Buchtipp: Die sieben Wunder des Kreuzes

Van de Kamp, Wilkin, Die sieben Wunder des Kreuzes, Glaubenszentrum e. V., Bad Gandersheim, 2. Aufl. 2014, Amazon-Link

Auf www.jesus.de ist meine Rezension zu “Die sieben Wunder des Kreuzes” erschienen: https://www.jesus.de/wilkin-van-de-kamp-die-sieben-wunder-des-kreuzes/

Zusammenfassung:

Wilkin van de Kamp beschäftigt sich in diesem Buch mit den letzten 18 Stunden vor dem Tod Jesu und beleuchtet jedes Ereignis dieser Zeit sehr anschaulich und praktisch. Jedes Kapitel endet mit einem Gebet, um das Gelesene zu verinnerlichen.

Fazit:

Ich finde das Buch sehr gut, leicht verständlich und mit viel Tiefgang geschrieben. Allen Lesern, welche sich noch mehr mit Jesus und Seinem stellvertretenden Leiden und Sterben am Kreuz beschäftigen möchten, sei es sehr empfohlen. Ich gebe dem Buch fünf von fünf Punkten.

Predigt hören mit Gewinn

Als Prediger sehe ich häufig die eine Seite, nämlich wie die Predigt vorbereitet wird und wie sie rübergebracht wird. Manchmal ist es dann nicht ganz einfach, ein guter Predigthörer zu sein. Ich kenne den täglichen oder wöchentlichen Kampf mit dem Text, der als nächstes gepredigt werden soll, nur zu gut; und die Gefahr besteht dann, dass man bei anderen Predigern vor allem da sitzt und ihre Predigt „bewertet“ („was hätte ich anders gemacht?“, etc.) Ich weiß aber, dass es für jeden Predigthörer eine Herausforderung ist, die sonntägliche Predigt so zu hören, dass sie tatsächlich im Kopf, im Herzen und in den Händen landet. Deshalb ein paar Überlegungen, wie wir das möglichst gut machen können.
1. Zu Hause lassen, was zu Hause bleiben soll
Eine häufige Ablenkung besteht in den Gedanken, die uns an alles Mögliche erinnern, was noch zu tun ist. Der Aufbruch in die Gemeinde wird zu einem hektischen Erlebnis, wenn Kinder dabei sind, die zur bestimmten Zeit bereit sein müssen. Trotzdem tun wir gut daran, eine Strategie zu entwickeln, wie wir möglichst das zu Hause lassen können, was zu Hause bleiben soll. Hier muss jeder den Weg finden, der am besten passt. Das ist ein Punkt, an dem ich auch immer am Üben bin.
2. Für ein offenes Herz und offene Ohren beten
Die Predigt ist Gottes Wort an die Gemeinde. Der Prediger ist Gottes Prophet, der Gottes Wort auslegt und an Gottes Volk weitergibt. Wir können keine zu hohe Sicht von der Bibel und keine zu hohe Sicht von der Predigt haben. Einen Teil des Gewinns, den wir von der Predigt haben, hängt damit zusammen, wie wir die Predigt empfangen. Deshalb tut es uns gut, wenn wir Gott bitten, unser Herz zu verändern durch diese Predigt. Auch wenn wir den Text der Predigt schon häufig gehört und gelesen haben, dürfen wir jedes Mal von Neuem etwas von Gott empfangen.
3. Die Predigt als Dialog sehen
Als ich meine ersten Predigten vorbereitet hatte, durfte ich schon sehr früh in Gemeinden als Gastprediger predigen. Ich war sehr aufgeregt; schließlich wollte ich alles richtig machen. Mein Problem war, dass ich mich dabei so an mein Predigtmanuskript klammerte, dass die Predigt über die Gemeinde „hinwegflog“. Dort habe ich den Tipp bekommen, etwas freier zu predigen. Nach und nach habe ich gelernt, dass die Predigt ein Dialog mit den Hörern ist. Ich sehe, wenn etwas unklar ist und noch besser ausgeführt werden muss, an den Gesichtern der Hörer. Oder wenn etwas Auflockerung gut tut. Heute habe ich viel mehr Freiheit, denn ich weiß, was ich sagen will. Auch als Hörer tun wir gut, die Predigt als Dialog zu sehen. Nicht in dem Sinne, dass wir die Predigt unterbrechen müssen oder etwas dazwischen rufen. Ok, das darf auch mal sein, aber worum es mir geht, ist, dass wir die Predigt aktiv aufnehmen, an den Lippen des Predigers hängen und das Gesagte gleich in uns aufzunehmen versuchen.
4. Notizen – ja oder nein?
Das ist eine gute Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Es gibt gute Gründe dafür und dagegen. Dagegen spricht, dass der unter 3. genannte Dialog durch das Notieren unterbrochen wird. Dafür spricht, dass man mehr Wissen ansammeln kann, was etwas Gutes ist. Wer genug Zeit hat, dem empfehle ich, Notizen erst beim Nachhören der Predigt von CD oder MP3 online zu machen. Dann ist die Predigt an sich nämlich ein prägendes Erlebnis der ganzen Gemeinde, das einzelne Detailwissen kommt durch das Nachhören trotzdem zustande. Wer dafür keine Zeit hat, kann sich Notizen während der Predigt machen, muss es aber nicht. Wichtig ist, dass jeder durch seine Methode sagen kann: Das ist mein Weg, der mich am besten näher zu Gott bringt. Ich persönlich habe in der Predigt keinen Notizblock, sondern schlage die Bibel mit auf, und wenn mir etwas wirklich ganz wichtig wird, dann schreibe ich in die Bibel an den Rand ein oder zwei kurze Stichworte.
5. Den „roten Faden“ oder „Skopus“ finden
In der Predigtlehre spricht man vom „Skopus“ einer Predigt. Der Skopus ist im Prinzip eine Minimalfassung der ganzen Botschaft der Predigt in einem kurzen Satz. Manche Prediger wiederholen diesen Skopus mehrmals in der Predigt, andere haben leider gar keinen solchen bewusst ausgearbeitet. Aber die Frage sollte immer sein: Was ist der „rote Faden“ der ganzen Predigt? Wie kann man diesen in wenigen Worten zusammenfassen? Leider muss man auch da sagen, dass manche Predigten gar keinen solchen haben. Dann muss man diesen Punkt überspringen und beim nächsten Punkt weitermachen.
6. Nach der praktischen Umsetzung der Predigt suchen
Nun stellen wir die Frage, wohin Gott mit dieser Predigt abzielt. Was soll an uns anders werden? Worin sollen wir wachsen? Was können wir davon ganz praktisch und möglichst sofort umsetzen? Auch hier gibt es ganz unterschiedliche Predigten; vermutlich ist das ein Punkt, an dem die meisten Prediger zu kämpfen haben, vom Wissen zum Tun zu kommen. Mir geht es jedenfalls häufig so. Auch die ganz „trockenen“ Predigten – so schade es ist, dass es sie gibt – beinhalten zumindest in den Bibeltexten Hinweise zur praktischen Umsetzung. Wenn der Prediger daran nicht genügend gearbeitet und mit dem Text gerungen hat, muss es der Predigthörer leider selbst tun.
7. Weiter über die Predigt nachdenken und beten
Die Predigt ist mit dem „Amen“ nicht zu Ende. Im Gegenteil: Das Wichtigste hat gerade eben erst begonnen. Sie will uns in die neue Woche hinein begleiten. Unser Auftrag ist es, auch gerade jetzt nach Gelegenheiten Ausschau zu halten, um die Predigt umsetzen zu können. Betend reflektieren wir das Gehörte, vielleicht auch gemeinsam in der Familie, im Hauskreis, und so weiter, und lassen Gottes Wort auf diese Weise reichlich unter uns wohnen, uns verändern und unser tägliches Tun und Reden beeinflussen.

Auslegungspredigt ist… eine Herzenshaltung!

Ich habe zur Auslegungspredigt bisher eine Minimaldefinitionund eine “negative Definition” gegeben. Heute möchte ich einen weiteren Gedanken dazu äußern, was ich unter der Auslegungspredigt verstehe. Auslegungspredigt ist zunächst nicht so sehr eine Methode der Predigtvorbereitung, sondern eine Herzenshaltung, WIE ich an die Predigtvorbereitung herangehe.
Ganz einfach gesagt, geht es um den Unterschied, was ich von der vorzubereitenden Predigt im Kopf habe, bevor ich mit der Vorbereitung des Predigttextes anfange. Wenn ich in diesem Moment schon eine Vorstellung davon habe, was ich der Gemeinde sagen möchte, dann bin ich unfähig zur Auslegungspredigt geworden. Es geht also nicht nur darum, Sprungbrett-Predigten zu vermeiden, sondern auch darum, bei der Vorbereitung vom Text auszugehen und nicht von meinen Gedanken, die ich davor habe.
Anders gesagt: Auslegungspredigt stellt den Bibeltext an den Anfang, in den Mittelpunkt und an das Ende der Predigtvorbereitung. Der Bibeltext bestimmt, was ich am Ende in der Predigt sagen werde. Sobald ich nämlich schon meine eigenen Gedanken und Themen an den Bibeltext herantrage, bin ich voller Vorurteile, was der Text sagen soll. Und genau das gilt es zu vermeiden. Ein zweiter Grund ist damit verknüpft: Jeder von uns hat so seine bestimmten Themen und Gebiete, wo er sich zu Hause fühlt. Vorurteilsloses Herangehen an den Bibeltext führt dazu, dass wir über diesen Tellerrand hinausschauen müssen. Es bereichert auch unser eigenes Leben enorm. Drittens ist es so, dass ich andere nur mit dem zum Brennen bringen kann, wovon ich selbst schon brenne. Diese Herangehensweise führt dazu, dass man sich ganz intensiv mit dem Bibeltext beschäftigen muss, und diese Reibung am Bibeltext bewirkt, dass man immer wieder von Neuem von Gottes Wort in Brand gesetzt wird.
Des Weiteren ist es die Herzenshaltung, die Gott zeigt, dass wir Seinem Wort vertrauen. Es geht dabei nicht so sehr um unser Können und Wissen, Tun und Lassen (obgleich wir innerhalb des Bibeltextes natürlich unser Bestes geben), sondern es ist die Wirkung, die Gottes Wort zuerst an uns als Predigern und danach am Hörer hat. Deshalb ist es auch die einzige Herangehensweise, welche sicherstellen kann, dass wir Gottes Wort und nicht unsere eigenen Gedanken verkünden. Wenn jemand predigt, so ist es Gott, der durch den Prediger zum Hörer reden will. Durch die Auslegungspredigt stellen wir sicher, dass unsere Predigt tatsächlich dem Wort Gottes entspricht, das Er heute durch die Predigt an die Hörer richten will. Gottes Wort kommt niemals leer zurück, das hat Gott uns ganz fest versprochen. Und dafür bin ich immer wieder sehr dankbar.

Was ist Auslegungspredigt nicht?

1. Es ist kein laufender Kommentar, der zu jedem Vers oder Wort ein paar verstreute Fundstücke enthält.
2. Es ist keine Rede, die mit einem Bibelvers beginnt, und dann wahllos andere Bibelverse aufzählt, in denen es möglicherweise um etwas Ähnliches geht.
3. Es ist keine Predigt, für die zu einem Thema ein Vers oder Abschnitt herausgesucht wurde, worauf eine Themenpredigt aufgebaut wird.
4. Es ist keine Rede über einen Predigttext, der herausgesucht wurde, damit der Prediger seine Gedanken dazu äußern kann.
5. Es ist keine Ansammlung von grammatikalischen Funden und Wortstudien, die zu einem Vers oder Abschnitt der Bibel gemacht wurde.
6. Es ist nicht das Ergebnis einer einfachen Suche nach dem Inhalt, was ein Bibeltext uns heute zu sagen hätte.
7. Es ist keine Geschichtsstunde zu den Ereignissen, die im vorangesetzten Bibeltext geschehen sind.
8. Es ist keine interessante oder inspirierende Andacht zu einem gerade aktuellen Thema, die zwar mit einem Bibelvers beginnt, diesen aber nur als Sprungbrett nutzt.
9. Es ist keine Wahlkampfrede für eine Partei oder politische Richtung oder sonstwie eine politische Rede, die sich nicht ganz direkt aus dem Text ergibt.
10. Es ist keine psychologische Selbsthilfestunde, die dem Zuhörer ein möglichst gutes Gefühl geben soll und ihm hilft, sich selbst noch mehr zu vergöttern.

Auslegungspredigt – eine Minimaldefinition

Ich bin ein großer Freund der uralten und jederzeit aktuellen Tradition der auslegenden Predigt. Da ich gerne und viel lese, was andere Prediger darüber schreiben, will ich versuchen, das Thema in einer Blogserie anzugehen. Es wird eine unregelmäßig fortgeführte, lose Serie werden, in der ich versuche, irgendwann alle wichtigen Aspekte zu besprechen. Heute möchte ich eine Minimaldefinition davon geben, damit danach jederzeit klar ist, wovon überhaupt die Rede ist.
Eine Auslegungspredigt ist eine Predigt, die einen Bibeltext auslegt, das heißt, der Prediger führt eine exakte Exegese des Bibeltextes aus, in welcher der Kontext, die Gattung, die Theologie, die einzelnen Worte, der Aufbau und die Grammatik abgedeckt wird, und baut seine Predigt entlang des Bibeltextes auf. Die Botschaft des Bibeltexts wird zur Botschaft der Predigt. Die Predigt erklärt, was der Autor sagen wollte, wie der Hörer es verstanden hatte, was er bewirken wollte und führt die Predigt in die Anwendung über, in welcher er überzeugend erklärt, was Gott als Autor des Textes heute von uns möchte.
Das ist wie gesagt (m)eine Minimaldefinition, das heißt, sie ist längst nicht umfassend. Aber ich meine, dass damit die wichtigsten Aspekte genannt wurden. Auslegende Predigten sind das Nahrungsmittel von Gottes Volk. Sie sind notwendig, damit die Gläubigen nicht verhungern. Da aber viele Missverständnisse darüber bestehen, ist es in jeder Generation wichtig, wieder neu darüber zu schreiben, sprechen und lesen.
Wenn es Fragen dazu gibt, bitte jederzeit einen Kommentar hinterlassen. Ich werde alle Fragen ernst nehmen und versuchen, irgendwann darauf einzugehen. Hast Du Anmerkungen zu meiner Minimaldefinition?

Christus unsere Gerechtigkeit

Christus, unsere Gerechtigkeit
Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung (1. Korinther 1, 30)
Nachdem wir gesehen haben, dass der Herr Jesus zu unserer Weisheit gemacht worden ist, steht hier aber auch, dass Er uns auch zur Gerechtigkeit gemacht worden ist. Gerechtigkeit ist der Zustand des Menschen, in welchem er vor Gott bestehen kann. Gerechtigkeit wird in der Bibel oft als weißes Kleid symbolisiert. Bevor der Mensch und seine Frau sündigten, bemerkten sie nicht, dass sie nackt waren. Sie waren mit dem Kleid der Gerechtigkeit angetan. Nach dem Sündenfall aber sahen sie, dass sie nackt waren, also die Gerechtigkeit verloren hatten, und schämten sich. Auch die Blätter, mit denen sie sich zu verbergen suchten, machten dies nicht mehr wett. Erst durch das Schlachten eines Tieres konnte diese Nacktheit bedeckt werden. Das Tier musste stellvertretend für die Menschen sterben, erst durch das Fließen von Blut und den Tod konnte die Sache verdeckt werden. Dies war ein erster Hinweis auf den stellvertretenden Tod des Herrn Jesus, der mehrere tausend Jahre später auf Golgatha stattgefunden hat. Sein Tod hat uns alles verschafft, was wir brauchen, um wiederum ganz und gar gerecht vor Gott zu stehen.
Doch was ist denn da auf Golgatha geschehen, damit Christus unsere Gerechtigkeit werden konnte? Auf Golgatha hat der Herr Jesus all unsere Schuld bezahlt. Das heißt: Er hat alle Schuld, die wir in unserem ganzen Leben jemals auf uns laden können, genommen und hat an unserer Stelle die Strafe dafür bezahlt. Der ganze Zorn Gottes über all unsere Schuld und Sünde wurde dort am Kreuz auf Ihm entladen. Es ist alles bezahlt, der Schuldschein zerrissen, die Sünde in ihrer Macht besiegt. Und noch mehr ist da geschehen: Wir haben nicht nur die negative Schuld dort verlieren dürfen, sondern vielmehr haben wir die ganze positive Gerechtigkeit des Herrn Jesus auf uns übertragen bekommen. Wir stehen in Gottes Augen gerecht da wie der Herr Jesus Selbst. Gibt es etwas Größeres? Aller Fluch, alle Schmerzen, alle Krankheit, alle Scham, aller Spott ist am Kreuz auf den Herrn Jesus übertragen worden, damit wir in der Umkehrung dieser Dinge leben dürfen: Im Segen, im Wohlergehen, in der Ehre vor Gott. Ja, ER ist uns zur Gerechtigkeit geworden! ER ist unsere ganze Gerechtigkeit! Heute und in alle Ewigkeit! Hallelu-Jah!

Christus unsere Weisheit

Christus, unsere Weisheit
Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung (1. Korinther 1, 30)
Im Kontext unseres Verses geht es um den Gegensatz von menschlicher und göttlicher Weisheit. Menschliche Weisheit ist auf das beschränkt, was der Mensch vor Augen sieht, was er messen und erfassen kann. Göttliche Weisheit steht darüber und sieht den gesamten Zusammenhang. Die menschliche Weisheit sieht einzelne Gesetze im Chaos dieses Weltenlaufs, die göttliche Weisheit sieht das wunderbare Zusammenspiel von allem gemäß dem Plan und Vorsatz Gottes. Die Weisheit der Welt kann durch ihre Beschränktheit nur die Sinnlosigkeit feststellen, während Gottes Weisheit in allem den Sinn sieht. Der Schlüssel zu dieser göttlichen Weisheit ist der Herr Jesus Christus, von dem wir hier lesen, dass Er uns zur Weisheit gemacht worden ist.
Zunächst ist uns der Herr Jesus zur Weisheit gemacht worden, indem Er zur Erfüllung all der Verheißungen des Alten Bundes geworden ist. Alles ist in Ihm und durch Ihn erfüllt. Er ist der Same der Frau, welcher der Schlange den Kopf zertrat. Er ist die Arche, welche die Menschen vor dem Zorngericht der Sündflut rettet. Er ist das Lamm, welches stellvertretend für Abrams Sohn Isaak geopfert wurde. Er ist der Prophet wie Mose, dem Israel gehorchen und nachfolgen soll. Er ist der Richter, den Daniel wie einen Menschensohn vom Himmel her kommen sah. Er ist der leidende Gottesknecht, der alle Sünde, Krankheit und Schmerzen trug. Er ist der Hohepriester, der sich ein für alle Mal als Opfer darbrachte. In Ihm machen alle Verheißungen und alle Prophetien des Alten Bundes Sinn, alles wird uns zur Weisheit gemacht.
Sodann ist uns der Herr Jesus auch ganz persönlich zur Weisheit gemacht worden, indem Er uns durch den Heiligen Geist in die Gemeinschaft mit Gott hineinruft, uns führt, leitet und Erkenntnis Seiner Selbst schenkt. Weise zu sein, bedeutet ja auch, im Wissen um die Sterblichkeit und das Verderben und die ewige Verdammnis zu leben, und entsprechend zu handeln. Wenn wir wirklich weise sind, werden wir die Zeit auskaufen und dazu nutzen, Menschen zum Herrn zu führen und sie im Leben mit dem Herrn anzuweisen.
Nicht zuletzt ist uns der Herr Jesus auch durch die Bibel, Gottes Wort an uns, zur Weisheit geworden. Sie dient zu unserer Orientierung im Leben, zum Unterscheiden von Richtig und Falsch, Gut und Böse und zum Beurteilen von allem, was uns begegnet und geschieht. Auch dient sie uns zur Beurteilung all dessen, was andere Menschen behaupten. Alles muss an ihr geprüft werden. So ist uns der Herr Jesus zur vollständigen Offenbarung von Gott dem Vater geworden. In Ihm sehen und erkennen wir Gott, Gottes Weisheit ist durch Ihn zu uns gekommen. Gottes vollkommene Wahrheit können wir in Ihm sehen, erkennen und in der Erkenntnis wachsen bis in alle Unendlichkeit hinein. Wie groß und wunderbar ist uns unser geliebter Herr Jesus durch all dies geworden! Er ist zu unserer Weisheit gemacht worden! Hallelu-Jah!

Was ist Auslegungspredigt?

Im ersten und gleichnamigen Kapitel des Buches “Rediscovering Expository Preaching” (von John MacArthur herausgegeben) geht Richard L. Mayhue darauf ein, was Auslegungspredigt ist:
“Diskussionen über das Predigen teilen dieses in drei Arten auf: Themenpredigt, Textpredigt und Auslegungspredigt. Themenpredigten nehmen üblicherweise verschiedene Verse, die lose irgendwie mit einem Thema zusammenhängen. Textpredigten nehmen einen kurzen Text oder eine Passage, die dann allgemein als Eingang in das Thema dient, über welches der Prediger zu sprechen ausgesucht hat. Weder Themen- noch Textpredigt ist eine Methode, die aufzeigt, dass der Prediger sich die Mühe gemacht hat, Gottes Wahrheit, die im Kontext der Schrift steht, auszulegen, zu verstehen, zu erklären oder anzuwenden. 
Im Gegensatz dazu fokussiert sich die Auslegungspredigt in erster Linie auf den Text unter Beachtung des Kontextes. Die Auslegung konzentriert sich im Normalfall auf einen einzelnen Text der Schrift, ist aber manchmal auch für eine thematische / theologische Botschaft oder einen geschichtlichen / biographischen Diskurs möglich, auslegend zu sein. Eine Auslegung kann jede Länge der Passage betreffen.
Ein Weg, um klarzustellen, was Auslegungspredigt ist, besteht darin, zu identifizieren, was sie nicht ist:
1. Es ist kein Kommentar, der von Wort zu Wort und von Vers zu Vers geht, ohne Einheit, Aufriss und durchgehende Richtung.
2. Es ist kein Wandern von Kommentaren und Bemerkungen über eine Passage, ohne einen Hintergrund von gründlicher Exegese und logischer Ordnung.
3. Es ist nicht eine Menge von zusammenhangslosen Vorschlägen und Folgerungen, die auf der Oberfläche der Bedeutung einer Passage basieren, aber nicht getragen werden von tiefgehendem und breitem Studium des Textes.
4. Es ist nicht reine Exegese, egal wie wissenschaftlich sie durchgeführt wurde, solange sie kein Leitmotiv, keine These, keinen Aufriss und keine Entwicklung hat.
5. Es ist kein struktureller Aufriss einer Passage mit ein paar unterstützenden Kommentaren aber ohne rhetorische und predigtähnliche Elemente.
6. Es ist keine themenbezogene Predigt, die auseinandergerissene Teile einer Passage gebraucht, aber die Diskussion anderer gleich wichtiger Teile unterlässt.
7. Es ist keine zerhackte Sammlung von grammatikalischen Funden und Zitaten von Kommentaren, ohne eine Verbindung dieser Elemente in eine ausgeglichene, fließende, interessante und überzeugende Botschaft.
8. Es ist keine Sonntagsschul-Lektions-ähnliche Diskussion, die einen Aufriss der Inhalte hat, in sich aber formlos und inbrünstig ist, aber keine Struktur einer Predigt hat und keinerlei rhetorische Inhalte aufweist.
9. Es ist keine Bibel-Lesung, die eine Anzahl von verstreuten Passagen verknüpft, die ein bestimmtes Thema behandeln, aber es verpasst, jene in gründlicher, grammatikalischer und den Kontext mit betrachtenden Art und Weise zu behandeln.
10. Es ist nicht die übliche andachtsmäßige Gebetstreffsrede, die sich aus durchlaufenden Kommentaren, wandernden Anmerkungen, unverknüpften Vorschlägen und persönlichen Reaktionen zu einer halbwegs inspirierenden Diskussion zusammensetzt, aber den Nutzen der grundlegenden exegetischen und den Kontext betreffenden Studie und überzeugenden Elementen vermissen lässt.
[…]
Zusammenfassend zeigen die folgenden minimalen Elemente auf, was Auslegungspredigt ist:
1. Die Botschaft hat ihre einzige Quelle in der Schrift.
2. Die Botschaft ist durch gewissenhafte Exegese aus der Schrift extrahiert.
3. Die Vorbereitung der Botschaft legt die Schrift korrekt aus in ihrem normalen Sinn und ihrem Kontext.
4. Die Botschaft erklärt deutlich die originale, von Gott vorgesehene Bedeutung der Schrift.
5. Die Botschaft wendet diese der Schrift entsprechende Bedeutung auf unsere heutige Zeit an.”
Mayhue, Richard L., Rediscovering Expository Preaching, in: MacArthur, John, Rediscovering Expository Preaching, Word Inc., 1992, S. 9f und 12f; Übersetzt von mir.
Viel mehr kann man dazu nicht sagen, einzig noch: Preach the Word!

Fromm-fröhliches Solochristentum

Lasset uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken (denn er ist treu, der die Verheißung gegeben hat); und lasset uns aufeinander achten, uns gegenseitig anzuspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie etliche zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so viel mehr, als ihr den Tag herannahen seht! (Hebräer 10, 23 – 25)

Wir leben in einer Zeit, in welcher man meinen könnte, die Gemeinde sei eine überholte Institution für Ewiggestrige. Der heutige Christ kann sich seine Predigten im Internet anhören, kann ganze Gottesdienste im Fernsehen verfolgen oder im Radio anhören. Je mehr diese Tendenz zunimmt, desto mehr fragt sich der einzelne Mensch aber auch: Was kann Gott für MICH tun? Ich, Mich, Mir und Mein bestimmen unser Denken. Dabei vergessen wir viel zu schnell, dass in all den Bildern, die Jesus und die Apostel vom Christsein gebrauchen, gar nicht so sehr auf den Einzelnen bezogen sind. Nehmen wir zum Beispiel das Gleichnis Jesu vom Guten Hirten, der das hundertste Schäflein suchen geht. Da ist es normal, dass die Herde beisammen bleibt. Das einsame, fromm-fröhliche Soloschäflein ist hier ungehorsam und muss wieder zur ganzen Herde gebracht werden. Im Epheserbrief gebraucht Paulus das Bild einer geistlichen Armee, die gegen die Mächte des Bösen kämpft. Sie ist für den Kampf als gesamte Armee ausgerüstet und nicht für den Nahkampf einzelner Soldaten. Wer so ausgerüstet ist, wie Paulus dies im Epheser 6 beschreibt, wird allein keine große Chance haben, einen Kampf zu überstehen. Gott hat sich nie gedacht, dass das Solochristentum eine legitime Form des Glaubens sein kann. Ein einzelner Stein, so schön er auch zugehauen ist, und so passgenau er auch ist, er macht kein geistliches Haus aus, wie Petrus dies im zweiten Kapitel seines ersten Briefes beschreibt.

Nein, Gott hat klar festgelegt, dass jeder Gläubige eine Heimat, ein Zuhause, eine Gemeinde braucht. Wer dies nicht einsehen will, beweist damit nur, dass er Gottes Plan noch nicht verstanden hat. Die Gemeinde hat eine ganz zentrale Funktion im Plan Gottes, und deshalb haben wir alle auch die Verantwortung, ein Vorbild in Bezug auf unsere Treue zu unserer Ortsgemeinde zu sein und andere damit anzureizen und zu ermahnen, ihre Gemeinde nicht zu verlassen. Ich möchte hier in aller Kürze versuchen zu umreißen, weshalb wir alle ein geistliches Zuhause brauchen, eine Ortsgemeinde, der wir uns verbindlich anschließen:

1. Die Gemeinde ist Gottes Rettungsanstalt für die Welt. Gott hat das aktive Hören der Predigt in der Gemeinde als Mittel zur Rettung eingesetzt (Römer 10, 17). Dies ist die einzige von Gott offiziell verordnete Möglichkeit, um gerettet zu werden. Die Predigt ist nur vor Ort in der Gemeinde dynamisch und kräftig und dazu geschaffen, um verlorene Sünder zu Heiligen im Herrn zu machen. Wo eine Gemeinde vorhanden ist, und diese Möglichkeit (aus welchen Gründen auch immer) nicht genutzt wird, ist absolut keine Entschuldigung für den fehlenden Glauben zu finden. Auch wenn uns, die wir vielleicht bereits zum Glauben gekommen sind, der Glaube in einer bestimmten Situation fehlt oder abhanden gekommen ist, so ist die Predigt in der Ortsgemeinde der von Gott dafür verordnete Ort.

2. Die Gemeinde ist von Gott dafür eingesetzt, damit wir in der Liebe und in der Mündigkeit wachsen. Gottes Absicht mit der Gemeinde ist es, dass dort viele verschiedene gerechtfertigte Sünder aufeinander treffen und aneinander Liebe lernen. Dies ist sehr oft mit schweren Enttäuschungen verbunden, weil wir vielleicht Dinge erleben müssen, von denen wir denken, dass wir von Gläubigen etwas Besseres erwarten dürften. Solche zu hohen Erwartungen, gepaart mit schweren Verletzungen, helfen uns, Menschen besser kennen und einschätzen zu lernen. Außerdem ist die Gemeinde auch der Ort, an welchem wir in unserer Mündigkeit wachsen dürfen. Mündigkeit bedeutet, dass wir lernen, alle Dinge aus der Sicht Gottes zu sehen und zu beurteilen.

3. Die Gemeinde ist der Ort, an welchem wir unsere Gaben und Talente einsetzen dürfen. Jede und jeder von uns hat bestimmte Gaben und Talente von Gott bekommen. Dies sind Aufgaben, die wir gut und gerne machen. Sie alle gehören zuerst der Gemeinde, sobald wir dem Herrn Jesus gehören. Die Gemeinde ist der Leib Christi, also der Körper des Herrn Jesus Christus. Und wenn wir Ihm dienen wollen, so tun wir dies in der Gemeinde. Dort sind wir Hände und Füße des Herrn Jesus, mit denen wir gemeinsam die Welt als Salz und Licht verändern. Ein Lichtfünklein und ein Salzkörnchen bleibt unbemerkt. Erst durch den gemeinsamen Dienst in der Welt wird diese aufmerksam auf die Liebe des Herrn.

Das Gericht beginnt am Haus Gottes

Geliebte, laßt euch durch die unter euch entstandene Feuerprobe nicht befremden, als widerführe euch etwas Fremdartiges; sondern in dem Maß, wie ihr Anteil habt an den Leiden des Christus, freut euch, damit ihr euch auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freuen könnt. Glückselig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens des Christus willen! Denn der Geist der Herrlichkeit, [der Geist] Gottes ruht auf euch; bei ihnen ist er verlästert, bei euch aber verherrlicht. Keiner von euch soll daher als Mörder oder Dieb oder Übeltäter leiden, oder weil er sich in fremde Dinge mischt; wenn er aber als Christ leidet, so soll er sich nicht schämen, sondern er soll Gott verherrlichen in dieser Sache! Denn die Zeit ist da, daß das Gericht beginnt beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, wie wird das Ende derer sein, die sich weigern, dem Evangelium Gottes zu glauben? Und wenn der Gerechte [nur] mit Not gerettet wird, wo wird sich der Gottlose und Sünder wiederfinden? Daher sollen auch die, welche nach dem Willen Gottes leiden, ihre Seelen ihm als dem treuen Schöpfer anvertrauen und dabei das Gute tun.

(1. Petrus 4, 12 – 19)

Es ist auffällig, mit welcher Wortwahl Petrus diesen neuen Abschnitt beginnt. Geliebte. Damit stellt er zweierlei Dinge sicher: Erstens drückt er damit aus, dass ganz speziell der folgende Abschnitt nur für eine ganz genau bestimmte Gruppe von Menschen gedacht ist. Die „Geliebten“ sind die Menschen, welche ihr Leben dem Herrn Jesus Christus ausgeliefert haben und bereit sind, sich unter das Wort Gottes zu stellen und ihm demütig zu gehorchen. Für alle anderen Menschen gilt dieser Abschnitt nicht, denn für sie kommt das Feuer später, und zwar ein ewiges Feuer. Zweitens beginnt der Apostel den Abschnitt mit „Geliebte“, damit all diejenigen, denen diese schweren, harten Worte gelten, sich noch einmal vergewissern dürfen: Ich bin geliebt, komme was wolle! Er wollte allen vor den Worten über das Gericht noch einmal klarmachen: Gott liebt jeden Einzelnen, der Ihm mit aller Entschiedenheit nachfolgt.

Die erste Feuerprobe sind Anfechtungen. In unserem Fall hier sind Anfechtungen innerhalb der Gemeinde gemeint. Die Feuerprobe ist „in euch“, das heisst so viel wie „unter euch“ gekommen, also in der Gemeinde der Geliebten Gottes. Möglicherweise durch Wölfe im Schafspelz, die ein anderes Evangelium predigen wollen, vielleicht durch Streit und Neidereien unter den Gläubigen, durch Unversöhnlichkeit oder Ähnliches. Auch die Geliebten sind nicht immer den Anfechtungen gewappnet, besonders dann, wenn sie sich unmerklich in der Lehre einschleicht. Nun wird der Glaube geprüft und auf die Probe gestellt, ob er dem Feuer standhält oder nicht. In den meisten Fällen von heute ist es so, dass zwei oder gar noch mehr Gruppen innerhalb einer Gemeinde beginnen, gegeneinander zu arbeiten. Da ist es wichtig, dies nicht als etwas „Befremdendes“ zu betrachten und die Gemeinde deshalb zu verlassen, sondern so lange es immer möglich ist, in der Gemeinde bleiben und für den Glauben zu kämpfen.

In einem solchen Fall sollen wir uns freuen. Worüber können wir uns denn in der Anfechtung freuen? Hier ist es wichtig, dass wir den Vers im Lichte der gesamten Bibel lesen. Wir werden hier nicht aufgefordert, uns über das Leid und die Anfechtung zu freuen und dafür zu danken! Im Gegenteil! Das Leid kommt von Satan, der uns versuchen und uns zur Verzweiflung bringen will. Wenn wir uns an der Versuchung freuen müssten, so dürften wir nichts dagegen tun, dürften unsere Waffenrüstung (Epheser 6) nicht gebrauchen, dürften bei Krankheit kein Medikament einnehmen, etc. Das widerspräche aber total der Aussage der Bibel. Im Gegenteil, wir sollen gegen das Leid ankämpfen, aber genauso sollen wir uns im Leid und in der Anfechtung drin freuen. Petrus zählt hier zwei Gründe auf, weshalb wir uns freuen sollten: Erstens über das Maß des Anteiles am Leiden Christi. Konkret gesagt: wir sollen uns überlegen, was Christus für uns getan hat! Dass Er an unserer Stelle die Strafe für all unsere Sünde auf sich genommen hat! Dass all unser Leid durch Sein Leiden einstmals ein Ende haben wird! Über alles, was Christus für uns getan hat, sollen wir uns freuen. Zweitens sollen wir uns auf unsere ewige Zukunft freuen, wenn Seine Herrlichkeit offenbart wird und wir für ewig mit Ihm zusammen leben dürfen!

Als Christen sind wir immer wieder dem Spott der Ungläubigen ausgesetzt. Viele der Verlorenen haben wohl nichts Besseres zu tun, als uns mit Spottnamen zu verhöhnen und mit gotteslästerlichen Bemerkungen zu kränken. Manche lieben es auch, kritische Fragen zu stellen, um unseren Glauben in seinen Grundfesten zu erschüttern. Für diejenigen, die verloren gehen, ist das Wort vom Kreuz eine Torheit, eine Dummheit sondergleichen. Sie meinen, dass Gott ein schwacher, menschlicher Gott sei und ebenfalls den Naturgesetzen unterworfen. Gleichzeitig versuchen sie, das Naturgesetz ihres Gewissens, das sie andauernd verklagt, auszuschalten. Sie tun alles, um die Stimme Gottes zu übertönen, die ihnen zuruft: Kehrt um, solange es noch nicht zu spät ist! Wenn wir um des Namens von Jesus Christus und um unserer Erlösung durch Sein Blut willen verspottet werden, so soll uns dies froh machen. Es zeigt uns viererlei Dinge:

Erstens zeigt es uns, dass Gottes Wort nichts an Aktualität verloren hat. Es ist ein Beweis dafür, dass die Bibel uns auch in der heutigen Zeit ein guter Wegweiser ist und dass wir gut daran tun, sie genau zu betrachten. Dies gibt uns die Sicherheit, dass wir einen guten Anker haben, an welchem wir uns festhalten sollen: den Glauben an Jesus Christus und an Sein kostbares Blut. Es gibt uns zudem die Sicherheit, dass Gott nicht nur damals sprechen wollte, sondern dass dies auch heute noch immer Sein Wunsch ist.

Zweitens zeigt es uns, dass wir den richtigen Weg gewählt haben: Denjenigen durch die enge Pforte, die auf den schmalen und steinigen Weg führt. Jesus Christus ist nach wie vor der einzige Weg zum Vater, die einzige Wahrheit aller Wahrheiten und das einzige Leben, das wirklich in der Fülle ist. Doch wir müssen nicht nur den Weg finden, sondern ihm folgen bis an sein Ziel. Wenn wir an diesem Weg festhalten, so kann uns zwar der Leib getötet werden, aber die Seele ist fest in Gottes Hand und wird bewahrt bleiben für den Tag der Auferstehung.

Drittens zeigt es uns, dass Gottes Geist auf uns ruht. Jeder Mensch ohne Gottes Geist ist unfähig, den Wert des Kreuzes und des Blutes Christi zu erkennen, geschweige denn anzunehmen. Jeder Mensch ist von der Erleuchtung durch Gottes Geist der Herrlichkeit abhängig, um zu Gott zu kommen. Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes, hat durch Seinen Opfertod das Fundament gelegt für die Erlösung und mit Seiner Auferstehung die Macht des Todes besiegt. Auf der Grundlage dieses Fundamentes muss Gott, der Vater, den Menschen zu sich ziehen und durch den Heiligen Geist zu dieser Erkenntnis erleuchten. Der Heilige Geist schenkt den übernatürlichen, göttlichen Glauben, welcher zur Erlösung notwendig ist.

Viertens zeigt es uns, dass Gottes Gerechtigkeit ewig und unparteiisch ist. Jeder, der uns um des Namens des Christus willen verspottet, verlästert damit den Heiligen Geist und entfernt sich noch mehr von Gott. Jede Bekehrung ist somit ein großes Wunder, das Gottes Allmacht zeigt. Es ist einfacher, aus dem Nichts etwas Seiendes entstehen zu lassen, als ein Herz, das sich so weit von Gott entfernt hat, zum Glauben zu bringen. Nicht unser menschlicher, psychischer Glaube bewirkt die Rettung, sondern einzig der göttliche Glaube, der eine Gabe Gottes ist!

Weiter gibt es Leiden aus Ungehorsam. Diese sind selbstverschuldet. Wer eine Tat begangen hat, die selbstverschuldet ist, muss die Folgen gerechterweise selbst tragen. Wir wissen aus der Bergpredigt, dass jedes Verbrechen in den Gedanken beginnt und nicht erst in der Ausführung desselben. Somit ist jeder, der einen anderen Mitmenschen hasst, ein Mörder und jeder, der neidisch auf den Besitz seines Nächsten sieht, ist ein Dieb. So ist auch jeder Hass, jeder Neid und jedes andere schlechte Gefühl eine Übeltat und ein Verbrechen. Wer unter diesen Gefühlen leidet, leidet nicht um des Namens des Christus willen, sondern all sein Leiden ist selbstverschuldet. Es muss bekämpft und wiedergutgemacht werden. Dasselbe gilt, wenn wir uns in fremde Angelegenheiten mischen. Dadurch entsteht viel Streit und sehr oft ist der Grund für den Streit im Sich-Einmischen Dritter zu finden. So sollen wir von allem abstehen, was dem Namen Christi durch unsere Sünden und Fehler Schaden zufügt und ihn dem Spott preisgibt.

Vielmehr haben wir auch als Christen Leiden, das uns züchtigen soll. Gott ist der liebende Vater, der uns in das Land der Segnungen bringen möchte. Doch durch jeden Ungehorsam bringen wir uns um den Segen, den Gott für uns bereitgehalten hätte. So muss Gott als liebender Vater uns von Zeit zu Zeit Leitplanken an unserem Weg aufstellen, die uns vor dem Fall schützen. Er möchte auf jeden Fall, dass wir zu Ihm kommen, doch der Weg zu Ihm ist schmal und steinig, ein harter Weg, zuweilen sehr dürr und wüstenähnlich. Manches Übel in unserem Leben dient dazu, uns näher zu Ihm zu bringen. Dadurch, dass wir leiden durch Verfolgung und Verleumdung, werden wir zu Seinen Werkzeugen des Friedens und zu Zeugen Seiner Gnade geformt.

In all diesen Schwierigkeiten sollen wir das Banner unseres Herrn nicht verstecken, als ob wir uns Seiner schämen müssten. Vielmehr sollen wir dieses Banner hochheben und im Namen unseres Herrn Jesus Christus und mithilfe Seiner Kraft den Sieg erringen in unserem Leben. Jeder Tag soll der Entscheidung geweiht sein, alles Gute zu tun, das in unserer Macht steht und alles Böse, das wir erkennen, zu meiden. So soll auch heute unser Gebet sein, dass der Herr uns offene Augen, Ohren und Herzen schenkt und uns zur richtigen Zeit die richtigen Worte und Taten zeigt, mit denen wir Ihn verherrlichen können!

Die Verse 17 – 18 beschreiben den eigentlichen Grund für das Leiden, das auf jeden bekennenden Christen zukommt. In den fünf vorhergehenden Versen wird dieses Leiden beschrieben, nun gibt der Apostel Petrus den eigentlichen Grund für dieses Leiden an. Das Leiden dient dazu, um das Haus Gottes zu reinigen. In den Zeiten des Leidens wird offensichtlich, wo wirklicher, gottgewirkter Glaube zu finden ist. Da kommt zutage, wer einen psychologischen Für-wahr-halte-Glauben hat und wessen Glaube wirklich eine Gabe des Heiligen Geistes ist. Wenn Christus wiederkommt, so will Er, dass Seine Gemeinde heilig und tadellos vor Ihm sei, eine makellose Braut wird Er heimholen zu Seinem Hochzeitsmahl. So muss zuvor durch diese Bedrängnis geprüft werden, wessen Glaube wirklich standhaft ist. Dieser standhafte Glaube verlangt kein perfektes Leben, denn Perfektion wird es erst später geben, aber der Glaube verlangt eine Abkehr von jeder Sünde und eine Abscheu, einen Hass gegen jede sündhafte Handlung.

Dieses Gericht auf der Erde dient dazu, die Spreu vom Weizen zu trennen, doch es steht keinem Menschen zu, dies zu tun, sondern einzig und allein Gott ist es, der die Herzen kennt und am glaubensvollen standhaften Lebenswandel den wahren Glauben zu erkennen. Es wird später, vor dem Richterstuhl Christi noch einmal ein Gericht geben, doch da werden nur die wahrhaft Gläubigen antreten dürfen, und es wird nicht über die Menschen gerichtet, sondern über deren Taten. Da wird sich herausstellen, was ein jeder Mensch in seinem Leben als Christ vollbracht hat. Wer mit feuerfesten Materialien sein Leben gebaut hat, und wessen Lebenswerke im Feuer verbrennen werden. Alles, was wir aus Egoismus, aus Ehrgeiz oder aus Menschenfurcht tun, ist Holz, Heu, Stroh. Nur das, was wir in Ehrfurcht vor Gott und aus echter, ungeheuchelter Liebe tun, wird als Gold, Silber oder Edelsteine Bestand haben im Feuer dieses Gerichts.

Doch wenn nun der Maßstab an den Gerechtfertigten schon so streng angelegt wird, wie viel schlimmer werden dann all die Menschen dran sein, die sich nicht um die freudige Botschaft Jesu Christi geschert haben? Wie schlimm muss dann das Ende der Gottlosen sein? Das Ende derer, die uns verspottet haben? Die über Jesus Christus gelästert haben? O, liebe Brüder und Schwestern, habt Mitleid mit all den Verlorenen! Geht hin, erzählt allen von der Größe Gottes und der Größe ihrer Sünden, damit möglichst viele gerettet werden können! Die Rettung der Menschen ist Gottes Wunsch, und Er hat alles getan, was dazu notwendig und möglich ist, nun ist es an uns, ein lebendes Zeugnis für die Liebe und Gnade unseres Herrn zu sein!

In den Versen 12 – 18 hat der Apostel Petrus festgehalten, dass die Gemeinde durch eine strenge Gerichtszeit hindurchgehen muss. Alle Menschen, die sich als Gemeindeglieder zu Jesus Christus bekennen, werden durch die Prüfungen des Leidens geführt, und unter diesem Druck des Leidens wird vor Gott offenbar, wie echt ihr Glaube ist. Doch wenn schon die Gemeinde solch einem Druck und solch einem Leiden ausgesetzt wird, wie viel schlimmer werden da der Druck und das Leiden der Ungläubigen sein! Wenn christliche Märtyrer solch großen Qualen ausgesetzt werden, und dies nur, damit der Glaube geprüft wird, wie viel mal schlimmer müssen da all die Höllenqualen derer sein, die in der Last ihrer Sünden sterben! Getrennt von Gott, in der äußersten Finsternis, wo das Heulen und Zähneknirschen ist, sich in den Gluten des göttlichen Zorns befinden zu müssen!

So sollen wir alle bereit sein, das Leiden auf uns zu nehmen, das uns als Gottes Kinder zur Züchtigung dienen soll. Das Leiden als Christ ist die Leitplanke, die uns auf dem richtigen Weg hält, die uns vor dem Sturz in die Tiefen der Schluchten und Täler der Sünde schützt. Es ist wie der Strick, der Odysseus bei der Insel der Sirenen davon abhält, der tödlichen Lust der Gesänge zu folgen und sein Schiff des Lebens in den Untiefen der Begierde zu versenken! Lasst uns alles Leiden dazu dienen, uns näher zu Gott zu bringen und uns in Demut in Seine Hand zu begeben. Lasst uns alle Versuchungen des Teufels fliehen und stattdessen Gott näher kommen.

Wir sollen des Weiteren unsere Seelen Gott anvertrauen. Niemand anderes als allein Er weiß, was wir brauchen und wie viel Leid wir ertragen. Er gibt uns in jedem Leid auch die Kraft zum Ausharren. Petrus spricht hier ganz bewusst von Gott als dem treuen Schöpfer. Gott hat uns geschaffen – jeden Einzelnen von uns hat Er nach Seinem Vorsatz geschaffen. So wird der Schöpfer am allerbesten wissen, wie robust Er uns von Natur aus gemacht hat und wie viel übernatürliche, göttliche Kraft Er jedem von uns noch zusätzlich zur Verfügung stellen muss. Wir dürfen wissen, dass Er uns in jeder Situation die genügend große Stärke zum Ertragen der jeweiligen Situation geben wird. Wir dürfen diese zusätzliche Stärke dankbar annehmen und sie gebrauchen. Sie kommt meist aus der nahen Gemeinschaft mit Gott, aus dem Gebet, aus dem Bibellesen, aus dem Singen von Lobliedern, aus dem Einnehmen des Herrenmahls oder aus dem Bezeugen Gottes vor Ungläubigen.

So dürfen wir das Sorgen getrost unserem Gott überlassen und uns dem Wichtigeren zuwenden: Dem Dienst am Nächsten. Gerade weil wir wissen, dass die Ungläubigen ein solch schlimmes Ende finden werden, haben wir die Verantwortung und die Pflicht, mit unserem ganzen Leben und mit all unseren Worten Gott vor der Welt zu bezeugen. Unsere Aufgabe ist es, anderen zu dienen (sei es in der Gemeinschaft der Gläubigen oder bei Verächter des Evangeliums). Allen sind wir – da wir von Gott so viel Gnade erhalten haben – schuldig, von dieser Gnade weiterzugeben. So sollen wir allen mit unseren Stärken und Gnadengaben dienen.