Anspruch und Wirklichkeit der historischen Kritik

Pfr. Dr. Stefan Felber hat auf seiner Homepage ein Dokument zum Download bereitgestellt, welches ich sehr empfehlen möchte. Auf nur einer A4-Seite schafft er es, eine ganze Reihe von Kritikpunkten an den hysterisch-kritischen (pardon, historisch-kritischen) Methoden anzubringen. Er untersucht Anspruch und Wirklichkeit der historisch-kritischen Methoden. Das Dokument kann hier (Link) heruntergeladen werden.

Ich stimme dem Inhalt des Dokuments vollkommen zu, möchte hier aber die Gelegenheit nutzen, einzelne Aussagen noch etwas zu ergänzen, zuzuspitzen oder zu verdeutlichen. So fallen unter Punkt 1 etwa die Begriffe „Objektivität“ und „Hypothesenvielfalt“. Da geht es darum, dass man versucht, möglichst wissenschaftlich, möglichst objektiv zu sein, aber sehr oft verstecken sich liberale Theologen hinter einer ganzen Reihe von unüberprüften, unüberprüfbaren Hypothesen. Nehmen wir nur mal zum Beispiel die Zweiquellenhypothese der Evangelien. Man postuliert dabei, dass zuerst das Markusevangelium geschrieben worden sei, und die anderen Autoren, Matthäus und Lukas, hätten Markus genommen, abgeschrieben und mit einer anderen Quelle, der sogenannten „Logienquelle Q“ vermischt. Diese Logienquelle ist ein rein fiktives Instrument der kritischen Theologen. Noch niemand hat je eine solche Logienquelle gefunden. Deshalb kann sich jeder aussuchen, was nun tatsächlich von Jesus stammen soll, und welche Inhalte aus der Logienquelle Q kommen sollen. Wer sich einmal die Mühe macht, die unterschiedlichen Teile zu studieren, die entweder bei allen dreien, nur bei zweien oder gar je nur bei einem Evangelium vorkommen, wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen und es wird klar, wie sehr da ein von Gott prophetisch gelenkter Prozess von Menschen, die der Wahrheit und den geschichtlichen Tatsachen auf den Grund gingen, vonstatten ging. Jede rein menschliche Erklärung enthält unzählige Löcher und Ungereimtheiten.

Immer wieder kommt die Abkürzung „KAK“ vor, diese steht, wie unter Punkt 4, Stichwort „Historizität“ geschrieben, für „Kritik, Analogie, Korrelation“. Diese drei Begriffe gehen auf den deutschen Theologen Ernst Troeltsch zurück. In seinem Buch „Über historische und dogmatische Methode in der Theologie“ schreibt er darüber. Ich habe in meiner Datei zur Geschichte der Biblischen Theologie (Link) auf Seite 21 diesen Dreiklang folgendermaßen beschrieben:

a. Kritik: Alles muss zunächst einmal angezweifelt werden. Nichts darf per se als wahr betrachtet werden, wenn seine Wahrheit nicht zuerst nachgewiesen werden konnte. Die menschliche Vernunft (und damit der Subjektivismus) wird über jede Aussage der Bibel gestellt und muss sie in allem radikal hinterfragen.

b. Analogie: Diese Kritik geschieht zunächst durch das Prinzip der Analogie. Das bedeutet: Man sucht im nach ähnlichen Berichten und bewertet anhand derer die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Ganze tatsächlich so abgespielt haben könne. Hierdurch wird die Tatsache von Wundern komplett in den Bereich der Mythen verschoben. Auch Jungfrauengeburt und leibliche Auferstehung Jesu streitet man mit dieser Vorgehensweise ab.

c. Korrelation: Die zweite Methode der Kritik ist die Korrelation. Es darf keine Zufälle geben, deshalb beruht alles auf Wechselwirkungen und die müssen gefunden werden. Es wird also gefragt, woher es komme, dass die biblischen Autoren genau jenes geschrieben haben, also: woher könnten sie ihre religiösen Vorstellungen haben? Von wem sind die ‘geklaut’? Auf welche Ursache sind die biblischen Texte zurückzuführen?“

Gerade weil die historisch-kritische Bibelforschung versucht, objektiv und neutral zu sein, schafft sie beständig neue Dogmen, die ihrerseits nicht wirklich grundlegend begründet werden (können). Theologie ist mehr als nur Literaturwissenschaft auf ein einzelnes Buch angewandt. Sie ist mehr als Soziologie einer früheren Kultur. Sie ist mehr als Vermittlung des Wissens, wie man die Bibel nicht auslegen soll. Und doch verkommt sie häufig genau zu dem. Die historisch-.kritische Theologie kann die Bibel nicht mehr begründet positiv auslegen, weil sie sich zu sehr an das „Nicht-So“, die Absage an bisherige Auslegungen, gebunden hat. Sie kann keine positive Exegese liefern, weshalb durch die ganze Methoden- und Hypothesenvielfalt letztlich jeder Text alles bedeuten kann – und vielleicht wird durch reinen Zufall damit gerade das getroffen, was Gott durch Sein Wort eigentlich sagen wollte. Rein statistisch gesehen ist das Gegenteil deutlich wahrscheinlicher.

Bei Punkt 7 hätte ich „Moralisierung“ treffender gefunden. Kleiner Hinweis am Rande. Weil die Predigt für liberale Theologen gerade nicht mehr die biblische Ethik hochhalten kann, weil sie angeblich zu gesetzlich sei, wird stattdessen der moralische Zeigefinger für alle möglichen politischen Probleme erhoben. Ob diese Politiken eher links- oder rechtslastig sind, ist im Grunde genommen egal. Aber solange das Evangelium vom Sühnopfertod Jesu Christi an unserer Statt nicht mehr dazu da ist, um mein Leben in Gottes Sinne umzukrempeln, werden innerweltliche Probleme angesprochen und der Mensch zum aktiven Handeln im Sinne eines Überaktionismus gedrängt. Der „moralistisch-therapeutische Deismus” (Link) lässt grüßen.

Buchrezension: Gott wieder finden und warum es gar nicht nötig ist, ihn zu suchen

Heyes, Zacharias, Gott wieder finden und warum es gar nicht nötig ist, ihn zu suchen, Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach, 1. Aufl. 2018, 159 S., Verlagslink, Amazon-Link

Zunächst muss ich vorausschicken, dass ich dieses Buch nicht als Katholik lese, sondern als Evangelikaler, als Freikirchler und als bibeltreuer Theologe, und mir deshalb manche Dinge fremd sind, die darin beschrieben werden. Ich war noch nie katholisch, habe mich aber immer wieder mit Menschen getroffen und diskutiert und dabei so manches gelernt. Dennoch sollte insofern meine Rezension mit diesem Wissen im Hinterkopf gelesen werden, denn mir sind bis heute einige Dinge der römisch-katholischen Kirche fremd geblieben. Der Verlag hatte mich gebeten, das Buch zu rezensieren, und nach einigem Zögern habe ich mich dazu bereit erklärt, denn bald wurde mir klar, wie vieles ich anders sehe und deshalb auch kritisch sehen werde. Da der Verlag meine Rezension dennoch wünscht, werde ich sie nun posten.

Was durch das ganze Buch hindurchscheint, ist die strahlende Lebensfreude des Autors, der den Leser mitnehmen möchte auf eine abenteuerliche Reise zu seinen Mitmenschen. Das muss ich ganz klar sagen, der Autor ist ein sehr sympathischer Mensch, dessen Gedanken versuchen, den Leser anzustecken und auf sein menschliches Gegenüber zu fixieren. Als Notfallseelsorger, katholischer Mönch und Gästebegleiter der Abtei Münsterschwarzach kommt er mit vielen verschiedenen Menschen in Berührung. Er hat die Gabe, tief nachzudenken und bei und mit den Menschen zu sein – auch gerade in ihrem Leid oder ihrem Mangel. Das alles zusammen sind positive Eigenschaften, die mich für den Autor eigentlich einnehmen. Auf der persönlichen Ebene stehe ich Zacharias Heyes sehr nahe, und vermute, dass wir auch biographisch bestimmte Erfahrungen teilen. Nur inhaltlich konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Nachfolgend meine Gedanken dazu:

Wenn ich ein Buch lese, dann beginne ich nicht gleich mit dem Vorwort oder dem ersten Kapitel, sondern als erstes denke ich eine Weile über den Titel nach. Ich stelle mir Fragen zum Titel, die ich beim Lesen des Buches aus der Sicht des Autors zu beantworten suche. Ich frage mich, was der Autor mit dem Titel aussagen möchte, und bei diesem Buch war mein spontan erster Gedanke folgender: „Der Titel klingt sehr interessant! Man könnte ihn gut gebrauchen, um davon ausgehend einige verbreitete Missverständnisse zu Gottes Transzendenz und Immanenz zu beantworten. Ich möchte wissen, wie der Autor das „Gott suchen“ definiert, das er nicht nötig findet.“ Nochmal etwas einfacher: Es gibt verschiedene Vorstellungen, was „Gott suchen“ bedeutet. Der Titel wäre sehr gut, wenn man ein Buch über diese Vorstellungen schreiben wollte und mit den falschen davon aufräumen wollte. Doch leider hat es der Autor auf knapp 160 Seiten nicht geschafft, auch nur einmal darüber zu schreiben, was er mit dem Begriff „Gott suchen“ im Titel meint. Er schreibt davon, dass wir Gott nicht suchen müssten, weil es Gott ist, der uns sucht (was den zweiten Teil dieser ersten Aussage betrifft, stimme ich ihm zu) und dass Gott in allen Menschen zu finden sei (dazu weiter unten noch mehr). Aber wogegen er eigentlich schreibt, wird nicht klar. Insofern ist der Titel irreführend, denn er übergeht nicht nur eine ganze Reihe von klaren Aussagen im Alten und Neuen Testament (z. B. 1. Chr. 16,10 – 11; 2. Chr. 7,14, Ps. 9,11, Ps. 27,4, Ps. 63,2, Ps. 119,10, Jer. 29,12-14, Am. 5,5-6, Matth. 7,7-8, Kol. 3,1 u.v.a.m.). Die große Frage muss deshalb sein: Wie sucht man Gott? Und diese Frage wird nicht beantwortet, sondern geradezu umgangen, indem man auf den Mitmenschen zurückgeworfen wird, in welchem man Gott finden soll.

Das Zweite, was mich interessiert hat, ist das Bibelverständnis des Autors. Und hier wurde ich leider nicht weniger enttäuscht. Gut, Enttäuschung ist ein heilsamer Prozess, aber in dem Fall hat sie nicht dazu geführt, dass ich das Buch besonders ansprechend fand. Es gibt keine Stelle, an welcher Heyes transparent über sein Verständnis von Gottes Wort berichten würde – aber überall findet man sein Bibelverständnis in der Praxis angewandt. Heyes versucht gar nicht erst, die Bibel mit der Bibel auszulegen, sondern er nimmt aus den modernen Wissenschaften ziemlich unkritisch alle möglichen Aussagen und versucht dann, in der Bibel Beispiele dafür zu finden, um sozusagen zu zeigen, dass man die Bibel auch so verstehen könne. Nun muss man aber wissen, wenn man nur will, kann man so ziemlich unbeschränkt alles irgendwie in die Bibel hineinlesen. Zumindest um Ecken und auf Biegen oder Brechen. Das ist dann nicht mehr Auslegung der Bibel („Exegese“ genannt), sondern ein Hineinlesen („Eisegese“). So kommen Aussagen aus der Befreiungstheologie, dem Feminismus, aus dem materialistischen Weltbild, und immer wieder wird kritisiert, wie die weltweite Kirche während vielen Jahrhunderten die Bibel verstanden und ausgelegt hatte. Es war mir schon länger bekannt, dass die historisch-kritische Methodologie seit dem Zweiten Vatikanum auch in die römisch-katholische Kirche Einzug gefunden hat. Und doch habe ich mit vielen Katholiken im persönlichen Gespräch gerade deshalb eine gemeinsame Basis gefunden, weil wir gemeinsam die Bibelkritik ablehnen. Dass nun hier in einem Buch, das eigentlich nicht nur für Studenten der katholischen Theologie geschrieben wurde, diese so deutlich angewandt wird, ist nicht gerade dazu angetan, um Vorurteile abzubauen.

Zacharias Heyes führt den Leser durch eine Anzahl bestens bekannter Begebenheiten, die in der Bibel berichtet werden, und sucht dabei immer nach der heutigen Bedeutung für uns. Das führt zuweilen zu ganz interessanten Widersprüchen. Etwa die Stelle, wo Mose von Gott aufgefordert wird, die Schuhe auszuziehen, weil er auf heiligem Boden stehe, wird dann direkt umgedeutet, dass der Boden überall heilig sei. Nun würde das aber auch konsequenterweise bedeuten, dass es ein allgemeines Schuhverbot bräuchte. Doch so weit möchte der Autor dann wohl doch nicht gehen, weswegen der Befehl des Schuhausziehens kurzerhand unterschlagen wird. Letztlich fehlt Heyes das Verständnis für die Transzendenz Gottes, die gesamte Spannung zwischen der Transzendenz und Immanenz wird auf die Seite der Immanenz aufgelöst, und damit ist Gott derjenige, welcher immer und überall zu finden ist – was nicht ganz falsch ist, aber eines fehlt dabei: Gott ist immer in Jesus Christus und immer in Seinem Wort, der Bibel, zu finden. Weil das aber zu exklusivistisch ist, bleibt dieses Alleinrettungsmerkmal Jesu Christi außen vor und der Träger des göttlichen Daseins ist damit plötzlich der Mitmensch.

Ich muss an der Stelle noch etwas ausholen. Wie zu Beginn geschrieben ist es mir sehr sympathisch, dass der Autor darum wirbt, dass die Menschen aufeinander zu gehen und einander helfen, einander verstehen möchten und gemeinsam leben, lieben, lachen und weinen. Das betrifft Menschen über alle Grenzen von Kulturen und Religionen. Und doch – der Synkretismus dieses Buches geht mir zu weit. Die Rede von „Gott in jedem Menschen finden“ ist irreführend, denn die Unterscheidung zwischen Gott im Menschen im Sinne von Gottes Ebenbild und Gott im Menschen als einem Menschen, der an den stellvertretenden Sühneopfertod Jesu am Kreuz glaubt, wird weggelassen. Und diese Unterscheidung könnte grundlegender nicht sein. Es ist von enormer Wichtigkeit, dass gerade in unserer Zeit der Beliebigkeit wieder klargemacht wird, dass es ohne Kreuzestod Jesu keine Wiederherstellung der persönlichen Beziehung zu Gott gibt. Zu diesem Synkretismus passt leider auch die Befürwortung heidnisch-okkulter Praktiken wie der Zen-Meditation oder die Überschrift „Für den Zeitgeist“ (S. 146). Das Evangelium stellt jede Kultur in Frage und ist deshalb auch jedem säkularen Zeitgeist entgegengesetzt. Leider kann dieses Kapitel am Ende des Buches auch nicht überraschen.

Fazit:

Ein leidenschaftliches Buch mit vielen guten Gedanken, die gesamte Tendenz jedoch eher fragwürdig, synkretistisch und auf das diesseitige Leben beschränkt. Eine Bewertung in Punkten oder Sternen ist mir nicht möglich.

Buchtipp: Die sieben Wunder des Kreuzes

Van de Kamp, Wilkin, Die sieben Wunder des Kreuzes, Glaubenszentrum e. V., Bad Gandersheim, 2. Aufl. 2014, Amazon-Link

Auf www.jesus.de ist meine Rezension zu “Die sieben Wunder des Kreuzes” erschienen: https://www.jesus.de/wilkin-van-de-kamp-die-sieben-wunder-des-kreuzes/

Zusammenfassung:

Wilkin van de Kamp beschäftigt sich in diesem Buch mit den letzten 18 Stunden vor dem Tod Jesu und beleuchtet jedes Ereignis dieser Zeit sehr anschaulich und praktisch. Jedes Kapitel endet mit einem Gebet, um das Gelesene zu verinnerlichen.

Fazit:

Ich finde das Buch sehr gut, leicht verständlich und mit viel Tiefgang geschrieben. Allen Lesern, welche sich noch mehr mit Jesus und Seinem stellvertretenden Leiden und Sterben am Kreuz beschäftigen möchten, sei es sehr empfohlen. Ich gebe dem Buch fünf von fünf Punkten.

Predigt hören mit Gewinn

Als Prediger sehe ich häufig die eine Seite, nämlich wie die Predigt vorbereitet wird und wie sie rübergebracht wird. Manchmal ist es dann nicht ganz einfach, ein guter Predigthörer zu sein. Ich kenne den täglichen oder wöchentlichen Kampf mit dem Text, der als nächstes gepredigt werden soll, nur zu gut; und die Gefahr besteht dann, dass man bei anderen Predigern vor allem da sitzt und ihre Predigt „bewertet“ („was hätte ich anders gemacht?“, etc.) Ich weiß aber, dass es für jeden Predigthörer eine Herausforderung ist, die sonntägliche Predigt so zu hören, dass sie tatsächlich im Kopf, im Herzen und in den Händen landet. Deshalb ein paar Überlegungen, wie wir das möglichst gut machen können.
1. Zu Hause lassen, was zu Hause bleiben soll
Eine häufige Ablenkung besteht in den Gedanken, die uns an alles Mögliche erinnern, was noch zu tun ist. Der Aufbruch in die Gemeinde wird zu einem hektischen Erlebnis, wenn Kinder dabei sind, die zur bestimmten Zeit bereit sein müssen. Trotzdem tun wir gut daran, eine Strategie zu entwickeln, wie wir möglichst das zu Hause lassen können, was zu Hause bleiben soll. Hier muss jeder den Weg finden, der am besten passt. Das ist ein Punkt, an dem ich auch immer am Üben bin.
2. Für ein offenes Herz und offene Ohren beten
Die Predigt ist Gottes Wort an die Gemeinde. Der Prediger ist Gottes Prophet, der Gottes Wort auslegt und an Gottes Volk weitergibt. Wir können keine zu hohe Sicht von der Bibel und keine zu hohe Sicht von der Predigt haben. Einen Teil des Gewinns, den wir von der Predigt haben, hängt damit zusammen, wie wir die Predigt empfangen. Deshalb tut es uns gut, wenn wir Gott bitten, unser Herz zu verändern durch diese Predigt. Auch wenn wir den Text der Predigt schon häufig gehört und gelesen haben, dürfen wir jedes Mal von Neuem etwas von Gott empfangen.
3. Die Predigt als Dialog sehen
Als ich meine ersten Predigten vorbereitet hatte, durfte ich schon sehr früh in Gemeinden als Gastprediger predigen. Ich war sehr aufgeregt; schließlich wollte ich alles richtig machen. Mein Problem war, dass ich mich dabei so an mein Predigtmanuskript klammerte, dass die Predigt über die Gemeinde „hinwegflog“. Dort habe ich den Tipp bekommen, etwas freier zu predigen. Nach und nach habe ich gelernt, dass die Predigt ein Dialog mit den Hörern ist. Ich sehe, wenn etwas unklar ist und noch besser ausgeführt werden muss, an den Gesichtern der Hörer. Oder wenn etwas Auflockerung gut tut. Heute habe ich viel mehr Freiheit, denn ich weiß, was ich sagen will. Auch als Hörer tun wir gut, die Predigt als Dialog zu sehen. Nicht in dem Sinne, dass wir die Predigt unterbrechen müssen oder etwas dazwischen rufen. Ok, das darf auch mal sein, aber worum es mir geht, ist, dass wir die Predigt aktiv aufnehmen, an den Lippen des Predigers hängen und das Gesagte gleich in uns aufzunehmen versuchen.
4. Notizen – ja oder nein?
Das ist eine gute Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Es gibt gute Gründe dafür und dagegen. Dagegen spricht, dass der unter 3. genannte Dialog durch das Notieren unterbrochen wird. Dafür spricht, dass man mehr Wissen ansammeln kann, was etwas Gutes ist. Wer genug Zeit hat, dem empfehle ich, Notizen erst beim Nachhören der Predigt von CD oder MP3 online zu machen. Dann ist die Predigt an sich nämlich ein prägendes Erlebnis der ganzen Gemeinde, das einzelne Detailwissen kommt durch das Nachhören trotzdem zustande. Wer dafür keine Zeit hat, kann sich Notizen während der Predigt machen, muss es aber nicht. Wichtig ist, dass jeder durch seine Methode sagen kann: Das ist mein Weg, der mich am besten näher zu Gott bringt. Ich persönlich habe in der Predigt keinen Notizblock, sondern schlage die Bibel mit auf, und wenn mir etwas wirklich ganz wichtig wird, dann schreibe ich in die Bibel an den Rand ein oder zwei kurze Stichworte.
5. Den „roten Faden“ oder „Skopus“ finden
In der Predigtlehre spricht man vom „Skopus“ einer Predigt. Der Skopus ist im Prinzip eine Minimalfassung der ganzen Botschaft der Predigt in einem kurzen Satz. Manche Prediger wiederholen diesen Skopus mehrmals in der Predigt, andere haben leider gar keinen solchen bewusst ausgearbeitet. Aber die Frage sollte immer sein: Was ist der „rote Faden“ der ganzen Predigt? Wie kann man diesen in wenigen Worten zusammenfassen? Leider muss man auch da sagen, dass manche Predigten gar keinen solchen haben. Dann muss man diesen Punkt überspringen und beim nächsten Punkt weitermachen.
6. Nach der praktischen Umsetzung der Predigt suchen
Nun stellen wir die Frage, wohin Gott mit dieser Predigt abzielt. Was soll an uns anders werden? Worin sollen wir wachsen? Was können wir davon ganz praktisch und möglichst sofort umsetzen? Auch hier gibt es ganz unterschiedliche Predigten; vermutlich ist das ein Punkt, an dem die meisten Prediger zu kämpfen haben, vom Wissen zum Tun zu kommen. Mir geht es jedenfalls häufig so. Auch die ganz „trockenen“ Predigten – so schade es ist, dass es sie gibt – beinhalten zumindest in den Bibeltexten Hinweise zur praktischen Umsetzung. Wenn der Prediger daran nicht genügend gearbeitet und mit dem Text gerungen hat, muss es der Predigthörer leider selbst tun.
7. Weiter über die Predigt nachdenken und beten
Die Predigt ist mit dem „Amen“ nicht zu Ende. Im Gegenteil: Das Wichtigste hat gerade eben erst begonnen. Sie will uns in die neue Woche hinein begleiten. Unser Auftrag ist es, auch gerade jetzt nach Gelegenheiten Ausschau zu halten, um die Predigt umsetzen zu können. Betend reflektieren wir das Gehörte, vielleicht auch gemeinsam in der Familie, im Hauskreis, und so weiter, und lassen Gottes Wort auf diese Weise reichlich unter uns wohnen, uns verändern und unser tägliches Tun und Reden beeinflussen.

Auslegungspredigt ist… eine Herzenshaltung!

Ich habe zur Auslegungspredigt bisher eine Minimaldefinitionund eine “negative Definition” gegeben. Heute möchte ich einen weiteren Gedanken dazu äußern, was ich unter der Auslegungspredigt verstehe. Auslegungspredigt ist zunächst nicht so sehr eine Methode der Predigtvorbereitung, sondern eine Herzenshaltung, WIE ich an die Predigtvorbereitung herangehe.
Ganz einfach gesagt, geht es um den Unterschied, was ich von der vorzubereitenden Predigt im Kopf habe, bevor ich mit der Vorbereitung des Predigttextes anfange. Wenn ich in diesem Moment schon eine Vorstellung davon habe, was ich der Gemeinde sagen möchte, dann bin ich unfähig zur Auslegungspredigt geworden. Es geht also nicht nur darum, Sprungbrett-Predigten zu vermeiden, sondern auch darum, bei der Vorbereitung vom Text auszugehen und nicht von meinen Gedanken, die ich davor habe.
Anders gesagt: Auslegungspredigt stellt den Bibeltext an den Anfang, in den Mittelpunkt und an das Ende der Predigtvorbereitung. Der Bibeltext bestimmt, was ich am Ende in der Predigt sagen werde. Sobald ich nämlich schon meine eigenen Gedanken und Themen an den Bibeltext herantrage, bin ich voller Vorurteile, was der Text sagen soll. Und genau das gilt es zu vermeiden. Ein zweiter Grund ist damit verknüpft: Jeder von uns hat so seine bestimmten Themen und Gebiete, wo er sich zu Hause fühlt. Vorurteilsloses Herangehen an den Bibeltext führt dazu, dass wir über diesen Tellerrand hinausschauen müssen. Es bereichert auch unser eigenes Leben enorm. Drittens ist es so, dass ich andere nur mit dem zum Brennen bringen kann, wovon ich selbst schon brenne. Diese Herangehensweise führt dazu, dass man sich ganz intensiv mit dem Bibeltext beschäftigen muss, und diese Reibung am Bibeltext bewirkt, dass man immer wieder von Neuem von Gottes Wort in Brand gesetzt wird.
Des Weiteren ist es die Herzenshaltung, die Gott zeigt, dass wir Seinem Wort vertrauen. Es geht dabei nicht so sehr um unser Können und Wissen, Tun und Lassen (obgleich wir innerhalb des Bibeltextes natürlich unser Bestes geben), sondern es ist die Wirkung, die Gottes Wort zuerst an uns als Predigern und danach am Hörer hat. Deshalb ist es auch die einzige Herangehensweise, welche sicherstellen kann, dass wir Gottes Wort und nicht unsere eigenen Gedanken verkünden. Wenn jemand predigt, so ist es Gott, der durch den Prediger zum Hörer reden will. Durch die Auslegungspredigt stellen wir sicher, dass unsere Predigt tatsächlich dem Wort Gottes entspricht, das Er heute durch die Predigt an die Hörer richten will. Gottes Wort kommt niemals leer zurück, das hat Gott uns ganz fest versprochen. Und dafür bin ich immer wieder sehr dankbar.

Was ist Auslegungspredigt nicht?

1. Es ist kein laufender Kommentar, der zu jedem Vers oder Wort ein paar verstreute Fundstücke enthält.
2. Es ist keine Rede, die mit einem Bibelvers beginnt, und dann wahllos andere Bibelverse aufzählt, in denen es möglicherweise um etwas Ähnliches geht.
3. Es ist keine Predigt, für die zu einem Thema ein Vers oder Abschnitt herausgesucht wurde, worauf eine Themenpredigt aufgebaut wird.
4. Es ist keine Rede über einen Predigttext, der herausgesucht wurde, damit der Prediger seine Gedanken dazu äußern kann.
5. Es ist keine Ansammlung von grammatikalischen Funden und Wortstudien, die zu einem Vers oder Abschnitt der Bibel gemacht wurde.
6. Es ist nicht das Ergebnis einer einfachen Suche nach dem Inhalt, was ein Bibeltext uns heute zu sagen hätte.
7. Es ist keine Geschichtsstunde zu den Ereignissen, die im vorangesetzten Bibeltext geschehen sind.
8. Es ist keine interessante oder inspirierende Andacht zu einem gerade aktuellen Thema, die zwar mit einem Bibelvers beginnt, diesen aber nur als Sprungbrett nutzt.
9. Es ist keine Wahlkampfrede für eine Partei oder politische Richtung oder sonstwie eine politische Rede, die sich nicht ganz direkt aus dem Text ergibt.
10. Es ist keine psychologische Selbsthilfestunde, die dem Zuhörer ein möglichst gutes Gefühl geben soll und ihm hilft, sich selbst noch mehr zu vergöttern.

Auslegungspredigt – eine Minimaldefinition

Ich bin ein großer Freund der uralten und jederzeit aktuellen Tradition der auslegenden Predigt. Da ich gerne und viel lese, was andere Prediger darüber schreiben, will ich versuchen, das Thema in einer Blogserie anzugehen. Es wird eine unregelmäßig fortgeführte, lose Serie werden, in der ich versuche, irgendwann alle wichtigen Aspekte zu besprechen. Heute möchte ich eine Minimaldefinition davon geben, damit danach jederzeit klar ist, wovon überhaupt die Rede ist.
Eine Auslegungspredigt ist eine Predigt, die einen Bibeltext auslegt, das heißt, der Prediger führt eine exakte Exegese des Bibeltextes aus, in welcher der Kontext, die Gattung, die Theologie, die einzelnen Worte, der Aufbau und die Grammatik abgedeckt wird, und baut seine Predigt entlang des Bibeltextes auf. Die Botschaft des Bibeltexts wird zur Botschaft der Predigt. Die Predigt erklärt, was der Autor sagen wollte, wie der Hörer es verstanden hatte, was er bewirken wollte und führt die Predigt in die Anwendung über, in welcher er überzeugend erklärt, was Gott als Autor des Textes heute von uns möchte.
Das ist wie gesagt (m)eine Minimaldefinition, das heißt, sie ist längst nicht umfassend. Aber ich meine, dass damit die wichtigsten Aspekte genannt wurden. Auslegende Predigten sind das Nahrungsmittel von Gottes Volk. Sie sind notwendig, damit die Gläubigen nicht verhungern. Da aber viele Missverständnisse darüber bestehen, ist es in jeder Generation wichtig, wieder neu darüber zu schreiben, sprechen und lesen.
Wenn es Fragen dazu gibt, bitte jederzeit einen Kommentar hinterlassen. Ich werde alle Fragen ernst nehmen und versuchen, irgendwann darauf einzugehen. Hast Du Anmerkungen zu meiner Minimaldefinition?

Christus unsere Gerechtigkeit

Christus, unsere Gerechtigkeit
Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung (1. Korinther 1, 30)
Nachdem wir gesehen haben, dass der Herr Jesus zu unserer Weisheit gemacht worden ist, steht hier aber auch, dass Er uns auch zur Gerechtigkeit gemacht worden ist. Gerechtigkeit ist der Zustand des Menschen, in welchem er vor Gott bestehen kann. Gerechtigkeit wird in der Bibel oft als weißes Kleid symbolisiert. Bevor der Mensch und seine Frau sündigten, bemerkten sie nicht, dass sie nackt waren. Sie waren mit dem Kleid der Gerechtigkeit angetan. Nach dem Sündenfall aber sahen sie, dass sie nackt waren, also die Gerechtigkeit verloren hatten, und schämten sich. Auch die Blätter, mit denen sie sich zu verbergen suchten, machten dies nicht mehr wett. Erst durch das Schlachten eines Tieres konnte diese Nacktheit bedeckt werden. Das Tier musste stellvertretend für die Menschen sterben, erst durch das Fließen von Blut und den Tod konnte die Sache verdeckt werden. Dies war ein erster Hinweis auf den stellvertretenden Tod des Herrn Jesus, der mehrere tausend Jahre später auf Golgatha stattgefunden hat. Sein Tod hat uns alles verschafft, was wir brauchen, um wiederum ganz und gar gerecht vor Gott zu stehen.
Doch was ist denn da auf Golgatha geschehen, damit Christus unsere Gerechtigkeit werden konnte? Auf Golgatha hat der Herr Jesus all unsere Schuld bezahlt. Das heißt: Er hat alle Schuld, die wir in unserem ganzen Leben jemals auf uns laden können, genommen und hat an unserer Stelle die Strafe dafür bezahlt. Der ganze Zorn Gottes über all unsere Schuld und Sünde wurde dort am Kreuz auf Ihm entladen. Es ist alles bezahlt, der Schuldschein zerrissen, die Sünde in ihrer Macht besiegt. Und noch mehr ist da geschehen: Wir haben nicht nur die negative Schuld dort verlieren dürfen, sondern vielmehr haben wir die ganze positive Gerechtigkeit des Herrn Jesus auf uns übertragen bekommen. Wir stehen in Gottes Augen gerecht da wie der Herr Jesus Selbst. Gibt es etwas Größeres? Aller Fluch, alle Schmerzen, alle Krankheit, alle Scham, aller Spott ist am Kreuz auf den Herrn Jesus übertragen worden, damit wir in der Umkehrung dieser Dinge leben dürfen: Im Segen, im Wohlergehen, in der Ehre vor Gott. Ja, ER ist uns zur Gerechtigkeit geworden! ER ist unsere ganze Gerechtigkeit! Heute und in alle Ewigkeit! Hallelu-Jah!

Christus unsere Weisheit

Christus, unsere Weisheit
Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung (1. Korinther 1, 30)
Im Kontext unseres Verses geht es um den Gegensatz von menschlicher und göttlicher Weisheit. Menschliche Weisheit ist auf das beschränkt, was der Mensch vor Augen sieht, was er messen und erfassen kann. Göttliche Weisheit steht darüber und sieht den gesamten Zusammenhang. Die menschliche Weisheit sieht einzelne Gesetze im Chaos dieses Weltenlaufs, die göttliche Weisheit sieht das wunderbare Zusammenspiel von allem gemäß dem Plan und Vorsatz Gottes. Die Weisheit der Welt kann durch ihre Beschränktheit nur die Sinnlosigkeit feststellen, während Gottes Weisheit in allem den Sinn sieht. Der Schlüssel zu dieser göttlichen Weisheit ist der Herr Jesus Christus, von dem wir hier lesen, dass Er uns zur Weisheit gemacht worden ist.
Zunächst ist uns der Herr Jesus zur Weisheit gemacht worden, indem Er zur Erfüllung all der Verheißungen des Alten Bundes geworden ist. Alles ist in Ihm und durch Ihn erfüllt. Er ist der Same der Frau, welcher der Schlange den Kopf zertrat. Er ist die Arche, welche die Menschen vor dem Zorngericht der Sündflut rettet. Er ist das Lamm, welches stellvertretend für Abrams Sohn Isaak geopfert wurde. Er ist der Prophet wie Mose, dem Israel gehorchen und nachfolgen soll. Er ist der Richter, den Daniel wie einen Menschensohn vom Himmel her kommen sah. Er ist der leidende Gottesknecht, der alle Sünde, Krankheit und Schmerzen trug. Er ist der Hohepriester, der sich ein für alle Mal als Opfer darbrachte. In Ihm machen alle Verheißungen und alle Prophetien des Alten Bundes Sinn, alles wird uns zur Weisheit gemacht.
Sodann ist uns der Herr Jesus auch ganz persönlich zur Weisheit gemacht worden, indem Er uns durch den Heiligen Geist in die Gemeinschaft mit Gott hineinruft, uns führt, leitet und Erkenntnis Seiner Selbst schenkt. Weise zu sein, bedeutet ja auch, im Wissen um die Sterblichkeit und das Verderben und die ewige Verdammnis zu leben, und entsprechend zu handeln. Wenn wir wirklich weise sind, werden wir die Zeit auskaufen und dazu nutzen, Menschen zum Herrn zu führen und sie im Leben mit dem Herrn anzuweisen.
Nicht zuletzt ist uns der Herr Jesus auch durch die Bibel, Gottes Wort an uns, zur Weisheit geworden. Sie dient zu unserer Orientierung im Leben, zum Unterscheiden von Richtig und Falsch, Gut und Böse und zum Beurteilen von allem, was uns begegnet und geschieht. Auch dient sie uns zur Beurteilung all dessen, was andere Menschen behaupten. Alles muss an ihr geprüft werden. So ist uns der Herr Jesus zur vollständigen Offenbarung von Gott dem Vater geworden. In Ihm sehen und erkennen wir Gott, Gottes Weisheit ist durch Ihn zu uns gekommen. Gottes vollkommene Wahrheit können wir in Ihm sehen, erkennen und in der Erkenntnis wachsen bis in alle Unendlichkeit hinein. Wie groß und wunderbar ist uns unser geliebter Herr Jesus durch all dies geworden! Er ist zu unserer Weisheit gemacht worden! Hallelu-Jah!

Was ist Auslegungspredigt?

Im ersten und gleichnamigen Kapitel des Buches “Rediscovering Expository Preaching” (von John MacArthur herausgegeben) geht Richard L. Mayhue darauf ein, was Auslegungspredigt ist:
“Diskussionen über das Predigen teilen dieses in drei Arten auf: Themenpredigt, Textpredigt und Auslegungspredigt. Themenpredigten nehmen üblicherweise verschiedene Verse, die lose irgendwie mit einem Thema zusammenhängen. Textpredigten nehmen einen kurzen Text oder eine Passage, die dann allgemein als Eingang in das Thema dient, über welches der Prediger zu sprechen ausgesucht hat. Weder Themen- noch Textpredigt ist eine Methode, die aufzeigt, dass der Prediger sich die Mühe gemacht hat, Gottes Wahrheit, die im Kontext der Schrift steht, auszulegen, zu verstehen, zu erklären oder anzuwenden. 
Im Gegensatz dazu fokussiert sich die Auslegungspredigt in erster Linie auf den Text unter Beachtung des Kontextes. Die Auslegung konzentriert sich im Normalfall auf einen einzelnen Text der Schrift, ist aber manchmal auch für eine thematische / theologische Botschaft oder einen geschichtlichen / biographischen Diskurs möglich, auslegend zu sein. Eine Auslegung kann jede Länge der Passage betreffen.
Ein Weg, um klarzustellen, was Auslegungspredigt ist, besteht darin, zu identifizieren, was sie nicht ist:
1. Es ist kein Kommentar, der von Wort zu Wort und von Vers zu Vers geht, ohne Einheit, Aufriss und durchgehende Richtung.
2. Es ist kein Wandern von Kommentaren und Bemerkungen über eine Passage, ohne einen Hintergrund von gründlicher Exegese und logischer Ordnung.
3. Es ist nicht eine Menge von zusammenhangslosen Vorschlägen und Folgerungen, die auf der Oberfläche der Bedeutung einer Passage basieren, aber nicht getragen werden von tiefgehendem und breitem Studium des Textes.
4. Es ist nicht reine Exegese, egal wie wissenschaftlich sie durchgeführt wurde, solange sie kein Leitmotiv, keine These, keinen Aufriss und keine Entwicklung hat.
5. Es ist kein struktureller Aufriss einer Passage mit ein paar unterstützenden Kommentaren aber ohne rhetorische und predigtähnliche Elemente.
6. Es ist keine themenbezogene Predigt, die auseinandergerissene Teile einer Passage gebraucht, aber die Diskussion anderer gleich wichtiger Teile unterlässt.
7. Es ist keine zerhackte Sammlung von grammatikalischen Funden und Zitaten von Kommentaren, ohne eine Verbindung dieser Elemente in eine ausgeglichene, fließende, interessante und überzeugende Botschaft.
8. Es ist keine Sonntagsschul-Lektions-ähnliche Diskussion, die einen Aufriss der Inhalte hat, in sich aber formlos und inbrünstig ist, aber keine Struktur einer Predigt hat und keinerlei rhetorische Inhalte aufweist.
9. Es ist keine Bibel-Lesung, die eine Anzahl von verstreuten Passagen verknüpft, die ein bestimmtes Thema behandeln, aber es verpasst, jene in gründlicher, grammatikalischer und den Kontext mit betrachtenden Art und Weise zu behandeln.
10. Es ist nicht die übliche andachtsmäßige Gebetstreffsrede, die sich aus durchlaufenden Kommentaren, wandernden Anmerkungen, unverknüpften Vorschlägen und persönlichen Reaktionen zu einer halbwegs inspirierenden Diskussion zusammensetzt, aber den Nutzen der grundlegenden exegetischen und den Kontext betreffenden Studie und überzeugenden Elementen vermissen lässt.
[…]
Zusammenfassend zeigen die folgenden minimalen Elemente auf, was Auslegungspredigt ist:
1. Die Botschaft hat ihre einzige Quelle in der Schrift.
2. Die Botschaft ist durch gewissenhafte Exegese aus der Schrift extrahiert.
3. Die Vorbereitung der Botschaft legt die Schrift korrekt aus in ihrem normalen Sinn und ihrem Kontext.
4. Die Botschaft erklärt deutlich die originale, von Gott vorgesehene Bedeutung der Schrift.
5. Die Botschaft wendet diese der Schrift entsprechende Bedeutung auf unsere heutige Zeit an.”
Mayhue, Richard L., Rediscovering Expository Preaching, in: MacArthur, John, Rediscovering Expository Preaching, Word Inc., 1992, S. 9f und 12f; Übersetzt von mir.
Viel mehr kann man dazu nicht sagen, einzig noch: Preach the Word!