Buchtipp: Die Gabe der Könige

Hobb, Robin, Die Gabe der Könige, Penhaligon Verlag, RandomHouse, München, August 2017, Verlagslink, Amazon-Link
Vielen Dank an den Penhaligon-Verlag für das Rezensionsexemplar des Buches. 
 
Fitz Chivalric Weitseher ist ein uneheliches Kind von Prinz Chivalric, dem geplanten Thronfolger der Sechs Provinzen. Er erzählt in diesem Buch aus seiner Sicht, was sich in seinem Leben bisher zugetragen hatte. Die ersten Jahre wächst er ohne Erinnerung an seine Mutter oder weitere Familie auf; das erste Ereignis, an das er sich erinnern kann, ist die Ankunft in der Stadtfestung. Was er noch nicht weiß, ist, dass tief in ihm die Gabe der Weitseher-Könige schlummert – eine Fähigkeit, sich in die Gedanken anderer Menschen und Tiere „einzuhacken“, um diese zu lesen oder gar zu manipulieren. Damit diese Gabe zu ihrer Entfaltung kommt, muss sie hart trainiert werden; doch sie ist auch enorm gefährlich, da sie leicht missbraucht werden kann.
In Friedenszeiten wird eine solche Wunderwaffe nicht gebraucht, doch eines Tages wird klar, dass nicht allzu weit ein Feind lauert: Die Roten Korsaren. Sie waren mit Schiffen unterwegs, überfielen immer mal wieder Dörfer auf dem Festland der Sechs Provinzen, und kidnappten die Bevölkerung. Sie wollten Lösegeld, wenn die Geraubten getötet werden sollten. Ansonsten wurden sie zurückgebracht – als Entfremdete. In diesem Zustand waren die Rückkehrer emotions- und willenlos, agierten wie Roboter, überfielen Reisende, um sich ernähren zu können, und waren ansonsten so gleichgültig allem gegenüber, dass sie nur herumsaßen, bis sie wieder Hunger hatten. Ihre Notdurft verrichteten sie gerade da, wo sie sich zufällig befanden. Angesichts dieser Gefahr sollten die jungen Menschen mit dieser Superwaffe in kürzester Zeit ausgebildet werden, damit sie helfen konnten, die Sechs Provinzen zu beschützen. Doch ob dies gelingt? Das Leben auf dem Hof nimmt inzwischen den normalen Lauf, eine Hochzeit bahnt sich an, Intrigen verdichten sich ob der Gefahr von außen.
Die Lektüre dieses Fantasy-Romans hat mir gut gefallen, insbesondere auch deshalb, weil er viele aktuelle Fragen mit einem neuen Hintergrund erneut aufwirft: Wie gehen wir mit Superwaffen um? Was macht den Menschen aus? Fitz muss viele ethische Fragen klären und sich entscheiden, was er in welchem Fall tun will. Als Leser müssen wir uns diese Fragen auch stellen, und es tut uns gut, diese von einem Fantasy-Roman gestellt zu bekommen. Es ist keine leichte Lektüre, wenngleich mit der Zeit immer fesselnder, als sich die Ereignisse überstürzen und kurzfristige, ungeplante Reaktionen erfordern. Den Einstieg fand ich hingegen eher etwas zäh. Auch muss man sich natürlich fragen, ob die Autorin mit der Handlung im Roman die richtigen Antworten auf die brennenden Fragen zu geben vermag, was ich nicht immer so empfand. Doch alles in allem ist es ein spannender und lesenswerter Roman.
Ich gebe dem Buch vier von fünf Sternen.

 

Buchtipp: Und dann kam Pia

Dernelle-Fischer, Rebecca, Und dann kam Pia. Du hast uns gerade noch gefehlt! Neufeld Verlag Schwarzenfeld, 2017, Amazon-Link
Auf jesus.de (im ganz neuen Design) ist meine kurze Rezension zu einem Buch erschienen, das ich wirklich von Herzen empfehlen möchte. Es handelt sich um die Geschichte der Familie Fischer, die Pia, ein Mädchen mit einem zusätzlichen Chromosom, auch Trisomie 21 oder Down Syndrom genannt, adoptiert. Ich habe schon seit vielen Jahren ganz großen Respekt vor dieser Entscheidung der Familie Fischer, und muss nach dem Lesen des Buchs beschämt zugeben: Während andere (wie ich) noch dabei sind, sich lauthals mit Worten gegen Abtreibung einzusetzen, haben sie bereits die ersten praktischen Schritte getan, um zu helfen. In der Rezension drüben schreibe ich:
Am Ende ist Pia dann richtig adoptiert. Ganz spannend: Bei der Adoption erklären sich Adoptiveltern dazu bereit, für immer und ewig die Eltern des adoptierten Kindes zu bleiben. Diese Schilderung der Gefühle, die diesen Schritt begleiteten, haben mir auch ein paar Tränen in die Augen getrieben. Ich konnte das Buch nicht zur Seite legen – bis weit nach Mitternacht hat es mich gefesselt. Ja, Menschen mit Down-Syndrom sind unendlich wertvoll, unendlich gewollt und unendlich geliebt. Wir brauchen sie. Sie bereichern unsere Gesellschaft und sind ein Segen.“(Mehr hier)
Es ist ein Buch, das ich wirklich jedem empfehlen kann. Jedem, der ein Herz für Menschen hat. Jedem, der sich überlegt, wie man in dieser Welt einen Unterschied machen kann. Das heißt nicht, dass jeder denselben Weg gehen soll. Aber es ist ein sehr ermutigendes Beispiel, wie dies ganz praktisch geschehen kann, das uns alle zu Kreativität anspornen kann (und – so würde ich subjektiv geschätzt hinzufügen – möchte).
Auf YouTube gibt es inzwischen eine dreiminütige Kurz-Reportage über Pia und ihre Familie (englische Untertitel zuschaltbar): YouTube-Link

 

Wie können wir denn im postfaktischen Zeitalter leben?

Ich habe bereits vor einer Weile gezeigt, dass wir nicht die ersten sind, die in einem postfaktischen, postdemokratischen und postliberalen Zeitalter leben. Heute möchte ich noch einen Schritt weiter gehen und nach möglichen Antworten auf diese Frage suchen, wie man in einem solchen Zeitalter leben kann. Ich mache gleich zu Beginn zwei wichtige Unterscheidungen. Es gibt zwei mögliche Arten von Antworten auf diese Frage. Eine Art befindet sich innerhalb des Bereichs der allgemeinen Gnade und eine Art innerhalb der speziellen Gnade. Was ist der Unterschied? Die allgemeine Gnade ist die Art, wie Gott unsere Welt lenkt und jeden Menschen und die gesamte Schöpfung segnet. Allgemeine Gnade ist, dass jeder Mensch ein Gewissen hat. Durch das Gewissen wird jeder Mensch davon abgehalten, so schrecklich zu handeln, wie er könnte, wenn er das Gewissen nicht hätte. Zur allgemeinen Gnade gehört, dass Gott die Naturgesetze aufrecht erhält, dass nach dem Regen wieder Sonne, nach der Nacht wieder Tag und nach dem Winter wieder Sommer kommt. Zur allgemeinen Gnade gehört auch, dass es Staaten gibt, die ebenfalls dazu beitragen, dass nicht jeder tun und lassen kann, was ihm gerade in den Sinn kommt, da der Staat dazu Gesetze schafft, die uns in Erinnerung rufen, dass nicht alles erlaubt ist und die uns vor dem Unerlaubten abschrecken. Zur allgemeinen Gnade zählt auch, dass jeder Mensch in der ganzen Schöpfung Gott erkennen kann, aber auch die Freiheit hat, diese Erkenntnis abzulehnen und zu unterdrücken. Zur speziellen Gnade hingegen zählt alles, was Gott denen verspricht, die an Ihn glauben, die von Neuem geboren sind. Aus dem Blickwinkel der speziellen Gnade ist die Antwort auf unsere Frage eindeutig: Was wir brauchen, ist Erweckung, denn dort, wo viele Menschen zum lebendigen, heiligenden und umgestaltenden Glauben kommen, verändert sich auch die jeweilige Gesellschaft zum Guten.
Aber was ist, solange es noch keine solche Erweckung in unserer westlichen Welt gibt? Kann es da eine Antwort geben, die auch aus der Sicht der allgemeinen Gnade zum Guten führt? Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es auf jeden Fall gute Ansätze gibt, die man überdenken und weiterentwickeln kann. In der Zeit des griechischen Postfaktizismus war es zum Beispiel der Philosoph Aristoteles, der sich darüber Gedanken machte, wie man in dem Zeitalter leben könne. Aristoteles kam zum Schluss, dass die Tugend etwas besonders Wichtiges ist. Doch was ist Tugend genau? David F. Wells beschreibt das in seinem Buch „Losing Our Virtue“ sehr gut. Ich versuche, mit eigenen Worten kurz zu fassen, was Wells als Tugend herausarbeitet. Es gibt im Leben drei Arten von Bereichen. Ein solcher Bereich wird vom Staat mit seinen Gesetzen abgedeckt. Mord und Diebstahl werden durch Gesetze verboten. Das ist der erste Bereich. Auf der anderen Seite gibt es den Bereich der persönlichen Freiheit. Ich kann mich frei entscheiden, ob ich am Abend noch ein Buch lesen, auf Facebook chatten oder einen Film anschauen will. Da hat der Staat nichts festzulegen. Und dazwischen gibt es einen Bereich, der eigentlich durch die Tugend abgedeckt wurde. Die Tugenden sind Leitlinien, die das zwischenmenschliche Miteinander ermöglichen sollen. Höflichkeit ist eine Tugend, die früher in den Familien einen hohen Stellenwert besaß. Es war schwierig, unhöflich zu sein, denn die Menschen waren ihrer Gemeinschaft ein Stück weit ausgeliefert, man konnte nicht einfach so schnell umziehen und woanders eine neue Existenz aufbauen. Wer geizig war, wurde gemieden. Und so weiter. Die Strafe für untugendhaftes Verhalten kam ziemlich automatisch aus der Gesellschaft, in der man lebte. Diese Tugend ist heutzutage verloren gegangen. Zwischen den staatlichen Gesetzen und der persönlichen Freiheit ist ein Vakuum entstanden, um das sich nun die beiden Extreme, Staat und persönlicher Egoismus, streiten.
Aristoteles stand einem ähnlichen Problem gegenüber. In seiner Zeit waren es Sophisten, die eine Lehre vom Leben verbreiteten, die unserer Zeit in gewissen Punkten gleichen. Sie waren der Meinung, dass es keine absolute Wahrheit gebe. Alles sei relativ. Wahrheit sei das, was die besten Rhetoriker durch ihren besten Reden verkündeten. Heute ist Wahrheit das, was jene Minderheiten verkünden, die sich als am meisten unterdrückt darstellen können. Auch das ist eine Form der Rhetorik. Für die Sophisten war der Mensch das Maß aller Dinge. Auch heute klingt es ähnlich: Der Mensch würde seine Realität kulturell selbst konstruieren, und zwar so, dass die Konstrukteure der Realität jeweils die meiste Macht erhielten.
Aristoteles beginnt seine Untersuchung der Ethik mit etwas, was uns auch heutzutage sehr bekannt scheint. Er fängt mit der Feststellung an, dass alle Menschen nach Glück streben. Dazu muss er aber definieren, was Glück ausmacht. Er definiert Glück mit dem richtigen Handeln und richtigen Leben. Das höchste Gut im Leben, das was das Glück ausmacht, ist zugleich aber auch das höchste Ziel im Leben. Aristoteles sagt das ungefähr so: Jeder Mensch hat viele Ziele. Manche Ziele suchen wir für uns selbst, manche auch für andere Menschen, das höchste Ziel hingegen suchen wir um dieses Zieles willen. Und hier muss Aristoteles, aber auch jeder andere Mensch, der versucht, eine Begründung für sein Leben und Handeln außerhalb von Gott zu suchen, auf einen Zirkelschluss zurückgreifen. Die einzige Ethik, welche letztlich ohne einen solchen auskommt, ist die Ethik der Bibel, denn sie kann sich auf die unfehlbare Offenbarung Gottes verlassen.
Jeder Mensch strebt nach Glück. Glück bedeutet richtiges Leben und richtiges Handeln. Glück will der Mensch, um glücklich zu sein, und nicht um damit noch etwas anderes zu erreichen. Die Tugend ist dieses richtige Leben und richtige Handeln. Doch was gehört zu dieser Tugend dazu? Zwei Dinge: Erstens die Vernunft und zweitens das dieser Vernunft gemäße Handeln. Jeder Mensch hat im Leben bestimmte Aufgaben. Er hat einen Beruf, er hat Familie, er läuft an bestimmte Situationen heran, etc. und immer und überall steht er da als Mensch mit bestimmten Aufgaben. Nun gibt es nach Aristoteles viele Momente, in denen man nicht einfach sagen kann: Dann muss jeder die Handlung XY tun. Wer abends in Frankfurt an eine Schlägerei läuft, sollte nicht zwingend eingreifen, denn es könnte sein, dass er mit einem Notruf besser gehandelt hat. So kann die Aufgabe je nach Person ganz unterschiedlich aussehen. Einer ist handwerklich begabt, ein anderer eher intellektuell. Da haben nicht beide dieselbe Aufgabe im selben Moment, sondern wenn jeder mit seinem besten Können mithilft, wird die Sache im Endeffekt besser. Tugend ist nach Aristoteles die Mitte zwischen zwei Extremen:
Feigheit – Tapferkeit – Tollkühnheit
Geiz – Großzügigkeit – Verschwenderei
Schmeichelei – Freundlichkeit – Streitsucht

Sehr viele Tugenden lassen sich in diese Dreiteilung eingliedern. Die „Mitte“ bedeutet bei Aristoteles aber nicht 50%. Das kann sein, muss aber nicht. Es kommt jeweils auf die Situation an. Deshalb braucht es auch den Verstand dazu, der einem hilft, zwischen diesen Extremen zu entscheiden. Und dann gibt es auch noch Tugenden, die keine Mitte haben. Es gibt keine Mitte zwischen Mord und am Leben lassen. Oder keine Mitte zwischen Treue und Ehebruch. Deshalb sind Mord und Ehebruch immer zu verurteilen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch, dass diese Tugend immer etwas mit unserem Willen, mit einer festen Entscheidung zu tun hat. Ich glaube, das ist in unserer Zeit ebenso wichtig zu sagen wie es damals zur Zeit Aristoteles’ war. Wir leben in einer Zeit, in welcher diese Entscheidungen verpönt sind. Eine Entscheidung für etwas bedeutet immer 1000 Entscheidungen gegen mögliche Alternativen. Als ich meine Frau heiratete, habe ich mich gegen Milliarden anderer Frauen entschieden. Aber wer sich nicht entscheidet, bekommt die Rechnung bald, denn dann entscheiden die Umstände für uns und wir müssen mit ihnen klarkommen. Tugend muss entschieden werden, weil sie das Gegenteil des instinktiven Handelns ist.
Doch wie kommen wir dorthin? Uns fehlt die Gesellschaft, die uns für die Untugend straft. Wir können jederzeit fliehen, jederzeit an einem neuen Ort eine neue Existenz aufbauen. Da braucht es unseren Willen, das zu durchdenken. Es braucht auch eine neue Erziehung zur Tugend. Ethik hat eine ganze Menge mit Erziehung zu tun. Der Grundsatz dafür muss lauten, dass es Richtig und Falsch gibt. Dass Richtig und Falsch nicht in den Extremen zu finden ist. Und dass der Mensch eine Vernunft bekommen hat, die ihm dabei hilft. Soviel zu einer Ethik der allgemeinen Gnade. Wichtig bleibt der Hinweis, dass alle Ethik niemanden zu Gott bringt. Dorthin führt nur ein Weg, eine Wahrheit und ein Leben – Jesus Christus. 

Was sagt die Bibel tatsächlich zur Sklaverei?

Kurzfassung:In Diskussionen hört man häufig das Argument, dass die Bibel Sklaverei gutheiße und sie deshalb unglaubwürdig sei, weil demnach das Ethos des aufgeklärten Menschen über jenem der Bibel stehe. Ich werde zunächst zeigen, dass die Bibel in manchen Fällen unter Sklaverei etwas ganz anderes versteht als unsere Gesellschaft und deshalb dieser Vergleich nicht standzuhalten vermag. Zweitens werde ich belegen, dass die heute gängige Vorstellung von Sklaverei vom Gott des Alten und Neuen Testaments abgelehnt und verboten wird.
Einleitung
Wenn wir heute von der Sklaverei sprechen, so denken wir zumeist an die afrikanischen Sklaven, die rechtlos in den Südstaaten Amerikas zum Arbeiten gezwungen ausgebeutet wurden. Wir kennen das Schicksal dieser Menschen, weil es uns in Biographien und Romanen beschrieben wird.
Ein solches Schicksal war auch im frühen Nahen Osten keine Seltenheit. Israel hatte eine Vergangenheit als Sklavenvolk in Ägypten, die ähnlich aussah. Sie waren rechtlos, hatten von früh bis spät zu arbeiten, bis der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs endlich Mose sandte, um das Volk aus dieser Lage zu befreien. Während die Sklavenhaltung im ganzen Nahen Osten ein Recht der Bevölkerung war, gab es in Israel ein Verbot, Menschen zu versklaven: „Wer einen Menschen raubt, sei es, dass er ihn verkauft oder dass man ihn noch in seiner Hand findet, der soll unbedingt sterben.“ (2. Mose 21,16) Dieses Verbot, das an wichtiger Stelle steht, nämlich direkt im Kapitel nach den Zehn Geboten, besagt, dass es den Israeliten verboten war, irgend einen Menschen unfreiwillig zum Sklaven zu machen. Sklaverei wie man sie im antiken Ägypten, Griechenland und Rom, oder auch im Süden der USA fand, war damit eindeutig als Menschenraub klassifiziert und ausdrücklich verboten.
Noch etwas krasser ist ein zweites Gebot, das im 5. Mosebuch steht: „Du sollst den Knecht, der sich von seinem Herrn weg zu dir gerettet hat, seinem Herrn nicht ausliefern. Er soll bei dir wohnen, in deiner Mitte, an dem Ort, den er erwählt in einem deiner Tore, wo es ihm gefällt, und du sollst ihn nicht bedrücken.“(5. Mose 23, 16-17) Hier geht es um den Fall, dass ein Sklave von zu Hause weggelaufen ist. Er darf sich den Ort, wo er wohnen möchte, selbst aussuchen und weder seinem früheren Herrn ausgeliefert noch anderweitig unterdrückt werden.
Welch ein Unterschied zur Umwelt des Alten Orients. Dort war ein Sklave der Besitz des Sklavenhalters und durfte nach dessen Belieben misshandelt oder auch getötet werden. In Israel war auch ein Sklave ein Mensch mit eigener Würde, der sich seinen Herrn mehr oder weniger freiwillig selbst aussuchen konnte und im Zweifelsfall auch das Recht hatte, diesen zu wechseln.
Biblisch-Theologische Betrachtung
Gott hat den Menschen nach Seinem Bild geschaffen. Das verleiht jedem Menschen seine Würde und das Recht auf Leben und größtmögliche Freiheit. Der Mensch hat den Auftrag bekommen, die Erde zu bebauen, bevölkern, untersuchen, sich auszubreiten, Kultur zu schaffen.
Israel hatte schon früh eine schlechte Erfahrung in der Sklaverei gemacht. Ägypten war ihnen zum Verhängnis geworden, unterdrückten sie und zwangen sie zur Arbeit. Auf ihr Gebet und Schreien hin sandte Gott Mose als Befreier, der sie nach langem Hin und Her aus Ägypten in die Freiheit und das eigene Land – Israel – führte. Aus diesem Hintergrund muss die Diskussion um die Sklaverei betrachtet werden, damit sie verstanden werden kann.
Das Land sollte durch Josua ausgeteilt werden. Jede Familie bekam – entsprechend ihrer Größe – ein Stück des Landes, das sie in eigenständiger und verantwortlicher Weise bebauen und pflegen sollten. Eigenverantwortlichkeit bedeutet aber auch, dass es die Möglichkeit gibt, Fehler zu machen, falsche Entscheidungen zu treffen und den Gewalten der Natur ausgeliefert zu sein.
Deshalb gab es in Israel gleich von Beginn an eine Reihe von Gesetzen, die in einem solchen Fall das Zusammenleben und Überleben der Familien sichern sollte. Wenn eine Familie unter diesen Bedingungen in Schulden kam, konnte sie ihr Land für maximal 49 Jahre verpfänden und zusätzlich auch sich selbst für maximal sechs Jahre als Sklaven „vermieten“.
Nach 49 Jahren ging das Land automatisch wieder in den Besitz der ursprünglichen Familie über und die Schuldsklaven durften nach sechs Jahren wieder freikommen oder sich freiwillig für den Rest ihres Lebens verpflichten, ihrem Herrn als Sklaven weiter zu dienen. Wer sein Land noch nicht zurückbekommen hatte, konnte wohl kaum viel anderes machen als entweder bei seinem Herrn zu bleiben oder einen anderen Arbeitgeber zu suchen.
Hier greifen auch die Gesetze, die für die Sklaven in Israel galten. Der Sklavenhalter sollte mit seinen Sklaven gut umgehen, sodass sie gerne bei ihm blieben. Wenn sie unterdrückt wurden, durften sie fliehen und an einem anderen Ort einen anderen Herrn suchen, der besser für sie sorgte.
Wir sehen also, dass die Begriffe „Sklave“ und „Sklave sein“ in Israel viel weniger mit der Unterdrückung zu tun hatte als einfach mit Arbeit, die unter der Leitung und Autorität eines Anderen ausgeführt wurde.
So lässt sich auch besser verstehen, dass die weisen Männer dem König Rehabeam empfahlen: „Sie aber antworteten ihm so: Wenn du heute diesem Volk ein Knecht wirst und ihm dienst und auf es hörst und zu ihm gute Worte sprichst, so werden sie deine Knechte sein dein Leben lang!“(1. Kön. 12,7) Hier soll sogar der König zum „Sklaven“ seines Volkes werden. Sie hatten Rehabeam gebeten, nicht so streng zu herrschen wie sein Vater, doch er schlug den Rat in den Wind.
Hiob zeigt uns, dass er verstanden hatte, dass der Sklave dieselbe Menschenwürde hat wie er selbst auch: „Wenn ich meinem Knecht oder meiner Magd das Recht verweigert hätte, als sie einen Rechtsstreit gegen mich hatten, was wollte ich tun, wenn Gott gegen mich aufträte; und wenn er mich zur Rede stellte, was wollte ich ihm antworten? Hat nicht der, der mich im Mutterleib bereitete, auch ihn gemacht? Hat nicht ein und derselbe uns im Mutterleib gebildet?“(Hiob 31, 13 – 15)
Wenn man dies alles in Betracht zieht, so ergibt sich ein anderes Bild von dem, was die Bibel unter Sklaverei versteht. Dass Menschen unter der Autorität anderer Menschen arbeiten müssen, ist nicht optimal; es ist eine Folge des Sündenfalls, dass es falsche Entscheidungen und Naturkatastrophen gibt. Aber es gibt auch heute viele Menschen, die froh sind, dass sie nicht gänzlich selbständig arbeiten müssen, sondern eine geregelte Arbeit in einem geführten Unternehmen haben. Das gibt ihnen Sicherheit und auch eine Art der Freiheit.
Sklaverei im Neuen Testament
Bereits Hiob hatte entdeckt, dass ihn, den Reichen, den Freien, gar nicht so viel von einem Sklaven unterscheidet. Viel deutlicher wird das noch im Neuen Testament. Jesus Christus ist mit einer Botschaft für die Unterdrückten gekommen: „»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, daß sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, um zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn.« Und er rollte die Buchrolle zusammen und gab sie dem Diener wieder und setzte sich, und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Er aber fing an, ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!“ (Lukas 4, 18 – 21)
In der Gemeinde wurden die Menschen zu Geschwistern im Glauben. So konnte Paulus an die Galater schreiben: „Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Lehrmeister; denn ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus; denn ihr alle, die ihr in Christus hinein getauft seid, ihr habt Christus angezogen. Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“ (Galater 3, 25 – 28) Natürlich gibt es auch heute noch Männer und Frauen, natürlich gibt es auch heute noch Juden und Nichtjuden, aber alle, die von Gott wiedergeboren wurden, sind Teil einer neuen Familie geworden, der Gemeinde.
Eine besondere Stellung nimmt hier auch der Brief von Paulus an Philemon ein. Paulus schrieb den Brief aus der Gefangenschaft in Rom an seinen Freund Philemon, weil der Sklave von Philemon, der Onesimus hieß, von Philemon weggelaufen war und nach Rom zu Paulus gekommen war. Paulus schickte nun den Onesimus wieder zu Philemon nach Hause und gab ihm einen Geleitbrief mit. Oft wirft man Paulus vor, er habe die Sklaverei befürwortet, weil er Onesimus zurückschickte. Wer aber den Brief liest, wird bald eines Besseren belehrt. Paulus schreibt ihm:
Ich bitte dich für mein Kind, das ich in meinen Fesseln gezeugt habe, Onesimus, der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist. Ich sende ihn hiermit zurück; du aber nimm ihn auf wie mein eigenes Herz! Ich wollte ihn bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle diene in den Fesseln, die ich um des Evangeliums willen trage; aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht gleichsam erzwungen, sondern freiwillig sei. Denn vielleicht ist er darum auf eine kurze Zeit von dir getrennt worden, damit du ihn auf ewig besitzen sollst, nicht mehr als einen Sklaven, sondern, was besser ist als ein Sklave, als einen geliebten Bruder, besonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im Fleisch als auch im Herrn. Wenn du mich nun für einen hältst, der Gemeinschaft mit dir hat, so nimm ihn auf wie mich selbst.“ (Philemon 10 – 17)
Paulus macht seinem Freund Philemon klar, dass das Leben als Christ einen Unterschied machen soll. Deshalb soll er seinen frischgewonnenen Bruder Onesimus freilassen und wird in ihm bestimmt jemanden finden, der ihm noch länger (freiwillig) dienen wird. Paulus bezeichnete sich selbst an mehreren Stellen als ein „Sklave Christi“. Damit stellte er sich zum Einen in die lange Traditionslinien der Könige und Propheten im Alten Testament, die als Sklaven JHWHs bezeichnet wurden, zugleich zeigt er aber auch, dass das Leben als Christ mit einem deutlichen Bruch in der Biographie zu tun hat. Zugleich bedeutete der Eintritt in die Sklaverei jedoch den sozialen Tod. Wer „freiwillig“ zum Sklaven wurde, tat dies somit nicht ganz freiwillig. Vielmehr war es die Bereitschaft, den sozialen Tod auf sich zu nehmen, um dadurch dem körperlichen (Hunger-)Tod zu entgehen. In derselben Weise ist der Christ ein Sklave Christi geworden. Er ist bereit, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen, zu sterben, um dem ewigen, dem zweiten Tod zu entgehen und mit Christus zu auferstehen. Dies ist die symbolische Bedeutung, die Paulus der Taufe gibt: „Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben? Oder wißt ihr nicht, daß wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm einsgemacht und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein; wir wissen ja dieses, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, so daß wir der Sünde nicht mehr dienen; denn wer gestorben ist, der ist von der Sünde freigesprochen. Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, da wir wissen, daß Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn.“ (Römer 6, 1 – 9) Im selben Kapitel fährt er fort und zieht die Parallele zur Sklaverei: „Wißt ihr nicht: Wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklaven seid ihr und müßt ihm gehorchen, es sei der Sünde zum Tode, oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? Gott aber sei Dank, daß ihr Sklaven der Sünde gewesen, nun aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Vorbild der Lehre, das euch überliefert worden ist.“(Römer 6, 16 – 17)
Doch dann stellte sich mit der Zeit auch die Frage: Was empfehlen wir einem gläubigen Sklaven, der einem ungläubigen Sklavenbesitzer gehört? In der Gemeinde ist er zu einem gleichwertigen Bruder geworden, aber bei seinem Besitzer gilt das nichts. Soll er gegen den Besitzer rebellieren? Soll er davonlaufen? Im römischen Reich galt ja das Gesetz von Israel nichts mehr; ein davongelaufener Sklave war vogelfrei, er hatte sein Leben verwirkt. Außerdem wäre der Rat zum Davonlaufen oder Rebellieren bald bekannt geworden und hätte ein weiteres Argument gegen das eh schon verhasste und verfolgte Christentum geliefert. So empfahl Petrus diesen Sklaven: „Ihr Hausknechte, ordnet euch in aller Furcht euren Herren unter, nicht nur den guten und milden, sondern auch den verkehrten! Denn das ist Gnade, wenn jemand aus Gewissenhaftigkeit gegenüber Gott Kränkungen erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr geduldig Schläge ertragt, weil ihr gesündigt habt? Wenn ihr aber für Gutestun leidet und es geduldig ertragt, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten und uns ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt.“(1. Petrus 2, 18 – 21) Weil diese Sklaven die lebensverändernde Kraft der Gnade Gottes erlebt hatten, bekamen sie dadurch azch die Kraft, an ihrem Platz als römische Haussklaven für ihren Herrn Jesus zu leiden. Das war ein größeres und besseres Zeugnis für den Glauben. Wie wäre es, wenn wir uns für heute von dieser Mentalität auch ein gutes Stück abschneiden würden?
Abschließende Gedanken
Wir haben gesehen, dass die Bibel verschiedene Vorstellungen mit dem Begriff Sklaverei verbindet. Einerseits gibt es da tatsächlich die Sklaverei, wie sie in Ägypten, Babylon, Griechenland oder Rom praktiziert wurde. Gerade die eigene Erfahrung als ägyptisches Sklavenvolk dient zur Grundlage für die Gesetze, die dazu führen sollen, dass die „Chefs“ mit ihren Sklaven so gut umgehen, dass sie ihnen gerne freiwillig dienen.
Im Neuen Testament zeigt sich durchgehend die Haltung, dass gläubige Sklavenbesitzer ihre Sklaven mit Würde behandeln und möglichst auch freilassen sollen. Für Sklaven mit ungläubigen Besitzern gilt hingegen, diese durch gute Arbeit und die Kraft der Gnade Jesu von der tatsächlichen Wirksamkeit des Glaubens zu überzeugen. Wo Menschen treu sind und anderen gerne dienen, wird Gottes Liebe, Gnade und Kraft sichtbar.

Warum wir Auftragsmorde legalisieren sollten

Vorsicht, Satire!!! Den folgenden Artikel habe ich im Blog von The Gospel Coalition (engl. Original) auf englisch gefunden. Da ich den Artikel der deutschsprachigen Welt nicht vorenthalten wollte, habe ich ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Betsy Childs, übersetzt.

Warum wir Auftragsmorde legalisieren sollten

Ich werde die Erste sein, die es eingesteht: Berufskiller sind fragwürdig. Aber sie sind fragwürdig, weil sie eine Arbeit erledigen, die niemand anders tun will, eine Arbeit, die tatsächlich illegal ist. Indem wir Auftragsmorde ein „Verbrechen“ nennen, haben wir die Tatsache verschleiert, dass Berufskiller der Gesellschaft einen wertvollen Dienst bereitstellen.
Viele Frauen finden sich gefangen in ungewollten Ehen. Der Ehebund beschneidet die Freiheit einer Frau ernstlich, und Ehemänner können unangemessen fordernd sein. Eine Frau in einer solchen Situation ist verletzlich. Sie sieht nur noch einen Ausweg, und so trifft sie die schwierige Entscheidung, ihren Ehemann zu töten.
Doch die unbequeme Wahrheit ist, dass eine Frau, die einen Mord gegen ihren Ehemann in Auftrag gibt, mit größter Wahrscheinlichkeit tausende von Dollars zahlen muss, ohne die Garantie zu haben, dass der Mord tatsächlich ausgeführt wird. Diesen Auftrag zu legalisieren, würde die Unsicherheit beseitigen. Gemietete Schützen könnten überprüft und trainiert, sowie auf professionelle Sicherheitsstandards angehalten werden. Niemand will, dass ein Treffer daneben geht. Wenn keine Gefahr der Anklage mehr bestünde, würde dies die Kosten von Auftragsmorden drastisch senken. Auftragsmord zu legalisieren würde ein schmutziges Geschäft ins rechte Licht rücken.
Während eine Scheidung in den meisten Fällen eine attraktive Alternative für einen Auftragsmord sein könnte, haben manche Frauen nicht die emotionalen und finanziellen Ressourcen, um eine Scheidung hinter sich zu bringen. Eine strittige Scheidung durchzuführen kann mehr als ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen. Nachdem Anwälte die Finanzen des Paares geleert haben, bleibt der Frau nur wenig Geld zurück, um ihr Leben fortzusetzen. Außerdem: Ein diskreter Mord zur rechten Zeit schützt den Ehemann vor dem Schmerz, herausfinden zu müssen, dass er nicht mehr gewollt ist. Ein wahrlich erfahrener Attentäter kann seine Zielperson schmerzlos in einem Moment umlegen ohne jedes Leiden. Das Ende einer Ehe hat das Potential, das Leben einer Frau zu ruinieren, aber wenn ihr Ehemann schnell und sauber herausgeholt wird, so kann dies ein neuer Anfang für sie sein.
Auftragsmord ist ein unbequemes Thema, und ich persönlich könnte nie einen Mord beauftragen. Besser wäre es, zuerst ungewollte Ehen zu vermeiden. Das ist aber keine Entscheidung, die jemand anderes für eine Frau machen kann. Es ist ihre Ehe, nur sie kann entscheiden, wann sie enden muss.
Ich bin mir bewusst, dass manche Leser damit zögern, diesen Vorschlag zu befürworten, aber haltet doch einmal inne, um zu betrachten, wie sehr die Legalisierung der Abtreibung dazu beigetragen hat, dass eine Frau, die ihr Kind töten will, nicht mehr stigmatisiert wird. Einst wurde die Abtreibung als Mord gesehen und konnte deshalb nur im Geheimen und mit großem Risiko für die Frauen durchgeführt werden. Jetzt feiert unser Staat Frauen, die ihr Recht ausüben, Familienmitglieder zu töten. Weshalb sollten wir dieses Recht nicht ausweiten und den Frauen das Recht geben, ihre Partner zu töten?
(Original in Englisch von Betsy Childs, Übersetzung von mir)

Die Menschenopfer des 21. Jahrhunderts

Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, so sollst du nicht lernen, nach den Greueln jener Heidenvölker zu handeln. Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei oder ein Beschwörer oder ein Zauberer, oder einer, der Geister bannt, oder ein Geisterbefrager, oder ein Hellseher oder jemand, der sich an die Toten wendet. Denn wer so etwas tut, ist dem Herrn ein Greuel, und um solcher Greuel willen vertreibt der Herr, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz. (5. Mose 18, 9 – 12)
Wir brauchen heute weder in den Busch zu gehen, noch sonst wo hinzufahren, um die nächsten Menschenopfer zu finden. Sie finden tagtäglich in unseren Städten und Krankenhäusern statt. Dort, wo Menschen eigentlich den Auftrag hätten, Leben zu retten, wird es heute zerstört. Das ist eine schreckliche Perversion unserer Zeit.
Denn sie haben Ehebruch getrieben, und Blut ist an ihren Händen; ja, mit ihren Götzen haben sie Ehebruch getrieben, und für sie sogar ihre eigenen Kinder, die sie mir geboren haben, durchs Feuer gehen lassen, so dass sie verzehrt wurden! Überdies haben sie mir auch das angetan: Sie haben an demselben Tag mein Heiligtum verunreinigt und meine Sabbate entheiligt. Denn wenn sie ihre Kinder ihren Götzen geschlachtet hatten, so kamen sie noch am selben Tag in mein Heiligtum, um es zu entweihen.Siehe, das haben sie mitten in meinem Haus getrieben! (Hesekiel 23, 37 – 39)
Dadurch, dass man meint, man könne – in postmodernem Konstruktivismus – das Leben einfach neu definieren und dadurch ein Verbrechen zur neuen Tugend machen, werden die schlimmsten Morde nicht nur erlaubt, sondern regelrecht befürwortet. Es gibt eine riesige Lobby der „Pro Choice“ („für die Wahl“)-Fraktion. Noch schlimmer ist der Druck, der durch diese Legalisierung und all die Möglichkeiten der pränatalen Diagnose entsteht. Und doch ist es bezeichnend, wie sehr Gott für das Leben ist – auch für das Leben in der Gefangenschaft in Ägypten. Auch für das Leben unter schweren Umständen – als Sklaven der Ägypter. So wertvoll ist das Leben für Gott, dass sogar eine offensichtliche Lüge, die gezielt zum Schutze dieses Lebens eingesetzt wurde, durch Gottes Segen bestätigt wurde.
Und der König von Ägypten redete mit den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schiphra, die andere Pua hieß, und er sprach: Wenn ihr die Hebräerinnen entbindet, so seht auf der Stelle nach; wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn, ist es aber eine Tochter, so lasst sie leben! Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, was ihnen der König von Ägypten befohlen hatte, sondern sie ließen die Knaben leben. Da ließ der König von Ägypten die Hebammen rufen und fragte sie: Warum tut ihr das, dass ihr die Knaben leben lasst? Da antworteten die Hebammen dem Pharao: Nun, die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen; sie sind lebhafter; ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren! Und Gott segnete die Hebammen; das Volk aber vermehrte sich und nahm gewaltig zu. (2. Mose 1, 15 – 20)
Zwischen 110’000 und 120’000 Menschenopfer werden dem modernen Moloch der Selbstbestimmung jedes Jahr in den Rachen geworfen. In Deutschland. Weltweit geht man von etwa 42’000’000 pränatal ermordeten Kindern pro Jahr aus. Zum Vergleich: Der 2. Weltkrieg hat weltweit insgesamt etwa 66’000’000 Menschenleben gekostet. Somit kommt man mit den Abtreibungen in 1,5 – 2 Jahren ungefähr auf die Zahl der Menschenleben, die der 2. Weltkrieg in 6 Jahren gekostet hat. Nur mal so weit ein kleiner Vergleich. Das sind schreckliche Zahlen.
Weitaus schrecklicher ist allerdings die Gleichgültigkeit der Kirchen und Gemeinden heutzutage. Gerade da uns die Bibel auffordert, uns für die Schwachen einzusetzen:
Ein Psalm Asaphs. Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Mächtigen richtet er: »Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Person des Gottlosen ansehen? (Sela.) Schafft Recht dem Geringen und der Waise, den Elenden und Armen laßt Gerechtigkeit widerfahren! Befreit den Geringen und Bedürftigen, errettet ihn aus der Hand der Gottlosen!«(Psalm 82, 1 – 4)
»Warum fasten wir, und du siehst es nicht, warum kasteien wir unsere Seelen, und du beachtest es nicht?« — Seht, an eurem Fastentag geht ihr euren Geschäften nach und treibt alle eure Arbeiter an! Siehe, ihr fastet, um zu zanken und zu streiten und dreinzuschlagen mit gottloser Faust; ihr fastet gegenwärtig nicht so, dass euer Schreien in der Höhe Erhörung finden könnte. Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt wie ein Schilfhalm und sich in Sacktuch und Asche bettet? Willst du das ein Fasten nennen und einen dem Herrn wohlgefälligen Tag? Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: dass ihr ungerechte Fesseln losmacht, dass ihr die Knoten des Joches löst, dass ihr die Unterdrückten freilasst und jegliches Joch zerbrecht? Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte in dein Haus führst, dass, wenn du einen Entblößten siehst, du ihn bekleidest und dich deinem eigenen Fleisch nicht entziehst? (Jesaja 58, 3 – 7)
Die Schwächsten unserer Gesellschaft sind die Ungeborenen. Sie bedürfen am allermeisten unseres Schutzes. Sie haben keine eigene Stimme, um sich wehren oder auch nur zu Wort melden zu können. In einer zunehmend sozialistisch gestalteten Gesellschaft bekommt der Mensch seinen Wert nicht durch sein Menschsein, sondern durch den Wert, den er seiner Gesellschaft bringt. Sprich: Seiner Arbeit. Deshalb müssen Frauen auch weg von den Kindern, hin an den Arbeitsplatz, um einen von der Gesellschaft anerkannten Wert zu bekommen. Dies war bereits in der DDR so, und wird jetzt in der EUdSSR immer stärker vertreten. Es geht nicht mehr um Gleichberechtigung. Diese ist nur ein Vorwand, um möglichst viele Arbeiterinnen und Arbeiter für den Staat ausbeuten zu können. Und so sind es auch die Schwächsten und Kleinsten, denen ihr Wert als Menschen abgesprochen wird. Die Kranken und die Alten. Wo die Abtreibung eine so große Lobby hat, wird es nicht lange dauern, bis auch die Euthanasie eingeführt wird, damit am Ende nur noch die leben dürfen, welche der Gesellschaft einen größtmöglichen Nutzen bringen.
Alle Tiere sind gleich, nur manche Tiere sind gleicher.“ (George Orwell)

Der Gott der Bibel und die Political Correctness

Der Gott der Bibel und die Political Correctness
In vielen Bereichen stoßen sie aufeinander: Gender-Ideologie (Feminismus), in der Frage nach der Homosexualität, und nicht zuletzt auch in der Politik der blinden Geld-Umverteilungsmaschinerie versus Recht auf privates Eigentum. Und die Frage wird zu Recht gestellt: Wie gehen wir Christen mit diesen Zusammenstößen um? Es gibt hier zwei verschiedene Lösungsansätze und ein breites Spektrum dazwischen. Die beiden Ansätze haben damit zu tun, wen wir über uns regieren lassen wollen: Die dem Zeitgeist unterworfene Gesellschaft oder der ewige, unveränderliche Gott der Bibel? Fakt ist und bleibt: Jede und jeder muss hier eine Entscheidung treffen. Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. In unserem Falle eine zugunsten der Political Correctness.
Als politisch korrekt gilt zum Beispiel die Behauptung, Männer und Frauen seien nicht von Natur aus Männer und Frauen, sondern würden erst durch Erziehung zu solchen gemacht. Die Bewegung des Feminismus möchte alle Unterschiede auflösen und unsere Gesellschaft in den Übermenschen der Klasse „androgyn“ überführen. Ehe sei nicht mehr zeitgemäß, es müsse jeder mit jedem zu jeder Zeit „dürfen“. Hier schließt sich eine andere Bewegung an: Diejenige der Homosexuellen-Lobby. Im Gegensatz zum Feminismus betrachtet sie die sexuelle Ausrichtung als angeboren und dadurch unveränderlich. Und nun ist dieser Widerspruch kein Problem für die beiden Bewegungen. Solange es ihnen Vorteile verschafft, arbeiten sie zusammen und führen unsere westliche Welt ins Chaos. Revolution war schon immer so, dass sie einfach verändern wollte. Letzten Endes egal wohin, denn alles kann ja nur besser sein als der momentane Zustand.
Wenn wir einen Blick in die Bibel werfen, so fällt auf: Gott möchte Ordnung statt Chaos. Die sieben Tage der Schöpfung bedeuten, dass Ordnung in das Chaos hineinkommt. Und je weiter wir im Gesetz Moses lesen, desto klarer und deutlicher wird die Ordnung. Sie soll unser gesamtes Leben betreffen. Gott ist dort geehrt, wo ein Mensch nach Seiner Ordnung leben möchte. Nach der Ordnung, die Gott für unsere Welt bereithält. Somit steht auch Gottes Ordnung im direkten Widerspruch zum inszenierten Chaos der politischen Korrektheit. Insofern sind Gottes Gebote sehr revolutionär (dies bedeutet: Zurückwälzung oder Zurückdrehung in einen früheren Zustand). Gott hat diese Ordnung geschaffen und aufgerichtet. Wir haben die Wahl, ob wir nach dieser göttlichen Ordnung leben möchten oder lieber im Chaos der politischen Korrektheit.
Ein zweiter Blick in die Bibel zeigt uns, dass auch Jesus in dem eigentlichen Sinne durchaus revolutionär genannt werden kann. Er hat Sich gegen das pharisäische Chaos bezüglich der Gesetze äußerst deutlich ausgesprochen. Auch in Bezug auf falsches Verhalten war Jesus mehr als deutlich. Der Ehebrecherin hat Er klargemacht, dass sie ihren Zustand im Ehebruch nicht weiter so leben könne. Er verurteilte sie nicht, gab ihr aber die Freiheit, entweder in Gottes Ordnung zurück zu kehren oder sich selbst durch weiteren Ungehorsam Chaos im Leben und Verurteilung zuzuziehen. Sie durfte zu Jesus kommen, wie sie war, aber Jesus wollte ihr echte Freiheit schenken. Freiheit von ihrem chaotischen, selbstbezogenen Leben, hin zu einem Leben in der Freiheit innerhalb der Ordnung Gottes.
Und genau hier gilt es für uns als Christen aufzupassen. Wir dürfen die Menschen einerseits nicht vorverurteilen, denn alle dürfen zu Jesus kommen wie sie sind. Andererseits dürfen wir ihnen aber auch nicht Gottes Ordnung vorenthalten. Und wenn nun zum Beispiel die Kirche homosexuellen Pfarrern erlaubt, ihr Chaos auch als Pfarrer weiterhin auszuleben, so ist das nicht nur eine freche Umdeutung von Gottes Wort, sondern zugleich eine Entmutigung für alle, die auch in diesem Chaos gefangen sind. Denn wenn der Herr Pfarrer da schon nicht rauskommt, wie denn dann der normale Kirchengänger? So lasst uns für die Menschen beten, die im Chaos dieser Welt leben und zu noch mehr Chaos verführt werden. Sie haben es nicht leicht… Und lasst uns vor allem auch ein Leben in Gottes Ordnung vorleben, denn ein solches Leben in dieser Freiheit ist ansteckend, inspirierend und macht neugierig!

Größtmögliche Freiheit

Seit Erschaffung des Menschen geht es Gott darum, dass der Mensch in größtmöglicher Freiheit leben kann. Dass es absolute Freiheit in der Realität nicht geben kann, zeigt schon die Tatsache, dass wir Menschen den Naturgesetzen unterworfen sind. Während ich dies schreibe, sitze ich in der Bahn, neben mir steht ein Becher Kaffee. Auch wenn ich frei bin, muss ich dennoch aufpassen, dass mir dieser Becher nicht umfällt und über den Laptop fließt. Ich bin diesen Gesetzen unterworfen, denn selbst wenn ich nicht daran glauben würde, fiele der Becher durch die Schwerkraft nach unten und wenn der Kaffee über den Laptop flöße, wäre mein Text durch einen unvermeidbaren Kurzschluss im System futsch. Absolute Freiheit ist somit eine Utopie, ein Gedankenspiel. Mehr nicht. Das Prinzip der größtmöglichen Freiheit hingegen ist nicht nur möglich, sondern sollte auch unsere Unterstützung bekommen.

Das erste Menschenpaar im Paradies bekam die größtmögliche Freiheit. Sie durften alles tun, was ihnen einfiel. Alles ausprobieren, was sie wollten. Es gab nur genau eines, was ihnen verboten war. Und genau dieses Eine machte ihre Freiheit nicht zunichte, im Gegenteil, es machte sie größer. Durch dieses eine Verbot bekamen sie nämlich nicht nur die Freiheit, alles tun zu dürfen, sondern auch die Freiheit, gegen Gottes Willen zu handeln. Mit anderen Worten: Es gab ihnen Verantwortung für ihr Handeln.

Die gesamte Geschichte des Volkes Israel zeigt, dass Gott die Menschen in größtmöglicher Freiheit und Eigenverantwortung haben möchte. Angefangen bei der Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens, über die Zeit der kommunalen Selbstverwaltung in der Richterzeit bis hin zur Zeit der konstitutionellen Monarchie des israelischen Königtums. Selbst als die Menschen von Gott verlangten, ihre Freiheit gegen den ersten König eintauschen zu dürfen, was ihnen natürlich freistand, sorgte Gott durch die Aufrichtung der Thora als Verfassung für die größtmögliche Freiheit und Verantwortung der einzelnen Bürger. Der König hatte dadurch nicht das Recht, zu tun und zu lassen, was er wollte, sondern stand selbst auch unter dieser Verfassung und wurde von den Propheten, also eigentlich normalen Bürgern des Volkes, dem König der Verstoß gegen diese Freiheit der Bürger gemeldet und lautstark angekreidet.

Wie zahlreiche Aussagen, die durchs ganze AT hindurch gehen, zeigen, wird politische Unterdrückung des Volkes von seiten der Regierung als Frevelsünde angeprangert. Beispielsweise Amos:

Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn, so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Quadersteinen gebaut habt, und den Wein nicht trinken, den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzt habt. Denn ich kenne eure Freveltaten, die so viel sind, und eure Sünden, die so groß sind, wie ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt. (Amos 5, 11 – 12)

Auch im Neuen Testament lesen wir viel über Freiheit und Verantwortung. Jesus stellt zum Beispiel fest, dass Er es ist, der wahre Freiheit schenkt. Die Botschaft des Neuen Testaments ist es, dass Jesus als der von Israel herbeigesehnte Messias gekommen ist, um diese Freiheit zu bringen. Nicht nur politische Freiheit, sondern in aller erster Linie Freiheit vom den Menschen innewohnenden Trieb zur Sünde und zum Egoismus. Gerade diese Befreiung zeigt die ganz neue Dimension der wahren Freiheit. So wird die Freiheit durch Jesus Christus nicht zum Tun was man will, sondern zum verantwortlichen Tun des Guten für den Nächsten. Die Gottes- und Nächstenliebe ist laut der Bibel die Zusammenfassung des gesamten Gesetzes. Wer also vom Trieb zum Egoismus frei geworden ist, kann durch diese neu gewonnene Freiheit dem Mitmenschen Gutes tun – anstatt sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Politisch gesehen hat dies die Konsequenz, dass jeder eigenverantwortlich sein Tun in freier Entscheidung treffen und umsetzen soll. Somit sollte ein Staat diesen Dienst am Nächsten nicht erzwingen und auch nicht dem Einzelnen entreißen, sondern ihm vielmehr die Freiheit und Möglichkeit, aber auch das Wissen, also die Bildung dazu, ermöglichen. Als Konsequenz folgt daraus, dass der Staat möglichst schmal sein sollte, besonders auch nur die nötigen Steuern für Sicherheit und Verwaltung, sowie ein ganz schmales Auffangnetz, um in äußersten Notfällen kurzfristig handeln zu können, einfordern. Je mehr Geld der einzelne Bürger nach Abzug dieser Steuern übrig hat, desto größer ist seine Freiheit, die er verantwortlich ausleben soll.

Doch dann muss man sich auch einer anderen Frage stellen. Marina Weisband, politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, nennt in ihrem privaten Blog in einem äußerst lesenswerten Artikel diese spannende Frage: „Was ist mit den Menschen, die nicht frei sein wollen?“ Ich möchte mal so antworten: Freiheit bedeutet auch, den Menschen auch die Freiheit zu lassen, ihre Freiheit nicht wahrzunehmen. Freiheit und Verantwortung wahrzunehmen bedeutet, sich informieren zu müssen. Es bedeutet, dass möglichst viele Inhalte frei und transparent zugänglich sind, sodass jeder Bürger die Möglichkeit hat, sie einsehen zu können. Auch hier gibt es Grenzen, die nicht überschritten werden können. Information bereitzustellen kostet Zeit, Kraft und Geld, alle drei sind begrenzte Güter. Information bereitzustellen kann unter Umständen auch die Sicherheit der Betroffenen beeinträchtigen, zum Beispiel wenn es sich um persönliche Informationen handelt.

Was denkt ihr, liebe Leser, wie viel ist die größtmögliche Freiheit? Wie kann diese praktisch verwirklicht werden?

Ein biblisches Staatsverständnis

Wenn man in der Bibel nach Funktionen und Aufgaben eines Staates sucht, so finden wir dafür viele Hinweise, wenn auch keine vollständige Staatslehre. Die Hinweise sind aber durchaus ausreichend, um die Grundlinien dessen zu finden, wie Gott Sich einen Staat vorstellt. Zunächst müssen wir uns bewusst sein, dass es nie das Ziel sein kann, eine christliche Theokratie aufzubauen. Auch wenn Israel in gewisser Weise eine Theokratie war, ist es doch gut sichtbar aus der gesamten Geschichte Israels, dass diese Theokratie nur als Übergangslösung gedacht war. Selbst in dieser eigentlichsten Theokratie, der Königsherrschaft Sauls, Davids und deren Nachkommen, wird deutlich, dass die Gewaltentrennung von Anfang an äußerst wichtig war. Es gab zunächst einmal das Gesetz (insbesondere den Dekalog), welches die Verfassung war. Selbst der König war dieser Verfassung unterworfen. Es gab eine zweite „Gewalt“, nämlich die Propheten, welche im Auftrag Gottes die Könige auf ihre Treue der Verfassung gegenüber überwachten. Diese Propheten konnten aber auch nicht vom König selbst eingesetzt werden, sondern immer von Gott. Dies sind zwar nur rudimentäre Teile einer Gewaltentrennung im heutigen Sinne, deuten aber schon stark in diese Richtung. Mit den modernen Formen der Gewaltentrennung sind wir sehr gut dran. Wichtig ist, dass der Staat eine Verfassung hat, welche über allen Regierenden steht sowie Gerichte, vor welchen sich auch Politiker rechtfertigen müssen.

Die Aufgaben des Staates sind insbesondere in Römer 13 zu finden. Diese sind:

  1. Schutz des Staates

  2. Schutz des Lebens der Bürger

  3. Schutz der Freiheiten und Rechte der Bürger

  4. Die Belohnung korrekten sowie die Bestrafung falschen Verhaltens

Es sind nun Fragen, die sich jeder Staat (und auch jeder Mensch) stellen muss, wie hoch der Stellenwert von Sicherheit im Vergleich zur Freiheit sein soll. Je mehr Sicherheit garantiert werden soll, desto mehr muss ein Staat zum Überwachungsstaat werden, und je mehr Freiheit der Einzelne haben soll, desto weniger Schutz kann gewährleistet werden.

Um den Schutz des Staates zu gewährleisten, braucht jeder Staat eine stabile, gut ausgebildete und gut ausgerüstete Armee. Um die Bürger des Staates zu schützen, braucht ein Staat auch Gesetze, die von einer gewählten Volksvertretung gemacht werden und immer auf die Konformität mit der einen Verfassung überprüft werden müssen. Die Verfassung sollte möglichst nur durch einen Volksentscheid oder eine sehr große Mehrheit der Regierung geändert werden können. Die Gesetze regeln den Ablauf. Sie sollten möglichst logisch, verständlich und einfach sein. Jeder Bürger muss imstande sein, sie verstehen, sich merken und umsetzen zu können. Zur Durchsetzung dieser Gesetze braucht es eine gute, stark vertretene Polizei. Polizei und Gerichte zusammen sorgen dafür, dass jede Übertretung dieser Gesetze geahndet und möglichst schnell und konsequent bestraft wird.

Zur größtmöglichen Freiheit gehört auch die freiheitliche Entscheidung, was man mit seinem Geld machen will. Je mehr der einzelne Bürger aber Steuern zahlen muss, desto mehr wird diese Freiheit eingeschränkt. Der Staat bestiehlt die Bürger. Die meisten modernen Sozialsysteme sind vom kommunistischen Verständnis von Eigentum geprägt, deshalb werden wohlhabendere Bürger bestohlen, damit man das Geld ärmeren zukommen lassen kann. Eine Art staatliches Robin-Hood-Spiel also, welches dazu führt, für viele gar kein Antrieb mehr besteht, arbeiten zu wollen.

Um das Leben der Bürger schützen zu können, braucht es auch wieder Gesetze zum Schutz jeglichen Lebens: Schutz der ungeborenen Babies genauso wie der geborenen Kinder, Schutz der älteren und kranken Menschen (Verbot der Abtreibung und der Euthanasie jeglicher Art).

Kinder sind die Zukunft eines Staates. Um diese Zukunft in möglichst guten Händen aufwachsen zu lassen, sollte erstens der Antrieb zur Scheidung möglichst stark eingeschränkt werden. Kinder aus sogenannten Patchwork- und Einelternfamilien werden nie so glücklich aufwachsen können wie in echten Familien aus Vater, Mutter und Kindern. Zweitens soll auch die Erziehung und Bildung möglichst weitgehend in den Händen der Eltern bleiben. Kinderkrippen sind nicht nur eine Zumutung für die Kinder, sie schädigen auch die Zukunft des Staates in jeder Hinsicht. Ein Staat, welcher für seine Zukunft, die kommenden Generationen, gut sorgen möchte, könnte jedem Elternpaar für die Erziehung und Bildung einen bestimmten Betrag überweisen, mithilfe dessen das Ehepaar selbst entscheiden könnte, ob sie ihre Kinder in eine Krippe stecken oder zu Hause erziehen wollen, ob sie eine staatliche oder eine private Schule wählen, oder ob sie auch die Bildung selbst in die Hände nehmen wollen.

Der Schutz privaten Eigentums

Der Besitz von privatem Eigentum ist ein zutiefst im Menschen, in der Natur und in der Bibel verankertes Menschenrecht. Gott hat den ersten Menschen und durch sie auch uns den Besitz der Schöpfung in unsere Verantwortung übergeben. In den Zehn Geboten sind es je nach Zählweise zwei oder gar drei Gebote, die dieses Recht bestätigen: Das Verbot von Diebstahl und das Verbot des Begehrens. So sehen wir, dass es sich um ein unaufgebbares Menschenrecht handelt, privaten Besitz haben und über diesen in persönlicher Freiheit und Verantwortung verfügen zu können. Ein solches Recht muss deshalb auch gesetzlich verankert sein und unter allen Umständen geschützt werden. Ein solches Gesetz mit seinen Menschenrechten muss zwingend über jeglicher Regierungsgewalt stehen, damit die Gewaltentrennung und der Schutz vor tyrannischer Diktatur gewährleistet ist. Somit ist die religiös-ideologische Idee und Verwirklichung eines kommunistischen Staatswesens, also die Verstaatlichung privaten Eigentums, ein Verstoß gegen dieses Menschenrecht und ein Verbrechen gegen alle Bürger dieses Staates, die durch ein solches System entmündigt und ihrer Verantwortung betrogen werden.

Solche Tendenzen sind aber nicht erst mit der Einführung eines kommunistischen Regimes zu beobachten. Bereits heute zeichnet sich in der Politik demokratischer Staaten das Denken ab, dass der Besitz von Gütern, die einem erhöhten Standard entsprechen, ungerechtfertigt sei. Damit hängt der Gedanke zusammen, dass es ein Verbrechen sei, reich zu sein, oder dass Reichtum immer auf betrügerische Art und Weise erworben sein müsse. Fakt ist jedoch, dass dies nur selten vorkommt und dann in vielen Fällen tatsächlich auch geahndet und bestraft wird. Dass ein Unternehmen an Umsatz und Einnahmen stärker wird, hängt in erster Linie damit zusammen, dass das Kaufverhalten der Konsumenten eine Art Auswahlverfahren ist, welches ein bestimmtes Unternehmen unterstützt. Ein Unternehmen floriert nur dann, wenn es entweder sehr gute Qualität, ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis oder einen starken persönlichen Kundenbezug anbieten kann. Üblicherweise müssen mindestens zwei dieser drei Hauptfaktoren erfüllt sein, um ein Unternehmen zu großen Wachstum bringen zu können.

Nun wird das falsche Denken, dass Reichtum (mal am Rande bemerkt: Es gibt keine allgemein gültige Definition, wann Reichtum beginnt, deshalb ist auch Armut immer ein relativer, individueller Begriff) mit Betrug gleichzusetzen sei, durch die progressive Besteuerung verstärkt. Progressive Besteuerung bedeutet, dass jemand, der mehr Geld hat, prozentual mehr Steuern zahlen muss. Wenn ein Staat die progressive Besteuerung einführt, also von den Reicheren prozentual mehr wegnimmt als von den weniger Reichen, um damit diejenigen zu finanzieren, die sonst gar nichts verdienen würden, so löst dies automatisch (und nicht einmal bewusst) die Assozisation aus, dass es besser sei, nicht so viel zu haben und dass viel zu besitzen schon an und für sich gesehen ein Unrecht sei. Zunächst stimmt das einmal ganz natürlicherweise nicht, denn wie wir gesehen haben, ist Reichtum das Zeichen dafür, dass jemand mit seinem Besitz gut umgehen und wirtschaften kann, sowie etwas zu bieten hat, was von der Kundschaft durch das Kaufverhalten positiv bewertet und somit belohnt wird. Sodann können wir von biblischer Seite her festhalten, dass es Gott immer darum geht, jedem Menschen das größtmögliche Maß an Freiheit zu geben. Freiheit bedeutet, dass man für seinen Besitz und für sich selbst (Worte, Handlungen, Gedanken, etc.) vor Gott und den Mitmenschen verantwortlich ist, aber niemand das Recht hat, diese Verantwortung zu übernehmen. Dieses Prinzip wird unter anderem vom Herrn Jesus im Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matth. 25, 14 – 30) sehr anschaulich bestätigt und erklärt.

Bei progressiven Steuern und dem Drang, möglichst „sozial“ zu erscheinen, kommt es langfristig gesehen zu großen Problemen. Zunächst wird, wie bereits ausgeführt, ein großer Druck auf diejenigen ausgeübt, welche viel Geld zu versteuern haben. Diese stehen automatisch unter einem Selbstrechtfertigungszwang in unserer Gesellschaft, weil man ihren Reichtum als Unrecht betrachtet. Sodann nimmt ihnen der Staat eine Menge Geld weg, das ihnen rechtmäßig zusteht, um es dann für diejenigen zu verwenden, die weniger haben. Dadurch haben sie weniger Freiheit, dieses Geld in eigener Verantwortung einzusetzen, zum Beispiel um ein neues Unternehmen zu gründen und Arbeitsplätze zu schaffen. Ihr Geld kommt zu einem gewissen Maß denen zugute, die nicht arbeiten. So gibt es inzwischen eine immer kleinere Kluft zwischen dem, was eine arbeitende und eine nicht arbeitende Person bekommt (von verdienen kann da nun mal nicht die Rede sein). Dadurch verlieren Arbeitende immer mehr an Motivation, um ihre Arbeit hochwertig zu erledigen. Zugleich wird es immer leichter, ohne Arbeit zu überleben (und oft nicht nur überleben…). Wir sehen also, dass die progressive Steuer auf lange Frist gesehen zu immer mehr Arbeitslosigkeit führt. Wo es hingegen eine freie Marktwirtschaft mit gerechten und möglichst geringen Steuern gibt, kann die gesamte Situation der Wirtschaft aufblühen. Ein Staat, der durch eine Steuersenkung die private Wirtschaft fördert, wird letzten Endes mehr Steuern einnehmen, da er das kontinuierliche Wachstum der Wirtschaft ankurbelt und indirekt auch für mehr Arbeitsplätze sorgt. Da, wie wir gesehen haben, die Gesamtheit der Konsumenten die Qualität der Waren und Dienstleistungen bewertet (dies geschieht automatisch durch ihr Konsumverhalten), wird eine gesunde Konkurrenz auch immer für den Anstieg der Qualität sorgen. Schlechter Service wird von den Kunden bestraft, indem es einen Wechsel des Dienstleisters gibt. Und die vorhandene Konkurrenz wird auch keine Monopolstellung einzelner Unternehmen zulassen.

So dürfen wir uns als gläubige Christen für eine möglichst freie Marktwirtschaft und einen tiefen, gerechten Steuersatz einsetzen. Dies ist der beste Weg, um wirtschaftliches Wachstum und eine Zunahme an Arbeitsplätzen zu garantieren. Hierfür sollen wir Politiker wählen, die für dieses Anliegen einstehen. Weiter können wir dies auch unterstützen, indem wir als Angestellte unserem Unternehmen helfen, Gewinn zu erzielen und dadurch neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dies geschieht am Besten, indem wir motiviert und mit großem Einsatz im Unternehmen mitarbeiten. Und für unser Unternehmen sowie die Politiker zu beten ist sowieso sehr gut und wichtig.