In dieser Zwischenzeit

Dietrich Bonhoeffer sprach vom Letzten und vom Vorletzten. Das Letzte sind die Dinge, die die Ewigkeit betreffen. Über diese wissen wir eine ganze Menge. Und zuweilen gibt es auch im Vorletzten, in unserer Zeit auf Erden hier, einen kleinen Vorgeschmack vom Letzten. Der Balanceakt der Zwischenzeit ist derjenige, dass wir uns von keinem der zwei Extreme gefangen nehmen lassen. Weder von der Weltflucht noch von der Verweltlichung. Wenn sich manche Christen heutzutage wünschen, dass sich Institutionen des Staates, wie etwa Armee oder Polizei, entwaffnen lassen sollen, damit nur noch die Feinde der Demokratie Macht ausüben können, so ist dieser verlogene Pazifismus eine Möglichkeit der Weltflucht, eine Realitätsverweigerung, dass es eben auch noch Unrecht gibt in dieser Zwischenzeit, und dass diese Institutionen dafür geschaffen sind, um rechtschaffene Bürger vor Willkür zu schützen. Oder wenn versucht wird, gesellschaftliche Phänomene wie Vegetarismus oder auch Ideologien wie der Kommunismus mit biblischen Argumenten zu untermauern, so handelt es sich um Verweltlichung, denn das weltliche Denken wird in die Bibel hineingelesen, statt dass diese aus sich selbst heraus ausgelegt wird. Beide Extreme sind gleichermaßen trügerisch, denn sie versuchen, die Spannung in dieser Zwischenzeit aufzulösen, indem beide parallelen Wahrheiten des „schon – noch nicht“ auf dieselbe Linie heruntergebrochen wird. Entweder indem man versucht, auf der Erde wie im Himmel zu leben – oder indem man den Himmel irdisch definiert.

In der Spannung leben – das ist oft anstrengend. Aber jeder Mensch lebt in bestimmten Spannungsfeldern, und gerade diese Spannung ist ein Hinweis darauf, dass der Mensch eigentlich nicht (nur) für diese Zeit hier auf Erden geschaffen ist. Diese Zwischenzeit ist eine Zeit der Vorbereitung, der Besinnung, der Sehnsucht, damit wir für die Ewigkeit bereit werden. Es gibt in dieser Zwischenzeit kein anhaltender Extremzustand. Nach dem durch Alkohol erzeugten Höhenflug folgt der Absturz und der Kater. In der Freude ist immer auch ein bittersüßer Beigeschmack, der uns daran erinnert, dass dies hier noch nicht das Letzte ist, sondern das Vorletzte und die Vorfreude auf die eigentliche Freude. Auch im Frieden ist oft schon latent die nächste Verstimmung angelegt, denn oft müssen beide Seiten um zu einem Kompromiss zu gelangen, auf wichtige Dinge verzichten, die ihrerseits wiederum zur Eifersucht anstacheln. Die Schönheit eines Regenbogens wird durch den Zwiespalt von Regen und Sonne erzielt, es ist das Zusammenfallen von angenehmen und wichtigem aber weniger angenehmem Wetter. Ähnliches gilt für den Sonnenuntergang. Auch dieser ist – zum Glück – nicht von Dauer, sondern gerade auf der Spitze der untergehenden Sonne zu finden. Das farbenfrohe Schauspiel wird durch stetige Veränderung der Farben hervorgerufen. Deshalb ist auch das live-Erlebnis um ein Vielfaches beeindruckender als das statische Festhalten eines einzelnen Moments durch ein Foto oder Bild. Gute Musik lebt von Disharmonien, welche Spannung erzeugen und im just richtigen Moment wieder aufgelöst werden. Ungewissheit, düstere, zwielichtige Momente können auch in einem Buch eine Spannung erzeugen, und diese Spannung kann gerade den Unterschied zwischen besonders interessanten und weniger interessanten Leseerlebnissen ausmachen. Dasselbe gilt auch für den abendlichen Spaziergang im Wald. Das Spiel von Licht und Schatten, verschiedenen Grautönen, das Rascheln im nahen Gebüsch, der Wind im Blätterdickicht, all das zusammen erzeugt ein wohliges Gespanntsein, das sich durch das Ende des Dunkels im vollen Licht oder im Schein der Straßenlampe wieder auflöst und das Erlebte länger im Gedächtnis behalten lässt. Der wohlige Schauer eines warmen Bades oder einer Rückenmassage am Ende eines anstrengenden Arbeitstages schenkt ein Ende des Ver-Spannt-Seins und sorgt für einen besonderen Moment, den man ohne die Anstrengung und Anspannung davor nicht gleichermaßen genießen könnte.

Kurz – in dieser Zwischenzeit sind wir Zwischenwesen, die den steten Wandel, die stete Abwechslung benötigen, um gesund auf unsere Umgebung reagieren zu können. Diese Abwechslung im Vorletzten bereitet uns für die Ewigkeit im Letzten vor. Ewige Freude. Ewige Liebe. Ewiger Frieden. Ewige Gemeinschaft mit Gott. Ewiges Lob Gottes. Ewige Feier der Erlösung. Ond etz sag amol, werd des denn niamols fad? Als Zwischenwesen leben wir im Raum-Zeit-Kontinuum, einfacher gesagt in der Raumzeit. Wir können alles immer nur als eine aufeinanderfolgende Reihe von einzelnen Ereignissen wahrnehmen. Immanuel Kant hat etwa bezweifelt, ob man die Tatsache von Raum und Zeit tatsächlich beweisen könne; er meinte, dass einfach unser Gehirn so gestrickt sei, dass wir alles als räumlich und zeitlich in unserem Denken einordnen würden. Aber stellen wir uns mal vor, wir befinden uns bei Gott – also außerhalb der Raumzeit. Plötzlich können wir alles auf einmal wahrnehmen. Nicht mehr nacheinander. Alles gleichzeitig, und dann erst noch so ohne Ende. Die Unendlichkeit von Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung, alles auf einmal. Stell Dir den einen, schönsten Moment Deines Lebens vor. Freude hat in unserem zwischenzeitlichen Leben mit der Auflösung einer Spannung zu tun. Und dann stell Dir vor, dieser eine Moment inklusive der Freude, inklusive der Erinnerung an die Spannung, inklusive allem was zu diesem Moment gehört, alles zusammen wird für immer konserviert, und zugleich sind wir nicht mehr Raumzeitwesen, sondern Ewigkeitswesen, die nicht mehr auf all das Irdische angewiesen sind.

Ich weiß nicht, ob diese Vorstellung mit der Zukunft übereinstimmt. Vermutlich ist sie viel zu irdisch, viel zu klein, viel zu zwischenzeitlich. Aber es ist eine der möglichen denkbaren Vorstellungen, die wir uns machen können, um unsere Vorfreude auf die Ewigkeit zu stärken. Und ich denke, dass es diese Vorfreude wert ist, dass wir dafür auch versuchen, uns dies vorzustellen. Es ist nicht immer einfach, aber es ist einfach immer wertvoll, über die Ewigkeit in der Herrlichkeit Gottes nachzudenken. Diese Gedanken über das Letzte helfen uns, dass wir uns im Vorletzten auf die vorletzten Dinge konzentrieren. Sie helfen uns, uns darauf zu fokussieren, damit möglichst viele Menschen noch mit in diese Ewigkeit bei Gott kommen können. Ewigkeit ohne Gott ist höllisch schrecklich, die wünschte ich niemandem.

Buchtipp: Die RAF hat Euch lieb

Die RAF hat euch lieb von Bettina Roehl

Röhl, Bettina, Die RAF hat Euch lieb, Wilhelm Heyne Verlag München, 2018, 640 Seiten, Verlagslink, Amazon-Link

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar dieses Buches.

50 Jahre Ausnahmezustand, 50 Jahre Protestiererei und kein Ende in Sicht. Dies ist das Fazit, das Bettina Röhl in ihrem Buch aus ihrer Beschäftigung mit der RAF zieht. Wie schon der erste Band „So macht Kommunismus Spaß“ ist auch dieses Buch nicht so leicht einem Genre zuzuordnen. Es ist wieder eine Mischung aus Biographie, Autobiographie, Geschichtsschreibung und journalistischen Beiträgen. Negativ aufgefallen ist mir vor allem eine gewisse Anzahl von Flüchtigkeitsfehlern was die Rechtschreibung betrifft. Da hätte eine weitere Durchsicht durch ein Lektorat nicht geschadet.

Die Autorin beleuchtet mit vielen originalen Quellen und auch zahlreichen Transkriptionen von Interviews, die sie mit Beteiligten von damals führte, die Zeit von 1967 bis 1972. Es gibt am Ende noch einen kurzen Abstecher in 1974 und wenige Sätze zum Tod ihrer Mutter 1976, aber diese Zeit wird wohl im dritten Band ausführlicher abgedeckt werden, wenn es um die Zeit bis zur Bundeskanzlerwahl Helmut Kohls gehen soll. Auch hier wird wieder schnell sichtbar, dass es sich unter anderem auch um eine Suche nach sich selbst geht, es ist eine Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof und deren Umfeld im Zuge der 68er-Bewegung in Deutschland.

Es ist ein wichtiges Buch, vor allem deshalb, weil es mit vielen sich hartnäckig haltenden Legenden aufräumt. Bis heute versuchen viele Menschen, den Zustand des Protests als notwendig und richtig vorauszusetzen. Protestler werden zu Helden stilisiert, dabei handelt es sich lediglich um kriminelle Terrorbanden, die gegenüber der Polizei keinerlei moralische Rechtfertigung für ihr Handeln erbringen können. Röhl fragt sehr treffend dazu: „Warum wollte diese im Wohlstand aufgewachsene Generation das System, den Kapitalismus, die Bundesrepublik zerstören und den Menschen, die ihr Glück in dieser Bundesrepublik machen wollten, das Paradies rauben und einen nebulösen ‘neuen Menschen’ kreieren, der sie selber in keiner Weise waren?“ (S. 37)

Im Laufe des Buches werden einige Gründe genannt, und ich bin der Meinung, dass Röhl auch hier nicht alle Gründe erkennt, die zu diesem Phänomen des Protestismus geführt haben. In einem behält sie jedoch absolut recht: Protest um jeden Preis kam irgendwann in den Sechzigerjahren in Mode und ist bis heute in Mode geblieben, ein Ende ist nicht in Sicht. Und jedes Jahr wird eine neue Protest-Sau von einer anderen Gruppierung, die gerade oben schwimmt, durchs Dorf getrieben. […] Wer das Protestgefühl am kreativsten, brutalsten, geschicktesten oder prominentesten anzusprechen weiß, wer den richtigen Riecher hat, was wieder zieht, hat die größten Chancen, mit seiner Protestidee Furore zu machen, die Medien zu gewinnen und moralisch, sozial, finanziell bis hin zur Würdigung von Bürgermeistern, Regierungschefs, Chefredakteuren, Gewerkschaften, bekannten Schauspielern und anderen öffentlichen Persönlichkeiten den neuen Protesthit zu landen.“ (S. 79)

Das Buch von Bettina Röhl gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil geht es um die APO-Bewegung, Rudi Dutschke, Benno Ohnesorg, und die Eltern der Autorin, welche durch die Zeitschrift „konkret“ in dieser Bewegung mitmischten. Im zweiten Teil wird die Gründung der RAF beschrieben und im dritten Teil vor allem mit den zahlreichen Legenden um Ulrike Meinhof aufgeräumt. Spannend fand ich besonders auch die Schilderung der Entführung der beiden Röhl-Zwillinge – erst nach Sizilien, und später eine zweite Entführung wieder nach Deutschland zurück. Weil die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof nicht wollte, dass ihre Töchter zu ihrem Exmann Klaus-Rainer Röhl ziehen, ließ sie die beiden über die grüne Grenze in ein sizilianisches Barackenlager entführen. Der Plan war, dass die Töchter später in ein palästinensisches Waisenhaus kommen sollten. Zum Glück kam der Journalist Stefan Aust gerade noch rechtzeitig, um die Beiden abzuholen und wieder zurück nach Deutschland zu bringen, bevor Ulrike sie von Sizilien in palästinensisches Gebiet verfrachten konnte.

Die große Frage, die bleibt, betrifft die Notwendigkeit und die Bewertung von 68. Hier bin ich mit der Autorin nicht ganz einig, wenngleich ich ihre Sichtweise gut nachvollziehen kann. Ich denke allerdings, dass man das Ganze etwas differenzierter sehen sollte. Es ist insofern verständlich, als dass sie, die ja so viel Schreckliches durch diese Ideologie erlebt hat, sich durch ihre Bücher deshalb auch autobiographisch ein wenig an der Bewegung abarbeitet. Doch meine ich, dass besonders drei Gesichtspunkte zu kurz kommen. Der technologische Fortschritt, welcher damals die ganze Welt ins Wohnzimmer gebracht und die Konsumenten mit Inhalten überfordert und hilflos gemacht hat, ist mit ein Grund. Die Bewegung von ’68 war eine mögliche Reaktion auf die Reizüberflutung durch diese Massenmedien, die zu jenem Zeitpunkt in sehr vielen Familien Einzug gehalten haben. Zweitens waren die ’68er eine Bewegung, für die der Boden in gewisser Weise bereitet war. Die schrecklichen Geschehnisse im Zuge des 2. Weltkriegs haben Verunsicherung geschaffen und unter der jungen Generation gerade in Bezug auf Vietnam, China, UdSSR, DDR, etc. zu einer einseitigen Blindheit geführt. Last but not least ist die Antwort der Autorin auf die Frage der Bewertung dieser Zeit näher an der Bewegung selbst, denn sie gibt eine säkulare Antwort auf eine säkulare Bewegung. Meines Erachtens macht die fehlende biblisch-theologische und heilsgeschichtliche Einordnung dieser Zeit eine objektive Bewertung unmöglich. Nichtsdestotrotz ist es ein enorm lesenswertes Buch, das einen tiefen Einblick in das Leben ihrer Familie und damit ins Zentrum der 68er-Bewegung gibt.

Fazit:

Ein weiteres sehr gut recherchiertes Buch von Bettina Röhl über ihre Familie, die 68er-Bewegung und die RAF. Am Ende bleiben Fragen offen, aber insgesamt kann ich es jedem weiter empfehlen, der sich für diese Zeit interessiert. Ich gebe dem Buch fünf von fünf Sternen.

Zuhören lernen

Gottes Wort sagt uns, dass wir schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn sein sollen (Jak. 1,19). Zuhören will gelernt sein. Zuhören ist ein aktives Werk, bei welchem wir dem Gegenüber alle Aufmerksamkeit schenken. Immer wieder stelle ich fest, dass das Zuhören heutzutage gar kein Zuhören mehr ist, sondern lediglich noch dazu dient, das beste Reizwort aufzuschnappen, um damit dem Gegenüber widersprechen zu können. So werden Diskussionen missbraucht, sie werden zu einer Schneeballschlacht aus verbalen Triggern umfunktioniert, um am Ende das eigene Ego befriedigen zu können.

Fünf Challenges, um das eigene Zuhören zu prüfen und zu verbessern:

  1. Kann ich das gesamte Gesagte des Gegenübers korrekt in 2 – 3 Sätzen zusammenfassen, sodass das Gegenüber zustimmen kann, dass es tatsächlich so gemeint war?

  2. Kann ich sagen, welchem Teil des Gesagten ich zustimmen kann oder warte ich nur auf das Reizwort? Kann ich mindestens drei Dinge des Gesagten aufzählen, in denen ich dem Gegenüber zustimme?

  3. Kann ich die gesamte Argumentation nachvollziehen und die einzelnen Teile (also die verschiedenen Argumente) aufzählen?

  4. Kann ich erklären, wo der logische Fehlschluss ist oder welches der Argumente inkorrekt ist? Erklären ist etwas anderes als widersprechen, erklären beinhaltet auch das Benennen und Aufzeigen des Fehlers.

  5. Was kann ich Positives von meinem Gegenüber lernen? Nicht nur, wie man es nicht macht, sondern vielmehr: Was möchte ich in Zukunft noch besser machen, was das Gegenüber schon besser kann als ich? Wie kann ich das der anderen Person gegenüber ausdrücken?

Viel Erfolg beim Testen! Ich freue mich über Rückmeldungen!

Warum wir vielfältigen Journalismus brauchen!

Leider fällt mir immer wieder auf, wie wenig Bewusstsein unter Christen herrscht, was „die Presse“, also genauer gesagt, alle möglichen Formen des Journalismus, ausmachen. Ich bin immer wieder entsetzt, dass auch mitten im Evangelikalismus das Wort „Lügenpresse“ fällt. Wer dieses Wort in den Mund nimmt, disqualifiziert sich selbst von der gesamten Debatte um gesunden Journalismus. Deshalb versuche ich heute mal, ein wenig herunter zu brechen, was Journalismus ist und wie er funktioniert. Zunächst einmal: „Die Presse“ gibt es nicht, oder höchstens bei der Herstellung von Apfelsaft und ähnlichem. Was man allgemein unter den Begriff der Presse zusammenzählt, ist die Gesamtheit aller irgendwie journalistisch Tätigen. Im weitesten Sinne handelt jeder Nutzer des Internets journalistisch und würde somit unter den Begriff der Lügenpresse fallen.

Warum? Journalismus ist das Auswählen, Recherchieren und Aufbereiten von Inhalten mit dem Ziel, dass sie von einer bestimmten Leserschaft verstanden werden kann. Journalismus ist immer selektiv, und das ist gut so. Über alle Ereignisse jederzeit und vollständig Bescheid wissen zu müssen, würde jeden von uns total überfordern. Es würde endlos mehr Zeit kosten als wir zur Verfügung haben. Deshalb wählt die Redaktion aus, welche Inhalte (Ereignisse, etc.) wichtig sind und welche nicht, und ebenso auch, was aus diesen Inhalten für den Leser wichtig ist. Es findet immer (!!!) eine Vorselektierung statt, was wie wichtig ist.

Und hier wird es gerade spannend. Menschen finden grundsätzlich durch verschiedene Weltanschauungen automatisch Unterschiedliches wichtig. Jeder Journalist und jeder Leser, Radiohörer oder Fern-Seher bringt seine Biographie mit. Nun gibt es Redaktionen, die ganz unterschiedlich aufgestellt sind. Manche sorgen dafür, dass Weltanschauung der Schreiber möglichst ähnlich ist, und andere mögen möglichst bunte Vielfalt in ihren Medien und unter den Schreibern. Es gibt etwa Zeitungen, welche ich aus der Erfahrung heraus meide, weil ich weiß, dass sie immer nur ins selbe Horn stoßen und sich schon fast wie die internen Blätter bestimmter Parteien lesen. Das ist aber vollkommen in Ordnung, das dürfen sie, und zwar genau so lange, wie sich ihre Inhalte gut genug verkaufen, dass sie überleben können.

Der Leser bestimmt mit!

Genau hier liegt der Hund begraben: Wer von der „Lügenpresse“ spricht, hat keine Ahnung, was er sagt, denn wir leben in einer freien Gesellschaft, die große Stücke auf die Presse- und Meinungsfreiheit hält. In einer freien Gesellschaft bestimmt immer der Konsument mit, welche Inhalte in Zukunft noch mehr verbreitet werden. In der freien Marktwirtschaft geschieht es dadurch, dass der Konsument kauft, was ihm wichtig ist, und heizt damit die Produktion von mehr desselben Gutes an. Was sich verkauft, wird weiter produziert, was boykottiert wird, und sei es wegen des zu hohen Preises, wird weniger oft produziert. Wenn bestimmte Inhalte in vielen Medien oft verbreitet werden, muss dafür der Grund darin liegen, dass die Konsumenten diese konsumieren.

Deshalb ist es auch gut, dass es so ganz unterschiedliche Medien gibt, die ihre Inhalte an die jeweilige Konsumentenschaft anpassen. Ich persönlich lese sehr ungern einseitige Medien, weshalb ich andere unterstütze, welche eine möglichst große Vielfalt an Weltanschauungen und Biographien zusammenbringen. Wenn jemand in der Türkei von der „Lügenpresse“ sprechen würde, wo tatsächlich freie Medien benachteiligt werden und nur die parteinahen überhaupt unterstützt, so könnte ich das halbwegs verstehen. Doch selbst in der Türkei ist es – wenn auch unter Angst vor der nächsten Verhaftungswelle und mit bedächtig gewählten Worten – noch möglich, alternativ zu berichten. Solange das noch geht, ist es keinesfalls angebracht, irgendwen als „Lügenpresse“ abzustempeln.

Im Zeitalter des Internets hat zudem jeder Nutzer dieses Mediums die Möglichkeit, sich selbst journalistisch zu betätigen. Wie bereits angesprochen, tun das auch sehr viele Nutzer, und die allermeisten davon unbewusst. Eigentlich müsste sich jeder Nutzer dieser Verantwortung beständig bewusst sein. Leider führt jedoch gerade der unverantwortliche Gebrauch des Internets dazu, dass sich immer mehr Menschen fragen, wozu es denn noch die professionellen Medien braucht. Und je mehr diese Frage gestellt wird, desto dringender braucht es diese Medien, denn die Flut an Unsinn und falschen News nimmt beständig zu. Und da braucht es Menschen mit dem Durchblick, die gelernt haben, richtig zu recherchieren und den Fakten nachzugehen.

Umgang mit Zahlen und Fake-News

Ein weises Sprichwort lautet: „Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast.“ Zahlen und besonders auch Statistiken enthalten eine Menge an Schwierigkeiten, über die wohl schon jeder gestolpert ist. Sie können immer nur einen Teil der Realität abbilden, weil sie für den Vergleich miteinander auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden müssen, obwohl das in der Realität eben sehr oft verschiedene Dinge sind. Zwei Liter Wasser sind in der Statistik zwei Liter Wasser, die man vergleichen kann, aber selten ist damit das destillierte Wasser gemeint, das besonders reines H2O ist. Meist bestehen zwei verschiedene Liter Wasser aus ziemlich vielen weiteren Bestandteilen, etwa Mineralstoffen und nicht selten auch Verunreinigungen wie Bakterien und Keime. Statistiken können immer nur gleichgesetzte Dinge miteinander in Verbindung bringen, während in der Realität jede Schneeflocke ihr eigenes Design hat. Statistiken werden gemacht, damit man bestimmte Dinge über das Verglichene aussagen kann, und deshalb muss immer nach der Fragestellung hinter der Statistik gefragt werden. So haben Statistiken immer ihre Grenzen, die beachtet werden wollen. Ich kann zum Beispiel eine Statistik machen, in der die Anzahl der Manuskripte von Caesars „Gallischem Krieg“, Herodots „Historien“ und des Neuen Testaments verglichen werden. Beim Neuen Testament sind es über 5000 Teile und vollständige Ausgaben aus früher Zeit, bei den anderen liegen viele Jahrhunderte zwischen der Abfassung und den ältesten gefundenen Manuskripten. Das sagt sehr viel über die große Wahrscheinlichkeit aus, dass das Neue Testament korrekt überliefert wurde, aber ich kann daraus nicht automatisch schließen, dass Caesars Werk deswegen total falsch sein muss.

Und dann kommt auch noch hinzu, dass das Auswerten und Interpretieren von Statistiken nicht immer ganz einfach ist. Viel leichter ist das Hineinlesen von Dingen, welche die Zahlen eigentlich gar nicht sicher aussagen. Dass solche Fehler manchmal auch unter professionellen Autoren vorkommt, ist kein Argument gegen den Journalismus per se, sondern sollte uns alle daran erinnern, dass wir fehlbar sind und gerade im Umgang mit Zahlen besonders gut aufpassen müssen. Im professionellen Journalismus stehe Menschen unter Druck, gerade auch der Zeitdruck ist beständig da, und dann können Fehler passieren. Als Blogger und Facebooker habe ich es leichter: Ich kann meine Beiträge überarbeiten, verbessern oder ganz löschen, wenn ich merke, dass etwas anders ankommt als beabsichtigt war. Was einmal in der Zeitung steht oder übers Radio oder Fernsehen ausgestrahlt wurde, ist draußen.

Fake-News sind in aller Munde (oder Finger), und gerade hier müssen wir als Christen lernen, enorm selbstkritisch zu sein. Ich habe schon mehrfach als Argument gehört, etwas müsse deshalb wahr sein, weil die großen Medien nicht darüber berichten. Also eine noch schlechtere Ausrede habe ich selten gehört. Solches darf unter uns nicht sein. Wirklich nicht. Wir haben eine Verantwortung, gerade wenn wir für die eine wahre Wahrheit von Gottes Wort, der Bibel, einstehen wollen, dürfen wir uns nicht damit disqualifizieren, dass wir im Bereich des öffentlichen Lebens Unwahrheiten verbreiten. Eine solche Unwahrheit ist zum Beispiel auch die Behauptung der angeblich existierenden „Lügenpresse“.

Wie kann man dem vorbeugen, dass man zur Fake-News-Schleuder wird? Zunächst: Hirn einschalten. Viele falsche Meldungen lassen sich mit etwas Nachdenken erkennen. Und mit der Zeit bekommt man eine „zweite Natur“ für das Erkennen falscher News, weil man unbewusst eine bestimmte Struktur dieser News erahnt. Aber es gibt auch ein super wertvolles Tool, das Michael Voß, Christ und Journalist, zur Zeit auch Vorsitzender des Christlichen Medienverbunds KEP erstellt hat: Auf http://quellencheck.de/ kann man jede Quelle auf ihre Seriosität prüfen. Der Quellencheck führt einen durch eine Reihe von Fragen, die einem helfen, diese herauszufinden.

Zum Schluss: Beschwer’ Dich nicht – mach es besser!

Jeder Zeitungsleser, Fernsehzuschauer oder Radiohörer hat die Möglichkeit, es besser zu machen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man selbst tätig werden kann, indem man über seine Erlebnisse berichtet, Weltgeschehen recherchiert, Kommentare schreibt oder gute Beiträge anderer verbreitet. Doch lasst uns bitte eins nicht vergessen: Journalismus, richtig guter Journalismus kostet und er ist eine Menge wert. Wir sind uns gewohnt, alles kostenlos auf unsere Geräte zu bekommen, und denken dabei oft nicht daran, wie viel Arbeit, Zeit, Kraft, Gedanken und Geld in einem einzigen Artikel stecken. Spätestens wenn man es selbst versucht, wird das klar. Deshalb: Nix wie ran an de Tasten. Je nach Thema und Inhalt bin ich auch gerne bereit, Gastblogger aufzunehmen und eine Bühne zu bieten. Mach’ mit und mach’ den Journalismus verantwortungsbewusster und vielfältiger! Ich freue mich über jeden Versuch dazu!

Buchtipp: Das Joshua-Profil

Fitzek, Sebastian, Das Joshua-Profil, Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG Köln, 2015, 430S., eBook, Verlagslink, Amazon-Link

Mein erster Fitzek! Schon seit Jahren haben mir Fans von Stephen King empfohlen, auch mal was von Sebastian Fitzek zu lesen. Jetzt habe ich es getan. Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensions-eBook.

Eins vorweg: Es ist kein Buch für schwache Nerven. Es geht um schreckliche Dinge. Es geht um Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern. Wer sich das nicht antun möchte – und ich habe vollstes Verständnis dafür – sollte die Finger davon lassen. Da ich gerne Thriller lese, habe ich mich – neugierig wie ich bin – darauf eingelassen. Ich würde für mein Teil sagen: Das Lesen hat sich gelohnt. Nur eine Frage bleibt noch offen: Wenn man einen Thriller loben will, ihn aber nicht „schön“ oder „gut“ finden konnte, zählt es dann als Lob, wenn man sagt, er sei „schrecklich“ geschrieben?

Max Rohde, der Protagonist dieses Romans, ist ein Schriftsteller, dessen Erstling ein voller Erfolg war, dessen Beliebtheit danach jedoch irgendwo um null herum dümpelte. In seinem Leben beginnen sich plötzlich kuriose Szenen abzuspielen. Sein Bruder, der in einer geschlossenen Psychiatrie einsitzen sollte, taucht auf der Straße auf. Die Mitarbeiterin vom Jugendamt, die für die Pflegetochter von Max und seiner Frau zuständig ist, taucht auf und will das Mädchen mitnehmen. Max dreht durch, will mit der Tochter abhauen und wird in einen unerklärlichen Unfall verwickelt, nach welchem er in einem Krankenhaus aufwacht und in seinem Ohr die Stimme der entführten Tochter vernehmen kann. Was ist da los?

Mit diesen Vorgängen in den ersten hundert Seiten zieht die Geschichte dann richtig los. Joshua ist ein Computerprogramm, ein Algorithmus, der die Weiten des World Wide Web durchzieht und auf legale und illegale Art und Weise Profile der Internetuser erstellt. Max’ Internetzugang wurde von diesem Programm gehackt, das in Zukunft für die Bekämpfung von Verbrechen an diverse Staaten verkauft werden sollte. Joshua kann künftige Verbrecher schon vor ihren Taten ermitteln; und unter einer ganzen Anzahl von Profilen wurde Max per Zufallsprinzip herausgefischt, um die Wirksamkeit des Algorithmus zu demonstrieren. Die Macher des Joshua-Profils müssen ihn nur dazu bringen, sein Verbrechen möglichst bald zu begehen. Doch auch eine andere Gruppe, welche verhindern möchte, dass Joshua in Zukunft international eingesetzt wird, hat Max entdeckt, welcher nun mitten im ganzen Spiel gefangen ist und keinen blassen Schimmer hat, was gerade abgeht. Damit beginnt eine tödliche Jagd, welche über die Zukunft von Big Data entscheiden sollte.

Ich möchte an der Stelle kurz die Frage beantworten, weshalb man überhaupt solche Bücher lesen kann / darf / soll / etc. Ich sage: Man darf. Keiner muss oder soll, denn es ist von der Persönlichkeit stark abhängig, wie man auf bestimmte Geschichten reagiert. Dazu ist zu sagen: Es ist ein Roman. Eine erfundene Geschichte. Ein kreatives Werk. Und doch kann das eine gewisse Berechtigung haben, denn Romane haben die Fähigkeit, Fragen mit einer Wucht zu stellen, die unter die Haut geht. Und gerade hier müssen wir bei jedem Roman fragen: Welche Fragen stellt uns der Autor und wie beantwortet sein Roman diese Fragen? Ich habe mir angewöhnt, bei Romanen (und insbesondere bei spannenden Romanen) alle paar Seiten innezuhalten und zu reflektieren, welche Fragen im letzten Abschnitt gestellt und beantwortet wurden. Es gibt Romane, welche nur Fragen aufwerfen, andere beantworten sie deutlich, wieder andere drücken sich vor einer Antwort, indem zum Beispiel durch eine plötzliche 180°-Wendung am Schluss ein Relativismus gepredigt wird, und so weiter. Beim Joshua-Profil finde ich Antworten. Das gefällt mir. Ob ich den Antworten zustimme, ist eine andere Frage.

Viele Fragen beantwortet Fitzek übrigens noch einmal im Anhang des Buches, nach dem Ende des Romans. Das ist besonders für die Leser, welche sich während der Geschichte nicht gerne von den Fragen ablenken lassen, sehr wertvoll. Dort werden die Hauptthemen aufgegriffen und kurz besprochen. Mit entwaffnender Ehrlichkeit schreibt Fitzek, weshalb er so rasante und über manche Strecken auch brutale Geschichten schreibt. Es ist sein Versuch, mit den existentiellen Ängsten seines Lebens umzugehen. Ich kann ihm in sehr vielen Antworten nicht zustimmen, aber eins kann man ihm jederzeit abnehmen: Er gibt im Roman dieselben Antworten wie im Nachwort auch. Er ist authentisch. Und genau das ist das Geheimnis, das seine Bücher so vollständig macht. Fitzek versucht nicht, am Ende doch noch was abzuschwächen, sondern denkt seine Geschichten bis zum bitteren Ende fertig.

Das vielleicht schwerwiegendste Thema, in welchem ich dem Autor widersprechen muss, betrifft den Überwachungsstaat. Fitzek ist der Meinung, dass ein alles überwachender demokratischer Staat besser sei, wie wenn die Überwachung durch die private Wirtschaft erfolgt, wie etwa im Falle der sozialen Medien. Hier bin ich der Überzeugung, dass die freie Marktwirtschaft und das denkende und rebellierende Individuum eine bessere Regulierung darstellen als eine zentralistische Überwachung, Wer welche Daten von sich preisgibt ist im Falle der privaten sozialen Medien die jeweils persönliche Entscheidung des Einzelnen. Ein staatlich durchleuchteter gläserner Mensch hat viel weniger Möglichkeit zur Mitsprache, wer welche Daten bekommt und wer nicht. Außerdem gibt es niemals die Garantie, dass demokratische Staaten dies auch immer bleiben, und in einem totalitären Staat ist der Missbrauch personenbezogener Daten noch viel wirksamer.

Was man die ganze Zeit hinweg unterschwellig mitbekommt, ist eine persönliche Unsicherheit, die sich mit der Zeit auf den Leser auszuweiten versucht. Das große Gefühl des Buches ist dasjenige der menschlichen Geworfenheit. Der Mensch ist auf sich selbst zurückgeworfen, aber in einem nicht ganz heideggerschen Sinn, da dieser dem Menschen immer auch zugesteht, sich selbst dabei weiter entwerfen zu können. Im vorliegenden Roman ist dieses Grundgefühl viel näher an einem Ausgeliefertsein an eine unerklärliche Welt. Wie gerne würde ich Sebastian Fitzek – und beim Lesen auch Max Rohde – zurufen, dass es eine Hoffnung gibt, die weit über den Tod hinausgeht, die Hoffnung auf das ewige Leben. Um es mal auf meine etwas flapsige Art als Antwort auf das Argument von Herrn Fitzek zu formulieren: Das Mittel, welches mich vor dem Thriller-Schreiben bewahrt, ist das Gebet und der Glaube an den allmächtigen dreieinen Gott der Bibel. Ich gebe dem Buch vier von fünf Sternen.

Buchtipp: Francis Schaeffer – An Authentic Life

Duriez, Colin, Francis Schaeffer – An Authentic Life, Inter-Varsity Press, Nottingham England, 2008, 240S., Amazon-Link

Colin Duriez ist Literaturwissenschaftler und hat selbst mal eine Zeit lang in L’Abri bei Edith und Francis Schaeffer gelebt. Er hat sich viel mit C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien befasst, und 2008 hat er eine Biographie über Francis August Schaeffer herausgegeben. Es gibt einiges an Literatur über Schaeffer, aber ein solches Werk hat bis dato noch gefehlt, eine Biographie, welche versucht, den gesamten Lebensweg von Schaeffer von seiner Kindheit bis ins Alter nachzuzeichnen. Viele Bücher und Aufsätze haben sich mit vielen Bereichen von Schaeffers Werk befasst, sein Geschichtsverständnis, seine Philosophie, seine apologetische Methode, etc. Aber irgendwie fehlt da sehr oft der Mensch dahinter; seine Geschichte, die ihn zu genau dem machte, der er war. Deshalb bin ich für Duriez’ Werk sehr dankbar.

Wer einen kurzen Abriss von Schaeffers Leben und Werk lesen möchte, findet hier (Link) ein 15-seitiges PDF, das ich dazu mal geschrieben habe. Besonders wichtig finde ich im Werk von Duriez die Schilderung der geistlichen Krise, die Francis Schaeffer durchmachte, als er zum ersten Mal in den Schweizer Alpen lebte. Es war eine der prägenden Zeiten seines Lebens. Mich beeindruckt es sehr, wie Schaeffer ehrlich und kompromisslos mit seinen Zweifeln umging. Es war eine der schwersten Zeiten seines Lebens, vielleicht noch schwerer als die Entscheidung, auch gegen den Willen seines Vaters Theologie studieren zu wollen. In der Krisenzeit lernte Schaeffer eine Tatsache, die er später unzählige Male in verschiedenen Versionen wiederholte: Es gibt nur einen einzigen Grund, weshalb ein Mensch Christ werden soll, und der ist, dass das Christentum wahr ist. Deshalb konnte er von der true truth, der wahren Wahrheit, sprechen.

Colin Duriez tut einen super Job, das Leben und die Herausforderungen der Familie Schaeffer zu beschreiben. Das Buch eignet sich sehr gut als Ergänzung zum Bericht „L’Abri“ (Link) von Edith Schaeffer. Einen Nachteil hat das Buch allerdings: Die 240 Seiten sind viel zu schnell vorbei. Es reicht nicht, um weiter in die Tiefe zu gehen; vieles wird nur ein wenig gestreift. Ich würde gern mehr über andere Schülerinnen und Schüler wie etwa Nancy Pearcey und viele andere erfahren, wie sie ihre Zeit dort erlebt haben. Mir ist das Buch insgesamt zu kurz: Gerne hätte ich drei bis vier Mal so viele Seiten, die in derselben hohen Qualität beschrieben sind. Vielleicht wird noch jemand ein solches Werk schreiben. Ich gebe dem Buch von Colin Duriez fünf von fünf Sternen und empfehle es gerne jedem weiter, der sich für Schaeffer interessiert. 

Fragen zum BASIS.lager

Carolin und Udo Schmitt von Karlsdorf-Neuthard haben den Verein BASIS.lager gegründet und sind jetzt dabei, mit diesem Verein den Menschen um sich herum zu dienen. Ich habe ihnen ein paar Fragen gestellt und freue mich sehr, dass sie uns von ihrem Leben, ihrer Arbeit und vielem mehr erzählen.

  1. Bitte stellt Euch zunächst einmal vor, wer Ihr seid, woher Ihr kommt, was Euer geistlicher Hintergrund ist.

Ich (Carolin) bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Limburg aufgewachsen. In einem evangelischen Umfeld wurde ich klassisch landeskirchlich sozialisiert – angefangen vom Kindergottesdienst bis schließlich zur Konfirmation. Ich habe zwar immer geglaubt, dass es einen Gott gibt, hatte aber nie eine persönliche Beziehung zu Jesus, geschweige denn, dass ich tatsächlich gerettet war. Ich war halt, wie man so schön sagt, ein „Namenschrist“. Nach dem Abitur arbeitete ich ein Jahr als Au-Pair in Frankreich und danach studierte ich Kartografie und Geoinformatik in Karlsruhe. Es folgte ein Aufbaustudium zur Wirtschaftsingenieurin, das ich nebenberuflich während meiner ersten Berufsjahre absolvierte. Während all dieser Zeit hatte ich mit Gott und dem Glauben überhaupt nichts am Hut und habe mich damit auch nie beschäftigt. Im Jahr 2003 durfte ich durch Gottes Führung meinen heutigen Mann Udo kennen lernen. Da er gerade zum Glauben gekommen war, wurde ich neugierig und machte mich ab diesem Moment auf die Suche nach Gott. Viele Fragen beschäftigten mich, die durch meinen Mann, mein persönliches Bibelstudium oder durch das Lesen christlicher Literatur beantwortet wurden. Schließlich schlossen wir uns einem Sportlerbibelkreis in Karlsruhe an und besuchten eine freie christliche Gemeinde bei uns vor Ort. Im Jahr 2006 ließen wir uns gemeinsam taufen, um unsere Entscheidung in der sichtbaren und unsichtbaren Welt festzumachen. Seit dieser Zeit durfte ich viele wertvolle Erfahrungen mit Jesus machen und rückblickend kann ich nur staunen, wie er mich verändert hat.

Um meiner wertvollen Mutteraufgabe gerecht zu werden, arbeite ich in Teilzeit in einem Karlsruher Softwareunternehmen. Somit habe ich noch genügend Zeit für unsere Söhne und ehrenamtliche Tätigkeiten, was ich sehr genieße.
In den letzten zehn Jahren durfte ich Seminare und Workshops zu verschiedenen Themen wie Ehe & Erziehung, Teamentwicklung und -leitung, Frauen in Leiterschaft oder auch Bibelseminare besuchen. Daneben konnte ich eine Ausbildung zum „Geistlichen Mentoring“ an der mbs-Akademie in Marburg absolvieren.
In meiner Freizeit liebe ich es, durch die Natur und den Wald zu joggen, mit meinen Kindern Rad zu fahren oder ein gutes Buch zu lesen.

Ich (Udo) habe Verwaltungswissenschaften studiert und arbeite schon seit vielen Jahren als Personalreferent an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Ich stamme aus Karlsdorf-Neuthard und bin in einem römisch-katholischen Elternhaus aufgewachsen. Dennoch spielte der Glaube in unserer Familie keine prägende Rolle. Die sonntägliche Messe, die Erstkommunion und die Firmung habe ich schon als Kind als inhaltsleere Rituale empfunden. Im Alter von 20 Jahren bin ich aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten.

Nachdem ich mein Studium der Verwaltungswissenschaften abgeschlossen hatte, begann ich ein Philosophiestudium, weil insbesondere die Literatur von Bertrand Russell, Bryan Magee und Karl Popper mein Interesse geweckt hatte. Während des Studiums lernte ich die Werke von Sören Kierkegaard kennen, welche mich dazu motivierten mich intensiv mit der Bibel auseinanderzusetzen. Das Lesen und Forschen in der Bibel führte schließlich zu meiner Bekehrung.

Wie meine Frau genieße auch ich es in meiner Freizeit durch den Wald, über Felder und Wiesen zu joggen. Für mich ist das nicht nur Sport, sondern auch Erholung und Zeit mit Gott. Auch im Fitnessstudio versuche ich mich fit zu halten. Gerne verbringe ich aber auch meine Zeit mit einem guten Buch, einem guten Film oder im Fußballstadion.

Wertvolle Erfahrungen durfte ich in den letzten Jahren bei den Churchplanting-Seminaren des ICF-Movements, beim Predigtseminar der Bibel- und Missionsschule GOSPELTRIBE und nicht zuletzt während meiner knapp zweijährigen Tätigkeit als Pastor einer freien evangelischen Gemeinde in Bruchsal sammeln.

Mein Lebensweg war alles andere als geradlinig, sondern eher holprig. Ohne Gott wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar und deshalb will ich alles dafür tun, dass auch andere Menschen von der Kraft Gottes verändert werden.

  1. Ihr habt vor Kurzem den Verein BASIS.lager e.V. gegründet. Was muss man sich darunter vorstellen?

Das BASIS.lager ist eine Initiative, mit der wir anderen Menschen dienen und Gott die Ehre geben möchten, indem wir das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat verkünden. Wir möchten einen Ort für jeden anbieten – egal welchen Alters, welcher Herkunft, welcher Vorbildung oder welchen Milieus – der ernsthafte Antworten auf grundlegende Fragen nach dem Sinn des Lebens sucht oder geistliche Ermutigung und Zurüstung benötigt.

Für Christen, Missionare und Evangelisten möchten wir einen Raum schaffen, in dem wir uns gegenseitig ermutigen, korrigieren und unterstützen und geistlich erfrischt vom Zwischenstopp im BASIS.lager weiterziehen können, um Gott zu dienen. Dazu gehört für uns auch, dass Menschen bei uns übernachten oder bei einer gemeinsamen Mahlzeit mit uns Zeit verbringen können.

Über die Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen und/oder Vereinen vor Ort sehen wir viele Möglichkeiten, christliche Werte und das Evangelium in die Welt zu tragen, um als BASIS.lager ein sichtbares Licht sein zu können.

Wir werden häufig gefragt, warum wir das BASIS.lager gegründet haben und verweisen dann immer darauf, dass es notwendig ist, rund 2000 Jahre in die Vergangenheit zu reisen, um diese Frage zu beantworten: Der gnädige und gerechte Schöpfer des Universums blickte auf die hoffnungslos in Sünde verlorene Menschheit. Er sandte seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde, um die Strafe für unsere Sünde am Kreuz auf sich zu nehmen. Er starb, doch er besiegte den Tod und in der Auferstehung demonstrierte er seine Macht über die Sünde. Jeder, der sich von der Sünde abwendet und Jesus vertraut, wird für immer mit Gott versöhnt sein und ewiges Leben haben. DAS ist eine gute Nachricht! DAS ist das Evangelium! Diese gute Nachricht, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zu verkünden, ist der einzige Grund, warum das BASIS.lager gegründet wurde.

  1. Habt Ihr Vorbilder, die Euch inspiriert haben zu dieser Arbeit?

Zunächst einmal haben mich (Carolin) Priscilla und Aquila beeindruckt. Sie werden sechsmal in der Bibel erwähnt. Immer werden sie zusammen genannt. Diese beiden sind für mich ein schönes Beispiel einer Ehe nach den Vorstellungen Gottes. Sie lebten erkennbar für alle ihre Ehe nicht für sich selbst, sondern für den, der für sie gestorben ist, für Jesus. Sie öffneten ihr Haus für Fremde und Gäste, widmeten ihre Zeit, ihren Dienst und ihre geschwisterliche Liebe, dem Reich Gottes und der Verkündigung des Evangeliums.

Darüber hinaus habe ich im letzten Sommer das Buch „L’Abri“ von Edith Schaeffer gelesen. Die Lektüre dieses Buches hat mich von der ersten Seite gefesselt und extrem ermutigt. Meine Gedanken und Ideen, eine evangelistische Initiative vor Ort zu starten wurde durch die Lebensgeschichte der Familie Schaeffer bestärkt. Viele Wochen habe ich darüber gebetet bis schließlich in einem Austausch mit meinem Mann offenbar wurde, dass er seit Wochen die gleichen Gedanken wie ich hatte. So lag es für uns auf der Hand, dass wir Schritte gehen und schauen, was Gott mit uns vorhat.

Für mich (Udo) ist in den letzten Jahren Francis Chan zu einem geistlichen Vorbild geworden und seine Bücher hatten großen Einfluss auf mein Glaubensleben. Er trat als Pastor einer Megachurch zurück und geht nun völlig andere Wege der Gemeindegründung (www.wearechurch.com), die ich sehr interessant und herausfordernd finde. Auch wenn wir keine Gemeindegründung anstreben, hat mich seine BASICseries (https://www.youtube.com/watch?v=Wn4rK4g377A) sehr beeindruckt und uns auch zu unserem Namen BASIS.lager inspiriert.

  1. Wie seid Ihr auf die Idee dahinter gekommen?

Den Begriff BASIS.lager haben wir schon etwa zwei Jahre vorher im Herz und Kopf mit uns herumgetragen und immer mal wieder darüber gesprochen, dass wir diese Idee eines Basislagers gut finden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir aber noch keine konkrete Vorstellung, wie wir diesen Gedanken praktisch umsetzen könnten. Aber über viele Monate hinweg ist die Idee immer mehr in uns gereift. Dann haben wir im letzten Sommer das Buch „Keine Kompromisse“ von David Platt gemeinsam gelesen und uns beiden wurde klar, dass wir konkrete Schritt in verschiedenen Bereichen gehen müssen und nicht abwarten dürfen, bis Gott uns die Früchte in den Mund wachsen lässt.

Daraufhin haben wir uns zum einen für einen Kurz-Missionseinsatz in Ägypten bzw. Marokko angemeldet und parallel dazu mit den ersten Schritten zur Gründung des BASIS.lagers begonnen. Diese sahen zunächst so aus, dass wir Christen im Ort angesprochen und von unserer Idee erzählt haben. Mit etwa sechs bis acht Christen, die ebenso ein Herz für Evangelisation haben, starteten wir dann regelmäßige Gebetszeiten. Anfang des Jahres haben wir konkret die Vereinsgründung in Angriff genommen, um in unserem Wohnort präsent sein zu können. Wir sehen darin viele Vorteile: Als Ortsverein ist es uns möglich durch eigene redaktionelle Beiträge in lokalen Medien präsent zu sein, wir sind als Verein im Ortsgeschehen mittendrin und können z. B. auch Angebote beim Kinderferienprogramm beisteuern. Außerdem ist es als juristische Person einfacher, Räumlichkeiten vor Ort für Veranstaltungen zu mieten.

  1. Welche Projekte gibt es bereits? Welche sind in Planung?

Wie bereits gesagt treffen wir uns seit Anfang des Jahres mit Christen aus unserem Wohnort zum regelmäßigen Gebet. Wir beten seitdem für die Menschen im Ort, für die Gemeindeverwaltung, für Vereine, Schulen, Kindergärten etc. und insbesondere für offene Herzen und Begegnungen, um das Evangelium weitergeben zu können.

Gerade haben wir unser erstes großes Projekt erfolgreich abgeschlossen. Mit etwa 20 Personen aus verschiedenen Gemeinden haben wir die evangelistische Zeitschrift „life.de“ im Rahmen der Vision 2020 „Gemeinsam Deutschland erreichen“ an 4.500 Haushalte verteilt und somit das Evangelium an etwa 10.000 Einwohner weitergegeben.

Im Vorfeld hatten wir zwei Tage zuvor ein 24-Stunden-Gebet ins Leben gerufen. Wir beteten in Schichten von einer bis drei Stunden ununterbrochen 24 Stunden für die Verteilaktion im Gebetsraum des BASIS.lagers. Rund um die Uhr war mindestens eine Person anwesend.

Für die nächsten Monate haben wir schon einige Ideen in Planung. So werden wir beispielsweise ein Angebot im örtlichen Kinderferienprogramm anbieten: HEADIS (Mischung aus Fußball und Tischtennis) für Kinder ab 9 Jahren. In diesem Rahmen wollen wir neben dem Sport den Kindern auch christliche Werte weitergeben, da wir unter anderem über das Missionswerk SRS (Sportler ruft Sportler e.V.) die Werteoffensive unterstützen (www.werteoffensive.de).

Quartalsweise möchten wir Gebetsabende anbieten, um für Länder zu beten, in denen Christen verfolgt werden. Im Mai wird Marokko im Mittelpunkt stehen.

Ein MyLife-Workshop ist für den Herbst geplant. Dabei handelt es sich um einen Lebenskurs für Menschen, die mit dem Glauben noch überhaupt keine Berührung haben, um zunächst einmal das eigene Leben zu reflektieren und dann die Leute zu bewegen die Lebensgeschichte aus der christlichen Perspektive zu betrachten.

Letztlich wollen wir aber auch immer flexibel reagieren können, wenn Menschen mit Fragen auf uns zukommen, um ausreichend Raum und Zeit für diese Personen haben zu können. Wichtig ist uns, dass wir nicht zu viele zeitliche Ressourcen verplanen, um jederzeit auf Gottes Führung hören und reagieren zu können. Denn es soll nicht unser Werk, sondern Gottes Werk sein.

  1. Gibt es schon irgendein besonderes Erlebnis, das Ihr im Zusammenhang mit dieser Arbeit hattet?

Wir wussten bis zum Schluss nicht, ob bei dem 24-Stunden-Gebet alle Gebetsschichten abgedeckt werden. Zehn Minuten vor Beginn der Gebetsaktion haben sich alle Lücken geschlossen. Das Gleiche erlebten wir bei der Verteilaktion. Im Grunde wussten wir bis zum Verteiltag nicht, ob wir genügend Helfer haben, um die Aktion in dem geplanten Zeitrahmen zu schaffen. Als es dann soweit war, kamen unverhofft Menschen, die wir bis dahin noch nie gesehen hatten, um uns zu unterstützen. An beiden Tagen benötigten wir nur etwa die Hälfte der geplanten Zeit.

Gerade aktuell können wir noch etwas Positives berichten: eine Frau rief drei Tage nach der Verteilaktion an und teilte uns mit, dass sie die evangelistische Zeitschrift großartig findet. Sie fragte nach weiteren Exemplaren und möchte diese in ihrem Umfeld verteilen, weil ihr beim Lesen der Glaubensgeschichten konkrete Personen in den Sinn kamen.

  1. Wie kann man Eure Arbeit unterstützen?

Durch Gebet, Gebet und nochmals Gebet. Aber auch durch Mitarbeit in einzelnen Projekten und durch Hinweise auf das BASIS.lager in persönlichen Gesprächen oder im Internet (Facebook, Blogs etc.).

Zu Spenden wollen wir ganz bewusst nicht aufrufen, sondern vertrauen die Finanzen allein Gott im Gebet an. Wir vertrauen darauf, dass Gott es einzelnen Menschen klarmachen wird, ob, wann und in welcher Höhe sie mit materiellen Mitteln einen Beitrag leisten sollen.

Auch durch die Gründung eines BASIS.lagers im eigenen Wohnort kann die Initiative unterstützt und multipliziert werden. Gerne helfen wir beim Start und den ersten Schritten.

  1. Welche Botschaft ist Euch besonders wichtig? Was möchtet Ihr den jungen Menschen unserer Zeit mitgeben?

Wagt etwas, geht mutige Schritte, überlegt nicht immer zu lange. Lest in der Bibel, betet, trefft euch mit anderen Christen, aber verliert nie den Blick für die Verlorenen.

Pflegt bewusst auch Freundschaften mit Menschen, die keine Christen sind und verbringt Zeit mit ihnen. Hört ihnen zu und findet heraus, was sie bewegt und ihnen Sorgen macht und erzählt ihnen immer wieder von eurem Glauben an Jesus.

Verplant Eure Zeit nicht mit zu vielen Aktivitäten, damit ihr auf Gottes Unterbrechungen jederzeit reagieren könnt. Nehmt die kleinen Dinge in eurem Alltag wahr, plant nicht alles bis zum Ende, sondern vertraut darauf, dass Gott für den Rest sorgt.

Vielen Dank für die Einblicke in Euer Leben!

Buchtipp: Die Getriebenen

Die Getriebenen von Robin Alexander

Alexander, Robin, Die Getriebenen, Siedler Verlag München, 6. Aufl. 2018, 286S., Verlagslink, Amazon-Link

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Robin Alexander ist Journalist im politischen Berlin, hat auch schon für die taz gearbeitet und ist jetzt für die Welt am Sonntag unterwegs, um direkt aus der aktuellen Politik zu berichten. In seinem Buch „Die Getriebenen“ geht er der Frage nach, inwieweit die Flüchtlingskrise 2015 die Berliner Politik verändert hat. Seine These, die er vertritt, besagt, dass neue Arten zu regieren entstanden sind, die der früheren Art und Weise entgegen stehen. Da das Buch schnell Emotionen hochkochen ließ, war ich gespannt auf den Inhalt, und eher erstaunt darüber, wie dieses Buch zu so kontroversen Diskussionen führen konnte. Habe ich die Macht der medialen Filterblasen, von denen ich schon öfter bloggte, vielleicht tatsächlich unterschätzt?

Was der Autor schreibt, lässt sich fast alles in (Online-)Zeitungsartikeln finden. Grob geschätzt 90% des gesamten Inhalts war mir auch vor dem Lesen des Buches gut bekannt. Der Rest betrifft entweder Beschreibungen von TV-Sendungen, die ich nicht gesehen hatte und politische Treffen, welche unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatten und von Alexander nun in eigenen Worten nacherzählt werden. Für Leser, welche sich die Ereignisse dieser Zeit noch einmal in Ruhe vor Augen halten wollen, ist das Buch sehr wertvoll. Ich habe mit kontroverseren Inhalten gerechnet, weshalb ich schon fast etwas enttäuscht war.

Doch warum heißt das Buch „Die Getriebenen“? Es war eine Zeit, auf welche es keine Vorbereitung gab; die Politik war zum Improvisieren verurteilt. Es gab nicht das einzig logische Handeln, sondern immer nur die Reaktion auf unvorhergesehene Umstände. Das ist an sich ja auch nichts Schlimmes – es ist eine Chance, um seine Überzeugungen zu leben. Doch insgesamt – im Hinblick auf das ganze Buch – finde ich den Titel nicht passend, sondern eher irreführend. Die ganze Situation wird dazu genutzt, um in den verschiedenen Bundesländern und auch bei der letzten Bundestagswahl Wahlkampf zu betreiben. Insofern wäre zumindest für den größeren Teil des Buches der Wahlkampf der „Getriebene“ und nicht die Politiker. Die treibenden Kräfte sind Parteien, Bundesländer und aufsteigende Politiker, welche sich profilieren wollen.

Besonders gut gefiel mir, wie Alexander die Rolle von Wolfgang Schäuble identifizierte (ab S. 135, Kp. 9). Ihn habe ich bisher eher an vielen Einzelschauplätzen wahrgenommen, und weniger als eine ganze Persönlichkeit, welche der Autor nun aus ihm machte. Es war mir natürlich immer klar, dass er nur eine Person ist, aber was ihn ausmacht, weshalb er an den einzelnen Schauplätzen wie agiert, ist mir beim Lesen dieses Kapitels erst richtig klargeworden.

Das Buch ist gut geschrieben, leicht verständliche Sprache gepaart mit einem fesselnden Schreibstil, weshalb das Buch in wenigen Stunden gelesen werden kann. Ereignisse und Verknüpfungen der verschiedenen Beteiligten werden analysiert und gut präsentiert. Wer die Ereignisse ein wenig in den Tageszeitungen oder Online-Nachrichten verfolgt hat, wird sich mehr Hintergrund-Informationen wünschen, aber gerade für diejenigen, welche sich wünschen, das Ganze noch einmal in Ruhe sortieren und überdenken zu können, wird in dem Buch genau das finden, was er sucht.

Um noch einmal auf meine anfängliche These zurückzukommen, dass die Filterblase so ausgeprägt ist, erlaube ich mir einen letzten Hinweis: Das Buch ist neutral geschrieben, es wird keines der häufig anzutreffenden Gut-Böse- oder Rechts-Links-Schemen bevorzugt. Weil aber die Leserschaft (und, wie ich hinzufügen möchte, auch ein großer Teil der medialen Welt der Schreiberlinge) bereits sehr stark in vorhandene Geleise eingefahren ist, darf das dann doch nicht verwundern. Es behält im vorliegenden Buch niemand seine weiße Weste; es wird aber auch kein Bashing betrieben, was heute eher selten anzutreffen ist.

Fazit:

Ein gut recherchiertes Buch, das viele Ereignisse und Verknüpfungen von Personen und Ereignissen in der deutschen Flüchtlingspolitik aufzeigt und erklärt. Es ist verständlich geschrieben und spannend aufbereitet. Der Titel ist allerdings unpassend und reißerisch gewählt; außerdem würde sich der Leser noch mehr Einblick in die Ereignisse wünschen, die sich tatsächlich hinter den Kulissen abgespielt haben und bisher noch nicht öffentlich zugänglich waren. Ich gebe dem Buch vier von möglichen fünf Sternen.

Biblipedia-Debattenstarter: Quo vadis, EAD?

Heute ist meine Analyse der aktualisierten EAD-Glaubensbasis als Biblipedia-Debattenstarter erschienen: „Im Grunde genommen ist diese Fassung eine 90°-Drehung. Noch nicht ganz weg von den bisherigen Standpunkten, aber ein weiterer solcher Schritt würde schon bedeuten, dass in manchen Punkten das Gegenteil dessen gelehrt würde, was ursprünglich mal die Position der Evangelischen Allianz war. Einen solchen Schritt lediglich als Modernisierung des Textes zu bezeichnen ist irreführend. Eigentlich sollte eine solche neue Fassung mit genügend Erklärungen und Kommentaren versehen an jedes Werk der EAD und an jede Ortsallianz gehen, damit sich diese entscheiden können, ob sie weiterhin hinter diesem Kurs stehen können.“

Hier (Link) geht es zum vollständigen Text und hier (Link) zur PDF-Version.

Schöpfungsgeschichte auf Naturwissenschaftlich

Eine der unendlich vielen möglichen Schöpfungsgeschichten auf Naturwissenschaftlich:

Im Anfang war das Nichts, doch das Nichts war nicht nichts, sondern waberte beständig zwischen positivem und negativem Nichts herum. Und eines Tages sammelte sich das positive Nichts ohne Grund an einem bestimmten Ort im Nichts, und entwickelte aus dem Nichts eine so große Energie, dass alles Nichts in sehr viele Teile zerfiel und sich im ganzen Nichts weit herum verteilte. Und aus diesem Nichts ist ohne Grund schrittweise alles entstanden. Die Strukturen des positiven Nichts wurden immer komplexer, bis diese Strukturen eines Tages so geistreich waren, dass sie sich fragen konnten, woher das alles stammt.