Buchtipp: Forderung

Forderung von John Grisham

Grisham, John, Forderung, Wilhelm Heyne Verlag München, 2018, 431S., Verlagslink, Amazon-Link

Vier junge Menschen haben sich optimistisch ins Jura-Studium gestürzt, um die Welt ein wenig besser hinterlassen zu können – und sehen sich nun als Opfer einer riesigen Verschwörung, als kleinste Zahnrädchen im Getriebe einer unerbittlichen Hochschulmafia. Die jungen Menschen mussten allesamt mehrere hunderttausend Dollar Schulden aufnehmen, um ihr Studium finanzieren zu können, und merken plötzlich, dass der Arbeitsmarkt viel zu klein ist, um die Unmengen an Jura-Absolventen so aufnehmen zu können, dass es ihnen möglich würde, diese Schulden abzuzahlen. Durch Recherchen finden sie heraus, dass eine ganze Reihe von diesen privaten Universitäten lediglich existiert, um eine gewisse Person reich zu machen und sich zugleich eine riesige Schar williger, da hoch verschuldeter, Juristen heranzuziehen. Als einer der Freunde aus Verzweiflung Selbstmord begeht, entwickeln sich die Dinge schneller, die drei verbliebenen Freunde beginnen, illegal als Anwälte zu arbeiten und versuchen gleichzeitig, belastendes Beweismaterial zu suchen, um die Verschwörung auffliegen zu lassen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt: Werden sie zuerst geschnappt, oder gelingt es ihnen rechtzeitig, das nötige Beweismaterial zu beschaffen?

Vieles erinnert an frühere Romane von John Grisham. Das Setting, der Wettlauf mit der Zeit, die Situation vor den Gerichten, und so weiter. Was allerdings auffällt, ist, dass der Roman nicht ganz so atemlos rasant aufgebaut ist, sondern Grisham sich bewusst Zeit nimmt, um die Handlung aufzubauen. In manchen seiner früheren Werken wird vieles unerwähnt gelassen und somit der Phantasie des Lesers übergeben. In „Forderung“ hingegen baut Grisham bewusst und mit großer Genauigkeit den Spannungsbogen auf. Was manche Leser deshalb langweilig fanden, hat mich hingegen überzeugt. Einziger Nachteil dabei ist, dass dadurch vieles vorhersehbar wird. Dies könnte man auch dadurch umgehen, indem der Leser zunächst auf mehrere falscher Fährten gesetzt wird und merkt, dass er sich nicht auf das Offensichtliche verlassen kann. Die „Forderung“ ist ziemlich simpel und linear aufgebaut, was dem Ganzen etwas an Spannung raubt. Ein wenig ist der Leser auch an die Kinderdetektive erinnert, die etwa bei Enid Blyton oder Thomas Brezina auftauchen. Vier Halbstarke entdecken, dass sie mitten in einen Kriminalfall hinein geraten sind, und versuchen, diesen Fall aufzuklären.

Hauptthemen des Buches sind die Habgier und die verschlungenen Wege des heutigen Finanzdschungels, welche ein Ausleben der Erstgenannten überhaupt erst so leicht ermöglichen. Hier zeigt sich Grishams Stärke besonders schön: Er zeichnet eine Story, die er mit vielen weiteren nachdenkenswerten Details ausbaut, und versucht mit Hilfe dieser Story echte Mängel unserer Zeit aufzudecken und bloßzustellen. Die Story entwickelt sich sehr schön; anders als andere Rezensenten, die das als langweilig empfanden, hat es mir besonders gut gefallen, dass man die Zeit hat, um die Charaktere kennenzulernen und dann hat man es auch mit realistisch dargestellten Personen zu tun. In früheren Büchern des Autors, etwa in Die Firma oder Der Pate hat man es mit einer derart rasanten und unsteten Geschichte zu tun, dass man vor lauter Spannung kaum hinterher kommt. Bei „Forderung“ hingegen wird dem Leser die Zeit gelassen, die Protagonisten ausführlich kennenzulernen und sich auch – zumindest teilweise – mit ihnen zu identifizieren. Das macht das Buch sehr sympathisch. Bei allen vier Studenten bekommt der Leser im Laufe der ersten etwa 100 Seiten eine ganze Menge an Einblicken in ihr Leben, ihre Vorstellungen und Motivationen. Gordy ist da schon tot. Er hatte seine Medikamente abgesetzt, ist durchgedreht und von der Brücke gesprungen. Schon die Reaktionen der drei Freunde Zola, Mark und Todd geben viel Aufschluss über ihr Leben, und Grisham hat sie sehr realistisch gezeichnet.

Der Schluss ist – das scheint bei John Grisham häufig zu sein – sehr ambivalent. Sie haben sich auf der Flucht ins Ausland abgesetzt und beginnen dort ein neues Leben. Doch irgendwo lauert immer noch ihre Vergangenheit. Sie haben sie selbst mitgebracht, weil sie diese immer in sich rumtragen. Für ein gutes Buch fand ich den Schluss insgesamt unbefriedigend, da es sehr abrupt endet. Es muss ja kein Happy-End sein, aber ein etwas gemütlicheres Ausklingen der Story hätte ich mir dann doch gewünscht. Ein Ende, welches mir als Leser die Zeit lässt, auch ans Ende zu kommen. Deshalb fand ich das schade.

Fazit:

Ein solides Buch, wie man es sich von John Grisham gewohnt ist, eine gut aufgebaute Story, die dem Leser die Zeit lässt, um an- und mitzukommen, aber leider ein allzu abrupter, unbefriedigender Schluss, der mich enttäuscht hat. Ich gebe dem Buch vier von möglichen fünf Sternen.

Wochenschau KW 15

Unter dem Titel „Wochenschau“ stelle ich ein paar Blogposts und sonstige Artikel der Woche vor, die ich persönlich besonders mit Gewinn oder Interesse gelesen habe. Das ist natürlich vollkommen subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Am 09.04. hat Reinhard Jarka von einer Heilungs-Veranstaltung in einer Kirche berichtet, bei welcher offensichtlich Falsches behauptet wurde. Es ist nötig, dass gerade wir Pfingstler und Charismatiker wieder lernen, unsere Veranstaltungen besser zu prüfen. http://orthodoxpop.de/blog/2018/04/09/warum-ich-kein-vertrauen-in-charismatische-wunderheiler-habe/

Markus Till hat am 10.04. darüber gebloggt, wie man bei der Beurteilung von Lehre auf zwei Seiten vom Pferd fallen kann. Dieser Artikel hat in der Blogosphäre eine interessante Diskussion ausgelöst. http://blog.aigg.de/?p=3984

Am 11.04. habe ich ein Interview mit Bettina Röhl, der Tochter der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof und des konkret-Chefredakteurs Klaus-Rainer Röhl, in der BZ entdeckt. Sehr interessante Hinweise auf die 68er-Bewegung in Deutschland. https://www.berliner-zeitung.de/politik/interview-bettina-roehl–tochter-von-ulrike-meinhof–ueber-die-68er-und-die-raf-29975454

Am 15.05. habe ich endlich einmal einen vernünftigen Artikel zum sogenannten „Facebook-Skandal“ gefunden. Da jeder Facebook-Nutzer freiwillig ein Konto anlegt und alle Daten freiwillig preisgibt, finde ich den zunehmenden Überwachungsstaat, der weltweit global zunimmt, bedenklicher als das Sammeln von Daten privater Firmen. Hier zum Artikel eines Social-Media-Marketers: https://blog.jakobhager.com/der-facebook-skandal-ist-eine-grosse-luege-und-das-eigentliche-problem-liegt-anderswo/

Buchtipp: L’Abri von Edith Schaeffer

Schaeffer, Edith, L’Abri, Oncken Verlag Wuppertal / Kassel, 5. Aufl. 1977, 205 S., Amazon-Link

Inzwischen zum vierten Mal habe ich nun Edith Schaeffers Buch „L’Abri“ gelesen. Jedes Mal berührt es mich wieder erneut zutiefst, zu lesen, wie eine Familie aus den Staaten in die Schweizer Alpen zieht, in ein kleines, abgelegenes Dorf, und plötzlich aus der ganzen Welt junge Menschen anzieht. Was für diese Menschen so attraktiv ist, sind zwei Dinge zugleich: Da waren Menschen, die sie ernst nahmen, mit all ihren Fragen, Zweifeln, Gedanken, sie einlud, alles zu sagen und ihnen half, den christlichen Glauben zu verstehen. Und dann war dieselbe Familie da, die ganz ohne Bettelbriefe, ganz ohne Spendenaufrufe, einfach Tag für Tag das Notwendige aus Gottes Hand erbat. Und bekam. Da wurde Gottes Größe für sie plötzlich lebendig. In diesem Leben und im Lieben. Auch mit dem ganzen Verstand.

Die Familie Schaeffer hat Mission mal ganz anders gemacht. Zunächst einmal haben sie sich nicht hingesetzt und geplant. Nein, sie haben sich auf den Weg gemacht und sich von Gottes Vorsehung Schritt für Schritt führen lassen. Nicht immer ganz einfach, denn es gibt da auch Widerstände. Am ersten Ort in den Schweizer Alpen bekehren sich zu viele populäre Katholiken, da kam plötzlich ein Bescheid, dass sie die Schweiz innerhalb von sechs Wochen zu verlassen hätten. So öffnet ihnen Gott – sozusagen im letzten Moment vor der Ausweisung – eine neue Türe in einem kleinen Dorf, weit abgelegen von jeglicher Stadtnähe. Dann ist es also ein Missionswerk, das nicht „zu den Menschen“ geht, sondern die Menschen zu sich kommen lässt. Und sie sind gekommen. Im Laufe der Jahre sind tausende von jungen Menschen nach L’Abri gekommen, haben am Familienleben teilgenommen und sich in abendlichen Diskussionen mit dem biblischen Weltbild befasst. Und nicht zuletzt haben sie auch nicht auf Zahlen gesetzt. Der einzelne Mensch zählt, nicht die Masse an Menschen, die kommen. Es waren immer nur gerade so viele aufs Mal da, dass alle zu Wort kommen konnten, und gerade das war auch so wichtig. Es war ein Missionswerk für junge denkende Menschen, von denen viele schon längst mit dem christlichen Glauben abgeschlossen hatten. Wer kann denn sowas heute noch glauben? Edith und Francis Schaeffer konnten – und wussten es auch sehr anschaulich zu erklären. Außerdem war ihr ganzes Leben eine große Erklärung des Christentums.

Bei jedem erneuten Lesen dieses Buches beginne ich zu beten: Herr, schenke uns heute noch mehr L’Abris! Noch mehr Schaeffers! Und noch mehr Türen und Gelegenheiten, um der jungen Generation so klar und deutlich die wahre Wahrheit nahe zu bringen. Um es mit Francis Schaeffer zu sagen: Der einzige Grund, weshalb jemand Christ werden soll, ist der, dass das Christentum wahr ist. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter und gebe ihm fünf von fünf möglichen Sternen.

Wer sich noch näher für die Familie Schaeffer interessiert, findet hier (Link) ein 15-seitiges PDF, das ich zu Leben und Werk von Francis August Schaeffer geschrieben habe. In den nächsten Wochen werden noch ein paar weitere Blogposts zu Büchern von und über Schaeffers und vielleicht auch mehr folgen.

Buchtipp: Washington – A Life

Chernow, Ron, Washington´- A Life, Penguin Books London, 2010, Kindle-Ausgabe, 904S. Amazon-Link

Wenn ein Autor es schafft, seine Leser über 900 Seiten hinweg derart zu fesseln, dann muss der Inhalt direkt aus dem Leben stammen. So viel Spannung kann sich kein Romanautor ausdenken. So erging es mir bei dieser vorbildlichen Biographie Washingtons von Ron Chernow. Schon auf den ersten Seiten holt Chernow den Leser in seinem Alltag ab und entführt ihn in eine Zeit und Welt, die ihm enorm vertraut erscheint, obgleich über 200 Jahre und ein ganzer Ozean dazwischen liegen.

Ron Chernow ist kein Historiker; und vielleicht liegt gerade darin seine Stärke, die ihm hilft, so zu schreiben, dass man sich das Beschriebene leicht vorstellen kann. Sofort ist der Leser zum Zeitgenossen im Haushalt George Washingtons geworden. Er erlebt die schwere Kindheit des Jungen mit, der mit 11 Jahren seinen Vater verliert und dessen Mutter unter der Last ihrer sich dadurch ergebenden Verantwortung schier zerbricht, was sich auch in ihrer überkritischen Haltung allen gegenüber zeigt. George seinerseits konnte seine Mutter nicht wirklich lieben lernen, da sie an allem von ihm etwas auszusetzen hatte, und entwickelte eine distanzierte Beziehung zu ihr, was sich etwa in der Anrede in Briefen zeigte, wenn er sie als „Honored Madam“ (also „Geehrte Dame“) ansprach. Er selbst entwickelte eine große Sensibilität gegenüber Kritik und suchte ein Leben lang nach Anerkennung.

Washington hatte keine höhere Schulbildung, vieles muss er sich selbst beigebracht haben. Sein Leben lang hatte er sich zur Strategie gemacht, mit großer Kraft an allen seinen erkannten Schwächen zu arbeiten, bis er sie beseitigen konnte. Doch eine seiner ganz großen Stärken war es, dass er sich sehr schnell in neue Informationen und Ideen hineindenken konnte. Das gab ihm immer wieder einen Vorsprung, den er sich zunutze machen konnte. Über inhaltliche Lektionen aus Washingtons Leben, die ich beim Lesen gelernt habe, möchte ich ein anderes Mal noch etwas expliziter schreiben.

Ich habe mich gefragt, was den Schreibstil von Ron Chernow so spannend, unterhaltsam und lehrreich zugleich macht. Vermutlich sind es zwei Komponenten, die sich gegenseitig verstärken. Zum Einen ist Chernow mit der seltenen Kombination aus einem sehr klaren Verstand und einer großen Vorstellungskraft ausgestattet. Er kann aus den Abertausenden von Seiten, die Washingtons schriftliches Erbe hinterlassen hatte, das Wichtige extrahieren und so aufbereiten, dass sich der Leser des 21. Jahrhunderts dabei etwas vorstellen kann. Zum Anderen nutzt er so extensiv die verschiedensten Arten von Inhalten und verknüpft diese auf eine so passende Art, dass es gar nicht auffällt. Er zitiert Briefe, erzählt Geschichten aus Washingtons Leben, setzt Zahlenreihen in Leben um, und hat ein großes Gespür für die Sprache unserer Zeit. Gleich zu Beginn des Buches setzt er den Leser in Kenntnis, dass er um der Verständlichkeit willen manche Briefzitate an das Englisch unserer Tage angepasst hat – und das ist genau richtig so. Die Biographie ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern für den interessierten Laien unserer Tage geschrieben. Wer die genauen Zitate im Englisch Washingtons lesen möchte, findet immer die Quellenangabe dazu und kann es in der großen Werksausgabe selbständig nachlesen.

Die Biographie von Chernow ist keine Lobrede auf George Washington. Manchmal hat man das Gefühl, dass manche Biographien vor allem dazu dienen sollen, die großen Taten des „Helden“ in Szene zu setzen. Davon ist hier nichts zu sehen. Washington wird als Kind seiner Zeit dargestellt, und vor allem als Mensch, der sich im Laufe der Jahre – wie jeder von uns – verändert. Gerade wenn es um die Sklavenfrage geht (Washington besaß eine große Tabakplantage, die er später mit Weizen bepflanzen ließ; entsprechend hatte er auch eine stattliche Anzahl von Sklaven) oder auch um den Glauben (beides sind für mich besonders spannende Themen), ist Chernow ehrlich, beschönigt nichts und hält sich strikte an die eigenen Aussagen Washingtons. Der Autor wirbt nicht um Verständnis für seinen Protagonisten, sondern lässt ihn stehen – in all seinem Facettenreichtum und seiner Widersprüchlichkeit.

Sehr schön fand ich auch, wie Chernow beschrieb, dass Washington so ein typischer Amerikaner war, der sich selbst (oder besser gesagt: Sein „Image“ in der Öffentlichkeit) geschaffen und gepflegt hat. Und immer wieder überarbeitet und daran herumgefeilt. Das hat mich an die Benjamin-Franklin-Biographie von Walter Isaacson erinnert, in welcher es auch darum geht, dass die frühen Amerikaner Erfinder ihrer selbst waren. Auch bei Washington sind es seine eiserne Disziplin und seine Tugenden, welche ihm den nötigen Halt gaben, um sich selbst immer wieder neu zu erfinden und weiterzuentwickeln. Der erste Präsident der USA wusste bis zu seinem Tod, dass er noch unfertig war und gab sich große Mühe, sich zu verändern.

Fazit:

Ron Chernow legt hier eine meisterhaft geschriebene Biographie vor, die in verständlicher Sprache und mit großer Vorstellungskraft und klarer Treue zu den Tatsachen ein Bild der Vielseitigkeit George Washingtons zeichnet. Es ist kein Zufall, dass Chernow mit dieser Biographie den Pulitzer-Preis 2011 gewonnen hat. Er hat damit ein Beispiel gegeben, an welchem sich künftige Autoren von Biographien orientieren können. Ich gebe dem Buch fünf von fünf Sternen.

Buchtipp: Die sieben Wunder des Kreuzes

Van de Kamp, Wilkin, Die sieben Wunder des Kreuzes, Glaubenszentrum e. V., Bad Gandersheim, 2. Aufl. 2014, Amazon-Link

Auf www.jesus.de ist meine Rezension zu “Die sieben Wunder des Kreuzes” erschienen: https://www.jesus.de/wilkin-van-de-kamp-die-sieben-wunder-des-kreuzes/

Zusammenfassung:

Wilkin van de Kamp beschäftigt sich in diesem Buch mit den letzten 18 Stunden vor dem Tod Jesu und beleuchtet jedes Ereignis dieser Zeit sehr anschaulich und praktisch. Jedes Kapitel endet mit einem Gebet, um das Gelesene zu verinnerlichen.

Fazit:

Ich finde das Buch sehr gut, leicht verständlich und mit viel Tiefgang geschrieben. Allen Lesern, welche sich noch mehr mit Jesus und Seinem stellvertretenden Leiden und Sterben am Kreuz beschäftigen möchten, sei es sehr empfohlen. Ich gebe dem Buch fünf von fünf Punkten.

Buchtipp: Killer City

Hohlbein, Wolfgang, Killer City, Bastei Lübbe AG, Köln, 2018, 494S. Verlagslink, Amazon-Link

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Wolfgang Hohlbein war mein Einstieg in die Welt der Fantasy-Romane. Ich erinnere mich noch ganz genau an die ersten Bände, die ich von ihm und Heike gelesen hatte. Märchenmond. Schattenjagd. Spiegelzeit. Unterland. Katzenwinter. Dreizehn. Und viele viele mehr. In der Schulbücherei gab es mehrere Regalbretter vom Ehepaar Hohlbein, manche auch nur von einem der beiden. Und dann waren da diese durchlesenen Nächte mit der Taschenlampe. Wolfgang Hohlbein führte mich später zu John Grisham, Stephen King, Dean Koontz und einigen mehr.

Und dann war da noch die erste Buchlesung, die ich in einem Basler Bücherladen am Aeschenplatz miterlebte. Eine leise Stimme, zwei unsicher umherirrende Augen. Ein paar Absätze aus seinem neusten Buch. Aufgeblüht ist der Autor dafür am Ende der Lesung, im Kontakt mit den einzelnen Menschen. Auch das ist wohl schon deutlich über 15 Jahre her. Ich kann es nicht mehr so genau zeitlich einordnen, aber es hat mich fasziniert, einen Bestseller-Autoren mal so zu erleben.

Dann gab es eine längere Pause, da mich irgendwann andere Autoren und neue Themen noch mehr interessierten. Bis ich vor Kurzem in einer eMail mal wieder über einen bekannten Namen stolperte: Wolfgang Hohlbein. Killer City sein neuster Roman. Thriller. Messer-Morde. Ein interessanter Protagonist. Mal sehen, wie Wolfgang Hohlbein heutzutage schreibt. Was wohl gleich geblieben ist? Was sich verändert hat?

Die Geschichte besteht aus zahlreichen Kapiteln, welche sich abwechselnd in der Gegenwart (Chicago 1893 bei der Weltausstellung) und in der Vergangenheit des Protagonisten Thornhill, in welcher dieser noch Boy genannt wurde. In der Schlacht von Gettysburg war Thornhill ein Zwölfjähriger, der miterleben musste, wie all seine Mannschaft aufgerieben wurde. Kurz bevor er meinte, auch sterben zu müssen, übergab ihm ein im Sterben liegender Indianer ein Geschenk: Die Gabe, sein eigenes Leben durch Mord an schuldigen Menschen zu verlängern. Damit ist die Szene gesetzt, das Thema des Buches gegeben, und der Rest, die weiteren 400 Seiten, ein rasantes Hin-und-Her, das Elemente von Action-, Western-, aber auch Ninja-Filmen enthält. Überhaupt hatte ich die meiste Zeit den Eindruck, eine weitgehend zu ausführliche Nacherzählung eines drittklassigen Actionfilmes zu lesen. Es werden keine Gedanken zu Ende gebracht, sondern ständig neue aufgeworfen, sodass der Eindruck entsteht, ungefähr jedes Thema irgendwann mal berührt zu haben, ohne sich auch nur mit einem davon beschäftigt zu haben.

Die das Buch bestimmende Frage ist die nach der Zulässigkeit selbst ausgeübter Rache. Thornhill hat als Junge zusehen müssen, wie seine Geliebte vergewaltigt und schwer verletzt wurde und statt sie dann zu beschützen, beschloss er, dass ihr Leben dadurch nicht mehr lebenswert sei und beendete es kurzerhand. Der Rest seines Lebens ist von der Rache geprägt, alle 12 Personen töten zu müssen, welche bei der damaligen Tat an seiner Geliebten beteiligt gewesen waren – und darüber hinaus vieler mehr, die der Dämon, den er vom Indianer bekommen hatte, als Schuldige bezeichnete. Damit kommt ein zweites großes Thema ins Blickfeld, dem Hohlbein Raum gibt – und doch mehr Fragen als Antworten zurücklässt. Ich finde es gut, dass es Romane gibt, welche die Frage nach Dämonen stellen. Am Ende bleibt dann aber Thornhills Frage offen, ob es diese überhaupt gibt. Eine Irreführung durch den Autor, der am Schluss dann doch nicht den Mut hat, eine echte Antwort zu geben. Schade!

Interessant fand ich jedoch die historischen Anspielungen auf die Ereignisse des 19. Jahrhunderts. Da mich Geschichte interessiert, habe ich mir eine Reihe von Notizen gemacht, denen ich noch nachgehen will. Mein bereits schon vorhandenes Interesse an der Geschichte wurde dadurch zusätzlich gestärkt. Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Punkt für das Buch von Hohlbein.

Insgesamt überwiegt aber die Enttäuschung über das Buch, denn ich war mir gerade von Hohlbein in den verschiedensten Genres, in denen er sich seit Jahrzehnten bewegt, durch seine in meiner Teenagerzeit gelesenen Bücher Hochwertigeres gewohnt. Nach den ersten 100 Seiten war der restliche Verlauf der Geschichte ziemlich durchsichtig. Der Geschichte fehlt ein Gesamtkonzept, eine Richtung, in die sie sich entwickeln kann. Es ist eher eine Geschichte von einem ständig zweifelnden Mörder, der nicht weiß, wer er ist, und was er will. So scheint es auch ein Roman eines zweifellos begabten Autors zu sein, der nicht weiß, was seine Geschichte bezwecken oder auslösen soll. So kann sie letztlich auch nichts bewirken. Manchmal schien mir, dem Autor fehlte der Mut, sich auf eine Aussage festzulegen, weshalb am Ende ungefähr so ziemlich alle möglichen und unmöglichen Aussagen drinstehen.

Fazit:

Ein rasanter Roman, der sehr viele Themen anschneidet, aber letztlich keine Aussagen macht. Die Themen sind an sich interessant, aber der Leser wird damit sich selbst überlassen. Ein positiver Punkt sind die zahlreichen Anspielungen auf die US-Geschichte des 19. Jahrhunderts. Ich gebe dem Buch drei von fünf Sternen.

Zur TV-Sendung “7 Tage unter radikalen Christen”

Im NDR wurde eine halbstündige Reportage ausgestrahlt, in welcher der Journalist Hans Jakob Rausch sieben Tage in einer charismatischen Freikirche verbracht hatte. Der NDR behauptet außerdem, dass davor zwei Jahre zu diesem Thema recherchiert wurde. Nach einigem Überlegen habe ich mir die Sendung angesehen und möchte ein paar Gedanken dazu teilen.

Was sind „radikale Christen“?

Schon als ich den Titel las, kam mir die Frage hoch, wie der Reporter oder meinetwegen auch der Sender NDR (ich weiß ja nicht, wer letzten Endes für diesen ebenso unsinnigen wie reißerischen Titel der Sendung verantwortlich ist) wohl „radikale Christen“ definiert. In der Sendung bekommt man keine wirkliche Antwort. Rausch wirft dem Pastorenehepaar am Schluss vor, dass die Gemeinde seiner Meinung nach radikal sei. Was genau darunter zu verstehen ist, weiß niemand. Das scheint – wie so manch anderes auch – eine Sache des Gefühls zu sein.

In unserer Zeit wird „radikal“ gerne als Totschlagbegriff gebraucht. Wer als radikal gesehen wird, hat nichts mehr zu melden. Damit ist man sofort in der Ecke von Attentätern und Gewaltverherrlichern. Natürlich darf man den Begriff nutzen, sollte ihn aber zuerst mit klaren, definierten Inhalten füllen, damit der so Bezeichnete auch argumentieren kann, weshalb er sich auch so sieht oder weshalb nicht. Gerade in den öffentlich-rechtlichen Medien wird gerne mit Worten hantiert, die mehr Gefühle auslösen als Debatten. Und da wird es problematisch.

Sieben Tage in einer halben Stunde

Zwei Jahre Recherche (echt jetzt? Zwei Jahre und so überhaupt nichts über theologische, geschichtliche, konfessionelle und denominationelle Unterschiede gelernt? Zwei Jahre Recherche und keine Ahnung von den viel besseren Antworten auf die aufgeworfenen Fragen, die bibeltreue Theologen und Philosophen im Laufe der Jahrhunderte gegeben haben?) und sieben Tage Besuch dieser Gemeinde werden auf eine halbe Stunde zusammengeschnitten. Das ist notwendig, das ist gut. Allerdings sieht dann eine neutrale Berichterstattung anders aus. Es ging mehr um die Gefühle des Reporters als um die Inhalte der Gespräche und Veranstaltungen. Es wurde sogar Zeit verschwendet, die nicht nur keinen echten Inhalt hatte, sondern gar noch mit manipulativer Musik hinterlegt war. Zeitweise hatte man den Eindruck, sich in einem Krimi zu befinden, in welchem der Fall bereits vor Beginn der Sendung aufgeklärt war, und es nur noch um die Tatmotive ging. Ein Reporter klärt auf, was die Täter auf dem Kerbholz haben und weshalb sie es taten.

Überhaupt wird sehr schnell klar – auch abgesehen vom Titel der Sendung – dass es dem Reporter nur darum geht, die Gemeinde schlecht zu machen. Wer für Heilung betet, hält Menschen davon ab, zum Arzt zu gehen. Wer zu konkret für die Regierung betet, ist gegen die Trennung von Kirche und Staat. Wer in vielen weiteren Punkten mit der Sicht der Kirche der vergangenen 2000 Jahre festhält (und mit dem Großteil der weltweiten Christenheit heute), kann nur falsch gewickelt sein. Viel wichtiger wären Fragen gewesen, welche die Struktur der Gemeinde oder ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden gewesen. Dann wäre einiges deutlich klarer geworden. Die evangelikale Bewegung ist in der Evangelischen Allianz Deutschland zusammengeschlossen, und nur diese Gemeinden können auch als Beispiele für eine breitere evangelikale Bewegung herangezogen werden. Insofern ist der Beitrag ohne all diese wichtigen Infos eine reine Farce, die lediglich dazu dient, das evangelikale Christentum zu diskreditieren. Es fehlt der ernsthafte Wunsch, die Menschen verstehen zu wollen. Stattdessen geht es eher darum, sensationsgeil aufzuklären, was es für Christen gibt und vor diesen zu warnen. Das ist nicht gerade besonders christlich, Herr Rausch. Ebenso wenig wie für sich selbst die Vernunft zu reklamieren und sie anderen gleichzeitig abzusprechen.

Ganz zu Beginn wird das Gebet eingeblendet, in welchem es um eine positive Zusammenstellung der gefilmten Inhalte geht. Der Rest scheint vom Wunsch beseelt zu sein, dieses Gebet zu torpedieren und einem Wettbewerb um die krudesten Aussagen zu entsprechen. Dass in allen Gemeinden nicht alles Gold ist, was glänzt, dürfte wohl jedem klar sein. Überall gibt es Menschen, überall menschelt es entsprechend auch. Sehr viele Freikirchen, viele selbsternannte oder von anderen so benamste „radikale Christen“ oder Freikirchler werden sich mit manchen Inhalten nicht identifizieren können. Und deshalb gibt es einen Grund, weshalb ich trotz allem dankbar bin für solche Reportagen:

Houston, we have a problem!

Wir haben ein Problem, und darüber müssen wir ganz dringend reden. Ich bin selbst auch Pfingstler und habe in verschiedenen Gemeinden schon manches kennengelernt, was in der Reportage gezeigt wird – und nein, es ist nicht alles gut! Und genau darüber müssen wir reden. Wenn wir es nicht tun, wird immer die Welt diesen Job übernehmen und uns wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. Diese Reportage erinnert uns daran, dass es eigentlich unsere Aufgabe ist, miteinander über Probleme zu sprechen, die in unserer Mitte auftauchen. Wir dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken und warten, bis sich die TV-Sendungen über uns lustig machen. Wenn wir Personenkult unwidersprochen dulden, oder wenn wir es normal finden, dass Christen sich selbst beständig widersprechen, oder wenn Gemeinden verlangen, dass der Verstand bei der Garderobe abgegeben werden muss, dann ist das unsere Aufgabe, über diese Dinge zu reden. Es gibt einen Grund, warum solche Reportagen überhaupt gedreht werden – und der besteht nicht darin, dass wir Jesus zu ähnlich sind, sondern zu wenig ähnlich.

Was wir brauchen, ist das Gespräch, die Diskussion, die Debatte, und vielleicht zuweilen auch mal eine klare Zurechtweisung. Ich stelle immer wieder eine Angst fest. Eine Angst davor, andere Menschen zu verletzen. Eine Angst aber auch, selbst durch andere Ansichten zum Nachdenken herausgefordert zu werden. Zu häufig höre und lese ich: „Du glaubst das so, und ich halt anders.“ Oder: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.“ Das klingt ganz arg nach Kains Ausspruch: „Bin ich etwa meines Bruders Hüter?“

Buchtipp: 1968 – Der lange Protest

Vinen, Richard, 1968: Der lange Protest, Piper Verlag GmbH München, 2018, Verlagslink, Amazon-Link

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar, das ich im Kindle-Format lesen durfte.

50 Jahre nach 1968 blickt Richard Vinen auf die Zeit um 1968 zurück. Der Autor ist ein britischer Historiker, der am King’s College in London unterrichtet. Wenn er von ’68 spricht, dann ist da ein ganzes – ja, gar ein langes – Jahrzehnt gemeint: Mitte 60er bis Ende der 70er-Jahre geht sein ’68. Richard Vinen versucht, eine internationale Geschichte der 68er-Bewegung zu schreiben, indem er auf verschiedene Länder blickt und dort jeweils die wichtigsten Vorkommnisse dieser Zeit beschreibt.

Doch wie lässt sich 1968 definieren? Am Ende eines langen ersten Kapitels über die inneren Widersprüche der Bewegung fasst Vinen zusammen: „Das Phänomen bestand aus mehreren Komponenten: einmal dem Generationenaufstand der Jungen gegen die Alten, dann dem politischen Aufstand gegen Militarismus, Kapitalismus und die Übermacht der USA und schließlich noch einem kulturellen Aufstand, der sich in der Rockmusik und dem dazugehörigen Lebensstil manifestierte.“ (Pos. 388) Es wird schnell klar, dass die Definition entweder noch stärker eingegrenzt werden müsste oder sonst praktisch alles in dieser Zeit umfassen könnte. Es werden konservative Kräfte erwähnt und ebenso als 68 betitelt wie deren revolutionäre Gegner. In einem gewissen Sinne muss Vinen dies tun, da er seine These untermauern will, dass 68 ein weltweites Phänomen ist.

Wenn man dieser These folgt, so macht er einen sehr guten Job und klärt den Leser über die internationalen Beziehungen der Bewegung auf. Allerdings schafft er es meiner Ansicht nach nicht, diese These ausreichend zu begründen, sodass jemand, der die Bewegung als zeitlich und räumlich begrenzter betrachtet, vermutlich nicht überzeugt würde. Doch da es gut möglich ist, dass der Autor dies auch gar nicht erst beabsichtigte, lässt sich dieser Punkt größtenteils vernachlässigen.

Da ich das Buch auf deutsch las und keine Möglichkeit hatte, das englische Original einzusehen, kann ich hier auch nur auf die Übersetzung eingehen. Es finden sich öfters ziemlich lange Sätze mit mehrfacher Verneinung und zahlreichen Nebensätzen, die es dem Leser schwer machen, dem Gedankengang zu folgen. Ich bin mir da schon eine Menge gewohnt, aber ich vermute, dass es gerade für Menschen, die nicht ganz so viel und in die Breite lesen, ziemlich herausfordernd ist.

Gut gefallen hat mir, wie differenziert der Autor mit der Bewegung umgeht. Anders als man sich das sonst gewohnt ist, gibt es keine Heldenverehrung, sondern nüchterne Berichte, die auch vor den dunklen Kapiteln der Zeit nicht halt machen. Interessant, da mir das neu war, fand ich etwa den Vergleich von Rudi Dutschke und Daniel Cohn-Bendit. Vinen berichtet außerdem, dass Dutschke öffentlich und privat sehr gegensätzlich wahrgenommen wurde. Auch das Verhältnis Dutschkes zur Gewalt wird nicht verschwiegen: „1977 verurteilte Dutschke den Terrorismus einiger ehemaliger Mitstreiter, er rief auch nie zu Aktionen gegen Menschen auf; im Gegensatz zu Aktionen gegen Sachen. Doch allein Dutschkes intensive Art konnte wie ein Aufruf zu Gewalt wirken, unabhängig von den Worten, die er verwendete. Außerdem wirkten seine Äußerungen Ende der 1960er-Jahre oft doppeldeutig.“ (Pos. 3212)

Alles in allem ist es ein spannendes Buch, das die Hintergründe der 68er-Bewegung bis hin zum Linksterrorismus in den westlichen Ländern aufklärt und eine interessante These vertritt, die man allerdings noch besser begründen sollte. Ich gebe dem Buch vier von fünf möglichen Sternen.

Wochenschau KW 11

Unter dem Titel „Wochenschau“ stelle ich ein paar Blogposts und sonstige Artikel der Woche vor, die ich persönlich besonders mit Gewinn oder Interesse gelesen habe. Das ist natürlich vollkommen subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Am 12.03. hat Viktor Janke auf seinem Blog LGVGH (Liebe Gott von ganzem Herzen) einen Text von Kevin DeYoung übersetzt und mit Kommentaren versehen: 7 Merkmale liberaler Theologie. http://www.lgvgh.de/wp/7-merkmale-liberaler-theologie/7320

Hanniel Strebel hat am 13.03. fünf Killer-Argumente vorgestellt, die von Christen auf dem Weg zur liberalen Theologie gerne genutzt werden: http://biblipedia.de/2018/03/13/wie-kirchgemeinden-theologisch-liberal-werden-6-fuenf-killerargumente/

Am 14.03. hat Biblipedia.de einen sehr guten Debattenstarter von Markus Till veröffentlicht, in welchem es um die Wissenschaftlichkeit der Voraussetzungen liberaler universitärer Theologie geht. http://biblipedia.de/2018/03/14/stolz-und-vorurteil-wie-wissenschaftlich-ist-die-bibelwissenschaft/

O Gott, sei Du mir gnädig (nach Psalm 51)

(Singbar nach der Melodie von ‘O Haupt voll Blut und Wunden’)

1. O Gott, sei Du mir gnädig
nach Deiner großen Güt’.
Mach mich der Sünden ledig,
dass meine Schuld verglüht
in Deinem heil’gen Feuer
in der Barmherzigkeit
und meine Seel’ erneuer
von allem Weheleid

2. Wasch Du mich rein und reiner
im Blute am Ysop
und hilf, dass immer kleiner
mein Ich wird und darob
ich meiner Sünde sterbe
den neuen Mensch anzieh,
das Himmelreich ererbe
und alles Böse flieh.

3. Ich kenne meine Sünden
und alles, was ich tu
so lasse mich doch finden
in Deiner Nähe Ruh.
Ich schrei zu Dir in Sorgen
bis dass Du mich erlöst
und mich bei Dir geborgen
in Deinen Armen tröst.

4. O Herr, mach mich doch weise
Erkenntnis schenke mir
bis dass ich zu Dir reise
an Deiner Himmel Tür.
Noch reiner als die Wolle
und weißer als der Schnee
bis dann umher ich tolle
vor Freude in der Höh.

5. Für Dich nur will ich leben
mich weihen meinem Herrn.
Denn Du nur kannst vergeben
die Schuld und tust es gern.
Ein neues Herz mir schenken
und einen neuen Geist,
willst meinen Willen lenken,
bis dass er Dich nur preist.

6. Nun möchte ich die Lieben
und Freuden, die Du gibst
auf dass sie nie zerstieben,
mit denen Du mich triebst
auch Menschen weitergeben,
zu denen ich gesandt,
indem mein ganzes Leben
zu ihnen sei gewandt.

7. So löse unsre Zungen
und fülle unsern Mund,
bis dass Dein Lob erklungen,
tu’ so die Botschaft kund
von Deiner großen Ehre
und allem Deinem Ruhm
bis dass es jeder höre
von Deinem Eigentum.

8. Es ist nicht unser Können
und auch nicht unser Tun.
Wir können nicht so brennen,
verdient bei Dir zu ruhn.
Doch sind es Deine Gnaden
und Deine Herrlichkeit
so sind wir ohne Schaden
bei Dir in Ewigkeit.

Jonas Erne, 04.02.2018