Die Lehre von der Bibel als PDF

Ich habe jetzt die Beiträge, die von der Lehre von der Bibel handeln, in einem kleinen PDF zusammengestellt, das hier heruntergeladen werden kann. Die Datei darf gerne verwendet und verlinkt werden, jede Weitergabe muss aber vollständig und unverändert erfolgen.

Inhaltsverzeichnis:

Die Frage nach der letzten Autorität 

Allgemeine Offenbarung: Die Schöpfung

Allgemeine Offenbarung: Das Gewissen

Spezielle Offenbarung: Die Bibel

Spezielle Offenbarung: Jesus Christus

Schöpfungsgeschichten im Vergleich

Heilsgeschichte: Der rote Faden durch die Bibel

Die Frage nach der Inspiration

Die Irrtumslosigkeit der Bibel

Die Schriften des Alten Testaments

Die Schriften des Neuen Testaments

Die Bibel lesen – ja, aber wie?

Die Irrtumslosigkeit der Bibel

Wir haben bereits gesehen, was es bedeutet, dass die Bibel von Gott inspiriert ist. Jetzt geht es noch darum, dass sie in ihrer Inspiration vollkommen irrtumslos ist. Das betrifft die gesamte Bibel, Buch für Buch, Kapitel für Kapitel, Vers für Vers und Wort für Wort. Der Begriff Irrtumslosigkeit bedeutet, dass die Autographen (so nennt man die originalen Handschriften, die allerdings heute nicht mehr vorhanden sind) in den Originalsprachen keinen einzigen Fehler oder Irrtum enthalten.
Das Buch der Offenbarung hat als letztes Buch die gesamte biblische Offenbarung beendet. Deshalb heißt es dort: Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.(Offenbarung 22, 18 – 19) Diese Worte des Herrn Jesus Christus müssen wir ernst nehmen – es steht viel auf dem Spiel!
Gerade weil die Bibel ja in dynamischer Weise inspiriert ist, haben die verschiedenen Autoren der biblischen Bücher auch unterschiedlich geschrieben. Der Evangelist Lukas war Arzt, weshalb seine Berichte auch wissenschaftlich viel exakter waren. Petrus, dessen Bericht von Markus aufgeschrieben wurde, war ein einfacher Fischer und hat aus der Sicht des einfachen Volkes geschrieben. So kommt der Charakter und die Persönlichkeit der einzelnen Autoren immer wieder zum Vorschein. Deshalb ist es auch kein Widerspruch gegen die Irrtumslosigkeit, wenn jemand schreibt, dass die Sonne auf- und untergehe. Das entspricht einfach dem, was die Menschen gesehen haben und ist deshalb korrekt.
Interessant ist, dass Jesus ganz viel aus dem Alten Testament zitiert und damit bestätigt hat. Ganz besonders oft waren das gerade die Berichte des Alten Testaments, die heute besonders unter Beschuss stehen:
– Schöpfung und Ehe (Matthäus 19,5)
– Sintflut und Arche Noah (Lukas 17,26-27)
– Sodom und Gomorrah (Lukas 17,28-29)
– Tyrus und Sidon (Matthäus 11,21-22)
– Die Beschneidung (Johannes 7,22)
– Das Passah (Matthäus 26,2)
– Das Gesetz (Johannes 7,19)
– Die Gebote (Matthäus 19,7-9)
– Der brennende Dornbusch (Markus 12,26)
– Jona und der Riesenfisch (Matthäus 12,40)
– Die Buße Ninives (Matthäus 12, 41)
– David, der Schaubrote aß (Matthäus 12,3)
– Die Dürre zur Zeit Elias (Lukas 4,25)
– Die eherne Schlange (Johannes 14-15)
und so weiter. Jesus hat also bestätigt, dass alle diese Begebenheiten, von denen das Alte Testament berichtet, vollkommen wahr sind.
Wir haben bereits gesehen, dass Gott die Persönlichkeit der einzelnen Autoren nicht ausgeschaltet hat, sondern jeder so schreiben lassen, wie es ihm entspricht. Das ändert nichts an der Irrtumslosigkeit der Bibel. Genau dasselbe gilt auch für verschiedene grammatikalische Konstruktionen, die manchmal auf den ersten Blick „falsch“ aussehen. In Wirklichkeit haben uns diese Konstruktionen eine ganze Menge zu sagen. So wird etwa dem Heiligen Geist (das hebräische Wort Ruach ist weiblich und bedeutet Wind, Atem, Hauch, Geist) manchmal ein Verb in der männlichen Form beigefügt. Dies ist kein Fehler, sondern fordert uns auf, danach zu suchen, was uns diese Konstruktion zu sagen hat.
Das bedeutet aber auch, dass wir aufgerufen sind, die Bibel als eine Sammlung vieler historischer Dokumente zu sehen, die uns auch in Bezug auf das, was sie erzählen, völlig zuverlässig sind. Die Bibel versucht nicht einfach, Unerklärliches zu erklären, sondern gibt uns vor, was korrekt ist. Sie sagt uns, dass alles einen Schöpfer hat, der die Naturgesetze geschaffen hat und immerzu dafür sorgt, dass wir uns auf jene verlassen können. Ein Naturgesetz wohnt nicht einfach „automatisch“ in einer Sache drin. Es muss erschaffen und erhalten werden. Ein Wissenschaftler, dessen Aufgabe es ist, die Realität zu sehen, zu betrachten, zu beschreiben und zu untersuchen, muss sich in dieser Hinsicht auf den Schöpfer verlassen – selbst wenn er dessen Existenz verleugnet.
Was passiert aber, wenn wir als Christen anfangen, die Irrtumslosigkeit der Bibel zu bezweifeln oder gar abzustreiten?
1) Wir bekommen ein Problem mit Gottes Charakter. Plötzlich ist Gott nicht mehr zuverlässig. Gott wird zum Lügner. Und wir müssen uns fragen: Wenn Gott ein Lügner ist, müssen wir als Gottes Nachahmer dann auch zu Lügnern werden?
2) Wir bekommen ein Problem mit der Frage, worauf wir uns verlassen können. Wenn die Bibel Irrtümer enthält, was ist dann der Maßstab dafür, um Irrtum von Wahrheit unterscheiden zu können? Es wird nicht nur alles subjektiv, sondern wir können damit auch gleich die ganze Bibel in die Tonne kloppen.
3) Wir bekommen ein Problem mit uns selbst. Am Ende kommt es nur noch auf uns selbst an – wir sind dazu verdammt, unser eigener Maßstab zu sein und uns ein Leben lang um uns selbst zu drehen. Jeder Mensch, der einigermaßen realistisch denkt, kann dies nur als Fluch sehen, da er weiß, wie wenig Verlass auf sich selbst ist.
Die Worte des Herrn sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert. Du, o Herr, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich! Es laufen überall Gottlose herum, wenn die Niederträchtigkeit sich der Menschenkinder bemächtigt.(Psalm 12, 7 – 9)

Die Frage nach der Inspiration

Paulus schreibt an Timotheus: Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“ (2. Timotheus 3, 14 – 17)
Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Im griechischen Text steht da „theopneustos“, das heißt „gottgehaucht“. Die gesamte Bibel ist somit von Gott inspiriert. Doch was bedeutet nun genau dieses „inspiriert“? Darüber gibt es eine ganze Menge von Debatten, und es ist wichtig, dass wir uns mit der Frage nach der Inspiration beschäftigen. Bevor wir die verschiedenen Theorien zur Inspiration anschauen, zunächst ein Blick auf die wichtigsten weiteren Bibelstellen zum Thema:
Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1, 19 – 21)
Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräer 1, 1 – 3)
Auch von den Schriften des Neuen Testaments gilt, was die Autoren über die Bibel sagen. So zählt Petrus die Briefe von Paulus zu den heiligen Schriften hinzu: Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben. (2. Petrus 3, 15 – 16)
Paulus macht dasselbe mit den Evangelien: Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wert geachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten. Denn die Schrift sagt: »Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischt!«, und »Der Arbeiter ist seines Lohnes wert«.(1. Timotheus 5, 17 – 18) Hier zitiert Paulus das Lukasevangelium, nämlich Lukas 10, 7 und zählt es zur heiligen Schrift hinzu.
Und dann gibt es in der Bibel auch einige tausend direkte Zitate, in welchen Gott in direkter Rede zitiert wird. Schon nur wenn wir in der Konkordanz nach „spricht der Herr“ suchen, taucht dies 849x auf. Über 900x zusätzlich in der Vergangenheitsform: „sprach der Herr“. Und auch das Neue Testament enthält viele direkte Zitate Gottes – jedes Mal, wenn der Herr Jesus den Mund auftat, können wir sagen: So spricht der Herr.
Und nun stellt sich die Frage: Was genau bedeutet es, wenn wir sagen, dass die ganze Bibel von Gott inspiriert ist?
1. Diktattheorie
Die erste mögliche Theorie möchte ich „Diktattheorie“ nennen. Sie wird leider häufig mit dem Begriff „Verbalinspiration“ durcheinandergebracht. Die Diktattheorie besagt, dass die Autoren der Bibel Wort für Wort von Gott empfangen und Wort für Wort davon geschrieben haben. Damit wäre es wie in der Schule, wo der Lehrer einen Text vorliest und alle Schüler am Schluss genau diesen Text aufgeschrieben haben sollten. Damit hätte die Bibel nur Gott allein zum Autor. Diese Theorie versucht zwar, das Wort Gottes hoch zu halten, aber die Tatsache kommt dabei zu kurz, dass jeder Autor seinen eigenen Charakter, seine Sprache, seinen Wortgebrauch, und so weiter hat.
2. Liberale Theorien
Es gibt verschiedene liberale Theorien, die im Grunde besagen: Die Bibel enthält Gottes Worte und sie enthält daneben eine Menge Menschenworte, und der Theologe oder der Bibelleser muss versuchen, die Menschenworte davon zu eliminieren, damit am Ende das Wort Gottes übrig bleibt. Die Geschichte und die Erfahrung zeigen, dass jeder Versuch, so vorzugehen, am Ende immer dazu führt, dass man nur das in der Bibel finden kann, was man zuerst an sie herangetragen hat. So hat etwa die „Leben-Jesu-Forschung“ versucht, alle übernatürlichen Elemente aus dem Leben Jesu herauszudestillieren, doch am Ende blieb vom gesuchten „historischen Jesus“ nichts mehr übrig.
3. Existentialistische Theorie
Karl Barth, einer der wichtigsten Vertreter der existentialistischen Theologie, war der Meinung, dass die Bibel nicht per se Gottes Wort ist. Vielmehr war sie einst Gottes Wort (nämlich dann, als der jeweilige Autor sie aufgeschrieben hatte) und sie kann heute wieder zum Wort Gottes werden – aber erst durch die Predigt, erst dadurch, dass der Mensch von Gottes Wort persönlich angesprochen wird. Auch hier haben wir wieder das Problem, dass die Bibel dadurch viel zu wenig ernst genommen wird. Der Mensch wird ins Zentrum gerückt, Theologie wird zur Anthropologie (Lehre vom Menschen).
4. Personalinspiration
Diese Theorie kam vor allem im Zeitalter des Idealismus auf. Nicht die Bibel ist von Gott inspiriert, sondern die Autoren waren inspiriert, weil sie eine besondere Begegnung mit Gott hatten und deshalb ihr menschlicher Geist von Gott erfüllt und damit inspiriert war. Deshalb ist bei der Personalinspiration auch nicht alles, was die Autoren geschrieben haben, 1:1 von Gott inspiriert, sondern alles nur Menschenworte, die vom vergöttlichten Menschenverstand wiedergegeben wurden. Auch diese Theorie nimmt die Größe des Wunders der göttlichen Inspiration nicht ernst genug.
5. Realinspiration
Eine weitere Theorie nennt sich Realinspiration. Sie besagt, dass die Texte der Bibel nicht von Gott inspiriert sind und keinesfalls historisch echt sein müssen, aber die ethischen, sittlichen Themen, die seien von Gott inspiriert. Auch hier kann man dann die Themen frei nach Belieben herauspicken – die Bibel wird der totalen Beliebigkeit des Menschen unterworfen. Deshalb wird auch diese Theorie der Bibel nicht gerecht.
6. Dynamische Verbalinspiration
Die überzeugendste Theorie scheint mir jene zu sein, die ich dynamische Verbalinspiration nenne. Sie besagt, dass Gott verschiedene Menschen gebraucht hat und bei keinem von ihnen den Willen oder die Persönlichkeit ausgeschaltet, sondern im Gegenteil, in einem dynamischen Prozess gerade den verschiedenen Charakter der Autoren gebraucht, um sie am Ende alle zusammen die Bibel schreiben zu lassen, welche wir heute haben. Gott hat diesen dynamischen Prozess überwacht und dafür gesorgt, dass nicht nur alles Nötige in der Bibel zu finden ist, sondern auch dass nichts davon fehlt. Auf diese Weise ist die große Vielfalt, die wir in der Einheit der ganzen Bibel finden, auch ein Hinweis darauf, dass unser dreieiner Gott als der Drei-Eine Vielfalt in Einheit und Einheit in Vielfalt ist.
Freuet euch des HERRN, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn recht preisen. Danket dem HERRN mit Harfen; lobsinget ihm zum Psalter von zehn Saiten! Singet ihm ein neues Lied; spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall! Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN. Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten. Alle Welt fürchte den HERRN, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. Denn wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da. (Psalm 33, 1 – 9)

Heilsgeschichte: Der rote Faden durch die Bibel

Mein zweiter Grund für die vollkommene Vertrauenswürdigkeit der Bibel besteht darin, dass die Bibel, obwohl sie über den Zeitraum von etwa 1700 Jahren und von 40 Autoren geschrieben wurde, eine innere Einheit, einen roten Faden, hat. Sie ist die Geschichte von Gott mit der Menschheit. Somit ist sie zuerst einmal eine große Sammlung von vielen historischen Dokumenten, und zugleich ist sie das eine große historische Dokument, das uns von Gott als Schöpfer erzählt, von der ersten Menschheit, die mit Gott lebte, von der Abkehr der Menschen von Gott und davon, wie Gott immer wieder auf die Menschen zugegangen ist und ihnen Sein wunderbares Wesen gezeigt hat: Seine Heiligkeit, vor der der Mensch zittert und erschrickt. Seine Gerechtigkeit, die alles sieht und am Ende nichts ungestraft lassen wird. Seine Liebe, in der Er Selbst kommt, um unsere Schuld zu bezahlen. Seine Allmacht, die sich in den Wundern zeigt. Seine Allwissenheit, welche die gesamte Weltgeschichte steuert. Seine Allgegenwart, mit der Er den Menschen nahe ist, die Ihn suchen.
In diesem Zusammenhang ist das 1. Mosebuch unvorstellbar wichtig. Edith Schaeffer, die Frau des Evangelisten und Apologeten Francis A. Schaeffer, schreibt dazu: „Man muss mit dem ersten Buch Mose anfangen. „Am Anfang … Gott.“ Das bedeutet: Am Anfang steht eine Person – eine unbegrenzte Person zwar, aber eine Person. Am Anfang – Denken, Handeln, Fühlen, Lieben, Kommunikation, Idee, Entscheiden, Kreativität. Ja, am Anfang war dieser Gott, der den Menschen nach seinem Bilde schuf. Eine Persönlichkeit, die bereits existierte. Ein persönliches Universum, erschaffen von einer Person. Ein am Menschen ausgerichtetes Universum, von einer Person erschaffen. Ein Universum, in dem es Erfüllung für die Wünsche von Künstlern, Dichtern, Musikern, Landschaftsgärtnern gibt, weil es von einem Künstler, Dichter, Musiker und Landschaftsgärtner gemacht worden ist.“ (Schaeffer, Edith, Der Erste und der Letzte, S. 16f)
Wenn wir wissen wollen, was eine Person ist, dann müssen wir nicht zuerst Menschen anschauen und dann fragen: Hmm, ist Gott wie ein Mensch? Sondern wir schauen Gott an und erkennen da, was eine Person ist, und dann sehen wir, auf wie vielen Ebenen auch wir Menschen Personen sind.
Dann gehen wir wieder ins erste Mosebuch und schauen, was das Ziel und der Zweck, der Sinn unseres Lebens ist. Und da erkennen wir, dass es das Leben in der Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen ist, und dass wir einen Auftrag auf dieser Erde haben: Für sie zu sorgen, sie zu gebrauchen, sie zu studieren, sie zu bebauen, ihren Ertrag zu vermehren, und auch unser eigenes Leben zu vermehren. Gott hat uns so geschaffen, dass wir uns freuen können. Deshalb sind wir dazu gemacht, um uns an Gott und Seiner Schöpfung zu freuen. Jedes Mal, wenn wir uns über ein Gedicht oder ein Musikstück freuen, so können wir das nur, weil Gott uns mit der Fähigkeit zur Freude und Kreativität gemacht hat.
Doch leider blieb nicht alles beim Alten. Die Menschen rebellierten gegen Gott und wollten autonom werden, sie wollten selbst über Gut und Böse entscheiden und vertrauten darin Gott nicht. So sind sie der Sünde verfallen. Und bis auf den heutigen Tag gibt es (außer Jesus Christus) keinen einzigen Menschen, der so leben kann, wie es Gott gefällt. Deshalb beginnt die Heilsgeschichte. Der Mensch ist von Natur und von Geburt aus von Gott getrennt, sein Wesen ist böse, er ist ein Feind Gottes, bis zu dem Moment, in welchem er durch den Heiligen Geist wiedergeboren wurde.
Diese Wiedergeburt verspricht schon das Alte Testament auf viele verschiedene Arten und Weisen. Etwa Jeremia: Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloß an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der Herr. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.(Jeremia 31, 31 – 33)
Jeremia spricht von einem neuen Bund, einem neuen Herz. Vor dem Neuen Bund musste es zuerst einen Alten Bund geben. Gott hat mit dem Volk Israel, von dem das ganze Alte Testament berichtet, einen Bund geschlossen, bei dem Gott dem Volk zusagte, Er wolle ihr Gott sein und sie Sein Volk, wenn es Seinen Willen tun würde. Doch eines um das andere Mal ist das Volk Israel seinem Gott untreu geworden. Warum? Weil es ein neues Herz und einen neuen Geist braucht. Die Geschichte von Israel lehrt uns viel: Ohne neues Herz ist es unmöglich, Gottes Willen zu tun. Deshalb gab Gott dem Volk auch bestimmte Gebote, die mit Tieropfern zu tun hatten. Eigentlich hätte jeder Mensch, der einmal gegen Gott sündigte, sofort mit dem Tod bestraft werden müssen. Doch Gott gab die Möglichkeit, dass ein teures, speziell ausgewähltes und besonders schönes Tier an der Stelle der Person sterben konnte, die gesündigt hatte. Jedes Opfer war so eine Erinnerung daran, dass der Mensch eigentlich sein Leben verwirkt hatte.
Im Neuen Testament kommt Gott Selbst in Jesus Christus auf die Erde. Jesus Christus ist das perfekte Opfer für alle unsere Sünden. So heißt es im Hebräerbrief: Aufgrund dieses Willens sind wir geheiligt durch die Opferung des Leibes Jesu Christi, [und zwar] ein für allemal. Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt oftmals dieselben Opfer dar, die doch niemals Sünden hinwegnehmen können; Er aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, das für immer gilt, zur Rechten Gottes gesetzt, und er wartet hinfort, bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt werden. Denn mit einem einzigen Opfer hat er die für immer vollendet, welche geheiligt werden. Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist; denn nachdem zuvor gesagt worden ist: »Das ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie in ihre Sinne schreiben«, sagt er auch: »An ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten will ich nicht mehr gedenken.« Wo aber Vergebung für diese ist, da gibt es kein Opfer mehr für Sünde.(Hebräer 10, 10 – 18)
Hier haben wir wieder das Zitat von Jeremia, und die Bestätigung, wie alles zusammen passt. Das Opfer von Tieren war im Alten Bund nötig, aber im Neuen Bund ist Jesus Christus das perfekte, einmalige Opfer für alle unsere Schuld. So sehen wir auch, dass die Schriften von 66 Büchern und von etwa 40 Autoren wunderbar zusammenpassen. Auch Paulus macht den Zusammenhang im Brief an die Korinther deutlich:
Denn die Liebe des Christus drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind: Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; und er ist deshalb für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist. So kennen wir denn von nun an niemand mehr nach dem Fleisch; wenn wir aber auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch nicht mehr so. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden! Das alles aber [kommt] von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Laßt euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2. Korinther 5, 14 – 21)

Spezielle Offenbarung: Jesus Christus

Der Apostel Johannes beginnt sein Evangelium von Jesus Christus mit den Worten: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. […] Das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, doch die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.(Johannes 1, 1 – 5 und 9 – 14)
Johannes fängt also seinen Bericht nicht mit der Geburt an, sondern er beginnt bei den Anfängen dieser Welt. Noch bevor die Welt geschaffen war, da war das Wort bei Gott und es war Gott. Dieser Bericht des Johannes hat starke Anlehnung an den Bericht von der Erschaffung der Welt. Dort hat Gott durch Sein Wort geschaffen, indem Er sprach – und es geschah. Nicht durch Big Bangs oder Big Bounces oder dergleichen, sondern durch Sein Wort. Durch Jesus Christus. Dies bestätigt Paulus etwa im Brief an die Kolosser: Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; und er ist vor allem, und alles hat seinen Bestand in ihm. (Kolosser 1, 15 – 17)
Dieser ist also Jesus Christus. Das Wort, durch welches Gott alles geschaffen hatte. Johannes nennt Ihn auch „das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet“. Da stellt sich nun die Frage, wie das gemeint ist. Auf der einen Seite ist es so, dass jeder Mensch durch sein Gewissen eine gewisse Erleuchtung und damit auch Selbsterkenntnis hat. Weil Jesus Christus jeden Menschen geschaffen und ihm ein Gewissen gegeben hat, kann so jeder Mensch auch ein Stück von der Ewigkeit, von Gott und von sich selbst erkennen. Ein anderer Aspekt besteht aber darin, dass Jesus Christus auch auf die Erde gekommen ist – als Mensch wie wir alle. Und durch Sein Leben hat Er den Menschen einen Spiegel vorgehalten. Er hat ihnen gezeigt, dass sie alle so unendlich weit entfernt sind von dem, wozu sie geschaffen sind. Das hat häufig provoziert. Und das sagt Johannes wiederum, wenn er schreibt: „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, doch die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Die Seinen nahmen Ihn nicht auf. Sie verfolgten Ihn, verspotteten Ihn, bespuckten Ihn, nahmen Ihn gefangen, verließen Ihn, kreuzigten Ihn zu Tode.
Das Böse hatte gesiegt. Man hat es wohl den triumphalen Siegesschrei ausstoßen hören können. Das Wort ist tot. Gott Sohn ist tot. Doch der Teufel hatte eines nicht bemerkt: In dem Moment, als sein Triumph am größten war, hatte er unwissend Selbstmord begangen. Er hat sich mit der schlimmsten Sünde, die jemals getan wurde, selbst besiegt. Dort am Kreuz von Golgatha war der Ort, an dem die Schuld der Menschen bezahlt wurde – so dass jeder, der an Jesus Christus glaubt, nicht in die ewige Verdammnis kommt, sondern ewig mit Gott leben darf. Am Kreuz wird Gottes Zorn und Gottes Liebe am besten sichtbar: Gottes Zorn über die Sünde, welcher über Jesus Christus ausgegossen wurde – und zugleich Gottes Liebe, in welcher Er Selbst diesen Zorn zu tragen bereit war.
Viele Dinge waren schon vorher bekannt, aber in Jesus Christus werden die einzelnen Heilslinien in einer Person vereinigt: Der Hohepriester, der am Versöhnungstag nach 3. Mose 16 Gott für die Sünden des Volks Israel opfert, zugleich das Opfertier, welches die Sünden der Menschen trägt, der König der Welt, welcher als Nachkomme Davids versprochen war, der Richter der Welt aus Daniel 7,14. Der Gottesknecht aus Jesaja 52 und 53, und so weiter. Alle diese Heilslinien treten im Alten Testament einzeln auf und verlaufen zuerst parallel zueinander. Im Neuen Testament fallen sie in Jesus Christus zusammen, der das Wort Gottes ist, und somit die größte Offenbarung Gottes.
Mit dieser Botschaft hat Jesus Christus nach Seiner Auferstehung am dritten Tag Seine Nachfolger beauftragt. Die Gemeinde ist der Leib, der Körper, von Jesus Christus, der auf der Erde das ausführen soll, was Sein Wille ist. Die Gemeinde hat den Auftrag, Jesus Christus zu predigen und Menschen einzuladen, in eine persönliche Beziehung zu Gott zu kommen. Sie soll da sein für Menschen, die an ihrem Leben leiden und ihnen die Hoffnung des ewigen Lebens ohne Leid geben. Deshalb sagt Johannes auch: „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ Kinder Gottes sind nicht einfach alle Menschen. Auch nicht einfach alle, die getauft sind. Ja, noch nicht einmal alle, die regelmäßig einen Gottesdienst besuchen. All das sind gute Sachen, aber sie machen niemanden zu einem Kind Gottes. Johannes sagt vielmehr, dass man Jesus Christus annehmen muss.
Jesus Christus möchte unser Erlöser und unser König sein. Es reicht nicht, Ihn nur als den Erlöser zu wollen. Wir brauchen Ihn auch als König. Wenn wir zu Ihm gehören, dann suchen wir nach Seinem Willen und tun das, was Er von uns möchte. Wir lassen uns von Ihm prägen und verändern. Wir beginnen, das zu lieben, was Er liebt und das zu hassen, was Er hasst. Wir lernen Ihn immer besser kennen, reden mit Ihm und hören auf Sein Wort. Dadurch werden wir immer sensibler für Seinen Willen. Diesen Prozess, in welchem wir Jesus Christus immer ähnlicher werden, nennt die Bibel Heiligung. Je weiter wir in dem Prozess voranschreiten, desto mehr wird auch unser Leben zu einem Sichtbarmachen von Gottes Wirken. Weil so viele Menschen kein Interesse haben, die Bibel zu lesen, so sollen sie halt unser Leben lesen können und sehen, wie Gott wirkt.
Unser Brief seid ihr selbst, in unsere Herzen geschrieben, erkannt und gelesen von jedermann. Es ist ja offenbar, daß ihr ein Brief des Christus seid, durch unseren Dienst ausgefertigt, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln des Herzens. (2. Korinther 3, 2 – 3)
Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott [ist es doch], der rechtfertigt! Wer will verurteilen? Christus [ist es doch], der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt! Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet!« Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (Römer 8, 28 – 39)

Spezielle Offenbarung: Die Bibel

Wer mehr über Gott wissen will als was er in der Natur und durch sein Gewissen beobachten kann, wird nicht um die Bibel herumkommen. Sie ist die Art, wie Gott Sich entschieden hat, Sich Selbst uns Menschen zu offenbaren. Martin Luther hat festgestellt: „Wenn du Gnade willst erreichen, so arbeite darauf hin, dass du das Wort Gottes sowohl gespannt hörst, als auch dich mit Freude daran erinnerst: Das Wort, sage ich, und allein das Wort ist das Gefährt der Gnade Gottes.“(übersetzt nach: Luther, Martin, Weimarer Ausgabe, Bd. 2, S. 509) Was Luther hier sagt, ist ungefähr Folgendes: Ohne die Bibel ist es unmöglich, Gott als gnädigen Gott kennenzulernen.
Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Die allgemeine Offenbarung in der ganzen Schöpfung und im menschlichen Gewissen kann uns im besten Fall sagen, dass Gott sehr mächtig, sehr gut, sehr perfekt, moralisch viel besser als wir ist und dass wir selbst immer wieder hinter dem Standard dieses großen Gottes weit zurückbleiben. Und jetzt geht es um die Frage, wie der Mensch zum Wissen gelangen kann, wie er vor diesem Gott am leben bleiben kann. Und hierauf gibt Martin Luther die richtige Antwort: Das Wort, die Bibel allein, ist das Gefährt der Gnade Gottes.
Der Apostel Paulus schreibt dazu:Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.(2. Timotheus 3,16 – 17) Was es genau bedeutet, dass die ganze Bibel von Gott eingegeben (inspiriert) ist, wird noch im Detail an anderer Stelle zu erläutern sein. Der Apostel Petrus bestätigt die Aussage von Paulus: Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1, 19 – 21)
Gott hat Sich entschieden, zu Seiner Ehre die Sprache und Schrift zum Gefährt der Gnade zu machen. Er hat das Buch gewählt, um Sein Wort zu übertragen. Das Buch hat einen Anfang und ein Ende und besteht aus vielen Abertausenden von Zeichen, die man zu Sätzen zusammensetzen kann und die dadurch einen verständlichen, klaren Inhalt haben. Die Bibel ist nicht einfach ein Buch neben anderen. Sie ist nicht einfach nur der absolute Weltbestseller, sondern sie ist das nötige Werkzeug, das wir brauchen, wenn wir Frieden mit Gott bekommen wollen. Sie ist eine Bibliothek von 66 einzelnen Büchern, die jedoch alle zusammen ein ganzes Buch ausmachen. Weit über 1000 Jahre sind zwischen den früheren und den späteren Schriften – und dennoch hat das ganze Buch eine große, eine einzigartige Geschichte zu erzählen. Es ist die Geschichte von Gottes Heilshandeln an der Welt und insbesondere an der Menschheit.
Das erste Buch beginnt mit der geschichtlichen Beschreibung der gesamten Schöpfung, das letzte Buch endet mit der Warnung davor, dass nichts Neues mehr hinzugefügt werden darf. Das Buch ist somit ein für alle Male abgeschlossen. Alles, was danach gesagt wird, muss sich daran messen lassen, ob es mit dem Inhalt der Bibel übereinstimmt oder nicht. Dass manche Leute die Bibel deshalb ablehnen, weil ihre Autorität aus ihr selbst abgeleitet werden kann, ändert nichts daran. Wir werden noch sehen, dass es genügend Gründe gibt, die auch aus externen Kriterien für die Bibel sprechen. Aber das ist jetzt nicht das Thema, das kommt erst noch.
Was ganz wichtig, dass wir daran festhalten, ist die Klarheit der Bibel. Sie ist verständlich, sie kann kapiert und korrekt wiedergegeben werden. Mose sagte zum Beispiel zum Volk Israel:Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. (5. Mose 6, 6 – 7) Das setzt voraus, dass man zuerst verstanden hat, was diese Worte überhaupt sind. Somit sind Gottes Worte einfach, klar, verständlich und brauchen keine langwierigen Zerstückelungen und Neudefinitionen. Sie müssen auch nicht an unsere Zeit angepasst oder abgeändert werden. Sie sind weder „archaisch“ noch „patriarchalisch“ noch frauenfeindlich noch sonst etwas Ähnliches. Deshalb brauchen wir an ihnen auch nicht zu zweifeln. So heißt es auch in den Psalmen: Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.(Psalm 19, 8 – 9)
Wenn wir das Neue Testament lesen, so finden wir dort etwas Ähnliches. Jesus hat an gar keiner Stelle gesagt, dass etwas von Gottes Wort kompliziert sei. Er hat immer – egal zu wem Er gesprochen hat – auf Gottes Wort zurückgegriffen und es als selbstverständlich vorausgesetzt. Er ging sogar so weit, einmal zu sagen: Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. (Johannes 17, 17) Das war ein Gebet an Gott Vater. Er sagte nicht: Dein Wort enthält Wahrheit oder Dein Wort ist wahr, aber man muss es zuerst richtig interpretieren. Er sagte einfach: Dein Wort IST Wahrheit. Punkt.
Jetzt kommt aber die Frage auf: Warum gibt es denn trotzdem Missverständnisse? Ja, das müssen wir zugeben, es gibt immer wieder Missverständnisse. Auch als Kinder Gottes sind wir davor nicht automatisch geschützt. Es gibt zum Beispiel Missverständnisse, wenn wir bestimmte Teile der Bibel als höherwertig anschauen und andere dadurch weglassen. Als Paulus sich kurz vor seiner Gefangennahme noch einmal mit den Ältesten der Gemeinde in Ephesus traf, sagte er ihnen, dass er ihnen den ganzen Ratschluss Gottes gelehrt habe. Wenn wir etwa wie Marcion im zweiten Jahrhundert das Alte Testament ablehnen (oder es auch nur als minderwertig im Vergleich zum Neuen Testament sehen), so werden wir auf manche Missverständnisse hereinfallen. Marcion ging so weit, zu sagen, dass der Gott Israels ein böser Gott sei, der mit dem Gott des NT im Streit stehe. So weit gehen heute wohl die wenigsten (aber auch das habe ich heute schon gesehen), aber viele Menschen fallen darauf herein, dass sie sagen, dass Gott im AT ein zorniger und im NT ein liebender Gott sei. Beides ist falsch. Gott ist immer Gott und verändert sich nicht. Auch die Erlösung verändert an Gott nichts. Sie verändert nur unsere Möglichkeit, mit Gott wieder ins Reine kommen zu können. Wir sehen also, dass es gefährlich ist, nur einen kleinen Teil der Bibel zu kennen oder diesen zu überbetonen.
Und dann gibt es noch eine zweite Art von Missverständnissen. Es gibt nämlich tatsächlich Lehren, die nicht ganz einfach zu verstehen sind. So etwa die Lehre von den Letzten Dingen (Eschatologie nennt man das). Über die Dinge, die noch ausstehen von der Bibel und deren Reihenfolge zum Beispiel gibt es ganz viele verschiedene Sichtweisen. Mir sind etwa 20 verschiedene Modelle bekannt, vermutlich gibt es noch mehr. Das ist ein Thema, das wertvoll ist, sich damit zu beschäftigen, aber es wird vermutlich auch in den nächsten Jahren keine allgemeine Übereinstimmung geben. Muss es auch nicht, wichtig ist, dass man sich davon nicht dazu verleiten lässt, dass das Thema deshalb egal sei.
Die Bibel ist klar und verständlich. Das soll eine Ermutigung an uns alle sein, sie zu lesen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Keiner wird damit bis ganz ans Ende kommen und alle Fragen verstehen, aber wichtig ist, dass wir ein Leben lang in ihr forschen, lesen und uns täglich neu von ihr begeistern lassen.
Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Indem er ihn bewahrt nach deinem Wort! Von ganzem Herzen suche ich dich; lass mich nicht abirren von deinen Geboten! Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige. Gelobt seist du, o Herr! Lehre mich deine Anweisungen. Mit meinen Lippen verkünde ich alle Bestimmungen deines Mundes. Ich freue mich an dem Weg, den deine Zeugnisse weisen, wie über lauter Reichtümer. Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten. Ich habe meine Lust an deinen Anweisungen; dein Wort vergesse ich nicht. (Psalm 119, 9 – 16)

Allgemeine Offenbarung: Das Gewissen

Was ist das Gewissen? Um dieses Wort ranken viele Miss- und andere Verständnisse. Es ist deshalb sinnvoll, dem Wort einmal nachzugehen. Zunächst ist es interessant, dass die Bibel im hebräischen Alten Testament kein Wort für das Gewissen kennt. Im Volk Israel war klar, dass für die Unterscheidung zwischen gut und böse sowie richtig und falsch die göttliche Ordnung (die Thora, also die 5 Bücher Mose) bekannt sein muss. Somit hat man keinen eigenen Begriff dafür gebraucht. Dennoch kennt das Alte Testament eine Art Zwiespalt im Menschen. Dieser Zwiespalt, den man durchaus als so etwas wie ein Gewissen betrachten kann, sah der Hebräer einfach als Teil des Herzens und bildete somit den Unterschied zwischen einem lauteren (reinen) Herzen und einem unlauteren (unreinen) Herzen.
In der griechischen Antike wurde erstmals ein eigenes Wort für das Gewissen verwendet. Dieses griechische Wort heißt συνειδήσις (syneidesis). Das Wort ist zusammengesetzt aus syn (mit, zusammen, gemeinsam) und einer Form des Verbs oida (wissen). Es heißt somit eigentlich „Mitwissen“. So wurde es zuerst auch gebraucht: Wenn ich Augenzeuge eines bestimmten Vorgangs geworden bin, so habe ich ein Mitwissen bekommen. Der Mitwisser ist zu einem Zeugen geworden, der den Angeklagten (den Täter des Vorgangs) entweder belasten oder entlasten konnte. Das ist der Ursprung des Wortes.
So wurde dann mit der Zeit immer mehr der innere Zwiespalt eines Menschen zum Inhalt des Wortes Gewissen. Im Menschen sind zwei verschiedene Ichs, die gegeneinander Anklage erheben oder sich gegenseitig freisprechen. Dieser Wandel der Bedeutung war im 1. vorchristlichen Jahrhundert vollzogen, damit haben wir die Basis, um den Gebrauch des Wortes im Neuen Testament zu betrachten. Die bisherige Darstellung der Geschichte des Wortes habe ich mit Hilfe des Abschnitts „synoida“ von Dr. Christian Maurer in: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Bd. VII ab S. 897 erarbeitet.
Im Neuen Testament kommt syneidesis in 22 Versen vor; davon gut die Hälfte bei Paulus. Über das erste Vorkommen kann gestritten werden, da es in Johannes 8,9 steht, wo es um die Ehebrecherin geht. Manche Bibelausleger leugnen die Echtheit diesen Berichts. Zwei Vorkommen sind in der Apostelgeschichte, einmal in 23,1 wo Paulus von seinem reinen Gewissen erzählt. Hier kann man auf die alttestamentliche Vorstellung des reinen Herzens zurückgreifen. Dasselbe gilt auch für 24,16, wo wiederum Paulus von seinem reinen Gewissen spricht.
In den Briefen von Paulus wird es interessant, vor allem in der ersten Stelle, welche auch das wichtigste Vorkommen des Wortes in Bezug auf die natürliche Offenbarung ist. Wenden wir uns also diesem wichtigen Abschnitt zu:
Denn alle, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden — denn vor Gott sind nicht die gerecht, welche das Gesetz hören, sondern die, welche das Gesetz befolgen, sollen gerechtfertigt werden. Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, da sie ja beweisen, daß das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, was auch ihr Gewissen bezeugt, dazu ihre Überlegungen, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen — an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird nach meinem Evangelium. (Römer 2, 12 – 16)
Zuerst müssen wir uns fragen, wo dieser Abschnitt im gesamten Fluss des Römerbriefs steht. Der Römerbrief ist nämlich nicht eine Reihe von einzelnen Themen, die irgendwie aneinandergereiht sind, sondern eine riesige Abhandlung darüber, wer der Mensch ist, was sein Problem ist, wie Gott das Problem des Menschen gelöst hat und wie der Mensch zu dieser Lösung kommen kann. Diese riesige Abhandlung beginnt mit Römer 1,16 und geht bis Römer 15,13. Deshalb kann man diesen Abschnitt nicht einfach herauspicken und ihn dann so verstehen, wie es einem gerade passt. Schauen wir uns den Abschnitt im Flow des ganzen Briefs an.
Paulus geht es im ersten großen Teil des Briefs, der Römer 1,18 – 3,20 umfasst, zu zeigen, dass jeder Mensch aus sich selbst verloren ist. Jeder Mensch hinkt dem Standard, den Gott gesetzt hat, hinterher. Paulus macht klar: Die Juden, welche das Alte Testament haben, stehen vor Gott nicht besser da als die „Heiden“, also die, welche Gottes Wort nicht haben. Wie wir schon im Teil über die Schöpfung gesehen haben, ist jeder Mensch, der seine Umwelt sehen kann, ohne Entschuldigung vor Gott, denn er hat durch alles, was er sehen kann, die Möglichkeit, Gottes Existenz, Größe, Macht und Güte festzustellen. Das nimmt ihm also jede Entschuldigung. Und jetzt sagt Paulus: Noch ein Zweites gibt es, was jedem Menschen zur Verfügung steht. Ich möchte hinzufügen: Dieses Zweite gilt wohl noch umfassender für jeden einzelnen Menschen, denn so kann sich niemand mehr mit Blindheit oder anderen Problemen der Sinne entschuldigen.
Erinnern wir uns kurz: Die Juden haben gesagt, dass man Gottes Wort braucht, um das Richtige und das Falsche zu erkennen und unterscheiden zu können. Damit haben sie ein Stück weit recht: Den Willen Gottes kann man nur in Gottes Wort erkennen. Wir brauchen die Bibel dazu. Was jedoch jedem Menschen gegeben ist, das ist das Wissen darum, dass es Richtig und Falsch, Gut und Böse, Gerecht und Ungerecht überhaupt gibt. Und dieses Wissen, so sagt Paulus jetzt, dieses Wissen hat jeder Mensch tief in sich eingepflanzt. Egal wie sehr ein Gewissen abgestumpft ist, jeder Mensch hat das Verlangen, gerecht behandelt zu werden. Er hat ein Gewissen, er ist ein Mitwisser mit Gott darum, dass es Gut und Böse gibt. Und jetzt setzt Paulus noch eins oben drauf und sagt: Hey, ihr Juden, ihr braucht euch gar nichts darauf einzubilden, dass ihr Gottes Wort habt, denn in allem haltet ihr euch auch nicht daran! Also seid ihr nicht besser dran als die „Heiden“, die Gottes Wort nicht haben, sondern nur ihr Gewissen! Also bildet euch bloß nichts darauf ein!
Das ist also das Gewissen: Jeder, der das Bedürfnis hat, gerecht behandelt zu werden, weiß damit auch um die Existenz von Gut und Böse. Wer Gottes Wort nicht hat, findet in sich dennoch eine Richtschnur, die besagt, was gerecht und was ungerecht ist. Paulus fährt wieder fort und sagt: Die Menschen, die Gottes Wort nicht haben, die haben dennoch das Werk des Gesetzes in die Herzen geschrieben. Ihr Herz ist also ein Richter über ihr Leben und ihr Verhalten.
Und hier liegt noch ein weiteres Missverständnis vor: Aus diesem Abschnitt wird häufig gefolgert, dass Menschen, die ohne Gottes Wort zu kennen, aufwachsen, einfach so vor Gott bestehen könnten. Das sagt Paulus hier jedoch nicht. Paulus sagt lediglich: Der Mensch hat ein Gewissen, das jede seiner Handlungen beurteilt und entweder als richtig oder als falsch einstuft (ob das jetzt mit Gottes Maßstab übereinstimmt, bleibt fraglich). Da aber jeder Mensch früher oder später das schlechte Gewissen kennenlernt, wird jeder durch sein schlechtes Gewissen vor Gott verurteilt. Es geht in dem Abschnitt also nicht darum, wie jemand vor Gott gerecht sein kann – im Gegenteil – es geht lediglich darum, dass am Ende jeder mit einem Scherbenhaufen vor Gott stehen wird. Wie man diesen Scherbenhaufen loswerden kann, darum geht es erst ab Römer 3,21.
Die Schöpfung Gottes und das Gewissen des Menschen, diese zwei Dinge zusammen bilden die natürliche Offenbarung. Johannes Calvin schreibt dazu wieder sehr treffend:
Man kann aus diesem Vers also nicht gut einen Beleg für die Kraft unseres Willens herauslesen, als wollte Paulus sagen, die Befolgung des Gesetzes sei in die Kraft unseres Willens gestellt; er redet auch nicht von dem Vermögen, das Gesetz zu erfüllen, sondern lediglich von dessen Erkenntnis. Vollends steht das Wort „Herz“ hier nicht für den Sitz der Affekte, sondern wird nur in dem Sinne von Einsicht gebraucht […]. Außerdem darf man daraus nicht schließen, die Menschen verfügten von sich aus über die vollständige Erkenntnis des Gesetzes, wo doch ihrem Geist, was die Gerechtigkeit anlangt, höchstens ein paar Samenkörner eingepflanzt sind. Dazu gehört, dass ausnahmslos alle Völker sich religiöse Institutionen schaffen, dass sie Ehebruch, Dienstahl und Mord nach Gesetzen strafen oder sich in Handelsgeschäften auf Treu und Glauben verlassen. Es ist ihnen, wie sie damit bezeugen, offenbar nicht verborgen, dass man Gott verehren muss, dass Ehebruch, Diebstahl und Mord ein Übel, Redlichkeit hingegen etwas Lobenswertes ist. Dabei spielt es keine Rolle, wie sie sich Gott vorstellen oder wie viele Götter sie sich zurechtlegen. Es reicht, dass sie erkennen: Es gibt einen Gott, dem sie Verehrung und Dienst schulden.“ (Calvin, Johannes, Studienausgabe, Römerbrief Bd. 1, S. 127)

Allgemeine Offenbarung: Die Schöpfung

Wir haben bereits gesehen, dass Gott Sich auf verschiedene Art und Weise offenbart. Man unterteilt den Bereich der Selbstoffenbarung Gottes in zwei Teile, von denen jeder wieder aus zwei Teilen besteht. Hierbei unterscheidet man die allgemeine Offenbarung von der speziellen Offenbarung. Die allgemeine Offenbarung besteht aus den beiden Hauptteilen Schöpfung und Gewissen, die spezielle Offenbarung aus den Teilen Bibel und Jesus Christus. Etwas geordneter sieht das so aus:
1. Allgemeine Offenbarung
1.1. Schöpfung
1.2. Gewissen
2. Spezielle Offenbarung
2.1. Bibel
2.2. Jesus Christus
Heute möchte ich mich auf den ersten Teil des ersten Teils beschränken: Wie kann der Mensch Gott in der Schöpfung erkennen?
Paulus beginnt seine Erklärung des Evangeliums im Römerbrief mit einer Erklärung dazu: Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben. Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht.(Römer 1, 18 – 24)
Mit anderen Worten: Jeder vernünftige Mensch, der die Welt anschauen kann, hat die Möglichkeit, Gott als Schöpfer darin zu erkennen. Er muss es nicht zwingend, denn er kann die Wahrheit auch verdrängen und unterdrücken. Wer das tut, dessen Herz wird immer mehr verdunkelt, bis er nur noch die Schöpfung sehen kann. Der Mensch, der so gegen Gott und gegen das Zeugnis seines eigenen Lebens rebelliert, bis er davon blind und verblendet ist, hat die Strafe für seine Rebellion gegen Gott wohl verdient. Eigentlich wird dann jede Zelle seines Körpers, jeder Stern im Universum und jedes Blatt, das im Herbst von einem Baum fällt, zum Zeigen gegen diesen Menschen, denn alles „schreit“ auf seine Art: „Schau mich an! Ich bin geschaffen! Ich habe einen Schöpfer, der mich geplant, gewollt und gemacht hat!“
Immer mehr Leute versuchen mit aller Kraft, diese Erkenntnis, die natürliche Offenbarung, mit aller Kraft zu unterdrücken. Etwa Richard Dawkins schreibt in seinem Buch „Der Gotteswahn“ sehr anschaulich, wie das praktisch gemacht wird: „Ein Atheist oder philosophischer Naturalist in diesem Sinn vertritt also die Ansicht, dass es nichts außerhalb der natürlichen, physikalischen Welt gibt: Keine übernatürliche kreative Intelligenz, die hinter dem beobachtbaren Universum lauert, keine Seele, die den Körper überdauert, und keine Wunder außer in dem Sinn, dass es Naturphänomene gibt, die wir noch nicht verstehen. Wenn etwas außerhalb der natürlichen Welt zu liegen scheint, die wir nur unvollkommen begreifen, so hoffen wir darauf, es eines Tages zu verstehen und in den Bereich des Natürlichen einzuschließen.“(Dawkins, Richard, Der Gotteswahn, S. 25f)
Davon abgesehen, dass diese Worte von Dawkins voll unnötiger Polemik sind (etwa dann, wenn er die übernatürliche Intelligenz hinter dem Universum „lauern“ lässt), sehen wir hier die Praxis dessen, was Paulus im Römerbrief beschrieben hatte: Der gottlose Mensch klammert von Anfang an jede Möglichkeit Gottes in seinem Denken aus und ist deshalb dazu verdammt, seine Herkunft und die Herkunft des ganzen Universums auf magische Art erklären zu müssen. Denn: Aus nichts kommt nichts! Nun gut, vielleicht kann man den großen Glauben eines Herrn Dawkins auch bewundern.
Da ist doch die Erklärung Johannes Calvins viel vernünftiger: „Höchstes Ziel des seligen Lebens ist nun die Erkenntnis Gottes. Niemandem sollte der Zugang zur Seligkeit verschlossen bleiben; deshalb hat Gott nicht nur dem Menschenherzen das geschenkt, was wir den Keim der Religion nannten. Er hat sich auch derart im ganzen Bau der Welt offenbart und tut es noch heute, dass die Menschen ihre Augen nicht aufmachen können, ohne ihn notwendig zu erblicken. Sein Wesen zwar ist unbegreiflich, so dass seine Gottheit allem Verstehen der Menschen völlig unerreichbar ist. Aber er hat den einzelnen Werken zuverlässige Kennzeichen seiner Herrlichkeit eingeprägt, und diese sind so deutlich und eindrücklich, dass auch den unkundigsten und unverständigsten Menschen jede Entschuldigung mit Unwissenheit unmöglich gemacht ist.“ (Calvin, Johannes, Institutio deutsch, 1. Buch, 5. Kapitel, Teil 1)
Eine zweite interessante Frage stellt sich dabei: Was kann der Mensch unabhängig von seiner Kenntnis der Bibel aus der Schöpfung über den einen, lebendigen Gott wissen?
Der Schöpfergott muss ein mächtiger Gott sein. Wer das Universum betrachtet, kommt sich klein vor. Das ist nicht erst so, seit wir Teleskope haben. Schon lange davor haben die Menschen in den nächtlichen Sternenhimmel geschaut und haben darüber gestaunt. Doch je mehr man über die Weiten des Universums weiß, desto mehr Grund zum Staunen gibt es. Der Gott, der das alles geschaffen hat, muss wirklich groß und mächtig sein.
Der Schöpfergott muss ein exakter Gott sein. Wenn man bedenkt, wie viele Konstanten ganz genau stimmen müssen, damit das Leben auf dem Planeten Erde überhaupt möglich wird, so entdeckt man, dass dahinter ein ganz exakt ausgeführter Plan stecken muss. Spätestens hier wird deutlich, wie weit der Mensch hinter dem Standard zurückbleibt, den der Gott, der alles erschuf, gesetzt hat.
Der Schöpfergott muss ein guter Gott sein. Alles, was geschaffen ist, trägt trotz all der Zerstörung durch den Sündenfall noch immer so viel Harmonie und Schönheit in sich, dass das Auge – wohin es auch immer sieht – zerbrochene Schönheit erkennen kann. So wird deutlich, dass der jetzige Zustand nicht von Anfang an so gewesen sein kann. Doch den Erlösungsweg gibt es nur in der speziellen Offenbarung.
Johannes Calvin schreibt weiter über die Schöpfung: „Ein solches Wissen um Gott muss uns zur Verehrung Gottes reizen und zugleich auch die Hoffnung auf ein ewiges Leben in uns erwecken und aufrichten.“(Institutio, 1. Buch, 5. Kapitel, Teil 10) Doch gibt es da ein Problem: „Jedoch wie hell und klar uns auch der Herr sich selbst und sein ewiges Reich im Spiegel seiner Werke vor Augen stellt – wir bleiben doch in unserem großen Stumpfsinn stets blind gegen solche Bezeugungen, so dass sie in uns ohne Frucht bleiben.“(Ebd. Teil 11)
Der Mensch unterdrückt sein Wissen, verschließt die Augen, klammert jede Möglichkeit aus, um nicht zugeben zu müssen, dass die Realität, mit der wir jeden Tag konfrontiert sind, immerzu auf den einen mächtigen und lebendigen Schöpfergott hinweist. Richard Dawkins, dessen Buch ich oben zitierte, hat vor kurzer Zeit den Rat gegeben, dass Kinder mit dem Down-Syndrom abgetrieben werden sollen. Es gab einen Aufschrei deswegen und er hat sich dafür entschuldigt. Doch im Grunde genommen war dieser Vorschlag total in Übereinstimmung mit seiner Weltanschauung. Dennoch muss sich Dawkins dann auch die Frage gefallen lassen, warum er zur Abtreibung während der Schwangerschaft rät, nicht aber zu einer postnatalen „Abtreibung“. Ein Kind ist für ihn ein Kind, ein Mensch, eine Art seelenlose Maschine. Warum ist er hier so inkonsequent? Warum schützt er das Leben des Kindes dann nicht, wenn es noch ganz hilflos in der Mutter ist, aber nach der Geburt schon? Auch ein Richard Dawkins kommt hier nicht darum herum, sein inneres Wesen auszuleben, in dem er nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist und deshalb einen Sinn für Gerechtigkeit besitzt. Es ist einfacher, Leben auszulöschen, solange man dies auf einen Knopfdruck machen kann. Sei es bei einem Drohnenangriff oder beim Absaugen eines Kindes im Mutterleib. Wenn man dem Gegenüber dabei in die Augen schauen muss, ist es immer viel schwerer. So beweist auch der Atheist durch sein Leben, dass seine gesamte Weltanschauung nicht dazu fähig ist, ihm durch alle Teile seines Lebens zu helfen, sondern auch er in seinem Tun immer wieder inkonsequent sein muss. Möge Herr Dawkins eines Tages seine Augen öffnen und den Schöpfergott erkennen, der alles – ihn inklusive – geplant, gewollt und geschaffen hat.
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. Es fließt die Rede Tag für Tag, Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund. Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre. Ihre Reichweite erstreckt sich über die ganze Erde, und ihre Worte bis ans Ende des Erdkreises. Er hat der Sonne am Himmel ein Zelt gemacht. (Psalm 19, 2 – 5)

Göttliche Offenbarung – Die Frage nach der letzten Autorität

Unsere Welt befindet sich heute in einer dunklen Nacht auf einem riesigen Marktplatz. Überall sind Menschen zu sehen, die eine Laterne mit sich herumtragen, doch alle sind dunkel. Diese rufen alle: Kommt zu mir! Ich habe es kapiert! Ich werde euch helfen! Jeder von diesen versucht, der Lauteste zu sein, denn je lauter einer ist, desto mehr Menschen werden ihn hören und versuchen, zu ihm zu kommen. Dabei stoßen sie immer wieder aneinander und fallen zu Boden. Sie streiten sich, rappeln sich wieder auf und laufen weiter, bis sie vom Nächsten zu Boden gestoßen werden.
In diese Situation hinein, auf diesen „Jahrmarkt der Eitelkeiten“, hat Jesus Christus Seine Gemeinde gestellt und gesagt: Ihr seid das Licht der Welt! Er hat uns Sich Selbst gegeben und gesagt: Ich bin das Licht der Welt. Und wir können das Licht der Welt sein, weil Er durch Seinen Heiligen Geist bei uns ist. Und das Licht, das Er uns gegeben hat, ist Sein Wort, die Bibel. Sie dient dazu, dass wir Menschen sehen können. Aber leider wollen viele Menschen nicht sehen, denn wenn sie sehen müssen, so können sie sich selbst erkennen – und was sie da sehen, gefällt ihnen nicht: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen(Galater 5,19-21) So wollen viele Menschen lieber im Dunkeln bleiben. Auch das hat uns Jesus Christus gesagt: Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat. Darin aber besteht das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse.(Johannes 3, 17-19)
Jetzt hat die Gemeinde Jesu Christi zwei verschiedene Möglichkeiten, wie sie auf dieses Problem reagieren kann. Entweder sie hält ihr Licht hoch und nimmt in Kauf, dass sie von vielen Menschen verspottet, gekränkt und verlassen wird, aber dass eine kleine Zahl von Menschen sich zum Licht hingezogen fühlt, ihre Herzen von Gott geöffnet wurden und sie eine echte Veränderung in ihrem Leben möchten. Oder sie kann ihr Licht auslöschen und in den allgemeinen Wettbewerb um das lauteste Geschrei einstimmen. Wo die Gemeinde Jesu Christi den Anspruch, den Jesus Christus erhebt, verleugnet und die biblische Lehre von der absoluten Glaubwürdigkeit und Fehlerlosigkeit der Bibel aufgibt, hat sie ihr Licht ausgelöscht und den Menschen in der Dunkelheit nicht mehr zu sagen als alle anderen Marktschreier auch.
Zur Zeit Jesu gab es eine ähnliche Situation: Eine ganze Gruppe von Schriftgelehrten und Rabbinern hat dem übrigen jüdischen Volk die damalige Bibel, das Alte Testament, erklärt und ausgelegt. Weil es immer wieder Fragen dazu gab, wie man all diese 613 Gebote und Verbote halten kann, hat man neue Regeln zur Textauslegung gemacht: Um jedes Gebot herum wurde ein „Zaun“ aus anderen Geboten gemacht, um das Volk davor zu schützen, dem Gebot selbst zu nahe zu kommen. Es wurde zum Beispiel festgelegt, wie weit man am Sabbat gehen durfte, ohne dass dies als Ausübung eines Berufs gerechnet werden konnte. Und so weiter. Und dann kam Jesus und hielt die Bergpredigt. In einem Teil davon ging er auf verschiedene dieser menschengemachten Gebote ein, zitierte sie und setzte dann diesem Menschengebot das richtige, biblische Gebot, gegenüber. So sagte Er immer wieder: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt wurde … (Menschengebot) … Ich aber sage euch … (Gottes Gebot). Das ist heute häufig nicht viel anders. Nur sind es heute oft keine Rabbis mehr, sondern andere „Schriftgelehrte“.
Sie präsentieren einen Gott, welcher den Menschen gefällt. Einen Gott, der sich Liebe nennt, aber in Wirklichkeit einfach nur allem gleichgültig zuschaut. Einen Gott, der nicht alles weiß, sondern darauf verzichtet, alles zu wissen, weil wir ja sonst – so wird dann gern behauptet – gar keinen freien Willen mehr hätten. Einen Gott, dessen Wort Fehler enthält und das man deshalb zuerst mit dem Menschenverstand prüfen müsse. Einen Gott, der zu schwach ist, dafür zu sorgen, dass wir sein Wort ohne Fehler in den Händen halten und verstehen können. Einen Gott, dessen Wort in jeder Generation etwas ganz anderes bedeuten kann – und manchmal auch das Gegenteil von früher. Einen Gott, den man nicht verstehen kann, sondern ihm immer nur im Gespräch mit anderen zusammen näher kommen.
So ist es ganz wichtig, dass wir immer wieder unsere Haltung zu Gottes Wort prüfen. Wo wir es für fehlerhaft halten oder es nur als eine von mehreren Quellen der Wahrheit halten, sind wir auf einem gefährlichen Kurs. Dass es noch weitere Hinweise auf Gott gibt, ist klar. Aber wer diesen Gott kennenlernen möchte, wird nicht um die Bibel herum kommen. Dass es Gott gibt, kann jeder Mensch auch durch zwei Quellen der sogenannt „natürlichen Offenbarung“ erkennen: Durch alles, was Gott geschaffen hat und durch sein Gewissen. Doch um den Charakter und den Willen des einen lebendigen Gottes zu kennen, braucht es die „spezielle Offenbarung“. Diese finden wir in Gottes Wort, der Bibel von 1. Mose 1,1 – Offenbarung 22,21. Da haben wir Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe das irrtumslose und unfehlbare Wort Gottes.
Jemand, dem Jesus Christus eh schon egal ist, wird nicht auf Gottes Wort hören. Aber für jeden, der sich Christ nennt oder sich als Nachfolger Jesu Christi sieht, ist diese Sache von unendlich großer Wichtigkeit: Gottes Wort ist die Wahrheit (vgl. Johannes 17,17). Und damit ist jeder Unglaube an Gottes Wort auch Unglaube gegenüber Gott und Ungehorsam gegen Gottes Wort ist somit auch Ungehorsam gegen Gott. Für jeden Christen ist somit Gottes Wort die letztgültige Autorität im Leben und wer diese Autorität untergräbt, macht sich mitverantwortlich, anderen Menschen die Türe zu Gott zu verschließen.
Die Bibel ist zwar nicht zwingend notwendig, damit der Mensch wissen kann, dass Gott existiert und alles (inklusive uns Menschen) geschaffen hat, aber sie ist absolut notwendig, wenn wir mehr über diesen Gott und über den Sinn der geschaffenen Welt (inklusive uns) wissen wollen. Der oben genannte Marktplatz ist voll von Menschen, die nicht wissen, wozu sie leben. Sie müssen sich ständig selbst erfinden oder versuchen, die Frage nach dem Sinn zu verdrängen. So ist die Menschheit gefangen in einer besessenen Suche nach dem Sinn oder in einer besessenen Suche nach der Verdrängung dieser Frage. Erst durch Gottes Wort kann diese Suche ein Ende finden: Wo Menschen ihre Bedürftigkeit der Erlösung von ihrer persönlichen Schuld durch die Sünde einsehen und sich an Gott als ihrem Erlöser zuwenden. So sind wir auf diesen Marktplatz gestellt mit dem Befehl Jesu Christi:
Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen. (Matthäus 28,18-20)
Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. (Markus 16,15-18)
So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern, beginnend in Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen hiervon! (Lukas 24,46-48)

Biblische Theologie für die ganze Gemeinde

Biblische Theologie für die ganze Gemeinde
Entsprechend ihrer Etymologie ist die Theologie die Wissenschaft, Gott betreffend. Andere Definitionen führen entweder in die Irre, oder, wenn sie genauer betrachtet werden, zum selben Resultat.“(Vos, Geerhardus, Biblical Theology: Old and New Testaments, Wipf & Stock Publishers, 2003, S. 3)
Diese Definition der Theologie von Geerhardus Vos ist sehr treffend. Sie beinhaltet aber als Konsequenz auch die Tatsache, dass die Theologie für diejenigen ist, zu denen Gottes Offenbarung geschieht, nämlich für die Gemeinde Jesu Christi. Es kann deshalb keine Art von „Theologie“ geben, die nicht auf das eine Ziel ausgerichtet ist, der Gemeinde zu dienen. Die Theologie ist also niemals zu einem Selbstzweck da, sondern muss auf den Gebrauch innerhalb der gesamten örtlichen Gemeinde ausgerichtet sein. 
Da Gott alles zu dem einen Zweck geschaffen hat, dass der Mensch Ihn kennenlernen, verherrlichen und sich an Ihm erfreuen solle, muss entsprechend die Biblische Theologie ebenfalls auf dieses Ziel hin arbeiten. Sie kann und soll von dem wunderbaren Heilsplan erzählen, der Gottes Willen zeigt, Sich zu offenbaren und Menschen mit Sich zu versöhnen. 
Echte Biblische Theologie zeigt somit auf, dass Gott der Schöpfer aller Dinge ist. Er hatte den Plan, Sich Selbst dem Menschen zu zeigen, Sich zu offenbaren. Deshalb wurden alle Dinge geschaffen, die sind. Deshalb wurde der Mensch in Seinem Ebenbild erschaffen, um stückweise erfassen zu können, wer und wie Er ist. Die Herrschaft des Menschen über den Garten ist ein Ebenbild zu Gottes Herrschaft und Allmacht über alle Dinge. Die Wesenheit in ihrer Unterschiedlichkeit als Mann und Frau ist auf Gemeinschaft und auf Kommunikation ausgelegt, ganz im Ebenbild der Gemeinschaft und Kommunikation innerhalb der göttlichen Dreieinigkeit. Die menschliche Ausrichtung auf das Verlangen nach dem ehelichen Einssein ist ein Ebenbild für Gottes Verlangen nach dem Einssein mit der Gemeinde als der Braut Christi. Die Kreativität des Menschen ist im Ebenbild der schöpferischen Kreativität Gottes geschaffen, mit welcher alles ins Leben gerufen wurde.
Echte Biblische Theologie zeigt auch die Notwendigkeit der Erlösung auf, denn sie stellt Gott als den vor, der bereits vor Grundlegung der Welt entschlossen hatte, die Menschheit zu versöhnen. Deshalb stellt sie den ganzen Weg vor, wie Gottes Offenbarung stückweise erfolgt ist und wie sie ihren Höhepunkt am Kreuz von Golgatha findet. Dort ist alles vollbracht, was zur Erlösung nötig ist. Dort ist die letztendliche Offenbarung Gottes als die Liebe in Person, die das Allerwertvollste aufgibt, um die Gemeinschaft der Heiligen zu erlösen. So wertvoll ist Ihm der Mensch, dass Er bereit ist, den Fluch auf Sich zu nehmen und zu tragen, den der Mensch auf sich gebracht hat. 
So ist also die Selbst-Offenbarung Gottes auf der einen, der Heilsplan oder, anders gesagt, die Versöhnung des gefallenen Menschen mit Gott, auf der anderen Seite das Thema, welches sich durch die ganze Bibel hindurch zieht. Dies ist deshalb auch der Nutzen der Biblischen Theologie für die ganze Gemeinde: Sie unterstützt die Erkenntnis Gottes und hilft zu einem besseren Verständnis der ganzen Bibel. 
Mark Dever schreibt dazu:
Wir müssen Gott durch seine Offenbarung seiner selbst verstehen und nicht durch unsere eigenen Eindrücke, nicht durch unsere Wünsche und nicht durch die Art und Weise, wie wir uns Gott gern vorstellen. Wir sprechen heute allzu oft von Evangelisation, als ob es dabei um Werbeaktionen ginge und erklären das Wirken des Geistes in der Sprache des Marketing. Manche Menschen sprechen sogar auf eine Weise von Gott, als ob er im Bilde des Menschen geschaffen sei und nicht andersherum.
Wenn wir in diesen Zeiten eine gesunde Gemeinde sein wollen, dann müssen wir besonders sorgfältig für Leiter in der Gemeinde beten, die ein biblisches Verständnis davon haben und die aus Erfahrung auf Gottes Allmacht vertrauen. Rechte Lehre in all ihrer vollen biblischen Herrlichkeit kennzeichnet eine gesunde Gemeinde.“(Dever, Mark, 9 Merkmale einer gesunden Gemeinde, 3L-Verlag Waldems, 2009, S. 72f)
Möge die Theologie in all ihrem Tun zu Gottes Verherrlichung und dem Wachstum der Gemeinde geschehen! Amen.