Glaube Liebe Tod

Gallert, Peter, Reiter, Jörg, Glaube Liebe Tod, Ullstein Verlag 2017, Kindle-Version, 384S., Amazon-Link
Der Polizeiseelsorger Martin Bauer versucht, einen Polizisten zu retten, der gerade dabei ist, sich von einer Brücke zu stürzen. Der Versuch gelingt – für vier Stunden. Dann wird der Polizist tot aufgefunden. Er hatte sich von einem Parkhaus gestürzt. Doch irgend etwas stimmt da nicht. Bauer schöpft Verdacht, denn Keunert, der Polizist, wollte sich ja gerade deshalb ins Wasser stürzen, damit er nicht so eine Sauerei hinterlässt. Nun gibt es sie doch. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus und Bauer macht sich selbst auf die Suche. Er findet heraus, dass Keunert bereits eine interne Ermittlung wegen Bestechlichkeit gegen sich laufen hatte und die Spur führt ins Rotlichtmilieu. Dort überschlagen sich die Ereignisse, es kommt Drogenhandel ins Spiel und am Ende gelingt es der Polizei dank Bauers Mithilfe und Hartnäckigkeit, den Fall aufzuklären.
Der Einstieg in das Buch ist sehr gut gelungen. Die Leseprobe hat mich gleich gefesselt und ein sehr spannendes Buch versprochen. Besonders hat mich auch interessiert, wie die Autoren theologisch mit der Hauptfigur des Polizeiseelsorgers Martin Bauer umgehen. Das Buch ist leicht lesbar, ich habe es gerne gelesen, aber meiner Meinung nach wurde das Versprechen der ersten Seiten nicht eingehalten. Je länger man las, desto leichter ließ sich vorhersagen, welche Wendung als nächstes eintreffen musste. Vielleicht liegt dies auch daran, dass die Autoren als Drehbuchautoren schon zuviel Routine besitzen und deshalb besser für Filme schreiben sollten, wo sich das Vorhersehbare durch visuelle Effekte leichter überraschend darstellen lässt.
Gut gefallen hat mir, dass die Autoren das Leben im Rotlichtmilieu sehr anschaulich und realistisch beschrieben haben: Die Gewalt und Herabwürdigung, die den Frauen dort täglich begegnet; die Tatsache, dass das kaum jemand freiwillig macht. Auch die fortwährenden Schwierigkeiten der jungen Hauptkommissarin Verena Dohr, an deren Stuhl beständig gesägt wurde, da andere auf ihren Posten neidisch waren, wird sehr schön und natürlich nachgezeichnet. Sie ist die weibliche Nebenheldin, da sie sich am Ende trotz aller Gefahren des Falles annimmt und Bauer auf der Suche nach dem Jungen Tilo, der als Keunerts Sohn aufwuchs, unterstützt. Dass Tilo natürlich ein uneheliches Kind sein muss, wird dem Leser ähnlich aufgebauter Krimis schon längst klar sein, wenn dann endlich diese Bombe platzt.
Als Theologe habe ich zu guter Letzt auch noch ein paar Gedanken zur Theologie des ehemaligen Pfarrers und inzwischen Polizeiseelsorgers Martin Bauer. Wie geht er mit der Bibel um? Zwei Zitate: „Es genügte, die Bibel in der Hand zu halten. Dabei war es egal, um welche Ausgabe in welcher Fassung oder Sprache es sich handelte. Das Buch zu halten gab ihm Kraft. Nur mit der digitalen Bibel auf seinem iPad funktionierte das nicht.“ (Pos. 787) „Bei seinem Bibelroulette war Bauer im Alten Testament gelandet, in den Büchern der Kleinen Propheten. Beim Gerichtstag des Herrn.“ (Pos. 4492) Beide Zitate zeugen von einem magischen Bibelverständnis. Ob er nun Bibelroulette spielt oder aus dem mechanischen Halten der geschlossenen Bibel „Kraft“ beziehen will, immer steckt der Gedanke dahinter: „Die Bibel muss magisch an mir wirken, auch wenn ich mich nicht systematisch mit ihr beschäftige.“
Gottes Plan für unser Leben? Fehlanzeige! „Wieder unterbrach Nicole seine Gedanken. ‘Glauben Sie, Gott hat so etwas wie einen Plan für uns?’ Bauer schüttelte langsam den Kopf. ‘Ich glaube, er gibt uns eine Idee. Wenn wir Glück haben, erkennen wir sie. Den Plan machen wir selbst.’“ (Pos. 4780) Oder auch interessant, ziemlich am Anfang: „Er hatte auf Gott vertraut. Das hatte einem Menschen das Leben gekostet.“ (Pos. 1291)
Und dann muss natürlich auch noch eine Buddhistin erscheinen, um Bauer wieder auf die richtige Spur zu bringen: „’Buddhistische Prinzipien … Ist die Wahrheit so ein Prinzip? Spielt sie eine wichtige Rolle im Buddhismus? Was ist mit ihrer heilenden Kraft?’ Sie wurde ernst. ‘Im Umgang mit Menschen geht es meiner Ansicht nach weniger um Wahrheit als um Weisheit. […] Buddhismus ist keine Religion. Buddhisten können an Gott glauben.’“ (Pos. 6321) „Zuerst hatte er dem Geräusch ihres gleichmäßigen Atems gelauscht. Dann hatte er gebetet. Irgendwann verwandelte sich die Kraft, die er in sein Gebet legte, in reine Konzentration, der Fokus weitete sich, bis er alles umfasste. Er wusste nicht, was dieses Alles war, aber das machte nichts. Seine Zweifel und Fragen waren darin verschwunden.“ (Pos. 6367) Nun ist der ehemalige Pfarrer gänzlich in die Esoterik abgesunken. Wahrheit ist plötzlich nicht mehr so wichtig, Antworten sind es nicht, nur das Gefühl, mit dem „Allen“ verbunden zu sein. Das erinnert enorm an fernöstliche Meditation, die leider auch in der Kirche immer weitere Kreise zieht.
Fazit: Ein spannender Anfang, viele gute Gedanken und Beschreibungen, die es wert sind, weiter darüber nachzudenken. Die Handlung ist leider häufig zu leicht vorhersehbar, und theologisch bleibt am Ende auch nur noch die Religionsvermischung übrig. Ich gebe dem Buch drei von fünf möglichen Sternen.

 

Wo bleibt das Band der Liebe?

Nicht nur mir, auch einigen älteren, weiseren Freunden ist es immer wieder aufgefallen, wie sehr unsere Zeit unter Gespaltenheit und Lieblosigkeit leidet. Es scheint das Symptom des Zeitgeistes zu sein. Wohin man hört und sieht, überall ist Gleichgültigkeit bis hin zu offenem Hass zu finden. Es ist eine Zeit der Lautstärke, in welcher jeder versucht, alle zu übertönen, die ihm nicht zustimmen. Besonders deutlich wird das in den asozialen Medien, die sowieso schon von der „sichtbaren Lautstärke“ leben. Möglichst groß, krass, sichtbar, abwertend, etc. Ich möchte im Folgenden ein paar Überlegungen anstellen, wie es zu diesem Phänomen gekommen ist und welche weiteren Wege denkbar sind.
Es ist eigentlich ein sehr widersprüchliches Phänomen: Auf der einen Seite führt der Glaube an die grenzenlose Perfektibilität des Menschen, der vom „American Dream“ stammt, zum Denken, dass jeder sich selbst verbessern kann. Dies wiederum zeigt sich darin, dass der Mensch sich häufig als Maschine sieht – und entsprechend auch von der Wirtschaft so eingesetzt wird. Der Einzelne ist nur noch das schwächste Glied der Maschine; der Arbeiter will nur noch durchhalten, um nachher Freizeit zu haben, und dann wird die Freizeitgestaltung auch wieder nur von einer Freizeitmaschinerie und Konsumindustrie bestimmt.
Auf der anderen Seite regiert das Gefühl. Wo aber das Gefühl die Macht in den Händen hält, wird jeder Widerspruch gleich persönlich verstanden. Wenn mein Gefühl der King des Lebens ist und Du mir widersprichst, dann hast Du etwas gegen mich persönlich gesagt. So wird das empfunden. Und wenn das jemand so empfindet, dann fühlt man sich auch sofort berechtigt, die andere Person persönlich anzugreifen und fertigzumachen. Dass es da einen enormen Unterschied zwischen Person und Meinung gibt, nehmen viele Menschen nicht mehr wahr.
Der Einzelne, welcher sich persönlich angegriffen fühlt, sucht meist nicht den Kontakt, um sich darüber auszutauschen, warum die andere Person diese gegensätzliche Meinung vertreten hat, sondern zieht sich in sein Ghetto zurück, zu denen, die derselben Meinung sind wie sie selbst auch. Wie das online geschieht, habe ich hier (Link) geschrieben. Oft besteht das darin, dass man Menschen anderer Meinung aus der Freundesliste löscht oder „entfolgt“ (Twitter). Ich habe noch nie jemanden wegen seiner Sichtweise gelöscht, und habe auch nicht vor, das je zu tun. Warum? Weil ich mir der Gefahr des Ghettos und meiner menschlichen Schwäche bewusst bin und weiß, dass ich (und jeder andere auch) Widerstand, verschiedene Sichtweisen, Vielfalt brauche, um gesund wachsen zu können.
Angst ist ein schlechter Berater, und meist ist es Angst davor, angegriffen oder in Frage gestellt zu werden, was Menschen in ihre „Ghettos“ treibt. Wenn Menschen sich ihres Werts unsicher sind, suchen sie häufig nur Bestätigung unter ihresgleichen. Sie tun alles, um Kritik und anderen Meinungen auszuweichen, denn so richtig wohlig fühlt man sich in dem Fall nur unter Menschen, die die eigene Sicht teilen und loben. Wer sie nicht teilt, muss entweder unwissend oder voll Hass sein, so ist die Vorstellung in diesem Fall. Dass man auch mit demselben Hintergrundwissen zu ganz anderen Schlüssen oder zu anderen Präferenzen kommen kann, wird meist ausgeblendet.
Die exzessive Verwendung der neueren Medien spielt auch noch mit hinein. Sie sind nun keinesfalls für diese Entwicklung verantwortlich im Sinne von schuldig, aber sie erleichtern die Bildung von wohlig-kuschligen Ghettos Gleichgesinnter und zugleich das technische Blockieren aller anderen Sichtweisen. Wer im Supermarkt einkaufen geht, wird unter den übrigen Kunden bestimmt eine Vielzahl von Sichtweisen treffen können, doch wer nur mit sich selbst beschäftigt ist und mit dem eigenen „Ghetto“, wird unfähig, sich auf diese anderen Meinungen einzulassen, sie mal zu überdenken und von ihnen profitieren zu versuchen. Darüber habe ich übrigens hier (Link) geschrieben. In den asozialen Medien hat jeder selbst die Verantwortung, sich seine Kontakte zu wählen, und viele Menschen suchen sich bewusst gleichdenkende Kontakte aus. Das führt wieder zu dieser digitalen Art von „Gated Communities“.
Im Folgenden eine Reihe von Fragen, die mir helfen (zumindest hoffe ich das), nicht nur mit den neuen Medien, sondern grundsätzlich auch mit mir entgegengesetzten Meinungen umzugehen und das alles überwinden könnende Band der Liebe aufrecht zu erhalten:
  • Wie fühle ich mich, wenn mir jemand widerspricht? Kann ich meine Sicht von meiner Persönlichkeit von meiner Meinung trennen oder fühle ich mich dann angegriffen?
  • Was mache ich, wenn mir jemand widerspricht, reflexartig als Erstes? Bete ich für diese Person, die mir widerspricht? Bete ich dafür, die Wahrheit zu erfahren?
  • Wie gut kann ich damit umgehen, eine Woche lang online nicht erreichbar zu sein? Fühle ich mich dadurch abgewertet oder habe ich Angst, etwas Wichtiges zu verpassen?
  • Wie geht es mir, wenn ich fünf Minuten lang nur still bin, ohne über etwas nachzudenken und ohne Ablenkung?
  • Wann habe ich zuletzt ein Buch gelesen, dem ich in den allermeisten Punkten widersprechen musste? Was habe ich dennoch davon mitnehmen können?
  • Wie sehe ich Menschen, die anderer Meinung sind? Kann ich sie als vollwertige Geschöpfe Gottes erkennen und eine ganze Menge über unseren Schöpfer von ihnen lernen?
  • Wie geht es mir, wenn ein Hype oder Shitstorm viral wird? Lasse ich mich davon mitreißen? Mache ich mit, wenn es nur darum geht, jemanden fertigzumachen?
  • Wann habe ich Gott zuletzt dafür DANKE gesagt, dass Menschen so verschieden sind und mir dadurch auch helfen, die Wahrheit noch besser zu verstehen?
  • Bete ich regelmäßig für die Menschen, die anderer Meinung sind und segne sie, statt (nur) Gott zu bitten, ihre Meinung zu ändern?
  • Was finde ich in der Bibel für Hinweise, die mir helfen, meine Gottes- und Nächstenliebe am Brennen zu erhalten?

Die schwierige Lehre von Gottes Liebe – Donald A. Carson

Zu Beginn des neuen Lesejahres bin ich auf ein kleines Buch von Donald A. Carson gestoßen. Es heißt „The difficult Doctrine of the love ofGod“. Freundlicherweise bietet Carson manche seiner Bücher zum kostenlosen Download als PDF an. So konnte ich das Buch digital lesen. Wer dieses und noch mehr Bücher von Carson als PDFs lesen möchte, findet hier (Link) die komplette Auswahl dieser PDF-Bücher.

Carson ist Professor für Neues Testament an der Trinity Evangelical Divinity School und auch ein ausgezeichneter Kulturkenner. So verwundert es nicht, dass sein Buch mit einem Überblick über verschiedene evangelikale Missverständnisse von der Liebe Gottes beginnt.

Ich habe das Buch vor allem deshalb mit viel Interesse gelesen, weil mir das häretische Liebesgewäsch zahlreicher Vorzeige-Evangelikaler seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Als Erstes muss Carson natürlich erklären, warum er der Meinung ist, dass die Lehre von der Liebe Gottes kompliziert ist. Dies ist laut Carson kein innerbiblisches Problem, sondern in erster Linie ein kulturelles Problem unserer Zeit. Unsere Kultur hat ein kaputtes Verständnis von der Liebe, und das mach die Rede von Gottes Liebe kompliziert. In seinen Worten: The result, of course, is that the love of God in our culture has been purged of anything the culture finds uncomfortable. The love of God has been sanitized, democratized, and above all sentimentalized.“(S. 11)

Ab S. 16 stellt Carson fünf verschiedene Arten vor, wie die Bibel implizit und explizit von der Liebe Gottes spricht. Ich fasse diese in meinen Worten zusammen:

1. Die Liebe Gottes innerhalb der göttlichen Dreieinigkeit. Gott Vater liebt Gott Sohn und Gott Sohn liebt Gott Vater. Beider Liebe ist gleichermaßen perfekt aber in sich selbst unterschiedlich. (Im zweiten Kapitel wird das im Detail ausgearbeitet)..

2. Die Liebe Gottes zu allem, was Er gemacht hat. Carson nennt das die Liebe in der Vorsehung (providential love). Alles, was Gott gemacht hat, war gut, und deshalb das Produkt eines liebenden Schöpfers.

3. Gottes rettende Liebe gegenüber einer gefallenen Welt. Gott hat Seinen Sohn gesandt, um die ganze gefallene Welt auf den Kopf zu stellen. Deshalb hat Jesus Christus auch die Gemeinde gesandt, um allen Menschen das Evangelium zu verkünden.

4. Gottes ganz spezielle effektive Liebe gegenüber den Gläubigen. Zuerst war das Volk Israel Gottes auserwähltes Volk. Von dort wurden auch einzelne Menschen wiederum als Priester oder Propheten, etc. ausgewählt. In Jesus wurde der neue Bund für alle Gläubigen aller Nationen geöffnet.

5. In bestimmten Fällen sind die segensreichen Auswirkungen von Gottes Liebe an eine Bedingung, nämlich Gehorsam, geknüpft. So ist der Gehorsam Jesu gegenüber auch eine sichtbare Darstellung unserer Liebe Gott gegenüber.

Diese fünf Arten der Liebe Gottes haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Sie finden alle gleichzeitig statt und sind alle gleichermaßen perfekte Liebe Gottes. Man könnte auch sagen, sie sind verschiedene Ausdrücke derselben Liebe gegenüber unterschiedlichen Empfängern dieser Liebe. Keine der fünf Arten oder Ausdrücke darf überbetont werden, sie haben bei Gott alle denselben Rang.

Das zweite Kapitel „Gott ist Liebe“ behandelt vor allem die sprachlichen Unterschiede der verschiedenen Ausdrücke, die in der Bibel mit „Liebe“ oder ähnlichen Worten übersetzt werden. Das ist eine interessante Debatte, die ich hier aber überspringe. Eine interessante Bemerkung macht Carson zur Heilung Jesu am Sabbat: Yet here is Jesus, claiming the right to work on the Sabbath because God is his Father, and, implicitly, he is the Son who follows in his Father’s footsteps in this regard.“(S. 32)

Wichtig finde ich ganz besonders für unsere heutige Zeit das dritte Kapitel „Gottes Liebe und Gottes Souveränität“. Hier geht es um die Frage, was es bedeutet, dass Gott liebt in der Hinsicht darauf, dass Gott Gott ist und damit perfekt und absolut souverän. Anders gefragt: Kann der absolut souveräne Gott Gefühle haben? Das ist übrigens eine Frage, die auch in Diskussionen mit Atheisten häufig aufkommt.

Etwa in Hosea 11 wird deutlich, dass Gott nicht einfach ein gefühlsloses, stoisch in sich ruhendes Wesen ist. Das ist die eine Seite, von der man vom Pferd fallen kann. Die andere Seite darf aber auch nicht vergessen werden: Ebenso falsch ist es, sich Gott so vorzustellen, dass er sich ständig verändern und seine Meinung in den Wind hängen würde. Gerade diese Diskussion macht das Buch unglaublich wertvoll.

Carson macht klar, dass die Bibel Gottes Unveränderlichkeit lehrt. Gott ist treu, bleibt ewig Derselbe, ist unveränderlich. Daraus haben manche Traditionen eine Lehre von Gottes „Gefühllosigkeit“ (engl. „impassibility“) gemacht. Dazu schreibt Carson: Christians are not fatalists. The central line of Christian tradition neither sacrifices the utter sovereignty of God nor reduces the responsibility of his image-bearers. In the realm of philosophical theology, this position is sometimes called compatibilism. It simply means that God’s unconditioned sovereignty and the responsibility of human beings are mutually compatible.“(S. 51f) Carson zeigt dies etwa am Beispiel von Joseph: Seine Brüder haben eine falsche Entscheidung gemacht. Sie meinten es übel mit ihm. Aber Gott hat genau dieses Übel für etwas Gutes gebraucht. So sind die Brüder vor Gott dennoch für falsches Handeln verantwortlich. Aber Gott gebraucht auch Sünde, um daraus Gutes werden zu lassen.

Carson zeigt auf, dass die Prozesstheologie keine Lösung dieser Frage bieten kann, im Gegenteil, sie stiftet nur Verwirrung. Diese Theorie behauptet, dass Gott das Universum in sich selbst geschaffen hat, also dass es jetzt in ihm ist, und dass Gott sich deshalb auch verändern würde, sobald sich im Universum, bzw. unter uns Menschen etwas verändert. Von einem ähnlichen Konzept geht etwa auch der „Open Theism“ aus, der sich zur Zeit recht schnell ausbreitet. Diese Lehre besagt, dass der Mensch nur dann einen freien Willen haben könne, wenn Gott heute noch nicht weiß, was wir morgen entscheiden werden. So habe Gott – sagt diese Theorie – sich selbst eingeschränkt und verzichtet auf das Vorherwissen unserer Entscheidungen und sei deshalb auch immer wieder erstaunt oder gar erschreckt oder Ähnliches, je nachdem, was wir tun.

Und dann geht es um die Frage, was es bedeutet, dass Gott uns liebt. Hier zwei wichtige Zitate dazu:

He does not “fall in love” with us; he sets his affection on us.“ (S. 61) Gott ist nicht in einer Art wie wir Menschen das kennen „verliebt“. Er wird nicht von den Hormonen gesteuert. Seine Liebe bedeutet, dass Er uns in all unserer Schwäche und Sündhaftigkeit annimmt, indem Er Seine Liebe auf uns richtet. Gott sagt uns also ungefähr:

Your sins have made you disgustingly ugly. But I love you anyway, not because you are attractive, but because it is my nature to love.“(S. 63) Wir haben nichts an uns, was uns für Gott liebenswert macht, also nichts, was Ihn aus uns selbst dazu animieren würde, uns zu lieben. Er tut es trotzdem, weil die Liebe Seinem Wesen entspricht.

Das vierte und damit letzte Kapitel heißt „Gottes Liebe und Gottes Zorn“. Auch hier wieder wertvolle Hilfen zum Verstehen von Gottes Wort:

Where God in his holiness confronts his image-bearers in their rebellion, there must be wrath, or God is not the jealous God he claims to be, and his holiness is impugned. The price of diluting God’s wrath is diminishing God’s holiness.“ (S. 67)

Unser Problem damit ist, dass wir Menschen sehr beschränkt sind. In unserer Erfahrung kennen wir vor allem das ständige Wechseln dieser Gemütszustände. Mal sind wir zornig, dann wieder nicht, und so weiter. Zorn treibt die Liebe aus und die Liebe den Zorn. Aber Gott ist nicht so beschränkt, bei Ihm ist alles zugleich und in absoluter Perfektion.

In other words, both God’s love and God’s wrath are ratcheted up in the move from the old covenant to the new, from the Old Testament to the New. These themes barrel along through redemptive history, unresolved, until they come to a resounding climax—in the cross. Do you wish to see God’s love? Look at the cross. Do you wish to see God’s wrath? Look at the cross.“ (S. 70f)

Am Kreuz sehen wir den Höhepunkt der Heilsgeschichte. Hier sind Gottes schrecklicher Zorn und Gottes unfassbare Liebe beide gleichermaßen fassbar, und keines davon hebelt das andere aus.

Ein lesens- und bedenkenswertes Buch, das mir wohl noch das eine und andere Mal zu knabbern geben wird!

Ist Systematische Theologie für alle Gläubigen wichtig?

Wenn wir unseren Glauben verstehen wollen, so wird kein Weg an der Systematischen Theologie vorbeiführen. Und darum wird es heute gehen. Deshalb möchte ich zunächst einmal definieren, was Systematische Theologie ist. Ich nehme dazu die hilfreiche Definition von Wayne Grudem:
Systematische Theologie ist jede Studie, welche die Frage beantwortet: „Was lehrt uns die Bibel heute?“ zu jedem gegebenen Thema. (Wayne Grudem, Systematic Theology, S. 21)
Das heißt also, dass sich die Systematische Theologie damit beschäftigt, zu sammeln und auszuwerten, was uns die gesamte Bibel zu einem bestimmten Thema zu sagen hat. Und deshalb kommen wir zur heutigen Frage:
Ist denn diese Systematische Theologie für alle Gläubigen wichtig und wenn ja, warum?
Ich zähle hier einige Gründe auf, weshalb ich der Meinung bin, dass sich jeder Gläubige (und nach Belieben natürlich auch jeder Andere) damit befassen sollte. Es ist dann die Aufgabe eines jeden Einzelnen, sich zu fragen, ob die Gründe ausreichen und was die Konsequenzen davon sind.
1) Jeder Christ ist ein Theologe – die Frage ist, ob seine Theologie korrekt ist
Ich bin jetzt mal ganz frech und unterstelle einfach, dass jeder und jede Gläubige immer wieder Aussagen macht, welche aus der ganzen Bibel entfaltet worden sind. Zum Beispiel: „Die Bibel sagt, dass jeder, der an Jesus Christus glaubt, gerettet wird.“ Oder: „Die Bibel sagt, dass Jesus eines Tages wiederkommen wird.“ Oder: „Gott möchte nicht, dass wir lügen.“ Das sind alles Aussagen, die aus der Gesamtheit der Bibel gewonnen werden. Somit macht jeder Gläubige Aussagen, die der Systematischen Theologie – dem Studium der ganzen Bibel und dem Zusammensetzen verschiedener Bibelstellen zu einer gemeinsamen Aussage – entspringen. Die Frage dabei ist lediglich, ob unsere Theologie korrekt ist. Ob wir zu unserem Thema tatsächlich alle notwendigen Bibelstellen gesichtet, ausgewertet und korrekt zusammengestellt haben. Deshalb ist die Systematische Theologie wichtig.
2) Weil das richtige Handeln richtiges Denken voraussetzt
Mein zweiter Grund ist sehr praktischer Natur. Bevor ein Mensch wissen kann, was in einer bestimmten Situation das Richtige ist, was er tun sollte, muss er zuerst wissen, was denn nun das Richtige ist. Ohne korrektes – wohlüberlegtes – Denken kann es auch kein korrektes Handeln geben. Deshalb schreibt Paulus im Brief an die Römer: Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist.“(Römer 12,2)
3) Weil wir dadurch Gott besser kennenlernen können
Gott hat uns nebst der ganzen Schöpfung und unserem menschlichen Gewissen vor allem die Bibel gegeben, damit wir Ihn kennenlernen können. Er hat natürlich noch andere Wege, um mit uns zu kommunizieren, aber Er hat uns a) keinen anderen Weg versprochen, auf dem Er mit uns kommunizieren will und b) keinen anderen Weg gegeben, um im Glauben wachsen zu können. Wenn wir uns also wünschen, Ihn besser zu kennen, dann haben wir keine andere Möglichkeit von uns aus gesehen, als zur Bibel zu gehen und Ihn über das Lesen und das systematische Studieren der Theologie besser kennenzulernen. Wenn es uns natürlich egal ist, wie gut wir Gott kennen, können wir auch darauf verzichten.
4) Weil dies eine Art ist, wie wir Gott lieben können
Jesus bestätigte es als wichtigstes Gebot, Gott zu lieben:„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!“ (Markus 12,30) Das angestrengte und exakte Nachdenken über Gott ist somit eine Art, wie wir Gott mit unserem Verstand lieben können. Es gibt heute leider eine Tendenz von Menschen, die sagen: Also ich bin da eher ein Gefühlsmensch, ich liebe Gott mit meinem Gefühl; und deshalb vernachlässigen sie schnell das Lieben mit dem Verstand. Das ist sehr schade, denn diese Einseitigkeit führt immer zum Ungehorsam, weil nicht jeder Teil unseres Lebens dem Willen Gottes untergeordnet wird.
5) Damit wir im Glauben gestärkt und auferbaut werden und wachsen können
Paulus beschreibt das im Brief an die Gemeinde in Ephesus:Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten. Er gab Evangelisten, Hirten und Lehrer, damit sie die, die Gott geheiligt hat, zum Dienst ausrüsten und so der Leib des Christus aufgebaut wird mit dem Ziel, dass wir alle die Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes erreichen; dass wir zu mündigen Christen heranreifen und in die ganze Fülle hineinwachsen, die Christus in sich trägt. Dann sind wir keine unmündigen Kinder mehr, die sich vom Wind aller möglichen Lehren umtreiben lassen und wie Wellen hin- und hergeworfen werden. Dann fallen wir nicht mehr auf das falsche Spiel von Menschen herein, die andere hinterlistig in die Irre führen. Lasst uns deshalb fest zur Wahrheit und zur Liebe stehen und in jeder Hinsicht zu Christus, unserem Haupt, hinwachsen. Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten. Das geschieht in der Kraft, die jedem der einzelnen Teile zugemessen ist. So bewirkt Christus das Wachstum seines Leibes: Er baut sich auf durch Liebe.“(Epheser 4, 11 – 16) Ein wichtiges Ziel der Systematischen Theologie ist genau dieses, nämlich dass unser Glaube wachen kann, dass wir auferbaut und gestärkt werden und nicht mehr „von jedem Wind der Lehre hin- und hergeworfen“ werden.
6) Damit wir bereit werden, anderen von unserer Hoffnung im Leben zu erzählen
Wenn wir uns in der Tiefe mit Gottes Wort beschäftigen, werden wir auch immer besser vorbereitet zu Gesprächen über den Glauben. Petrus schreibt: Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung; und bewahrt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verlästern, zuschanden werden in dem, worin sie euch als Übeltäter verleumden mögen.“(1. Petrus 3, 15 – 16) Nicht jeder von uns ist von den Gaben her gesehen ein Evangelist (ich bin es auch nicht), aber jeder hat die Aufgabe, bereit zu sein, um wenigstens dann Rede und Antwort zu stehen, wenn wir nach unserer Hoffnung, nämlich dem Glauben an Jesus Christus, befragt werden. Und je mehr wir darüber wissen, desto besser sind wir für diesen Fall gerüstet.
7) Weil uns die Tiefe der Wahrheit zur Freude in Gott und zum Lobpreis Gottes führt
Wenn wir uns mit Gottes Wort beschäftigen – und dies in der Tiefe und Breite tun – so wird uns das immer mehr Freude schenken. Wir erkennen immer mehr, was Gott für uns alles getan hat. Das macht uns dankbar und führt uns zum Lobpreis Gottes und zu einem gesegneten Leben.
Wie ihr nun Christus Jesus als euren Herrn angenommen habt, so lebt auch mit ihm und seid ihm gehorsam. Senkt eure Wurzeln tief in seinen Boden und schöpft aus ihm, dann werdet ihr im Glauben wachsen und in der Wahrheit, in der ihr unterwiesen wurdet, standfest werden. Und dann wird euer Leben überfließen von Dankbarkeit für alles, was er getan hat. (Kolosser 2, 6 – 7)
Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm. (Psalm 1, 1 – 3)

Bibliothek der Weltliteratur 5: Parzival von Wolfram von Eschenbach

Mal wieder ein Griff in die Bibliothek der Weltliteratur: Heute möchte ich das Buch Parzival von Wolfram von Eschenbach vorstellen. Parzival ist einer der wichtigsten und bekanntesten Romane des Hochmittelalters. Vermutlich wurde dieser Roman im ersten Jahrzehnt des dreizehnten Jahrhunderts geschrieben und war danach weit verbreitet. Er ist ein mittelalterliches Heldenepos in Versform. Die Übersetzung von Karl Simrock aus dem Mittelhochdeutschen ist leicht verständlich und lässt sich so auch flüssig lesen, obwohl auch sie in Versform gehalten ist.
Was ist das Ziel des Romans? Wolfram möchte seinen Lesern, wie er in seinem ausführlichen Vorwort erklärt, die ritterlichen Tugenden nahebringen. Er stellt fest, dass im Leben vieler Menschen Widersprüchliches vorhanden ist: Verzagtheit und Kühnheit, Treue und Untreue. Diese Widersprüche vergleicht er mit dem Gefieder einer Elster, das zugleich schwarze und weiße Teile trägt. Deshalb möchte er mit seinem Roman die Tugenden Weisheit, Treue, Mut, und so weiter lehren. Diese Lehren sind nicht nur an Ritter (oder Männer allgemein) gerichtet, sondern auch an alle Frauen:
Aber nicht allein den Mann
Gehn alle diese Lehren an;
Ich stecke dieses Ziel den Frauen:
Die meinem Rate will vertrauen,
Die wisse wohl, wohin sie kehre
Ihren Preis und ihre Ehre
Und welchem Mann sie sei bereit
Mit ihrer Lieb und Würdigkeit,
Auf dass sie nicht gereue
Ihrer Keuschheit, ihrer Treue.“
(2,23 – 3,2)
Zuerst erzählt Wolfram die Geschichte von Parzivals Vater Gahmuret. Dieser war der zweitgeborne Sohn des Königs Gandin von Anschau (Anjou), weshalb er beim Tod des Vaters kein Erbe erhielt. So zog er umher und ließ sich von verschiedenen Leuten zu ihren Diensten anwerben. Bei einem dieser Dienste, als er in Baldag (Bagdad) der dunkelhäutigen Königin Belakane half, war sie bereit, ihn zu heiraten. Doch noch bevor ihrer beider Sohn zur Welt gekommen war, hatte sich Gahmuret wieder auf den Weg gemacht. Er hatte bei der Königin in Bagdad zu wenig Abenteuer und Kämpfe zu bestehen, weshalb er ihr untreu wurde und sie bei Nacht und Nebel verlassen. Der Sohn, der aus dieser Verbindung zur Welt kam, war schwarz und weiß gefleckt, wie eine Elster.
Im zweiten Teil ist Gahmuret wieder auf europäischem Boden. Ein großer Teil der Erzählung ist einem Ritterturnier gewidmet, nach welchem Gahmuret Herzeleide, die Königin von Waleis, ehelichte. Doch auch hier war er relativ bald wieder unterwegs. Auch hier hinterieß er einen noch ungeborenen Sohn, den Parzival, und ging wieder in den Nahen Osten, wo er daraufhin bei einem Kampf sein Leben verlor. Herzeleide war durch die Nachricht von seinem Tod sehr betrübt, sodass sie ihren Sohn Parzival davor schützen wollte, die Grausamkeit des Lebens am Hof (oder als Ritter) kennenlernen zu müssen. Sie zog in einen Wald, wo sie ihn erzog und versuchte, zu vermeiden, dass Parzival je einen Ritter sah. Doch es kam wie es kommen musste: Parzival sah eines Tages Ritter durch den Wald reiten – und schon war es um ihn geschehen: So einer wollte er werden.
Der Rest der Geschichte zeigt die Erfahrungen, die ein junger Ritter machen musste, der nicht am Hof und in den ritterlichen Tugenden erzogen worden war. Er lernte durch viele Fehler und häufig sind seine Erlebnisse ebenso komischer wie tragischer Art. Er ist der tragische Held der Geschichte, der die Lehren des Lebens auf die harte Tour lernen musste, dadurch aber über sich selbst hinauswächst und am Ende kann es nur noch sein Halbbruder Feirefiss – der Sohn der Königin Belakane – mit ihm aufnehmen. Sie geben sich einander gegenseitig zu erkennen und schließen Frieden:
Der reiche Feirefiss begann:
“Held, bei deiner Zucht, sag an,
Da dir ein Bruder leben soll,
Wie sieht der aus? Du weißt es wohl.
Beschreibe mir sein Angesicht;
Seine Farbe hehlte man dir nicht.”
Da sprach den Herzeleid gebar:
“Wie beschrieben Pergament fürwahr,
Schwarz und weiß dort und hier;
Ekuba beschrieb ihn mir.”
“Der bin ich,” versetzt der Heide.
Nicht lange säumten sie da beide,
Feirefiß und Parzival,
Von Helm und Härsenier zumal
Entblößten sie sich gleich zur Stund.
Parzival fand lieben Fund,
Den liebsten, den er jemals fand.
Den Heiden hatt er bald erkannt:
Sein Antlitz zeigte Elsternfarben.
Hass und Groll im Kuss erstarben
Dem Getauften und dem Heiden.
Freundschaft ziemt’ auch besser beiden
Denn ihnen stünde Hass und Neid.
Treu und Liebe scheid den Streit.
Mit Freuden sprach der Heide da:
“O wohl mir, dass ich dich ersah, […]“
(747,19 – 748,14)
Eine zweite Geschichte ist mit der des Parzival verflochten: Gawan steht Parzival gegenüber. Während Zweiterer alles selbst lernen musste, hatte Ersterer eine solide Ausbildung in jungen Jahren gemacht.
Was gefällt mir an Parzival?
Parzival ist ein spannender Roman, der tatsächlich viel Weisheit fürs Leben enthält. Hier wird dem Leser die Ehrlichkeit, die Treue (gerade eheliche Treue – denn die Liebe ist am Ende das, was die erfolgreichen Ritter siegen lässt), der Mut, die Freundlichkeit und Höflichkeit, der Durchhaltewillen, das Dranbleiben, die Demut und viele weitere wertvolle Tugenden nahegebracht. Viele Tugenden, die heutzutage immer mehr verloren gehen, können bei Wolfram schätzen gelernt werden. Außerdem zeigt uns Parzival, dass das Lernen dieser Dinge in den jungen Jahren wertvoll ist und viele spätere Schwierigkeiten erspart. Auch an heutige Eltern ist das ein wertvoller Appell.
Es gibt zahlreiche Anspielungen auf die Bibel. So muss Gawan ein Schloss erobern, das unter der Herrschaft böser Mächte steht. Am Ende wird er von einem Löwen angegriffen. Er attackiert den Löwen, besiegt ihn mit dem Schwert und landet am Ende auf dem Schild, welcher sein Schutz ist. Die Hinweise auf 1. Petrus 5,8 und Epheser 6,16 sind hier mehr als deutlich.
Auch die Ästhetik des Textes spricht mich an. Ich habe den mittelhochdeutschen Text nur knapp in einzelnen Fällen konsultiert, dafür ist aber auch die Simrock’sche Übersetzung an Sprachgewalt kaum zu überbieten.
Das Buch lässt sich übrigens im Projekt Gutenberg vom SpOn online lesen: Link.

Entfache die Flamme!

Entfache die Flamme!

Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, die Gnadengabe Gottes wieder anzufachen, die durch Auflegung meiner Hände in dir ist; denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. So schäme dich nun nicht des Zeugnisses von unserem Herrn, auch nicht meinetwegen, der ich sein Gefangener bin; sondern leide mit [uns] für das Evangelium in der Kraft Gottes. Er hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde, die jetzt aber offenbar geworden ist durch die Erscheinung unseres Retters Jesus Christus, der dem Tod die Macht genommen hat und Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium. (2. Timotheus 1, 6 – 10)
Paulus schreibt an Timotheus: Entfache die Flamme! Entfache das Feuer, das Gott in dich gelegt hat! Lass es nicht ausgehen, sondern kämpfe immerfort darum, dass du brennst und brennend bleibst im Dienst! Das ist die Hauptaussage, der Hauptvers in diesem Abschnitt. Alles darum herum dient zur Erklärung dieser Hauptaussage: Erstens warum Timotheus das Feuer wieder entfachen soll, zweitens welche Konsequenzen das hat und drittens wie das ganz praktisch geschieht. Deshalb werden wir heute auch diese drei Fragen stellen und lassen unseren Text diese Fragen beantworten.
A.) Warum soll Timotheus das Feuer der Gabe entfachen?
Gott gab Timotheus eine Geistesgabe. Wir verstehen diese Gaben heute sehr oft getrennt, da gibt es die Gabe der Zungenrede und eine andere Gabe der Heilung und wieder eine andere Gabe der Prophetie und so weiter. Wenn wir die Bibel lesen, fällt auf, dass sie nicht so sehr zwischen den einzelnen Gaben unterscheidet. Auch wenn eine Person verschiedene Gaben zugleich bekommen hat, spricht die Bibel oft von der Zusammensetzung dieser Gaben als von „der Gabe“. Timotheus war Evangelist, Lehrer, Seelsorger und hatte die Aufgabe, die Gemeinde in Ephesus zu leiten.
Gott hat ihm die Gaben dafür gegeben. Er hatte alles was er dazu brauchte – doch das schönste Geschenk nützt nichts, wenn man es nicht auspackt oder nur auspackt und dann weglegt und vergisst. Was ist los mit dir, Timotheus? Warum bist du so schnell bereit, all das Gute aufzugeben, was Gott dir für den Dienst geschenkt hat?
1. Weil Timotheus eine gute Herkunft hat
Ein erster Grund für die Ermutigung, das Feuer wieder anzufachen, ist darin zu finden, dass Timotheus eine gute Herkunft hat. Erinnern wir uns daran, dass Timotheus im Haus einer gläubigen Mutter und Großmutter aufgewachsen ist. Paulus weiß, wie Timotheus aufgewachsen ist und wie er von frühester Kindheit gelernt hat, was Gott uns sagen will. Unser Wissen, unsere Kenntnis können die Gaben nicht ersetzen, aber die Frucht davon vermehren. So ist also die solide, gute, tiefe und intime Kenntnis von Gottes Wort wie ein Dünger, der Nährstoffe enthält, sodass die Früchte der Gaben mehr Wachstum bringen.
2. Weil Timotheus eine Aufgabe bekommen hatte
Paulus hatte Timotheus die Hände aufgelegt und ihm dadurch eine Aufgabe, ein Amt, übergeben. Je größer unsere Verantwortung ist, desto wichtiger ist es, dass wir unsere Flamme am Brennen halten. Je mehr Menschen wir um uns haben, mit denen wir unser Leben teilen, desto größer die Notwendigkeit, uns beständig diesem Feuer zu widmen und dafür zu sorgen, dass es am Brennen bleibt. Wenn wir eine Familie haben, so brauchen wir die Kraft, Weisheit und Hilfe Gottes dabei. Wenn wir Kinder haben, brauchen wir Gottes Reden in diesen Aufgaben. Wenn wir ein Rangers-Team haben, brauchen wir Gottes Hilfe und Kraft, um diese Aufgabe richtig zu machen. Deshalb: Timotheus, lass dein Feuer nicht ausgehen!
3. Weil Gott uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben hat.
Da lesen wir es: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben. Die Furchtsamkeit nimmt uns den Blick von Gott weg und lenkt ihn auf uns selbst. Und der Blick, der sich auf uns selbst richtet, nimmt Gott die Ehre. Wir fangen an, nach unseren menschlichen Möglichkeiten und Dimensionen zu denken, leben und handeln. Wir vertrauen nicht mehr auf Gottes Größe, sondern nur noch auf unser eigenes Häuflein Kraft. Vielleicht bitten wir Gott trotzdem noch hin und wieder um Hilfe, aber so recht vertrauen wir nicht, sondern haben lieber noch den Plan B bereit.
Furchtsamkeit, Enttäuschung und Einschüchterung führen dazu, dass unser Feuer zurückgeht. Aber Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben. So lange wir hier in dieser Welt leben, wird es immer wieder Situationen geben, wo wir unter Druck kommen. Es werden menschliche Vorstellungen aufeinanderprallen, es müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden, von denen wir nicht alle Komponenten kennen, und so weiter. Das führt uns in einen Druck. Und die Frage ist hierbei immer, wie wir mit diesem Druck umgehen.
Jesus sagte in Joh. 16,33: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber siehe, ich habe die Welt überwunden.“ Luther übersetzte hier „Bedrängnis“ mit „Angst“ und meinte damit die Dinge, die uns Angst machen. Es war Jesus also auch klar, dass wir immer wieder mit Dingen konfrontiert werden, die uns Angst machen. Das Wort, das hier mit „Bedrängnis“ übersetzt wird, das ist „thlipsis“. Die thlipsis ist im Griechischen der Druck gewesen, der eine Säule auf ihr Fundament drückt und ihr damit die Stärke gab, um auch den Stürmen zu trotzen. Je schwerer das Dach, desto größer der Druck und desto stärker und unbeweglicher war die Säule.
Wenn wir in solchen Druck geraten, dann fühlen wir uns am ehesten nach Weglaufen, nach Verstecken, nach „ab ins Bett und die Decke über den Kopf ziehen“. Das ist die normale Reaktion. Aber es gibt auch noch eine Alternative. Diese Alternative zählt Paulus hier auf: Kraft, Liebe und Selbstbeherrschung.
Timotheus, wenn du ein einfaches, sorgloses, unscheinbares und unauffälliges Leben haben willst, dann tu das, wonach du dich fühlst. Dann lass deine Gaben bleiben, dann lass dein Geschenk im schönen Geschenkpapier und gib dich deiner Menschenfurcht hin. Wenn du aber Christus nachfolgen möchtest, dann musst du wissen, dass ein Jünger nichts Besseres ist als sein Meister. Er hat nämlich gesagt in Markus 8, 34 – 35: „Wer Mir nachkommen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach. Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um Meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es retten.“Das sind klare Worte. Aber so ist es nun mal, das Leben mit Jesus. Es kostet uns alles.
So kommen wir zur zweiten Frage:
B.) Welche Konsequenzen hat das?
Nicht einen Geist der Furchtsamkeit
Wir haben bereits gesehen, dass Paulus hier schreibt, dass Gott uns keinen Geist der Furchtsamkeit gegeben hat, sondern der Kraft, der Liebe und der Selbstbeherrschung. Kraft, Liebe, Selbstbeherrschung, das sind drei Dinge, die gegen die Furchtsamkeit kämpfen. Es geht nämlich gerade nicht darum, so zu tun, als ob wir keinem Druck mehr ausgesetzt wären. So zu tun wäre nämlich fatal. Es ist klar, dass wir immer wieder in diesen Druck reinkommen. Aber sobald das geschieht, haben wir zwei Möglichkeiten, wie wir reagieren wollen. Entweder wir reagieren mit Furchtsamkeit, wie es ganz natürlich ist, oder wir erinnern uns, dass Gott uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben hat und reagieren stattdessen mit Kraft, Liebe und Selbstbeherrschung. Zusammengefasst könnte man diese drei Eigenschaften mit „Mut“ wiedergeben. Mut ist die goldene Mitte zwischen Feigheit und Tollkühnheit.

Kraft

Weil der Mensch, der Gott dient, sich nicht mehr als ein auf sich selbst Geworfener sehen muss, also einer, der sich auf sich selbst verlassen muss, kann er in der Kraft Gottes vorangehen. Die Kraft Gottes hat immer mit einem Auftrag zu tun. Sie kommt dort zu Hilfe, wo der Mensch bereit ist, Gott zu gehorchen.
Liebe
Die Liebe, von der Paulus hier schreibt, ist die Agape-Liebe, die Liebe, die sich verschenkt. Diese Liebe sucht das Beste für die Person, die man liebt. Auch dann, wenn das Beste nicht unbedingt so lieb klingt. Aber die Liebe bleibt bei der Wahrheit und gibt trotzdem nie auf. Wer liebt, investiert seine Zeit, seine Kraft, seine Geduld, sein Geld, sein Vorbild, alles zusammen in die geliebte Person. Auch unsere Ehre sind wir bereit, in die Beziehung zu investieren, unseren guten Ruf und Namen. → Bsp.: Wir möchten, dass die geliebte Person lernt, Vergebung zu leben. Was tun wir? Wir leben Vergebung vor!!!
Selbstbeherrschung
Selbstbeherrschung oder „Zucht“ bedeutet, sich nicht sofort dem hinzugeben, wonach man sich fühlt. Zuerst innehalten, prüfen, überlegen, beten, dann handeln.
Bereitschaft zum Leiden fürs Evangelium
Leiden? Moment mal, das klingt nicht gut. Kann ich mir das nochmal einen Moment überlegen? Nun, Timotheus, du hast den Weg gewählt und da gibt es kein Zurück mehr. Aber immer mehr Leute haben heute Mühe mit diesem Gedanken. Schon nur vom Kreuz von Christus zu sprechen, der wie ein Verbrechen hingerichtet wurde, um so unsere Schuld zu bezahlen, das wird immer unbeliebter. So gibt es immer mehr Versuche, die Botschaft vom Kreuz umzudeuten. Da wird zum Beispiel ein französischer Theologe aus dem Mittelalter zitiert, der meinte, Jesus sei nicht gestorben, um unsere Sünden zu besiegen, sondern nur um uns vorzuleben, wie echte Liebe aussieht und dass sie bereit sei, für den Geliebten zu sterben. Ja, wir leben in einer Zeit, in der das Evangelium ganz ganz unbeliebt ist. Weil immer mehr Theologen die menschliche Schuld vor Gott in Frage stellen, weichen auch immer mehr evangelikale Bibellehrer zurück. Sie haben sich der Furchtsamkeit hingegeben. Sie schämen sich des Evangeliums und reden deshalb umso mehr von Umgestaltung und von Transformation der Gesellschaft, von der Lösung der sozialen Frage und so weiter.
Es ist klar, dass die Botschaft von Jesus und vom Kreuz Menschen verändert. Gar keine Frage. Aber wir dürfen niemals damit aufhören, vom Kreuz zu reden und stattdessen versuchen, das was Jesus uns von der Ewigkeit versprochen hat, hier auf der Erde zu errichten.
C.) Wie können wir ganz praktisch Öl ins Feuer gießen?
Erinnere dich an deine Herkunft
Timotheus, ich kenne deine Herkunft, und die ist gut. Ich habe gesehen, welch einen tiefen Glauben deine Mutter und Großmutter hatte. Ich habe gesehen, mit wie viel Treue sie dich Tag für Tag dazu gebracht haben, ganze Abschnitte der Bibel auswendig zu lernen, damit du sie kennst. Ich habe gesehen, mit welcher Freude und welch tiefem Glauben du mir gefolgt bist und mir geholfen hast. Du hast mich begleitet, und ich durfte auch ein Stück von deiner Herkunft werden. Erinnere dich an das, was du von Gott gehört, gesehen und erlebt hast. All das hat dich geprägt. Deshalb lass dich jetzt nicht von dieser fiesen Einschüchterungstaktik verwundet und unbrauchbar machen. Erinnere dich an das, was geschehen ist, danke dafür und lobe Gott für alles, was Er dir in der Vergangenheit getan hat.
2. Erinnere dich an deine Aufgabe
Manchmal müssen wir uns bewusst machen, dass wir unsere eigene Last und Aufgabe haben und nicht auch diejenige von 100 anderen Leuten dazu auch noch. Wir müssen nicht immer jedem gefallen, und manchmal auch Dinge zurückstellen, weil sie uns von dem abhalten, wozu Gott uns begabt und beauftragt hat.
Timotheus, erinnere dich daran, wie ich, Paulus, dein geistlicher Vater, dir die Hände aufgelegt und für dich gebetet habe. Wie ich dich in deinen Dienst eingesetzt habe und wie du dadurch die guten Fähigkeiten und Gaben bekommen hast, um deine Aufgabe treu zu tun. Erinnere dich an das, wozu Gott dich berufen hat. Sei es in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde, in der Gesellschaft, überall haben wir unseren Platz und unsere Aufgaben. Für die sind wir zuständig. Und für das, was nicht unser Bereich ist, gibt es andere, die dafür zuständig sind. Wenn wir uns auf das Wichtige konzentrieren, hilft das sehr, das Wichtige auch anzupacken. In der Kraft, der Liebe und der Selbstbeherrschung.
3. Erinnere dich an deine Hoffnung
Nachdem wir uns an das erinnert haben, was war, nämlich unsere Herkunft, unsere Vergangenheit, und nachdem wir uns an das erinnert haben, was wir jetzt haben, unsere Aufgabe hier auf der Erde, kommt das dritte und stärkste Element: Erinnere dich an das, was uns der Herr Jesus für die Zukunft versprochen hat. Es gibt nämlich kein solideres Fundament als die Hoffnung von uns, die wir Jesus nachfolgen. Lesen wir, was Paulus dazu schreibt in den Versen 9 und 10: „Er hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde, die jetzt aber offenbar geworden ist durch die Erscheinung unseres Retters Jesus Christus, der dem Tod die Macht genommen hat und Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“
Das Fundament für unsere Errettung, Erlösung, Berufung und unser ewiges Leben bei Gott in der Ewigkeit steht nicht auf etwas, was wir tun könnten, sondern einzig und allein auf dem göttlichen Plan, der dort anfängt, bevor Gott die Himmel und die Erde geschaffen hat. Du, Timotheus, du bist ein Teil von Gottes Plan, der schon vor Adam und Eva bestanden hatte.
Dieser Plan beruht auch nicht auf irgend etwas, was wir jemals hätten tun können, sondern ganz einfach auf Gnade. Gnade ist ein Geschenk das man unverdient bekommt. Man kann es weder verdienen noch jemals abarbeiten. Es ist einfach da. Und wir dürfen es in Empfang nehmen, auspacken und brauchen.
Timotheus, sei bereit, an der Verkündigung vom Evangelium, an der Bekanntmachung von diesem wunderbaren Geschenk, mitzuarbeiten, nimm du den Stab in die Hand, den ich dir mit diesem Brief weiter-reiche. Entfache die Flamme, denke darüber nach, wie wunderbar diese Gnade ist und lass dieses Geschenk zum Öl werden, das dein Feuer wieder auflodern lässt. Und denke dran, wenn es zum nächsten Mal wieder auf Sparflamme brennt: Erinnere dich!

(Predigt vom 13.01.2013)

… und trotzdem liebe ich die Gemeinde!

Sie wird vielerorts verschmäht, verlacht, als veraltet betitelt. Unbrauchbar. Überholt. Eine unnötige Institution / Organisation. Ich rede von der Ortsgemeinde. Nun muss ich etwas gestehen. Ich liebe sie trotzdem. Auch wenn sie nicht einfach ist. Und Du tust gut daran, sie auch zu lieben. Aus folgenden Gründen:
-Der Herr Jesus liebt sie und hat sie zu Seiner Braut bestimmt.
-Sie ist der Tempel des Heiligen Gottes und damit für die Begegnung mit Ihm da.
-Sie ist die einzige beständige Hoffnung in dieser finsteren, verzweifelten Welt.
-Sie hat den Auftrag, die Gute Nachricht zu verkünden
-Sie hat mit der Predigt als Einzigste die Vollmacht bekommen, Glauben zu wirken.
-Sie ist in ihrer Unvollkommenheit dazu da, unvollkommene Menschen zu verändern.
-Sie ist zur Ausrüstung der Gläubigen da, um sie zuzurüsten zu jedem guten Werk.
-Sie ist für schwache, hilflose, unvollkommene Menschen wie mich da.
-Sie ist der Ort, wo der Mensch Frieden mit Gott, mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen bekommen kann.
-Sie ist wunderschön, die Braut des auferstandenen Herrn. Und je länger, desto mehr erkenne ich von ihrer Schönheit.
Das sind meine zehn Gründe für die Ortsgemeinde. Und was sind Deine?

Gedicht zum Advent

Das Licht kommt ins Dunkel

Wo kalt das Herz, die Augen blind

geblendet vom Ego so groß

Wo eisig bläst der norderne Wind

weht leer die Straßen und bloß

Da bricht ins Dunkel das helle Licht

strahlt leuchtend und fröhlich herein

Es schenkt dem Blinden neue Sicht

lässt Wärme ins Leben zieh’n ein.

Wo Sehnsüchte brach, verborgen sind

versteckt in der Einsamkeit Schmerz

Wo Krankheit, Leiden nicht können geschwind

schwinden aus gepeinigtem Herz

Dort möchte das Licht, das helle, die Sonne

leuchten in Liebe so rein

Es gibt statt Seelenpein Freude und Wonne

macht hell mit des Heilandes Schein.

Advent, es kommt, das Licht ist nah

Erlösung kommt zu dir!

Ist an dem Kreuz von Golgatha

für dich errungen hier.

So gib dein Herz dem Heiland dort,

der hängt, verflucht am Pfahl

Für dich, für mich ist dies der Ort,

da scheint des Lichtes Strahl.

So brauchst du nun ja nicht mehr weiter

dir dienen als dein eigner Herr.

Vielmehr nimm an das Joch vom Leiter

Er hat gesagt: Es ist nicht schwer.

Advent, es kommt das Licht, das Leben

hell stahlt es in die Nacht hinein

Der Herr, der kommt, möcht’ dir es geben

will dein persönlicher Retter sein.

Advent 2011, Jonas Erne

Ein Licht sein

Ein Licht sein

Lass mich ein Licht sein, Dir zu Ehren,
Das alle Finsternis erhellt.
Lass mich des Lichtes Licht vermehren;
Des Dunklen Wege sind entstellt.

Lass mich ein Licht sein für unser Land,
Wie des Berges helle Stadt
Führ mich in Dein Licht an Deiner Hand
Durch Deine Gnade mach mich satt.

Lass mich ein Licht sein für die Welt,
Weisend Wahrheit, Weg und Leben.
In des Höchsten Schutz und Zelt
Mehr von Deiner Liebe geben.

Lass mich ein Licht sein für die Treuen,
Die unter Deiner Obhut stehn,
Sich über Glaube, Liebe, Hoffnung freuen
Diese drei, die nie vergehn.

Jonas Erne, 16. Januar 2007

Nicht einen Geist der Furchtsamkeit

Aus diesem Grunde erinnere ich dich daran, die Gabe Gottes anzufachen, die durch Auflegung meiner Hände in dir ist; denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. (2. Timotheus 1, 6 – 7)

Gottes Gnadengaben können in unterschiedlicher Stärke vorhanden sein. Paulus gebraucht hier das Bild der noch schwach glimmenden Kohle, die durch einen Luftstoß wieder zu einem richtigen Feuer auflodern kann und ermutigt Timotheus, dafür zu sorgen, dass es dazu kommt. Deshalb hier auch die Frage an dich, liebe Leserin, lieber Leser, was wünschst du dir? Möchtest du die Gaben als schwach glimmende Kohlen in dir drin haben oder als lodernder Waldbrand? Es liegt zum großen Teil in deiner Verantwortung, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Kohlen wieder richtig zum Brennen gebracht werden können.

Es gibt nämlich etwas, was unsere Gaben ersticken kann, und das ist die Furchtsamkeit, die Feigheit, oder schlicht gesagt: die Angst. Die Angst ist nie etwas, was Gott uns schickt oder für uns möchte. Gott möchte vielmehr, dass wir mutig vorwärtsgehen. Mut ist nicht Waghalsigkeit, sondern die goldene Mitte zwischen der Angst und der Waghalsigkeit. Mut bedeutet, die Kosten zu berechnen, und trotzdem im Vertrauen einen weiteren Schritt zu gehen. Vielleicht denkst du jetzt, dass Jesus die Angst als etwas Normales beschrieben hat, doch dem ist nicht so, ich möchte das jetzt erklären. Wenn wir in Johannes 16, 33 nachlesen, so steht da:

Solches habe ich zu euch geredet, auf daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Trübsal; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!

Martin Luther hat das Wort Trübsal zu seiner Zeit korrekt mit Angst übersetzt, aber das verstehen wir heute nicht mehr. Damals bedeutete Angst weniger das Gefühl der Angst, sondern in erster Linie: Die Umstände, die uns Angst einjagen können. Also eine schwierige Prüfung, ein Vorstellungsgespräch, ein schwieriger Chef, ein Fehler, den wir selbst gemacht haben und vieles mehr. Was im griechischen Text steht und hier mit Trübsal übersetzt wird, ist eigentlich ein Begriff aus der Architektur. Damit eine Säule in einem griechischen Tempel auch bei Wund und Wetter, bei Krieg und vielem mehr, stehen bleibt, muss sie durch eine bestimmte Menge an „Druck“ (Gewicht von oben her) auf ihr Fundament gedrückt werden. Diese Menge an Gewicht oder „Druck“ wurde mit dem griechischen Wort beschrieben, das übersetzt wird mit Trübsal. Man kann den Vers auch so lesen: In der Welt habt ihr Druck. Dieser Druck dient dazu, dass wir auf unser Fundament, den Herrn Jesus gedrückt werden und Ihm ganz nahe sind.

Wie wir auf diesen Druck reagieren, ist unsere Entscheidung. Und unsere Reaktion bestimmt sowohl das Maß unserer Gabe als auch einen Teil unserer Zukunft. Aus Entscheidungen werden nämlich Gewohnheiten und woran man sich gewöhnt hat, davon kommt man nur noch schwerlich los. Jede dieser Drucksituationen lässt uns zwischen zwei Arten von Reaktion wählen: Feigheit oder Mut. Wer die Feigheit wählt, verliert seine Freiheit, die wir durch Jesus bekommen haben. Er lässt sich dadurch fremdbestimmen von dem, der uns die göttliche Freiheit nehmen will: Satan. Wer den Mut wählt und im Glauben den nächsten Schritt geht, wird an Freiheit, Glauben und Stärke der Gnadengaben zunehmen und Gott damit ehren.

Noch ein Wort am Rande: Wer versucht, andere Menschen einzuschüchtern (Geist der Einschüchterung, Geist der Isebel: Sie schüchterte Elia dermaßen ein, dass er in die Wüste floh und dadurch seine prophetische Berufung verlor) macht sich selbst zum Werkzeug der Sünde und Satans. Das ist auch bei wiedergeborenen Christen jederzeit sehr gut möglich, beachte man zum Beispiel Römer 6,13. Wer andere zu manipulieren und einzuschüchtern sucht, nimmt ihnen die Freiheit, die sie in Christus haben, weg.

Der Heilige Geist ist aber nicht ein Geist der Furchtsamkeit, sondern der Kraft, der Liebe und der Zucht. Der Geist der Kraft gibt uns die übernatürliche Stärke, die auch der Herr Jesus in Seinem Dienst hatte. Man bedenke: Er tat nichts aus Sich Selbst, sondern nur was Er den Vater tun sah. Er verzichtete ganz und gar auf Seine Göttlichkeit, auf die Macht, die Ihm als Gott zustand, und lebte als Mensch. Auch Er empfing diesen Geist der Kraft und wurde dadurch zu Seinem Dienst befähigt. Mit dem Geist der Kraft ausgerüstet können wir dieselben Werke tun, die auch Er schon tat (und nach Seinem Wort sogar noch größere). Dieselbe Macht also, die Er auf Erden hatte, lebt in dir und mir und möchte uns zu unserem Dienst befähigen.

Es ist aber auch der Geist der Liebe. Gott ist die Quelle aller Liebe, und ohne Gott kann niemand lieben. Durch den Geist der Liebe werden wir zur Liebe zu Gott und zugleich zur Liebe zu unseren Mitmenschen befähigt. Liebe zu Gott zeigen wir durch die Pflege der Beziehung zu Ihm: Lesen in Seinem Wort, Reden mit Ihm, auf Ihn hören, etc. Zugleich helfen wir in dieser Liebe unseren Mitmenschen, wo sie es nötig haben und wo immer wir das tun können.

Es ist drittens der Geist der Zucht. Zucht bedeutet Selbstbeherrschung oder Selbstdisziplin. Das sieht so aus, dass wir unser Leben so weit im Griff haben, dass wir nicht nur auf das verzichten können, was uns schadet, sondern oft auch auf Dinge, die uns einfach gefallen würden, die aber für den Dienst am Herrn oder an unseren Mitmenschen draufgehen müssen. Der Geist befähigt uns, dies mit Freuden zu tun.