Buchtipp: Auf falschen Fährten

Mayne, Andrew, Auf falschen Fährten: The Naturalist, Edition M, Amazon-Publikation, 2018, 460S., Amazon-Link

*Spoiler-Alert*

Professor Theo Cray wird verhaftet. Eine seiner früheren Studentinnen wurde auf brutale Weise ermordet. Doch keiner kann ihm etwas nachweisen. Da er schon in diesen Fall verwickelt wurde, entschließt er sich, auf eigene Faust den Spuren nachzugehen. Alles deutet auf einen bestimmten Grizzly hin, doch ein DNA-Test bringt ihn auf die Spur eines anderen Grizzlys, der seit Jahren tot ist. Mit Hilfe seines Spezialgebiets, der Bioinformatik, gelingt es Cray, nachzuweisen, dass es über viele Jahre hinweg eine größere Anzahl ähnlicher Morde gegeben hatte. Wie fast zu erwarten war, zeigt das Buch, dass der Mensch des Menschen schlimmster Grizzly sein kann.

Ein Thriller mit rasantem Einstieg, der zwischendurch einige Längen aufweist, zum Ende hin jedoch wieder an Fahrt aufnimmt und eine beinahe überraschende Auflösung vorweist. Mehr dazu weiter unten. Mir persönlich haben die zahlreichen Beispiele aus dem Alltag der Bioinformatik sehr gut gefallen. Man merkt: Da ist jemand am Werk, der sich darin gut auskennt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass dies für manche Thrillerfans zuviel des Guten sein könnte, besonders wenn man nicht so sehr an der wissenschaftlichen Arbeit interessiert ist. Dann gibt es Abschnitte über mehrere Seiten hinweg, die in dem Fall zu überspringen wären. Dadurch würde der Lesefluss und das Verständnis für die Story jedoch beeinträchtigt.

Die Story war gut ausgedacht, allerdings hätte man aus dem Protagonisten noch mehr machen können, indem man ihn menschlicher gemacht hätte. Er erinnert mich eher an einen Halbgott der griechischen Heldensagen: Unbesiegbar, unerschütterlich, stoisch bis beinahe zur Gefühlslosigkeit. Dadurch wirkt er konstruierter als nötig. Außerdem habe ich das Gefühl, der Autor versucht zu viele unterschiedliche Ziele unter einen Hut zu bringen: Eine spannende Story erzählen, die Techniken der Bioinformatik bekannter machen, und erst noch eine moralische Lektion erteilen. All dies tut er in einer Gründlichkeit, dass sich die verschiedenen Ziele gegenseitig schwächen. Die moralische Lektion über das Böse im Menschen beginnt schon beim Verhör am Anfang des Buches, was mich ziemlich gewiss gemacht hat, wie die Story ungefähr enden wird.

Fazit:

Ein spannend geschriebener Thriller mit viel gutem Hintergrundwissen zur Arbeitsweise der Bioinformatik. Die Story hätte etwas fokussierter aufgebaut werden können. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

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