Anspruch und Wirklichkeit der historischen Kritik

Pfr. Dr. Stefan Felber hat auf seiner Homepage ein Dokument zum Download bereitgestellt, welches ich sehr empfehlen möchte. Auf nur einer A4-Seite schafft er es, eine ganze Reihe von Kritikpunkten an den hysterisch-kritischen (pardon, historisch-kritischen) Methoden anzubringen. Er untersucht Anspruch und Wirklichkeit der historisch-kritischen Methoden. Das Dokument kann hier (Link) heruntergeladen werden.

Ich stimme dem Inhalt des Dokuments vollkommen zu, möchte hier aber die Gelegenheit nutzen, einzelne Aussagen noch etwas zu ergänzen, zuzuspitzen oder zu verdeutlichen. So fallen unter Punkt 1 etwa die Begriffe „Objektivität“ und „Hypothesenvielfalt“. Da geht es darum, dass man versucht, möglichst wissenschaftlich, möglichst objektiv zu sein, aber sehr oft verstecken sich liberale Theologen hinter einer ganzen Reihe von unüberprüften, unüberprüfbaren Hypothesen. Nehmen wir nur mal zum Beispiel die Zweiquellenhypothese der Evangelien. Man postuliert dabei, dass zuerst das Markusevangelium geschrieben worden sei, und die anderen Autoren, Matthäus und Lukas, hätten Markus genommen, abgeschrieben und mit einer anderen Quelle, der sogenannten „Logienquelle Q“ vermischt. Diese Logienquelle ist ein rein fiktives Instrument der kritischen Theologen. Noch niemand hat je eine solche Logienquelle gefunden. Deshalb kann sich jeder aussuchen, was nun tatsächlich von Jesus stammen soll, und welche Inhalte aus der Logienquelle Q kommen sollen. Wer sich einmal die Mühe macht, die unterschiedlichen Teile zu studieren, die entweder bei allen dreien, nur bei zweien oder gar je nur bei einem Evangelium vorkommen, wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen und es wird klar, wie sehr da ein von Gott prophetisch gelenkter Prozess von Menschen, die der Wahrheit und den geschichtlichen Tatsachen auf den Grund gingen, vonstatten ging. Jede rein menschliche Erklärung enthält unzählige Löcher und Ungereimtheiten.

Immer wieder kommt die Abkürzung „KAK“ vor, diese steht, wie unter Punkt 4, Stichwort „Historizität“ geschrieben, für „Kritik, Analogie, Korrelation“. Diese drei Begriffe gehen auf den deutschen Theologen Ernst Troeltsch zurück. In seinem Buch „Über historische und dogmatische Methode in der Theologie“ schreibt er darüber. Ich habe in meiner Datei zur Geschichte der Biblischen Theologie (Link) auf Seite 21 diesen Dreiklang folgendermaßen beschrieben:

a. Kritik: Alles muss zunächst einmal angezweifelt werden. Nichts darf per se als wahr betrachtet werden, wenn seine Wahrheit nicht zuerst nachgewiesen werden konnte. Die menschliche Vernunft (und damit der Subjektivismus) wird über jede Aussage der Bibel gestellt und muss sie in allem radikal hinterfragen.

b. Analogie: Diese Kritik geschieht zunächst durch das Prinzip der Analogie. Das bedeutet: Man sucht im nach ähnlichen Berichten und bewertet anhand derer die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Ganze tatsächlich so abgespielt haben könne. Hierdurch wird die Tatsache von Wundern komplett in den Bereich der Mythen verschoben. Auch Jungfrauengeburt und leibliche Auferstehung Jesu streitet man mit dieser Vorgehensweise ab.

c. Korrelation: Die zweite Methode der Kritik ist die Korrelation. Es darf keine Zufälle geben, deshalb beruht alles auf Wechselwirkungen und die müssen gefunden werden. Es wird also gefragt, woher es komme, dass die biblischen Autoren genau jenes geschrieben haben, also: woher könnten sie ihre religiösen Vorstellungen haben? Von wem sind die ‘geklaut’? Auf welche Ursache sind die biblischen Texte zurückzuführen?“

Gerade weil die historisch-kritische Bibelforschung versucht, objektiv und neutral zu sein, schafft sie beständig neue Dogmen, die ihrerseits nicht wirklich grundlegend begründet werden (können). Theologie ist mehr als nur Literaturwissenschaft auf ein einzelnes Buch angewandt. Sie ist mehr als Soziologie einer früheren Kultur. Sie ist mehr als Vermittlung des Wissens, wie man die Bibel nicht auslegen soll. Und doch verkommt sie häufig genau zu dem. Die historisch-.kritische Theologie kann die Bibel nicht mehr begründet positiv auslegen, weil sie sich zu sehr an das „Nicht-So“, die Absage an bisherige Auslegungen, gebunden hat. Sie kann keine positive Exegese liefern, weshalb durch die ganze Methoden- und Hypothesenvielfalt letztlich jeder Text alles bedeuten kann – und vielleicht wird durch reinen Zufall damit gerade das getroffen, was Gott durch Sein Wort eigentlich sagen wollte. Rein statistisch gesehen ist das Gegenteil deutlich wahrscheinlicher.

Bei Punkt 7 hätte ich „Moralisierung“ treffender gefunden. Kleiner Hinweis am Rande. Weil die Predigt für liberale Theologen gerade nicht mehr die biblische Ethik hochhalten kann, weil sie angeblich zu gesetzlich sei, wird stattdessen der moralische Zeigefinger für alle möglichen politischen Probleme erhoben. Ob diese Politiken eher links- oder rechtslastig sind, ist im Grunde genommen egal. Aber solange das Evangelium vom Sühnopfertod Jesu Christi an unserer Statt nicht mehr dazu da ist, um mein Leben in Gottes Sinne umzukrempeln, werden innerweltliche Probleme angesprochen und der Mensch zum aktiven Handeln im Sinne eines Überaktionismus gedrängt. Der „moralistisch-therapeutische Deismus” (Link) lässt grüßen.

Sollte Gott wirklich gesagt haben…?

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der HERR gemacht hatte; und sie sprach zum Theologiestudenten: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr die Bibel auf keine Art und Weise interpretieren dürft? Da sprach der Theologiestudent zu der Schlange: Auf alle möglichen Arten dürfen wir die Bibel interpretieren, nur bei der einen Art, bei welcher die Bibel nicht wortwörtlich als Gottes Wort betrachtet wird, hat Gott gesagt: Übt euch nicht darin, sonst werdet ihr ins Zweifeln kommen und Mein Wort verfälschen! Da sprach die Schlange zum Theologiestudenten: Keineswegs werdet ihr sie damit verfälschen! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr euch ihr hingebt, werden euch die Augen geöffnet und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was in der Bibel Gottes Wort und was nur Menschenwort ist! Ihr werdet erkennen, dass die Bibel mit der Literarkritik und der Redaktionskritik, mit der vergleichenden Religionsgeschichte und Überlieferungsgeschichte im Hinterkopf gelesen viel spannender sein wird – und das Ergebnis wird euch besser gefallen! Und der Theologiestudent sah, dass diese Methoden ganz nach seinem Geschmack waren, dass sie eine Freude für seinen unabhängigen Intellekt wären, weil sie weise machen, und er nahm sie auf, lieferte sich ihnen aus und gab seiner Gemeinde, damit diese dasselbe täte, und sie tat es. 

Was ist biblische Theologie?

Zunächst muss geklärt werden, was Theologie an sich überhaupt ist. Das Wort setzt sich zusammen aus Theos (griech. Wort für „Gott“) und Logie bzw. Logia (griech. Wort für „Lehre“ oder „Rede“). Es ist somit kurz gesagt die Lehre von Gott. Nun ist es so, dass also jeder Mensch, der über Gott spricht, eine bestimmte Vorstellung von Gott hat. Diese Vorstellung kann entweder korrekt (wahr) sein oder falsch (unwahr) sein. Wir alle haben also eine solche Vorstellung und damit zugleich auch automatisch eine bestimmte Theologie. Nun ist es für jede und jeden Gläubigen notwendig, das eigene theologische System immer wieder zu überprüfen, um zu sehen, ob es vor dem, was Gottes Wort nun tatsächlich lehrt, standhalten kann. Einerseits tun wir das jedes Mal, wenn wir in der Bibel lesen. Wir stoßen dabei hin und wieder auf einzelne Aussagen, die uns irritieren, weil sie in unser bisheriges System nicht reinpassen. Dann tun wir automatisch eines von zwei logischen Verhaltensweisen: Entweder wir suchen eine Erklärung, weshalb das nicht so sein kann und behalten unser bisheriges System bei, anders gesagt: Wir versuchen, das Irritierende weg zu erklären. Oder wir sind bereit, unser System modifizieren zu lassen. Ein Beispiel für das Wegerklären wäre, dass man einen Befehl aus dem Neuen Testament an die Gläubigen als rein kulturell erklärt und damit aus dem System verschwinden lässt. Beliebt ist diese Variante bei Aussagen, die man heutzutage als diskriminierend gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen betrachtet, sei es wegen des Geschlechts oder der sexuellen Ausrichtung, oder aus sonstigen Gründen. Sehr oft werden solche als negativ empfundenen Aussagen einfach als Produkte der damaligen Zeit verstanden, und somit für die heutige Zeit für ungültig erklärt.

Wenn wir nun von der „Biblischen“ Theologie sprechen, so sind damit zwei verschiedene Aspekte zugleich angedacht:

Erstens ist es eine Theologie der gesamten Bibel, es wird die Aussage sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments ernst genommen. Dies ist notwendig im Blick auf die Tatsache, dass die beiden Testamente eine unzertrennliche Einheit bilden. So soll diese Einheit der beiden Testamente nicht nur theoretisch besprochen werden, sondern auch in praktischer Erarbeitung ihren Ausdruck finden. Diese Einheit kann letztendlich kaum genügend betont werden. Maleachi und Matthäus gehören in derselben Weise zusammen wie Jesaja und Jeremia oder der Jakobus- und der Hebräerbrief.

Zweitens rückt damit aber auch eine ganz andere Tatsache ins Zentrum der Überlegungen: Obgleich der Heilige Geist für die Niederschrift der einzelnen Bücher die Autoren inspiriert hat, so ist damit die Persönlichkeit der einzelnen Autoren nicht ausgeschaltet. So kommt es, dass im Urtext dasselbe Wort oder gar dieselbe Folge von Worten eine unterschiedliche Bedeutung bekommen kann und zuweilen auch unterschiedliche Begriffe für dieselbe Bedeutung stehen können. Dies ist davon abhängig, wie sich ein Wort im Laufe der Geschichte (im Laufe der Zeit) verändert hat und welcher biblische Autor es gebraucht.

Bereits der eigentliche Begründer der Biblischen Theologie, Johann Philipp Gabler, hatte dies in seiner berühmten Antrittsrede festgehalten:

Unter diesen Umständen müssen wir, wenn wir nicht erfolglos arbeiten wollen, die einzelnen Perioden der alten und der neuen Religion, die einzelnen Autoren und schließlich die einzelnen Redeformen, die jeder nach Zeit und Ort gebraucht hat, trennen; ob es das historische, didaktische oder poetische Genus ist.“ (Joh. Ph. Gabler in seiner 1787 gehaltenen Antrittsrede „Über die rechte Unterscheidung der biblischen und der dogmatischen Theologie“ in Strecker, Georg, Das Problem der Theologie des Neuen Testaments, S. 38)

Gabler hat mit dieser Ansprache die eigentliche Biblische Theologie begründet. Ihm geht es darum, dass die jeweilige Theologie des einzelnen Buches bzw. Autors mitberücksichtigt wird, bevor man aus der ganzen Schrift die Systematische Theologie (Dogmatik) baut. Dieses Anliegen ist durchaus legitim, wenngleich man sich von manchen von ihm propagierten historisch-kritischen Methoden distanzieren muss. So ist zum Beispiel Gablers Unterscheidung zwischen „der alten und der neuen Religion“ (Judentum und Christlicher Glaube) in diesem Sinne in Frage zu stellen.

Was man jedoch durchaus von Gabler übernehmen kann, ist die Erkenntnis, dass einerseits jeder Autor und jede Zeit bestimmte sprachliche Eigenarten besitzt, und andererseits dass jeder Text in einem bestimmten Umfeld entstanden ist und zunächst an dieses Umfeld und seine Zeit gesprochen, bzw. geschrieben wurde. Außerdem hat jeder Text eine bestimmte, ihm eigene Gattung, die ganz bewusst so gewählt wurde, und jede Gattung unterliegt bestimmten Regeln des Auslegens. Diese Regeln der Auslegung nennt man „Hermeneutik“, was so viel wie „Auslegung“ oder „Übersetzung“ bedeutet.

So ist die Weisheit des Sprüche-Buches einfach universal und zeitlos gültig, man kann sie lesen, umsetzen und bemerken, dass es einfach „funktioniert“, weil sie wahr ist. Dann gibt es aber auch Prophetien und Gebote an das Volk Israel, die man nicht eins zu eins auf die Gemeinde übertragen kann, sondern zunächst fragen muss, ob sie in Jesus Christus bereits erfüllt wurden. Dann gibt es aber auch Briefe im Neuen Testament, die an eine bestimmte Gemeinde mit einem ganz bestimmten inneren Problem gerichtet sind. Dort gilt es zunächst, diese innere Problematik zu erfassen und dann erst auf die heutige Zeit anzuwenden. Dies ist zum Beispiel ein Thema, mit welchem sich die Biblische Theologie befasst.

So soll die Biblische Theologie auf der einen Seite als eigenständige Wissenschaft die Bibel und ihre Texte nach den Hauptthemen und theologischen Schwerpunkten befragen, und zwar in Bezug auf die jeweilige heilsgeschichtliche Zeit, den einzelnen Autoren und die Textgattung und damit die verschiedenen „Theologien“ der Autoren herausarbeiten. Zugleich sollen ihre Ergebnisse der Dogmatik (systematische Darlegung von allen wichtigen Themen der Bibel) als Grundlage dienen, indem die Biblische Theologie zur Hilfswissenschaft der Dogmatik wird.

Ihrerseits hat die Biblische Theologie die Philologie (Sprachwissenschaft), die Archäologie, die Einleitungswissenschaft und die vergleichende Religionswissenschaft zur Seite stehen: Die Philologie hat als Aufgabe, den Sinn eines bestimmten Wortes in einer bestimmten Situation einer Fremdsprache festzustellen und dies in Form von Wörterbüchern und Grammatiken zu veröffentlichen. Die Archäologie sorgt mit ihren Ausgrabungen und der Identifizierung der ausgegrabenen Materialien für eine geschichtliche Einordnung sowie das Finden von Beweismaterialien für die Existenz historischer Personen und Situationen.

Die Einleitungswissenschaft untersucht den Text eines bestimmten biblischen Buches auf Hinweise auf den Verfasser, die Abfassungszeit, Ziele der Abfassung und manches mehr. Sie ist von höchster Bedeutung für die Biblische Theologie. Wer zum Beispiel mit den meisten historisch-kritisch arbeitenden Theologen annimmt, der Pentateuch sei mehrere Male ergänzt und erweitert worden, müsste dann für jeden weiteren Schritt der Veränderung eine eigene „Theologie“ finden. So arbeitete zum Beispel Gerhard von Rad in seiner „Theologie des Alten Testaments“, in welcher er vom in seinen Kreisen üblichen EJPD-Schema (insgesamt vier größere Überarbeitungen und Erweiterungen des Werks, das wir als die „Fünf Bücher Moses“ kennen) ausgeht.

Die vergleichende Religionswissenschaft untersucht die schriftlichen Quellen der verschiedenen Religionen und fragt nach einem Ursprung und einer sichtbaren Entwicklung der Religionen, in unserem Fall insbesondere der frühen Religionen des Vorderen Orients. Für Gerhard von Rad ist gerade die Religionsgeschichte ein wichtiger Bestandteil der Forschungen, deshalb beginnt er seinen ersten Band der „Theologie des Alten Testaments“ mit einem Kapitel über den „Abriß einer Geschichte des Jahweglaubens“.

Religionsgeschichtlich zu arbeiten bedeutet für uns, dass man die Heilsgeschichte als roten Faden quer durch die ganze Bibel hindurch betrachtet und deshalb die Heilsgeschichte als Ausgangspunkt und Aufbau der Biblischen Theologie wählt. Dieser Ansatz ist sehr hilfreich. Ein anderer Ansatz betrachtet die hebräische Bibel als Ganzes als eine Gesamtkomposition und fragt sich zunächst, weshalb welches Buch genau an dem Platz ist, wo es ist und nicht woanders. Dies ist der kanonische Ansatz, weil für ihn der biblische Kanon als Ausgangspunkt gewählt ist. Der dritte verbreitete Ansatz ist der sogenannt „dogmatische“ Ansatz. Meist geht er von einem bestimmten Schlagwort aus, das für den Autor das Zentrum der Bibel ist. Das wäre zum Beispiel bei Walther Eichrodt das Thema „Bund Gottes mit dem Volk“. Ausgehend von diesem Hauptthema wird nun jedes Buch einzeln untersucht und mit diesem Thema (oder teilweise auch mehreren Themen) als Zentrum genau beleuchtet.

Jeder der drei Ansätze hat natürlich seine Vor- und Nachteile, und meines Erachtens greift jeder Ansatz für sich allein zu kurz. Es braucht eine gesamte Sicht, die versucht, das Beste aus allen drei Ansätzen herauszukristallisieren. Das ist eine total spannende Sache und man lernt dabei die Bibel und ihre Botschaft noch viel mehr zu lieben. Mir zumindest geht es dabei so. Deshalb möchte ich hier hin und wieder einzelne Beiträge online stellen, die das noch weiter ausführen.

Bibelstudium – 1. Mose 1, 3 – 5

Vers 3: Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.

Und Gott sprach, das bedeutet:

  1. Dass Gott spricht, hat für unsere Vorstellung von Gott ganz zentrale Bedeutung. Dieses Sprechen zeigt, dass Gott eine eigenständige Persönlichkeit hat. Das Sprechen ist die Folge einer Willensentscheidung zu sprechen. Auch zeigt dieses Sprechen an, dass Gott Gedanken hat, denn der Satz ist logisch, sinnvoll und korrekt strukturiert. Zudem ist dieses Aussprechen, der Wunsch nach Veränderung, nach Erschaffung von etwas Neuem, nie Dagewesenem, der Ausdruck der Fähigkeit, Gefühle zu empfinden. Unsere menschliche Persönlichkeit ist nach diesem Ebenbild geschaffen.

  2. Dass Gott spricht, hat auch seine Begründung darin, dass Gott zwar Einer ist aber in drei Personen. Das Wort, nämlich der Herr Jesus, ist eine Person dieser göttlichen Dreieinigkeit. Wir sehen also: Der da spricht, ist Gott Vater. Er schafft durch den Sohn, das Wort. Und Gott der Heilige Geist ist über der Erde und „brütet“ sie aus, ist also für die weitere Entwicklung im Kleinen sowie dessen Schutz zuständig.

  3. Dass Gott spricht, zeigt auch Seine Gemeinschaftsfähigkeit. Überhaupt ist die Gemeinschaft in der Dreieinigkeit ein Vorbild für die Gemeinschaft, die Gott Sich auch mit uns Menschen und zwischen uns Menschen wünschen würde. Jede der drei Personen hat ihre eigene Aufgabe und Verantwortung. Und jede ordnet sich den anderen dort unter, wo ihre eigene Verantwortung aufhört. Dies kann uns als Vorbild dienen, wie wir in der Ehe, Familie, Gemeinde, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft, und so weiter miteinander umgehen sollen.

  4. Wo Gott redet, findet neues Leben, die Entstehung von etwas Neuem statt. Gott offenbart Sich uns in der Bibel Selbst. Zugleich bedeutet es aber auch, dass Gottes Schweigen immer Gericht ist. Wo Gott aufhört, mit uns zu sprechen und Sich uns zu offenbaren, da stehen wir im göttlichen Gericht.

„Es werde Licht!“ Und es wurde Licht. Das bedeutet:

  1. Das Licht wurde als Erstes geschaffen. Diese Entstehung von Licht zeigt uns, dass hier die Entstehung der Zeit begonnen hat. Zugleich bedeutet Licht auch Energie. Das Erste, was vorhanden sein muss, damit weitere Vorgänge überhaupt ablaufen können, ist Energie. Energie ist notwendig, um überhaupt irgend welche Naturgesetze einsetzen zu können.

  2. Gott erschafft durch Befehle. Genau so, wie Jesus später dem Sturm befiehlt, aufzuhören, oder dem Kranken befiehlt, gesund zu sein.

  3. Was Gott befiehlt, geschieht. Wir lesen immer, dass Gottes Befehle genau so umgesetzt wurden und werden. Diese exakte Wiederholung ist ein Beweis dafür, dass es genau so eingetroffen ist, wie Gott dies gewollt und befohlen hat. Schließlich ist die die gesamte Dreieinigkeit, die gemeinsam an all dem arbeitet, und Gott ist allmächtig. Also muss es IMMER genau nach Seinem Willen geschehen.

Vers 4: Und Gott sah das Licht, dass es gut war, und Gott trennte zwischen dem Licht und zwischen der Dunkelheit.

Und Gott sah das Licht, dass es gut war, das bedeutet:

  1. Gott hat Sein Werk mit kritischem Blick gemustert. Dies ist eine Art Qualitätskontrolle. Gott hat genau hingesehen und Sich ein exaktes Bild verschafft von dem, was bisher geschehen ist.

  2. Das Werk war noch nicht vollendet, erst der erste Teil davon war geschaffen. Dennoch hielt Gott inne und sah Sich das bisher Geschaffte an. Wenn Gott das schon tut während der Schöpfung, kann uns das in unserem Leben ganz bestimmt auch nicht schaden.

  3. Gott hatte Freude an Seinem Werk. Das hebr. Wort „tov“ bedeutet nicht nur „gut“, sondern auch „schön“, „wohlgefällig“.

Und Gott trennte zwischen dem Licht und zwischen der Dunkelheit, das bedeutet:

  1. Wir sehen, dass die Dunkelheit schon vor der Erschaffung des Lichts vorhanden war. Dunkelheit entspricht dem Nicht, dem Nichtseienden um dem von nichts Durchdrungenen. Dennoch gebraucht Gott auch diese Dunkelheit. Genauso verhält es sich auch mit dem Bösen, mit Krankheit, mit dem Tod, und so weiter: Gott ist nicht Urheber dieser Dinge, aber Er gebraucht sie zu unserem Besten.

  2. Gott machte eine Trennlinie, eine Grenze zwischen dem geschaffenen Licht und der ungeschaffenen Dunkelheit. Wäre alles immer nur grau in grau, so wäre es erstens nicht auszuhalten und zweitens könnten wir dann auch nicht unterscheiden zwischen dem, was Gott geschaffen hat, und dem Anderen.

Vers 5: Und Gott rief für das Licht: „Tag!“ und für die Dunkelheit rief Er: „Nacht!“ Und es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag.

Und Gott rief für das Licht: „Tag!“ und für die Dunkelheit rief Er: „Nacht!“ das bedeutet:

  1. Hier gibt Gott zum ersten Mal den beiden Dingen Licht und Finsternis einen Namen. Die Namensgebung ist ein Herrschaftsakt, das heißt: Dadurch, dass Gott dem Licht den Namen Tag und der Dunkelheit den Namen Nacht gibt, übt Er Seine Herrschaft aus und sagt damit: ICH bin der Herrscher über diese Elemente. So konnte Er auch dafür sorgen, dass es einmal drei Tage und Nächte lang Tag blieb. Wenn Eltern ihrem Kind einen Namen geben, so tun sie dasselbe: Sie übernehmen die Herrschaft über ihr Kind und dadurch auch die Verantwortung für die Pflege und Erziehung dieses Kindes.

  2. Diesen Akt der Herrschaft finden wir bei Adam auch wieder: Zuerst dadurch, dass er von Gott den Befehl bekam, die Tiere zu benennen. Damit übernahm er die Herrschaft und die Verantwortung für das Reich der Tiere im paradiesischen Garten. Später übte er diese Herrschaft auch über seine Frau aus, als er sie Chawah nannte. Das bedeutet ungefähr so viel wie Lebensspenderin.

  3. Durch die Differenzierung zwischen Tag und Nacht ergibt sich auch für den Menschen ein System, in welchem er klarkommen muss. Der Mensch ist so geschaffen, dass er grundsätzlich leistungsfähiger ist, wenn er sich an das Alltagsleben am Tag und den Schlaf in der Nacht hält. Dies kann nur mit recht großen Kräfteeinbußen „umprogrammiert“ werden. Das Tageslicht ist deshalb auch für den Menschen notwendig für ein gesundes Leben.

Und es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag. Dies bedeutet:

  1. Der Satz kann auch so übersetzt werden: „Und es wurde aus Abend und Morgen: Der erste Tag.“

  2. Gott hat Sein Werk auf 6 Tage plus ein Ruhetag gelegt. Dies nicht etwa, weil Er es nicht schneller hätte machen können, sondern einfach, weil es Ihm gefiel, das so zu machen. Gott hätte das Werk von 6 x 24 Stunden auch in einer Sekunde erledigen können.

  3. Für „ein“ Tag oder der „erste“ Tag steht im hebräischen das Wort „ächad“. Hier geht es vor allem um die Zusammenfügung von Tag und Nacht zu einem Tag. Das Wort wird auch gebraucht, um die Einheit von Mann und Frau zu „einem“ Fleisch zu beschreiben. Zwei verschiedene Dinge werden mit diesem Wort zu einer Einheit verknüpft. So geht aus diesem Wort auch ganz deutlich hervor, dass es sich tatsächlich um einen Tag, bestehend aus Tag und Nacht, bzw. Abend und Morgen, d.h. 24 Stunden besteht und nicht einfach irgend eine unbekannte Zeitspanne, die eventuell auch viele Millionen Jahre hätte dauern können.

Bibelstudium – 1. Mose 1, 1 – 2

Vers 1: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.

Im Anfang, das bedeutet:

  1. Die Entstehung der Welt hat einen Anfangspunkt. Die Welt wurde also zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt geschaffen. Die Schöpfung ist eine historische Tatsache, die man nicht relativieren kann. Und Gott hat uns in der Bibel alles gegeben, was wir dazu wissen müssen. Er hat in Raum und Zeit zu Menschen gesprochen und hat es sie schriftlich festhalten lassen. Weiter hat Er Sich darum gekümmert, dass die Menschen das Richtige, das Korrekte, also DIE Wahrheit aufschrieben und dass diese eine, ewig gültige Wahrheit nicht verlorengeht. Diese Wahrheit ist nicht nur heilsgeschichtlich, nicht nur religiös, nicht nur ethisch-sittlich, sondern auch wissenschaftlich korrekt.

  2. Auch wenn es nicht so leicht zu verstehen ist: Vor der Schöpfung der Himmel und der Erde gab es bereits eine ewige Ewigkeit. Die Zeit hingegen wurde erst mit der Schöpfung erschaffen.

  3. Durch die Erschaffung der Zeit außerhalb ihrer selbst ist es Gott möglich, in jedem „Moment“ alles zu wissen. Also: Er wusste auch vorgestern schon, was wir uns morgen für Kleider anzuziehen entscheiden werden.

Gott schuf, das bedeutet:

  1. Gott existierte schon vor diesem Zeitpunkt und Er war es, der die Schöpfung in Gang brachte. Übrigens war es die gesamte göttliche Drei-Einheit, welche an der Schöpfung beteiligt war (wie wir noch sehen werden).

  2. Das hebräische Wort bara’ (ברא) steht für die Erschaffung von Etwas aus dem Nichts. Im Gegensatz nämlich zu ‘asah, welches ein „Konstruieren“ aus bereits bestehender Materie bedeutet.

  3. Gott betätigte Sich als erster Arbeiter, indem Er die Schöpfung machte. Es ist faszinierend, wie viele „Berufe“ Gott ausgeübt hat in den ersten zwei Kapiteln des Mose-Buches.

Die Himmel und die Erde, das bedeutet:

  1. Himmel sind in der Mehrzahl. Von Paulus, der dorthin entrückt wurde, wissen wir, dass es drei Himmel geben muss. Man könnte auch von sieben Dimensionen sprechen, von welchen immer die Größeren die Kleineren beinhalten: Drei Dimensionen als Körper auf der Erde, die Zeit als vierte Dimension, die räumliche Ewigkeit (das Weltall) als fünfte Dimension, die unsichtbare Welt mit ihren geisthaften Bewohnern als sechste Dimension, und schließlich Gottes Thronsaal als siebte Dimension.

  2. Als Gott die Himmel schuf, wurden auch die Bewohner der unsichtbaren Welt gleich mitgeschaffen.

  3. Vermutlich hat der Fall Satans, wie er in den Prophetenbüchern beschrieben wird, während dem „und“ zwischen den Himmeln und der Erde stattgefunden.

  4. Der gesamte erste Vers ist die Überschrift über das erste Kapitel des ersten Mose-Buches.

Vers 2: Und die Erde war eine Wüste und eine Formlosigkeit und es war Dunkelheit auf dem Angesicht der Tiefe und der Geist Gottes brütete auf dem Angesicht der Wasser

Und die Erde war eine Wüste und eine Formlosigkeit, das bedeutet:

  1. Im hebräischen Text steht da „Tohu WaBohu“, was übersetzt wird mit „eine Wüste und eine Formlosigkeit.

  2. Tohu bedeutet: eine unwegsame Wüste, Leere, Nichtigkeit, Einöde, ein Nichts

  3. Bohu bedeutet: Leere oder Fehlen bestimmter Formen

  4. Wir können also sehen, dass Gott im ersten Vers einmal die Materie an und für sich aus dem Nichts erschaffen hat. Bis dahin war ja schließlich noch gar keine vorhanden. Die Schöpfung, welche ab dem dritten Vers beschrieben wird, beschreibt eine Schöpfung aus der Materie, welche zunächst geschaffen worden war. Da wird dann vorerst auch nicht mehr das Verb „bara’“ gebraucht, sondern einige andere Verben.

Und es war Dunkelheit auf dem Angesicht der Tiefe, das bedeutet:

  1. Es gab aus menschlicher Sicht gesehen noch kein Licht, da dieses erst noch geschaffen werden sollte.

  2. Diese Stelle lehnt jede Spekulation von einem Urknall ab, da diese Finsternis noch auf eine Abwesenheit von Energie schließen lässt

  3. Das Wort „tehom“, das ich mit Tiefe übersetzt habe, hat auch die Bedeutung eines Gewässers.

Und der Geist Gottes brütete auf dem Angesicht der Wasser, das bedeutet:

  1. Dies ist das erste Zeugnis vom Heiligen Geist.

  2. Der Geist Gottes war in die Schöpfungsarbeit miteinbezogen. Die gesamte Dreieinigkeit von Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist ist hier gemeinsam am Werk.

  3. Das Wort „rachaph“ (brüten, schweben) müssen wir so verstehen, wie Eltern ihre Kinder, während sie aufwachsen, größer werden, sich verändern, diese Veränderungen zu unterstützen suchen und zugleich für Schutz sorgen. So ist der Heilige Geist in der Schöpfung Derjenige, welcher darauf achtet, dass die Schöpfung in den richtigen Bahnen geleitet bleibt und schützt diese Bahnen. Diese erhaltende und schützende Funktion hat der Heilige Geist auch heute noch – Er lebt im Gläubigen, führt, leitet und beschützt ihn und lässt ihn behutsam und liebevoll in der Beziehung zur gesamten göttlichen Dreieinigkeit wachsen.