Buchtipp: Das Bekenntnis

Das Bekenntnis von John Grisham

Grisham, John, Das Bekenntnis, Heyne Verlag München, 1. Aufl. 2019, 591S., Verlagslink, Amazon-Link

Aus einem Vorurteil erwächst eine Lüge, aus der Lüge ein Mord, aus dem Mord der Zerbruch einer ganzen Familie – und am Ende steht man mit nichts in den Händen da – nichts außer dem Wissen um die Wahrheit und der Frage: War es das wert? Der Mord lässt alle ratlos zurück: Einer der beliebtesten Bewohner von Clanton, Mississippi, Pete Banning, erschießt den ebenfalls beliebten Methodistenpastor Dexter Bell. Einfach so. Banning weigert sich, eine Aussage über sein Motiv zu machen. Er wird nach einem gerichtlichen Prozess von den Geschworenen zum Tod verurteilt und auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Der Rest des Buches befasst sich mit der Suche nach den Gründen für diese Tat – und erst ganz am Schluss wird die Wahrheit aufgedeckt.

Als langjähriger Grisham-Leser, der die Justizthriller im Stil von „Die Firma“ oder „Die Akte“ noch kennt, hatte ich eine rasantere Story erwartet. Stattdessen fand ich eine sehr feinfühlige Geschichte vor, die gekonnt langsam an Spannung aufbaut und wunderbar zum Nachdenken anregt. Auf fast 600 Seiten präsentiert John Grisham eine Geschichte, die sich möglicherweise tatsächlich ähnlich zugetragen haben könnte, denn der Autor hat sie einmal erzählt bekommen, ohne sich jedoch an die genaueren Hintergründe des Erzählers erinnern zu können. Er hat deshalb die juristische Praxis der erzählten Zeit und des Umfelds recherchiert und weiter ausgeschmückt niedergeschrieben.

Die dreiteilige Struktur des Buches fand ich verwirrend und musste bei jedem Teil erst mal wieder neu in die Geschichte hineinkommen. Da hätte ich einfache Rückblenden in der Story verständlicher gefunden. Außerdem gibt es mehrmals Längen im Buch, die es zu überwinden gilt, und die zuweilen langweilig erscheinen. Dies ist zum Beispiel recht bald nach dem gut gelungenen Anfang der Fall. Doch wer das Buch dann weglegt, verpasst meines Erachtens eine Menge. Allerdings wird – wie bereits gesagt – der Leser enttäuscht, der bei Grisham immer nur die spannungsgeladenen, rasanten Justizthriller erwartet.

Wer das Buch bis zum Ende durchhält, wird mit vielen guten Fragen belohnt: Wie steht es um Vorurteile? In gewisser Weise wird auch das Selbstbild unserer Zeit in Frage gestellt: Ist unsere Abwehr gegenüber überkommenen Vorurteilen in Wirklichkeit nicht nur ein Austausch gegen neue Vorurteile? Ist die Wahrheit, die unter Umständen ziemlich schmerzen kann und manchmal auch vieles zerstört, was wir liebgewonnen haben, es wert, dass wir alle Kraft darauf verwenden, sie zu finden? Positiv finde ich hier, dass der Autor in der Figur von Joel Banning, dem Sohn des Mörders, dies bejaht und als Ausblick den Neuanfang im Wissen um diese Wahrheit vorschlägt.

Fazit:

Ein insgesamt gut geschriebener Roman, der zwar nicht in typischer Grisham-Weise ein Justizthriller ist, aber eine möglicherweise wahre Geschichte nacherzählt und dabei viele gute Fragen stellt. Einige unnötige Längen weist das Buch auf, aber wer nicht aufgibt, wird am Ende mit viel Stoff zum Nachdenken belohnt. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sterne.

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