hingegeben zu dienen. Kompromisslos. Fanatisch. Die Welt, in der wir Leben, die IST fanatisch. Sie ist fanatisch dem Satan hingegeben, auch wenn sie es nicht weiß. Aber sie ist fanatisch dem Vater der Lüge hingegeben, der sucht, was er zerstören kann. Sie ist fanatisch dem Engel des Lichts hingegeben, der unter dem Deckmantel der Nächstenliebe dafür sorgt, dass pro Jahr 42 Millionen Babies abgetrieben werden. Eine Welt, in der das „normal“ geworden ist, kann man wirklich nicht anders als durch und durch fanatisch und dem Fürsten der Welt hingegeben nennen.
2. Das Vorbild im Nichtschämen
Für Gott hingegeben zu sein, bedeutet deshalb auch, die Augen nicht zu verschließen vor dem, was um uns herum abgeht, sondern einiges auch anzusprechen. Wenn man weiter betrachtet, wie Paulus in allen seinen Briefen vom Sich-Schämen und Sich-nicht-Schämen schreibt, so wird klar, dass er damit etwas anderes meint, als wir uns das meist vorstellen. Sich etwas zu schämen, bedeutet für Paulus, etwas zu verschweigen. Nicht darüber zu reden. Es in der Tasche aber gut versteckt mit sich herumzutragen. Und so verstehen wir auch das Gegenteil davon: Sich nicht schämen. Sich nicht zu schämen, meint somit: Viel und gerne darüber reden, es zeigen, und natürlich auch, danach zu leben. Wir wissen – und Timotheus wusste das auch -, dass Paulus gerade deshalb jetzt in dieser Todeszelle sitzt, weil er sich eben nicht geschämt hat, sondern das Evangelium überall gepredigt und neue Gemeinden gegründet hatte. So ist Paulus auch für uns ein Vorbild. Timotheus, ich habe mich nicht geschämt, denn ich kann nicht von dem schweigen, was mein Leben ausmacht!
3. Das Vorbild im Vertrauen
Und nun zeigt Paulus auch, woher seine Freiheit kommt, mit welcher er seinen Brief schreibt. Er hätte ja allen Grund, im Selbstmitleid zu versinken, könnte man meinen. Aber nein, davon kann jetzt keine Rede sein. Er ist wegen seines Glaubens nicht nur im Gefängnis, sondern geradezu in der Todeszelle, wo er nur noch auf die Exekution wartet, aber eines kann ihm niemand nehmen: Sein Vertrauen in Gott. Er weiß: Mein Gott ist groß. Mein Gott ist größer als das ganze Universum. Mein Gott ist allmächtig. Mein Gott ist mächtig, das, was Er mir anvertraut hat, das was Er durch meine Predigt gewirkt hat, zu bewahren bis ans Ende der Zeit. (V. 12) Mein Gott ist stark genug, um das Werk, das Er in den Gemeinden begonnen hat, auch zu vollenden(Phil. 1, 6). Und mein Gott ist nicht ein gleichgültiger Gott, der sich aus dem Geschehen etwa zurückgezogen hätte, sondern ein handelnder Gott, einer, der Sich für mich interessiert. Einer, der mich berufen hat. Einer, der mir die Kraft gibt, für meinen Glauben nicht nur zu leiden, sondern auch zu sterben, wenn es sein soll.
B. Prüfe deinen Glauben!
Und so fährt Paulus in seinem Brief an Timotheus fort: Halte dich an das Muster der gesunden Worte (oder gesunden Lehre). Ich möchte das kurz an einem Beispiel erklären.
1. Das Muster der gesunden Lehre
Stell dir vor, es ist Vorweihnachtszeit, der Weihnachtsmarkt steht noch vor der Türe, und jeder hat den Auftrag, dafür Weihnachtsgebäck vorzubereiten. Du sollst Zimtsterne machen. Dazu brauchst du: Eiweiß, Zucker, Zimt, gemahlene Mandeln und natürlich Puderzucker für die Glasur.
Jetzt reicht aber der richtige Teig nicht aus, um das, was daraus entsteht, automatisch Zimtsterne nennen zu können. Es braucht auch die richtige Form – den Stern. Man kann nicht Zimtmonde machen und diese dann als Zimtsterne verkaufen. Auch Zimttannen eignen sich nicht für den Verkauf als Zimtsterne. Es wäre Betrug, dies so zu machen.
2. Die gesunde Lehre in der Bibel
Wenn wir also im Glauben wachsen wollen, ist es wichtig, dass wir zuerst wissen, was der biblische Glaube ist. Eines der größten Probleme unserer Zeit ist nicht die falsche Überzeugung, sondern der Mangel an Überzeugung. Ich werde oft von Menschen gefragt: Was kann man denn noch glauben? Jeder beruft sich auf die Bibel, aber der Eine sagt dieses, der Andere sagt jenes, was kann ich da glauben? Worauf ist Verlass? Das ist ein großes Problem.
Ich möchte darauf zwei Gedankenanstöße geben. Der erste davon ist: Überzeugung und Begeisterung bringt mehr Frucht als Zweifel und den Versuch, perfekt zu sein. Perfekt wirst du auf der Erde nie sein. Auch unser Glaube ist immer Stückwerk. Deshalb ist Begeisterung das Wichtigere. Lass dich begeistern von unserem Gott, der stark genug ist, um uns richtig zu führen. Lass dich begeistern von dem, was du in der Bibel liest. Du musst nicht erst alles perfekt verstanden haben, um Gott dienen zu können. Nimm das, was du hast, was du weißt, was du kannst, und diene mit dem treu. Der Rest wird dann schon noch kommen, verlass dich drauf.
Der zweite Gedanke dazu: Prüfe alles an der Bibel. Sie ist nicht so kompliziert. Sie muss nicht über hundert Ecken gelesen und herum-interpretiert werden. Sie ist klar und verständlich, praktisch und total lebensbezogen.
In der Bibel finden wir also diese Zimtsternform für unseren Glauben oder man könnte auch sagen: Das Muster der gesunden Worte. Wenn wir uns immer wieder von dem füllen lassen, was in Gottes Wort steht, so werden wir richtig geleitet. Der Kirchenvater Augustinus sagte: „Liebe und dann tue was du willst.“ Damit meinte er: Liebe Gott und liebe Gottes Wort und liebe die Menschen, lass dich von Gottes Wort und Gottes Liebe erfüllen, und dann wird das, was du tust, das Richtige sein. Deine Worte Taten sind Spiegelbilder von deinem Herzen. Sie zeigen, was in dir drin steckt. Wenn da eine Menge Zorn und Unversöhnlichkeit ist, werden deine Taten und Worte genau das zeigen. Wenn da Gottes Wort und Gottes Liebe drin ist, so gilt dasselbe. Liebe, und dann tue was du willst. Dein Wille wird dann das tun wollen, was der Liebe entspricht.
3. Setze den Glauben und die Lehre zusammen
Jetzt sehen wir uns noch einmal diesen Vers an: Halte das Muster der gesunden Worte fest im Glauben. Hier kommen die zwei Gedanken von vorhin zusammen: Erstens die Begeisterung und zweitens die Lehre der Bibel. Was du glaubst, danach handelst du. Wo du sicher bist, das bestimmt dein Leben. Und jetzt kommen wir zu einer ganz grundlegenden Frage: Wenn uns die Bibel sagt, dass es nur einen Weg zu Gott gibt, nur einen Namen, in dem Menschen gerettet werden können, glaubst du das? Jesus hat vom Feuersee gesprochen. Johannes schreibt davon. Paulus schreibt vom Gericht und von der Verdammnis. Überall findest du das wieder. Glaubst du es? Bestimmt das dein Leben? Handelst du danach? Wenn wir wissen, dass da draußen Tausende und Millionen von Menschen zur Hölle fahren, weil sie die schreckliche Diagnose „Sünde“ haben, und du hältst das einzige Medikament in der Hand, das sie retten und heilen kann, was macht das mit dir? Was die Menschen brauchen, das ist Jesus. Und aus diesem Grund dürfen wir sie auch in die Gemeinde einladen und mitbringen. Oder ihnen selbst von Jesus erzählen. Aber zumindest sie einladen, in die Gemeinde zu kommen, das kann jede und jeder.
C. Bewahre das Richtige!
Und nun, wo wir geprüft haben, was die Wahrheit ist und uns bewusst geworden sind, welch große Verantwortung wir haben, geht es nun darum, das Richtige zu bewahren. Paulus schreibt im Vers 14: Dieses edle anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt!
1. Das edle anvertraute Gut ist der Inhalt unseres Glaubens
Das ist es, was wir bewahren sollen. Das klingt ja schön konservativ und ist es gewissermaßen auch. Aber es ist nun mal so, dass sich die Wahrheit noch nie geändert hat und sich auch nie ändern wird. Ein Apfel wird hier auf der Erde immer nach unten fallen, und so bleibt auch die Wahrheit, die wir haben, immer dieselbe.
2. Wachstum im Glauben: Standhaftigkeit
Diese Wahrheit ist das Fundament, auf dem wir stehen. Wenn wir ständig am Fundament herumbasteln, bleibt uns aber keine Zeit, um die Wände hochzuziehen. Das Fundament bleibt also ein für alle Male. Wir dürfen also sicher sein, dass Gott zu allen Zeiten dafür gesorgt hat, dass Sein Wort richtig verstanden wurde. Trotz der vielen kuriosen Lehren, die zu manchen Zeiten stärker dominiert haben. Aber wir wissen deshalb auch, dass wir so neuartige Lehren, wie man sie immer wieder einzuführen versucht, gar nicht groß beachten muss. Was wir brauchen, ist ein starker Rückgrat, ein solides Wissen über das, was die Bibel insgesamt sagt. Das ist wichtig für uns. Sie ist nicht einfach nur eine zufällige Zusammenstellung von Büchern, wie das zum Beispiel bei Reader’s Digest der Fall ist. Sondern es geht vom ersten bis zum letzten Kapitel um die Geschichte Gottes mit dieser Welt. Wir sollen die Wahrheit im Heiligen Geist festhalten. Was aber bedeutet das nun für uns? Der Heilige Geist, der in uns wohnt, ist derselbe, der den Propheten und Aposteln all das eingab, was sie für uns aufgeschrieben haben. Wir dürfen also wissen, dass der Heilige Geist immer noch derselbe ist und weiß, was er den Schreibern der Bibel gesagt hat. Und so kann er uns auch heute das klarmachen, was da gemeint ist. Und er wird das auch, wenn wir sein Wort lesen und seine Führung suchen.
3. Wachstum im Dienst: neue Schritte wagen
Die Bibel ist aber gerade nicht nur ein Lehrbuch über den richtigen Glauben, sondern vielmehr noch ein ganz praktisches Buch mit viel hilfreichen Dingen für unser tägliches Leben. Ich möchte es mal so sagen: Jeder Satz der Bibel zielt auf unser tägliches Leben. Und so lange wir ihn noch nicht umzusetzen wissen, haben wir ihn nicht verstanden. Gott möchte, dass wir in dem, was wir tun, wo wir unsre Berufung und Aufgabe haben, immer wieder neue Schritte wagen. Unser heutiger Text möchte ja auch bewirken, dass wir unsere Angst vor Ablehnung überwinden und mutig auf andere Menschen zugehen und sie in die Gemeinde in den Gottesdienst einladen oder zu den Royal Rangers oder in die Jugend oder einfach mit ihnen über den Glauben reden. Wir haben gesehen: Sich nicht zu schämen, bedeutet, aufhören zu schweigen und stattdessen zu reden. Von dem, was wir bekommen haben: Jesus Christus, der uns erlöst hat.
Schluss: Wahrheit in Liebe!
Zum Schluss möchte ich noch kurz auf eine interessante Feststellung in unserem Text eingehen. Paulus schreibt in Vers 13: Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist.Im Glauben, das haben wir gesehen, da geht es um unsere Überzeugung. Aber nicht nur unsere Überzeugung ist wichtig, sondern da geht es noch weiter: „und in der Liebe, die in Christus Jesus ist.“ Es zählt also nicht nur die Wahrheit, sondern es geht darum, dass die Wahrheit in Liebe weitergegeben wird.
Liebe bedeutet aber gerade nicht, dass man irgend etwas Wichtiges verschweigen soll. Aber was es bedeutet ist, dass unsere Motivation stimmen muss.
Deshalb: Lasst uns unsere Berufung wahrnehmen. Lasst uns da, wo wir sind, als Botschafter Gottes leben, als Menschen, die das einzige wirksame Medikament gegen die verheerende Sklaverei der Sünde haben. Lasst uns prüfen, was unser Glaube ist, lasst uns darum besorgt sein, dass wir immer wieder diese Begeisterung bekommen und lasst uns auch das festhalten, was wir in der Bibel als richtig erkennen. Und damit können wir Schritt für Schritt neues Land einnehmen, neue Schritte wagen und das umsetzen, was wir von Gottes Wort lesen und hören.

Entfache die Flamme!

Entfache die Flamme!

Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, die Gnadengabe Gottes wieder anzufachen, die durch Auflegung meiner Hände in dir ist; denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. So schäme dich nun nicht des Zeugnisses von unserem Herrn, auch nicht meinetwegen, der ich sein Gefangener bin; sondern leide mit [uns] für das Evangelium in der Kraft Gottes. Er hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde, die jetzt aber offenbar geworden ist durch die Erscheinung unseres Retters Jesus Christus, der dem Tod die Macht genommen hat und Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium. (2. Timotheus 1, 6 – 10)
Paulus schreibt an Timotheus: Entfache die Flamme! Entfache das Feuer, das Gott in dich gelegt hat! Lass es nicht ausgehen, sondern kämpfe immerfort darum, dass du brennst und brennend bleibst im Dienst! Das ist die Hauptaussage, der Hauptvers in diesem Abschnitt. Alles darum herum dient zur Erklärung dieser Hauptaussage: Erstens warum Timotheus das Feuer wieder entfachen soll, zweitens welche Konsequenzen das hat und drittens wie das ganz praktisch geschieht. Deshalb werden wir heute auch diese drei Fragen stellen und lassen unseren Text diese Fragen beantworten.
A.) Warum soll Timotheus das Feuer der Gabe entfachen?
Gott gab Timotheus eine Geistesgabe. Wir verstehen diese Gaben heute sehr oft getrennt, da gibt es die Gabe der Zungenrede und eine andere Gabe der Heilung und wieder eine andere Gabe der Prophetie und so weiter. Wenn wir die Bibel lesen, fällt auf, dass sie nicht so sehr zwischen den einzelnen Gaben unterscheidet. Auch wenn eine Person verschiedene Gaben zugleich bekommen hat, spricht die Bibel oft von der Zusammensetzung dieser Gaben als von „der Gabe“. Timotheus war Evangelist, Lehrer, Seelsorger und hatte die Aufgabe, die Gemeinde in Ephesus zu leiten.
Gott hat ihm die Gaben dafür gegeben. Er hatte alles was er dazu brauchte – doch das schönste Geschenk nützt nichts, wenn man es nicht auspackt oder nur auspackt und dann weglegt und vergisst. Was ist los mit dir, Timotheus? Warum bist du so schnell bereit, all das Gute aufzugeben, was Gott dir für den Dienst geschenkt hat?
1. Weil Timotheus eine gute Herkunft hat
Ein erster Grund für die Ermutigung, das Feuer wieder anzufachen, ist darin zu finden, dass Timotheus eine gute Herkunft hat. Erinnern wir uns daran, dass Timotheus im Haus einer gläubigen Mutter und Großmutter aufgewachsen ist. Paulus weiß, wie Timotheus aufgewachsen ist und wie er von frühester Kindheit gelernt hat, was Gott uns sagen will. Unser Wissen, unsere Kenntnis können die Gaben nicht ersetzen, aber die Frucht davon vermehren. So ist also die solide, gute, tiefe und intime Kenntnis von Gottes Wort wie ein Dünger, der Nährstoffe enthält, sodass die Früchte der Gaben mehr Wachstum bringen.
2. Weil Timotheus eine Aufgabe bekommen hatte
Paulus hatte Timotheus die Hände aufgelegt und ihm dadurch eine Aufgabe, ein Amt, übergeben. Je größer unsere Verantwortung ist, desto wichtiger ist es, dass wir unsere Flamme am Brennen halten. Je mehr Menschen wir um uns haben, mit denen wir unser Leben teilen, desto größer die Notwendigkeit, uns beständig diesem Feuer zu widmen und dafür zu sorgen, dass es am Brennen bleibt. Wenn wir eine Familie haben, so brauchen wir die Kraft, Weisheit und Hilfe Gottes dabei. Wenn wir Kinder haben, brauchen wir Gottes Reden in diesen Aufgaben. Wenn wir ein Rangers-Team haben, brauchen wir Gottes Hilfe und Kraft, um diese Aufgabe richtig zu machen. Deshalb: Timotheus, lass dein Feuer nicht ausgehen!
3. Weil Gott uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben hat.
Da lesen wir es: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben. Die Furchtsamkeit nimmt uns den Blick von Gott weg und lenkt ihn auf uns selbst. Und der Blick, der sich auf uns selbst richtet, nimmt Gott die Ehre. Wir fangen an, nach unseren menschlichen Möglichkeiten und Dimensionen zu denken, leben und handeln. Wir vertrauen nicht mehr auf Gottes Größe, sondern nur noch auf unser eigenes Häuflein Kraft. Vielleicht bitten wir Gott trotzdem noch hin und wieder um Hilfe, aber so recht vertrauen wir nicht, sondern haben lieber noch den Plan B bereit.
Furchtsamkeit, Enttäuschung und Einschüchterung führen dazu, dass unser Feuer zurückgeht. Aber Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben. So lange wir hier in dieser Welt leben, wird es immer wieder Situationen geben, wo wir unter Druck kommen. Es werden menschliche Vorstellungen aufeinanderprallen, es müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden, von denen wir nicht alle Komponenten kennen, und so weiter. Das führt uns in einen Druck. Und die Frage ist hierbei immer, wie wir mit diesem Druck umgehen.
Jesus sagte in Joh. 16,33: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber siehe, ich habe die Welt überwunden.“ Luther übersetzte hier „Bedrängnis“ mit „Angst“ und meinte damit die Dinge, die uns Angst machen. Es war Jesus also auch klar, dass wir immer wieder mit Dingen konfrontiert werden, die uns Angst machen. Das Wort, das hier mit „Bedrängnis“ übersetzt wird, das ist „thlipsis“. Die thlipsis ist im Griechischen der Druck gewesen, der eine Säule auf ihr Fundament drückt und ihr damit die Stärke gab, um auch den Stürmen zu trotzen. Je schwerer das Dach, desto größer der Druck und desto stärker und unbeweglicher war die Säule.
Wenn wir in solchen Druck geraten, dann fühlen wir uns am ehesten nach Weglaufen, nach Verstecken, nach „ab ins Bett und die Decke über den Kopf ziehen“. Das ist die normale Reaktion. Aber es gibt auch noch eine Alternative. Diese Alternative zählt Paulus hier auf: Kraft, Liebe und Selbstbeherrschung.
Timotheus, wenn du ein einfaches, sorgloses, unscheinbares und unauffälliges Leben haben willst, dann tu das, wonach du dich fühlst. Dann lass deine Gaben bleiben, dann lass dein Geschenk im schönen Geschenkpapier und gib dich deiner Menschenfurcht hin. Wenn du aber Christus nachfolgen möchtest, dann musst du wissen, dass ein Jünger nichts Besseres ist als sein Meister. Er hat nämlich gesagt in Markus 8, 34 – 35: „Wer Mir nachkommen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach. Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um Meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es retten.“Das sind klare Worte. Aber so ist es nun mal, das Leben mit Jesus. Es kostet uns alles.
So kommen wir zur zweiten Frage:
B.) Welche Konsequenzen hat das?
Nicht einen Geist der Furchtsamkeit
Wir haben bereits gesehen, dass Paulus hier schreibt, dass Gott uns keinen Geist der Furchtsamkeit gegeben hat, sondern der Kraft, der Liebe und der Selbstbeherrschung. Kraft, Liebe, Selbstbeherrschung, das sind drei Dinge, die gegen die Furchtsamkeit kämpfen. Es geht nämlich gerade nicht darum, so zu tun, als ob wir keinem Druck mehr ausgesetzt wären. So zu tun wäre nämlich fatal. Es ist klar, dass wir immer wieder in diesen Druck reinkommen. Aber sobald das geschieht, haben wir zwei Möglichkeiten, wie wir reagieren wollen. Entweder wir reagieren mit Furchtsamkeit, wie es ganz natürlich ist, oder wir erinnern uns, dass Gott uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben hat und reagieren stattdessen mit Kraft, Liebe und Selbstbeherrschung. Zusammengefasst könnte man diese drei Eigenschaften mit „Mut“ wiedergeben. Mut ist die goldene Mitte zwischen Feigheit und Tollkühnheit.

Kraft

Weil der Mensch, der Gott dient, sich nicht mehr als ein auf sich selbst Geworfener sehen muss, also einer, der sich auf sich selbst verlassen muss, kann er in der Kraft Gottes vorangehen. Die Kraft Gottes hat immer mit einem Auftrag zu tun. Sie kommt dort zu Hilfe, wo der Mensch bereit ist, Gott zu gehorchen.
Liebe
Die Liebe, von der Paulus hier schreibt, ist die Agape-Liebe, die Liebe, die sich verschenkt. Diese Liebe sucht das Beste für die Person, die man liebt. Auch dann, wenn das Beste nicht unbedingt so lieb klingt. Aber die Liebe bleibt bei der Wahrheit und gibt trotzdem nie auf. Wer liebt, investiert seine Zeit, seine Kraft, seine Geduld, sein Geld, sein Vorbild, alles zusammen in die geliebte Person. Auch unsere Ehre sind wir bereit, in die Beziehung zu investieren, unseren guten Ruf und Namen. → Bsp.: Wir möchten, dass die geliebte Person lernt, Vergebung zu leben. Was tun wir? Wir leben Vergebung vor!!!
Selbstbeherrschung
Selbstbeherrschung oder „Zucht“ bedeutet, sich nicht sofort dem hinzugeben, wonach man sich fühlt. Zuerst innehalten, prüfen, überlegen, beten, dann handeln.
Bereitschaft zum Leiden fürs Evangelium
Leiden? Moment mal, das klingt nicht gut. Kann ich mir das nochmal einen Moment überlegen? Nun, Timotheus, du hast den Weg gewählt und da gibt es kein Zurück mehr. Aber immer mehr Leute haben heute Mühe mit diesem Gedanken. Schon nur vom Kreuz von Christus zu sprechen, der wie ein Verbrechen hingerichtet wurde, um so unsere Schuld zu bezahlen, das wird immer unbeliebter. So gibt es immer mehr Versuche, die Botschaft vom Kreuz umzudeuten. Da wird zum Beispiel ein französischer Theologe aus dem Mittelalter zitiert, der meinte, Jesus sei nicht gestorben, um unsere Sünden zu besiegen, sondern nur um uns vorzuleben, wie echte Liebe aussieht und dass sie bereit sei, für den Geliebten zu sterben. Ja, wir leben in einer Zeit, in der das Evangelium ganz ganz unbeliebt ist. Weil immer mehr Theologen die menschliche Schuld vor Gott in Frage stellen, weichen auch immer mehr evangelikale Bibellehrer zurück. Sie haben sich der Furchtsamkeit hingegeben. Sie schämen sich des Evangeliums und reden deshalb umso mehr von Umgestaltung und von Transformation der Gesellschaft, von der Lösung der sozialen Frage und so weiter.
Es ist klar, dass die Botschaft von Jesus und vom Kreuz Menschen verändert. Gar keine Frage. Aber wir dürfen niemals damit aufhören, vom Kreuz zu reden und stattdessen versuchen, das was Jesus uns von der Ewigkeit versprochen hat, hier auf der Erde zu errichten.
C.) Wie können wir ganz praktisch Öl ins Feuer gießen?
Erinnere dich an deine Herkunft
Timotheus, ich kenne deine Herkunft, und die ist gut. Ich habe gesehen, welch einen tiefen Glauben deine Mutter und Großmutter hatte. Ich habe gesehen, mit wie viel Treue sie dich Tag für Tag dazu gebracht haben, ganze Abschnitte der Bibel auswendig zu lernen, damit du sie kennst. Ich habe gesehen, mit welcher Freude und welch tiefem Glauben du mir gefolgt bist und mir geholfen hast. Du hast mich begleitet, und ich durfte auch ein Stück von deiner Herkunft werden. Erinnere dich an das, was du von Gott gehört, gesehen und erlebt hast. All das hat dich geprägt. Deshalb lass dich jetzt nicht von dieser fiesen Einschüchterungstaktik verwundet und unbrauchbar machen. Erinnere dich an das, was geschehen ist, danke dafür und lobe Gott für alles, was Er dir in der Vergangenheit getan hat.
2. Erinnere dich an deine Aufgabe
Manchmal müssen wir uns bewusst machen, dass wir unsere eigene Last und Aufgabe haben und nicht auch diejenige von 100 anderen Leuten dazu auch noch. Wir müssen nicht immer jedem gefallen, und manchmal auch Dinge zurückstellen, weil sie uns von dem abhalten, wozu Gott uns begabt und beauftragt hat.
Timotheus, erinnere dich daran, wie ich, Paulus, dein geistlicher Vater, dir die Hände aufgelegt und für dich gebetet habe. Wie ich dich in deinen Dienst eingesetzt habe und wie du dadurch die guten Fähigkeiten und Gaben bekommen hast, um deine Aufgabe treu zu tun. Erinnere dich an das, wozu Gott dich berufen hat. Sei es in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde, in der Gesellschaft, überall haben wir unseren Platz und unsere Aufgaben. Für die sind wir zuständig. Und für das, was nicht unser Bereich ist, gibt es andere, die dafür zuständig sind. Wenn wir uns auf das Wichtige konzentrieren, hilft das sehr, das Wichtige auch anzupacken. In der Kraft, der Liebe und der Selbstbeherrschung.
3. Erinnere dich an deine Hoffnung
Nachdem wir uns an das erinnert haben, was war, nämlich unsere Herkunft, unsere Vergangenheit, und nachdem wir uns an das erinnert haben, was wir jetzt haben, unsere Aufgabe hier auf der Erde, kommt das dritte und stärkste Element: Erinnere dich an das, was uns der Herr Jesus für die Zukunft versprochen hat. Es gibt nämlich kein solideres Fundament als die Hoffnung von uns, die wir Jesus nachfolgen. Lesen wir, was Paulus dazu schreibt in den Versen 9 und 10: „Er hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde, die jetzt aber offenbar geworden ist durch die Erscheinung unseres Retters Jesus Christus, der dem Tod die Macht genommen hat und Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“
Das Fundament für unsere Errettung, Erlösung, Berufung und unser ewiges Leben bei Gott in der Ewigkeit steht nicht auf etwas, was wir tun könnten, sondern einzig und allein auf dem göttlichen Plan, der dort anfängt, bevor Gott die Himmel und die Erde geschaffen hat. Du, Timotheus, du bist ein Teil von Gottes Plan, der schon vor Adam und Eva bestanden hatte.
Dieser Plan beruht auch nicht auf irgend etwas, was wir jemals hätten tun können, sondern ganz einfach auf Gnade. Gnade ist ein Geschenk das man unverdient bekommt. Man kann es weder verdienen noch jemals abarbeiten. Es ist einfach da. Und wir dürfen es in Empfang nehmen, auspacken und brauchen.
Timotheus, sei bereit, an der Verkündigung vom Evangelium, an der Bekanntmachung von diesem wunderbaren Geschenk, mitzuarbeiten, nimm du den Stab in die Hand, den ich dir mit diesem Brief weiter-reiche. Entfache die Flamme, denke darüber nach, wie wunderbar diese Gnade ist und lass dieses Geschenk zum Öl werden, das dein Feuer wieder auflodern lässt. Und denke dran, wenn es zum nächsten Mal wieder auf Sparflamme brennt: Erinnere dich!

(Predigt vom 13.01.2013)

Herkunft verlangt Treue

Herkunft verlangt Treue
Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, gemäß der Verheißung des Lebens in Christus Jesus, an Timotheus, [mein] geliebtes Kind: Gnade, Barmherzigkeit, Friede [sei mit dir] von Gott, dem Vater, und von Christus Jesus, unserem Herrn! Ich danke Gott, dem ich von den Vorfahren her mit reinem Gewissen diene, wenn ich unablässig an dich gedenke in meinen Gebeten Tag und Nacht, und ich bin voll Verlangen, dich zu sehen, da ich mich an deine Tränen erinnere, damit ich mit Freude erfüllt werde. Dabei halte ich die Erinnerung an deinen ungeheuchelten Glauben fest, der zuvor in deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike gewohnt hat, ich bin aber überzeugt, auch in dir. (2. Timotheus 1, 1 – 5)
Als Paulus diese Worte schrieb, saß er in Rom in der Todeszelle. Dies ist sein letzter Brief, sein Vermächtnis, sein Testament. Er weiß, dass es bald mit ihm zu Ende sein wird. Seine Größe zeigt sich gerade auch hier wieder darin, dass er nicht mit Klagen und Selbstmitleid beginnt, sondern mit ermutigender, anspornender und durchaus auch triumphierender Botschaft seinen Stab an den Nachfolger der nächsten Generation übergibt.
Paulus gibt gleich von Anfang an Vollgas in diesem Brief. Zuerst macht er klar, woher seine Autorität kommt. Er ist Apostel Jesu Christi. Ein Apostel ist jemand, der von einem Höherstehenden einen Auftrag und eine Botschaft hat. Er ist so etwas wie der Postbote des Herrn Jesus, von dem er einen Brief, bzw. eine Botschaft bekommen hat, und soll diese jetzt zu den Menschen bringen. Damit sagt er aber auch aus: Lieber Timotheus, das was ich dir jetzt zu sagen habe, das kommt nicht aus meiner Erfindung, sondern das ist das, was Gott dir heute zu sagen hat! Was gibt es Größeres, als einen Brief zu bekommen, der direkt von dem kommt, der Himmel und Erde geschaffen hat?
Paulus schreibt sein „Testament“ oder seine „letzten Worte“ an den Timotheus. Diesen möchte zu seinem Nachfolger im Dienst machen. Da dürfen wir uns auch gleich die Frage stellen, an wen wir unseren letzten Brief schreiben würden, wenn wir an der Stelle des Paulus in dieser Todeszelle in Rom sitzen würden. Wen würde ich als Nachfolger in meinen Aufgaben und Diensten für den Herrn einsetzen? Wen würdest Du da einsetzen?
Er nennt Timotheus sein „geliebtes Kind“. Nicht deshalb, weil er ihn gezeugt hätte, aber weil Timotheus durch seinen Dienst zum Glauben kam und von ihm für den Dienst in der Evangelisation und in der Verkündigung, Gemeindeleitung und Gemeindebau ausgebildet wurde. Es ist gut, wenn wir uns früh Gedanken machen, wen wir von der nächsten Generation für unsere Dienste nachziehen können. Wir wissen alle nicht, wie lange wir das noch machen können, was wir tun. Wer ist da Dein „geliebtes Kind“? Wem hilfst Du, in dem Dienst zu wachsen, in dem dem Du gerade stehst?
Paulus wünscht Timotheus das Allerbeste, was man jemandem wünschen kann: Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott. Wenn Paulus auf seine äußeren Umstände geschaut hätte, wäre er vielleicht zum Schluss gekommen, dass er das alles nicht hatte: Im Gefängnis, wo er mit noch etwa 30 anderen Häftlingen auf den Tod wartete, als Schwerverbrecher wegen seines Glaubens festgehalten, von allen verlassen. Aber genau in der Situation drin wünscht Paulus seinem Nachfolger Timotheus diese drei Dinge, die nur Gott geben kann: Gnade, Barmherzigkeit und Friede.
Drei Dinge schreibt Paulus an Timotheus zur Ermutigung in diesen Versen:
1. Ich bete für dich!
„Timotheus, du bist nicht allein! Immer wenn ich bete, dann denke ich an dich! Ich bin in meinen Gedanken und in meinen Gebeten bei dir! Ich kenne deine Situation! Denk dran, Timotheus, gerade dann, wenn du dich einsam und unverstanden fühlst in der Gemeinde in Ephesus, gerade dann, wenn sie dir sagen, du seist zu jung oder zu unerfahren, dann denk dran, ich bete für dich!“ Es ist eine wunderbare Ermutigung für einen jungen Diener Gottes, zu wissen, dass andere an ihn denken und für ihn beten!
2. Ich sehne mich nach dir!
„Timotheus, es tut mir altem, erfahrenem Mann gut, dich zu kennen. Du tust mir gut, dich zu kennen mach mich froh! Ich brauche dich, Timotheus, ich möchte dich am liebsten bei mir haben, damit es mir dann besser geht!“ Die Worte des Paulus in Vers 4 sind sehr stark, so stark, dass man sie in unserer Sprache kaum genug betonen kann. Die Sehnsucht, Timotheus zu sehen, ist riesig. Wie wir aus einem späteren Kapitel erfahren, haben ihn die meisten Mitarbeiter verlassen.
3. Deine Herkunft ist gut!
„Timotheus, ich weiß, woher du kommst, wie du von deiner Mutter und von deiner Großmutter jahrelang mit der Bibel und im tiefen Glauben erzogen worden bist! Sei dankbar für deine Herkunft, sie stärkt deinen Dienst, sie macht dich ganz besonders brauchbar für diesen Dienst, in dem du stehst! Ich kenne deinen Glauben, ich weiß, dass er tief verwurzelt ist! So, wie auch ich mit dem tiefen Glauben an den Gott des Alten Testaments aufgewachsen und geschult wurde, so auch du! Sei dankbar dafür, und nimm deine Herkunft als eine gute Herausforderung an, deshalb Gott umso treuer zu dienen!“
Herkunft verlangt Treue!
Wo ist Deine Herkunft? Welche Menschen haben Dir geholfen, im Glauben zu wachsen? Wer hat Dich ermutigt, neue Schritte im Glauben zu gehen? Lass uns dankbar sein für diese Herkunft und sie als Herausforderung sehen, um Gott noch treuer zu dienen!

Nicht einen Geist der Furchtsamkeit

Aus diesem Grunde erinnere ich dich daran, die Gabe Gottes anzufachen, die durch Auflegung meiner Hände in dir ist; denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. (2. Timotheus 1, 6 – 7)

Gottes Gnadengaben können in unterschiedlicher Stärke vorhanden sein. Paulus gebraucht hier das Bild der noch schwach glimmenden Kohle, die durch einen Luftstoß wieder zu einem richtigen Feuer auflodern kann und ermutigt Timotheus, dafür zu sorgen, dass es dazu kommt. Deshalb hier auch die Frage an dich, liebe Leserin, lieber Leser, was wünschst du dir? Möchtest du die Gaben als schwach glimmende Kohlen in dir drin haben oder als lodernder Waldbrand? Es liegt zum großen Teil in deiner Verantwortung, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Kohlen wieder richtig zum Brennen gebracht werden können.

Es gibt nämlich etwas, was unsere Gaben ersticken kann, und das ist die Furchtsamkeit, die Feigheit, oder schlicht gesagt: die Angst. Die Angst ist nie etwas, was Gott uns schickt oder für uns möchte. Gott möchte vielmehr, dass wir mutig vorwärtsgehen. Mut ist nicht Waghalsigkeit, sondern die goldene Mitte zwischen der Angst und der Waghalsigkeit. Mut bedeutet, die Kosten zu berechnen, und trotzdem im Vertrauen einen weiteren Schritt zu gehen. Vielleicht denkst du jetzt, dass Jesus die Angst als etwas Normales beschrieben hat, doch dem ist nicht so, ich möchte das jetzt erklären. Wenn wir in Johannes 16, 33 nachlesen, so steht da:

Solches habe ich zu euch geredet, auf daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Trübsal; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!

Martin Luther hat das Wort Trübsal zu seiner Zeit korrekt mit Angst übersetzt, aber das verstehen wir heute nicht mehr. Damals bedeutete Angst weniger das Gefühl der Angst, sondern in erster Linie: Die Umstände, die uns Angst einjagen können. Also eine schwierige Prüfung, ein Vorstellungsgespräch, ein schwieriger Chef, ein Fehler, den wir selbst gemacht haben und vieles mehr. Was im griechischen Text steht und hier mit Trübsal übersetzt wird, ist eigentlich ein Begriff aus der Architektur. Damit eine Säule in einem griechischen Tempel auch bei Wund und Wetter, bei Krieg und vielem mehr, stehen bleibt, muss sie durch eine bestimmte Menge an „Druck“ (Gewicht von oben her) auf ihr Fundament gedrückt werden. Diese Menge an Gewicht oder „Druck“ wurde mit dem griechischen Wort beschrieben, das übersetzt wird mit Trübsal. Man kann den Vers auch so lesen: In der Welt habt ihr Druck. Dieser Druck dient dazu, dass wir auf unser Fundament, den Herrn Jesus gedrückt werden und Ihm ganz nahe sind.

Wie wir auf diesen Druck reagieren, ist unsere Entscheidung. Und unsere Reaktion bestimmt sowohl das Maß unserer Gabe als auch einen Teil unserer Zukunft. Aus Entscheidungen werden nämlich Gewohnheiten und woran man sich gewöhnt hat, davon kommt man nur noch schwerlich los. Jede dieser Drucksituationen lässt uns zwischen zwei Arten von Reaktion wählen: Feigheit oder Mut. Wer die Feigheit wählt, verliert seine Freiheit, die wir durch Jesus bekommen haben. Er lässt sich dadurch fremdbestimmen von dem, der uns die göttliche Freiheit nehmen will: Satan. Wer den Mut wählt und im Glauben den nächsten Schritt geht, wird an Freiheit, Glauben und Stärke der Gnadengaben zunehmen und Gott damit ehren.

Noch ein Wort am Rande: Wer versucht, andere Menschen einzuschüchtern (Geist der Einschüchterung, Geist der Isebel: Sie schüchterte Elia dermaßen ein, dass er in die Wüste floh und dadurch seine prophetische Berufung verlor) macht sich selbst zum Werkzeug der Sünde und Satans. Das ist auch bei wiedergeborenen Christen jederzeit sehr gut möglich, beachte man zum Beispiel Römer 6,13. Wer andere zu manipulieren und einzuschüchtern sucht, nimmt ihnen die Freiheit, die sie in Christus haben, weg.

Der Heilige Geist ist aber nicht ein Geist der Furchtsamkeit, sondern der Kraft, der Liebe und der Zucht. Der Geist der Kraft gibt uns die übernatürliche Stärke, die auch der Herr Jesus in Seinem Dienst hatte. Man bedenke: Er tat nichts aus Sich Selbst, sondern nur was Er den Vater tun sah. Er verzichtete ganz und gar auf Seine Göttlichkeit, auf die Macht, die Ihm als Gott zustand, und lebte als Mensch. Auch Er empfing diesen Geist der Kraft und wurde dadurch zu Seinem Dienst befähigt. Mit dem Geist der Kraft ausgerüstet können wir dieselben Werke tun, die auch Er schon tat (und nach Seinem Wort sogar noch größere). Dieselbe Macht also, die Er auf Erden hatte, lebt in dir und mir und möchte uns zu unserem Dienst befähigen.

Es ist aber auch der Geist der Liebe. Gott ist die Quelle aller Liebe, und ohne Gott kann niemand lieben. Durch den Geist der Liebe werden wir zur Liebe zu Gott und zugleich zur Liebe zu unseren Mitmenschen befähigt. Liebe zu Gott zeigen wir durch die Pflege der Beziehung zu Ihm: Lesen in Seinem Wort, Reden mit Ihm, auf Ihn hören, etc. Zugleich helfen wir in dieser Liebe unseren Mitmenschen, wo sie es nötig haben und wo immer wir das tun können.

Es ist drittens der Geist der Zucht. Zucht bedeutet Selbstbeherrschung oder Selbstdisziplin. Das sieht so aus, dass wir unser Leben so weit im Griff haben, dass wir nicht nur auf das verzichten können, was uns schadet, sondern oft auch auf Dinge, die uns einfach gefallen würden, die aber für den Dienst am Herrn oder an unseren Mitmenschen draufgehen müssen. Der Geist befähigt uns, dies mit Freuden zu tun.