Mit dem Campingbus bis Australien

Blum, Bruno, Der weiteste Weg. Mit dem Campingbus bis Australien, Delius Klasing Verlag, 2017, Amazon-Link
Bruno Blum ist mit seiner Freundin unterwegs im Campingbus. 2,5 Jahre haben sie Zeit. Ihr Ziel: Australien. Über viele spannende Erlebnisse berichtet Blum in diesem Buch, auch angereichert mit weiteren, gut recherchierten Infos. Etwa über die Entstehung der Seide und ähnliches. Immer wieder werden sie angehalten, besonders in den ehemaligen Sowjet-Staaten versuchen Polizisten ihren mageren Lohn aufzubessern, indem sie die Touristen finanziell melken. Aber auch viel Gastfreundschaft dürfen sie erleben und werden auf ihrer Reise immer wieder eingeladen, bei Einheimischen ihre Zeit zu verbringen und die verschiedenen Kulturen kennenzulernen. Schon die Motivation für das Reisen finde ich interessant: „Für mich besteht die Faszination zuallererst darin, keinen alltäglichen Verpflichtungen und gesellschaftlichen Zwängen ausgesetzt zu sein. Ungebunden und weit weg von zu Hause fühlt man sich so ungemein lebendig. Man lebt ohne Vergangenheit oder Zukunft; was zählt, ist einzig der Moment. Das Ziel liegt nicht im Ankommen, sondern im Unterwegssein, in der vorüberziehenden Landschaft mit all ihren Farben und Formen und dem Ungewissen, das hinter der nächsten Kurve wartet.“ (S. 8) Für Blum ist das Reisen zu einer „Sucht“ (ebd.) geworden. Ich würde hinzufügen: Es ist auch eine Flucht vor sich selbst; eine Flucht vor der Vergangenheit und der Zukunft, eine Flucht vor Verantwortung.
Das Buch selbst ist mit zahlreichen Bildern versehen und wirklich sehr schön geworden. Fast auf jeder Seite findet sich zumindest ein kleineres Bild, auch gibt es immer wieder doppelseitige Landschaftsaufnahmen von atemberaubender Schönheit. Geschrieben ist es sehr persönlich und spannend, aber auch recht kurz gefasst; fast könnte man sagen: Die 2,5 Jahre sind in enorm komprimierter Form zusammengestellt, aber doch insgesamt in einer stimmigen Form. Es wird nicht jedermanns Sache sein, aber wer Reiseberichte und schöne Bilder in einer hochwertigen Zusammenstellung mag, wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen.

Mord am Kabarett

Die Unterhaltungsindustrie
hat hinterrücks und über Nacht
durch Komiker und Comedy
dem Kabarett den Tod gebracht.
Nicht nur, dass die Kabarettisten
so nach und nach sind ausgestorben,
nein, auch welche sie vermissten,
sind von der Unkunst nun verdorben.
Im Kabarett war’n Philosophen,
intellektuelle, tiefe Denker,
die uns’re Welt vor dem Verdoofen
retten wollten. Doch zum Henker
ging die Kabarettiererei,
als die flachen Komödianten
ihr nicht nur legten gar ein Ei.
Vielmehr mit ihrer hirnverbrannten
Art, sich selbst für klug zu halten
und die Zuschauer für zu blöde,
zeigt, wie sie ihr Programm gestalten:
Selber denken ist doch öde!“
Hat denn einst der Kabarettist
mit Humor auf viele Weise,
die man heute schnell vergisst,
einfach denken gelehrt; und leise.
Doch laut muss nunmehr alles sein:
Schreiend bunt, durchdringend schrill.
Das Kabarett in seiner Pein
starb leis’, allein und still:
Das Messer der Medien in der Brust,
die für uns gerne denken wollen
ist uns’rer Kultur ein arger Verlust;
Erinnerung ist bald verschollen.
Jonas Erne

(10.03.2017)

Die neue Absolutheit

Das Ende der Postmoderne
Obiges Bild habe ich erstellt, um etwas zynisch auf das Ende der Postmoderne hinzuweisen. Seit einigen Jahren beschäftigt mich die Diskussion um die Postmoderne schon, und ich sehe sie in der Gesellschaft immer mehr schwinden. Zunächst ganz kurz: Was ist die Postmoderne? (Man möge mir die fehlende Ausführlichkeit verzeihen, welche es mir unmöglich macht, auf alle Aspekte einzugehen). Die Postmoderne ist eine Bewegung, die aus der Moderne heraus entstanden ist und sich zugleich gegen diese wendet. Hier die wichtigsten Kennzeichen:
Begriff
Moderne
Postmoderne
Vernunft
Letzte Autorität, führt zum Fortschritt
Es gibt keinen Fortschritt. Alles ist gleich gültig und deshalb gleichgültig.
Einheit
Suche nach der Einheit, die alles zusammenhält
Es gibt keine Einheit, nur Vielfalt, wobei alles gleichwertig ist.
Wahrheit
Suche nach der Wahrheit, die mit Hilfe der Vernunft gefunden wird
Es gibt keine Wahrheit, sondern so viele Wahrheiten wie es Kulturen gibt
Sprache
Sprache beinhaltet die Möglichkeit, die Realität adäquat wiederzugeben
Sprache wird dazu missbraucht, um sich die Welt so zu schaffen, wie es einem gefällt und andere damit zu unterdrücken
Die Postmoderne ist aufgekommen, weil die Moderne – der Versuch, die ganze Welt mit Hilfe der Vernunft zu erklären und zu verbessern – gescheitert ist. Zwei Weltkriege mit ihren Abermillionen von Toten haben gezeigt, dass das Projekt Moderne am Ende angelangt ist. Die Moderne war der Versuch, das Übernatürliche aus der Welt auszuschließen und alles im Bereich des Natürlichen zu erklären.
So hat mit der Krise der Weltkriege die Veränderung von der Moderne zur Postmoderne begonnen. Dann kam der Gedanke auf, dass die Welt bestimmt viel friedlicher würde, wenn niemand mehr Wahrheit und Autorität vertreten, sondern man mit Stuhlkreisen und runden Tischen mit viel Toleranz das Gespräch suchen und den Kompromiss finden würde. Doch dieses Denken blieb bei einer Elite von Philosophen und Pädagogen, da sich das Leben nicht im Elfenbeinturm universitärer Arroganz, sondern in der harten Realität abspielt. Spätestens Spätestens wenn jemand nach seinem Einkauf die PIN seiner Karte eingeben muss, wird auch der Postmoderne zwingend zu einem Realisten, sonst müsste er verhungern.
Doch dann kam die nächste Krise, die der Postmoderne schwer zu schaffen machte: Nicht nur hatte sie die Realität gegen sich, sondern eines Tages fielen die Zwillingstürme in New York in sich zusammen. Das war nicht nur ein Angriff auf die USA, sondern ein Angriff auf die westliche Welt, auf die Demokratie, auf die Gesellschaft, welche postmodern geworden war. Auch hier gab es ein Zusammentreffen mit der Realität: Wenn es um viele Menschenleben geht, wenn die eigene Existenz in Frage gestellt wird, dann wird es auch im Elfenbeinturm ungemütlich.
Der Neue Atheismus
Eine Bewegung, die auf diesen Angriff in den USA folgte, war der Neue Atheismus. Er war es, der mich immer mehr zum Nachdenken über die Postmoderne gebracht hat. Der Neue Atheismus ist erfrischend gesprächsfreudig und gibt immerhin eine Basis, auf welcher man sich mit ihm unterhalten kann: Im Normalfall geht er davon aus, dass die Welt um einen herum real ist und nicht nur ein gesellschaftliches Konstrukt. Man kann zwar mit einem Postmodernen wunderbar kontemplativ schweigen (habe ich mir sagen lassen), aber da ist mir das Gespräch mit einem New Atheist deutlich lieber. Leider baut der New Atheism immer mehr auf Aggressivität und Polemik statt auf Argumente, was aber auch damit zusammenhängt, dass häufig Zweiteres mangelhaft ausgebildet ist.
Immer mehr macht sich auch ein neuer Realismus breit. Ron Kubsch hat auf TheoBlog ein paar wichtige Veröffentlichungen dazu besprochen. Vielen Dank für den wichtigen Beitrag, Ron! Der Realismus besagt (wieder sehr stark vereinfacht), dass die Welt um uns herum real ist und wir sie korrekt (nicht vollständig, aber doch adäquat) erfassen und wiedergeben können. Die Frage, ob zuerst die Realität oder zuerst unsere Vorstellung von der Realität da ist, die ist so alt wie die Philosophie selbst und tauchte häufig unter ganz unterschiedlichen Namen und Fragestellungen auf.
Die Gemeinde und der Tod der Postmoderne
Zum Abschluss ein paar Gedanken zur Zukunft der Gemeinde im Zeitalter dieses neuen Realismus. Ich glaube es ist wichtig, dass wir jetzt beginnen, darüber nachzudenken. In vielen postmodernen Gemeinden werden die Glieder mit oberflächlichen, emotionalen Geschichtlein abgespeist. Um geistlich nicht zu verhungern, suchen sie zu tausenden ihre Nahrung im Internet, wo sich nebst einigem Nahrhaftem auch viel Unkraut aufhält. Für den Postmodernen war es weniger wichtig, ob sich eine biblische Geschichte tatsächlich so abgespielt hat. Auf diese Weise hat sich eine ganze Menge an frommer Bibelkritik in ehemals bibeltreue Gemeinden geschlichen. Wenn wir die Herausforderung des Neuen Realismus annehmen, wird eine neue Zuwendung zur absoluten Wahrhaftigkeit und zur Irrtumslosigkeit der Bibel nötig sein. Anderenfalls wird sich die postmoderne Gemeinde in Irrelevanz verflüchtigen.
Weiter wird eine vertiefte Auseinandersetzung mit den tiefgründigen biblischen Lehren nötig sein. Der christliche Realist will die ganze Wahrheit in ihrer Breite und Tiefe kennen. Hier wird ein neuer Schwerpunkt in Systematischer Theologie und Apologetik gebraucht. Das führt aber auch zu neuen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Denominationen. Deshalb wird hier eine neue konstruktive Streitkultur gebraucht. Was ein Martin Luther in seinen Disputationen gemacht hat, wird es auch heute wieder ganz neu brauchen. Von diesem großen Gottesmann (er war keineswegs perfekt, sondern mit ganz vielen Ecken und Kanten und auch manchen Irrtümern) können wir viel lernen.
Drittens muss der christliche Glaube einen Schwerpunkt auf seine Ganzheitlichkeit legen. Wer sein Leben mit dem Herrn Jesus lebt, dem gehört kein einziger Teil seines Lebens mehr ihm selbst, sondern alles gehört Jesus. Jesus ist der König, der Herrscher, Richter und Erlöser aller Bereiche des Lebens. Das führt auch zu einem neuen Schwerpunkt auf der persönlichen Heiligung. Ein Leben ganz zur Ehre Gottes. Ein Leben, das in aller Gleichgültigkeit einen Unterschied macht. Ein Leben, das die Gesellschaft herausfordert. Ein Leben, dessen Denken, Fühlen, Wollen, Reden, Tun unter Gottes Wort gestellt wird. Tag für Tag neu. Das ist eine Herausforderung, die mich begeistert. Dich auch?

Die schwierige Lehre von Gottes Liebe – Donald A. Carson

Zu Beginn des neuen Lesejahres bin ich auf ein kleines Buch von Donald A. Carson gestoßen. Es heißt „The difficult Doctrine of the love ofGod“. Freundlicherweise bietet Carson manche seiner Bücher zum kostenlosen Download als PDF an. So konnte ich das Buch digital lesen. Wer dieses und noch mehr Bücher von Carson als PDFs lesen möchte, findet hier (Link) die komplette Auswahl dieser PDF-Bücher.

Carson ist Professor für Neues Testament an der Trinity Evangelical Divinity School und auch ein ausgezeichneter Kulturkenner. So verwundert es nicht, dass sein Buch mit einem Überblick über verschiedene evangelikale Missverständnisse von der Liebe Gottes beginnt.

Ich habe das Buch vor allem deshalb mit viel Interesse gelesen, weil mir das häretische Liebesgewäsch zahlreicher Vorzeige-Evangelikaler seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Als Erstes muss Carson natürlich erklären, warum er der Meinung ist, dass die Lehre von der Liebe Gottes kompliziert ist. Dies ist laut Carson kein innerbiblisches Problem, sondern in erster Linie ein kulturelles Problem unserer Zeit. Unsere Kultur hat ein kaputtes Verständnis von der Liebe, und das mach die Rede von Gottes Liebe kompliziert. In seinen Worten: The result, of course, is that the love of God in our culture has been purged of anything the culture finds uncomfortable. The love of God has been sanitized, democratized, and above all sentimentalized.“(S. 11)

Ab S. 16 stellt Carson fünf verschiedene Arten vor, wie die Bibel implizit und explizit von der Liebe Gottes spricht. Ich fasse diese in meinen Worten zusammen:

1. Die Liebe Gottes innerhalb der göttlichen Dreieinigkeit. Gott Vater liebt Gott Sohn und Gott Sohn liebt Gott Vater. Beider Liebe ist gleichermaßen perfekt aber in sich selbst unterschiedlich. (Im zweiten Kapitel wird das im Detail ausgearbeitet)..

2. Die Liebe Gottes zu allem, was Er gemacht hat. Carson nennt das die Liebe in der Vorsehung (providential love). Alles, was Gott gemacht hat, war gut, und deshalb das Produkt eines liebenden Schöpfers.

3. Gottes rettende Liebe gegenüber einer gefallenen Welt. Gott hat Seinen Sohn gesandt, um die ganze gefallene Welt auf den Kopf zu stellen. Deshalb hat Jesus Christus auch die Gemeinde gesandt, um allen Menschen das Evangelium zu verkünden.

4. Gottes ganz spezielle effektive Liebe gegenüber den Gläubigen. Zuerst war das Volk Israel Gottes auserwähltes Volk. Von dort wurden auch einzelne Menschen wiederum als Priester oder Propheten, etc. ausgewählt. In Jesus wurde der neue Bund für alle Gläubigen aller Nationen geöffnet.

5. In bestimmten Fällen sind die segensreichen Auswirkungen von Gottes Liebe an eine Bedingung, nämlich Gehorsam, geknüpft. So ist der Gehorsam Jesu gegenüber auch eine sichtbare Darstellung unserer Liebe Gott gegenüber.

Diese fünf Arten der Liebe Gottes haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Sie finden alle gleichzeitig statt und sind alle gleichermaßen perfekte Liebe Gottes. Man könnte auch sagen, sie sind verschiedene Ausdrücke derselben Liebe gegenüber unterschiedlichen Empfängern dieser Liebe. Keine der fünf Arten oder Ausdrücke darf überbetont werden, sie haben bei Gott alle denselben Rang.

Das zweite Kapitel „Gott ist Liebe“ behandelt vor allem die sprachlichen Unterschiede der verschiedenen Ausdrücke, die in der Bibel mit „Liebe“ oder ähnlichen Worten übersetzt werden. Das ist eine interessante Debatte, die ich hier aber überspringe. Eine interessante Bemerkung macht Carson zur Heilung Jesu am Sabbat: Yet here is Jesus, claiming the right to work on the Sabbath because God is his Father, and, implicitly, he is the Son who follows in his Father’s footsteps in this regard.“(S. 32)

Wichtig finde ich ganz besonders für unsere heutige Zeit das dritte Kapitel „Gottes Liebe und Gottes Souveränität“. Hier geht es um die Frage, was es bedeutet, dass Gott liebt in der Hinsicht darauf, dass Gott Gott ist und damit perfekt und absolut souverän. Anders gefragt: Kann der absolut souveräne Gott Gefühle haben? Das ist übrigens eine Frage, die auch in Diskussionen mit Atheisten häufig aufkommt.

Etwa in Hosea 11 wird deutlich, dass Gott nicht einfach ein gefühlsloses, stoisch in sich ruhendes Wesen ist. Das ist die eine Seite, von der man vom Pferd fallen kann. Die andere Seite darf aber auch nicht vergessen werden: Ebenso falsch ist es, sich Gott so vorzustellen, dass er sich ständig verändern und seine Meinung in den Wind hängen würde. Gerade diese Diskussion macht das Buch unglaublich wertvoll.

Carson macht klar, dass die Bibel Gottes Unveränderlichkeit lehrt. Gott ist treu, bleibt ewig Derselbe, ist unveränderlich. Daraus haben manche Traditionen eine Lehre von Gottes „Gefühllosigkeit“ (engl. „impassibility“) gemacht. Dazu schreibt Carson: Christians are not fatalists. The central line of Christian tradition neither sacrifices the utter sovereignty of God nor reduces the responsibility of his image-bearers. In the realm of philosophical theology, this position is sometimes called compatibilism. It simply means that God’s unconditioned sovereignty and the responsibility of human beings are mutually compatible.“(S. 51f) Carson zeigt dies etwa am Beispiel von Joseph: Seine Brüder haben eine falsche Entscheidung gemacht. Sie meinten es übel mit ihm. Aber Gott hat genau dieses Übel für etwas Gutes gebraucht. So sind die Brüder vor Gott dennoch für falsches Handeln verantwortlich. Aber Gott gebraucht auch Sünde, um daraus Gutes werden zu lassen.

Carson zeigt auf, dass die Prozesstheologie keine Lösung dieser Frage bieten kann, im Gegenteil, sie stiftet nur Verwirrung. Diese Theorie behauptet, dass Gott das Universum in sich selbst geschaffen hat, also dass es jetzt in ihm ist, und dass Gott sich deshalb auch verändern würde, sobald sich im Universum, bzw. unter uns Menschen etwas verändert. Von einem ähnlichen Konzept geht etwa auch der „Open Theism“ aus, der sich zur Zeit recht schnell ausbreitet. Diese Lehre besagt, dass der Mensch nur dann einen freien Willen haben könne, wenn Gott heute noch nicht weiß, was wir morgen entscheiden werden. So habe Gott – sagt diese Theorie – sich selbst eingeschränkt und verzichtet auf das Vorherwissen unserer Entscheidungen und sei deshalb auch immer wieder erstaunt oder gar erschreckt oder Ähnliches, je nachdem, was wir tun.

Und dann geht es um die Frage, was es bedeutet, dass Gott uns liebt. Hier zwei wichtige Zitate dazu:

He does not “fall in love” with us; he sets his affection on us.“ (S. 61) Gott ist nicht in einer Art wie wir Menschen das kennen „verliebt“. Er wird nicht von den Hormonen gesteuert. Seine Liebe bedeutet, dass Er uns in all unserer Schwäche und Sündhaftigkeit annimmt, indem Er Seine Liebe auf uns richtet. Gott sagt uns also ungefähr:

Your sins have made you disgustingly ugly. But I love you anyway, not because you are attractive, but because it is my nature to love.“(S. 63) Wir haben nichts an uns, was uns für Gott liebenswert macht, also nichts, was Ihn aus uns selbst dazu animieren würde, uns zu lieben. Er tut es trotzdem, weil die Liebe Seinem Wesen entspricht.

Das vierte und damit letzte Kapitel heißt „Gottes Liebe und Gottes Zorn“. Auch hier wieder wertvolle Hilfen zum Verstehen von Gottes Wort:

Where God in his holiness confronts his image-bearers in their rebellion, there must be wrath, or God is not the jealous God he claims to be, and his holiness is impugned. The price of diluting God’s wrath is diminishing God’s holiness.“ (S. 67)

Unser Problem damit ist, dass wir Menschen sehr beschränkt sind. In unserer Erfahrung kennen wir vor allem das ständige Wechseln dieser Gemütszustände. Mal sind wir zornig, dann wieder nicht, und so weiter. Zorn treibt die Liebe aus und die Liebe den Zorn. Aber Gott ist nicht so beschränkt, bei Ihm ist alles zugleich und in absoluter Perfektion.

In other words, both God’s love and God’s wrath are ratcheted up in the move from the old covenant to the new, from the Old Testament to the New. These themes barrel along through redemptive history, unresolved, until they come to a resounding climax—in the cross. Do you wish to see God’s love? Look at the cross. Do you wish to see God’s wrath? Look at the cross.“ (S. 70f)

Am Kreuz sehen wir den Höhepunkt der Heilsgeschichte. Hier sind Gottes schrecklicher Zorn und Gottes unfassbare Liebe beide gleichermaßen fassbar, und keines davon hebelt das andere aus.

Ein lesens- und bedenkenswertes Buch, das mir wohl noch das eine und andere Mal zu knabbern geben wird!

Eine Singkultur entwickeln

Die letzten Wochen ist es ruhig geworden um meine noch nicht abgeschlossene Serie zum Thema „Lobpreiskultur“. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass ich nebst dem Bloggen viel anderes zu tun hatte, sondern auch damit, dass der heutige Teil eine ganz besondere Herausforderung ist. Bisher habe ich mich damit befasst, wie man der Gemeinde das Mitsingen einfacher machen kann (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4). Heute möchte ich den Kern des Problems angehen: Viele Menschen singen nicht mit, weil sie keine Gelegenheit hatten, eine Singkultur zu entwickeln. Noch vor einigen Jahrzehnten war es in manchen Berufen üblich, bei der Arbeit zu singen, aber versuche man dies heute mal in der Firma… Vielerorts würde das nicht einmal geduldet. Stattdessen wurde das aktive Singen durch passive Berieselung durch Radio, CD oder Ähnliches ersetzt.
Heute möchte ich ein paar Vorschläge machen, wie man als Gemeinde eine Singkultur entwickeln kann. Ich habe dazu in den vergangenen zwei Monaten einige Blogs und Predigten von Pastoren anderer Gemeinden gelesen und nach Hinweisen dazu gesucht. Eines ist aber wichtig, bevor ich zu den Vorschlägen komme. Wir müssen versuchen, die Hemmschwelle von Anfang an möglichst tief zu halten. Somit sollten die ersten drei oder vier Teile der Serie zumindest überdacht werden, was in der Hinsicht noch vereinfacht werden könnte.
1. Wir brauchen eine tief gegründete Theologie des Lobpreises
Singen ist nicht nur eine Sache, die uns Menschen gut tut. Das stimmt zwar auch, aber ist sekundär. Primär müssen wir sehen, dass wir einen singenden Gott haben. Dies wird in Zephanja 3,17 deutlich. Und weil Gott ein singender Gott ist und uns nach Seinem Bilde geschaffen hat, dürfen wir ein singendes Gottesvolk sein. Lobpreis ist außerdem eine wichtige Art der Antwort von uns Menschen an Gott – oder auch zuweilen ein Gebet oder eine Frage. Lobpreis kann Wunder tun – so etwa die Türen des Gefängnisses öffnen und manch anderes mehr. Beginnen wir also damit, über die Wichtigkeit und Bedeutung des Lobpreises nachzudenken und lassen unser Herz damit erfüllt sein.
2. Wir brauchen eine gesunde Lehre über den Lobpreis
Aus der tief gegründeten Theologie des Lobpreises folgt die gesunde Lehre in der Gemeinde. Wir Menschen tendieren dazu, die Wichtigkeit von Dingen aufgrund der Häufigkeit zu bewerten. Wenn häufig über den Lobpreis gelehrt wird, werden wir ihn auch als etwas Wichtiges empfinden. So braucht es immer wieder eine Erinnerung daran – und zwar nicht nur vom Lobpreisleiter, sondern auch in der Predigt. Es braucht also Predigten über den Lobpreis. Manche Prediger nutzen auch die Predigt-Einleitung, um ein Thema des Lobpreises noch einmal aufzugreifen und zeigen damit, dass er wichtig ist.
3. Wir brauchen gute Vorbilder im Lobpreis
Menschen brauchen sichtbare Vorbilder. Wenn die Ältesten und Leiter der Gemeinde passiv sind im Lobpreis, werden die übrigen Gemeindemitglieder – insbesondere die Männer unter ihnen – sich das zum Vorbild nehmen. Aktive Vorbilder, die mitsingen und sich auch sonst am Lobpreis beteiligen, haben es leichter, eine Singkultur in der Gemeinde zu etablieren. Dabei ist es unwichtig, ob man darin besonders begabt ist oder nicht – das sichtbare Vorbild macht Welten aus.
4. Wir brauchen Lobpreis in allen Bereichen der Gemeinde
Das ist jetzt eine Frage von Gemeindekonzepten. Der Lobpreis soll nicht auf den Gottesdienst am Sonntag beschränkt sein. Sei es bei Lehr- oder Gebetsveranstaltungen, im Kindergottesdienst oder bei den Royal Rangers (oder Jungschar, Pfadfinder oder wie auch immer man das nennt) und in der Jugend. Wenn möglich auch in Hauskreisen und ähnlichen Veranstaltungen. Wenn viel und häufig die Möglichkeit zum Singen geschaffen wird, fällt es leichter, mit einzustimmen.
5. Wir brauchen singende Familien
Ich denke, hier liegt ein großer Knackpunkt. Wer als Kind in der Familie ganz natürlich zum Singen angeleitet wird, hat es auch im späteren Leben viel leichter beim Mitsingen. Ideal wäre natürlich auch eine musikalische Familie, wo zusätzlich gemeinsam Instrumente gespielt werden. Ich persönlich hatte das Privileg, so aufzuwachsen und kann es nur weiterempfehlen. Dies jedoch von jeder Familie zu verlangen, wäre mehr als unrealistisch. Aber zumindest gemeinsame Zeiten des Singens in der Familie – und sei es zu einer leisen Hintergrund-CD – müsste machbar sein. Die heutigen Kinder werden eines kommenden Tages die Instrumentalisten und Sänger in der Gemeinde sein. Durch die Lieder im Lobpreis wird viel wichtige Lehre über Gott weitergegeben. Man darf nicht vergessen, dass die Psalmen mit ihren wunderbaren Aussagen über Gott das Liederbuch, der „Pfingstjubel“ der Bibel sind. Der Befehl von Kolosser 3,16 gilt auch der Familie, sie ist die kleinste Einheit einer göttlichen Versammlung von Menschen.
6. Wir brauchen Anleitung zu allen diesen Punkten
Zum Schluss möchte ich etwas noch einmal verdeutlichen: Nichts von all dem oben Genannten wird einfach so von selbst passieren. Alle diese Punkte brauchen klare Anleitung und Anweisung – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder. Wir brauchen immer wieder die Reflektion einer Theologie des Lobpreises. Wir brauchen immer wieder Lehre darüber. Wir brauchen immer wieder Ermutigung und Anleitung dazu, wie das in den verschiedenen Bereichen der Gemeinde und auch des Familienlebens umgesetzt werden kann.

Plädoyer für eine deutsche Lobpreiskultur

O Land der Dichter und Denker – wirst nun Dein Richter und Henker?

Nein, heute geht es mir weder um die niedrige Geburtenrate – zumindest nicht unter Menschen – noch um die demografischen Verschiebungen, sondern um die deutsche Lobpreiskultur. War das Land Goethes, Schillers, Luthers und Nietzsches viele Jahrhunderte lang für das großartige kulturelle Schaffen bekannt und weitherum gerühmt, befindet sich nun auch die deutsche Dichtung und Liedermacherei im Abstieg. Drei Dinge sind es vermutlich, welche diese Entwicklung beeinflussen: Der deutsche Selbsthass, der sich immer noch nicht vergeben kann, was in den Generationen davor geschehen war und durch den Versuch der schulischen „Aufarbeitung“ an jede neue Generation weitervererbt wird und zugleich die Internationalisierung, durch die das Englische immer mehr deutsches Texten verdrängt. Wer im Ausland bekannt werden möchte, muss englische Lieder singen, um verstanden zu werden. Ein dritter Grund wird wohl sein, dass sehr viele Lieder aus dem Ausland importiert werden: von Hillsong aus Australien, von der Bethel Church in Redding aus Amerika, und so weiter. Und so geht die deutsche Lobpreiskultur Stück für Stück unter. Doch, wie wir gesehen haben, brauchen wir dringend deutsche singbare Lieder, die alle in der Gemeinde verstehen und von Herzen mitsingen können.
Ein Blick über die Grenze
Was wäre, wenn jeder so sänge und Lieder schriebe, wie ihm „der Schnabel gewachsen ist“? Das hat nichts mit „elitärem Denken“ zu tun, sondern wäre total authentisch. Und was wäre schlimm daran, wenn die einen Lieder auf „guad schwäbisch gsunga“ würden und andere, die sonst „platt schnacken“ oder „hessisch babbele“ auch ihre Herkunft in die Lieder einbrächten? Der Blick über die südliche Grenze zeigt: Es kann funktionieren. Die Schweiz hat seit einigen Jahren eine lebendige Mundartworship-Szene. Eine eigens dafür eingerichtete Homepagegibt Einblick in diese Lobpreiskultur – und meine langjährige Erfahrung als Gemeindegänger in der Schweiz zeigt, dass auch Basler mit berndeutschen Liedern etwas anfangen können. Die Reichweite umfasst die ganze Schweiz, auch aus dem „Bündnarischa“ (Graubünden) und dem geografisch auf der anderen Seite gelegenen Walliserisch finden sich Liedermacher mit ihren Songs. Die sprachlichen Unterschiede sind auch in der Schweiz vergleichbar groß. Und die Lieder werden in der ganzen Schweiz mit viel Freude gesungen – wobei einzelne Worte oft leicht angepasst werden, was aber auch niemanden stört.
Mut zum alten Neuen
Was es braucht, ist Mut. Mut, dazu zu stehen, wer man ist und woher man kommt. Überwindung der Selbstverachtung und des Selbsthasses. Mut zum Neuen, das so neu doch nun auch nicht ist. Die deutschen Lobpreiser mit singbaren Liedern, die auch genügend bekannt sind, um in ganz Deutschland gesungen zu werden, lassen sich an einer Hand abzählen. Albert Frey, Arne Kopfermann, Lothar Kosse, Anja Lehmann, die Outbreakband. Auch von diesen ist manches auf englisch statt auf deutsch erschienen. Was es braucht, ist eine neue Generation von Lobpreisern, die den Mut haben, aufzustehen, neue Lieder zu schreiben, Gott zu ehren mit ihren Talenten und das Ganze in der Sprache, die Gott ihnen in die Wiege gelegt hat. Es mag zwar „cool“ und „in“ sein, Fremdes zu übersetzen und zu reproduzieren, aber Gott hat uns Menschen in Seinem Bild gemacht – zum Agieren und nicht nur Re-Agieren.
Ein Netzwerk von Lobpreisern
Ebenfalls eine große Hilfe wäre ein Netzwerk von Menschen, die gemeinsam die deutsche Szene des Lobpreises prägen, stärken und verändern möchten. Wenn du jemand bist, für den das gilt, so möchte ich dich ermutigen, mit anderen Lobpreisern Kontakt aufzunehmen. Vielleicht ergibt sich dadurch eines Tages ein Netzwerk, in welchem der Austausch, die gegenseitige Hilfestellung und so weiter gefördert werden kann. Nicht jeder kann die „School of Worship“ in Bad Gandersheim oder Ähnliches besuchen. Trotzdem kann man ein solcher Lobpreiser sein. Ich möchte dich dazu ermutigen, dran zu bleiben. Weiter zu machen. Weiter zu schreiben, zu singen, zu spielen. Weiter nach Austausch zu suchen. Mich ermutigt da immer wieder, zu sehen, wie viel Lobpreis es in der Ewigkeit geben wird:
Danach sah ich eine große Menge Menschen, so viele, dass niemand sie zählen konnte. Es waren Menschen aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen. Sie standen in weißen Kleidern vor dem Thron und dem Lamm und hielten Palmzweige in den Händen. Mit lauter Stimme riefen sie: »Der Sieg gehört unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!« Alle Engel standen im Kreis um den Thron und um die Ältesten und um die vier mächtigen Gestalten. Sie warfen sich vor dem Thron zu Boden, beteten Gott an und sprachen: »Das ist gewiss: Preis und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre, Macht und Stärke gehören unserem Gott für alle Ewigkeit! Amen.« (Offenbarung 7, 9 – 12)

Gott liebt Vielfalt – und Du?

Wer um sich schaut, kann nur staunen, wie reich an Vielfalt und Unterschiedlichkeit Gott alles geschaffen hat. Die Natur ist an Vielfalt kaum zu überbieten: So viele Arten von Pflanzen und Tieren, Sternen und Steinen, Flüssen und Seen, Bergen und Tälern. Vielfalt, wohin das Auge sieht. Auch wenn wir uns Menschen betrachten, stellen wir eine reiche Vielfalt fest: So viele verschiedene Menschen, so viele Begabungen und Talente, so viele Erfindungen und Entdeckungen, so viele Kulturen und Menschen. So viele Unterschiede schon zwischen Männern und Frauen, wohin wir schauen wird klar: Gott liebt Vielfalt. Doch gerade diese Vielfalt, diese Unterschiedlichkeit, diese verschiedenen Lebensgeschichten führen dazu, dass wir uns immer wieder missverstehen, dass wir stur verschiedener Meinung sind, dass wir manchmal auch dasselbe Wort so verschieden verstehen, dass sich daraus Konflikte ergeben. Paulus bietet uns eine Lösung an. Er schreibt im Brief an die Gemeinden der Galater:
Bevor uns Gott diesen Weg des Glaubens geöffnet hat, waren wir unter der Aufsicht des Gesetzes in das Gefängnis der Sünde eingeschlossen. Das sollte so lange dauern, bis Gott den vertrauenden Glauben als Weg in die Freiheit bekannt machen würde, und das heißt: bis Christus kam. So lange war das Gesetz unser Aufseher; es war für uns wie der Sklave, der die Kinder mit dem Stock zur Ordnung anhält. Denn nicht durch das Gesetz, sondern einzig und allein durch vertrauenden Glauben sollten wir vor Gott als gerecht bestehen. Jetzt ist der Weg des Glaubens geöffnet; darum sind wir nicht mehr unter dem Aufseher mit dem Stock.Ihr alle seid jetzt mündige Söhne und Töchter Gottes – durch den Glauben und weil ihr in engster Gemeinschaft mit Jesus Christus verbunden seid. Denn als ihr in der Taufe Christus übereignet wurdet, habt ihr Christus angezogen wie ein Gewand. Es hat darum auch nichts mehr zu sagen, ob ein Mensch Jude ist oder Nichtjude, ob im Sklavenstand oder frei, ob Mann oder Frau. Durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zu einem Menschen geworden. Wenn ihr aber zu Christus gehört, seid ihr auch Abrahams Nachkommen und bekommt das Erbe, das Gott Abraham versprochen hat.(Galater 3, 23 – 29)
Wer noch mehr Wertvolles von Paulus dazu lesen möchte, kann gerne auch im Epheserbrief 2 die Verse 11 – 22 noch dazu nehmen.
Was Paulus hier sagt, ist im Prinzip Folgendes: Es gibt zwei verschiedene Zeiten im Leben aller wahrhaft gläubigen Christen. Eine Zeit vor dem Glauben und eine Zeit danach. Und darin liegt die Lösung des Problems all dieser Konflikte. Ohne Glauben braucht es eine Vielzahl von Gesetzen, die das Leben regeln sollen. In Israel des Alten Testaments zählt man 613 Gebote und Verbote. In den heutigen Gesetzbüchern sind noch viel mehr Regeln enthalten. Und doch hat sich dadurch alles um keinen Deut verbessert. Immer noch gibt es Beleidigungen, Mord und Totschlag, sexuelle Gewalt, Scheidungen, Mord an Ungeborenen und vieles mehr.
Paulus sieht die Lösung im Evangelium von Jesus Christus, der für unsere Sünden gestorben ist und wieder auferstanden ist, damit wir mit Ihm ewig leben. Das Evangelium hat klare Konsequenzen für unser Leben – gerade auch im täglichen Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen. Das harmonische Zusammenleben in der Vielfalt ehrt Gott, denn durch den Glauben an den Herrn Jesus schafft Gott Sich ein neues Volk – ein Volk aus Gläubigen aus allen Völkern, Ländern und von allen Kulturen und Sprachen. Ein Volk aus beiden Geschlechtern – Männer und Frauen – und aus allen Gesellschaftsschichten. Arme und Reiche, Junge und Alte, Chefs und Angestellte, Beschäftigte und Arbeitslose. Asylanten, Ausländer und Einheimische.Die einzige Lösung für vielfältiges Zusammenleben in echter Harmonie ist das Kreuz Jesu Christi, durch welches Menschen aller Nationen, Völker und Länder zu einem neuen Volk in Jesus Christus werden.
Was bedeutet das nun konkret für uns?
1. Wir haben ein neues, ewiges Leben bekommen und damit eine neue Identität. Der Mensch ohne Evangelium definiert sich selbst entweder über seine Herkunft (Familie) oder über seine Leistung. In unserer Leistungsgesellschaft ist es das Zweitere. Doch durch das Kreuz sind wir von Gott teuer erkauft. Unser Wert definiert sich nicht mehr über unsere eigene Leistung, sondern über das, was der Herr Jesus für uns getan hat. Gott hat Seinen Sohn geopfert, weil du es Ihm wert bist. Das ist dein neuer Wert, deine Identität.
2. Wir sind aus Gnade allein durch den Glauben gerechtfertigt. Der Glaube ist nichts, wofür wir selbst etwas tun, auch er ist ein Geschenk von Gott. Das nimmt uns unsere Selbstgerechtigkeit und unseren Stolz. Wir merken, dass alles ein Geschenk ist. Alles kommt von Gott. Wir sind deshalb nicht besser als irgendwer anders.
3. Das Evangelium zeigt uns die Größe unserer Schuld auf. Das, was Gott uns vergeben hat, ist viel viel viel größer als alles, was uns jemals ein anderer Mensch antun kann. Wir sehen im Evangelium die tatsächliche Größe und Schrecklichkeit unserer Sünde und unserer Verderbtheit. Das hilft uns, anderen Menschen das zu vergeben, was sie uns antun. Jesus Christus ist für uns gestorben, als wir noch Seine Feinde waren. Er ist für uns gestorben, obwohl wir nichts Liebenswertes an uns hatten. Darin liegt auch unsere Aufgabe, gerade jene zu lieben, die andere Menschen nicht liebenswert finden.
4. Das Wissen darum, dass Jesus nicht nur theoretisch, sondern effektiv für uns gestorben ist, gibt uns das Wissen, dass Er uns festhalten wird, was immer noch kommen mag. Nichts und niemand wird uns je von Gott trennen können. Das gibt uns Sicherheit und Freiheit. Es nimmt uns die Angst vor allem Andersartigen und hilft uns, die Menschen gerade in ihrer Andersartigkeit anzunehmen.
5. Das Evangelium gibt uns einen Maßstab, mit dem wir uns selbst und unsere Gesellschaft, Kultur und Zeit beurteilen können. Wir wissen, dass unsere Kultur nie schon an sich gut und göttlich ist. Jede Kultur hat ihre guten Dinge, aber auch viel Ungöttliches. Wir müssen uns nicht mehr mit anderen Menschen oder Kulturen vergleichen, denn der eine objektive, ewig gültige Maßstab ist die Bibel.
6. Das Evangelium gibt uns die Kraft, Gott und unsere Mitmenschen zu lieben und sie in ihrem Anderssein anzunehmen. Es gibt uns Kraft, um gegen den Neid und das Vergleichenwollen zu kämpfen. Unser altes Ich, die alte Identität, ist mit Christus am Kreuz gestorben. Unsere Aufgabe ist es, dieses alte Ich als tot zu betrachten und ihm nicht mehr nachzugeben, sondern es aktiv zu bekämpfen.
7. Das Evangelium zeigt uns, dass alle Menschen im Bild Gottes geschaffen sind. In jedem Menschen können wir also ein Stück vom Abbild Gottes sehen. Gott will nicht, dass Unterschiede eingeebnet werden, sondern wir dürfen sie feiern und uns daran erfreuen. Alle Versuche der Gleichmacherei sind nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern vielmehr dienen sie dazu, das, was Gott gut gemacht hat, zu zerstören.
Lasst uns deshalb um des Evangeliums willen die Unterschiedlichkeit und Vielfalt feiern. Der Herr Jesus beschreibt unsere Zukunft wunderschön in der Offenbarung:
Danach sah ich eine große Menge Menschen, so viele, dass niemand sie zählen konnte. Es waren Menschen aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen. Sie standen in weißen Kleidern vor dem Thron und dem Lamm und hielten Palmzweige in den Händen. Mit lauter Stimme riefen sie: »Der Sieg gehört unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!« Alle Engel standen im Kreis um den Thron und um die Ältesten und um die vier mächtigen Gestalten. Sie warfen sich vor dem Thron zu Boden, beteten Gott an und sprachen: »Das ist gewiss: Preis und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre, Macht und Stärke gehören unserem Gott für alle Ewigkeit! Amen.« Einer der Ältesten fragte mich: »Wer sind diese Menschen in weißen Kleidern? Woher kommen sie?« Ich antwortete: »Ich weiß es nicht, Herr. Du weißt es!« Da sagte er zu mir: »Diese Menschen haben die große Verfolgung durchgestanden. Sie haben ihre Kleider gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Darum stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel. Er, der auf dem Thron sitzt, wird bei ihnen wohnen. Sie werden keinen Hunger oder Durst mehr haben; weder die Sonne noch irgendeine Glut wird sie versengen. Das Lamm, das in der Mitte des Thrones steht, wird ihr Hirt sein und sie an die Quellen führen, deren Wasser Leben spendet. Und Gott wird alle ihre Tränen abwischen.« (Offenbarung 7, 9 – 17)

Lobpreiskultur – Auf die Liedwahl kommt es an

Im zweiten Blogpost zum Thema „Lobpreiskultur – für wen machen wir das eigentlich?“ haben wir gesehen, dass unsere Motive, unsere Beweggründe für den Lobpreis wichtig sind. Lobpreis zu leiten ist eine pastorale Aufgabe, und das sollte stets so geschehen, dass niemand vom Lobpreis ausgeschlossen wird – weder bewusst noch unbewusst. Hier hat die Auswahl der Lieder eine wichtige Funktion.
Von allen Lobpreisliedern, die schon geschrieben wurden, sind etwa 2% so gut, dass sie ein Jahrhundert oder noch länger überdauern können. Viele andere stehen später zwar immer noch in den Liederbüchern, aber weil sie niemand mehr kennt, gehen sie dennoch unter. Wir haben heute das große Vorrecht, auf den Liedschatz der besten 2% der Lieder aus 2000 Jahren Kirchengeschichte zurückgreifen zu können – und zugleich die Verantwortung, die Lieder unserer Zeit zu prüfen und die besten 2% zu finden. Wir müssen nicht auf jeden neuen Zug aufspringen. Weniger ist hier oft mehr, denn jedes neue Lied, das gelernt werden muss, bedeutet für die Gemeinde wieder eine neue Aufgabe, die es zu bewältigen gibt. Dies ist keinesfalls ein Aufruf, auf neue Lieder zu verzichten, aber zumindest die Bitte, sich zum Wohl der Gemeinde bei jedem neuen Lied, das eingeführt werden soll, noch ein zweites und drittes Mal zu fragen, ob das Lied tatsächlich der ganzen Gemeinde dient und folgende drei Kriterien erfüllt.
1. Lieder mit Botschaft und Tiefgang
Das erste und vermutlich wichtigste Kriterium ist inhaltlicher Art. Es geht um die Theologie, die hinter einem Text steht. Hat das Lied eine Botschaft? Erzählt es von der Gnade, von der Größe, Herrlichkeit, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe Gottes? Von der Ewiggültigkeit und absoluten Zuverlässigkeit der Bibel? Von der Schöpfung und Erlösung? Von der Reinigung und Heiligung von der Sünde durch den Heiligen Geist? Von der Sündhaftigkeit des Menschen? Von der Wiederkunft Jesu Christi als Richter aller Lebenden und Toten? Vom Leben und Auftrag der Kinder Gottes? Von der Schönheit der Gemeinde?
Nicht jedes dieser Themen muss in jedem Lied vorkommen, aber es geht im Lobpreis nicht darum, Jesus als Kumpel von nebenan zu begrüßen und ein wenig auf schöne Family zu machen. Auch sind Zweizeiler, die 50 Mal wiederholt werden müssen, um von der Länge her als Lied wahrgenommen zu werden, nicht gerade besonders tiefgründig.
2. Lieder mit verständlichen, korrekten Texten
Jeder sollte verstehen können, was er singt. Das ist zunächst eine Frage der Sprache eines Liedes. Versteht jede und jeder in der Gemeinde die englische Sprache so gut, dass man ganze Lieder in jener Sprache singen kann? Da kann die Situation in einem Jugendgottesdienst schon ganz anders sein. Bei übersetzten Liedern gibt es wieder etwas zu bedenken: Stimmt denn der deutsche Text inhaltlich überhaupt noch mit dem englischen Original überein? Da wäre zum Beispiel das absolut schöne englische Lied „In Christ Alone“ von Keith Getty und Stuart Townend. In der deutschen Version ist ein neues Lied entstanden, das außer der Melodie kaum noch etwas mit dem englischen Original gemeinsam hat. Hier wäre allerdings auch nötig, dass die deutsche Lobpreisszene wachsen kann. Und nicht zuletzt ist auch die Rechtschreibung eine häufig vernachlässigte Kunst. Doch wird in der Gemeinde durch falsche Ordokravieh – äh, pardon, natürlich Orthographie, wem ist es denn aufgefallen? – auch nur eine Person vom Singen abgehalten, so sind wir wieder unserer Aufgabe, jedem das Mitmachen zu ermöglichen, nicht gerecht geworden.
3. Lieder mit klarer, singbarer Melodie und Tonlage
Was der Gemeinde ebenso beim Mitsingen hilft, ist eine klare, deutliche und singbare Melodie. Sie sollte innerhalb des singbaren Spektrums liegen. Da auch zu Hause immer seltener gesungen wird, fehlt am Sonntag bei den meisten Gottesdienstbesuchern die Übung, die nötig ist, um ein möglichst großes Spektrum abzudecken. Kenny Lamm bestimmt in einem sehr lesenswerten (englischen) Artikel das ideale Spektrum zwischen dem A in der tieferen Oktave und dem D eine Oktave höher. Lieder, deren Spektrum noch weiter auseinandergeht, sind für den durchschnittlichen Gottesdienstbesucher gar nicht singbar. Wir tun deshalb auch gut daran, die Lieder so zu transponieren, dass die gesamte Melodie innerhalb dieses Spektrums bleibt. Zuweilen führt dies zu komplizierten Akkorden, aber gerade damit können wir wieder zeigen, dass eine gute Gruppe von Musikern auch das schafft. Professionalität zeigt sich beim Lobpreis gerade nicht darin, zu zeigen, was andere nicht können, sondern sich auf die Bedürfnisse der Gottesdienstbesucher einzustellen und ihnen zu dienen. 
Vielleicht wäre es auch an der Zeit, die guten neuen Lobpreislieder wieder zweistimmig zu komponieren und zu singen?

Lobpreiskultur – für wen machen wir das eigentlich?

Im ersten Blogpost zum Thema „Lobpreiskultur – Alles Show oder was?“ habe ich anhand eines englischen Artikels von Thom Schultz einen allgemeinen Überblick über die Problematik der heutigen Lobpreiskultur gegeben. Heute möchte ich etwas tiefer graben und nach der richtigen Motivation für den Lobpreis suchen. In vielen amerikanischen Gemeinden heißt der Lobpreisleiter „worship pastor“ (zu deutsch also „Lobpreis-Pastor“). Er erfüllt eine wichtige pastorale Aufgabe innerhalb des Gottesdienstes. Wir täten gut daran, den Lobpreisleiter als Pastor zu betrachten, welcher der ganzen Gemeinde dienen soll.
Drei Dimensionen des Lobpreises
Der Lobpreis-Pastor und mit ihm das ganze Team (zuweilen besteht es nur aus einer Person, öfter jedoch aus ganzen Orchestern oder Bands) führt die singende Gemeinde in drei Dimensionen des Lobpreises hinein. Um der Einfachheit willen unterscheide ich hier noch nicht zwischen den zwei Kategorien „Lobpreis“ (Lob für Gottes Werke) und „Anbetung“ (Lob für Gottes Wesen). Vielleicht komme ich darauf in einem anderen Post noch zu sprechen.
Lobpreis findet in drei Richtungen statt: Nach oben – zu Gott; nach außen – um mich herum – zu meinem Umfeld; nach innen – zu mir selbst:
Nach oben: Zuerst ist Lobpreis immer an Gott gerichtet. Der Singende dankt Gott, lobt Gott, betet Gott an, schüttet Gott sein Herz aus, und so weiter. Gemeinsame Lieder sind ein Hilfsmittel, das vielen Menschen hilft, ihre Situation, Gefühle und Gedanken in Worte zu kleiden. Lobpreis ist ein Gebet, ein Reden zu Gott, und zwar ein korporatives, ein gemeinschaftliches Reden zu Gott.
Nach außen: Die zweite Richtung geht nach außen. Im Lobpreis spreche ich meine Mitmenschen an, ich spreche ihnen die Größe und die wunderbaren Werke Gottes zu, ich mache ihnen Mut, an diesem Gott, dem ich alles in meinem Leben zu verdanken habe, festzuhalten. Ich sage ihm: Du bist nicht allein, es sind noch andere, die mit ähnlichen Situationen zu kämpfen haben, aber wir haben einen gemeinsamen Gott, der größer ist.
Nach innen: Damit ist keine mystische Versenkung in sich selbst gemeint, sondern der Zuspruch an sich selbst, dass dieser Gott, den wir gemeinsam loben, auch die eigene Lage im Griff hat. Ich mache mich bereit, diesem Gott der Bibel im Horchen auf die Predigt und im darauffolgenden Gehorchen persönlich zu begegnen.
Wem wollen wir wirklich dienen?
Ausgehend von diesen drei Dimensionen sehen wir, dass es wichtig ist, jedem Einzelnen in der Gemeinde zu helfen, dass er auch ein Teil dieses Lobpreises sein kann und darf. Es geht zuerst um Gott und um die Gemeinde. Lobpreis soll zuerst auf Gott hinweisen. Das Lobpreis-Team hat die Aufgabe eines Scheinwerfers: Ein Scheinwerfer, der sich selbst beleuchtet, tut seine Aufgabe sehr schlecht. Seine Aufgabe ist es, etwas anderes anzuleuchten und es sichtbar zu machen. So ist es das große Privileg, im Lobpreis auf Gottes Größe und Herrlichkeit hinzuweisen. Weil Gott exzellent ist, darf unser Musizieren auch exzellent sein. Wir müssen keine Fehler einbauen. Aber wir sind mit unserer Musik und dem Gesang in erster Linie Diener der Gemeinde. Unsere Aufgabe ist es, alles so zu arrangieren, zusammenzustellen, zu üben und zu spielen, dass möglichst jeder einzelne Besucher des Gottesdienstes möglichst gut mitsingen und die drei Dimensionen des Lobpreises miterleben kann.
Die eigene innere Haltung ist hierbei sehr wichtig. Sie sollte immer mal wieder überprüft werden:
– Worum geht es mir? Wem möchte ich mit meinem Instrument oder Gesang, mit meinem Können und Wissen dienen?
– Wie tue ich das am besten?

– Wie können wir als Lobpreis-Team der Gemeinde noch besser helfen, dass möglichst jede und jeder mitsingen kann und will?

Lobpreiskultur – Alles Show oder was?

Eins gleich vorweg: Ich bin in der glücklichen Lage, zu einer Gemeinde zu gehören, in welcher ich kaum etwas am Lobpreis auszusetzen habe. Bei uns sind die Lieder vielfältig, das Spektrum reicht von Martin Luther und Paul Gerhardt bis zu Hillsong und der OutBreakBand, die alle gleichwertig nebeneinander stehen und auch in denselben Gottesdiensten gesungen werden.
Dennoch fällt mir auf, wie sich in vielen Gemeinden eine Lobpreiskultur breitmacht, die in eine Richtung geht, die mir zu denken gibt. Ich möchte deshalb in mehreren Blogposts auf verschiedene Aspekte eingehen, die mir auffallen und über die ich mit meinen Lesern nachdenken möchte. Ich bitte bewusst um Mitdenken und um Rückmeldungen, denn ich bin mir wohl bewusst, dass ich nur von meiner subjektiven Sichtweise herkommen kann und meine Beiträge deshalb ergänzungs- und korrekturbedürftig sind.
Aufgefallen ist mir immer wieder, wie oft es Lobpreiszeiten gibt, in denen nur wenige Menschen mitsingen. Ich persönlich liebe es, zu singen, ich bin mit Musik und Gesang aufgewachsen, und für mich ist eine Lobpreiszeit, bei der ich selbst nicht mitsinge, einfach unvorstellbar. Doch in manchen solcher Zeiten, wenn man sich verstohlen umblickt, fällt auf: Da sind bei vielen Liedern gerade mal noch 25 – 30% der Anwesenden am Mitsingen. Zuweilen noch weniger. Ich persönlich frage mich da halt, wozu der Lobpreis denn dann überhaupt noch dienen soll.
Eine wichtige Bibelstelle zum Lobpreis finden wir bei Paulus im Epheserbrief: Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus!(Epheser 5, 18 – 20)
Hier stellt uns Paulus den Lobpreis – das gegenseitige Zusprechen von Gottes Wort durch Lieder und gesungene Psalmen – als etwas vor, was dazu führen soll, dass wir voll vom Heiligen Geist werden. Hier ist jetzt kein Platz für eine nähere Ausführung einer „Theologie des Lobpreises“, auch wenn ich das gerne írgendwann mal in Angriff nehmen möchte. Aber es wird klar, dass Lobpreis etwas ist, bei dem alle mitmachen sollen (können). Natürlich auf freiwilliger Basis. Aber es soll zumindest niemand davon ausgeschlossen werden.
Natürlich: Wir schließen nie jemanden bewusst davon aus, das ist klar. Jeder darf mitmachen. Und doch werden manche Leute unbewusst ausgeschlossen, und zwar leider ziemlich schnell und häufig. Da mich das Thema schon seit Längerem beschäftigt, war ich natürlich sehr interessiert, als mir auf Facebook gleich von mehreren Freunden der folgende Artikel  von Thom Schultz empfohlen wurde: http://holysoup.com/2014/05/21/why-they-dont-sing-on-sunday-anymore
Thom Schultz beschreibt in diesem Artikel seine Probleme, die er mit der heutigen Lobpreiskultur hat. Ich kann diese vier Gründe vollkommen unterschreiben – auch wenn ich denke, dass sie mehr an der Oberfläche kratzen. Deshalb werde ich noch in weiteren Posts etwas tiefer graben. Aber für den Anfang wäre schon viel erreicht, wenn man sich mit diesen vier Punkten auseinandersetzt und daran etwas ändert. Hier also Thoms vier Punkte in meinen Worten (es ist keine wörtliche Übersetzung des Textes) zum Teil mit meinen persönlichen Anmerkungen dazu:
1. Alles Show oder was?
Thom bemängelt, dass der Lobpreis in vielen Gemeinden schon als Show aufgebaut ist – wie ein Konzert. Das Lobpreis-Team macht eine Show, der Rest besteht aus erwartungsvollen Zuschauern, die sich auf das freuen, was ihnen geboten wird. Die Band wird im Rampenlicht gut inszeniert, der Rest sitzt im Dunkeln.
2. Die Professionalität
In etwas gut zu sein ist nichts Verwerfliches. Im Gegenteil – es ehrt Gott. Aber gerade beim Lobpreis – zumindest wenn man sich wünscht, dass die Leute mitsingen – ist weniger oft mehr. Es geht darum, gut zu spielen, keine Fehler zu machen, aber nicht, sich und sein Können ins Zentrum zu rücken.
3. Der Lärm
Die Lautstärke wird oft so hochgedreht, dass die Leute ohne Mikrophon ihre eigene Stimme nicht mehr hören können. Das ist frustrierend. Weshalb also noch mitsingen? Hier kommt oft eine Frage der Technik ins Spiel. In großen Räumen ist es schwierig (und teuer), die Musik so zu verstärken, dass man sie zugleich überall hören kann, ohne dass es zu laut ist. Das ist auch wieder eine Frage an das Gemeinde-Budget und die Professionalität der Techniker. Dennoch sollte die Lautstärke immer so dosiert sein, dass man sich selbst noch singen hören kann.
4. Die Auswahl der Lieder
Viele Lieder sind schwierig zu singen. Andere Lieder sind unbekannt. Der Großteil der Lieder in einer Lobpreiszeit sollte bekannt sein. Wenn neue eingeführt werden, dann eher selten und nicht zu häufig hintereinander. Und unbedingt auch darauf achten, dass sie in einer singbaren Tonlage sind. Ich merke selbst, dass sich das Spektrum der Töne verringert, seit ich nicht mehr regelmäßig im Chor sondern nur noch in der Gemeinde singe. Lieder müssen von der Gemeinde gelernt werden. Und manchmal gibt es auch Lieder, die einfach inhaltlich derart flach und leer sind, dass man sie besser gar nicht erst ins Repertoire aufnimmt. Zum Thema Liedauswahl werde ich voraussichtlich mal noch einen extra Blogpost machen.
So weit die vier Punkte von Thom Schultz. Alle vier habe ich schon öfter als oft erlebt, und alle vier sollten möglichst eliminiert werden, um den Menschen die Freiheit zu lassen, mitzusingen. Ich habe lange darüber nachgedacht, woher die Sache mit der Lobpreis-Show kommt. Hier meine Theorie: Viele Menschen genießen es, auf christlichen Konferenzen und ähnlichen Events zu sein. Sie kommen von diesen Events zurück in eine „normale“ Gemeinde, in denen solche „Event-Kicks“ fehlen. Einige meiden deshalb die örtlichen Gemeinden, weil diese das nicht bieten können. Also „müssen“ nun die sonntäglichen Gottesdienste auch zu solchen „Events“ werden. Professionelle Musik, emotionaler Kick und mitreißende Botschaft. Außerdem lassen sich Menschen mit Musik im Hintergrund viel besser zu einer Entscheidung bewegen – weil sie psychisch manipuliert sind. Hier meine Anfrage: Brauchen wir das echte (und oft sehr stille) Wirken des Heiligen Geistes tatsächlich durch Manipulation ersetzen?
Auf Deine Nachfragen, Antworten und weiteren Gedanken freue ich mich!